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mit dem Kreisblatt für den Kreis Marburg

Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen

IDieOb erhes fische Zeitung- erscheint sechs»«! wöchentlich. Der Bezugspreis beträgt monatlich 1.60 jt. frei in» Hau»; durch die Pust 1.75 ohne Bestellgeld. - Verlng »on Dr. C. Kitzersth. altern 21/21. Fernsprecher 56.

Marburg

Mittwoch. 27. August

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54. Jahrg.

1919

Ser Stieben.

Wb. Berlin, 26. Aug. In den Provinz» Posen, Ost -und Wcstpreußen sowie Schlesien tauchen immer wieder Gerücht« auf. daß die Regierung den einen oder anderen nach den Friedensbcdingungen deutschbleibenden Teil dieser Provinzen im Tausch gegen andere Gebiete den Polen überlassen wolle. So wird neuerdings, ins­besondere aus d.'n Kreisen Fraustadt, Militsch und Guhrau berichtet, dass die Bcvölkcrnng tief beunruhigt sei, weil angeblich Teile dieser Kreise im Austausch gegen andere Kreise an Polen abgetreten werden sollen. Die preußische Regierung ist diesen Gerüchten, die augenblick­lich von interessierten Kreisen immer von neuem verbreitet werden, schon mehrfach durch die Presse entgegentreten. '@§ sei aber nochmals darauf hiugewiesen, daß die preußische Regierung nicht daran denkt, deutsche Bevölkerung und deutsches Land als Tauschobjekt zu ver­wenden. Sie steht allen Bestrebungen, die angeblich in solcher Richtung bestehen, durchaus fern.

Haag, 26. Aug. Aus Paris wird gemeldet: Inner­halb von zwei Monaten tu erben ritte Anzahl deutscher Offiziere, linteroffire« und Mannschaften, die der Grau­samkeit in Luxemburg beschuldigt werden, vor einem Kriegsgericht in Rauev zu erscheinen haben. Zu diesen Beklagten gehört auch Kronprinz Rupp­recht von Bayern. Mit Rücksicht auf die Tatsache, - Prinz Rupprecht den Rang eines Feldmarschalls ein» nimmt, wird dieser Gerichtshof ans besondere Weise zu- Mmmengestellt werden; als Präsident wird einer der fran­zösischen Marschälle auftret,.n. Der in dieser Frage zuständige Oberste Rat hak die Frage der AuSlieferimg noch nicht geregelt. Ein Fragezeichen ist also am Platze.

Wb. Brüssel, 26. Aug. (Havas.s Ter Senat hat ikn Friedensvertrag cinstimnn- angenommen.

Wb. Brüssel, 26. Aug. (Havas.) Vach der Zei- chrngBingtieine Siecle" hat der Oberste Rat das bci- p'sch-euglische Abkommen ratifiziert, nach dem Belgien «inen großen TM der Gebiete von Uruudi und Ruanda in Ost-Afrika zugewiesen bekommt Es handelt sich um das viehreiche Nordwestgebiet de? früheren D:utsch-Ost- tfrifa. . ; -

Steine Erleichterungen für Deutsch Oesterreich.

Wb. Versailles, 26. Ang. Der Oberste Rat be­schäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung eingehend mit dem österreichischen Fricdcnsv.rlrag. Rach demEcho de 'Borte" haben die Oesterreicher keine Nennenswerten Er­leichterungen zu erwarten. Der englische Vorschlag, -Deutsch-Oesterreich als neuen Staat zu betrachten, der {eine Verantwortung an den Ereignissen von 1914 trage, Vti ebenso aügelehut worden, toie der Vorschlag, der die sofortige Gründung eines Donaubundes verlangte. In kern Vertrag wird Deutsch-Oesterreich die Verantwortlich- jtit am Krieg aufgebürdet.

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roß. ? .1 it v r ruck, 28. Aug. Ten »Lknnsvruckc: Nachrichten" zusolgzi werden die italienischen Besatzungs- truppen in Nrrltnol aus eine Division und auf zwei Bl taillone Infanterie für Innsbruck vermindert. Die Truppen werden bereits abbefördert.

Wb. Paris. 26. Aug . 'Senter.1 Die kroatisch-ser- kisch-siotoenifche Abordnung hat die Frage der Verteilung tzer ö st e r r e i ch i s ch e n a » d e l s f l o 11 e aufgeworfen. iSie legte dar, daß ein Teil der Flotte au da? südslavifche Königreich fallen sollte und beklagte sich darüber, daß eine Anzahl dieser Schisse, deren Besitzer Slovenen und Unter« saueti des südslavischcn Reiches seien, als Kriegsbeute mit Beschlag belegt worden sind.

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Amerika.

Die Opposition des Senats gegen Wilson.

Wb. Versailles ,26. Aug. Nach dem Sonder- Serichlerstattee desEcho de Paris" in Washington wird der Beschluß des- Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheit::: betreffend Schantnng als Kriegser­klärung an Wilson aufgesaßt. Die republika- Nische Opposition sei jetzt rid;et. die Ablehnung des Krikdensvertrages zu erlangen. Sie wolle vor- Wagen, daß der Kongreß eine Entschließung annehmen Holle, durch die der Kriegszustand für beendet erklärt nnd tzrr Präsident ermächtigt werde, die geschäfilichen und diplomatischen Beziehungen mit den feindlichen Ländern wieder aufzunrhmcn. In den Wilson nahestehenden Krei­sen vertrete man die Ansicht, daß, wenn die Entschließ­ung des Senatsau:schusies angenommen werde. England Frankreich, Italien und Japan wieder zu ihrem ge­heimen Abkommen von 1915 zurückgreisen würden und Haß dann Schantnng doch in den Landen Japans bleiben werde. Der Sonderberichterstatter macht noch daraus aufmerksam, daß der Senatsausschuß jetzt einen bleaypter und jedenfalls auch einen Irländer hören teerte, der für das Selbstbestimmungsrecht Irlands ein« rrete. Tie Aussprache int Senat könne unter diesen Um­ständen mehrere Monate dauern.

tob. Bersail les, 26. Aug. Der Washingtoner Berichterstatter derChicago Tribüne" erklärt, daß die 8ahl der Senatrren, die Vorbehalte hinsichtlich des vriedensvertragrs machen, sich auf 53 beläuft.

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tob. Amsterdam ,26. Aug.Tttegraaf" meldet Uns London, daß die amerikanische Kavallerie mich ver- i Micher Verfolgung der mexikanischen Banditen den ^sehl erhalten hat, das mexikanisch« Gebiet wieder zu * ö u m 2 n.

wb. Washington, 26. Aug. (Reuter.) Um das Hereinströmen von Fremden in die Vereinigten Staaten nach Friedensschluß zu verhindern, hat Wilson ht einer Botschaft an den Kongreß verlangt ,baß dar während des Krieges befindliche Paßgesetz noch ein Jahr nach Friedens­schluß in Kraft bleibe« soll.

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Die Kriegsgefangenen.

Kein Heimtransport tu8 England.

wb. Bad Homburg, 26. Aug. Der ®tel ber Gruppe Rhein erhielt heute die Mitteilung, daß der von den Engländern zugesagte sofortige HeimtranSport der deutschen Kriegsgefangenen vom Fünfer-Rat anfge- hoben worden sei. Ter Stz-.nd der GefsUgeuensrage ist daher einstweile« unverändert.

Der gestrig« Vorbehalt war also sehr berechtigt.

Zurück au» serbischer Gefangenschaft.

wb. München, 26. Aug. Gestern trafen 2500 An­gehörige der ehemaligen Armeeabteilung Schoch aus der Gefangenschaft in Serbien im Lager Lechfelb bei Augsburg ein und wurden dort feierlich empfangen. Der Kommandant des Durchgangslagers Oberst Be- dall hielt eine kurze Ansprache und verlas vom Reichs­präsidenten Ebert und vom Reichskanzler Bauer eingegangene Begrüßungsielegramme, die mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurden. Im Auftrage der Reichs- regierung erschien Abgeordneter Schirmer, Mitglied der deutschen Nationalversammlung, zur Begrüßung, der den Heimgekehrten herzlich dankte für all das, ivas sie im Kriege und in der Gefangenschaft für das Vater­land und das Volk geleistet und erduldet haben. Seine Mahnung, nunmehr an dem Wiederaufbau unserer Wirtschaft mitzuwirken und so sich selbst und der Ge- sanüheit zu nützen, wurde beifällig aufgenommen. Nach­her entwickelte sich im Lager unter Mitwirkung von Musikkapellen ein frohes Leben. Vom Noten Kreuz ver­teilte Liebesgaben trugen mit dazu bei, das Frohgefühl der .Heimgekehrten zu heben. Es ist im Lager alles vor­bereitet, um den zurückgekehrten Gefangenen die kurze Zeit ihres Aufenthaltes so angenehm wie möglich zu stachen.

Das Note Krruz an den Oersten Rat.

wf. n f, 26. Aug. Das internationale Komitee vom Roten Kreuz verwendet sich in einem Brief vom 29. August beim Obersten Rat für die möglichst rasche Heiir- beförderung der Kriegsgefangenen. Trotz des formellen Grundes, daß der Friedensvertrag immer noch nicht von drei Großmächten der Verbündeten unterzeichnet fei, sollte der darin vorgesehenen.Heimschgfsnng der Kriegs­gefangenen nun nichts mehr im Wege sichen. Wenn die Heimschaffung der beträchtlichen Menschenmassen fojort nach Inkrafttreten des Vertrages beginnen mürbe, würde sie vor Eintritt des Winters beendet fein. Deshalb wünsche das Komitee dringend, daß die in Artikel 215 vorgesehene Sonderkommifsion in Stand gesetzt wird, die Arbeiten sofort zu beginnen.

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Die Lage in ObersGlesien

Die Kommission der Verbündeten.

wb. Gleiwitz, 26. Aug. Heut» vormittag caf die Kommission btt Verbündeten im Stabsquartier -er 117. Jnsanteriebrigade (32. Reichswehrbrigade) in @Li Witz ein. Der Divisionskommandeur. General Hoc sc., begr:". di: Kommission und fragte nach ihren Wünfch Tee Führer der Kommission, Oberstleutnant Tidburh bat um bi? Genehmigung, im Gebiet der Divmonn zu reiten, um persönlich' Eindrücke zu gewinnen. Diese Genehmi­gung wurde erteilt. Sodann nahm der erste General- stobsofsizier der Division. Lanltmann Gall, das Wort. Er schilderte die> des vvlnischeu Ausstandes

und die jetzige militärische Lage. Der Vortragende bewies an der Hand zahlreicher Dokumente, daß der Aufstand ein rein polnischer und fein spartakistifcher gewesen ist. Nach der Besprechung ftihr die Kommission unter Führung des Hauptmanns Holzammer vom Generalkommando des 6. Armeekorps über Beuthcn noch Neudeck.

tob. Hindenburg, 26. Aug. Die Kommission der Verbündeten traf unter Führung des englischen Oberst­leutnant? Tidbury nachmittags, von Gleiwitz kommend, hier ein und verhandelte mit Vertretern aller deutschen und polnischen Parteien, um die Ursachen des Aufruhrs festzustellen. Auch di« Ausftäribigen brachten ihr« Be­schwerden vor. Tie Kommission begab sich dann nach Lipina, wo wiederum Vertreter aller Parteien zu einer Konferenz geladen wurden. Sodann fuhren die Herren nach der Godullahütte und nach ber Schlesiengrube. Als Vertreter des Staatskommissars Hörsing begleitet die Kommission Arbeitersekrctär Brisch ans Hindenburg. Mor­gen wird der weitere oberschlesische Jndustriebezirk bereist. Der Kommmion sind zwei Dolmetscher 6 ei gegeben.

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wb. Amsterdam, 26. Aug. Ta? Preßbüro Radio meldet aus Horsea, daß der Oberste Rat in Varis an General Dupont eine Anfrage bezüglich der Zahl und der Art der Truppen gerichtet hat, die erforderlich sein würden, um das Abstimmungsgebiet in Oberschlesien zu besetzen.

Aufhebung des verschärfter, Belagerungszustandes.

wb. Breslau, 26. Aug. Nachdem in dem ober« schlesischen Industriegebiet wieder Ruhs und Ordnung eingckchrt und die Arbeit in den Gruben und Hütten­werken zum großen Teil wieder ausgenommen ist und nunmehr keine Gefahr mehr besteht, daß die Arbeits- tvilligcu durch terroristische Lkw von der Arbeit asge-

halten werden, hat der Reichs- und StaatSkommrfsar für Schlesien und Westposen im Einvernehmen mit dem Kommandierenden General des 6. Armeekorps den «an 18. August verkündeten verschärften Belagerungszustand aufgehoben. Es treten somit wieder die Bestim­mungen des Belagerungszustandes in Straft, di« vor eem 18. August bestanden haben.

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Slt Mfttn Inwtt In MM.

Das gebrochene Anstedlungsverfprechen.

wb. Mi tau, 26. Aug. Hebet eine Gehorsams­verweigerung deutscher im Baltikum stehender Truppenteile wird gemeldet:

Die lettländische Regierung hatte den im Salti» kum im Kampfe gegen bett Bolschewismus stehenden Truppen Bürgerrecht zwecks Ansiedlung ver­sprochen. Dieses Versprechen wurde gebrochen. Die deutsche Regierung hat gegenüber dieser Stel­lungnahme der lettländischen Regierung die Zu­rückziehung der Truppen angeordnet. Der Kommis­sion, die die Truppen int Interesse ihrer Forderung auf Siedelung zur Regierung gesandt hatten, wurde wohlwollende Erwägung zugesagt. Die Truppen, die aus dem Bericht der Kommission und der Tat­sache der fortlaufenden Abbeförderung von Trup­pen erkannten, daß ihr Streben nach Aufrechterhal» tung ihrer Rechte und Bekämpfung des Volschervis- mns at tzerhalb der Grenzen Deutschlands nicht Un­terstützung fand, wollen sich nicht auflösen lassen und haben durch ihre Vertreter am Sonntag den Beschluß gefaßt, unter allen Umständen ihre mit ihrem Blut wohl erworbenen, durch Vertrag ver» (trieften Rechte auf Bürgerrecht und Siedelung in Lettland ausrecht zu erhalten. Jn'Ausführung die­ses Beschlusses wurde mit der Bitte um Unterstütz­ung Telegramme an den Oberpräsidenten Winnig, ferner den Reichspräsidenten Ebert, Reichskanzler Bauer, die Nationalversammlung und den Reichs- wehrmiuister Noske gesandt.

Hierzu wird von zuständiger Seite gemeldet: Ti? Reich rr-gferung hat noch vor kurzem die let- !ische Regierung auf die Gefahren aufmerksam ge­macht, die entstehen könnten, wenn die im Baltikum stehenden Truppen dem Befehl der Regierung ent­gegen jene Gegenden nicht verlassen wollten, in denen sie sich anzusiedeln hassten, weil ihnen durch Vertrag vom 29. Dezember 1918 das lettische Ein- bürgerungsrecht versprochen war. Damit hat die deutsche Negierung das Versprechen erfüllt, das sie den Truppenabordnungen gegeben hatte, die in Weimar vorstellig geworden waren und die Stim­mung der Truppen geschildert hatten. Im übrigen ist die Regierung verpflichtet, den Friedensvertrag zv erfüllen und muß deshalb mit allem Nachdruck darauf bestehen bleiben, daß die Räumung des Bal­tikums schleunigst erfolgt. Der Schuh Ostpreußens gegen etwaige Einfälle bolschewistischer Banden hat an der Reichsgrenze zu geschehen. Hierfür wird in der nötigen Weise Vorsorge getroffen werden. Im Zusammenhang mit bei Räumung bes Baltikums war auch die Rückverlegung des 6. Reservekorps an- geordnet, und der Befehlshaber dieses Korps, Graf v. b. Goltz, hatte Befehl, nicht mehr nach Mitau zurückzukehren. Als Graf v. b. Goltz am 24. von ber EehorsamsrerweigErung eines Teiles ber Trup­pen erfuhr, hielt er sich verpflichtet, auf eigene Ver- antwortllng nach Mitau zurückzulehren, um feinen Einfluß auf bie Truppen geltend zu machen. In­folge ber Unruhen kam es leiber in Mitau auch zu Zusammenstößen mit lettischem Militär, wobei zwei lettische Kompagnien entwaffnet unb bie lettische Kcmmanbantur gepliinbert wurde. Graf v. b. Goltz hat in seinem Schreiben an den lettischen Oberbe­fehlshaber dies gemißbilligt, fein Bebauern ausge­sprochen, eine eingehende Untersuchung versprochen ur.b angeordnet, baß bie weggenommenen Waffen wieder zusammengebracht würben. Gras v. b. Goltz hat weiter Korpsbefehl an bic Truppen erlassen, in dem die W-bersetzung ber Truppen gegen ben Be­fehl ber Regierung gemißbilligt wirb. Die Regie- mng hat Verständnis für bie Mißstimmung, bie unter ben Freiwilligen herrscht, bie sich nur bes» halb anwerben ließen, weil sie auf Ansiedelung im Baltikum hofften. Aber sie hat nicht bie Machtmittel, bie Wunsche ber Truppen zu erfüllen. Die Regierung erwartet aber »on ben im Baltikum lOmmanbUvenben Truppensn.hrern, daß sie bie Truppen über bie verhängnisvollen Folg''« ihrer DisZsplinlosigkeit^ausklären unb zum Gehorsam zu­rückbringen werben.

AttS dein besetzten (-cbict.

Landau (Pfalz), 26. Aug. Vor einigen Monaten war der in der Speyrer Staatserziehungsanftalt tätige Lehrer Stekzenmüller zu 3 Monaten Gefängnis und 1000 Franken Geldstrafe vom ftanzösischen Polizeigericht Der» urteilt woroen, well er gcduwet haoe^ daß seine Schüler,

denen dir Wahl des Liedes in der Singstunde srristaud, Deutschland, Deutschland über alles" gelungen hatten. Auf bie Berufung des Verurteilten setzte das hiesige Oberpolrzeigrricht die Strafe auf 1000 Mark und zwei Mvante Gefängnis herab.

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Sie ulte StiräM

Unter den 14 Punkten Wilsons befand sich auch bet, daß die Frage der Verwaltung unb Bewirt« schaftung europäischer Kolonien in anberen Welt­teilen nach ben Erunbsätzen von Gerechtigkeit unb Billigkeit im Rahmen bes zu grünbenben Völker- bunbes geregelt werben sollte. Es war ausbrücklich zugesagt worben, baß Deutschland nicht ohne wet» teres seine Kolonien verlieren, sondern in ihrem Besitz, vor allen Dingen in Bezug auf die Rohstosfe geschützt werben solle. Dieses Versprechen trug mit bazu bei, neben verschobenen anberen biesen 14 Punkten ben Sehen für unser Waffenstillstanbsong:- bot im deutschen Volke zu bereiten. Der Verlauf der Ereignisse in Paris unb Versailles hat gezeigt, wie grausam wir in jeher Hinsicht enttäuscht wor­ben sinb. Staatssekretär Lansing hat selbst offen­herzig erklärt, bie 14 Punkte Wilsons seien urt» hohen Rat der Fünf wir unnützer Salla st über Sorb gegangen, als sich herausstellte, baß anbere Abmachungen im Wege stänben. Wilson hat bei seiner Rückkehr nach Amerika in bet von ihm selbst verlesenen Botschaft an ben Kongreß aus» geführt, Deutschlanb hätte seiner Kolonien beraubt werben müssen» weil erwiesen worben sei, baß es in Afrika unb im stillen Ozean butch grausame Behanblung ber Eingeborenen nicht für ben Fort­schritt menschlicher Gesittung unb Zivilisation ge­wirkt, fonbern seine Kolonien nur wirtschaftlich ausgebeutet habe. Mit bieser heuchlerischen Rebc- wenhuvg nach, berühmtem Muster versuchte er, sei­nen Lanbsleuten, wie schon so oft vorher, Sanb in bie Augen zu streuen.

Nun ist ihm int Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten, wie von anberen Gegnern bes Friebensvertrages unb bes Völkerbunbes vorgewor- fen worben, baß er bas amerikanische Volk irre« geführt habe. Alsbald ist der aufrichtige und ungemein folgerichtige Herr Wilson mit einem neuen Versuch bet bet Hand, seinen Widersachern abermals Sand in bie Augen zu streuen. Salbungs­voll erklärte er:Als Deutschlanb gezwungen würbe, im Friebensabkommen auf seine übersee­ischen Gebiete zu verzichten, tat es bies nicht zum Vorteil ber Verbünbeten, fonbern biesen sollen lebiglich bie Verwaltung bieser Gebiete bis zur enb« gültigen Regelung burch ben Völkerbunb erhalten." Es bestäuben, meint Herr Wilson, nur vorläufige Uebereinkomme.t über bas Schicksal ber beutschen Kolonien. Die enbgültige Zustimmung, zu her noch zu treffenben Regelung bleibe betn Völkerbunbe vorbehalten. Mit biesen ebenso nichtssagenben wie heuchlerischen Rebensarten sucht Präsident Wilson das Gefühl ber Beschämung zu beschwichtigen, bar so manchen seiner Lanbsleute beschleicht bei ber Er­kenntnis, baß Englanb sichbenHauptteil an her Beute angeeignet, baß Frankreich einen weiteren großen Fetzen erhalten, Belgien mit einem Viffen abgefpeift worben sei, baß Japan ba» ganze Schantnng mit Einschluß von Tsingtau in bie Tasche steckt, unb bas alles auf Ern: b von geheimen Abkommen, bie währenb bes Krieges ohne Kenntnis Amerikas abgefchloffen worbe» waren. Den Amerikanern kommt immer mehr bie Erleuchtung, baß bas einzige ßanb, bas wirklich feine Kriegsziele voll erreicht hat, (England ist, unb baß nunmehr ein gewaltiger Kampf zwi­schen Englanb unb Amerika um bie Hanbels- Herrschaft in Europa, Asien unb Afrika ent» brannt ist. Ein Kampf, her von ben beiben angel­sächsischen Völkern mit her ihnen eigenen Rücksichts­losigkeit in ber Wahl her Mittel geführt werbe» wirb. Unb habet steht Japan als britter zur Sette, bereit, bie Früchte auch biefes Kampfes für sich e:n» zuheimsen unb falls nötig, für bie eine cb:r anbere Seite Partei zu nehmen. Auf welche Seite sich Ja- pan bei zunehmenber Verschärfung der mit Sicher­heit zu erwartenden Gegensätze zwischen England und Amerika stellen wirö, kann keinem Zweifel un­terliegen.

Wenn die Amerikaner ben jüngsten Gedanken Wilsens, daß bas Schickkal ber dem sitzen Kolonie» durch die Verteilung unter bie raubgierigen Groß­mächte noch nicht endgültig besiegelt sei, von neuem aufgreifen sollten, so tun sie es in dem Gefühl, baß England nicht zu sehr gestärkt aus dem Weltkriegs hervorgeben dürfe. Von Wilson freilich ist sein neuester Schachzug ebenso wenig aufrichtig gemeint, wie seine früheren. Wir haben jetzt auch die Be­stätigung erhalten, haß Wilson unter allen Umständen, auch ohne die Verschärfung de» U-Boot-Krieges, bie Vereinigten Staaten in den Krieg gegen Deutschlanb hineingchrtzt hätte, ba tt