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mit dem Kreisblatt für bett Kreis Marburg

Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen

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DerUnzelgenpret, betrügt für die Sgesp. Zeile»0 J. u. SS1/.*,'«TeuerungSzuschl. u = 40<#, «mtLc eueettt. 40 j ». »»/.LeuerungSzuschl. 50 4. Rekla»ezeile "4.

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1.60X Zeder Rabatt gilt al» Barrabatt. < Bei Aa«k. K bi» Se,chLft»st. u. mittig, d »«geb. 86 4. vonbergebühr.Postsche«.: Rr. 6016 Amt Franks.

1919

prechsr 56.

Marburg

Mittwoch, 20. August

IDieOberhessische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Der Bezugspreis beträgt monatlich 1.60 *. frei hi8 Hau»; durch di« Bast 1.75 M. ahne Bestellgeld. Verlag Mit Dr. C. Hitzerath.

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Sie Sage in Wtieltn

Rach wie Her ernst.

- wbi KattoWitz, 19. Aug. Ueber die Lage bei Kattowitz wird gemeldet, daß der Herd des Ausstandes Auf Schoppinitz, Janow und den Nikisch Schacht be- fchrSnkt ist. Kattowitz mit Vororten ist gänzlich ruhig. Lmh in Myslowitz, wohin die kleinen Grenzpostier­ungen' zurückgezogen wurden, ist der Tag nach der Schießerei im allgemeinen ruhig verlaufen; es befin­det sich fest in der Hand der Reichswehrtruppen. Den ; Aufrührern gelang es, vereinzelt klkine Trupps, die in :txn Ortschaften eingeschlossen waren, nach längerem undaicrndem Feuergefecht, infolge Munitions­mangel zu entwaffnen und gefangenzunehmen.

ung al» - Lage die Truppen auf Kattowitz und Myslowitz zu

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»atz zwar Myslowitz und Kattowitz fest in den Hän-

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Haussuchungen nach Waffen vorgenomtne» wurden.

Jetzt herrscht dort Ruhe. Die Aufrührer haben sich

Beuthener Bezirk fühlt sich das Militär als Herr der Lage. Ein Bataillon Verstärkung ist eingeiroffen.

i. kräftig arbeiten

Nach Bobrek zurückgezogen. Karf wurde im Laufe des Tages gesäubert und von den Truppen nach Kampf besetzt. Auch hier wurden Haussuchungen nach Waffen borgenommen. Gegen Kamin bei Beuthen sind müi- kärische Unternehmungen im Gange, da dieser Ort noch

DrzegowGodullahütte, Morgenrot angesetzt, um die dort versammelten Ausständigen zu vertreiben unb dir Gegend zu säubern. Abschließende Nachrichten über

rückgezoge n werden.

Die Pressestelle des StaatskomiffarkaC meidet: Die

Auch wurden während der Nacht einige Postierungen meuchlings er mordet, so der Führer der ein- geschten Pionierkompagnie, der einem Hinterhalte zum Opfer fiel. Die Erbitterung der Truppe, die ihre ober- Mefis^ Heimat verteidigt, kennt dem hinterlistigen Feinde gegenüber keine Grenze. Die eingesetzten Teile führten stellenweise stundenlanges Feuergefecht mit großer Heftigkeit. Leider werden auf unserer Seite Offiziere und Mannschaften vermißt, doch dürften die Verluste des Gegners erheblich höher sein. Mit Hilfe titr eingetroffenen Verstärkungen kann mit Sicher­heit darauf*gerechnet werden, daß die Lage im Lause des heutigen Tages wieder hergeflellt werden wird.

Berichte aus dem Kattowitzer Bezirk lauten: Im Laufe des gestrigen Tages fanden dauernd Kämpfe in btn Dörfern Rosdzin, Schoppinitz, Janow und Giescki- wald mit bewaffneten Banden statt, die mit Maschinen­gewehren und Munition reichlich versehen waren. Lei-

Wb. Beuthen, 19. Aug. Weitere militärische Verstärkungen sind gestern in Oberschlesien angerollt. ®n Detachement rückte gestern in Schömberg ein und fäuberte den Ort, wobei 19 Personen festgenommen und

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der gelang es den Banden, einzelne unserer Feldwachen t aufzuheben. Gegen abend mußten angesichts dieser

" Ans dem Beuthen er Bezirk wird gemeldet: Für Beuthen wurde für alle Fälle eine größere Truppen­menge bereitgestellt. Die Nacht verlief verhältnis-

7205 mäßig ruhig. Gegen morgen wurden Teile des Teta- chements Höllmann und des Regiments 63 bei Karf, ibüfp Beuthen, Pisniki und in der Gegend von Schömberg,

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Lage in dem oberschlesischen Gebiet ist nach wie vor ' ernst. Die Lage im Kattowitzer Bezirk ist leider so.

7211 den unseres Mlitärs sind, daß aber die übrigen Teile dieses Bezirkes größtenteils als von den Aus- 0 TI ständigen besetzt anzusehen sind. Etwas günstiger ist * die Lage im Beuthener Bezirk. Aber auch hier ist sie

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zu säubern ist. Die Schlesiengnibe wurde gestern von Truppen besetzt. Gegen Lipine, das teilweise noch auf­rührerisch gesinnt ist, sind militärische Uattrnehmungen tingeleitet. Der Gotthardtschacht, der in der Hand der Aufrührer Warr wurde gestern genommen; die Ruhe ist wiederhergestellt. Die Verluste auf militärischer . Beite betragen 7 Tote und 17 Verletzte; die des Geg­ners sind beträchtlich höher. Fortgesetzt werden Trans- ,l»rte von Gefangenen aus der Beuthener. Umgebung iringeliefert, von denen nachweislich feststeht, daß sie w am Aufruhr beteiligt haben.

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Da» Ende des Ausstandes in Sicht?

Berlin, 20. Aug. Meldungen, die gestern Abend Zus Oberschlesien in Berlin eingelaufen sind, ge­statten derV. Z." zufolge den Schluß daß die Krise, wenigstens soweit die Kämpfe mit den polnischen Auf- Händigen in Frage kommen, überwunden sei. Die Verhängung des verschärften Belagerungszustandes in kntigen Bezirken habe auf die Spartakisten abschreckend Utvirkt. In der Ausstandsbewegung sei ein Abflauen wahrnehmbar, selbst vorsichtig urteilende Stellen glaub­ten mit einem Ende des Ausstandes in den allernäch­sten Tagen rechnen zu dürfen. In der Arbeiterschaft Mache sich zweifellos ein Umschwung der Stimm» **6 bemerkbar, der auf das Wachsen der Erkenntnis Zurückzusühren sei, daß der Ausstand nur den polni- g« Ausständigen und Spartakisten ein willkommenes Stichwort gewesen sei.

wb. Bre-lau, 20. Aug. Da die Zuführung von Kohlen aus Oberschlesien völlig aufgehött hat, ist, wie die Eisenbahndirektion Breslau mitteilt, mit großer Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, daß der Personen­verkehr im Eisenbahndirektionsbezirk Breslau vom 22. August an vorübergehend gänzlich eingestellt werden muß, um den Gütereisenbahnverkehr und vor allem 'die Beförderung der Lebensmittel aufrecht zu erhalten.

1 Der Oberste Rat prüft die Lage in Oberschlesien.

wb. Paris, 19. Aug. (Havas.) Der Oberste Rat nahm gestern^Kenntuis von dem Bericht über die Lage in Schlesien, die er über Warschau erhalten hat. Der Rat befaßte sich mit der Festlegung von Mitteln, um pte Lage zu bessern.

Berlin, 20. Aug. Es gilt als sehr wahrscheinlich, daß eine militärische Abordnung der Verbündeten nach Oberschlesten gehen wird, um den Kampf zwischen Spar­takisten, Polen und Deutschen, durch den die Kohlen­krise Mtteleuropas verstärkt werde, beizulegen.

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Die Erhöhung der Post-, Telegraphen- und Fernsprech­gebühren, die Tabaksteuer und die Reichsabgabenordnung angenommen.

Sitzung vom 19. August.

Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um lOUHr 5 Min. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Anfragen.

Es fragt n.a. Abg. v.Gräfe (Deutschnatl.), ob die Regierung bereit ist, das Aktenmaterial zur Kenntnis der Nationalversammlung zu bringen, welches dieser von der amtlichen Betätigung des früheren Staatssekretärs des Aenhern v.Kühlnzann Kenntnis gibt, da dieses Mtz- terial im Interesse der vollständigen Aufklärung der Vorgänge erforderlich sei.

Ein Regierungsvertreter erwidert, daß das Material zusammengestellt und demnächst veröffentlicht werden wird. Inwieweit letzteres der Fall sein könne, unterliege zur Zeit der Prüfung, da nach internationalem Brauch die Veröffentlichung nicht ohne Einverständnis fremder Re­gierungen erfolge» könne.

'Abg. Tr. Mittelmann (D.Vpt.) bemängelt, daß nach Auflxbung der Feldpost die Feldpostpakete an Soldaten nicht mehr befördert werden, es sei denn, daß sie einen festen Wohnsitz haben. Dieser Mißstand treffe besonders die dem Grenzschutz angehörenden Truppen.

Direktor im Reichspostamt Runge: Der Feldpost­paketverkehr ist während der Demobilmachung von der HeeresverwaÜuug aufgehoben worden. An seine Stelle ist für die unter den Waffen gebliebenen Truppen der gewöhnliche Friedensverkehr getreten. Nnzuträglichkeiten sind bisher nicht zur Sprache gekommen. Eine Rückkehr zu der alten Einrichtung würde keine Beschleunigung, sondern unter den heutigen Umständen eine Verzögerung in der Beförderung verursachen.

Abg. Dr. Mittelmann (D. Vpt.) nimmt auf die Tatsache Bezug, daß infolge des niedrigen Standes unse­rer Valuta wertvolle alte deutsche Kunstschätze waggonweise ins Ausland abwandern und fragt, was die Regierung dagegen zu tun gedenke.

Gebeimrat Freiherr v. W e l s e r : Gesetzliche Maßnah­men sind in Vorbereitung.

Abg. Dr. Hugo (D: Vpt.) sieht in dem Weiterbestand der Außenhandelsstelle eine unerträgliche Erschwerung für den freien Handel und die interessierten Jndustriekreise und fragt, ob unb wann die Regierung diese Stelle auf- hebeu will?

Geheimrat Bachem: Das Reichswittschastsministe- rium beabsichtigt, diese Stelle nur soweit bestehen zu lassen, als es notwendig, erscheint, um wirtschaftliche Störungen zu vermeiden.

Abg. Dr. Mittelmann (D. Vpt.) wiederholt seine Anfrage vom 11. Juli über den Vorgang in Berlin, wo französische Soldaten ans offener Straße die Menge durch verächtliches Gelächter und Verhöhnungen gereizt haben und fragt schließlich zur Ergänzung: Ist die Regierung bereit, von der französischen Regierung die Bestrafung dieser Frechlinge zu verlangen?

Geheimrat Freiherr v. W e l se r: Ich glaube, wer die gegenwärtigen politischen Verhältnisse auch nur eini­germaßen überblickt, weiß, daß wir leider nicht in der Lage sind, so aufzutreten, tote es diesen Vorgängen ge­bührte. (Lärm und erregte Zurufe bei den unabhängigen Sozialisten.)

Es folgt die erste Beratung der Gesetze betreffend die

Ausführung des Friedensvertrages.

Reichsmiuis..r des Aeußern Müller: Die in den Gesetzentwürfen vorgescb-mm' Enteignungen sollen der Reichsversassung entsprechend gegen angemessene Ent­schädigung erfolgen. Die Regierung soll während der Vertagung der Nationalversammlung ermächtigt fein, wei­tere gesetzgeberische Maßnahmen, die dringlich sind, an- zuordnen. Die Gesetzentwürfe bekunden daS Bestreben des deutschen Volks, den Friedensvrctrag loyal und ge­wissenhaft zur Ausführung zu bringen.

Die Vorlagen gehen an den Haushaltsausschuß.

Es folgt die zweite Beratung der Gesetze über die Postgebühren

und Aenderung de» Postscheckgesetzes unb betreffen- die Telegraphen- und Fernsprechgebühren.

Zu 84 (Zeüungsgebühren) beantragt Abg. Mumm (Deutschnatl.) eine« Zusatz, wonach für Zeitungen nnd Zeitschriften, die unter Kreuzbarw verschickt werde«, dir

Befreiung vo« der ReichSabgabe, also ermäßigtes Druck­sachenporto, bestehen bleibe« soll.

Direktor im Reichspostamt Runge: Diese Befreiung hat in der PvaxiS zu solchen Unzuttäglichkeiten geführt, daß die ganze Postbeamtenschaft geschlossen hinter der Forderung steht, mit der Gebührenfreiheit aufzuräumen. Die Einrichtung ist in weitem Maße mißbrauch! worben.

Der Antrag Mumm (Deutfchnatt.) wird ab ge­lehnt unb bas Gesetz unveränbert angenommen.

Angenommen wirb auch eine vom Ausschuß vor­geschlagene Entschließung: 1. bis zum 1. Januar 1920 Sie Einführung bes 1 Kilo-Paketes unter gleichzeitiger Herabsetzung ber Gewichtshöchstgreuze von Drucksachen unb Gcschästspap-ercn aus 500 Gramm vorzunehmen, 2. alsbald einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch beit alle Porto- unb Gebührenfrciheüen ausgehoben werben unb bas Portoablösung^verfahren beseitigt wird.

Auf Vorschlag des Präsidenten beschließt daS HauS, auch gleich die dritte Lesung des Gesetzentwurfes vorzu- nehmen. DaS Gesetz wird nach kurzer Aussprache in dritter Lesung angenommen.

Die Gesetzentwürfe betreffend Aenderung des Post» scheckgesetzes und die Telegraphen- und Fern­sprechgebühren werden ohne Erörterung in zwei­ter unb dritter Lesung angenomme^,^, ' ...

Das Gesetz über Wochenhilfe «nif Wochenfür­sorge wirb nach im allgemeinen zustimmenden Erklärun­gen mit geringfügigen Aenberuugen in zweiter unb beit­ler Lesung mit großer Mehrheit angenommen.

Zu einer Erklärung nimmt sodann bas Wott Reichs­kanzler Bauer: Während in Berlin zwischen Preu­ßen und Polen über eine schiedlich-friedliche Nachbarschaft verhandelt wird, haben in Oberschlesien polnische Agi- tatomn einen

gern9Itfam bewaffneten Aufstand herbejzusührrn versucht. Zu meiner Freude kann ich Mit­teilen, daß die Nachrichten wesentlich übertrieben sind. Es ist nm 12 Uhr mittags die Nachricht cingegangen, saß das Generalkommando Herr ber Sage ist. Wo pol­nische Bewaffnete eingebmngeu finb, finb sie zurück- getrieben ober sestgenommen worben. Nur im Gebiete östlich ber Linie BeuthenTarnowitz halten sich noch polnische Bewafsiiete, bic noch nicht gefaßt worben finb. Reguläre polnische Truppen finb auf beutschem Boben nicht angetroffen worden. Wir finb militärisch stark genug, um bieser Putsche Herr zu werben. Es gibt eben Nationalpolen in Oberschlesien, bie befürchten, baß die Volksabstimmung zu ihren Ungunsten ausfällt und sie deshalb unter allen Umständen jetzt schon eine feststehende Tatsache schaffen wollen. Unsere Aufgabe wird es sein, solche Bestrebungen zu verhindern und dafür zu sorgen, daß dem Friedensvertrage gemäß eine wirkliche, ungehinderte und unparteiische Entscheidung in Oberschlesien erfolgen wird. E4>Meicht uns zur Freude,- bef; bie polnische Regierung diesen Dingen fernsteht unb daß polnische Truppe«^ sich m^OettiüHt. haben.

Hierauf wird um V-2 Uhr die Stzunefäus 4 Uhr nach­mittags vertagt.

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Um 4 Uhr 20 Min. wird die Sitzung vom Präsidenten Fehrenbach wieder eröffnet.

Es folgt bic brüte Beratung bes Tabaksteuergesehes.

Abg. Arnstabt (Deutschnatl.): Ein ivesentlicherTeil meiner Freunde kann sich nicht entschließen, dem Ge­setzentwurf, wie er jetzt vorliegt, zuzustirnmen. Ein Teil unb ich selbst werben unsere Bedenken, so schwerwiegend sie auch sind, in Anbetracht der ungünstigen Finanzlage, zurückstellen und dem Gesetz zustimmen.

Das Gesetz wird hierauf mit einigen unerheblichen Ab­änderungen gegen bie Stimmen eines Teiles ber -Deutsch­nationalen unb ber Unabhängigen angenommen.

Ohne Erörterung tritt das Haus dem Vorschlag bes Ausschusses für Volkswirtschaft bei, bie Regierung zu er­suchen, den Abbau ber Zwangswirtschaft für Gummi als­bald in bie Wege zu leiten, sowie einer längeren Ent­schließung, bie im wesentlichen bestimmt ,bie Zwangs- bewirtschastnng für Leder und Lederwaren aufzu­heben, fernerhin einer Entschließung, die Regierung zu ersuchen, hie Ausmahlung des Brotgetrei­des sofort auf 81 Prozent herabzusetzen.

Es folgt bie zweite Beratung des Gesetzes über bie Reichssinanzverwaltung.

Berichterstatter Abg. Bur läge (Zentr.) stellt fest, baß auch im Ausschuß bie Auffassung, baß bie Erhebung ber Steuer von ben Lanbesbehörben vorzunehmen sei, ver­treten wurde. Der Ausschuß habe aber mit großer Mehr­heit anders entfliehen.

Abg. Tr. Brann-Franken (Soz.): Das Reich denkt gar nicht daran, bie Sänber ober Gemeinden verkümmern zu lassen.

Abg. Dr. Becker-Hessen (D.Lpt.): Die Einzel- staate« verlieren tatsächlich durch die Neuorganisativn bie Grundlage ihrer Existenz und leben mir, soweit ihnen daS Reich entsprechenbe Zuwendungen überläßt. Damit geht auch ein Teil der Hobeftsrechte der Einzelstaaten verloren. Wir gehen auf dem Wege ber Berreich- lichung aller unserer Einrichtungen ein großes Stück weiter. Die {Regierung bat belangt'-. bie Steuerveran­lagung habe im Reich nickt gleich'» äS-g funktioniert. Na­mentlich in Preußen sei v:-l zu wünschen r-brig geblieben. Werden nun bie Reichsbehörden gründlichere und gleich­mäßigere Arbeit leisten? Der Beweis ist nicht erbracht und kann nüfct erbracht werben. Das kann nur bie Zukunft. Im übrigen kommt es nicht auf eure papierene Organisation, fonbem ans praktische Arbeit be- fähjgstr nitb arbeitswilliger Männer an. (Ei kann leicht ftÜ* daß b« Staeorbmina durch das Reich eine Ber­

sch lechterung bedeutet. Für Preußen ist eS »foeffej»' haft. Für Süddeutschland möchte ich es sicher behaupte»« Seltsamerweise setzt sich für die Reichsorganisatio« nut die Reichssinanzverwaltung ein, während die Sachver­ständigen der Einzelstaaten au» sachlichen Gründen für die bisherige LanbeSorganisation eintreten. (Hört, hört, rechts.) Für bie UebcrgangSzeit empfiehlt sich die rest­lose Uebernahme der Beamten der Einzelstaaten ,wekl sie über eine vorzügliche Praxis verfügen, in die Reichs- verwaltung. WaS im §451 steht, ist überhaupt nicht durchführbar. Praktisch bedeutet der Paragraph, daß die mindestens fünf Milliarden Steuern, die in den Einzel­staaten aufkommen sollen, ihnen verbleiben müssen. (Erzberger ruft: Das ist ein Mißverständnis!) Ich warne, ber neuen Organisation so hochgeschraubte Erwartungen entgegenzubringen, wie sie bst Reichssinanzverwaltung z« erwecke» scheint. Schwerwiegenbe gesetzliche Gründe spre­chen gegen die neue Organisation. (Lebhafter Beifall rechts, Widerspruch link».)

Minister Erzbe rger: Durch bie Reichssinanz-Ab- gabeorbmurg wird bie Reichsversassung nicht geändert, son­dern einßrch ihr Artist! 14 auSgefühtt. Gewiß wirb mit ber Vorlage ein großer Schritt »um Einheits­staat getan, aber nicht aus politischen, sonbern auS tatsächlichen Gründen . Dst Verhandlungen mit Preuße« werden alsbald nach der Rücksthr der Reichsregierung nach Berlin angenommen werden. Dst vier süddeutschen Staa­ten unb Sachsen werben schon in nächster Zeit bst San- bessinanzämter einrichten. Dst Gliedstaaten haben alle mit drei Ausnahmen sich nach sthr eingehender und gewissen­hafter Prüfung anf unfern Standpunkt gestellt. Die ganze deutsche Jndnstrst hat keinen sehnlicheren Wunsch, als eine Reichseinkommensteuerverwaltung.

Abg. Blunck (Dem.): Meine politischett Freunde stellen sich auf den Bode« ber Vorlage.

Preußischer Geheimrat Schwarz bittet namen- bet preußischen Regierung, ben Antrag auf Streichung bei 8 46 abzulehnen und entsprechend Sem Antrag Herold dst Bestimmung wieder herzustellen, wonach eine Aende­rung des § 46 mir auf bm Wege der Verfassung er­folgen kann. Preußen würde sich sonst vorbehalstn müs­sen, auf Grund der Bestimmung bei Artikels 74 btt Verfassung Einspruch im ReichSrat zu erheben,

Abg. Dr. W i r t h (Zentr.) bringt bem Gesetz kein Miß­trauen entgegen. Der AuSgleichsfonbs deS Finanzmini­sters wirb ja Härten vermesten helfen.

Abg. Dr. v.Delbrück (Deutschnatl.): Die Annahme bes Gesetzes ist nur möglich, wenn zu bem 8 451 bezw. 46, der auch eine Verfassungsänderung bedeutet, der Antrag Herold angenommen wird.

Abg .Wurm (U.S.) verlangt Berabschiedung bei Gesetzes unb stimmt für ben Antrag Herolb.

In ber Svnbcraussprache wirb ber Antrag Blunck auf Errichtung ber Lanbesämter durch Reichsgesetz ab- gelejn^ Zu § 461 liegt außer bem Antrag Blunck auf Streichung des ganzen Paragraphen ber Antrag Herolb vor, mit bem vorn Ausschuß gestrichenen Schluß­satz bie Vorlage wstberherzustAlen unb demgemäß als vier­ten Absatz hinzuzusügen:Eine Aenderung dieser Vor­schriften kann nur erfolgen unter ben Voraussetzungen, bie nach ber Reichsverfassung für Verfassungsänderungen vorgesehen sind."

Abg. Keil (Soz.): Rach unserer Auffassung ge­hört § 46 überhaupt nicht inS Gesetz. Um das Reform­werk nicht scheitern zu lassen, wollen wst Nach dem An­trag Herolb biefe Bestimmung aufnehmen. In ber Ab­stimmung wirb ber Antrag Herolb mit 646 angenom­men. Das Haus nimmt bann sofort bie brüte Lesung ber Vorlage vor.

In ber Einzelberatung erklärt Abg. Leich (Bayr< Vpt.), et erblicke in ber Zentralisierung bie Zerbrechung bes Rückgrates ber Bestandsähigkeit ber Sänber und Ge­meinden.

Ohne wettere Erörterung Wird hierauf das Gesetz mit großer Mehrheit angenommen.

Nächste Sitzung Mittwoch 9 Uhr: Beratung des Erb- fchaftssteuergesetzes, "des Einführungsgesehes zum Frst» densverttag ,des Gesetzes über Enteignungen unb Ent­schädigungen anläßlich bes Friebensverttages, Wahl eine» Untersuchungsausschusses von 28 Mitgliebern, Anträge,

Dst neue Reichsanleihe.

h>b. Weimar, 19. Aug. Im Haushaltsausschuß ber Nationalversammlung begründest zunächst bet Reichssinanzminifter bie Vorlage ber neuen Reichsan­leihe von 9 Milliarden. Von einer freien Anleihe soll im gegenwärtigen Augenblick abgesehen werden, eben)« von einer Zwangsanleihe, da bei einer solchen dst Ber-. hältnisse der Einzelnen nicht genügend berücksichtigt Wer­den könnten. Nach den Vorschlägen einer Anzzch! vo« Bankdirektoren soll die Prämstnanleihe in Stücken z« 1000 M mit Abschnitten zu 100 "=* unb 2 Prozent Zinsen . au »gegeben werden. 100 M sollen mit 110 'M zurück» bezahlt unb die Anleihe in 30 Jahren getilgt Werben. Die Stücke der Prämienanleihe sollen steuerlich begün­stigt werden, damit so ein besonderer Vorzug unb Reiz für die neue Anleihe geschaffen werde. Erzberger Wünschte Weiter bie Genehmigung der Mittel für dst in Aussicht genommene Beamtenentschuldung (1000 'M für Verheiratete, 600 M für Untierheiratete) und besprach Weiter Hilfsmaßnahmen für die Ausländs­deutschen. Der Wiederaufbau bet Handel»« flotte durch dst Reedertiereinigung soll gefördert Wer­den. Da» Gesetz über den Wiederauftau der Handels­flotte werde dadurch hinfällig.