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mit dem Kreisblatt für den Kreis Marburg

Tageszeitung für (bas früher kurh«Mche) Oberhessen

Der Anzeigenpreis betrügt fflt die Sgef». Zeile 80 J.u. 88*/,!« Teuerung»zufck>l- k x 40 <* amtl. m. nuswirt. 40 4 u-25»/,TeuenmaSzufchl. = 50 MeflewwaeUt vtlt

SieÖverhess'fHe Zeitung" erscheint sechsmal «ächentlich. Der

l/e 4n/i Bezugspreis beträgt monatlich 1. X. frei ins Haus; durch die Post vl2. IwU 1.75 X. ahne Besteigeld. Verlag von Dr. T. Hitzersth.

1919

Markt 21/23. Fernsprecher 55.

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erunaSzuschl. 50 Reklameze t gilt als Barrabatt. Bet Must. d. die Leichiftsst. u. Ler- 4-SandergebLhr. Postscheck.: Nr. 5015 Amt Frints. a. M.

tob. Weimar, 15. Ang. Ter Nationalversamm­lung ging folgender sozialdemokratischer Antrag gu: Die Regierung wird ersucht, den Deutsch-Oester­reichern, die in Deutschland ständig wohnen ihren Pflichte«^ dem Staate gegenüber Nachkommen und Steuern und Abgaben entrichten, auf Antrag die deutsche Staatsangehörigkeit unentgeltlich zu verleihen.

Deutschnationale Anfrage $at Veröffentlichung der Rede Erzbergers.

Die deutschnationalen Abg. Traub, Schiel«, Schnltz-Bromberg, Laverrenz und Mum« haben in der Nationalversammlung folgende An­frage gestellt:

Von der römischen Kurte ist durch die römisch« Vertretung der Havas-Agentur unterm 30. Juli festgestellt worden, daß der Herr Reichsfinanzmtnt- st« Erzberger di« Vorgänge im September 1817. ungenau dargestellt und falsch interpretiert" hab«. Die MailänderItalia" teilt unterm 81. Juli mit, daß es sich n i ch t um ein englisches Friedensange­bot, sondern um die Antwort der brittschen Regie­rung auf die päpstliche Friedensnote gehandett habe. Painlev6 hat im Kammerausschutz des frans zöfischen Parlaments am 29. Juli die Unrichtigkeit der Erzbergerschen Darstellungen behauptet. Di« unmittelbar beteiligte englische Regierung hat durch ihren Unterstaatssekretär Harmsworth anl 5. August im Unterhaus erklären lassen, daß die bri­tische Negierung zu jener Zeit keinerlei Fri«- densangeb'ote an Deutschland gemacht hat. Der preußische sozialdemokratische Minister Hänisch be­zeichnete in der sozialdemokratischen Wochenschrift Die Glocke" Erzbergers Darstellungen als histo­risch und sachlichsehr ungenau". Sind der Regie­rung diese Tatsachen bekannt und ist sie bereit, auch diese Vorgänge im vollen Wortlaut dem deutschen Volk ebenso zugänglich zu machen, wie di« Rede des Herrn Ministers Erzberger?"

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werden empfohlen: Erhöhung der Bergarbeiterlöhne, ein Reichrberggese-, Erlaß eine» Reichsknappschaftsgefetzes, schleunigste und großzügige Beschaffung von Wohnungen, Einlegung von zwei vollen Förderschichten, regelmäßige Gestellung von Eisenbahnwagen, Durchführung der Sozia­lisierung.

Abg. tzuä (Soz.): Den Kohlengesetzentwurf können wir wohl ohne Kommissionsberatung annehmen. In dem ganzen Bereich unserer Kohlenindustrie sehe ich nur eine einzige dunkle Fläche, keinen Lichtstrahl. Wenn es heute einigen wenigen spartakistischen Wirrköpsen gelingt, ganze Belegschaften in den Bann ihrer Agitation zu zwingen, so beweist das nur, daß unsere Arbeiterschaft und auch die Beamtenschaft durch den furchtbaren Krieg nerven­krank geworden ist. Die Bergarbeiter sind durch die jahrelange Unterernährung so herabgekommen, daß Ueber- schichten ihnen jetzt nicht zugemutet werden können. Nur keinen Druck, feinen Zwang! Nur gutes Zureden und vor allem gute» Essen! Wir haben den verantwortlichen Stellen in der Regierung andeutungsweise schon 1915 und mit aller Schärfe 1917 vorausgesagt, was kommen mußte. Der Bergbauliche Verein hat sich allen Wünschen der Bergarbeiter versagt. Der Redner erörtert im ein­zelnen die Forderungen der Entschließung und schließt mit einer dringenden Mahnung zur Sozialisierung und der Aufforderung an die Unternehmer, die nutzlose Agi­tation dagegen zu Unterlasten.

Abg. Jmbusch (Ztr.): Der Rückgang der Kohlen­förderung hängt nicht allein von dem guten Willen und der Arbeitskraft der Arbeiter ab, es ist eine internationale Erscheinung, der sich in erster Linie auf die KriegSver- hältniste gründet. .Eine große Rolle spielt ferner die all­gemeine Unruhe und Unsicherheit. Die Arbeiter haben keine Lust, sich beim Gang zur Arbeit totschlagen zu lassen. Ein weiterer Grund ist die sinkende Arbeitskraft und Freudigkeit infolge des Raubbaues, der mit der Kraft der Arbeiter während deS Krieges, getrieben worden ist, infolge der schlechten Ernährung .nicht zuletzt auch infolge der schlechten und unwürdigen Behandlung. Daraus erklärt sich auch das Emporkommen einer Stimmung in den Bergarbeit-rkreisen, die den. Hetzern die Arbeit nur zu leicht gemacht hat. Um Abhilfe zu schaffen, sind vor allen Dingen notwendig ausreichende hohe Löhne.' Auch die Lebensmittelversorgung reicht heute noch nicht aus. Durch rücksichtsvollere Behandlung und mnOtgere Ge­staltung der Reuten wäre manches gewonnen '^ir mähen ferner zu weitgehender Kohlenersparnis durch Hol» und gerechte Verteilung von Kohlen. Ich richte an die Bergarbeiter den Ruf, noch einmal ihre ganze Kraft zusammenzureißen, um unser Wirtschaftsleben vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Abg. Ziegler (Dem.): Dem Gesetzentwurf stimmen meine Freunde zu. Die Wahrheit, daß die Kohlenversorg­ung in allernächster Zeit in ganz neue Bahnen gelenft werden muß, findet noch längst nicht überall Beachtung. Die Hauptschuld an der Notlage trägt

die systematische Verhetzung, betrieben worden ist. Der Fluch des Bolles und der betrieCben worden ist. Der Fluch des Volles und der Arbeiterschaft wird sich noch einmal gegen die Streik- Hetzer richten. Trotz offenbarer Mißstände können wir das Aufputschen der Bergarbeiter auf die Dauer nicht mehr vertragen. Jede Arbeit bedeutet heute die Vetteidigung des schwer bedrohten Vaterlandes.

Abg. Bögler (D. 8. P.) schlägt vor, der Arbeiter­schaft jeden zweiten Sonntag ganz frei zu geben, dafür aber wieder den Achtstundentag einzuführen. Das würde eine Mehrförderung von 9 bis 10 Millionen Tonnen im Jahre bedeuten. Damit üeßen .sich auch Urlaub- und Tarif »ertrage verbinden. Natürlich müßten die lieber- stunden" mit höheren Löhnen bezahlt werden. Bei der drohenden Krise im kommenden Winter dürfte hier teilt Augenblick verloren werden. Der Redner richtet an die Regierung den dringenden Ruf, alles aufzubieten, um die Koblenproduktion und die Leistungsfähigkeit der Eisen­bahn zu heben, um so ein nationales Unglück zu verhindern.

Reichswittschaftsminister Schmidt: In meinem Ministerium find Vorarbeiten im Gange um den Reichs- wirtschastsrat auf ganz freier Grundlage vorläufig ohne Inanspruchnahme der Gesetzgebung zu schaffen.

Abg. Könen (Soz.): Es muß schon, um die Zahl der Arbeitslosen, die nächstens drei Millionen betragen wird, zu verhindern, schleunigst an eine Umorganisierung des Wirtschaftslebens im Sinne de» Sozialismus ge­gangen werden. Tie Regierung steht noch auf dem alten Noskestandpunkt, und auch Herr Schmidt hat keine andere Methode der Behandlung der Arbeiter. Damü leistet man nur den Kommunisten Vorspanndienste.

In einem Schlußwort spricht der Abg. Mumm (Deutschn.) seine Befriedigung aus, daß sich angesichts der drohenden Katastrophe eine Front von Hugenberg über Jmbusch bis zu £>u£, abgesehen natürlich von den Unabhängigen zu bilden im Begriff fei.

Abg. Löffler (Soz.): Der Abgeordnete Koenen hat zugegeben, daß im kommenden Jahre drei Millionen Ar­beiter arbeitslos werden können. DaS hat ihn nicht gehindert die Braunkohlenarbeiter mit wahrheitswidrigen," aufreizenden Berichten in den Streik zu Hetzen.

Abg. Koenen (Uuabh.) weist die gegen ihn er­hobenen Borwürfe als unbegründet zurück.

Damit schließt die Besprechung. Der Gesetzentwurf über die Regelung der Kohlenwirtfchaft wird in allen drei Beratungen angenommen. Die Entschließung Löbe-Hue wird unter Ablehnung bet Abänderungsanträge der Un­abhängigen angenommen.

Nächste Sitzung Samstag 3 Uhr. Dritte Beratung der Knegsabgaben und Steuervorlagen. Schluß 9.40 Uhr.

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xückkehren

Abg. Schiele (Deutschnatl) fragt an. ob der Reichs- Mierung die für ihr Auseben schwer schädigenden Presse- iußernngen über die Gründe des Rücktritts des Leiters her politischen Abteilung des Auswärtigen Amts v.Ro­senberg bekannt seien und ob sie bereit sei, der Natio­nalversammlung mitzuteilen, ob Herr v. Rosenberg in her Tat keinen Abschied genommen habe, weil er die Darstellung des Rcicksfinanzministers Erzberger als »ah r hei t sw id rig nicht für zulässig gehalten habe.

Rcichsminister des Ä ußern Müller lehnt es grund- Pltzlich ab, über die Gründe Auskunft zu erteilen, welche einzelne Beamte veranlassen, um ihren Abschied cinzn- Tommen. Bon diesem Grundsatz kann im Falle Rosen berg nicht abgewichen werben, wo bereits am 29. Juni her Antrag auf Dienstentlassung gestellt und am 29. Juli Wieder ausgenommen worden ist.

Auf eine ergänzende Anfrage des Abg. Schiele (Deutschnatl.) erwidert der Mnister des Aeußern M ü l -

Marburg

Sonnabend, 16. August

zwungen worden find, sodaß es kaum möglich sein wird, das Ablieferungssoll zu erreichen. Der Verbrauch an Kohlen ist schon soweit eingeschräntt, daß weitere Einschränkungen nahezu undenk­bar sind, wenn nicht die schwersten wirtschaftlichen Nachteile eintreten sollen. Es ist eine außerordent­lich betrübende Erscheinung,, daß wir di« Menschen noch nicht zur freiwilligen Uebernahme der Pflich­ten erzogen haben, die sie als Opfer dem Gemein­wohl darbringen müssen. Hoffentlich gelingt es bald, die Arbeiterschaft von ihrem Irr­weg abzubringen. Die Arbeiterschaft darf sich der Tatsache nicht verschließen, daß sie selbst di« allerschwersten Opfer bei einer Kohlennot zu tragen haben wird. Sie muß einsehen, daß sie in einer solchen Zeit ltebgewordene Grundsätze im Interesse des Gemeinwohls zurück stellen muß. (Lebhafte Zustimmung.) Wie ist dem Hebel abzu­helfen? Ein wirklich durchgreifendes Mittel ist we­der von den Interpellanten noch von anderer Seite in Vorschlag gebracht worden.

Die Steigerung der Produktiv« ist das erste Erfordernis. Die Regierung untersucht gegenwärtig, wieweit es möglich ist, die Arbeiter- schafr in vermehrtem Umfange nach dem Ruhrbe­zirk hinzuziehen. Nicht so ungünstig wie im Stein­kohlenbergbau steht es mit der Förderung im Braunkohlenbergbau. Hier besteht auch die Mög­lichkeit, durch Einsetzung einer großen Anzahl unge­lernter Arbeiter wenigstens einen Teil des Notstan­des zu beseitigen. Andere Mittel sind leider von der Arbeiterschaft abgelehnt worden. Es ist noch nicht gelungen, die Arbeiterschaft davon zu überzeugen, daß die Notlage am wirksamsten durch eine gesteigerte Inanspruchnahme ihrer Leistungs­fähigkeit in einem beschränkten Zeiträume und durch Verlängerung der Arbeitszeit für eine be­stimmte Zeit um eine Stunde bekämet werden kann. Vielleicht gelingt die Ueberwindung dieses Mißtrauens gegen diesen Vorschlag bei den augen­blicklichen Tarifverhandlungen. Die Arbeiterschaft int Kohlenbezirk möge sich vergegenwärtigen, daß sie die Jndustriearbeiterschast von ganz Deutschland für den kommenden Winter in die schwerste Gefahr bringt. Deshalb appelliere ich von dieser Stelle aus an das Solidaritätsgefühl der ge- saniten Arbeiterschaft. Die Regierung ist bereit, den Wünschen der Arbeiterschaft hinsichtlich der Reform des Knappschaftswesens zu entsprechen. Für den Hausbrandbedarf in den großen Städten wird durch die Forstverwaltung Holz bereitge- (teilt werden müssen. Wir sind selbst bereit, trotz aller schweren entgegenftehendeu Bedenken ame­rikanische Kohlen für die Industrie einzu­führen, um dadurch einen Ausgleich zu schaffen. Durch alle diese Maßnahmen werden aber nur hier und da einige Notstände beseitigt. Das größte U e b e I ist die

Zerrüttung des Transportwesens. Die Eisenbahnverwaltung ist heute nicht einmal mehr in der Lage, für die vollständige Abfuhr der Bestände aus den Halden zu sorgen. Mtt Ent­setzen sehe ich dem Zustande entgegen, der eintre­ten muß, wenn das Wagenmaterial für die Abfuhr von Kartoffeln, Rüben usw. in Anspruch genommen werden muß. Dann bleibt kaum ein anderes Mit­tel übrig als die Einstellu ng des Perso­nenverkehrs. Eine Partei, die nicht wegen ihrer Stärke, sondern wegen ihres rücksichtslosen Terrors Einfluß hat, sucht die revolutionären Ar­beiter zu mißbrauchen, "um durch Streiks das gesamte Wirtschaftsleben zu erschüttern. Der ober- schlesische Streik ist eine der frevelhaftesten U n t e r n e h m u n g e n, die auf diese Taktik zu­rückzuführen ist. Leider fehlt der Arbeiterschaft die notwendige Aufklärung, um. die gewisienlosen Agi­tatoren sich fernzuhalten. Diese Partei und ihre Organis^ion ist eine Gefahr, der/mit allerEnt- schiedenheit entgegengetreten werden muß. Die kommunistische Partei hat nur ein politisches Programm, ihre Politik und Taktik darauf einzu­richten, daß unsere Wirtschaft schnell verfällt. Nur unter unklaren und unreifen Köpfen kann sie eine starke Anhängerschaft gewin­nen mit dem verbrecherischen Bestreben, unser Wirtschaftsleben an den Rand des Abgrundes zu führen. Die Regierung ist dankbar für jede An­regung, die die Kohlennot behebt. Sie nimmt jede Unterstützung an, von der das Gedeihen und die Sicherheit der deutschen Republik zu erwarten ist.

Die Besprechung der Interpellation wird schlossen. Zur zweiten Beratung des Kohlengesetzes ist inzwischen von den Abgg. LSbe-Hu 6 (Soz.) und Jmbusch- Vollmert (Ztr.) und Genossen eine Entschließung ein» gebracht worden, die zur Verhinderung der furcht­baren, al? Folge der Kohlennot das Volk bedrohenden Katastrophe schnelle und durchgreifende Maßnahmen -ür eine erhebliche Erhöhung der Kohlengewinnung und für bk regelmäßigen Abtransport« fordert. Vor allem

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LiUerst tatssekretär int ReichssinaitzmntisternlM Mösle, fit Erteilung von Auslandspässen richte sich nach 'den

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Die Vereidigung de» Reichspräsidenten Eberl auf die neue Verfassung wird am Mittwoch in 1 t* Nationalversammlung erfolgen.

Der HauShaltausschuß der Nationalversammlung naht die Gesetzentwürfe betreffend die Erhöhung der Post und Telegraphengebühren ohne wesentliche Aenderungt« an.

wb. Weimar, 16. Ang. Der Nationalversammlung ist heute ein demokratischer Antrag zugegangen, nach dem die Reichsregierung ersucht werden soll, den plan­mäßigen Abbau der Zwa ng»wirtschaft für die Erzeugnisse-der Landwirtschaft in folgendem Sinne in die Wege zu leiten: Die Bewirtschaftung des Getreides ist auf da» Brotgetreide zu beschränken. Fleisch und Milch sind nur noch in der Höhe bes Bedarf» für Kranke und Kinde» zu bewirtschaften. Ebenso ist bi« Bewirtschaftung der Kar­toffeln im Falle einer guten Ernte aufzuhebeu. Aus jeden Fall find di« Landwirt« mtt einer Kartofselaubau- släche unter zwei Hektar von der Zwangsbewirtschastung zu entbinden. Die Zwangswirtschaft für alle sonstigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse ist sofort aufzuheben.

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6 71

$it WM MMMrM.

Sitzung der Nationalversammlung vom 15. August.

Präsident Fchrenbach eröffnet die, Sitzung nm »Uhr 20Min.

Ans die Frage des Abg .v. Gr äse (Deutschnatl), -b die Reichsregierung gewillt und bereit ist, das ge­samte Aullagematerial über die schlechte Behandlung tz- u i sch e r Ä r i eg 9 g e f a n g e n c r, soweit es einwand- frei seststeht, beschleunigt und möglichst vor Eintreffen her Änsliefemngslisten der Feinde in ganzer Vollsiän- byfeit zu veröffentlichen, erwidert ein Regierungskom- missar, daß bereits eingehende Darstellungen über die Be­handlung deutscher Kriegsgefangener in französischer und ebenso in englischer Gefangenschaft erschienen seien. Den Veröffentlichungen liege amtliches Material zu Grunde. Die Zeit für Veröffentlichung weiteren Materials behalte AK die Regierung vor.

Ais eine Anfrage des Abg. Dusche (D.Vpt.) erTlfirt

it r: Der Herr Abgeordnete scheine nicht gehört zu haben, ftefi ich in meiner Antwort mitgeteilt habe ,daß die Jtegierung derartige Auskünfte grundsätzlich a 61 ehnt.

Es folgt die Interpellation der. Deutschen Volkspartei «nd der Deutschnationalen betreffend

die Kohlenförderung:

as gedenkt die Regierung zu tun, um der ungeheuren Wesahr rechtzeitig zu begegnen, die der Wirtschaft und inneren Ruhe aus diesem Zustand drohen? Mit der Interpellation verbunden wird die Beratung des Gesetz- vuwurseS wegen Abänderung des Gesetzes über die Regelung der Kvhlenwirtschast vom 23. März 1919.

Abg. Dr. Hugenberg (Deutschnatl.): Es ist nicht meinc Absicht, diese Gelegenheit zu einem Vorstoß gegen die politischen Gegner zu benutzen. Es handelt sich um eine Frage von so unmittelbarer Lebensgefahr für daS deutsche Volk, daß alles Trenneiche zuräckgestellt werden muß. Gemeinsam muß nach den Mitteln zur Verhütung deS drohenden wirtschaftlichen Zusammen­bruchs gesucht werden.. Der Redner bringt zur Be- Stünbung der Interpellation ein umfangreiches Zahlen­material bei und fährt sott: Es ist Pflicht aller ^be­teiligten Volksschichten, alles aufzubieten, um das Aeußer- !fe zu verhütest. Das sage ich auch besonders benjenigen, die in bett letzten Monaten das Uebrige dazu getan Sabeii, um den Bergbau und die Eisenbahnen zum Tummelplatz politische r Agitation

fit machen. Eine große Rolle spieü im Ruhrgebiet Mr Ernährungsfrage. Es muß alles getan wer­den. um der bergmännischen Bevölkerung die zum Aus­stich der bisherigen Unterernähruuz nötigen Lebens- Mittel zuzuführen. Der Regierung kann man jedenfalls tun $urufen: Bringt Eure Eisenbahnen wieder in L r d n u n gl Da der Lohn des Bergmannes jetzt nicht Mehr sich über dem Lohn der anderen Arbeiterkategorien iält, so hat eine ziemlich erhebliche Abwanderung »er Bergleute in andere Berufe stattgesunden. So- wrt wirksam würde nur eine Vermehrung der gelernten Bergleute fein. Im übrigen müssen 2030000 unge- <rn(e Arbeiter dem Bergbau zugesühtt werden. Die Sohnfrage hängt auch eng zusammen mit der Frage der Stiftungen. Es ist eine alte Erfahrung, daß die Stiftungen sinken, solange Lohnstreitigkeiten schweben, wie Arbeitsgemeinschaft hat getan, was in ihren Kräften um solche Streitigkeiten zu verhindern bezw. aus - <!elt zu schaffen. Die Arbeiter aber sollten nun so viel ^lst'icht haben, daß sie daraus verzichten, das, was für sie Md) übrig bleibt, gerade in dieser kritischen Zeit zum Ausdruck zu bringen. Gelingt es, die Sörbeaing zu Htbtn und die erhöhte Förderung abzufahren, so wird «ich, fall» uns nicht im letzten Moment die Entente tuten Strich durch die Rechnung macht, wenigstens der Notstand de» letzten Winters erheblich mindern lassen.

Reichswirtschaftsminister Schmidt: Es hat im .Kriege durchweg eine übermäßige Anspannung so-

,ute

iii

Die Mroiltn legen 6m Seiifisnotegfer.

Der Nationalversammlung ist eine umfang­reiche, scharfe Kritik der Handelskammer Berlin am . Gesetzentwurf über das Rcichsnotopfer zugegangen, deren Hauptstellen besagen:

Es kann fraglich erscheinen, ob nicht die Auf­bringung der notwendigen großen Mittel aus einem anderen Wege erreichbar wäre. Angesichts der Zweifel darüber, ob nicht die Riesensummen dem Zugriffe unserorbisherigen Geg­ner ausgeliefert fein werden, kann der gegenwär­tige Zeitpunkt für Verabschiedung und Durchfüh­rung des Gesetzes keineswegs geeignet erscheinen. Zumindest mußte die Wirkung des Vermögenszu­wachssteuergesetzes abgewartet werden. Denn di« in der Kriegsabgabe vom Vermögenszuwachs lie­gende Besteuerungsform, insbesondere die restlos« Erfasiung und Wegsteuerung des Zuwachses über 199 500 ist eine der Vermögenskonfis- k a t i o n sich nähernde Maßregel. Die Illiquidität der betroffenen Kapitalien und die so entstehende Schädigung xdes wirtschaftlichen Produktionspro» zeffes wird dann besonders betont, zumal bei kurzer Aufeinanderfolge zweier derartiger Eingriffe in das Wirtschaftsleben. Unser einziger hofsnungs- voller Anknüpfungspunkt sind angesichts des über­aus geschwächten Reichskredits im Ausland die per­sönlichen, freundschaftlichen Beziehungen unserer Privatunternebmungen zu ihren fremdstaatlicher, Geschäftsfreunden, und bei einer so weitgehende« Wegsteuerung ist die "crung Ziehungen zu befürchten. Die Nationalve.z.i., mlung mög« ihre Zustimmungzu diesem in unserer Staatsg«. schichte wichtigsten und folgenschwersten Eingriffe" davon abhängig machen, daß unzweifelhaft un> verbindlich festgestellt wird, daß die Erträgnisse tat, sächlich nur der Abminderung der Reichsschuld zu, gute kommen."

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......................... Einzelnen Die Behörden Ire 14.; haben aber die Erfahrung gemacht, daß vielfach Rei- t tticht finde, die einen Paß für einen nur vorübergehenden Ans- J._ enthalt im Auslande haben wollen, nicht mehr zu-

»ohl der Bergwerkseinrichtungen wie der Berg- zung"st< Arbeiter stattgefunden. Für uns in Deutschland

«nnmt hinzu, daß wir wichtige Kohlenproduktions- stätten verloren haben und auf der anderen beite UN» Lieferungen an die Entente aufge-

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