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mit dem Kreisblatt für den Kreis Marburg
Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen
IDie „Oberhessische Zeitung- erscheint sechsmal wöchentlich. — Der -we Bezugspreis beträgt monatlich 1.60 X. frei in« Hau«; durch die Poft JIS, Itf 1 I 1.75 X. ahne Bestellgeld. — Verlag »on Dr. C. Hitzerath.
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Marburg
Montag. 18. Angnft
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54. Jahrg.
1919
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WM» Muhr ii StM'sni.
Kattowitz, 17. Aug. In der Nacht zum 17. August versuchten polnische Banden im Kreise j Wleß durch einen Putsch die Gewalt an sich an reißen und das Militär zu entwaffnen. An den 1 Leisten Stellen ist der Versuch mißlungen und _ jigb die Truppen Herren der Lage geblieben, so in ■ wo ein Teil der Angreifer außer Gefecht ge- scht und ein anderer Teil verhaftet worden ist. Ebenso 5 Hieben die Angriffe auf unsere Feldwachen im Südteil pm, Oberschlesien erfolglos. Nur in Paprotzan ge- 1 faig'ei den Aufrührern, eine Batterie, die wegen her Unterbringung der Pferde in Bürgerquartieren weit i zerstreut liegen mußte, zu überrumpeln und zu entwaffnen. Weiter haben die Aufständigen den mit ] Truppen nicht belegten Ort Tichau und den dortigen Lahnhof und die Postanstalt besetzt. Auch in Mittel- 1 Lazisk haben polnische Banden den Bahnhof sowie das Amtsvorstandsgebäude und außerdem die'„Gott ; mit uns"-Grube heimgesucht.
Eine militärischeUnterdrü dun g des Aus- !«hrs ist im Gange. Weitere Truppen sind nach Ober- ien gefahren. Wie verlautet, haben die polni- OrganisatioNen Oberschlesiens die nicht gewillt die Entscheidung über ihr Schicksal abzuwarten, tute Nacht einen allgemeinen Aufstand inz Oberschlesien geplant mit der Absicht, die lt an sich zu bringen. Hallers Truppen t nach der Durchführung dieses Planes ein« , um die neuen Machthaber zu unterstützen. Mit -mtheit geht aus dem Vorgefundenen Matteri al :, daß auch der allgemeine Bergarbeiterland mit dem Plane der oberschlesisch-polni- Organisationen z u s a m m e n h ä n g t. Einen en Beweis für die der Bevölkerung Oberschle- drohende G fahr brachte eine allgemeine große üchimg in dem Torfe Halemba, wo zahl reiche n und Munition g.fuuden wurden. Die An- : der dortigen polnischen militärischen Organisa- i lieferten den Beamten und der Truppe ein echtes Feuergesecht und büßten dabei zwei ihrer irder ein.
Die sMtakistische Beihetzluist.
». Kattowitz, 16. Aug. Seit Sonnabend ifl 3 Uhr sind die Oberschlesischen Licht- und verke Chorzow und Zaborze w^der in Betrieb, lusstand geht indessen noch weiter. Die Lichtwerden von Genietruppen bedient. nJ dem and bei den Bergwerken und Hüttenbetrieben, ugenblicklich fast unverändett weitergeht, macht ei der Arbeiterschaft mehr mtb mehr besonnene sicht geltend. Mehr wie sonst tritt bei diesem Eusstand das Moment der bösesten s p a r t a k i st i - Ich en Verhetzung zutage. Es gehen Gerüchte k«, daß der Ausstand nur darum weitergehe, weil ^verantwortlich: Hetzer die Meinung auszustreuen twßten, die Regierung beabsichtige die neunstündige Arbeitssckncht und eine erhebliche Lohnreduzierung ein« 1 Muhren. Es kann nur amtlich versichert werden, Ml das eine grobe spartakistische Verhetzung ist. Die Regierung denkt nicht daran, an dem Achtstundentag rütteln, wie sie auch nicht daran denkt, die Er- Dmgeuschaften der Arbeiterschaft zu befchneiden. Allerdings liegt es auch an der Arbeiterschaft, energisch Dront zu machen gegen diese Art von Verhetzung, *ie zum Totengräber für unser gesamtes Witt- Hastsleben auszuwachsen beginnt. Zu welch trau- ' Folgen die Verhetzung der Massen führt, zeigt Vorkommnis in Myslowitz, wo bei der Lohn- ; Phlung auf der Myslowitzer Grube es zu einem Zu- rlwienstoß zwischen Militär und Ausständigen kam, ^obei vier Tote und vier Verwundete zu beklagen Md.
Zum Ausstand in Oberschlesien läßt sich der „Vorwärts" aus Königshütte melden, daß bis gestern sich 1 Lichts geändert hat, für heute aber mit einem Zu- »«Mmenbruch des Ausstandes zu rechnen sei.
Verkündigung des Arbeitszwanges stehe Mr heute bevor. Gegen alle Ausständigen, die heute w» Arbeit nicht ausnähmen, würden die schärfsten Maßnahmen ergriffen. Von den Laurahütter Gruben folgen heute 60—70°/° der Belegschaften an. Im i wSuiker Revier sei die Beteiligung am Ausstand •^er gänzlich abgelehnt worden.
Die deutsch-polnischen Verhandlungen.
| [ Wb. Berlin, 16. Aug . Tic Verhandlungen mit den ^Nischen Delegierten nehmen einen befriedigenden Ver- M ■ Bee den Verhandlungen der Kommission für Jntcr- j und Kriegsgefangene ist in allen Hauptfragen Volt« «'tnnicnc Ur Hereinstimmung erzielt worden, besonders bar« : daß für alle ans Anlaß der nationalen Erhebungen
« E^mgenen Vergehen, gemeine Verbrechen ausgenommen, "Euerseits eine Amnestie erlassen wird, sowie,daß die 9*fetnieden ausnahmslos zu entlassen sind. _ In der ; wettsmmifiba für Schulfragen, die in erster Linie 4i- Wünsche der deutsche» Levöllrruug der Abiretungs-
bezirke zu vertreten hat, ist ebenfalls in wichtigen Fragen Einvernehmen erzielt worden. Es sind besonders im polnischen Elementarschulwesen die deutschen Wünsche berücksichtigt worden. Die kirchlichen Fragen sind bis zum Eintreffen polnischer Sachverständiger zurückgestellt worden.
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Der Wien.
Die Bildung des Völkerbundes verschoben.
wb. Amsterdam, 17. Aug. Die englischen Blätter vom 15. August bringen eine Exchairge-Meldung aus Paris, nach der die Bildung des Völkerbundes auf nächstes Jahr verschoben worden sein soll.
Neutrale Vermittlung wegen der Kriegsgefangenen?
Rotterdam, 16. Aug. Die „Times" meldet, daß von zwei neutralen Regierungen am 11. d. Mts. Schritte bei der englischen Negierung unternommen wurden in Sachen der Heimschaffung der deutschen Kriegsgefangenen.
Die deutschen Kriegsgefangenen in Serbien.
Wb. Wien, 17. Aug. Nach Mitteilung vrm gut unterrichteter Seite sollen alle deutschen Kriegsgefangenen in Serbien binnen kurzer Zeit in die Heimat entlassen werden. Ter Abtransport aus Serbien werde voraussichtlich am 22. August beginnen.
Ein englischrs Urteil über Deutschlands Zukunft. .
wb. A m ft.r d a m , 17. Aug. Der Finanzkorrespondent der „Dailv New? in Holland meldet, Deutschland komme in Holland als ernstlicher Handelsrivale Englands nicht in Betracht. Holland gebe Deutschland keinen Kredit. Man sei der Ansicht, daß Deutschland noch schlimmeren Zeiten entgegengehe als es sie bisher durchgemacht habe. Erst wenn die EntschädigungSzählungcn fällig würden und wenn in fcdet Hinsicht auf die deutsche Industrie gedrückt werde, damit die Nnesensummen, die erforderlich seien, aufgebracht würden, werde man sehen, lv i c schwierig ,es für Deutschland fein werde, Rohstoffe anfzukaufen.
Die unterernährten deutschen Kinder.
wb. A m st e r d a m , 16. Aug. Englischen Blättern zufolge berichtete Professor Starling von der Londoner Universität über seine Reise durch Deutschland, die deutschen Kinder seien seit 1916 unterernährt. Er holte jedoch, daß eine beträchtliche Zahl wicdcrhergestellt werde, wenn Deutschland Kredite erhalte um Lebensmittel zu kaufen. Dies sei der Angelpunkt der ganzen Lage tn Deutschland. Jeder Liter Milch, den man Deutschland nehme, bedeute die Tötung eines Kindes. Er schlägt vor, daß ein oberstxr Wirtschaftsrat gebildet wird, in dem auch Deutschland vertreten sein soll.
Hauskauf des Kaisers in Holland?
wb. Rotterdam, 16. Aug. Aus Toorn tvird gemeldet, daß der vormalige Deutsche Kaiser das Haus Doorn von der Baronin Hccmstra gekauft habe.
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91t WltMnmm M die SMkk.
wb. Berlin, 16. Aug. Die in Berliner Blättern g-brachte Meldung von einer angeblichen Herabsetzung ber an die Weltmächte zu liefernden Kohlenmenge Gon 40 Mill, ans 21 MM Tonnen' ist offenbar von einem Teil her Presse mißverstanden worden. Es ist selbstverständlich. daß die Vertreter der deutschen Regierung in Versailles unablässig bemüht sind, gerade in dieser für das deutsche Wirkschaftsl-ben so ungeheuer wichtigen Frage den Vertretern der Westmächte klar zu machen, was von der deutschen Regierung mehrfach ausdrücklich betont worden ist, daß nämlich die in dem Friedensvertrag festgesetzte jährliche Kohlenrate von Tentfchland unmöglich geliefert werden kann. Von den verbündeten Regierungen ist jetzt auch eingesehen worden, daß Deutschland mindestens gegenwärtig das geforderte Quantum nicht liefern kann, und es schweben zur Zeit naturgemäß sehr verwickelte Verhandlungen über ein für beide Teile annehmbares Kompromiß, das es der deutschen Regierung ermöglichen soll, wenigstens für die nächste Zeit durch Lieferung einer geringeren Rate die für die deutsche Heimat unbedingt notwendige Kohlenmenge zu behalten. Die deutsche Regierung ist sich bewußt, daß die Kohlennot auch in Frankreich sehr ernst ist. Sie versucht daher zu einer Grundlage zu kommen, die unsere dringende Notlage berücksichtigt und zugleich den Interessen der Gegner dient. Eine zahlenmäßige Festlegung ist noch nicht erfolgt, und die Forderungen, die die Gegner zur Zeit noch in Versailles erheben, bedrohen unser gesamtes Wirtschaftsleben immer noch mit den schwersten Gefahren. Selbst die in der „B. Z. a. Mittag" gebrachte Nachricht von einer Herabsetzung aus l2/, Millionen Tonnen monatlich würde keine Erleichterung bedeuten, da auch diese Menge unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht geliefert werden kann und die schwersten Folgen für alle Verbraucherkreise, Industrie und Hausbrand, im kommenden Winter unausbleiblich wären. Es müßte daher das von der „93.3." berichtete Zugeständnis als völlig unzureich e n b deutscherseits bezeichnet und eine weitere Herabsetzung der Lieferungen mit allen Mitteln erstrebt werden. Von irgend einem Verhalten der West machte das als Nachgiebigkeit gegenüber den Friedensbedingungen angesehen werden könnte, ist bisher nichts festzustellen. Eine vernünftige Basis für befriedigende Verhandlungen ist nur dann gegeben, wenn die deutschen Kohlenbergwerke ihre göÄberung »a nz erheblich
steigern und eS so unseren Vertretern in Versailles ermöglichen, durch das Angebot einer einigermaßen beträchtlichen Kohlenmeuge die Milderung anderer Bedingungen zu versuchen. Die Ereignisse der lehttn Zeit, besonders in de« Kohlenbezirken, haben mit erschreckender Deutlichkeit gezeigt, daß die deutschen Arbeiter selbst am meisten darunter leiden, wenn sie durch fortgesetzte Ausstände daS gesamte deutsche Wirtschaftsleben ruinieren und dem Deutschen Reiche das zur Zett einzige Mittel zu Kompromißverhandlungen nehmen.
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Aus dem besetzten Gebiet.
Die Dortensche« Umtriebe.
wb. Versailles, 16. Aug. „Journal" läßt sich in einem langen Aufsatz seines Mainzer Sonderberichterstatters melden, der Gedanke der rheinischen Republik habe erheblich an Ausdehnung gewonnen. Der Berichterstatter läßt durchblicken, daß die Sache soweit gediehen sei, daß Dr. Sorten der Wunsch nach einer Volks- abstim mir, von dem Obersten Rat wahrscheinlich nicht werde abgeschlagen werden können.
Die Abfallbewegung In der Pfalz.
München, 16. Aug. Die Korrespondenz Hoffmann meldet amtlich: Die politische Lage in der Pfalz drängt zur Entscheidung. Ein Teil der pfälzischen Zentrumspresse, der „Volksbote" in Kaiserslautern und der „Rheinpfälzer" in Landau, behandelt das Aktionsprogramm der bayerischen Regierung mit Hohn und Spott und propagiett als alleinige Rettung für die Pfalz den Anschluß an die „in Gründung begriffene rheinische Republik. Der Bund „Freie Pfalz" — Dr. Haas und Genossen — sucht durch verstärkte Aktion gegen die pfälzisch-bayerische Regierung die Konkurrenz der „rheinischen Republik" unschädlich zu machen und drängt zum gewaltsamen Bruch mit Bayern und Deutschland. Die französische Besahungsbehörde ge- wäbtt beiden Richtungen vollständige Freiheit in Wort und Schrift, unterdrückt aber rücksichtslos jede Mei- nungsäußernng für treues Festhalten an Deutschland. „Freie Pfalz" im Bunde mit Leuten von der U. S. P. beabsichtigt einen gewaltsamen Putsch in den nächsten Tagen. Da sie volle Bewegungsfreiheit hat und Waffen, die aus frauzö sischem Besitz stammen müssen, zur Verfügung hat, ist die Gefahr für die Pfalz größer als je.
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Mainz, 16. Aug. Durch eine vor einiger Zeit ergangene Verfügung erhebt die französische Besatzungs- behörde Anspruch auf alle Wohnungen im Stadtbezirk Mainz, die am 1. August 1914 von aktiven deutschen Offizieren, aktiven Militärbeamten im OffizierSrang oder deren Familien bewohnt waren, einerlei ob Mietwohnmrgen oder Wohnungen in eigener Behausung. Die Wohnungen müssen angemeldet werden, auch wenn das Haus oder bä Wohnung inzwischen in andere Hände übergcgangen lst.
Die Franzosen im „befreiten" Lothringen.
wb. Versailles, 16. Aug. „Humanite" bringt einen Aufsatz unter der Ueberschrift: „Die Gerechfigkeit in Lothringen", der beginnt: Fast ein halbes Jahr-, hundert versuchten die Deutschen vergeblich Lothringen zu germanisieren. Ein Jahr nach der Besetzung werden die Franzosen sich rühmen können, die Lothringer soweit gebracht zu haben, daß sie sich wieder nach der deutschen Herrschaft sehnen.
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England.
wb. Amsterdam, 17. Aug. Das „Mgemecu Han- delsblod" meldet auS London: In Londonderrh fanden Zusammenstöße zwischen der irischen nafionafistischen Bevölkerung und Truppen und Polizisten statt. 400 Soldaten und die gesamte Polizeimacht mußten wiederholt gegen die Volksmenge vorgehen. Mehrere Läden wurden geplündert, wobei Schüsse gewechselt wurden. Die Unruhen hielten die ganze Nacht hindurch an. Man befürchtet eine Wederholugn der Unruhen. — In Clare dauert der Kleinkrieg zwischen Sinnfeineru und Polizei fort.
wb Amsterdam, 17. Aug. Englischen Blättern vom 15.8. zufolge teilte Harmswotth mit, es sei ihm bekannt, daß sich Leute der Armee des Generals Haller am 26. Juni an den judenfeindlichen Ausschreitungen in Warschau beteiligt, u. a. verschiedenen Juden die Bärte abgerissen und daß sie auch in anderen als von ihm in der Unterhaussihung vom 5. August erwähnten Städten Juden v-gegritfen und verletzt haben. Harmsworth sügte hinzu, die brifische Regierung werde eine Kommission nach Polen entsenden, nm die Stellung der Juden in diesem Lande zu untersuchen.
wb. Amsterdam, 17. Aug. Der „Daily News" zusolge hat sich die britische Regierung jetzt endgültig gegen die Verstaatlichung der Kohlenbergwerk entschieden.
Haag, 18. Aug . In einet Versammlung von Arbeitgebern und Arbeitern in Birmingham teilte Clynes mit, daß Llopd George mit dem Entwurf zu einen: Gesetz beschäftigt sei, das Ausstände nur noch nach achttägiger Ankündigung erlaube.
wb. A m st e r d a m , 17. Aug. AuS einer von den englischen Blättern vom 15. August gebrachten halbamtlichen Mitteilung geht hervor, daß die britischen Truppen in Süd-Kurdistan im Kampfe mit Aufständi- fchen stehen.
Englands uneigennützige Hilfe für Perfirn!
tob. London, 16. Aug. (Reuter.) Rach Verhandlungen, die neun Monaten andauerten, wurde zwischen der persischen Regierung und Groß-Britannien ein Abkommen geschlossen, daß England in die Lage setzt, Persien Unterstützung und Rat von Sachverständigen zuteil werden zu lassen, wodurch der Wiederaufbau des perfi- scheu Staates ermöglicht wird. Das Gesamtergebnis der Vereinbarungen bedeutet nicht, daß Persien tx irgendeiner Hinsicht in ein britisches Protektorat umge« wandelt werden soll, sondern daß damit die Jntrigncn- herrschaft beendet wird. — Eine andere Begründung bei englischen Vorgehens konnte man nicht erwarten.
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91t im WMt Sttitrnm.
wb. Budapest, 16. Ang. Am Freitag würbe btt neue Regierung vom Verweser, dem königlichen Prinzel Josef, ernannt. Ministerpräsident wurde Stefan F r ie d r i ch, Minister des Innern: Baron Siegmund Pereny, Finanzminister Johann Grün, Kriegs- Minister: General Franz Schmetzer, Justizminister: Georg B a l o g h y, Ackerbauminister: Stefan Szabo, Kultus- und Unterrichtsminister: Karl Huszar^ Minister für Volkshygeme: Andreas Csillery- Minister der Nationalen Minderheiten: Jak« B l e y e r. Zu Ministern ohne Portefeuille wurden e» nannt: Stefan Haller und Johann Mayer. Mit der Vorbereitung zu de» Friedensverhandlungen wurde Minister ohne Portefeuille Graf Paul Teleki betraut. Das Handelsportefeuille, Ernährungsministe« rium und Bolkswohlfahrtsministerium sind noch nichk besetzt. Die Mitglieder der neuen Regierung leistete« heutt mittag vor dem Verweser, dem königlichen Prinzen Josef, den Amtseid. Darauf gab Stefan Friedrich vor einem Redakteur del Ungarischen Telegraphischen Korrespondenz-Büros folgende Erklärung ab: ES ist natürlich', daß nicht alle Wünsche und Ansprüche - befriedigt werden konnten. Für die organisierte Arbeiterschaft ste drei Portefeuilles zur Verfügung; es hängt nunmehr bloß von ihr ab, sich an der Arbeit der Negierung zu beteiligen. Die organisierte Arbeiterschaft muß einsehen, daß sie nicht vorschreibe» kann, wen die bürgerlichen Klassen in das Kabinett delegieren sollen. Andererseits ist es natürlich, daß auch die bürgerlichen Parteien und die Patter der Landwitte sich nicht in die Frage einmengen wollen, wen die Arbeiter in dem Kabinett zu sehen wünschen. Der Minister des Aeußern Lovaszy äußerte sich so» dann über die Aufgaben deS Kabinetts folgendermaßen: Die Regierung betrachtet sich als provisorisch und wird nach -bem Zusammentritt bet Nationalversammlung sofort zurücktreten. Bis bahin wird • sie es als ihre wichtigste Aufgabe erachten, die Ordnung und die Vermögenssicherheit wieder herzustellen, damit die demnächst auszuschreibenden Wahlen für di< Nationalversammlung in ruhiger Stimmung vor sich gehen können. In der auswärtigen Politik erachtet die Regierung gute Beziehungen zu den Westmächte» für ihren maßgebenden Gesichtspunkt. Ihr Hauptbestreben soll sein, dem Lande möglichst bald einen befriedigenden Frieden zu beschaffen.
Haftbefehl gegen 21 Bolksbeaufiragte.
wb. Budapest, 17. Aug. Nach einer Meldung des Ungattschen Korr.-Büro ttchtete die Kriminalabteilung der Budapester Oberstadthauptmannschaft a» sämtliche Verwaltnngs- und Polizeibehörden sowie an die Wiener Polizeidirektion das Ersuchen, nach 21 früheren Bolksbeaustragten, darunter Bela Kun, Eugen Landler, Eugen Hamburger, Moritz Erdelyi, ferne! nach dem früheren Präsidenten des Budapester Arbeiter- und Soldatenrates, Bermann, die des Mordes, der Geldfälschung und der Verletzung del Wohnrechtes als Täter oder Anstifter verdächtig sind, zu fahnden und sie im Falle ihrer Ergreifung in Untersuchungshaft zu nehmen.
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wb. Bud apest, 17. Aug. Das Ungarische Korr.- Büro meldet: Die maßgebenden Faktoren der Westmächte, besonders die Leiter der in Budapest weilende» Missionen, trafen sofort nach dem Sturz der bolschewistischen Schreckensherrschaft bringenbe Maßnahmen, damit die gegen Ungarn angeordnete Blok- kadeaufgehobenund Ungarn bei dem nationalen Wiederaufbau Hilfe geleistet werde.
Das Ung. Korr. Büro erklätt entgegen den Blättev- melbungen, baß keine Sonberkurier bes Königs Katt zum Prinzen Josef nach Budapest gekommen sei, um ihm ben Dank bes gewesenen Königs für ben Schutz ber Interessen bet Dynastie zu überbringen. Prinz Josef stehe mit bem gewesenen ungarischen König iw keiner wie immer gearteten Verbinbung.
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Deutsch-Oesterreich.
wb. Wien, 17. Aug. Wegen Steinkohlennot wurde der gesamte Schnellzugsverkehr aus den deutsch-öster- reichifchen Bahnen eingest-""