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mit dem Kreisblatt für den Kreis Marburg

Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberheffen

r^cht übertragen werden joU.

Marburg

Montag, 28. Siilt

Der Fall Manheim.

Berlin, 27. Juli. Die Reichsregierung hat zu dem Fall Manheim dahin Stellung genommest, daß die Entscheidung dem Haag'er Schiedsge«

Mttzm fttSflnw.

Feststellungen Helsserichs, Michaelis' und Lndendorffs.

Die wiederholten Angriffe gegen den Reichs­finanzminister Erzberger und feine Verteidi­gung und Gegenangriffe in der Nationalversamm­lung haben die Wiederaufrollung der Frage zur Folge, ob das Zustandekommen eines Verständi­gungsfriedens im Laufe des Krieges, besonders im Jahre 1917, möglich war und, wenn ja, ob deut­scherseits schuldhafterweise diese Möglichkeit nicht in entsprechender Weise ausgenutzt worden ist. Herr Erzberger hat am Freitag in Weimar die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, die einzige Frie- densniöglichkeit zerschlagen zu haben, mit der Um­kehr des Spießes beantwortet und ist selbst mit schweren Anklagen gegen die damalige Reichs- und Oberste Heeresleitung vorgegangen, weil diese im Verein mit denen, die alsAlldeutsche",Junker". Schwerindustrielle" usw. von den Parteien der Linken bezeichnet zu werden pflegen, im Sommer 1917 die päpstliche Friedensaktion, die auf einem Fühler Englands und Frankreichs beruht haben soll, zum Scheitern gebracht hätten. Ueber die schwere Anklage gegen ihn ging Herr Erzberger schnell hinweg. In derKreuzztg." untersucht nun der damalige Staatssekretär Dr. Helfferich die ganze Angelegenheit auf Grund seiner Kenntnis als Mitbeteiligter und erklärt die Erzbergersche Entlastungspolitik für eitle Schaumschlägerei 'N der Hoffnung, daß. die Einzuseifenden nicht in der Lage seien, Art und Herkunft der Seife zu kon­trollieren. Er gibt dann eine chronologische Dar­stellung der Ereignisse seit Ende März 1917 (Brief Kaiser Karls an den Prinzen von Parma wegen Verhandlungen mit PoincarS und Lloyd George, Besuch Erzbergers in Wien, Graf Czernins Bericht an Kaiser Karl) und erklärt, Erzberger habe den Bericht von Kaiser Karl selbst erhalten (was der WienerMittag" bestätigt). England und Frankreich hätten damals nach Fühlungen ge­sucht, wollten in Rom sogar über Friedensschritte sprechens die Erzbergcrschen Bomben im Hauptaus­schutz aber und die verbrecherische Indiskretion, die er am 22. Juli mit dem Czerninschen Geheimbericht beging, habe die Friedensneigung unserer Feinde in eine hochgespannte Siegeszuversicht u"d einen cntschloffenen Kriegswillen gewandelt.Die einzige ernste Friedens Möglichkeit während des Krieges", so sagt Helfferich,war durch Erzbergers unerhörtes Vorgehen z e r s ch l a - g e n." Herr Erzberger hatte darüber nichts zu lagen. Zu den von Herrn Erzberger seinerseits er­hobenen Angriffen nimmt Dr. Helfferich dann ebenfalls ausführlich Stellung. Er schreibt u. a.:

Am 30. August hat der Münchener Nuntius dem Reichskanzler die Abschrift eines Telegramms geschickt, das die britische Regierung an ihren Gesandten beim päpstlichen Stuhl gerichtet hatte. £crr Erzberger stellt es so dar, als ob dieses Telegramm, dessen Wortlaut er nicht mitge teilt hat, ein aus der Initiative der englischen Regierung hervorgegangener Friedensschritt ge- hveftn sei. Ich frage Herrn Erzberger: War dieses Tele­gramm der britischen Regierung an ihren Gesandten beim päpstlichen Stuhl nicht vielmehr einfach eine Rnckäußerung auf die päpstliche Friedens­bote ? Herr Erzberger stellt cs Ineiter so dar, als ob in diesem Telegramm die Wiederherstellung Belgiens und Garantien für seine Unabhängigkeit die einzige Vor­aussetzung gewesen wären, von der England Friedens- Unterhandlungen abhängig gemacht habe. Ich frage Herrn Erzberger: War nicht etwa in diesem Telegramm der ganze Wust der für ein unbesiegtes Volk unannehm­baren Friedensbedingungen aufrechter- h a l t e n, den die Entente in ihrer unverschämten Antwort vom 10. Januar 1917 an den Präsidenten Wilson zu» sammengefatzt hatte?"

Dr. Helfferich erklärt dann, die belgische Frage sei darauf erneut in Berlin erörtert worden, u. a. in einem K r o n r ä t, über den er mitteilt, was er schon vor Monaten für den 3. Band seines Buches über den Weltkrieg geschrieben hat:

Der Reichskanzler unb Herr v. Kühlmann machten geheimnisvolle Andeutungen über eine Friedensmöglich­keit, die sich neuerdings eröffnet habe, und zwar durch Mitteilungen ein«? von England beauftragten neutralen Vertreters. Voraussetzung für Friedensverhandlungen sei unser völliger und bedingungsloser Ver­zicht auf Belgien. Sie befürworteten diesen Verzicht. Demgegenüber setzte sich der Chef des Admiral- stabes dafür ein, daß jeder Friede uns die flandrisch« Küste bringen müsse. Die Herren von der Obersten Heeresleitung gaben zwar die flandrische Küste preis, General Ludendorff betonte jedoch die mili­tärische Wichtigkeit einer Auglichrrung der Festung Lüt­tich und ihrer Umgebung. Der Kaiser entschied schließ­

lich im Sinne des Kanzlers. Der KanzLr und der Staatssekretär des Auswärtigen hatten also hin­sichtlich Belgiens vollkommen freie Hand. Ich persönlich habe mich ohne weiteres dem vom Kanzler Und Auswärtige« Amt vertretenen und dann schließ­lich vom Kaiser gebilligten Standpunkt angeschlosien, daß keine belgische Frage ein Hindernis für eine ernstliche Friedensmöglichkeit bilden dürfe. So wenig wie die Oberste Heeresleitung war ich über den konkreten Unter­grund der angeblichen Friedensmöglichkeit unterrichtet worden: auch in der Kronratssitzung wurden über diesen Punkt keinerlei Aufllärungen gegeben."

Dr. Helfferich schließt:Es bleibt dabei: Die einzige ernsthafte Friedensmpglichkeit während des ganzen Krieges bestand im Sommer 1917, rib diese Friedensmöglichkeit hat Herr Erzberger zer­stört. Dafür hat Herr Erzberger sich zu verant­worten, ebenso für sein Verhalten wahrend des Waffenstillstandes und für seine Friedensverhand­lungen. Und das Gebiet der Reinlichkeit wird auch nicht vergesien werden."

Auch der ehemalige Reichskanzler Dr. Micha­elis ergreift zu den Angriffen Erzbergers in der Tägl. Rundschau" das Wort. Rach seinen persö lichen Notizen (die amtlichen Schriftstücke sind ihm nicht zugänglich) hat er das Schreiben des päpst­lichen Nuntius mit den Staatssekretären und Mi­nistern besprochen und den Kaiser nach Vortrag um Abhaltung eines Kronrates gebeten, der am 11. September 1917 im Schloß Bellevue stattfand. Das Ergebnis sei vom Kaiser in einem eigenhändig unterschriebenen Vermerk folgendrmaßen zusam­mengefaßt worden: Eine Annektion Belgiens sei bedenklich. Belgien könne wiederhergestellt werden. Die flandrische Küste sei zwar sehr wich­tig, und Zeebrügge dürfe nicht in englische Hand fallen. Aber die belgische Küste allein sei nicht zu halten. Es müße ein engerer wirtschaftlicher An­schluß Belgiens an Deutschland herbeigeführt wer­den. Daran habe Belgien selbst das größte Inter­esse. (Vergl. die Mitteilungen Dr. Helfferichs) Weiter sagt Dr. Michaelis:

Ueber die weitere Behandlung des Friebcnsfühlers wurde von mir mit dem Staatssekretär Kühlmann vereinbart, daß durch eine unbedingt geeignete Persön­lichkeit zu sondieren sei, ob auf englischer Seite in der Tat her Wille vorhanden sei, den bisherigen Stand­punkt übertriebener Friedensziele, wie sie un­zweifelhaft zu unserer Kenntnis gekommen waren, auf» äuget en und auf einer annehmbaren mittleren Linie zu verhandeln. Das Schreiben des päpstlichen Nuntius enthielt nach dieser Richtung hin keine ir­gendwie überzeugenden Beweise. Die Ge­fahr lag vor, daß es sich darum handelte, Deutschland zu eiuer entgegenkommenden Erllärung zu veranlassen, ohne den eigenen extravaganten Standpuntt aufzu­geben, und daß dadurch die Verhandlungsgrenzen zu unse­ren Ungunsten verschoben würden. Die Wahl des Ver­mittlers siel auf einen hervorragenden, dem Staatssekretär Kühlmann persönlich nahestehenden neutralen Dip­lomaten, der ganz besonders analifiziett erschien, die erforderliche Sondierung vorzunehmen. Ihm wurde seine Mission unter Mitteilung der Stellungnahme Deutsch­lands gemäß dem obigen Kronrat in der Weise umschrie­ben: Die Voraussetzung für Verhandlungen mit England sei das Anerkenntnis: a) daß unsere Gren­zen intakt bleiben, b) daß unsere Kolonien zu­rückgewährt weichen würden, c) daß keine Ent­schädigungen gefordert werden dürfen und d) daß von einem Wirtschaftskrieg Abstand genom­men würde. Ich habe in Uebereinstimmnng mit Kühl­mann diesen Weg für den richtigen gehalten, weil nur bei unbedingter Vertraulichkeit die Verfolgung dieser ersten Friedensfädcn möglich schien. Die Ver­handlungen über die päpstliche Kurie botendiese Sicherheit nicht. Schon beim Empfang des Schrei­bens des Nuntius hatte es sich herausgestellt, daß der damalige Mgeordnete Erzberg r vor mir davon unter­richtet worden war, daß da"- rchmben kam. Eine Jndis- kretton durch ihn mußte aöe: vor allem verhütet werden. Deshalb konnte auch dem Nuntius gegenüber nur eine abwartende Stellung eingenommen werden und ihm nach Ablauf einiger Zeit nur die Antwort des all­gemeinen Inhaltes erteilt werden. Daß jede Indiskretion die größten Gefahren für di« Anbahnung der Verhand­lungen in sich schloß, hat der weitere Verlauf der Ver­handlungen gezeigt. Die Besprechung im Kronrat und ihre Ziele blieben nicht verborgen. Die kriegerischen Parteien in Deutschland, England und Frankreich be­mächtigten sich der Angelegenheit, und die Folge war, daß der Vertreter der englischen Regierung öffentlich ableugnete, daß seitens der englischen Regierung ein Frie­densangebot gemacht worden sei. Ich habe den Gedanken, unter weiterem Nachgeben in bezug auf Belgien zum Frieden zu kommen, mit Lebhasttgkeit ergriffen und habe es durchgesetzt, daß eine einheitlich« Stellungnahme zu dieser Frage innerhalb der maßgebenden Kreise erfolgte. Ich habe mich bemüht, den geeigneten Weg zur Ver­folgung der ersten Anregung zu wählen. Wenn sich der Plan zerschlug, so liegt es daran, daß unsere Feinde nicht wollten."

Diese Aeußerungen Beteiligter stellen eine wir­kungsvolle E n t k r a ft u n g der Erzbergerschen Angriffe dar. Danach steht es durchaus nicht fest, daß die englische Regierung zu einem Verständi­gungsfrieden bereit war, zumal Telegramm an den englischen Gesandten beim päpstlichen Stuhl

in seinem Wortlaut noch unbekannt isst Dagegen ist erhärtet, daß die Reichsleitung völltgfretst Hand hinsichtlich Belgien, hatte und die Oberst« Heeresleitung die flandrische Küste preise gab. Zudem war der Obersten Heeresleitung bot Schreiben des päpstlichen Nuntius völlig NN» b e k a n nft, rote Staatssekretär Dr. Helfferich be* stätigt. General Ludendorff läßt das aus« drücklich in einer Zuschrift derB. Z. ernt Mittag" vom 26. Juli feststellen:

Das Schreiben des Nuntius PacAli und das Ant­wortschreiben des Reichskanzler» Dr. Michaelis, die heut« tu der Morgenpresse veröffentlicht worden sind, sind dem General Ludendorff erst heute früh bekannt ge­worden. Er hat von diesen Schreiben frühem i e e t w a s gehört Andeutungsweise unb geheimnisvoll wurde im August oder Anfang September 1917 der Obersten Heeresleitttng mitgeteilt, daß England eine Fühlung­nahme erstrebe. Völlig unabhängig hiervon war dem General Anfang August von Oberst v. Haften auf Grm» von ihm zugegangenen Mittellungen au8 pazifistischen Kreisen des neutralen ÄuSlanbeS gemeldet, daß Englam jetzt eine offene Erllärung Deutschlands über Belgien erwünscht fei. Der General glaubt^ es handle sich in beiden Fällen um die gleiche Angelegenheit und erllärte in beiden Fällen fein Einverständnis zu einer Er» värung über Belg««. Es fanden eine Reihe von Be­sprechungen über die belgische Frage statt, darunter auch ein Kronrat am 11. September. Im Verlaufe der Berhaichlungen wurde eine Einigung über eine Form» betreffend Belgien erzielt. Einige Tage darauf regte der Reichskanzler in einer Besprechung mit seinem Stell» vettreter Dr. Helfferich und dem Staatssekretär v. Kühl- mann, der auch Oberst v. Haften, Direktor Deutelmoser und ein Vertreter des Kriegspresseamtes beiwohnten, an, die öffentliche Meinung in Heimat und an bet Front auf eine starke Beschränkung der in vielen Kreisen des öffent­lichen Lebens hinsichtlich Belgiens erstrebten Ziele vor­zubereiten. Staatssekretär v. Kühlmann sprach sich aus unbekannten Gründen dagegen -aus. General Ludendorff bitt in diesen Tagen Dr. Michaelis, von einer von ihm beabsichtigten Kriegssammlungsrede Abstand zu neh­men, damit nicht etwa mögliche Verhandlungen erschwert würden. Am 20. September hat Oberst von Hasten, bet ebenfalls von dem Briefe des Nunttus Pacrlli keine Kenntnis hatte, eine Besprechung mit Staatssekretär v. Kühlmunn gehabt, in der et ihn auf Veranlassung des Abgeordneten Konrad Haußmann bat, eine öffentliche Erllärung über Belgien abzugeben. Der Staatssekretär lehnte ab. Oberst v. Hasten erstattete hiervon der Obersten Heeresleitung Meldung. General Ludendorff hat später den Reichskanzler oder den Staatssekretär v. Kühlmann gefragt, was aus der angeblichen englischen Fühlung­nahme geworden sei. Er erhielt eine ausweichende Antwort."

Auch dieD. Tagesztg." ist zu der authentischen Erklärung ermächtigt, daß die Oberste Heereslei, tung von dem Schreiben des Nuntius Pacelli so­wohl rote von dem Antwortbries des Reichskanzlers erst aus den Tageszeitungen vom Sonnabend früh Kenntnis bekommen hat. Selbst Herr v. Payer soll, nach Blättermeldungen aus Stuttgart, nichts von demaus Rom zugeleiteten Friedensangebot der Westmächte" erfahren haben.

Die Reichsregierung wird, nach Blättermel­dung, in den nächsten Tagen das in dem Schreiben des Münchener Nuntius erwähnte Telegramm des englischen Gesandten der Oeffentlichkeit zugänglich machen.

DieMünchener Pxst" glaubt eine nochmalig« verpaßte Friedensmögltchkeit feststellen zu können: Wie würde die Nationalversammlung aber erst aufbrausen, wenn sie wüßte, daß im Januar 1918 ernst zu nehmende Männer einen dem päpst­lichen ähnlichen und nicht einmal letzten Versuch machten, Deutschland zu versöhnlichen Vorschlägen zu bewegen, und daß dieser Versuch an dermoral insanty" unseres politischen und diplomatischen Sy« stems ebenso scheiterte wie die Anregung Bene­dikts XV.? Ein dem ehemaligen Vizekanzler Dr« v. Payer eng befreundeter württembergischer Abge­ordneter wüßte darüber genau Bescheid. Möchte ef nicht auch reden?" Gemeint ist der demokratisch» Abg. Haußmann. 1

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wb. Bersaille,. 27? Juli. Die gesamte fra» zöfische Presse bringt eingehende Berichte über die ver« Handlungen der Nattonalverfammlung vom Freitag und Sonnabend. Nut wenige Blattet nehmen dazu Stellung.Petit Journal" sagt: Ob Erzbergers ßatü«. feute ihn jetzt verurteilen oder rein waschen wollen, ist ihre Angelegenheit. Wir können aber sagen, daß rott im Frühjahr 1917 nicht Indiskretionen Erzbergers brauchten, um über die schlechte Lage in Oesterreich unterrichtet zu werden. Dieses Geschäft haben die Oestcrreicher selbst gründlich besorgt. Sie schrieen auf allen Dächern in Zürich und Bern aus, was jetzt dieHamburger Nachrichten" Etzberget zum Vorwurf machen.

DieOberhessische Zeitung" erscheint sechsmal roSchentlich. - Der Bezugspreis beträgt monatlich 1.60 Jl. frei ins Haus; durch die Post 1.75 ut. ohne Bestellgeld. Berlag von Dr. C. Hitzeroth.

Markt 21/21. Fernsprecher 55.

Ein Antrag bej Deutschen Volkspartei.

$3 simar, 27. Juli. Die Fraktion der Deutschen ®°Itspartei hat in der Natfonalversammlung folgern : ,rt Antrag zu der allgemeinen politischen Aussprache ^gebracht: die Reichsregierung zur beschleunigten Verlage eine/ Gesetzentwurfes aufzufordern, durch den An aus einigen keinem Parlament angehörenden nam- Mften Historikern und publizistisch geschulten Juristen .tommengefeMcr Ausschuß zur Aufklärung der die Mehung, Führung und Beendigung des Krieges be- fReffenden Vorgänge mit den Aufträgen berufen wird, i*®* gesamte amtliche llriundenmaterial nach objektiv ^sienschasilicher Methode zu ordnen, alle sachdienlichen s Hebungen durch eidliche Zeugenvernehmungen und

mb I n in i iiiiiiririr-

Akteneinsicht zu pflegen sowie freiwillig angebotene Er­klärungen protokollarisch entgegenzunehmen, endlich seine Feststellungen unter Autorität der Reichsregierung alsbald der Oeffentlichkeit zu übergeben.

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MW!

Dke Enthüllungen über die Friedenspolitik der e(teu Regierung gehen weiter, worüber wir an I anderer Stelle ausführlich berichten. Jmiyer wieder Ist ja seit langem behauptet worden, wir hätten Mrend des Krieges zu einem billigen Frieden - kommen können, bewiesen aber ist es von keiner Seite. Die Behauptungen gingen immer ,on Leuten aus, die infolge ihrer pazifistischen Ge- stnuung und ihrer Verbindung mit Politikern gleicher Art in den feindlichen Ländern dazil neig­ten, bei unseren Gegnern eine ehrlich friedfertige Absicht für feststehend zu erachten. Der F'iede -*n Versailles hat wohl jeden überzeugt, wie sehr diese Politiker sich hierin getäuscht haben. Man wird ^shalb auch ihre Behauptungen über die Bedeu- .tnng der feindlichen Friedensfühler während des Krieges mit einiger Vorsicht betrachten dürfen.

Immerhin muß diese Frage restlos tlarge stellt werden. Das deutsche D)!k Hat ein Recht dazu, genaue Aufklärung zu ver­langen. Sind übertriebene Forderungen deutscher Snncktionisten daran schuld, daß wir nicht zu einem Frieden kamen, der uns aus dem Kriege mit heiler Haut herauLkommen ließ? Weiter bliebe die SJIii-1 lichkeit, daß unsere veraltete Diplomatie einer ms beuten Aufastung der Herbeiführung des Friedens E Vicht gewachsen gewesen wäre. Auch diese Frage »5re zu prüfen.

Sie Klarstellung dieser Fragen hat aber nichts zu am mit parteipolitischen Erörterungen, ja die Un­tersuchungen selbst müßten dem Parteigezänk ent­zogen werden. Die Tatsachen müsteu dem Volke .Machst einmal < mitgeteilt werden und zwar ohne Kommentare. Bis jetzt freilich hat es den Lnschein, als ob auch das Material dem deutschen Volk in der Form nahegebracht werden sollte, in bei es die Dinge selbst sehen sollte. Bei Reimar : Kobbing ist eine Schrift von Oskar Müller et- bienen unter der Ueberschrift:Warum mußten leit nach Versailles?", die vom Standpunkt der Zuliresolution und der Mehrheitsparteien die An- Klegenheit dem Volke das Material nahezubringen -Zucht, d. h. die Schuld unserer Obersten Heeteslei- isng zuschiebt. Herr Erzberger hat schon vor Tagen ttf diese Schrift aufmerksam gemacht.

Die Personen, welche damals für die amtliche Politik Deutschlands verantwortlich waren, werden :«icht schweigen. Wir haben auch v;' ,-enb des f Krieges die Tätigkeit des vielgewandten Abgeord- j Wien aus Buttenhausen und jetzigen Ministers E'z- Mberger stets mit unv.erhohlenem Mißtrauen be- Uttschtet. Unserer Negierung hat er sich zeitweise f wtentl ehrlich zu machen verstanden, so daß der Ilrasfe Fall eintritt, daß er glaubt, i" amtlichen ^Auftrage in Wien Verhandlungen zu führen, wäh- «nd v. Bethmann Hollweg bestreitet, ihm einen Auftrag dazu gegeben zu haben. Ja, der Staats- Minister Michaelis verhandelt lieber durch einen testOQrtigen Diplomaten, weil ihm bei Erzberger ks notwendige Eeheimhalten aller dieser Ve.hand- dngen nicht gewährt erscheint. Hat Herr Srz- örrger wirklich so gehandelt, wie Herr Helfferich behauptet, so ist er in der Tat nicht nur als deutscher Minister* unmöglich, ja, dann istt geradezu einer der Schuldigen, die durch ihre ®e= Lästigkeit und Indiskretionen einen für uns Lustigen Friedest verhindert haben. Volle Klar­beit übet diese Fragen muß das deutsche Volk ha- ®*n, all dem üblen Gezänk kann doch der Boden Ezcgen werden. Sollen aufs neue die Volkslciden- Mften erregt werden in einer so wichtigen Frag', der nur ein unbeirrter Verstand fein Urteil fäl- kann? Wer die Aeußerungen der deutsch'! Preffe in diesen Tagen liest, sieht freilich, daß poki- «iche Leidenschaft wieder voll am Werke ist. Dir unabhängigen benutzen die Angelegenheit sogar zu «orstößen gegen die Mehrheitssozialisten; daß sie früheren Kaiser und natürlich Hindenburg al? verbrechet behandeln, ist wohl selbstverständlich. Jtoet uns kann es gleichgültig sein, ob Herr Erz- Wtger mit Geschick oder Ungeschick seine Sache Mrt. Wir wollen wißen, wasging vor.

Der Anzeigenpreis beträgt fit He S gejp. Zeile 80 1. u. 18V, «I. Teuerung«^»!. U cVgsteg. = 404, amtl. n. auewärt. 40 4 u. 26/, Xeuenixg«iu[i)L = 60 4, Reklamezeile

1.60.4. hebet Rabatt gilt als «arrabatt. «ei «u»L b bie »eichäftssi. u. «er- 1010 mittig, b. Xxgeb. 36 / Conbergeblhr. «oflfche«.: Mr. 5011 Amt Franks. a.M 1919