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mit dem Krcisblat! für den Kreis Marburg

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Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhesserk

DieDberbtfM Ae Zeitung" erfAeint sechsmal wöchentlich. Der

Der1nielgen»rets betragt fBr bte 8 geig 3elle 90 u 83*/,!, tfumrnti«vff*L r t 40 amtl. x. eutmärt. 40 y.e/,Xfueruna#iuiAL = fiO -, Krflemexeilf

w» 4QQ Brzvaspreis betritt monatlich l.M x. frei in« Haut; durch bte Poft JI2. IvO 1.75 X. ohne Beftellqelb Verl«, von Dr. C. Hitzeroth.

1919

M«rkt 21/21. Fernivrecher 55.

Marbnr?

Diensinq. 17 J»ni

«> «amu. x. ausroart. 40 j x Z5*/,Xeueruna«|XIAL = fiO -, MrfUmete L5O4.3ebet yiebett gilt «I, tSertabett Bel Axsk. b. bi» 6»,4ättiJL x. Ber» mittig, b. Ingeb. K) 4. Sonbergebibe. Postscheck!.: Ät. 5CI& Smt Fc t r.ua. M

Som figM Den Srkitn Mehren?

Ans Set» wird uns von einer, mit den englischen Bertofimflat gut unterrichteten Persönlichkeit ge- sch nebe n:

Dcntfchkand ist von der Stimmung der feindlichen Kinder test vAlig rnr"^r*':(6t't, de. die Zeitungen nicht tzje wahw Gesinnung dec Bevölkerung zum Ausdruck bringe« und htrfft? Nerbindungen zwecken Deutschland de« feindlichen Ländern f^Pn. Das ist ein grosser ß^rde» für Deutschland und seine Politik, die. nicht ftfokgreich geführt morden kann, ohne da st die hunderterlei M Imponderabilien alter A^t berücksichtigt werden.

Dies gift i» ettt-r Reihe für die .frage, ob dir gtinbe tas'e<*'ick -11 f Jahre hinaus auf einen Frie-

ten und defsex llnterzeichnuna durch Deutschland ver- ipchten können, und ob Deutschland b-recktigt ist, bei R-rtoetgerimg der Unterzeichnung von der Zeit viel zu hrsien. Wenn während des Krieges einige militärische gritifer t*t Deutschland schrieben, dast die Zeit für Deutsche find arbeit?, fc war das unter allen Umständen falsch, weil geutlchland einer h-lagerten und blockierten Festung glich. Ne nkivaS etwas von der Zeit erhoffen kann, wenn «cht von außen Ersatz und Hilfe kommt. Dieser Ersatz erschien aber nur bei Deutschlareds Feinden. Darum »ar die Zett für D-ntschland kein Bundesgenosse. An- hns es sich aber ieht bei Unterzeichnung des

Eetitagee. Das englische Volk ist in tiuer Beziehung mc^ kricgsgesinnt und in der Ueber- Mugimg ehrte, dast Deutschland niedergerungen werden »iiffc. So» allerlei Unruhen in Heer unb Marine. NR Mberftand gegen weiteres Verbleiben im Heere «ld giwaNfewn Demobilmachungsversuchen wurde schon ferichtrt. Viel schwerer als diese Diszivliniragen wiegen tftr pokittsche Tatsachen, die Llovd George zu denken fkben mfilen. Die Macht der Liberalen wich ständig DestärK. Dxdxrch erbäl' die Opposition gegen da« Mini­sterium Lb>hd George täglich Zulauf. DieLabour Partti" bet sich bereits in ihren führenden Persön­lichkeiten nicht nur heftig gegen diesen Gewaltfrichen «tsgespnochex. sondern auch aus die Notwendigkeit eines fthwÄen Ftied--nsschlnkr»s und einer raschen Demobil- »acknmg hingewiesen.

Northctifse und sein Presseanhang haben wohl noch ti.tt beträchtliche Machtfülle, aber im englischen Volke kingt Kgkich der Gedanke mehr und mehr durch, dast dieser OnwNfrirfee einen Wortbruch und eine schreiende ftngrrcchkigleit bebentft. In erregten Versammlungen, die allechingS nicht von ausschlaggebender Bedeutung sind, wird aus dir Unmöglichkeit dieses Clemenceau- «fct nicht WiUon-Frredens hingewiesrn. DaS englische Nslk will Frieden, den es nicht mehr entbehren kann, und tote Nichtuntrrzcichnung durch Deutschland kann auch fstr Ei.gland rveittragende Folgen haben, be sich bereits ist" eiristutzreichste Männer, wie der Präsident deS Koh- b'mrl'ertekverbandes, Smillies, gegen eine weitere Aus- stengerung deutscher Frauen und Kinder heftig aus- stnrchen, falls Deutschland den Frieden nicht unterschreibt, «rutschland must jetzt fest bleiben, h'cr.n eS nicht zu Sruude gehen will, denn jetzt arbeitet die Zeit für Deutsch- llwtz.

' Bit MkillWlIA Sagt toiws.

DieÄ5»n. Ztg." schreibt in ihrerWirtschaft, lichen Lage" beherzigenswerte Worte, bte wir aus» ttgswrise hier Miedergeben:

Bertin, 13. Juni. Wir sollen alle Tage sparen Ald brauche« alle? Tage mehr. 60 leben wir jetzt. Seber zwar weist ober könnte doch wissen, wie arm wir Nwordeu find. Viele auch sprechen es aus. Fast keiner «her zuckt mit der Wimper oder erhebt Einspruch, wenn Mie Ausgaben gefordert werben. Unternehmer aller» btugs,.Leitungen von Werken pnd Banken wehren sich, tun man ihnen ständig mit neuen Lohn- unb Gehalts- fsrt-erungen zu Leibe rückt: suchen bann nachzuweisen, b#ft sie- nicht geben, können, was sie nicht haben, noch Aussicht haben, jemals zu erwerben. Schlägt das nicht bnrch. ft> fetzm sie die Preise für Waren unb Leistungen h bte Höhe. Kommen Staat, Kreise unb Gemeinden ta Frage, so fW)t die Sache wesentlich anders aus, denn h bete» Vertretungen sitzen die Erwählten des Mveränen Volkes, und vor den Türen stehen bte »affen derer, denen ste Sitz unb Stellung verdanken, «erlange» ste Gehälter und Löhne unb andres, so wird Knen gegeben, was sie wollen, denn nicht Führer, son­dern Geführte des Volkes sinds meist, die in den Parla­menten bet Gegenwart fitzen. An den Sesseln, bte kaum «st wann geworden, Heben sie, unb tun alles, sich Hcrng zu behaupten. Die Leute im Zentralrat ber marine haben pch^ wie Herr Koste in Weimar be- Itontgab, ans eigener Machtvollkommenheit Jahres­einkommen von je 14 500 ,K bewilligt. Die Werft­arbeiter schicken Ihre Vertreter zur Kontrolle auf die bersten und erhatten 18 X Tagesentfchädiguftg. wobei Mer der Loh« weitergeht. Sie erklärten, dast das ein Bettelgelb sei, ste seien Vertreter bet Masse unb könn­en gang andere Ansprüche erheben! So ifts recht. Das y Geist wn Geiste, der jetzt Deutschland beherrscht. Die Sorge, wie das alles aufzubringen sei, kommt pfnem, tmb bas Gemeinwohl, das allen ohne Unter» Mied Leitstern sein sollte, wird gänzlich vergessen. .So geht» immer weiter nach unten dem Abgrund zu, Bankrott geheissen. Der Staatsbetrieb rückt allen voran, yinter ihm folgen Gemeinden und Kreise in bunter c^ge und sausender Fahrt. Die Steuerdremse zieht an, dast die Funken stieben, aber sie kann das Un- Httl nicht wenden, und wie lange währts, so versagt MS siz tych tagg selbst ftte &&neHe ber Fahrt nicht

Lik ^liitrooriiioff

Die WflueltFrist non 7 logen. -

wb. Versailles. 16. Juni. Die Ank, wottnote der Verbündete« ist dem (Stofen Brockdorfs-Rantzau um y27 Uhr abend» über, reicht morden.

Pari», 16. Juni. Nach Skenter heiftt es in dem Mantelbrief zn der Antwort: Der Krieg wat das größte Verbrechen gegen die Menschheit, das jemals begangen wurde. Deutschland muh es auf s i ch nehme«, Wiedergut­machungen zu lei ste«. Die verbündeten Mächte haben für die Wiedererrichtung eines polnischen Staates mit sicherem Zu- gange zum Meere Vorsorge getroffen. Das Regime betreffend das Saarbecken wirb für 15 Jahre aufrecht erhalten. Die Ver­bündeten find überzeugt, dah die E i« g e b 0« reuen der deutschen Rolon len einer Rückkehr unter deutsche Herrschaft abgeneigt find. Wenn die Deutsche« beweisen, dah f?e beabsichtigen, die Fric^enobedingungen zu erfüllen, so wird es zu einem früheren Zeitpunkt möglich sein, den Völ­kerbund durch Zulafiuug Deutschlands zu ver­vollständigen. Die Bestrafung derjenigen, die hauptsächlich für den Krieg verantwort. l i ch find, ist eine Forderung der Gerech­tigkeit. Es wirb Deutschland gestattet werden, sein Heer allmäblicher zu nerriniern als bisher bestimmt war. Die deutschen Vorschläge bezüglich der Flotte können nicht in Erwägung ge­zogen werden. Was die Wiedergutmachungeu betrifft, fo kann Deutschland eine Summe für die Regelung der Gesamtheit oder eines Teiles seiner Verbindlichkeiten anbieten.

Kurz «ach 9 Uhr kam Dutafta nochmal» nach Versailles und teilte dem Ministerialdirektor S i« man mit, die verbündete« Regierunge« hätte« fich bereit erklärt, die Frist nm 48 Stunde« zn verlängern. Im Marne« der deutsche« Ab- orbnung antwortete Ministerialdirektor Simon, die Frist einzuhalten, jedoch werde die deutsche Re­gierung den Verbandsmächten «och mitteilen, ob die Frist 00« 7 Tage« eingehalte» werben könne.

wb. Versailles, 16. Juni. Der General­sekretär ber Friebenskommisfion Dutafta in Be­gleitung des Boischastsattachees d'Arnavos über­reichte dem Ministerialdirektor Simons-Suhl, Lega- tionsrat Freiherrn v. Lersner die Dokumente, näm- sich ersten» den Begleitbrief, zweiten» die Antwort der verbündeten Mätche^ in der die A b. Anbetungen mit roter Tinte eingefügt find. Generalsekretär Dutafta erklärte, er überreiche hiermit bte endgültige« Bedingungen der verbündeten Mächte. Die deutsche Abordnung soll in einer Frist von fünf Tage« vom Zeitpunkt der Ueberreichnug an gerechnet erklären, ob fie gewillt fei, den Friedensvertrag zu unter­zeichnen ober nicht. Ministerialdirektor Simon et« wiberte im Namen ber deutschen Friebensaborb- nung und der deutschen Regierung in Weimar, die Frist von fünf Sagen sei zu kurz bemessen. Im Auftrage de» Reichsminister» de» Auswärtigen Grafen Btockdotff erklärte er, die deutsche Regie, rung und die deutsche Friedeusabordnung behielten e» sich vor, eine Verlängerung ber Frist zu vertan, gen. Dutafta entgegnete, er «»erde be« verbündeten Regierungen von dieser Erklärung Kenntnis gebe«. Die Ueberreichungszeremonie dauerte im ganze« siebe, Minute«.

Diese fiebentägige Frist läuft am Montag Abend um 7 Uhr ab; zu diesem Zeitpnntt ist der Waffenstillstand abgetaufen.

mehr mindern. Di« Betriebsyibl hat sich im Kriege naturgemäß gewaltig verschlechtert. Bon 5060 Pro­zent in Friedenszeiten war sie im Jahre des Unheils, 1918, auf 80 Prozent gestiegen. Jetzt macht fie 130 Pro­zent aus, b. h. die Ausgaben bet Eisenbahnverwaltung find um SO Prozent gröftet als die Einnahmen. Ein jährlicher Zuschuß von 700 Millionen Mark wirb er­forderlich seln, um den Fehlbettag zu decken. Tarif- erhöhungen, die monatlich 145 Millionen Mark rech» nungsmäfcig ergeben, sollen den bringen. Aber die Aussi^ten darauf find schlecht, und wenns so weitergeht wte bisher, so wird tin neuen Rechnungsjahr ein Zu. schuh von 8100 Millionen Mark gebraucht. Jrn selben Augenblick aber, wo der Eisenbahnminister dies Klage- lieb oortrug, waren die Eisenhahnbeamten und -arbei­tet versammelt unb forderten neue Erhöhungen bet Löhne und Gehälter, sprachen auch dem Minister ihr Migtrauen aus, weit et nicht geben will, was er nicht hat. Das ist Revolutionswirtschast vom reinsten Master und ein getreues Spiegelbild dessen, was jetzt überall geschieht. ,

StiWms dn Iralftm Mmdukstn.

Betreff» bet bentschen Beschuldigung gegen bie Blockade hecht es: Die Blockade ist zu jeder Zeit eine gesetzlich anertannte Methode der Kriegfüh­rung gewefen.

wb. Pari», 16. Juni. (Savas.) I« dem B e g l e i t b r l e f zu der Note der Verbündeten auf die deutschen Gegenvorschläge wird zuerst sestgcftellt, dah die verbündeten Mächte die von der deutschen Abordnung über die Friedensbedingungen gemach­ten Bemerkungen der ernsthaftesten Erwägung un­terzogen haben. Der deutsche Vorschlag protestiere gegen de» Friedensvertrag vor allem, weil er in Widerspruch stehe mit den Bedingungen, unter denen der Waffenstillstand abgeschlossen wurde. Der Protest der deutschen Abordnung beweise, bah fie die Lage verkenne, in der sich Deutsch­land heute befinde. Die deutscheMbvrdnung scheine bie Anffasfuitg zu haben, basi Deutschland nur Opfer zu bringen habe, um den Frieden zu erhalten, als ob btefer Friede einf-ch be* 91*?*?*!ft ei**es Kampfes wäre, der um Gewinn an Land und Macht geführt wurde. Darum hielten es die verbündeten Regie­rungen für notwendig, ihre Antwort mit einer g e - neuen Darlegung de» Krieges, wie sie ihn beurteilen, zu beginnen. Dieses Urteil fei zu­gleich dasjenige der Gesamtheit der zivilisierten Welt.

Die Antwort ber Serbünbeten auf bie deutschen Bemerkungen legt bar, in dem deutschen Memoran­dum sei nicht» enthalte«, wa» die Ueberjeugung der Verbündeten e schlittert hätte, dah die unmittel­bare Ursache de» Kriege» die wohl überlegte Entschlieftnng ber verantwortlichen Personen gewesen sei, die Lösung der europäischen Frage ge, waltjam herbeizuführen, wenn nötig durch einen Krieg.

wb. Versailles, 16. Juni. Auf bet Fahrt vom Hotel be» Reservoir, in Versailles zum Bahn­hof von Noissy le Roi, von wo ber Sor.bcrjug mit bet bentschen Friebensbelegation nach Weimar ab« fuhr, wurde« au» der Menschenmenge heran» nach einzelnen Automobilen Steine geworfen. Es wurden infolgedessen mehr ober weniger leicktt verletzt bie Mitgkieber ber Abotbnnng Dr. Melchior, Oberstlentnant v. Xulanber, Assessor Dt. Meyer unb Frau Dornblüt, bie an bet Seite des Reichspostministers Giesbert» sah. Die Kundgebungen ber Menschen­menge bauerten den ganzen Abend fort und »er« stärkten fich zum stärksten Johlen, Rusen unb Schreien, al» fich bie Mitglieder auf bet Strafte 'wischen dem Hotel des Reservoir» unb den Hotels Suisse und Bakel zeigte«.

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Basel, 16. Juni. Wie die«gence Zentrale" meldet, sind von den Generälen Fach und Sir Douglas Hai» für den Fall der Nichtunterzeichnung des Ver­trags innerhalb der gestellten Frist folgende Maßnahmen beschlossen worden: Strenge Blockade und allge­meiner Vormarsch auf Berlin. Die Bel­gier, die zunächst DüfieGors, Essen und Münster be­setzen würden, würden über Westfalen, die Ameri­kaner über Wetzlar und Frankfutt, die Franzosen über Hanau, Würzburg unb Ulm marschieren chie bri­tische Armee tofltbe mit den Belgiern vorrücken.

Fach «ach Paris zurückderusex.

Versailles, 16. Juni. DieChicago Tribüne berichtet, daß Marschall Fach kurz nach seinem Einttef- f:n im interalliierten Hauptquartier in Luxemburg von Clemenceou nach Pari» zurückberufen wurde, um dort bi: Nachricht abzuwarten, ob die Deutschen unter­zeichnen oder nicht. Wisson wird in der heutigen Rächt Paris verlassen, um Brüssel. Ppern unb Löwen zu be­sichtigen. Er wird am Freitag wieder in Paris fein.

Mit den schwebenden Krediten aber, die jetzt als Aushilfsmittel dienen, wächst ständig unser Notenum­lauf. In der letzten Woche des vergangenen Monats ist et sogar um fast eine Milliarde gestiegen. In zwei Monaten hat er um annähernd drei Milliarden zuge­nommen unb, wenn es so weiter geht, können mit bis zum Jahresschi uh auf etwa 40 Milliarden Banknoten­umlauf rechnen, bet ständig zusammenschmelzendem Goldbestand. So sind wir auf dem besten Wege zu reiner Papierwährung.Die Landräte können wir nicht ohne weitere» absetzen. E» würde die ganze Ver­waltung, besonders die Lebensmittelversorgung, in Frage gestellt werden. Die Lebensmittelversorgung aber vollzieht sich am besten dort, wo sie sich ohne Zwang entwickelt. Ich habe einen sozialdemokratischen Kaufmann al» stellvettretenden Landrat eingesetzt, und am folgenden Tage streikten die Bauern. Ich habe einen reaktionären Landrat entfernt, unb die Folge wat, daß der Kreis nicht eine Kartoffel ablieferte." Also der preußische Minister des Innern, Herr Heine, auf dem Parteitag in Weimar. Im Rei^ttnährungs-

minifterium, wo man fo gern von der restlosen Es» fossung aller landwirtschaftlichen unb anderen Erzeug­nissen spricht, kann man vielleicht von Herrn Hei« wa» fernen. Die Zwangswirtschaft bis zu ihren äufterfte« Konsequenzen durchgeführt, mutz notwendigerweise schlletzlich ebenso scheitern wie ihre ältere Schwe» stet, bte während des Krieges das Zepter führte. Ob hinter ihr Milttarlsten oder Sozialisten stehen, macht nichts aus. Dos ganze Prinzip ist falsch und führt zum Unheil. Herr« Heines Aeutzerungen sind aber vielleicht das erste An­zeichen dafür, datz man auch im sozialistischen Feld» lager allmählich zu anderer Einsicht kommt. Auch a» bcrcs spricht dafür, dah dort fetzt manche find, bis gern bie Geister wieder bannen möchten, die ste gerufen haben.Es ist unser Glück, daß wir im Augenblick die Regierung übernehmen mutzten, wo man mit Lohnforderungen an uns herantrat, die wer nicht erfüllen können. Deutschland ist bankrott, unb der ist ein Dummkopf ober ein schamloser Demagoge, der Forderungen stellt, von denen er weitz, datz sie nicht zu erfüllen sind. Ich vermisse bei den Genossen be« Mut, di'Dinge beim rechten Namen zu u-nnen. bei sehr vielen fehlt auch bas Verständnis." So Netz sich gleich­falls in Weimar Herr Noske vernehmen, dem man, wie in manchem anderen, auch hierin zustimmen, dem man zugleich aber auch fragen darf, wer denn eigent­lich den Geist grotzgezogen hat. ber jetzt die Massen be­herrscht unb uns all dem Unheil entgegenfuhrt. Wir sollen alle Tage sparen unb brauchen alle Tage mehr.

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Der bekannte Leiter aller Nahrungsmittelorgante fationen des Verbandes der Amerikaner Hoover, bat dem Paris Vertreter der Associated Pretz fotgenbe Darlegung über die wittschaftliche Lage Europas ge­geben:Was zuuäcksst die finanziellen An« spräche Europas an die Vereinigten Staaten für bte nächste Zeit angeht, so hängen ste natürlich von bm Friedensschluss unb ber Rückkehr Europas zur Arbeit ab. Ich denke nicht, dass wir irgendwelche weiteren Kriege in Europa direkt oder indirekt finanzieren wer­den, noch dass wir unser Geld dazu hergeb-n weren. da­mit die Leute leben können, ohne zu arbeiten, oder nur bann und wann zu arbeiten, wie es jetzt In ganz Europa der Fall ist. Alle Ausreden für diese Art oon; wirtschaftlichem Delirium tremens werden mit dem Fris- ' densschlnsfe vorbei fein. Die neutralen Staate« j b finde« fich recht wohl und bedürfen keinerlei Hilfe. Auch Rumänien. Grotzserbien, Bulgarien. Arabien, bte Türkei (äusser Armeniens. Portugal. Griechenland unb Ungarn werben sich im grossen und ganzen selber helfe« können. Polen und die baltischen Staaten weben an- gefäljt ausreichend Brot, Getreide und Gemüse für ihre eigenen Völker ertrugen, aber sie werben knapp an Felten sein. Wenn fie sich Hilfsquellen besorgen süi den Wiederaufbau ihrer Wöbrung und etwas Kapital für bie Einfuhr von Rohstoffen, so datz ihre Ausfuhr triebet in Gang kommt, dann sollten ste bei einiger Sparsamkeit in wenigen Monaten ebenfalls flch selber belfen können. Ueber bie Lage Deutschlands unb j Deutschösterreichs kann man kein begründetes Urteil > abgeben, ehe bet Ftlebe unterzeichnet ist. Wte btete Staaten bte Kriegsentschäblguna befahlen unb gleich­zeitig Ktebite für Rohstoffe erlangen sollen, ist da» Problem, bas ber neue Ausschuss zu fiffen haben wirb, bet bas Höchstmass bet Wiederbetstelluw'ssumme aus ihnen hetausholen soll. Wenn biete Staaten keine Roh­stoffe unb Nahrungsmittel erholten, so werben fie nie­mals in ber Lage fein, bie Entschäblgunassummen zu zahlen. Jedenfalls darf man bte Möglichkeit nickt aus dem «uge lassen, dass 10 ober 12 Millionen ihrer Be­völkerung nach Osten ober übers Meer aus man» dem, um d m wirtschaftlichen Drucke zu entgehen, der selbst im günstigsten Falle Über sie kommen wirb.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es für bte Wieberherstellung Europas in allererster Linie auf Kredite ankommt, mit deren Hilfe es Üb-rfeessche Ein­käufe tätigen kann, und wenn eine derartige finanzielle Hilfe erfolgt, dann sollte Europa in unaefäht e-nem Jahre wieder auf eigenen Füssen stehen können. Alle»» dings mvssm bie tommenben Jahre Zeiten ber Spar­samkeit und nicht der Verschwendung sein. Ick bab» die Auffassung, dass wir etwa eine halbe Milli­arde Dollar von der amerikansschen Regierung be­nötigen, um mit den anderen Verbündet-n die Wäh­rungen der neuen Staaten wieder aufzurtckten und einige befondets ktitifcke und auf anb-rem Wege utw lösbare Fragen zu erledigen. Mag fein, dass wir «och weitere politische Revolutonen In Europa erleben, »eil bas soziale Pendel an einigen Punkten noch nick« das Gleichgewicht wiedergefund'n bat. Jedoch ist »ach meiner Ansicht die grosse Gefabr des raten Terrors und der bolschewikischen Zerstörunasvolitik^ erheblich v-'r- rlngert, und sie wird in den meisten Ländern mit dem Abschluss des Friedens völlig oer'ckn'unb-n sein. So gewaltige Aufgaben, wie wir sie während des fttfeaes ,u lösen batten, werden nicht wiebertemm-n. Aller­dings müssen bte Völker zur Arbeit zurückkebren unb für stabile Regierungen sorgen. Das Kämpfen mutz aufhören, die Abrüstung mutz eingeleitet werden, unb wir müssen verlangen, dass gegen die V-reiniaten Staa­ten keinerlei wirtschaftliche Ausnahmegesetze erlasse« werden. Kehren Arbeit und Ordnung unglücklicher« weife nicht zurück, bann wirb Europa zugrunde gehen, ohne bah wir ihm helfen können. Ein Europa, bas fo wenig arbeitet, wie cs heute ge« schieht, kann von unserem Ueberschuft nicht ernährt werden, selbst wenn jeder Amerikaner 15 Stunden am Tage ar« bettete. . ... 1: