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Tageszeitung für (ims früher kurheffifche) Oberhessen

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DieOberhessifche Zeitung« erscheint sechsmal wöchentlich Der 1« -4(10 Beruerorei» beträgt monatlich 1.60 Jt. frei in* Hau«; durch die Pust JI2. IVÖ 1.75 .Jf. ohne BefteKgeld - »erlag »on Dr. C. Hitzeruth.

21/28. Kern^recher 56.

Marburg

Tienswg. 26. Angilst

Der Anzeigenpreis beträgt für die Sgesp. Zeile 80 j.u. 83V, *f, TeuerungSzusckl. = 40 4, emtl. u. auswirt. 40 4 »- 25'/, Teuerunaszuschl. = 50 Reklamezeile 1.5CUT. Jeder Rabatt gilt «I» Barrabatt. Bei Aurk. d. die Sefchäftsst. u. Der» mittig, d. Angeb. 25 4. SondrrgebRhr. Postscheck.: Rr. 5015 Amt Funks. a. M.

54. Jahrg.

1919

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wegen angeblicher Versenkung von Hospitalschiffen tut -bemüht sein werden, für ihre alsbaldige Befreiung. Auch

werden wir bis zur Erreichung dieses Zieles nicht auf

hören, durch die von uns eingerichtetekirchliche Kriegs-

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prachtvoller Mappe veranstaltet.

Leibl nicht so bekannt. Die wenigen

ibr.

künstlerische Welt zur Darstellung bringen. Ob die

Zeit für die Ibsens Wirkung vorbei ist, daß unsere Zeit für di« JbsenscheGotik für die Burgeoisie" vorbei

Tower gefangen gehalten wurde,im Widerspruch zu den Ansichten der Admiralität" erfolgt sei. Wie die Mit­

ist, was freilich nicht Weltliteratur bedeute, nis einer Generation,

ein Ausstreichcu Ibsens aus der Er bleib« wertvoll alsBekennt-- deren höchste Tugend die Offen-

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der der Volk

Kokoschka, denen

Von Leibl Radierungen in

Pa- Znck-

Anseinandersetzuugen.

Offenbar legt der Verlag Wert darauf, aus verwirrenden Füll«, die heute in Erzeugnissen Druckerpressc in Schrift und Bild aus das deutsche

nicdcrregnct, sich an Künstler zu halten, bei denen die künstlerische Kraft die Lust zu Extravaganzen überwiegt und die nicht in dem akademischen Formalismus auf» gehen, der heute unsere neuste Kunst des Expressionis­mus vielfach in einer schematischen Deformierung be­herrscht. Davon geben bereits die kritischen Würdigungen des Almanachs Kunde. Neben der Betrachtung von Leibls Graphik und einem Aufsah über eine Landschaft Feuerbachs sind es vor allem L. Corinth, Pechstein und

heit des Nihilismus war", die unsere Jugend nicht mehr nötig habe. So vereinigt der Almanach die Auf­gabe, einzusühren in den künstlerischen Geist bet, Zeit durch positive Probe-Darbietungen wie durch kritisch«

das Interesse zugeführt wird.

Hal der Verlag einen Neudruck der

Feldwache von uns überfallen. Tschechische trouillen haben die deutsche Grenze zwischen mantel unb Ziegcnhals überschritten.

Kunstfreund eine Ergänzung und Vertiefung seines Verhältnisses zu Leibl, die man nicht missen möchtet schon allein der stimmungsvollen Landschaften wegen, die er radiert hat. Die technisch vollendete Ausgabe verdient besondere Beachtung.

Lovis Corinth ist gleichfalls als Maler bekann­ter wie als Graphiker. Dieser starken, nicht selten robusten malerischen Persönlichkeit, di« doch so zart und fein sein kann, auch als Graphiker nahe zu kommen, ist nicht so leicht, gar vieles wirft dem entgegen, nicht zuleht die derb« Kraft deS Malers Corinth. K. Schwarz hat in seinem BucheDas graphische Werk L. Corinths" (Verlag Fritz Gurlitt, Berlin, Potsdamerstraße 113) die Graphik des Künstlers festgelegt und mit Recht auf die Bedeutung der Graphik im Schaffen des Künstlers hinge- wiesen, die lange nicht genügend gewürdigt ist. Die ganze Vielseftigkcft Corinths, die derbe Lebenslust

schlesien auch die Frage der interalliierten Besetzung Obetschlesiens zu einem früheren Zeitpunkt al* im Friedcnsvertrag vorgesehen, erörtern soll, wird von zu- tändiger Stelle mitgeteilt, daß eine derartige Erörte­rung selbstverständlich nicht in den Aufgabenkreis der Mission fällt. Auch die Nachricht, daß die Kommission die Vollmacht hätte, die Abstimmung in Obcrschlesien vorzubereiten und für die Wiederherstellung der Ord­nung zu sorgen; treffe in keiner Weise zu. Die der Kommission mitgegebene, im Einverständnis mit 6cn Ententemifsionen aufgesetzte Instruktion besagt ausdrück­lich, daß sie sich lediglich über den Aufstand und die Ausstandslage unterrichten und sodann ber beut» chen Regierung hierüber zu berichten hat. Eine Be­setzung Oberschlesiens ist von den beteiligten Stellen überhaupt nicht erörtert worden.

Reue Ueberfälle uud Gefechte.

wb. E l e i w i tz , 25. Aug. Die 32. Reichswehr­brigade teilt mit: In der Nacht vom 24. zum 25. August fanden an zahlreichen Stellen Ueberfälle von polnischen Banden und regulären Trup­pen statt. Bei den Angriffen hatten die Aufrührer schwere Verluste. So wurde die Feldwache bei Eottschalkowitz erneut von polnischen Banden ange- griffen. Der Angriff wurde abgewiesen. In der Gegend von Lonkau fand ein Feucrgrfecht statt, das jenseits der Grenze durch Maschinengewehrfeuer unterstützt wurde. Eine Feldwache in Dembina wurde nachts von polnischen Banden und regulären Truppen überfallen. Die Lage wurde dort wieder- yergestellt. Die eigenen Verluste betrugen hierbei drei Tote und drei Verwundete. Ein nächtlicher Angriff auf eine Kompagnie in Georgenberg wurde abgewiesen. Hierbei erlitten die Aufrührer schwere blutige Verlusts. Erbeutet wurden dabei ein leich­tes Maschinengewehr und zahlreiche Gewehre.

Grenzüberschreitmig durch tschechische Patrouillen.

wb. Breslau, 25. Aug. Tas Generalkommando des 6. Armeekorps meldet: Polnische Truppen von polnischen Offizieren geführt, haben bei Reudeck eine

Graphiker ist ja ______ ....... . ___________

Blätter aber die von ihm erhalten sind, bilden für den

fühl der Zeit und unsere moderne Kunst sich wechsel­seitig befruchtet haben. Auch darin haben ja die Ver­fechter unserer neusten Kunst unbedingt recht, daß e-3 sinnlos ist, eine Kunst deshalb abzulehnen, weil sie neu ist, d. h. doch nichts anderes, als daß das große Publi­kum sich an diese Art der künstlerischen Ausdrucksform sich noch nicht gewöhnt hat. Jede neue Kunst hat das Unglück oder wenn man will Glück gehabt, auf Widerstand zu stoßen. Die Gefahr der Verkennung liegt heute aber weniger vor als die entgegengesetzte, daß nämlich ein Kunstwerk allzuleicht als bedeutend angesehen wird, nur well es neue Wege geht oder in die Darstellungs- sorm der »ls modern geltenden Gruppe fällt.

Die innere Kraft der neuen Kunst zu ergründen gilt es, nicht sie nach Aeußerlichleitenbewundern". Ob wir dazu trotz des anscheinerid großen Kunstinteresses schon reif sind, darf füglich bezweifeln, wer das laute Kunftgetriebe und Getue unserer Zeit aufmerksam beob­achtet. Wir müssen wieder mehr uns auf die Aufgaben der Kunst selbst besinnen, ehe wir nach Ausscheidung alles dessen, was in die Kunst an politischen, kunstgewerb­lichen und sonstigen Problemen hineingehcimnist wurde, wieder mit reinen Augen sie genießen können. Das soll nicht heißen, daß die moderne Kunst nicht unter ihrer Füll« des Gebotenen Werke dieser inneren Naturwahr­heit hervorgebracht hätte. Aber die Fülle dessen, was heute an Kunst und mit dem Anspruch auf Geltung ar. uns herantritt, erschwert die Erkenntnis des Guten. Umso eher mag es gerechtfertigt erscheinen auf Erscheinungen hinzuweisen, die die g e s u n d e Entwickelung unserer Kunst betonen.

Der Kunstverlag Fritz Gurlitt, Berlin, hat auf das Jahr 1919 einen Almanach herausgegeben, der ein gutes Bild von den Bestrebungen der modernen Kunst insbesondere der Graphik bietet. Der Almanach gibt da­neben Proben von der Dichtung Herbert Eulenbergs, Theodor Taüblers, Stefan Großmanns, Alfred Polgars, deren Werke z. T. im Verlag Gurlitt erfchci- nen, besonders möchten wir auf Däubler Hinweisen, der mit feinem formvollendeten GedichtBachus" die Lust nach genauerer Kenntnis weckt. Eulen berg ist als

Lyriker wie als Dramatiker ja weiteren Kreisen bereits bekannt. Eine bemerkenswerte literarische Skizze Stefan I GroßmannsIbsen Dämmerung" führt aus, daß die

teilung weiterhin besagt, wird befürchtet, daß di« Frei­lassung Kiesewetters zu Zweifeln Anlaß geben könnte, ob üierhaupt beabsichtigt sei, die 71 auf der Aus­lieferungsliste der Admiralität stehenden deutschen See­offiziere zur Verantwortung zu ziehen.

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Die Heimkehr der Kriegsgefangenen.

wb. Homburg v. d. Höhe, 25. Aug. Vom Stab der Gruppe Rhein wird über die Rückführung der in England befindlichen deutschen Kriegsgefan­genen gemeldet: Nach Mitteilungen des englischen Armeeoberkommandos an den deutschen General- stabsoffizier im Brückenkopf Köln wird die Rück­führung der deutschen, in englischer Hand be­findlichen Kriegsgefangenen voraussichtlich um den 30. August beginnen. Die Abnahmekommission Köln-Deutz würde etwa alle zwei Tage ein Bahn­transport von 2000 Kriegsgefangenen anlaufen. Es ist beabfichtigt, die Züge von Hoinburg aus abwech­selnd den Durchgangslagern Gießen und Me­schede zuuzleiten.

Die Bestätigung dieser Meldung bleibt abzuwarten, da nach dem bisherigen Stand der Dinge die Freigabe der Gefangenen ausschließlich von der besonderen interalliier­ten Kommission beschlossen werden Tann, die bis jetzt noch nicht einmal gebildet ist.

wb. Amsterdam, 25. Aug. Der Dampser ..Bretorian", mit 500 deutschen Internierten aus Kanada an Bord rerlükt am 30. August Quebeck.

wb. Rotterdam, 25. Aug. LautNieuive Rotte» damschc Courant" traf der DampferSt. Denis" mit 400 kranken uud verwundeten deut schm Kriegsgefange­nen aus Dover in Rotterdam ein. Di« Weiterreise nach Deutschland erfolgte mittels Lazarettszuges.

Wien, 25. Aug. Heute wird von amtlicher Stelle mitgeteilt, daß Generalfeldmarschall v. Mackensen nicht zugleich mit den jetzt über Deutsch-Oesterreich heim- kehrmden Truppen nach Deutschland fahren kann. Er ist noch in Futak- interniert rmd wird später über Saloniki heimbefördert werden.

Tie Fuldaer Bischofskonferenz gegen die Zurückhaltung der Kriegsgefangenen.

wb. Fulda, 25. Aug. Auf der Fuldaer Bischofs- konfereuz wurde folgende Entschließung gegen die Zurückhaltung der deutschen Kriegsgefangenen gefaßt:

Noch immer weigern sich die Ententemächte und be­sonders Frankreich, trotz Beendigung des Krieges und entgegen allen Grundsätzen der Zivilisation, dem unsag­baren körperlichen und seelischen Leiden und dem Elend von 800 000 kriegsgefangenen deutschen Männern und Jünglingen ein Ende zu bereiten-. Wir zur Zeit in Fulda versammelten deutschen Bischöfe sprechen öffent­lich unsere Entrüstung aus über dieses himmel­schreiende Unrecht. Unser» deutschen Brüdern, die in einer durch nichts mehr zu rechtfertigenden Gefangen­schaft zurückgehalten werden, geben wir die feierliche Versicherung, daß wir, wie bisher, so künftig unablässig

E-u:s:, die an sich zuzeiten Dürers, Michelangelos, ?ssm.eandts, Pousfins, Leibls, Manets und Cezannes ^ieselüe ist, heute schon ihren zeitgemäßen Ausdruck in

Moderne Kunst.

' Es scheint heute als ob das Interesse für künstlerische kkßnge allgemeiner unb damit tiefer begründet sei als zu früheren Zeiten, wenigstens könnte die Heftigkeit wie di« Allgemeinheit der Erörterungen über di« modernste Kunst tu dieser Ansicht verführen. Auch an der künstlerischen Produktion unserer Zeit fällt der Zug ins Demokratische auf, man scheint sich bewußt zu fein, und nicht ganz »hue Berechtigung, daß mit den künstlerischen Dingen heule mehr denn je Weltanschauungsfragen erörtert und brrfochtcn werden. Tas ist gewiß nicht zum Besten der Kunst im reinen Sinne, aber es ist so. Die Folge davon ist, daß andererseits die Gleichgesinnten gleiche Ausdrucks- formen für ihre künstlerischen Darstellungen der Welt- Msschamlug, die sie verbindet, finden, je abstrafter, je eigenwilliger uud radikaler desto besser. Die Kunst- pflege unserer Jüngsten scheint, so persönlich radi- kl sie sich auch geberdet, sich doch nur in Grup- Penauffafsungen zu vollziehen. Sie ist jedenfalls schnell zu einer akademischen Ausdrucksweise gelangt. Das zeigt u. a. auch die umfangreiche literarische Behand- kng des Kunstproblems in unserer Zeit von Seiten her Künstler selbst. Ob dieschöne Sinie" oder die --Deformierung" des Naturbildes herrscht, für die Tat­fach.' daß es. sich vielfach um Schemafismus handelt, ist das gleichgiltig. Alles revolutionäre Geschrei kann darüber nicht Hinwegtäuschen. Wenn irgend eine Betätigung, f? ist die Kunst aber von der Kraft der künstlerischen Ler-önlichkcit allein abhängig. Doch nur wenig über-

Ser Friede«.

Die Abstimmung in Nordschleswig.

wb. Apen r ade, 25. Aug. Der französische Panzer­kreuzerMarseillaise" traf heute vormittag vor Apen- rade ein. Nachmittags 2 Uhr wird der Kommandant eine Abordnung dänischer Bürger empfangen.

Die Seeoffiziere auf der Auslieferungsliste.

wb. Amsterdam 25. Aug. Die englischen Blätter vom 23. August melden, daß di« Freilassung de? deut­schen U-Boot-Kommandanten Kiesewetter, der

Sie KmiUm der Mnüeleu in Lldesien.

Die Besprechung in Breslau.

wb. Breskau, 25. Aug. Der Pressedienst des

vberprästdenten der Provinz Schlesien teilt mit: Sm Breslauer Landeshause fand am Montag eine isormatorische Besprechung der zum Reichs- und ktaatskommissar Hverfing entsandten Entente- Mlitärkommisfion mit den Vorständen der schlesi­schen provinziellen Behörden statt, zu der Vertreter chrr oberschlesischen Behörden, der Industrie sowie hie Führer sämtlicher oberschlesischer Gewerkschaften gtlaben waren. Oberpräsident Philipp begrüßte hie unter Führung des englischen Oberstleutnants Litz bürg stehende Kommission. Er sprach die Hoffnung aus, daß ihre Iinformationsreise durch das Aufstandsgebiet dazu führen werde, die Ver- lünbcten von der Haltlosigkeit der von polnischer Seite gegen die deutsche Regierung und das deutsche Militär erhobenen Anschuldigungen zu überzeugen «nd die wahren Triebkräfte der bedauerlichen Vor- Dänge in Oberschlesien festzustellen. Er bedauerte, daß trotz seiner Aufforderung an Korfanty ihm die Adressen polnischer Vertrauensleute zur Teilnahme in dieser Sitzung nicht angegeben worden seien. ,Zunächst entwarf der Reichs- und Staatskommissar tu längerer Rede ein Bild von den politischen Ver­hältnissen in Oberschlesien und ihrer Entwickelung feit den ersten Monaten des lausenden Jahres. Er | »ies an Hand amtlichen Materials den inneren Zusammenhang der spartakistischen «nd nationalpolnischen Bewegung noch, schilderte das Zusammenarbeiten beider Orga- msationen und ihr Bestreben, die oberschlefische Nrbeiterschaft durch maßlose Verhetzung khreu politischen Zwecken dienstbar zu machen. Genoralstabschcf Major Hesterberg erörterte die militärische Lage und betonte die Mitwirkung regulärer polnischer T r u p p e n an der Aufstandsbewegung. Der Kommissar der Militär­polizei Horning stellte Material zur Verfügung, ««s der die geheime Arbeit der großpolnischen Pro paganda und die umfassende Vorbereitung des Auf­standes durch die Polen klar hervorgeht. Die Aus­führungen der behördlichen Stellen wurden durch alle weiteren Redner der oberschlesischen Arbeit­geber -und Arbeitnehmerschaft im einzelnen voll­inhaltlich bestätigt. Oberstleutnant T i d - turg dankte namens der Kommission für die In­formationen. Er erbat sich weiteres Material und sicherte eilte völlige objektive Prüfung des deutschen Standpunktes und des deutschen Materials zu. Die Kommission begibt sich Dienstag zunächst nach Elei- mtz.

wb. Berlin, 25. Aug. Zu derTernps"-Meldung, » die interalliierte militärische Kommission in Ober­

Großen gesunden hat, das darf füglich bezweifelt *. Gleichwohl ist es von besonderem Interesse die unserer Zeit aufmerksam zu verfolgen. Erst heute wir ja klarer, in welchem inneren Zusammenhang die der letzten Jahrzehnte, des Expressionismus, Fntu- i i:nb Cubismus mit dem menschlich politischen :: Mrferer Zeit stehen; wie sehr daskosmische" Ge-

nigende Künstler hat unsere Zeit bisher hervorgebracht. Für die bleibende Bedeutung der neuen Kunst ist das ober das Entscheidende, welche Persönlichkeiten in ihr

und Gefangenenhilfe" in Paderborn die leiblichen unb geistigen Nöte der Gefangenschaft nach Kräften zu lin­dern. Die von Trauer und Sorge so grausam gequälten Angehörigen der beklagenswerten Gefangenen aber mögen überzeugt bleiben, daß von uns jeder nur mög­liche Weg beschritten wird, um zu erreichen, daß die fort­gesetzte unmenschliche und widerchristliche Handlungs­weise der Ententeregierungen gegen die armen Opfer der Gefangenschaft endlich eingestellt wird.

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Ans dem besetzten Gebiet.

wb. Berlin, 25. Aug . Bei der WassenstillstandS- kommission in Düsseldorf fand heute eine Besprechung über die Einrichtung der neuen Verkehrskommissariate, di« auf Wunsch der für den Verkehr mit dem besetzten Gebiet eingerichtet werden sollen, statt. Es wurde ver­einbart, daß auf volle Verkehrsfreiheit bei der Ratifizierung des Friedens hingewirft werden soll. In­zwischen wird die Einrichtung der neuen Verkehrskom­missariate so sehr wie möglich beschleunigt. Es werden unverzüglich Verhandlungen wegen Beschleunigung und Vereinfachung der Paßformalitäten aufgenommen. ES muß ausdrücklich daraus hingewiesen werden, daß die neuen Paßvorschriften noch nicht in Kraft getreten find.

Berlin, 26. Ang. Nach demBerl. Tagebl." fin­den feit einigen Tagen neue Transporte französischer Truppen nach der Rheinpfalz statt. Die meisten bis­herigen Garnisonen wurden beträchtlich verstärkt. Zahl­reiche neue Garnisonen sind eingerichtet worden.

wb. Mannheim, 25. Aug. In Speyer ereignete sich ein neuer Akt französischer Willkür. Der zur Sicherung des dortigen Regierungsgebäudes bestellte Kriminalbeamte Manz wurde auf die französische Kom­mandantur befohlen »aber nach belanglosen Fragen ent­lassen. Auf dem Sximnxge wurde Manz von einem stau« zösifcheu llnteroffizier tiiilich beleidigt, der ihn dann seiner­seits auf der Wache einer tätlichen Beleidigung be­schuldigte, um seine Verhastung zu konstruieren. Darauf­hin wurde Manz, der vorher noch seine Vorgesetzten von dem wahren Sachverhalt verständigen konnte, von den yraitoUtoi. ins Gefängnis geworfen.

wb. Paris, 25. Aug. Poincare besuchte St. Avold, Forbach und Saargemünd, wo er eine Abord­nung des Saargebiets empfing.

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Frankreich.

Ernüchterung der Elsässer über die französische .X Verwaltung.

Aus elsässischen Kreisen wird denP. P. 91.* ge­schrieben: Wenige Monate französische Verwaltung im Elsaß haben hingereicht, um die Begeisterung und Zu­neigung der Altelsässer wesentlich abzukühlen und in ihnen so etwas wie eine heimlich« Sehnsucht nach den Vorzügen des sonst so wacker geschmähten deut­schen Systems wieder laut werden zu lassen Li scheint tatsächlich, als ob die französische Verwaltung, di« ja trotz des zivilen Oberkommissars an bet Spitz« tu wesentlichen als eine Militärregierung schlimmster Art sich entpuppt hat, eS mit aller Macht daraus anlegt, fick schleunigst alle Sympathien zu verscherzen, unb mar kann schon jetzt sagen, baß ihr bies in hervorragenden

wie die zarte Empfindung। kommt gerade in diesen Blättern zum Ausdruck. * Eine besondere Seite Corinths zeigen seine Illustrationen wie.sie etwa die Neu-Ausgabe von Achim von ArminsDer tote Invalide auf Fort Ratonneau" mit seine Orginallitographie bietet oder die sprechende Phantastik der glänzende Humor in seinem A. B. C., das gleichfalls in Lito- graphien vorliegt. Da findet man so zarte Blätter wie J.:Jnno oder P.:Paradies neben dem Humor der Kuh (Qu) u. a. m.

In diesenNeuen Bilderbüchern" des Verlags wird nnS überhaupt eine besondere Seite modern:r Kunst zugänglich gemacht. Es handell sich nicht um Illustrationen in alte« Sinne, sondern um selbständia? küusti--llche Darstellungen des Stimmungsgehaltes der Dichtung, sodaß beid^ Zeichnung wie Dichtung Mn einander unabhängig, nebeneinander genossen werden können und gegenfeittg sich vertiefen. Die Bedeutung dieser neuenJllnstta- tionskunst" ersieht man daraus, daß mit die besten unserer leb.,.,, «unsiler-tm--.t'on daran beteiligt sind, wie Slevogt, Corinth, Kokoschka, Pechstein, Nauen. Pechstein, dessen künstlerischer Persönlichkeit int Almanach ein Aufsatz gewidmet ist, hat in seinen Paraphrasen zu LautensacksSamländischer Ode" seinem naiven LebenS- gefübl prächtigen Ausdruck verleihen können. Pech- stein entgeht frellich der Gefahr dekorativ zu wirken nicht immer und zollt der Zeit damit seinen Tribut.

Starken Eindruck machen Kokoschkas Lithopraphien zur Bach-Cantate. Die vielumstrittene Persönlichkeit Ko- Vschkas, der vielleicht weniger als Maler wie als Künstler überhaupt zu verstehen und ,u wetten ist, gefrört zwei- ftllos zu den ursprünglichsten Talenten unser« Seit. P. Westheim hat kürzlich versucht, seine Persönlichkeit uns nah« zu bringen. Es ist verständlich, daß ein Künstler wie Kokoschka auf stärksten Widerspruch stoßen muß, ist et doch eine der eigenwilligsten Naturen. Seine Lito- graphien zur Bach-Cantate führen jedenfalls in das Problem seiner Persönlichkeit geradlinig hinein.

Zum Schluß möchten wir noch auf die Publikation eines jungen Berliner Malers W. Wagner aufmerksam machen.Frauen", diese Lithographien, zeigen ihn als Künstler von seiner Empfindung, eleganten Strich unb einem ausgesprochenen Bildgefühl, das vielversprechend ist,

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