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mit dem Kreisblatt für den Kreis Marburg

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DieOberhessisSe Zeitung" erscheint sechsmal »Schentlich. Der Bezugspreis beträgt monatlich 1.(50 frei in» Haus; dxrch die Poft 1.75 -Jt. »hne BesteSgeld. Bering »on Dr. C. Hitzetoth.

Markt 21/38. Fernsprecher 55.

Marburg

Monlaq. 35. Argust

Der Anzeigenpreis betrügt fit bis 8ge|w. Zeile 80 4. u. 88*/, »f, Leuerunggzuschl. = 40 ÄMtl. x. tuseiit. 40 4 «.«»/.reuerunaSzuschl. = 50 <*, SieNamezeil» 1.50X. Jeder Melett gilt «l» Barrabatt. Bei Lurk. b. bi« Seichastsft. x. Ber- mittlg. b. Ingeb. 36 4. Saxbergebihr. Postsche«.: Xr. 5015 AmtFrants.a. M.

54. Jahrg.

1919

Ar Mmöttt gegen Mmsz Asel.

Rücktritt des Erzherzogs und des Kabinetts.

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tob. Paris, 23. Aug. (Havas.) Der Oberste Rat befaßte sich mit der Lage in Ungarn und beschloß fol­gendes Telegramm an die interalliierte Kommission zur Kkanntmachung an die ungarischen Behörden zu sen­den: Die verbündeten Regierungen haben den größten Wunsch, mit dem ungarischen Volke einen dauerhaften Frieden zu schließen, glauben jedoch, daß sie das nicht tun können, solange die gegenwärtige ungarische Regie­rung an der Macht bleibt. Diese Regierung wurde nicht durch den Volkswillen eingesetzt, sondern durch einen von einer kleinen politischen Gruppe unter dem Schutz einer fremden Macht durchgeführten Handstreich. Sie bat zum Chef ein Mitglied des Hauses Habsburg, das durch seine Politik und seinen Ehrgeiz zu einem gro­ßen Teil verantwortlich ist für das Unglück, unter dem die Welt leidet und noch lange leiden wird. Ein von einer solchen Regierung abgeschlossener Friede wird kein dauernder sein. Erzherzog Joses antwortete, daß er, bevor er mit den verbündeten Mächten in Beziehung treten würde, sich einer Bollebesragung unterziehen wolle. Wir tverden ibm antworten, daß uns dieser Weg nicht berriedigen könne, da die Abstimmung unter der Aufsicht einer Verwaltung vor sich gehen wird, an deren Spitze der Erzherzog selber steht. Unter den Umständen, in denen sich Ungarn gegenwärtig befindet, ist es schwierig, durch Abstimmung den genauen Willen des Volkes feft- stellen zu lassen. Man würde auf unbestreitbare Hin­dernisse stoßen, wenn diese Wahl unter der Leitung eine-; Habsburgers stattsinden würde. Selbst wenn eine Ver- Versammlung, die unter solchen llmständen aus der Wahl hervorginge, wirklich die Vertretung des Landes verkörpern würde, so würde sie doch von n ie nut nd e m anerkannt werden. Der europäische Friede fordert es deshalb, daß die verbündeten Mächte darauf bestehen, daß der derzeitige Prätendent von der höchsten Stelle des Staates Ungarn sich z u r ü ck z i e h t, um einer c -i den Parteien zusammengesetzten Regierung Platz zu machen. Die verbündeten Mächte sind bereit, mit jeder Regierung in Verhandlungen einzutrete«, deren Wacht sich auf das Vertrauen einer auf diese Weise gewählten Nationalversammlung stützen würde.

wb. V u d a p e st, 23. Aug. Infolge der ab- lehnenden Haltung des Obersten Nates ist der Gou­

verneur von Ungarn, Erzherzog Josef, sowie das Ministerium Friedrich zurückgetreten.

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Non diesen Entschließungen machte der Minister­präsident persönlich der in Budapest weilenden En- tentemission und mittels Funkspruch auch dem Prä­sidenten der Friedenskonferenz Clömenceau Mit­teilung. Die Budapester Ententemission forderte den Ministerpräsidenten auf, ein Ministerium zu bilden, in dem sämtliche Eesellsckmftsschichten vertreten sind. Zugleich wurde der Ministerpiäsi- dent aufgefordert, unter allen Umständen für die Aufrechterhaltung der Ordnung zu sorgen. Die Westmächte stellten zur Bildung der neuen Regie­

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kung eine Frist von drei Tagen. Hierauf kehrte Ministerpräsident Friedrich in den Minister- zurück, wo der Minister des Aeußern Lovaszy im "amen der Mitglieder des zurückgetretenen Kabi- uetts vom Prinzen Josef Abschied nahm. Er er- «ärte, Prinz Josef habe sich in den Stunden der Krise zum Handeln entschlossen, weshalb ihm der ervige Dank der Nation sicher sei. Der Prinz vo"- abschicdete sich bewegt von seinen Mitarbeiter:. Der Ministerrat beschloß sodann, bis zur Bildung der neuen Regierung die Geschäfte des Landes wei- t«rzujühren. Der Prinz wird morgen eine Ab- chiedsproklamation an die Nation erlasien.

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Eine Note des Obersten Rates an Rumänien.

Wb. Versailles, 24. Aug. Der Oberste Rat be- Moß, der rumänischen Regierung eine Note zu über- ke'-chen, in der sie aufgefordert wird, genaue Aufklärung >u geben über alle Requisitionen und Beschlagnahmun­sen in Ungarn. Der Betrag dieser Beschlagnahmungen derbe später bei der Abrechnung der Entschädigungs­summe, die Ungarn zu zahlen hat, verrechnet. Nach -Jntransigeant" soll der Oberste Rat Rumänien auch Mit der Einstellung der Lieferung von Kriegsmaterial iedroht haben, wenn es sich nicht den Anordnungen deS Obersten Rates füge.

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Erfolgreiche Offensive geM die Eowjet- Trnppen in der Ukraine.

Kiew und Odessa befreit.

wb. Berlin, 23. Aug. Ein Flugzeug aus Kaineueh-Podolsk brachte gestern folgende Nach- ^chken über die militärische Lage in der Ukraine Arrher: Die am 1. August eingesetzte allge-

t n e ukrainische Offensive gegen die bowjc::rnppe,i erzielte oereits durchgreifende Gr= Die ukrainische Armee Petljuras, der sich die eus Osttzalizien zurückgezogeire west-ukrainische Ar- ** in Stärke von luö'üdo Mann gutdisziplinierter *t>P"pen anschloß. befreit» in raschem Vormärsche Podokien und große Teile von Wolhynien und *** Krem», Gouvernements und nähert sich auf der

ganzen Linie dem Dnjepr. Der ukrainische Vor­marsch wird durch einen gewaltigen Bauern« ausstmird unterstützt. Unaufhörlich schließen sich den vordringettden Truppne aufständische Bauern­abteilungen an, die sich sämtlich dem Oberkom­mando Petljuras unterstellen. Kiew selbst ist von Sowjettruppen gesäubert. a»

wb. Amsterdam, 23. Aug. Das Preßbüro Radio meldet aus Hotzfea, daß Teile der bolschewi­stischen Schwarzmeerflotte, die ausgeschickt waren, um den Vormarsch der Ukrainer aufzuhalten, zu diesen übergegangen sind. Das bolschewistische Heer auf dem linken User des Dnjep, weicht panikartig vor den Truppen dse Generals Petljuras.

wb. London, 23. Aug. Reuter erfährt, daß Odessa von ukrainischen Truppen besetzt wor­den ist.

Polnisch-ukrainischer Vertrag.

wb. W i e n, 24. Aug. DerGazeta Warzawska" zufolge wurde ein Vertrag zwischen Petljura und Polen auf folgender Grundlage abgeschloffen: Die Regierung Peüjuras erklärt ihr grundsätzliches Desinteressement betreffs Ostgaliziens. Po­len und die Ukraine verpflichten sich, mit vereinten Kräften gegen ds« Bolschewismus zu kämpfen. Die polnische Regiermr- verspricht, daß sie ohne Ein­willigung PetHuras das von seinem Militär be­setzte Gebiet nicht betritt.

Die Sage in Oberschlkfien.

tob. Beuthen, 23. Aug. Eine Feldwache in Goe- zalkowitz wurde von polnischen Banden und Soldaten regulärer Truppenverbände, anscheinend unter Führung polnischer Offiziere, mit yi>ü leichten Maschi­nengewehren und einem schweren Maschinengewehr an» gegriffen. Tie Baude war 100 bis 200 Mann stark. Durch den Gegenstoß einer Reservekompanie wurde die Lage wieder hergestellt. Die Grenze ist in unserer Hand. In Gleiwitz wurde ein Uebersall auf da? Proviantamt abgewiesen. Dort gab es tinrn Verwundeten.

Die 32. Infanterie-Brigade teilt mit: In der Gegend von Pleß um 4 Nhr nachmittags starke Angriffe auf die Feldwachen in Lonkau und Gottschalkowitz. Letztere wur­den von polnischen Banden und regulären Trup- ve n unter Führung von Offizieren durch Minenwerfer- teuer eingeleitet. Der in Gottschalkowitz Ungebrochene Feind wurde im Gegenstoß über die Grenze zurückgewor- fen. Der Angriff auf die Feldwache in Lonkau wurde abgewiesen.

B e u t h e n, 23. Aug. Das Militär ist Herr der Lage. Gkftern nachmittag wurde bei der Opara-Mühle der Bru­der des Mühlendesitzers von Truppen de? Generals Hal­ler erschossen. Die bisherigen deutschen Verluste betragen im Abschnitt E seit AuSbrnch des Aufstandes bim In­fanterieregiment Nr. 63 vier Tote, neunzehn Verwundete, die feindlichen Verluste 91 Gefangene, 101 Verwundete und 43 Tote. Das Detachement Thllmann hatte 6 Tote und 8 Verwundete. Die scnwlichen Verluste betrugen hier 80 Gefangene, 60 Verwundete und 5 Tote.

tob. B e u t b e n, 24. Arg. Die 32. Reichswehrbrigade meldet: Südlich Godow-Laziik versuchten im Lause der Nacht polnische Banden die Grenze zu überschreiten. Sie wurden durch Maschinengewebrsener eertriefcn. Zwi­schen Birkenthal und Wohlan erfolgten in den Morgen­stunden auf unsere Feldwachen Angriffe durch polnische Banden. Hierbei wurde ein Unteroffizier, bet leidjt ver­

wundet wurde, heimtückisch ermordet. In der Ge­gend südlich GoldmannSdorf (Kr. Rybnik) überschritt eine polnische Patrouilk regulärer Truppen die Grenze und wurde vom Grenzschutz zurückgetrieben. Dabei fiel ein Pole verwundet in unsere Hand. Er gehätt dem Grenzschutz Beuthen an, der aus oberschlesischen Heber« lSufern gebildet wurde.

Keine polnischen Truppen nach Oberschlefie«.

wb. P a r t s, 22. Aug. (Reuter.) Der Oberste Rat entschied, daß die deutsche Regierung berechtigt ist, die Ordnung in Oberschlesien aufrechtzuerhalten. Polnische Truppen dürfen nur nach Oberschlesien kommen, wenn Deutschland darum ersucht.

Die polnische« Sozialisten für polnisches Eingreifen.

Wien, 28. Aug. Die polnischen Sozialisten verlangen in einem Aufruf von der polnischen Re­gierung, sie möge von der deutschen Regierung die Räumung Oberschlefiens fordern und der dort kämpfenden Bevölkerung militärische Unterstützung angedeihen lasten.

Frühere Besetzung Oberschlefiens?

wb. Versailles, 24. Aug. DerTemps" meldet, datz die interalliierte Militärmission in Oberschlesien auch die Frage zu erörtern haben werde, ob sich im Interesse des allgemeinen Frie­dens und int Einverständnis mit den deutschen Be­hörde« nicht die militärische Besetzung Oberschle­siens zu einem früheren Zeitpunkt als zu dem im Friedensvertrag vorgesehenen als notwendig erweise.

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Deutsch-Oesterreich.

tob. Wien, 24. Aug. DieNeue Freie Presse" ver­öffentlicht Aei'ßerungen von zuständiger Seite über die Neuorientierung in der Außenpolitik des Staatskanzlers Renner. ES heißt darin: Es ist wohl be­greiflich, daß die unbedingten Anhänger des Anschluß- gedankcns an Deutschland durch die Erklärung Renners, daß Deutsch-Oesterreich im Vertrauen auf den Völker­bund allein durchzukommen versuchen wolle, sich be­unruhigt fühlten. Renner hat die Annäherung an die Westmächte vollzogen und unser Schicksal in ihre Hand gelegt. Von den Westmächten und dem Völkerbund wird es abhängen, ob Deutsch-Oesterreich imstande sein lvird, die ihm int Fxicdensvertrag als Bedingung auferlegte staatsrechtliche und wirtschastliche Unabhängigkeit aufrechtzuerhalten, ja überhaupt als Staat fortzuexistieren. Der Staatskanzler hat in der gleichen Aeußerung, mit der er die Bölkerbundpolittk als Richtung gebenden Gedanken unserer künftigen auswärtigen Poli­tik begründete, deutlich ausgesprochen, daß Deutsch-Oester- reich keine Nachbarschastspolitik zu treiben habe. Das Verhalten unserer Nachbarn, die sich zur Stunde wie­der als unsere Widersacher erweisen, liefert für diesen Standpunkt Renners hinreichende Begründung. Nenner hat aber für diesen Standpunkt auch noch einen anderen einleuchtenden Grund angegeben. Dentsch-Äester- reich muß trachten, von allen Verwickelungen des neuen Balkans, der seine Grenzen weit nach Mitteleuropa vor­geschoben hat, sich freizuhalten.

tob. Wien, 24. Aug. Nach einer Meldung der Korrespondenz Wilhelm wollten am 23. August nach­mittags außer anderem Publikum auch 300 tschechische S 0 k 0 l n, darunter einige in Sokoltracht, mit der Nord- westbahn zu einer Feier nach Znaim fahren. Als diese

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sich ohne Fahrkarten durch die auf Einlaß wartende Menge durchdrängten, um auf den Bahnsteig zu gelan­gen, nahmen die übrigen Fahrgäste dagegen Stellung. Eine starke Sicherheitswache führte die Sokoln in den Warteraum, von wo auS sie unter ihrem Schutze den Bahnsteig betreten sollten. Die Bahnbediensteten er- klärten jedoch, die Abreise nur zuzulassen, wenn die Sokol« die nationale Tracht ablegen. Als die Letzteren dies aber verweigerten, unterblieb die Abreise. Der Wiener tschecho­slowakische GeschäftSttäger, der mit den Sokoln nach Znaim fahren wollte, nahm gleichfalls von der Reise Abstand.

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üBtiüitr.

Die Nationalversammlung hat einen wichtigen Ta- gungsabschnitt beschlossen, siedelt nach Berlik über und tritt am 30. September wieder zusammen, lieber dar, was sie bisher geschaffen hat, wird noch manches gesagt werden müssen, denn eS schneidet so tief in das Leben lebet Einzelnen ein, wie eS das Volk sich bis heute nicht träume» läßt. Man kann ja selbst wenn man kein aufmerk­samer Beobachter ist feststellen, wie wenig sich daS Volk um die große* Frage», die jetzt mit solcher sich überstürzen­den Hast iw-Weima^ souverän entschieden wurden, küm­mert. Wenn freilich tzj» Ausführung kommt, dann werden manchem die Augen übergehen.

Die Tagung ist aber auch insofern bedeutungsvoll, dtt tum ersten Male daS parlamentarische Regie« rungsshstem in Deutschland in die Erscheinung ge­treten ist. Man hat ja auch mit Recht daraus hingewiesen, daß wir in unserer Verfassung die demokratischsten Ein­richtungen der Welt haben. DaS Wesen der parlamen­tarischen Regierungsform soll aber sein, daß daS Boll selbst durch seine gewählten Bettreter die Regierung selbst übernimmt. (Inwieweit und ob das überhaupt möglich ist, ist hier nicht die Frage. Sehr oft herrscht in den parla- mentarischen Ländern nicht daS Volk, sondern die Par­teiorganisationen und die von ihr dem Volke präsentier« ten Vertreter.) Nun hat sich bet uns aber der Fall er­eignet, daß die regierenden Patteien die Beschlüsse der von ihr gebildeten Regierung einfach desavouiert haben, ohne daß das die Regierung in ihrer Existenz gefährdet hätte. Diese für eine parlamentarische Regierung unmögllche Tatsache zeigt, daß die Parteien bei uns noch nicht die Empfindung dafür haben, daß sie selbst für ihre Re­gierung verantwortlich find. Wo es ihnen aus agitatori­schen Rücksichten paßt, lassen sie ihre eigene Regierung im Stich. Sie fühlen sich eben noch zu sehr als Parla- mentsoppositton gegenüber der dem Parlament selbst gegenüberstehenden Regierung.

Weiter ist wesentlich für die parlamentarische Regiernngsform, daß die Oppositton die nötige Beachtung findet. Schon das Wahlsystem bei uns ist darauf einge­richtet, die Minderheiten, b". h. die Oppositionsparteien« nicht auszuschalten, sondern in voller Stärke heranzn- ziehen. In England, wo die großen Parteien in der Re­gierung abwechseln, wird die Heranziehung der Oppo­sitton in für das System vorbildlicher Weise gehandhabt. Bei uns ist in Weimar die Opposition kurz gesagt einfach an die Waick» gedrückt worden, und da? in einer Seit, ws man zweifellos seftstellen kann, daß die Zusammensetzung der Volksvettreiung nicht mehr dem politischen Willen des Volkes entspricht. Dem alten System hat man mit Recht den Vorwurf gemacht, daß es di« Oppositionspar­teien nicht genügend für die allgemeinen politischen Fragen heranzog, ja ihnen einen im vaterländischen Sinne sittlichen Makel anhängte. Autokratischer als die Regierung Bauer« Erzberger ist jedoch kaum eine konstitutionell-monarchische früher gewesen. ES mag sein, daß die in Deutschland herrschende Patteizersplitterung der Nichtbeachtung bet Oppositionsparteien im Gegensatz zu England gün­stiger ist. In England, wo morgen die Gegenpartei am Ruder ist verbietet sich die Nichtbeachtung von selbst. Dann aber wäre das ein Beweis dafür, daß das System für uns nicht paßt, jedenfalls aber die für unsere Verhält­nisse passende Ausprägung noch gefunden werden muß.

Wenn das parlamentarische System bei uns Zukunft haben soll, so werden ferner unsere RegierungS- vettreter sich wohl abgewöhnen müssen, vom RegierungS- ttsche aus als Patteimänner zu sprechen, das werden sie ihren Parteigerwssen aus dem Hause selbst überlassen müssen Auch toeiben sie ihre persönlichen Streitig­keiten von einer anderen Stelle aus erledigen müssen. Ist doch gerade in einem demokratischen Staate not­wendig, daß die Regierungsvettreter das Vertrauen des gesamten Volkes haben politisch ist das bet Partti« regierungen nicht möglich, aber Angriffe andrer Art sollten doch die nöttge Beachtung finden. Schwere An­schuldigungen sollten unpatteiisch klargrstelft werden, nicht durck persönliche Angriffe des betreffenden Minister- selbst, sondern durch gerichtliche Instanzen. Bisher scheint die Regierung sich zu diesem System noch nicht recht ent­schließen zu können.

Besonders schlimm aber wird dar System bet Parteiselbstherrlichkeit in bet Regierung, wenn das System der Mundtotmachnng der Opposition sich fogat auf die Preßfreiheit überträgt. Bisher war diese ei» Palladium der Demokratie, das scheint nun auch anders geworden zu fein. Man mag den Ton einer Zeitung b.Kigen oder nicht, eine demokratische Regierung kann die Freiheit des Wortes nicht umerbinbeu, ohne sich de« Boden unter den Füßen toegzuzicheu, sie verliert auch dal Recht, die früheren Zustande in dieser Beziehung einer Kritik zu unterbieten

Betrachtet man die bisherigen Taten des parlamen­tarischen Systems, so wird man gerade vom demokratische» Standpunkt schwere Vorwürfe gegen sie erheben könnet