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mit dem KrelvblaL für den KrclS Marburg

Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen

. 145

Die .,O b e r b 11f < d) e Zeitung- erscheint sechsmal wöchentlich. Der Bezu'aeprei« hetrn-'t wonntlirf) 1.60 X. frei i»4 Haut; durch dir Post 1.75 X. ohne Beftelloeld Verleg von Dr. C. Hitzereth.

'JJlertt 21/23. Frrmprechkr 55.

Marburg

Mittwoch. 25. Inn!

Der«n,«igen»rei, betrögt für dl, »get» 3,11# 30 4 u 83«/,<, teumin(l«vff*L >'*, emll. e. eueeirt.40 4 « 25e/etfumina#|«|4)L = 60 >, VeklemezeU# t.60X. 3e»#r Vtebett gilt eie Verredett. Fel Beet d. dl» 6e|4iht|L m. V#r- Mittig, b. Ingeb. 25 4. Loedergedthe. Posts check!.: Re. 5C15 fl*t Arnu|.a. M

54. Iadrg.

1919

AM itt JhKsreiiimüKl.

M . S e 11 i«, 24. Juni.

fr Aa das deutsche $olH

Die Reichsregieru«^ hat mit Zustimmung der Dationatverlammlung erklärt, den Friedensver- ftaß zu unterschreiben, schwersten Herzens unter hem Druck der rücksichtslosesten Gewalt nur in dem kine« Gedanken, unserem wehrlosen Volk neue Kriegsopfer und Hungerqualen zu ersparen. Der ßriede ist geschlossen! Nun wahret und sichert den Frieden! Das erste Erfordernis ist Bertmgser'ül- lnng. Jede Anstrengung muh in die Erfüllung Keses Vertrages gefetzt werden. Soweit er aus­führbar ist, muh er ausgeführt werden. Nimmer »erden wir derer ve-geffen, denen die Abtretung droht. Ei« sind Fleisch von unser« Fleisch. Wir »erden für sie cintrete», wo wir können wie für tns selbst. Ans dem Staatsve band können sie ge­rissen we-den, aber nicht ans unse-m Herren. Das zweit« Erfordernis ist Arbeit. Die Lasten dieses Friedens können wir nur tragen, wenn keine Hand «Lßtg ist. Für jede nicktt erfüllte Leistung können Mt Gegner mit Ao "marsch, Besetzung oder Blockade antworten. Mer arbeitet, verteidigt den leimischen Boden. Das dritte Erfordernis heißt Pflichttreu«. We wir trotz aller Eewisiensnot auf dem Poften geblieben sind, lo muh sich fc^er einzelne Mensch, der Soldat, und zwar Offiziere, Unteroffiziere, Mannschaften, der Beamte, jeder m»n um des Ean- jt« willen feiner Pflicht treu bleiben auch an diefe« wildesten aller wilden Tore. Ma» zwingt ans, Deutsche an fremde Gerichte aus^uliesern. Wir haben uns bis zum Luherften dagegen gewehrt, Für die tiefe Erbitterung unserer braven Trunnen haben wir volles Verständnis, aber wenn nicht Offizier und Mann fettt noch fester für die inne e Ordnung eintreten helfen, so liefern sie nicht ein paar Hundert, sondern M^ll'onen unserer .Lands­leute aus, und zwar der Okkunatton, der Annektion, dem Terror. Deutschland muh lebeusfsikffg bleiben! Ohne innere Ordnung keine Arbeit! Ohne Arbeit kein« Vertragserfüllung! Obne Dert-agsers:Äung lei« Friede, sondern Wiederaufflammen des Krieges. Wenn wir nicht clle-mikhelfen» ist die Unterfchrift unter, den Vertrag wertlos. Dann fenn «s keine Erleichterungen, keine Revisionen And fein schließliches Abträgen der ungeheuren Lasten geben. Was beute an Tagen veffäumt »ird, kann unsere Kinder Zab e der Knechtschaft bsten. Schon heute müssen Volk und Regierung to die Arbeit gehen. .. Es darf keine Pause geben »nd kein Zeiseitestehen. Es gibt nur einen Weg tu« der Finsternis dieses Vertrages: Erhaltung Aon Reich und Volk, von Einigkeit und Arbeit! Keft «ns dazu, Männer und Frauen!

Der Reichspräsident: Ebert.

Die Reichsregierung: Bauer. Erzberger. Her­mann Müller. Dr. David. Mayer. Wisiell. Ro­dert Schmidt. Roske. Eiesberts. Dr. Bell und Schlicke.

Eine Ansprache Eberts.

Berlin, 24. Juni. Der Reichspräsi­dent hielt heute nachmittag auf dem Schlohhof in Weimar eine Ansprache, worin er u. a. sagte: Soldaten! Regierung und Volksvertretung sind vor eine furchtbare, schicksalsschwere Entschei­dung gestellt worden, die in der Geschichte beispiel­los ist. Wir haben uns mit allen Mitteln und mit aller Kraft gewehrt, die uns noch zu Gebote stan­den. Aber wir mußten schließlich der brutalen Ge­walt der Uebermacht weichen. Bei Ablehnung wäre nach dem, was uns über die Absichten der rachsüchtigen Gegner bekannt ist, mit Verschärfung der Aushungerung, wenn nicht mit völliger Ver- Wüstung Deutschlands zu rechnen gewesen. Selbst­zerfleischung und Verfall des Reiches wären sicher gefolgt. Das aber durfte nicht fein. Unser Deutsch­land muh leben bleiben auch nach dem Furchtbaren, was sich ereignet hat. Das war unser Gedanke, als vir nach schweren inneren Kämpfen und mit blu­tendem Herzen uns zu dem entsetzlichen Za ent» schlossen, und dieser Gedanke muß auch Sie beseelen. Deutschland darf nicht zugrunde gehen. Wir kön­nen und dürfen trotz allem an Deutschlands Schick­sal nicht verzweifeln. So wollen wir uns hier gegenseitig geloben, ich für die Regierung und Sie für sich und Ihre Kameraden, unser Vaterland nicht yi verlassen, sondern auszuhalten. Der LieichsprSstdent schloß mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland, in das alle Anwesen­den einstimmten.

Ein Erlah des Kriegsministeriums.

B er l i n, 24. Juni. Das Kriegsministerium veröffentlicht einen Erlaß, wonach die für das deutsche Heer besonders schmachvollen Bedingungen des Friedensvertrageg von den Soldaten mit ihrer

Ehre nicht in Einklang gebracht werden könnten. Es müßten aber sämtliche persönlichen Bedenk n zurückgestellt werden, weil die dringlichst« Pflicht gegen das Vaterland di« Aufrechterhaltung der Ordnung u"b Ruhe und die Weiterführung des laufenden Dienstes erfo be.e. Um das beschleu­nigte Ausscheiden von Offizieren aus dem Dienst zu erleichtern, wird bestimmt:

1. Sämtliche preußischen Generale können vom heutigen Tage ab ihre St'll'!"g zur D'-'-csi ion unmittelbar beim Personalamt des Krieg-mint- steriums schriftlich oder telegraphisch ohne weitere Formalitäten beantragen. Dieses Recht läuft am 23. Juli ab. Die Entscheidung über Genehmigung hängt von der Möglichkeit des Ersatzes ab.

2. Da dieser Weg die Gesamtheit der Offiziere, Sanitätsoffiziere, Veterinäroffizier« und Beamte nicht durchführbar ist, muß es für diese, ebenso für die Unteroffiziere und Freiwilligen bei dem bis- berigen Dienstweg verbleiben, jedoch können die besuche um Verabschiedung in allereinfachster Form eingereicht werden.

3. Alle Versorgungsansprüche bleiben unbe- >' hrt bestehen.

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Mrzlßnm W

Paris, 24. Juni. (Reuter.) Tutasta traf hLvte in Versailles ein, wo er sich einige Augen­blicke mit Herrn ». Leraner unterhielt. Durasta schlrg als Tag der Unterzeichnung Donnerstag vor.

P nris, 24. Juni. (Havas.) BonarLawun> Lord Miln er werden London am Mittwoch verlassen, nm sich nach Paris zu begeben, wo sie im Namen Großbritanniens den Fried»u^rertrag unterze'cknen morden. Die anderen britischen Mitunterzeichner, A*nd Go"rge, Balfour und Barnes, befinden sich be­reits in Paris.

Paris, 24. Juni, (Havas.) Im diplomosi- schon Lagebericht heißt es: Clemeneeau wird sich am Mittwoch nach Brrsa'IleS braebon, um b->rt die letz­ten Anordnungen zu treffen. Wilson wird noch am Al>end der Untorzeichnung nach Brest abreisen, um am nächsten Tage nach den Bereinigten Staaten in See zu ochen. In Konferenzkreisen glaubt man, daß die Unterzeichnung nicht vor. Freitag erfolgen kann. Gesandter v. H a n i e I bat wohl Vollmacht zu Berhandlnngen, hat aber noch nichts darüber verlauten lassen, ob er mit der Unterzeichnung des Vertrages beanftrqgi ist. Er wurde am Montag ersucht, unver­züglich die einzelnen deut'chen Bevollmächtigten und den Zeitpunkt ihrer Ankunft zu nennen. Diese Bevoll­mächtigten werden dann vcrifiz'ert werden und ibrr Namen an den Kopf des Frieden^ert-ag-s ge'etzt. Diese Formalitäten werden wohl einige Tage in An­spruch nehmen. Italien wird du-ch Sonnino, Im- veriali und Cresoi vertreten sein. Man versichert, daß, ^alls die Unterzeichnung nach Donnerstag erfolge, der Minister des Auswärtigen Tittoni, der Ebes der neuen italienischen Abordnung-bei der Friedenskonferenz, Zeit haben wird, mit seinen Kollegen bei d-r Unterzeich­nung des Vertrages zu erscheinen. Der Biererrat besprach Montag b:e Versenkung der deutschen Flotte in Scapa Flow. Maßnahmen wurden nicht beschlossen.

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Versailles, 23. Juni.

Julius Wertheimer schreibt:

Die französische Presse berichtet heute vormittag, daß im Spiegelsaal des Schlosses zn Versailles alle Vorkehrungen getroffen feien für den Schlußakt d-s aroßen Weltkrieges, von dem man erwarte, daß er si<b Donnerstag, den 26. Juni vollziehen werde. Für Deutschland erhebt sich die große Frage: Werden wir in den Spiegelsaal von V-rsailles gehen und dort unterzeichnen? . . . AuS Gründm der nationalen Würde möchte ich sagen: Wir können nicht in den Spiegelsaal von Versailles gehen, wir dürfen dort nicht unterzeichnen. Die neue deutsche Regierung, die neu zu ernennende Friedensabordnung müssen unve''rüglich dem Präsidenten der Friedenskonferenz Serrn (Femen* eeau in Paris mitteilen, daß das deutsche Volk keinen Vertreter zu einer Szene entsenden kann, die schon im Voraus von den Franzosen zu einem Akte der Er­niedrigung und der Demütigung gestempelt wurde.

Es soll sich in gewissem Sinne das wiederholen, was sich am 7. Mai im Trianon-Palace-.tzotel abge­spielt hat Im Spiegeliaal zu Versailles soll Deutsch­land als Verurteilter, als Büßender vorgeführt werden, und in allen Kinos der Welt soll ein siebzig Millionen Volk, vertreten durch einige Politiker, als ein Aus- gestoßener, als ein von der zivilisietten Welt Gcbrand- marfter gezeigt werden. Tie Schulbücher unserer Geg­ner sollen es den Kindern zeigen, und an den Wand­tafeln der Sch'ule wird die Szene vielleicht noch nach Jahrzehnten gezeigt werden, um den Haß gegen alles Deutsche zu verewigen.

Tie führenden Persönlichkeiten der Entente würde-- sich garnicht wundern können, wenn die erwählten Ver­treter des deutschen Volkes eS ablehnen, sich zu einer solchen Schaustellung herzugeben. Tie französische Presse hat seit Monaten mit großer Genugtuung aus den Tag hingewiesen, an dem an der Steile, an der einstens das Deutsche Reich gegründet wurde, deutsche Staatsmänner erscheinen werden, um einen Eanossa- gang anzutteteu. Aber nach LauvZa gehen wir nicht.

nach Eanosia dürfen wir nicht gehen, wenn wir uni als Volk nicht mifgrben wollen. Aus keinen Fall aber darf es sich zu einer Handlung hergeben, die der Nation zu.r llnehre gereichen muß und in diesem Fall befinden wir unS heute. Tie französische Presse hat diesen All zn einem Symbol gestaltet. Sie hat immer und immer wieder auf diesen Tag der Abrechnung hingewiesen, und man braucht ja nur die Rede deS Präsidenten der iranzösischen Republik PoinearS, die er gestern vor bet Pariser Anwaltskammer gehalten hat, zu lesen, um zu erfahren, daß es diesem an Aeußerlichkeiten hängenden Volke darum zu tun ist, nnS wie die Mitglieder unserer Friedensabordnung in Versailles zwischen Pallisaden einherschreiten tu lassen, damit man unS der Welt als Nichtgleichberechtigte, als Unebcnbürtige zeigen kann Tas darf nicht geschehen, mag auch daS deutsche Volk durch die Vorkommnisse der letzten sieben Monate zer­mürbt fein, zu einer letzten heroischen Handlung muß es noch Fähigkeit und Kraft besitzen. Deshalb muß unverzüglich Herrn Clemenceau mitgeteilt werden, daß wir zn zeichnen bereit sind, daß wir aber nur zeichnen in stiller Abgeschlossenheit Man hat unS nicht so würdia gehalten, mit nnS von Person zn Person übet den Frieden zu verhandeln. Man braucht unS auch ietzt nicht dai'ür würdig z» holten, Personen eines Schauspiels zu werden. Herr Tntasta, der General- 'ekretär der Friedenskonferenz in Paris, der am letzten Montag Abend die Antwort der feindlichen Regierun­gen zwei Vertretern der deutschen FriedevSabordnnng übergeben hat, möge sich wiederum, umgeben von einem ganzen Stab von Offizieren der verbündeten Armeen, vielleicht anch von Diplomaten, in dem fleinen Salon des Hotels deS Reservoir» begeben und bort bie Fricdcnsurkunde einem Vertreter ber deutschen Regie­rung vorlegen. DaS genügt, mehr brauchen wir nicht zu tun, mehr dürfen wir nicht tun, mehr können wir nicht tun!

Sollte aber wider Erwarten die Entente daran fest* balten, im Schlosse zu Versailles eine Komödie auszu- lühren und wir im Interesse deS Frieden» gezwungen fein, uns daran zu beteiligen, dann möge man eine Abordnung der deutschen Jugend mitbringen nach Ver­sailles. Diese jungen Männer sollen sich bie Szene anfthen. Dann werden wir in ihre Herzen Gefühle einpflanzen, die un» die Zuversicht geben, daß diese Saat eines Tages herrlich ansgehen wird. Dann können wir Aelteren sicher sein, daß sich da» deutsche Volk eines Tages wiederfinden wird. Deshalb muß man in dieser Stunde in freie Anlehnung an ein Tich- 1 erwart sagen: Volk der Deutschen, wahre Deine heilig- sihn Güter; matt kann Dir Tein Hab und Gut nehmen, aber Deine Ehre, Deinen Nationalstolz mußt Du be­halten."

Versailles. 24. Juni. Gesandter v. Ha­ntel hat "an den Vorsitzenden der Friedenskonse­renz Clemenceau eine Note gerichtet, in der er im Auftrage des Neichsrninisters des Auswärtigen bei den verbündeten Regierungen anfragt, wann die Verhandlungen über das Abkommen betreffend die besetzten rheiischen Gebiete beginnen können.

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St MargaretsMopt

Zur Sprengung der deutschen Kriegsflotte in der Scapa Bucht

Ist die deutsch« Regierung oerautworUich?

Aus Marinekreisen wird" uns von unterrichteter Stelle geschrieben: Eine erschütterude Tragödie, die aber die Brust jedes Deutschen mit stolzer Trauer er­füllen wird, hat sich in der abgelegenen Bucht von Scapa Flow abgespielt. Von deutschen Sänken ist die deutsche ehemals so stolze Kriegsflotte verfenkt iror* >en. Mit der Genugtuung darüber, daß unsere pracht- vrklen Schiffe nicht dem Feinde dienstbar sein wer­den, stellt sich zugleich die ernste Frage ein, ob Dcvlsih- lanb darüber v'> Verantwortung tragen muß. Nach her. W »ff m ii I i s! and s,'.> ed i n g an gr n ist eine Vrrnichtnnz der dem Fctnde zu fiheriiefernen Tinge nicht gestatte!. Bei der Zwangslage, in der wir uns befinden, müssen wir damit rechnen, daß der Gegner auf den Buch- ßabtu bestehen tofib, und daß man den Versuch unter­

nehmen wird, un» dafür verantwortlich zu mache«.

Tiefe« Bestrebung««, die jetzt schon in der eng­lischen und französische« Presse zum Ausdruck kommen, gegenüber ist zu betonen, baß Deutschland jede T*er- antwortiing ablehnt. Bei den Bestimmungen de» Was- senstillstandSvertrage« handelt «8 sich nur um solch« Dinge, die sich in Hut und Gewahrsam de» deutsche« Reiche» befinde«. Die K-riegSfchifse waren aber bereit» in englischen Gewässern, wohin sie nur angeblich zu« Sicherung bei Waffenstillstandes gegen deutscheAn- arisse" gebracht worden waren. Bei Abschluß de» Waf­fenstillstände- war keine Rede davon, daß unser« Kriegsschiffe dauernd in den Besitz brr Feinde über­gehen sollten. Unsere Marin« hatte stets die Erwar­tung, daß nach Frirdensschiuß die Schisse, aus denen sich bi» zum letzten Augrirblick deutsche Mannschaste« und Offiziere befanden, in die Heimat zurückkehren würden.

Unter anbemt Bedingungen hatte« sich «ufere Marinrbegleitmannfchaften nicht zur Verfügung ge- stellt. Erst btt FrirdrnSvrrtrag brachte die übrv- raschend« Mitteilung, daß wir unsere Flotte verlieren sollen. Nach Abschluß dr« Frirdrn» sollte die gewmt« Krieg-flotte von den Engländern in Besitz genommen, um nachher unter den Verbündeten verteilt zu werden. Bei diesem Tatbestand fällt jede Verantwortung von Deutschland fort. Die Engländer haben d'e Mög- lichkeit gehabt, durch bessere Aufsicht die Cch'ste z« retten, wenn sie wollten. Ter Kontreadmiral v. Reu­ter hat auch selbst di« volle Verantwortung für b« Versenkung ber Flotte persönlich übernommen, ba et sich für verpflichtet hielt, ben Beseht de» frühere« Kaiser» zu beachten, baß kein beutscheS KnegSschiff in feindliche Hände fallen dürfe.

Die Frage der Verantwortung ist somit Bar g«- regelt Wir wollen mit den tavseren und stolze« Männern nicht rechten, die lieber die gan»e Flott« auf den Grund de» Meere« al« in der Hand der Feinde sahen. Ihre Tat ist rein und schön und ent­spricht ganz den herrlichen Traditionen, bie in bet deutschen Flotte sorlieben.

London, 24. Juni. (Heutet.) Das Unter, haus ist nach ben Pfingstferien wieder zusammen» getreten. Walter Lohg erklärte über die Versen» kung der deutschen Flotte: Vizeadmiral v. Reutet hatte den Eindruck, daß der Wassenstillstanb am 2t. Juni mittag» abgelaufen sei und hat mündlich de» Befehl gegeben, die deutsche Flotte ö" senken. Es sei dem deutschen Admiral ohne Schwi«. rigleiten möglich gewesen, den Befehl1 weiter z» geben, da er die Erlaubnis gehabt habe, fein« eigenen Schisse zur Aufr-cht-battung der Disziplin zu besuchen. Gegenwärtig seien 10 Schlachtschiffe, 5 Panzerkreuzer, 8 leichte Kreuzer versentt. ein Schlachtschiff sei flott, drei leichte Kreuzer seien auf Strand gesetzt und außerdem seien zwei Ze störet flott und 18 aus Strand gesetzt. Die Frage der Ber. gütung für die Versenkung der Sck>iffe werde jctzt von den Verbündeten in'Paris erwogen. Es fei unmöglich gewesen, Vorkehrungen zu treffen, um die Versenkung zu verhindern. Die Schisse seien Interniert und nicht ausgeliesert gewesen, und di« britische Admiralität habe deshalb nicht das Recht gehabt, Wachtmannfchaften an Bord zu setzen. E« sei nicht wahr, daß die Marines-ichverständixen der britischen Admiralität die Internierung empfohlen. Ihre Ansicht sei seinerzeit klar und bestimmt aus. gesprochen worden. Aber die Leiter der verbün. beten Regierungen hätten sich für die Internierung entschieden. Dies sei für die spätere. Lag« maß. gebend gewesen und habe die Verhinderung der Versenkung der Schiffe unmöglich gemacht.

London. 24. Juni. IRenter.z Admiral v. Reut« ist heute nach Park Hill-Lager in der Nähe von Oswostry gebracht worden, wo er unter Arrest bleibt.

FnaknIK.

Versailles, 24. Juni. DieEcho" erfährt, hat Clemenceau in der Ueberzeugung, sein Werk, für das er fein Amt übernommen batte. durckmeiü''tt zu haben, die Absicht kundgegeben, zurückzu» treten, scbald der Friedensrettrag un!er Ta<b und Fach ist.Echo" ist der Ansicht, daß die Kammer ben Friedensvertrag End» !>-ni baben würde.

Versailler, 24. Juni. Die Slbmdblät'er mcl- ben, daß die Kammer heute vormittag eine Vorlage angenommen hot, die die Arboi's^eit für a'le an Berd von Schiffen be^chä'tigleu Personen auf acht Stun­den täglich sestsetzt.

Versailles, 21. Juni. Der Gewerkschaft»- verband der ausständigen Arbeiter hat die von den Arbeitgebern gemäßen Vorschläge zur Einigung abgelehnt und eine Tagesordnung angenommen, in der die Notwendigkeit betont wird, die von den Streikkomitees im Pariser Bezirk begonnene revolutionäre Aktion sortrnfetzen. Die Confederatio« Generale du Travail soll das Kartell französischer Ar- b?itrrgewerkschaf:en sosor: zu'ammenru^eu, damit eint Elsamtaktion im Rahmen eines Generalstreiks aller Industrien begonnen werde. Ferner müsse bie schnell« vollständige Demobilmachung unö Einstellung jede« militärischen Intervention in Rußland und t» üngarU