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Nr. 150

Tlenstag, L Juli 1919

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Sie «'m Meitotiiete.

Während der langen Kriegsjahre suchte das Reich hie notwe'd'gsten Ausgaben durch Anleihen aufzu- itrinfltn. An die Auflage neuer Steuern konnte man Mit Rück'lcht auf die Schwierigkeiten, mit denen das fiflff zu kämpfen hatte, wenig denken. Infolgedessen "sanken wir lies in Schulden, unsere Notenpresse hat Jine Unmenge Papiergeld eräugt, für das uns jetzt jede D«kung fehlt. Unsere Finanzen sind völlig er- Mpfr, und es bedarf einer weitgehenden Reform, gtn sie wieder mit der Zeit zur Gesundung zu bringen. Einstweilen hat jetzt das Reichsfinanzministerium der deutschen Nationa'verkammlung eine Reihe Gcsetzent- Würfc üb': neue Steuern vorgelegt, die als eine Art Notbehelf erscheinen müssen, da die eigentlichen Mnanzr fnrrnpläne noch m*t so weit ged ehe» sind, um De zur Debatte stellen $tt können .

Bei den neuen Steuern hat man zu unterscheiden Steife?** lo chen, die nur eine einmalige und denen, die ,vänernd Einnahmen verschaffen sollen. Zu den ersteren «hört die KriegSabgabe vom RermöacnSxnwachs und die sogenannte Rayonstmer. W'e hoch di« Etträg- »jfle der beiden Abgaben kommen werden, ist bis setzt ncch nicht zu ersehen. Dauernde Einnahmen schassen die anderen Steuern.

Der früh-re F-inanzminister Dernburg hatte den Achats des Reirb-g etwa 17*/, Milliarden Mark berechnet, von dieser Summe sollten allein 12 Milliar­de« d-rch Steuern aufgebracht werden. Diese Berech­nungen warm ; r l :-r-z Jahres gemacht worden. Anzwischen ist der Bedarf aber noch um ein Beträcht­liches angewachsen. Zudem stebt noch garnicht die Höhe der Kriegsentschädignngssumme, die wir an bk ' Gegner zu leisten haben werden, fest, da diese erst 's« den nächsten Monaten vr- ' - ^'-d-^erstellungs- komm'ffion angegeben wird. Sie wäre also auch noch jgn decken, und zu ihrer Aufbrin-'ung müssen zweifellos wiederum nene Steuern und Abgaben ausgeschrieben werde«.

i > Die Nationalversammlung, dir in den nächsten Doo-n wieder zusammrntrittz wird sich zunächst mit der Erlediguiig der neuen Steuergesetzentwürfe be­lassen und sie möglichst Wb verabschieden, während die eigentlicher. Reformpläne Wohl erst später zur iL:^"nllung kommen werden, nachdem der ganze jReichsbedarl feststeht. #

Der zur Deckung der laufenden Verpflich­tungen in Reich, Bundesstaaten und Gemeinden er- forcherliche St?nerb?darf beläuft sich ans 23 bis 25 Mil- iliarden jährlich und reicht damit an das steuervslich tige Einkommen im Re'ch, das für alle Zensiten mit über ; Mark Einkommen i. I. 191" rund 29 Mil­

liarden betrug, nahezu heran. Wenn wir nicht im bolschemi9i>chrn Chaos versinken wollen, wüsten wir dm Bedarf durch öffentliche Einnahmen aufbringen. Diesem Zwecke dienen zunächst neue Steuergrundkütze, deren Anwendung eine tiefere und gleichmäßigere Aüs- schöpfung der Steuerkraft gewährleisten sollen. Es kom- 6tMt hkr in Frage Maßnahmen zur gerechten Beran- la^nnz der Steuer im ganzen Reiche zur. größeren Offenlegung der Vermögen und Einkommen, gegebenen­falls auch mittels Auskunftspilicht der Banken, endlich Ma^naWen znm Ausgleich der kommunalen Lasten. Bei der Answahl und Ausarbeitung der neuen Steuer'- Sind die Finanzverwa^tnngen davon ausgegangen, das ie Erwerbs- und Unternehmungslust nicht gelähmt, btt D'uitalbildung nicht unwö"'-ch -"»rächt werden darf. Bon vornherein konnte auch darüber kein Zwei fel bestehen, daß der Einnahmebedarf lediglich durch Besitzsteuern nicht gedeckt werden kann, daß vielmehr, und zwar in überwiegendem Maße zu diesem Zwecke ! Abgaben vom Verbrauch und Verkehr herangezogen werden müssen.

Die der verfassunggebenden Nat'onalversammluna jetzt zug-gangenen Ste: ervotlagen sind, dem Ertrage nach, in der Hauptsache direkte Steuern. Diese werden bis an die äußerste Grenze des Erträglichen und Mög­lichen in den Dienst der Deckungsau^gabe gestellt.

(Nachdruck verboten.)

Die Erbe« wen Senkeuberg.

Kriminal-Roumn von Erich Ebenstein.

86) Fortsetzung.

(Sott sei Dank! Davon verstehe ich mich «?* benig nnd weiß einen Mann in Wien, der mir Wohl ein paar Raritäten zu diesem Zweck über­lassen wird. Nun bitte, merken Sie sich folgendes. Ich bi» der Antiquitätenhändler Rodin aus Varis, wohne vorläufig in Prachatitz in derKrone", wo «ich Nachrichten erreichen, falls Sie mir etwas mit- zuteiken haben. Treffen wir uns persönlich, dann kennen wir einander aber nicht, daS halten Ne fest." iIch werde es sicher nicht vergessen."

-!Ferner nehmen Sie sich streng zusammen bei der erste» Begegung mit Lavau^all Dagegen können Sie stanz unbefangen sagen, daß er einem Herrn ähnlich i W, der einmal kurze Zett im Hause Ihrer Eltern - wohnte. Er wird es leugnen, Richter zu jein, und Sie i wüsten sich den Anschein geben, ihm zu glauben. Mir dagegen teilen Sie sofort mit, ob er derselbe »st, den Sie in Wien sahen. Ueberhaupt teilen Sie wir aller mit, was Ihnen irgendwie von Bcdeu- drng scheint. Besonders, was Sie über Lavandals Leben in Senkenberg in Erfahrung bringen können. -Mir ist da jede Einzelheit von Wichtigkeit."

Ich werde alles tun, was Sie verlangen, aber sich gestehe Ihnen ich habe gar keine Hoffnung, daß wir dem armen Felix auf diesem Wege hel- werden!"

Nun daS müsten wir Gott und unserem guten Stern überlasten! Ist der Weg falsch wovon ich 6od> nicht überzeugt bin bliebe uns nur mehr die Spur der Frau Hublak, die ja auch so nicht ver- iwren ist. Nun will ich vor allem versuchen, als Rodin die Bekanntschaft dieses Peter Mark zu machen." Sie wollen heute noch nach Senkenberg?" Selbstverständlich! Mir liegt daran, dort eber ,6uf der Bildfläche zu erscheinens als Herr von La- dan'oal. Er kann dann um so weniger Verdacht jchöpfe» falls es ihm in den Sinn käme. Ueö- krgenS will ich nur sondieren heute."

, So zuversichtlich und froh Melitta den Park »er- hatte, so mutlos und enttäuscht kehrte fit

Es handelt sich zunächst um eine Wiederholung der außerordentlichen Kriegsabgabe von 1918, die für 1919 mit denselben Sätzen vom Mehreinkommen der physischen Personen, wobei ein Mindest-FriedenSrin- kommrn von 10 000 Mark zugrunde gelegt wird, und mit wiederum degressiv gestaf'elten Sätzen vom Mehr­gewinn der Gesellschaften, die aber bei dem Höchst­sätze von 80 v. H. beginnen, zur Erhebung kommen soll. Die Abgabe vom Vermögen kehrt für 1919 nicht wieder; an ihre Stelle tritt die groß« Vermögens­abgabe.

Eine weitere Vorlage hat zum Gegenstand die Abgabe von dem in der Zeit zwischen dem 31. 12. 13 und 31. 12. 18 eingetretenen, 5000 Mark übersteigen­den Vermögens""^achs, wobei die ^r'.egssteuer von 1916 plus Zuschlag gewissermaßen als s-eonto«Zah- lung angesehen wird. Die Sätze sind erheblich höher als bei der Kriegsabgabe, sie betroaen von den ersten 16000 «X 10 v. tz.

von den nächsten angefangenen oder

vollen 10 000 «Ä 15o.$.

von den nächsten angefangenen oder

volle» - . 10000 M 20 o. &.

20 000 M SOv.H.

50 000 M SO v. H.

. iooooojt 50V.H.

' ; 150 000.« 00 v H.

200 000 M 80 v. H.

otk weiteren Beträge 100 o. H.

Danach würde der. bnn Abgabepflichtigen verbleibende Maximalzuwachs 291 500 Mark betragen (einschließ!'ck der steuerfreien 5000 Mark) und der höchste Steuer­satz bereits bei Zuwachs von 500 000 Mark erreich? werden. Der Entrichtung der Abgabe vom Vermögens- rnwachs dienen weitgehende S'undnngs- und sonstige Erleichternngsvorschriften, die seit 31. De ember 1918 eina-tretenen Verluste sollen berücksichtigt werden.

Die neue Reichserbschafts7e>'er zerfällt in Nachlaß­steuer und ErbanfaNsteuer. Di« Nachlaßsteuek, die die Nachlässe bis 20000 Mark Wert freiläßt un^ Steuersätze von 1 v. H. bis 5 v. H. vorsieht, ist als Kontrollsteuer zur ®'f'*-"ng der Steuerehrlichkeit ge­macht. Die Erben sollen verpflichtet sein, etwaige Stenerhinter'i"'------ des Erb^"- s anz»-eigen und die entzogenen Beträge zu entrichten. Die Erban- ^allsteuer unterscheidet sechs verschiedene Stufen des Verwandtschaftsgrade» und bemißt danach, aber auch nach der Höhe des Erb"-:-alls und nach dem Stande des bw-its vorhandenen Vermögens die Sttversä^e verschieden doch. Erba»'le bis 5000 Mark bleibe" steuerfrei. Die Steuer setzt ein bei den ersten 20000 Mark Erbanfal! mit 4 v. H., wenn sonn kein Ver­mögen vorhanden ist, sie steigt mit der Höhe des Erb- ansallS bis zur 20 v. H. Im nächsten Verwandtschafts­grad (Gatten rind eheliche Kinder) wiederum vor- ansgeseNt, daß anderes Vermögen nicht vorhanden ist beträgt die Steuer 5 bis 25 v. H., im entferntesten Verwandtschaftsgrad 1520 v. H. Die Steuer beträgt, »venn der Erbe bereits ein Vermögen von 100000 200 000 Mark hat, auf 10 v. H. und steigt mit b"r Höhe des vorhandenen Vermögens bis zu 50 v. H Für bie 6 Klassen der Verwandtschaf sgrade ergeben sich als Höchstsätze 30, 32-/», 45, 47»/ 60, 75 V.H. Dazu kommt schliastOch d'e Sch"-*>-ngssteu-r, der a',f ant'z'vier^en Vermö"e»szuwendungen, und zwar zu denselben Sätzen wie die Erbanfallstener unterliegen sollen. Die so gestaltete Erbschaftssteuer wird aus einen Ertrag von 590 Mi-lionen Mark geschätzt, rund 70 Millionen mehr als bisher.

Neben den Besitzsteuer» hat daS Reichssinanz- Ministerium eine Reihe indirekter Steuern zur Vor­lage gebracht. Die Tabaksteuer soll erneut erhöht und durch Einführung der Banderole für alle Tabak­fabrikate umgestaltet werden. Bon einer Erhöhung der Zuckersteuer um 14 au, 30 Mark für den Doppel­zentner wird eine Gesamteinnahme aus der Abgabe vom Zuckerverbrauch von 350 Millionen Mark erwar­tet. Die Zöndwarensteuer soll verdoppelt werden und dünn etwa 50 Millionen abwerfen. Aus der Er­höhung des Spielkartenstempels werden 10 Millionen gegen bisher 2 Millionen erwartet. Aus einer Ver-

20. '

Inzwischen bestieg Si as Hempel seinen Wagen, den er ein Stück entfernt warten lassen, und fuhr direkt nach Senkcnberg.

Die ersten grauen Abendschatten senkten sich nie­der, als er bo$ Schloß erreichte, daS in seiner Weit­läufigkeit und ber klösterlichen Stille, bie es um­gab, boppelt melancholisch wir-Oe. wenn baS bele­bende Sonnenlicht es verlasse» hatte.

Das tzauptvcrtal war geschlossen.Das soll wohl symbolisch wirkend bachte Hempel spöttisch. Man reflektierte nicht auf Besuche. Geniert mich aber nicht.

Er befahl bem Kutscher, in ben WirtschaftShoi zu fahren, ber se'twäris zwischen Stallgebäuben unb aus bem man Pfeifen vernahur.

Ein Reitknecht unb ber alte Senkenberger Kut­scher beibe in Hembärmeln setzten eben eine altväterliche Kutsche instand, bie wohl bestimmt war, ben erwarteten Gast vom Bahnhof zu holen.

Hempel trat ziemlich selbstbewußt aus und ver­langte, bem Schloßherrn gernelbet zu werben.

Wie er nicht »nber8 erwartete, wurde sein Be­gehren kurz abgelehnt.

Der Herr empfange keine Besuch« unb bürfe nicht gestört werben.

Dann möge man Herrn Peter Mark ntfen.

Auch bas ginge nicht an. Es sei schon spät, unb Mark habe jetzt oben zu tun.

Aber Silas ließ sich nicht abschütteln. Ganz gemütlich stieg er aus seinem Wagen und setzte sich auf eine Bank an bet Stalltür.

Tann werde ich hier auf Herrn Mark warten. Es handelt sich um eine wichtige Sache und Herr von Senkenberg würde nachher sehr ärgerlich sein, wenn er nichts von meinem Kommen erfahren hätte."

Auch das schien nicht den geringsten Eindruck zu machen. Die zwei Leute blickten ihn, während sie ihren Wagen weiter blcknk rieben, zuweilen nur mit verstohlenem Mißtrauen an.

Muß 'n Jude sein! Meinst du nicht, Josef?" sagte der Kutscher einmal halblaut.Er redet so komisch, gar nicht wie'» ehrlicher Deutscher!"

Kann fein!" gab der Reitknecht zur Antwort. Zudringlich is er genug!"

Nach einer Weile spannte der Kutscher die Pferde eie unb fuhr davon. Joses begab sich ins Schloß, an»

gnügungSsteuer fällen dem Reich 30 Millionen und ebenso den Bundesstaaten und Kommunen 30 Mill, zustießen. Die Grundwechselsteuer, die einheitlich durch das ganze Reich auf 41/. v. H. erhöht und zur Hälfte vom Reich, zur andern Hälfte von Bundesstaaten und Kommunen vereinnahmt werden soll, ist mit einem Aufkommen von 114 Millionen Mark eingestellt, 74 Millionen mehr. Diese indirekten Steuern sind ans eine Mehreinnahme von insgesamt 1200 Millionen Mark veranschlagt. Besonders große Mehrerträge wer- den aus der neu gestalteten Warenumsatzsteuer erwartet, 'lon der nur der notwendige Bedarf ausgenommen sein ioll. Schließlicki bie einma'iqen Abgaben, umgerechnet auf iähr'iche Zinsenersparnis, mit 3 Milliarden Mk.

Tie Erträge aller dieser Steuern zusammengenom- men bringen aber bei weitem noch nicht volle Deckung des Finanzbedarfs. Es bleiben noch groß« Fehlbe­träge, für bereit Deckung auch eine Erhöhung be­stehender Steuern in Frage kommen kann.

SRarbxrg am umgegenr.

Marburg, 1. Zull.

Universität. Nach Mitteilung bes Ministeriums für Miss nschaft, Kunst unb Volksbildung In Berlin findet an bet hiesige» Universität ein zweites Zwischen- sernester vom 22. S.ptembcr bi» 20. Dezember 1919 statt. Die Zulassungsbedingungen entsprechen an­nähernd b.nen des erste» Zwischrnsem sters. Das Win­tersemester wirb vom 5. Januar bi» 31. März 1920 dauern.

* Au» ben Amtsblatt. Ernannt: Der Privatdozent in der Philosophischen Fakultät bet Universität Mar­burg, Professor Dr. Schulze, zum autzerorbentlichen Professor, bet Ob rförster Frht. v. Berlepsch in Vöhl zum Forstamtsanwalt, bet Hausvater Diener in Cassel zum Werkmeister frei bei Strafanstalt in Ziegenhain Versetzt: ber Förster unb Forst'chre:l>er Kolfr^enn in Habick^swalb, Ob.'iförsteroi Sand, zum 1. Juli b. I al» Förster o. R. nach Eiesel, gl. Ofrerförsterei. Zu- rückg zoo> n: bie Versetzung des Kreissekretärs Hart­mann ren ^on-fr-rn nach f-»nau.

Som Steueramt. Wir machen hiermit befonbers noch auf die im Anzeigenteil unserer heutigen Ausgabe stedende Bekonn'machung über bie Eröffnung b s ..Steuerairtes Marburg" als bet nunmehr für bie Ver­anlagung ber direkten Reichs- unb preußischen Staate- 'feuern zustänbigen Behörde für bie Kreise Marburg ^lrchtzain, Zi g ntzain, Frankenberg unb Biedenkop' besonders aufmerksam. Der neuen Behörde wird -wrausstchtl'ch auch d'e Durchführung bet im Entwürfe 'vreits rereftentlichten Ersetze "über ein: Kriegsab­gabe vom Bermögenszuwochs" undüber eine außer- 'rd-ntliche ^rieesabgabe für das Rechnungsjahr 1919" i-iroie b:e Durch'ührung der in Aussicht aenommener B,rmögensabgafr: und anb'ten direkten Reichssteuerr !>bertt"gen werden. Die Leitung der Bewerbe liegt in den Händen d-s Regierungsrats Dr. Ho0-lb. dem eine Reltz« tzlich^iger Steuerfr-amten und Bücherr-niforen i«t S it>: o»w-tz-n sind. Regierungsrat Holfeld ist viele 'a-tfrre in tz-n --t'ch Eefri-^en Rrcaßene-

lOb rschlesien. Berlin, Westfalen) als Beranlagungs- ♦ommiRttt tätig gewesenr er war später Hilfsr-feren' im Preusiisch-n ^'.nanzm'n'itetium, sodann nach d«- E'nnatzme Fingnireterent am Eeneroi-

qouvernewent W'r°chau und wurde von dort als Refe- r-nt in das R-kchs^tzamt deru-en. wo «t baunts-ichli-' nch m:t bet Ausarbeitung des Entwurfes zu dem R»

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Unttrhg'tunasabenb. Es wirb uns geschrieben: Der hiesig«Bibeltteis für Schüler Mieter Letzranstal- ten tzatte am letzten Sonnabend nach 5% Jahren wie­der einen Ilntertzaltungsabend. Das war keinParade- nferd!" Rein, ber ftifche fröhliche Ton in ben nett-n tzumorvofen Liedern der FLngeren, den musikalllch-n tiarbi-tung-n unb de e-nTten nnd h iteren Deklamatio­nen fe-iies. daß dieser Butzenkchar das Watt Pa>0 Steinmüfers zu innerem Erleben geworden ist:Don zweien ist immer bet ber Stärkere, der ber Froheste ist."

scheinend ohne weiter von bem Fremden Notiz zu nehmen. Die Hint-rtü- machte et fürsorglich zu.

Inzwischen würbe es bunkel.

SilaS fing an, sich zu ärgern. Das schien io wirklich eine n-tte W'rtschaft hier, und bie Leute mach­ten sich am E"h« wohl n-ch einen Svaß aus ihm?

Sch"n wollte et br-ist ins Schloß bringen unb tai-a->r-sch Neriaiam. baß man ihm ben Kamwerbien«" endsich rufe, als bie Hinttttür sich abermals öfhie**- und rin alter Mann mit einer Laterne in bet Hand ersch'-n.

Er hatte ein glatttast»tes, grämliches Gesicht, unb späht- mitz'ranlsch "mtz«r, bis er Hempel entbeckt hatte.

Ab, ba sind Sie ja," sagt« er bann ziemlich un ^»üblich unb von oben herab,man sagte mir, daß ein Mann mich burchaus sprechen wollte nun, was gibts btnn?"

Ent^chuld'gen Sie, Monsieur," antworte n Hempel mit ausgesuchter Höf'ichkeit,baß ich zu so unbaffen- ber Stunde vorspreche, aber wenn man sich auf ber Durchreise befinbet ich komme nämlich von Paris unb würde, falls ein weiteres Verweilen in dieser Ge­gend keinen Zweck für mich hätte, morgen wieder Weiterreisen. Mein Name ist Alphonse Rodin, ick bin Sammler unb handle zuweilen auch ein wenig mit besonders erlesenen Stücken, bie sonst überhauvt nicht auf ben Markt kommen. Natürlich entricre ich derartige Geschäfte ausschließlich mit ernsthaften Sammlern, zu denen, wi: man mir mittelste. Ihr Herr gefrört . Seine Sammlung kennen zu lernen und ihm vielleicht behilflich zu sein, das eine ober anbere feh­lende Stück zu erlangen, ist ber Zweck meines Kom­mens."

Es war interessant, zu beobachten, wie sich bas Gesicht beS Kammerbieners bei bieftn Worten ver- änberte.

Alles Unfreundliche unb Hochnäsige war wie weg- qeblasen. Selbst ber grämliche Zug um Mund und Nase war nur mehr ein Ausdruck stiller Bekümmert­heit.

Ah, bas ist freilich etwas ganz anderes, sagte er nun ebenfalls sehr höflich.Verzeihen Sie nur, daß man Sie hier im Wittsckaftshof warten ließ. Unsere Leute sind eben gar nicht an Fremde gewöhnt und haben ganz verlernt, Unterschiede zu machen. Ein Ein Sammler! So, so! Das freut mich sehr. Es wird meinen atmen Herrn hoffentlich etwas zerstreuen.

Und war den den Saal bis auf den letzten Platz füllen, den Zuhörern aus den jugendlichen Kehlen voll Lieb und Lust entgegentönte, das durchwob auch den durch prachtvolle Lichtbilder von B. K. Ferienfahrten ergänz­ten Vortrag des Herrn Dr. Killinger. Und woher uns re Jungen diese Kraft zum Frohsinn nehmen, da» sagte un» da» so ausdrucksvoll vorgetragene Eedicht Elück": vor allem aber die ernsten Worte des Leiter* Herrn Pfarrer Lic. Plannet und Herrn Dr. Killinger: Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft . . .!" O, es ist etwas Herrliches um das Blühen einer jungen Seele. Und alle nahmen sicherlich au» diesen Stunden die Eewißh.-it mit nach Hause, dort ist Tatgemeinichaft, wie sie Deutschland» Jugend in diesen sckwersten Tagen g braucht, dort reifen Jünglinge und Führer, wie sie unser geliebte» Vaterland zu neuem Aufbau nötig hak treu unfetm Gott, treu unfern Eott.

Für Obstbaumfresitzee. Die Raupe der Apfelbaum, gesplnstmotte (Hyponomenta malinella Zell) geht jetzt, so schreibt un» Herr Kreisobstbautechniker Riibeting, zur V rpuppung über. Die Bekämpfung kann fetzt mit noch größerem Erfolg betrieben werden rote bei de« Fraß der Raupen. Die Puppe befindet sich nicht in den schleierähnlichen Raupennesttrn selbst, sondern an einem gesunden Blatt an der Unterseite, etwa 1025 cm vom letzten Rest entfernt So gesellig wie die Raupe den Fraß ausgefühtt haben, führe» sie auch die Verpuppung aus. Die Puppe ist mit einer weißen papierähnliche» Masse umgeben und hat die Form ein '» aufrecht stehen­den Eurkenkerns. Sämtliche Puppen, etwa 3050 Stück, sind zu einem Ganzen zusammengefügt und leicht zu vernichten.

* Arbeitsfähigkeit and Renten. DerFuld. Ztg." wird geschrieben: Bei den Kriegsbeschädigten fintzet man noch sehr häufig die Besorgnis, e» bringe ihnen Nachteil, wenn sie eine Arbeit an« nahmen, weil ihnen dann die Rente gekürzt würde. Es muß immer wieder gesagt werden, haß das ganz irrig ist. Die Rente wird nach der Erwerbsfähig­keit des Kriegesbeschädigten bemeßen, nicht nach der Erwerbstät'gkeit, die er tatsächlich ausübt. Wenn et versteht, seine beschränkte Arbeitsfähigkeit so auszunutzcn, daß er einem gesunden Arbeiter nicht wesentlich nachsteht, so ist das nur sein eigener Vorteil. Das sind Grundsätze, die, wie schon gesagt, schon häufrg von den zuständigen Stellen ausge« sprochen worden sind. Ganz neue dings hat sie das Kriegsministetium wieder in einem Erlaß bärge» legt. In diesem Erlaß wird dann weiter bestimmt, daß künftig Nachforschungen nach der Höhe des Ar« beitsverdiensies ,^um Zweck der Beurteilung des Grades der Erwerbsunfähigkeit nicht mehr stattzu« finden hätten: es sei denn, daß die Beschädigten selbst berariige Nachforschungen beantragen ober ihren Anspruch mit ihrem verhältnismäßig niedri» gen Arbeitsverdienst ausdrücklich begründen.

Schadenersatz für Aufru'.'sLMen. Der jud« ~ westdeutsche Handelskammerausschuß für Hott'!« gewerbe und Fremdenverkehr (Vorort Handels« kämmet Karlsruhe) befaßte sich in seiner letzten Sitzung, die kürzlich in Heidelberg stgttfa> d, u. a. auch mit ber Frage des S qadene:-sas)es für Auf­ruhrschäden. Der Anlaß dazu war durch E-»ignisse gegeben, die sich in Frankfurt zugetragen hatten. Nach den Ermittelungen soll in Preußen ein Gesetz in Vorbereitung sein, wonach der Schadenersatz nur solchen Personen gewährt werden soll, deren Exi« stenz durch den Aufruhrschaden gefährdet sei. Ter Ausschuß konnte sich nicht damit einverstanden er­klären, daß der Schaden lediglich in dem e wähnte«, 'ngen Umfange ersetzt werden soll. Er trat viel­mehr nachdrücklich dafür ein, daß unter allen Um­ständen der Schadenersatz tn vollem Umfang zu leisten sei . Dabei sprach er sich dahin aus, daß. soweit eine Haftung für Aufruhrschrden nicht schon

Dars ich Sie bitten, Monsieur Rodin, mir ins Schloß zu folge»? Ich kann Sie für heute allerdings nur in meinem Zimmer empfangen.

Das tut nichts. Glauben Sie, daß Herr von Senkenberg mich morgen wird empfangen wollen?"

Ich hoffe es! Ich hoffe es zu Gott! Es wäre so gut gerade jetzt eine Ablenku'm vielleicht hat bet liebe Gott es extra so eingerichtet, daß Sie just heute zu uns kamen--"

Man war inzwischen in das Schloß getreten, dessen Trevpen unb Korribore nur spärlich durch Lampen er­hellt waten.

Webet Blumm noch Teppich: milbtrten die «in­fame Leere des alten Gebäubes, in bem jeder Schritt 'aut widerhallte.

Peter Mark hatte mehr zu sich selbst als $u seinem Begleiter gesprochen. Jetzt blickte er i'n t: - "cher an.

Ich komme Ihnen wohl wunderlich vor, mein Herr? Sie können 's ja m ch nicht verstehen, warum ich froh bin über Ihr Kommen."

O doch! Ich denke mit, Sie freuen sich um Ihres Herrn willen."

Ja, das ist's auch! Sein Sehen ist so arm und traurig fein Mensch kann's begreifen, irre einsam! Wenn er die Freude an dem alte» Zeug nicht hält«, ich glaube, et würde längst ben Verstand darüber verloren haben." ,

Ei» wunderliches Gemisch von Tcilna-Me, Neu­gier unb Enttäuschung erfüllte Silas Hempel.

Trotz Melitta» Worten war er mit ber Voraus­setzung gekommen, in dem Kammerdiener den heuch- lerischen Mitickuldigeil eines tafiiuiet'.en Verbrecher» zu finden, der es irgendwie ermöglicht hatte, die Welt durch fein Doppelleben zu täuschen.

Nun fand er einen treuen, ehrlichen Menschen, bet mit Hingebung an seinem Herrn hing, und ihn nut beklagte um seines traurigen, einsamen Lebens willen.

Heuchelei >i>a; b'i Peter Mark völlig ausgeschlosie». Dazu war sein mehr gutmütiges als intelligentes Ge­sicht zu sehr der unbewußte Spiegel jeder inneren Regung.

Aber wenn kein Verbrechen was steckte denn dann hinter dieser merkwürdigen Abge'chlossenheit?

(Forfletzung folgt)