mit dem Krclsblat! für dm Kreis Marburg
Tageszeitung für (bas früher kurhefsifche) OSerhessen
Di« „Oberhes fische Zeitung" erscheint sechsmsl wöchentlich. — Der
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Wiartt 21/21. — Fermorecher 55.
Marburg
Sonnabend, 21 Juni
Der «nrrtgenorrt, beträgt f8it die 8geb Zeile SO 4. u 83*/, •(, reu-nm^szufchl^ =.40^», amtl. n. emwärt. 40 4 *- 25e/.$eu#runn8ju|<)L = 50 Rellemezeile 1.504. Jeder Rabatt gilt «I» ««rradott. — Bei «uot. d die «eichtitest. u. Ber- mttUg. d Ingeb. 28 4. Soadergeblihr. — PoftfcheiN.: Rr. 6C15 timt $tinq. a. M.
54. Iahrg.
1919
Grttes Blatt.
3it 8mr der llnierzelAms.
Zn diesen schicksalsschweren Tagen bewegt die Page nach der Unterzeichnung die Gemüter aller. Und trotzdem ist sicher, daß unser Volk in seiner großen Mehrheit sich über das, was die Unterzeich- gung für die Gesamtheit wie für den einzelnen mit sich bringt, in keiner Weise Rechenschaft gibt. Hat t es sich doch auch am 9. November durchaus nicht klar V gemacht, daß es damals sich dem Feinde völlig in die Hand gab. Noch liegt uns der Jubel über die \ Revolution in den Ohren, noch hören wir die Hoffnung auf den Ausbruch der Revolution auch bei «nsern Feinden, das Wort: die Waffenstillstandsbedingungen sind wohl schwer — der Friede wird anders und milder aussehen!
60 hat der Deutsche auch heute wieder allerhand E Hoffnungen bereit, die ihn über die ganze Schwere der Entscheidung hinwegtäuscheu. Zwar an die i „Weltrevolution" glauben kaum nur noch einige i. Literaten, die aus diesem Programm — um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen — eine . neue Zeitschrift gründen wollen, oder politische und wirtschaftliche Desperados, die damit Verwirrung an- .üchten wollen. Die letzten Wochen haben deutlich gezeigt, daß selbst die Franzosen nicht daran denken, den Gewinn des Krieges durch Aufruhr aufs Spiel pl setzen. Der französische „Internationale" fühlt eben in aller erster Linie als Franzose! Man hofft dagegen in Deutschland jetzt, daß unsere Feinde in wohlverstandenem eigenen Interesse wenigstens unserer Wirtschaft bald wieder auf die Beine helfen würden. Die Folge der Unterzeich- . nullg würde zunächst natürlich ein Aufblühen des i Handels zwischen den bisher feindlichen Ländern [fein — soweit unsere Geldmittel das zu las senk Hebet den wirtschaftlichen Zweck des Krieges für England und Frankreich, unsere Industrie als Konkurrenten auf dem Weltmärkte aus- [ Hitz *lten, darüber soll man sich a’*ex keinen Augen blick einem Zweifel hingeben. Deshalb nimmt man l Ms Kohlen und Eisen! Man wird in diesem f Punkte uns ein für allemal knebeln. Wir werden V ttt Zukunft kein Industriestaat mehr fein, wir werden auch nicht Agrarstaat, deshalb nahm man uns ja die Ostprovinzen. Was werden wir fein? Sklaven englischer und französischer Machthaber, wie es t von nationaler Seite für den Fall des Sieges der Entente immer in Aussicht gestellt wurde. So stehen mit, kein Hoffnungsstrahl kann dies Dunkel [ z. 3t. erhellen für den der politisch nicht von Phantasien leben will. Und diese Klarheit ist notwendig besonders in Deutschland. Prof. Zorn führt aus:
Die Unterschrift unter den Pariser „Frieden" wird, i das wissen wir, unser deutsches Dasein knechten, ja dis zur Vernichtung zerstören. Wir müssen wieder von i vorn ansangen in unserer staatlichen und wirtschast- k sichen Arbeit. Aber wir können daun jedenfalls in tätiget Ruhe mit dieser Arbeit beginnen. Und nach dem erlösenden Wort für den ruhigen Beginn dieser Arbeit lechzt das deutsche Volk wie ein Verdurstender Sach einem Tropfen Wasser. Der Segen wird dieser Arbeit eines Volkes, dem Arbeit allezeit das oberste Besetz des Daseins war, nicht fehlen. Alles übrige tnüssen wir der Zukunft und der Vorsehung anheim stellen. Und es ist gewiß: intpossibitium null« obii- ftzatio' .
t Auch die „Köln. Ztg.",- die der Deutschen Volks- i Partei angehört, tritt ein für Unterzeichnung. Man ist versucht, ihre Kenntnis der Besetzungsverhält- -nisse als für ihr Urteil maßgebend zu betrachten. ; Das Blatt schreibt u. 0.:
Die Nichtunterschrift stürzt uns aufs neue in dir furchtbaren Zustände des Kriegsrechtes: Auflösung der ■ iNotdürftig hergestellten Ordnung und Vernichtung der Achten Reste unseres Besitztums müßten die Folge einer Erklärung fein, die alle Gewalt an die Waffen des Siegers — der Franzosen, Engländer, Italiener, Polen, Tschecho-Slowaken! — denen wir feine oder doch keine genügenden Waffen entgegenzufehen haben, Msliefern würde. Darüber müssen sich var sein alle, Nie zu entscheiden haben.
Selbst wenn die Autoritäten, denen wir vertrauen kuLssen, zu der Ueberzeugung kommen, daß wir nicht : Unterzeichnen sollen, so verlangt trotzdem da- über Mallem anderen stehende Gebot Deutschland zu ^erhalten, daß wir unterzeichnen.
| Die Frage ist eine rein praktische. Eie küßt sich nicht mit dem Gefühl lösen. Das zeigt sich darin, daß ■ bi fast allen Parteien die Ansichten auseinander gehen mit Ausnahme der äußersten Flügel. Und in der „Kreuzztg." spricht Prof. Hoetzsch es aus, daß dis Frage mit kaltem Blut entschieden werden muß. 5Böre unser Volk nicht durch die Kriegsdauer wie durch die seit dem 9. Nov. eingetretenen Ereignisse .1# seelisch zermürbt, es bestände kein Zweifel, tote die Antwort allein lauten könnte, doch diese Dermssung unseres Volkes mutz tu Rechnung ge
zogen werden und sie dürfte schließlich unter Berücksichtigung der sich aus ihr ergebenden Konsequenzen den Ausschlag für die Unterzeichnung geben. Die Mehrheit gegen die Unterzeichnung, die sich bei Bekanntwerden der Bedingungen als natürliche Reaktion von selbst ergab, scheint — wie in Deutschland so oft — unter dem Druck innerpoliti- schsr Verhältnisie, sich in eine Minderheit zu verwandeln. Und damit wäre das Urteil gesprochen. Freilich mit der Kompromitzeinschränkung, daß kaum ein Deutscher sich zur Auslieferung seiner Kriegsführer verstehen dürfte. Eine solche Handlung würde, abgesehen von allen inneren Widerständen, den deutschen Namen für ewig in der Welt brandmarken.
Gemeinsame Erklärung der rechtsstehenden Parteien.
Weimar, 20. Juni. Die Fraktionen der De u tschn ati0n alen Volk-spartet und der D.e n t s ch e n V 0 l k s p a r t e i haben folgende E r He*u n g erlassen: In d'r ^tü' de der hö"st"n nationalen Gefahr haben dir außerhalb ter Regierung stehenden bürgerlichen Fraktionen, die Deutschnationale Volkspartei und die Deutsche Volkspartei, beschlossen, Nachstehendes gemeinsam zu bekunden: Alle Folgen der Ablehnung des jetzt vorliegenden Friedensvorschlages haben wir mit voller Verantwortlichkeit uns klar gemacht. Wir sind der einmütigen Ueberzeugung, daß sie trotz ihrer Schwere unvergleichlich geringer einzuschätzen sind als die dauernde Versklavung Deutschlands, der wir sonst anheim fallen. Die Annahme dicsrs Fri'densvor- schlages bedeutet eine nationale Schmach. Wir verlieren dadurch auch unsere letzten Freunde in der Welt. Einem zerstückelten Deutschland droht der «irtfchaifliche, finanzielle, politische und moralische Tod. Wir stehen vor der Wahl, die ungeheure Lüge von Deutschlands Schuld durch unsere Unterschrift zu bekräftigen oder Deutschlands Ehre zu wahren, die besonders durch die Forderung in den Staub gezogen wird, den deutschen Kaiser und andere deutsche Männer vor ein nicht deutsches Gericht zu stellen. Um unserer toten Brüder und nm das Schicksal unserer deutschen Jugend willen sind wir entschlossen, unser letztes Gut bis zum Aeußer- sten zu wahren: Deutschlands reinen Namen vor der Welt. ^Darutn lehnen wir diesen Friedensentwurf ab.
wb. Weimar, 20. Juni. Am späten Nachmittag tagte im Weimarer Schlöffe der interfraktionelle Ausschuß und beschäftigte sich laut „Boss. Ztg." mtt den Vorschlägen der Demokraten: Deutschland soll die Unterzeichnung von stchs Voraussetzungen abhängig macken. 1. Danzig, Westpreußen und der Netzdistrikt werden dem Völkerbund unterstellt. 2. Eine allgemeine Revision des Friedensvertrogs soll nach zwei Jahren erfolgen. 3. Falls die Feststellung des Höchstbetrages unserer Entschädigungssumme innerhalb der vorgesehenen Frist von vier Monaten nicht erfolgt, soll eine dritte unparteiische Stelle die Höhe dieser Entschädigung festsetzen. 4. Vom 1. Januar 1920 ab ist Deutschland Mitglied des Völkerbundes. 5. Das deutsche Schuldbek.-nntnis am Kriege ist abzulehnen, ebenso wie 6. die Auslieferung von. Reichsangehörigen. Außerdem soll bei der Unterzeichnung erklärt werden, daß dieselbe unter Zwang geschehe. In einer an die Entente abzusendenden Note soll zum Ausdruck kommen, daß ohne diese Voraussetzungen eine parlamentarische Mehrheit für die Unterzeichnung des Vertraa"s nicht zu haben sei. Wie dem „$erl. Tagebl." aus Weimar mitgeteilt wird, wäre das Zentrum nachmittags einverstanden damit gewesen, daß die von den Demokraten formulierten Wünsche in eine Note ausgenommen wurden, die am Abend nach Versailles geben sollte. Der „Verl. Lokalanzeiger" meldet zu derselb n Sache: Im letzten Augenblick zogen die Sozialdemokraten ihre Zustimmung zu dem demokratische Antrag zurück und stellten sich auf den Standpunkt, daß bedingungslos unterzeichnet werden muffe. Damit habe br?r Block als endgültig gesprengt angesehen werden müssen.
3nn Wtritt d« Marits.
wb. Weimar, 20. Juni. In parlamentarischen Kreisen heißt es W* das K'binett, wie schon gestern gemeldet, in der entscheidenden interfraktionellen Sitzung die formulierte Erklärung verlangte, daß die Regierungsparteien sich einigen sollten auf einen Kompromißantrag des Zentrums. Weiter wurde verlangt, daß die Nichtannahme der Forderungen des Zentrums durch die Gegner zur Ablehnung führen sollte. Die Demokraten hatten jedoch diese Erklärung nicht abgegeben, weil sie grundsätzlich nicht damit einverstanden seien. Die Mehrheitssozialdemokraten hätten die Forderung der Regierung auf Annahme der Zentrumsentschlie- ßung abgelehnt. Die Abstimmung ergab ein^ d e u t» liche Mehrheit für die Annahme der Ententebedingungen. Daraufhin faßte das Kabinett den Rücktrittsbefchlutz, „
wb. Weimar, 20. Juni. Wie wir aus parla- mentarijchen Kreisen hören, erfolgte der Rücktritt des Kabinetts in einer Sitzung des interfraktionellen Ausschusses, der zusammen mit dem Kabinett bis in die frühen Morgenstunden tagte. Trotz aller Bemühungen war es nicht möglich, die Mehrheitsparteien auf eine für alle annehmbare Formel zu vereinigen. Unmittelbar nach der Sitzung fanden unverbindliche Besprechungen über die neue Kabinettsbildung statt. Wie verlautet, wurde schon in diesen Besprechungen, woran auch der Reichspräsident teilnahm, die Lage dahin getlärt, daß mit derllnterzeichnung des Friedensvertrages zu rechnen ist. Im Anschluß an die unverbindlichen Besprechungen, die schon nachts zwrschen den Parteiführern gepflogen wurden, ist, wie wir von parlamentarischer Seite erfahren, der Mehrheitssozialist Hermann Müller damit beschäftigt, das Kabinett zustande, zubringen. Graf Bernstorfs wird als Außenminister genannt. Es wird damit gerechnet, daß Noske, Schmidt, Wiffell, David und Arzberger in das neu zu bildende Kabinett eintreten werden. Als feststehend gilt der Rücktritt Scheidemanns, der demokratischen Minister mit Brockdorff-Rantzau, ferner Eiesberts und Lands- bergs. Bestimmt wird damit gerechnet, daß der Rücktritt des Kabinetts die Annahme der Friedens» bedingungen zur Folge haben werde. Li
M flott flroOorfls tut Mnmilm.
Abweichungen und Widersprüche.
wb Berlin, 20. Juni. Heute vormittag wurde folgende Note des Ministers des Aeußern Grafen Brockdorff-Rantzau an Clömenceau überreicht:
Herr Präsident f
Die Prüfung der vier Urkunden, die durch den Eeneralkommissar der Delegation am 16. Juni ausgehändigt worden find, ergab, daß in dem Begleitschreiben und in der Denkschrift eine Anzahl Zugeständnisse angekündigt werden, die sich nachher im Text, rote er jetzt handschriftlich verändert ist, nicht vorfanden. Als die wichtigsten Widersprüche dieser Art hat die deutsche Friedensdelegation die folgenden zusammengestellt: 1. Auf Seite 7 des Memorandums wird gesagt, daß Deutschland, sobald es zum Völkerbund zugelassen wird, die Vorteile aus den Bestimmungen über Verkehrsfreiheit «nd Transitverkehr mttgpnießen soll. Andererseits cheißf es aut Seite 42 des Memorandums, daß Deutschland für eine Mindestzeit von 5 Jahren einseitige Bedingungen für den Handelsverkehr auferlegt werden sollen. 2. Auf Seite 11 des Memorandums wird erklärt, daß Frankreich die elsaß-lothringische Staatsschuld mit übernimmt. 3. Auf Seite 44 heißt es- daß für die Ab^immung in Oberschlesien eine Commission independante geschaffen werden soll, während nach dem neuen Entwurf der Bedingungen diese Kommission einseitig von den verbündeten Regie- rungen ernannt wird. Ans Seite 16 wird hinsichtlich des Gebiets von Memel gesagt, daß die Abtretung dieses Gebiets in der Form einer Hebet» tragung an die verbündeten Mächte deshalb erfolgte, weil das Statut der litauischen Gebiete noch nicht feststehe. Danach wäre als endgültig erwerbender Staat Litauen anzusehen. 5. Nach Seite 17 des Memorandums soll die von den verbündeten Regierungen für Helgoland eingesetzte Kommission darüber befinden, welche Vorrichtungen zum Schutze der Insel aufrecht zu erhalten sind. 6. Auf Seite 21 des Memorandums wird ver» sprachen, daß die deutschen Eisenbahnen und Bergwerke in Schantung nicht als deutsches Staatseigentum behandelt werden sollen, wenn von deutscher Seite der Nachweis erbracht wird, daß es sich um Privat-Eigentum handelt. 7. Auf Seite 31 des Memorandums wird er- flärt, daß die verbündeten Regierungen bereit sind, innerhalb eines Monats nach Inkrafttreten des Friedensvertrags die endgültige Liste der an die Gegner auszuliefernden Deutschen zu überreichen. 8. Auf Seite 31 wird festgestellt, daß die Commission des röparations nicht die Preisgabe von Fabrikgeheimnissen oder anderen vertraulichen Auskünften verlangen kann. Es wird ferner festgestellt, daß sie keinerlei vollziehende Gewalt auf deutsches Gebiet hat und daß sie sich nicht in die Leitung oder Ueberwachung deutscher Einrichtungen mischen darf. 9. Auf Seite 34 ff. des Memorandums wird ein besonderes Verfahren für die Feststellung und Abdeckung des von Deutschland verlangten Schadenersatzes vorgesehen. 10. Auf Seite 36 des Memorandums wird versprochen, daß Deutschland Erleichterungen für den Bezug von Lebensmitteln und ge
wöhtt werden fall. 11. Rach Seite 38 des Memorandums wtrd die Erteilung der Erlaubnis der Goldausfuhr namentlich für solche Fälle in Aussicht genommen, wo die Reichsbank Garantien leistete, die sie auf andere Weise nicht erfüllen kann. 12. Auf Seite 53 des Memorandums wird die Zusicherung gegeben, daß die von den verbündeten Regierungen eingesetzte Liquidatoren, die sich strafbarer Handlungen schuldig gemacht haben, strafrechtlich verfolgt werden sollen. >
Die deutsche Delegation ist verpflichtet, ihrer Regierung und der Nationalversammlung genau« Rechenschaft abzulegen. Sie muß daher unbedingt wissen, wie weit sich die Gegner «er« tragsmSßig auf diese Zugeständnlssu festlegen w0llen, und bittet Eure Exzellenz ihr schriftlich zu bestätigen, daß der Inhalt de» Begleitschreibens und die Denkschrift in den vo« erwähnten Puntten einen integrierendes Se<to n bt«i4 de« neuen Friedensangebots der verbündeten Regierungen bildet. Gegebenenfalls mürbe genügen, wenn diese Tatsache im Schluß-s Protokoll festgestellt würde, über dessen Inhalts zwischen den verttagschlleßen Teilen vorher Ein« Verständnis zu erzielen wäre. 1
Auch in einem zweiten Punkt stellen sich Zroeisek bei der Prüfung der übergebenen Uufunbea heraus. Das Druckexemplar des 5rieben* entwürfe», das uns übergeben wurde, unter« scheidet sich nicht nur in den handschriftliche« Streichungen und Zusätzen von dem Druckexemplar, das der Vorsitzende der deutschen Delegation am 7. Juni vom Generalsekretär der Friedenskonferenz erhielt. Bei der außergewöhnlichen Arbeitslast, die der Delegation durch die kurze Prüfungsfrist auferlegt worden war, war es noch nicht möglich, das stet» von vielen Selten gebrauchte einzig« Exemplar Wort für Wott mit dem Druck vom 7. Mai zu vergleichen. Ich muß daher der Delegation weitere Mitteilung vorbehalten. Vorläufig mache ich auf folgende Abweichungen aufmerksam: 1- Seite 103 des zuletzt übergebene« Exemzlars hat in § 2 einen dritten Absatz, beginnend mit den Worten: chacun des gouvernement» (each govermnent), der in den früher übergebene« Exemplaren fehlt. 2. Seite 1 weicht der englisch» Text in § 12 in den Exemplaren insofern von einander ab, als der Paragraph der früheren Exemplare nur einen Absatz hat, während er in dem zuletzt übergebenen Exemplar in zwei Fällen geteilt wurde, wovon die zweite mit den Worten „the commission fhall in general“ beginnt. Selbstverständlich kann die deutsche Delegation Zett« änderungen, die nicht handschriftlich etnge». tragen find oder anderweitig als Zusätze erfennbat' sind, erst bann als maßgebend anerkennen, wenn die verbündeten Regierungen ihr bestätigen, daß die Abänderungen nicht auf der roe* sentlichen Verwendung falscher Druck* exemplare, sondern auf wohlüberlegter Absicht beruhen. In diesem Falle bittet aber die Delegation, daß ihr alle solche Abweichungen noch vor Ablauf der für die Entscheidung erforderlichen Frist mitgeteilt werden. Auf möglichst umgehende Antwort mutz die Delegation au» begreiflichen Gründen größten Wert legen, ;
Genehmigd» Sie usw. Ä
gez. Brockdorff-Rantzau. i
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Da« Kabinett Orlando zurückgetreten.
wb. Rom, 19. Juni. (Reuter.) Infolge eine» Mißtrauensvotums der Kammer ist das italie« nifche Kabinett zurückgetreten.
wb. Rom, 19. Juni. (Stefani.) In der Kammer find mehr als 350 Mitglieder anwesend. Die Sozialisten widersetzten sich einer geheimen Beratung. Niki wünscht eine eingehende Besprech» ung der Lage, verwirft aber die geheime Beratung. Die Regierung stellt die Vertrauensfrage-Tagesordnung. Dieser Vorschlag Orlando» wird mit 279 gegen 78 Stimmen verworfen.
wb. Rom, 19. Juni. (Stefani.) Die Sitzung der italienischen Kammer wurde aufgehoben. Orlando begab sich in den S e n a t, wo er die Erklärung abgab. daß er den Ministerrat auf den Beschluß der Kammer hin zu einer Sitzung versammelt habe. Er ersuchte erneut, seinem Protokoll die von ihm in her Kammer abgegebene Erklärung hinzuzufügen und die Sitzung bis 7 Uhr abends zu unterbrechen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung teilte Orlando mit, daß das Kabinett infolge der Haltung der Kammer demissioniert habe. Der König habe sich die EntscheMing vorbehalten. Nachdem in der Kammer die Mitteilung von der Demission veröffentlicht wurde, verlangten Turati nutz andere, daß die Kammer ihre Arbeite« for^etz».