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mit dem Kreisblatt für dm Kreis Marburg ->

Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberhessen

Jti. 215

IDieOberhessische Zeitung" erscheint sechrmnl wöchentlich. Der Bezugeprei» beträgt monatlich 1.60 Jl. frei in! Haus; durch dir Post 1.7'> N. ohne Bestellgeld. Bering »on Dr.. tzitzeroth. Druck ber llnio »Vnchdr. von J o h. A u g. Koch. Markt 21/23. Fernsprecher 55.

Marburg

Montag, 15. September

Der Anzeigenpreis beträgt silr die 8gesp. Zeile 80 4. ix. 83'/,'/. Seuetung«jufc6I. = 49 4 «mU. u. «uswirt. 40 4 u.25'/.Teuerunqszuschl. 50 Reklämejei!» 1.50X Jeder Rabatt gilt al, «arrabatt. «ei Susi. d. dir «e>chist,ft. *. «er «ittlg.d.»n,eb. 26 4. «ondergebähr.Postscheck!.: Rr. 5015 Amt Frrnrs.a. M

54. Jahrg.

1919

Sh Stielen.

wb. Versa'lies, 14. Sept. Nach einem Brüsseler Telegramm desTemps" wird der Oberste Wirtschaftsrr.i der verbündeten Großmächte und Belgiens vom 15. bis 20. September in Brüssel Sitzungen abhalten. Unter den Fragen, die zur Beratung stehen, befinden sich die Frage des Tran­sits durch Deutschland, Rußland und Ungarn, die Frage der Verteilung der feindlichen Tonnage, die Transportfrage auf Rhein, Donau und Elbe sowie die Frage der Verwendung des Hafens von Ant­werpen für die Verschiffung der für Deutschland be­stimmten Lebensmittel. Schließlich werde auch über die Verwaltung der besetzten Gebiete verhandelt werden.

wb. Rotterdam, 14. Sept. DerNieuwe Rot- terdamsche Courant" meldet aus Paris, daß der ita­lienische parlamentarische Ausschuß für den Friedens- Vertrag in Versailles auch rechtlichen Erwägungen heraus gegen ein Verfahren gegen den vormaligen Deutschen Kaiser ist.

wb. Hamburg, 14. S.-pt. Der DampferWei­mar" .ist als erster Dampfer mit Stückgut von Lon­don heute nachmittag hier angekommen.

wb. Ottawa, 13. Sept. (Reuter.) Das linier haus hat den Friedensverlrag ohne Abstimmung rati­fiziert.

Der Wirderausbau Nords arrreichs.

wb. Berlin, 13. Sept. In der Wiederausbau- srage ist in allen grundlegende» Fragen insoweit ein Einverständnis erzielt worden, als dies nach Lage der Sache zurzeit überhaupt möglich ist. Es »erden nunme^zunächst einige typische Punkte der zerstörten Gebiße besichtigt werden, und es wird danach bejprochM» werden, welche Arbeitet! Deutsch­land übernehmen wird. Es handelt sich bei den jetzt geführten Verhandlungen nicht um die zahlcn- rnößigc Feststellung. Ucker diese sind vielmehr erst Vorbesprechungen im Gange. Es handelt sich jetzt «Bein um die praktische Frage des Wiederaufbaues, Nf; das Deutsche Reich als Generalunternehmer ößere Aufträge entgegennimmt, deren Wert nach tifmännischen Grundsätzen zu berechnen und dem kutschen Reiche gutzuschreiben ist.

Polnische Arbeiter für Frankreich.

-tob. Amsterdam, 14. Sept. DerTimes" ird aus Warschau gemeldet, daß zwischen der fran- Pschen und polnischen Regierung ein Abkommen

Entsendung

ton

100 000

polnischen

Arbeitern

üh Frankreich geschlossen worden ist, wodurch die sinische Regierung die Möglichkeit erkält, Kredit ' französischem Gelds aufzunehmen.

Kapitalbeteiligung des Auslandes in der Industrie.

Berlin, 13. Sept. An den deutschen Börsen fatie sich in der letzten Zeit eine kräftige Aufwärts- bewegung in den Wertpapieren durchgesetzt, die um s» ausfälliger erscheinen könnte, als unser Wirt- Wrstsleben auf de .bschüssigen Bahn sich dem Zu- ^vrmenbruch nähert. Diese Erscheinung findet ihre Erklärung in der Kapitalbeteiligung des Auslandes an unseren großen industriel- trn Unternehmungen. Bei dem äußerst ^günstigen Stande unserer Valuta hält das Aas­end die Gelegenheit für geboten, für billiges Geld putsche Wertpapiere zu kaufen, wobei man zuver- Üchtlich mit der Zukunft rechnet, aber auch berück- Wigt, auf welcher Höhe technischer Vollkommen- ^it unsere Werke stehen. In gewisser Beziehung gegenwärtig die ausländische Kapitalbeteili­gung Trost im tiefsten Unglück spenden, im allge- *kinen muß sie aber durchaus ungünstig beurteilt erben.

Rotterdam, 13. Sept. Die deutsche Mark heute in Rotterdam auf 9,82'/, zurück.

Autonomie für Deutsch-Südtirol?

Berlin, 13. Sept. Verschiedene Blätter mel- *n. daß Italien beabsichtige. Deutsch-Südtirol als Provinz Hochetsch volle Autonomie ohne Zolltren- ^ng gegen Nordtirol mit deutscher Schule und EErich:-,spräche zu geben. -

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Aus dem besetzte» Gebiet.

tob. Mainz, 13. Sept. General Fay 0 lle, toimanbant der di« 8. und 10. französische Armee ^fassenden Heeresgruppe erläßt eine Bekanntmach- ***& daß die Einführung derFrankfurter Zeitung" desMttagsblatts" in die französische Zone vom * bis 30. September 1919 einschl. verboten ist vfßen eines in beiden Blättern erschienenen Artikels ^'che dieWürdigkeit der Besakuiiastrupven" bet» W11.

M $ilen Wellige les Wales ia DletWen.

Feststellungen der Kommission der Verbündeten.

wb. B e r l i n, 13. Sept. Die interalliierte Mi­litärkommission, bestehend aus den Chefs der Ber­liner Militärmissionen von Frankreich, England und Italien, hat nach ihrer Rückkehr von einer mehrtägigen Bereisung Oberschlesi.'ns, wie gemel« dct, der Reichsregierung eine vorläufige Aufzeich­nung über ihre Auffassung der Lage zugehen lassen, ihre Vermittlung zur Durchführung friedlicher Ver- hältniffe angeboten und gleichzeitig einige Vor­schläge gemacht. Die Kommission hält eine Mit- setantwortur.g der nationalpollrischen Agitation von jenseits der Grenze für den Ausbruch der Un­ruhen als gegeben und eine Reihe von Maßnahmen von polnischer Seite für erforderlich. Hierher ge­hören vor allem die Rücksendung der nach Ober- fchlesien beförderten Freiwilligen, die Schließung der Werbebüros im Posenschen, die als am 6. Sep­tember bereits erfolgt angenommen wird, die E i n- stellung aller Grenzübergriffe, die Beruhigung der Presse und endlich das Unterlassen jeder Förderung der geheimen Heeresorganisation. Rach Ansicht der Ko:. Mission müssen die Polen in Ruhe die Besetzung von Oberschlesien durch die fremden Truppen im Vollzüge des Friedensvertrages abwarten. Die Kommission macht ferner Vorschläge an die deutsche Regierung zu einer allgemeinen Amnestie für alle Per­sonen, die sich nicht gemeiner Verbrechen ober Ver­gehen schuldig gemacht haben, vor allem aber ver­langt sie die Rückkehrerlaubnis für alle Flüchtlinge, die in der Zahl von mehreren Tausenden das Auf­standsgebiet verlassen haben. Außerdem empfiehlt die Kommission, daß gegenüber der Bevölkerung Ausschreitungen unbedingt vermieden werden.

Die Reichsregierung im Benehmen mit der preußischen Regierung hat auf die Vorschläge der Kommission im wesentlichen zustimmend ge­antwortet. Daß jede Ausschreitung gegenüber ber Bevölkerung unterbleiben muß, entspricht vollkom­men ber deutschen Auffassung, die in wiederholt gegebenen Befehlen den maßgebenden Stellen ge­genüber zum Ausdruck gelangt ist. Da, wie die Kommission besonders hervorhebt, die deutschen Truppen Disziplin haben, so unterliegt es keinem Zweifel, daß die Bevölkerung in dieser Be­ziehung gesichert ist. Was ferner die Rückkehr ber Flüchtlinge betrifft, so ist diese schon im gewissen Umfange erfolgt. Die deutsche Regierung hat sich bereit erklärt, eine allgemeine öffentliche Ankündi­gung an die Flüchtlinge zur Rückkehr nach Deutsch­land zu erlassen, damit über das Schicksal der sämt­lichen aus Anlaß des Aufstandes Verschleppten, von denen augenblicklich noch 13 000 vermißt sind, Klar­heit geschaffen werde. Die Kommission hat darauf die Gewähr übernommen, daß die Ermittelungen ohne Verzug und in der wirksamsten Weise ein­geleitet werden. Sie hat sich telegraphisch an die Warschauer Regierung gewandt und einen eigenen Offizier an Ort und Stelle abgeordnet. Die Frage der allgemeinen Amnestie hat seinerzeit bereits den Gegenstand deutsch-polnischer Verhandlungen ge­bildet, die bekanntlich von den Polen abgebrochen worden sind. Sollten diese wieder ausgenommen werden, so wird diese Frage wohl zum Abschluß kommen. Natürlich muß sich die deutsche Regierung bei all ihren Erwägungen von dem Grundsatz leiten lassen, daß die dauernde Beruhigung für Oberschlesien erreicht und gesichert ist.

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Die Lage in den SfiHenlnnbet».

Die Ziele des baltische« Bundes.

tob. Mita«, 13. Sept. Zu Ehren der in Riga anwesenden baltischen Diplomaten fand ein Festmahl beim Ministerpräsident Ulm anis statt. Dieser führte aus, daß der erste Zweck der Zusammenkunft die Herstellung einer militärischen Vereinigung sein müsse, an die sich politische und ökonomische Berein- barungen anschließen müßten Die militärischen Ver­einbarungen müßten sich nicht nur gegen die Bol- schetoisten, sondern auch gegen andere Fe inbe richten. Der litauische Gesandte führte aus, der ge­meinsame Kampf müsse sich gegen den Bolschewismus und die deutsche Gewaltherrschaft richten. Der Minister des Auswärtigen sagte die Hilfe der Westmächte zu und schloß mit einem Hoch auf den Staatenbuird zwischen Estland, Litauen und Lettland uird auf die Verbündeten. Die Engländer stehen also dicht vor der Erreichung ihres Zieles, die baltischen Staaten in ihrem Schlepptau in ein deutschfeindliches Fahrwasser zu bringen.

Die Konferenz der baltischen Staatsmännern wurde abgebrochen, um nach einiger Zeit wird» aafgenflm-

men zu werden. Die Ergebnisse sind nicht als end­gültig zu betrachten. Das bisherige Ergebnis der Beratungen wird als sehr befriedigend bezeichnet.

Die Notwendigkeit des Schutzes Ostpreußens.

Berlin, 13. Sept. DieB. Z." meldet: Der Oberpräsident von Ostpreußen Winnig halte einer Konferenz aller politischen Parteien in Königsberg vorgeschlagen, man solle von der Regierung verlangen, daß die aus Kurland abzrehendeu Truppen zur Ab­wehr bolschewistischer Uebrrfälle zehn bis zwölf Kilo­meter jenseits der ostpreußischen Grenze stehen bleiben. Auf einen von der sozialdemokratischen Parteileitung in Königsberg gegen diesen Antrag erhobenen Protest, worin betont war, in absehbarer Zeit sei eine bolsche­wistische lslefährdung Ostpreußens nicht zu besorgen, führte der Minister des Auswärtigen in seiner Antwort aus: Seiner Auffassung nach sei ein Schutz Ostpreu­ßens gegen die bolschewistische Gefahr notwendig. Dieser Schutz habe aber an der Reichs grenze zu stehen, da der Friedensvertrag es nicht gestattet, jen­seits der Grenzen Truppen zu imterhalten. Zwar fei eine Bedrohung Ostpreußens durch die Rote Armee nicht zu befürchten, aber »ach der Räumung des Bal­tikums durch die deutschen Truppen könnten sich immerhin bolschewistische Banden breit machen und die ostpreußischen Grenzen überschreiten. Aus die wei- iere Klage der Parteileitung über die langsame Räum- nng des Baltikums erwiderte der Minister des Aenßern, daß sich für eine solche Räumung Schwierigkeiten ergeben hätten, insbesondere weil russische Truppen zum Teil im Rücken der deutschen Truppen ständen. Die Truppen seien allerdings nicht zuverlässig. Sie hätten ihm jedoch versichert, daß sie sich nicht zu gegenrevolutionären Putschen in Deutschland gebrau­chen ließen. Tas von der Parlciieitung angegebene Mittel einer Sperrung der Löhnung, der Verpflegung und der Munition würde zu unerwünschten Ergebnissen führen. Deshalb könne zu diesem Mittel des völligen Bruches nur im äußersten Notfall gegriffen werden.

Waffenstillstandsvorschlag an Lettland.

wb. Mitau, 13. Sept. Am Freitag wandte sich der Kommissar des Auswärtigen ber russischen Räteregierung, Tschitscherin, in einem Funkspruch an ben lettlänbischen Minister bes Aeußeren mit bem Vorschlag, bie Kriegsoperationen einzustellen.

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Friedensangebot KoltschakS?

(Eingreifen der Amerikaner und Japaner in Sibirien?

wb. Amsterdam, 13. Sept. Drahtlos wird aus Horsea gemeldet: Aus Moskau traf die Nach­richt ein, daß die südliche Flanke des Koltschakschen Heeres umzingelt wurde und daß die Bolsche­wisten hierbei 12 000 Gefangene machten. Eine Ab­ordnung der Freiwilligentruppen überbrachte den Bolschewisten ein Friedensangebot.

wb. Helsingfors, 13. Sept. Die Peters­burger Presse meldet: Die Sowjettruppen landeten bei Dubowka, 40 Werst nördlich von Zaritzin. Za- ritzin wird geräumt. Die Stadt Zarew wurde er­obert. Bei der Einnahme von Omsk wurden 3000 Gefangene gemacht. Nordwestlich von Wladi­wostok fanden Zusammenstöße zwischen Ameri­kanern und Sorvjettluppen statt. Die ameri­kanischen Verluste sollen bedeutend sein. Bei Ir­kutsk sollen die bolschewistischen Truppen von Ja­panern umzingelt sein.

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Annika

Ei» Kompromiß zwischen Wilson und der Opposition?

wb. Amsterdam, 12. Sept. Dcr Washingtoner Korrespondent derTimes" glaubt, daß der .Kampf Wil­sons mit der Opposition im Senat schließlich auf einen Kompromiß hinauslaufen loerde. Er schreibt, die Schar derjenigen unter den Senatoren, die bereit seien, dem Präsidenten zu folgen, ivcrdc immer kleiner, und die Gruppe der gemäßigten Revisionisten gewinne an Boden, «clbst die Freunde des Präsidcnlen sprechen nickt län­ger von der Ratifikation des Friedensvertrages ohne Ab­änderungen. Alles, worauf sie jetzt hoffen, ist, auf direkte Abänderungen hinzielende Bestrebungen zu vereiteln und die im Anschluß für Auslvärtige Angelegenheiten des Senats vorgeschlagenen Abänderungen zu mildern. Offiziell kämpfen die Freunde Wilsons noch immer für die Ratifikation des FriedcnSvertrags, wie er ist. In dcr Praxis aber werden sie sich mit einer a»S- le gen den Entschließung der Art zufrieden stellen, die dcr Präsident bei den Zusammenkunft mit den Senatoren im Weißen Hause als unannehmbar bezeichnete.

Japan und die Haltung Amerikas in der Schantung-Frage.

wb. A m st e r b a in, 13. Sept. Dem Pressebüro Radio infolge meldet die ^Associated Preß" au»

Tokio, Japan warte auf bie enbgültigen Aktion«» bes Senates ber Vereinigten Staaten. Die japa« nische Regierung sei geneigt, die Anwesenheit der halben Flotte ber Vereinigten Staate» im Stillen Ozean mit ber Lage in Schantung i» Zusammenhang zu bringen.

Ein amerikanischer Kriuzer gesuuke«.

wb. Haag, 13. Sept. DerNieuw Courant" melbet aus Miama (Floriba), baß bet Kreuzer Corybon" im Bahamakanal gesunken ist. Der Kapitän unb 27 Mann ber Besatzung sinb er« trunken.

wb. Haag, 13. Sept. Wie bemNieuwen Cou­rant" gemeldet wirb, würbe im Senat ein Antrag eingebracht, der verlangt, baß bie Bereinigten Staaten Europa kein Gelb m ehr leihen sollen. Auch für ben induflrieellen Wiederaufbau sollen nur unter ber ausdrücklichen Zusicherung, baß bas Geld nicht für Kriegsrüstungen verwendet werde, Kreli.e gewä.rl werben.

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Sin Mich 1'AnnnM.

d'Anuunzio annektiert Fiume für Italic».

wb. Bern 13. Sept. In der italienischen Kammer wurde gestern bekannt, daß Gabriele d'An n unzio an dcr Spitze eines Freikorps in Fiume einmat« schiert sei, als die Italiener im Begriff waren, die Stadt an die Engländer zu übergeben. Die Expedition scheint von langet Hand vorbereitet und gut finanziert zu sein. In allen größeren Städten bestehen Werbe­büros, in denen sich vor allem frühere Sturmtruppen einschreiben. Die letzten italienischen Besahungstruppcn in Fiutn« haben sich der Expedition angeschloffen, die über Panzcrauiomobile, Maschinengewehre und Artil­lerie verfügt. Gleichzeitig traf der italienische Panzer­kreuzerSan Marco" in Fiume ein. Nitti erklärte einem Abgeordneten, daß Italien durch das Unternch» men in die größte Verlegenheit versetzt iocrde. Auch die Presse verurteilt vorerst die Expedition. Jedoch erwartet man VolkSkuudgebimgcn, wie sie bereits in Venedig und Triest begonnen habe».

Berkin, 14. Sepl. Nach einem Privat-Tclegramm dcr Morgcnblättcr äußerte der italienische Ministerprä­sident Nitti den größten llntoillen über d'Anuunzio« Abenteuer und schlug in der Kammer mit der Faust auf den Tisch, als er dem Kriegsministcr den Befehl zur raschen Unterdrückung dieses Aktes von Diszi­plinlosigkeit erteilte.

wb. Wien, 14. Sept. DaS Laibacher Korrespon­denzbüro meldet aus Fiume: Gestern gingen die letzte« italienischen Abteilungen aus Fiume ab, und die ita­lienischen KriegsschiffeDante Alighieri" u.Emanuele Filibcrto", erhielten den Befehl, den Hafen zu verlaffen. Schon in 'der Nackt vom Donnerstag zum Freitag sind von den zwei Kriegsschiffen einige Hundert Matrosen desertiert. DaS KriegsschiffEmanuelc Filiberto" ist beute trotzdem kibgcfahren, wäbrcndDante Alighieri" im Hafen verbleiben mußte, tveil die Heizer die Ma» sckincn beschädigt haben und dann desertiert sind. Es bildete sich ein Dewc11 s!ra!ion szug, an dem sich auch die entflohenen Matrosen und Offiziere beteiligten. Nach dein Umzug richtete ein Panzerautomobil seine Ma­schinengewehre auf das GoiwcrncmenlSgebäude. Die, Manifestanten verkündeten nach der Besetzung des Gou- perneurpalastes die Annektion Fiumes durch Italien. Heute ist der c n g l i s ch e KreuzerCardiff" an« Malta in Fiume eingetroffen mit 500 Mann, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Stadt bestimmt Hut». Die französische und englische Besatzung waren den ganzen Tag über alarmbereit. Im Namen und mit der Unterstützung der Behörden tourte die Verwaltung Fiumes d'Annuuzio übergeben. Dieser kam in den Gon» vcrncurpakaft und befahl dem General Pettaluga ihm die Gewalt zu übergeben. Peitalnga wurde im Gou- berneurpalais interniert. d'Aununzio verkündete darauf die Annektion Fiumes namens Italiens.

Lugano, 15. Sept. WieMeffagero" aus Triest in ldet, hat das 6. Artillvriercgiment. daS fick mit 2W Bakterien aufqeniacht hakte, um d'Anuunzio in Fiume zu helfen, infolge der Ermahnung der höheren Offiziere, feinen Marsch eingestellt und ist in sein Stand- quartier zurnckgckchrt. Die Waffenstillstandsgrcnze ist von einer Brigade Infanterie und einer Brigade Ber» faglieri gesperrt worden. Fiume ist isoliert.

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Man versteht, baß bie italienische Regierung durch beit Streich b'Annunzios in arge Verlegenheit ge­raten ist: benn er richte: sich gegen bie Verbünbeten unb bie mit ihnen getroffenen Abmachungen. An- bererscits finbet der Zug nach Fiume in der Bevöl­kerung großen Beifall. Die Regierung hat nun den Unterstabschef General Badoglio nach Fiume ge­sandt, um bie Sache bcizulegen. Dieser General ist ein guter Freunb b'Annunzios, unb man hofft, baß er ben Dichter im Guten bewegen werbe, mit seinen Scharen abzuziehen, nachbem seine Kunbgebung bie Verbünbeten über bis Stimmungen und Gefühl« Italiens aufgeklärt haben dürfte.