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mV -em Kreisblat! für den Kreis Marburg

Tageszeitung für (das früher kurhefsische) Oberhessen

MM

DieOberhessische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Der Bezugspreis beträgt monatlich 1.60 M. frei in» Hau»; durch die Post 1.75 ,F. «hne Bestellgeld Bering von Dr. C. Hitzeroth.

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Marburg

Dmmtrstaq, 12 In«!

DerRnzeigenpret« beträgt fiir die 8g«f». Zeile 30 4. u. 33*/,»!. teuetun9«juf6[.. 40amtl. «. aurwiirt. 40 4 >. 25TeuetunaSzufchl. 50 Meflemexetle 1.50X Jeder «adult gilt «l» Barradatt. Bei Hutt. d. die Seschaftsst. u. Der- mittig. d.Angeb. 10 4. Sondergebiihr. Poftscheckk.: Rr. S018 AmtFrrnft.a. M.

54. Jahrg.

1919

At Willig itr StgMNWM.

Da« Mluifch-deutsche Grenzproblem. Rach -er . Neherreichung 8 Tage Frist.

wb. Paris, 11. Juni. Die Regierungschefs begannen am Dienstag mit der Prüfung der Schlußfolgerung?!!, .die die Sonderausschüsse zu r-er- Medenen Kapiteln des deutschen G egen- «Ntwurfes cingereicht haben. Am Vormittag Winde der Bericht der Sch'adeuersatzkom- ä ; gi ij {o n erörtert. Man scheint sich hier einer Sejiing zn näher», die den Vorschlägen der Sach- »chändigeu Klotz und Loucheur entspricht, die sich en die Festsetzung einer b e st i m m te n En t - [ schad igungssumme ausgesprochen haben, während di« Amerikaner verlangen, daß in dem Vertrag die Zahlung von 100 Milliarden Eoldmark festgesetzt werde.

Die Frage dec A u f n a h m e D e u t s ch l a n d s jr den Völkerbund wurde am Dienstag noch sicht erörtert. Dagegen wird fie zweifellos heute pu Sprache kommen. ClSmenceau wird mit Ent- Hiedenheit'den französischen Standpunkt veittcteit, r V-r.och die endgültige Ausnahme Deutschlands .durchaus unerwünscht-unire. Er wird betonen, kch wenigstens eine bestimmte Frist abgewartet . weiden muß, um die aufrichtige friedliche Eestn- Wug Deutschlands festzustellen. Aller Wnhrschein- lichkeit nach wird schließlich diese Ansicht durch- dringen. Hinsichtlich des polnisch-deut- z ' schr n Grenzproblems scheint eine Lösung | jevorzusteheu, wonach eine Art gemischter Bolksadstimn^ung durchgeführt werden soll.

Shm hofft, die Antwort auf die deutschen Ee- Miworschläge Freitag den 13. Juni überreichen zu finiten. Die Antwort der Verbündeten an Deutsch- : tzmd wird vsrSttssichtlkch endgültiger Natur fein, den deutschen Abgeordneten wird eine E e l e - t^nheit j|t» weiteren Erörterungen i nicht ui Uyt gegeben werden. Die deutsche Ab- £ \ »rduung wird eine Frist von 8 Tagen er- hielte«, «m nach Berlin zu fahren und sich mit der Regierung zu besprechen und sodann die Antwort ÄGebe».

New Port San meldet aus Paris, daß sich M | Nimenceau kurz und bündig weigert, seine Zu- jmnmilng dazu zu geben, daß Deutschland in den H i LSlkerbund ausgenommen wird. Dies bedeute

^veu unangenehmes Hieb für Wilson.

i l Deutschlands gutes Recht auf feine Kolonien.

wb Berlin, 11. Juni. Von zuständiger kieiie wird mitgeteikt: Ausländische Blätter be- st«) neuerdings wieder lebhaft mit der vk« den Gegnern geplanten Regelung der Kolo- R1 <t 111 <t g c. 1L n. wird behauptet, die Gegner ^eiätsichttgten zwar, Deutschland seinen gesamten Wkmiialbesitz zu nehmen, seinen Wert aber bei Dchsetzrnrg der Eittichädigungssnunne irgendwie zu ? berücksichtigen. Demgegenüber kann nur immer wieder der feste Entschluß der deutschen Re- i Wruiug betont werden, auf dem bereits des

Dereu dargelcgten Standpunkt, der dem Punkt 5- ZVilfonfchen Januarkundgebung entspricht, zu 1 Deh a r re«. Danach kann Deutschland auf j gfcFn c Kolonien weder verzichten, " j i^> v e vfcha ch e r n. In Bezug auf seine ~ -^Hnnien verlangt es nichts weiter als sein gutes H Wcht. Die Kolonien sind für das deutsche Volk z [ E x i st c n z b e d i n g u n g, da es ohne Ko- Arien nicht möglich ist, dem überschüssigen Devöl- ' ^«ngstett zu bieten, andererseits die Kräfte dieses ' Dks^kkerungsiiberfchusfes der deutsche» Wirtschaft J DWmr zu machen. Die Regierung kann auch dem * FWlchen Volk nicht zumuten, einen Friedensver- anzuerkennen, der es als nicht würdig und

«big behandelt, weiterhin an der Kulturarbeit ** deutschen Raste in Afrika und der Südsee teil- Aüchmen.

j [ wb. Paris, 11. Juni. (Reuter.) Wie ver­tret, werden die Verbündeten das Ersuchen

: Dntschlands, das Mandat über seine früheren Ro-- *»i<n zu erhalten, abkehnen.

Dch und die tleiae« Rationen gegen die Abrüstung.

wb. Amsterdam, 11. Juni. Der Pariser Drrespondent des sozialistischenDaily Herold" ^kldet: Die Drohung der kleinen Nationen, daß j * sich vom Völkerbund lossagen würden, wenn

auf der Forderung, daß auch sie abrüsten ^Eirn, bestehe, sei mit Rücksicht auf die allgemeine : 7^,9»ng zu Revolten nicht erstaunlich, und es sei Merkenswert, daß die großen Vier sofort nach­ts eben hätten. Es sei ein ofefnes Geheimnis, : die französischen Militaristen und vor allem

Erschall Jeck ganz entschieden gegen die Ver­änderung der Armee seien. Sie fürchteten, daß ^Entwaffnung Deutschlands die Anhänger der : '^Semems, Abrüstungspolitik starken würde, und

»AVVM»WWWWWMMW»MMWWW>WSSvUWWWW»MMW>WlWWWWWWWWW»V>WWWMM daß es unmöglich fein würde, dem französischen Volk die Bürde einer großen Armee aufzuerlegen, wen« die Gefahr, die von jenseits des Rheins ge­droht habe, beseitigt werde. Mit der Weigerung der kleinen Staaten, eine Einschränkung ihrer Rüstungen vorzunehmen, werde die Aussicht dafür, daß die Entwaffnung Deutschlands zu einer all- ge me i neu Abrüstung in Europa'führen würde, sehr bald verschwinden.

Ei« englischer Arbeiterführer für die deutsche« Gegenvorschläge.

tob. A in st e r d a m , 11. Juni. Wie ,^Het Volk" meldet, erklärte der englische Arbeiterführer S n o w d e'n, wenn die Verbündeten weniger da­rauf dringen würden, Rache an Deutschland zu neh­men und seinen wirtschaftlichen Untergang herbei- ufübren, müßten die deutsch"« Gegenvorschläge als Grundlage einer gerechten Neg?lnng nom - m e n werden.

* Wilsons Haltung.

wb. Amsterdam, 10. Juni. Ter Pariser Kor- respoudent derDaily News" meldet, er fei ermächtigt, der Behauptung entgegenzutreten, daß Wilson erstatt labe ,der Friedensvertrag sei vollständig in Uebereinstim- utuhfl mit seinen 14 Punkten. Wilson habe niemals weder Sffentsich noch pttvatim, irgend etwas Derartiges gesagt. Wilson sieht demnach ein, daß der Friedens- Vertrag nicht mit seinen 14 Punkten übereinstimmt.

DieDaily Mai!" meint, daß alle Versuche, bcnx Vertrag im deutschen Sinne zu mildern, an der energischen Haltung Wilsons gescheitert sind. Seitdem Wstson am 13. Dezember 1918 zum zweiten Male nach Europa kam, hat er entschieden den französischen Standpunkt vertreten. Er hat einige französische Forderungen, so in der Saarfrage gemildett, aber in der Angelegenheit Danzigs und Oberschlesiens eine schär­fere Lösung verfochten. Alle die Berichte der ame­rikanischen Winkelblätter über das Duell zwischen Wilson und (?f emtnc.fi n b-wub'n ""ch der Meinung ernsthafter Amerikaner entweder aus Mißversländnis'en oder hängen mit Svestilationen zusammen. In Deutschland glaubte man diese wilden Gerüchte und mußte so am 7. Mai eine furchtbare Enttäuschung erleben. Jetzt kann man in denselben Blättern täglich die schönsten Sensa­tionen lesen überWilsons Sichausbäumen in letzter Minute" und über beträchtliche Zugeständnisse, die bis zur Rückgabe der deutschen Kolonien an Deutschland" gehen sollen.

tu. Haag, 12. Juni. Präsident Wilson hielt sich außerhalb der Verhandlungen zwischen Lloyd George und Cl^menceau. Der Präsident hat er- klätt, er werde alle Veränderungen billigen, über die sich England und Frankreich einigen. Die Ame­rikaner bezeichnen die Krise fortdauernd als sehr ernst, umsomehr auch noch die Möglichkeit besteht, daß Deutschland nicht unterzeichnet, mit welcher Möglichkeit man früher nicht rechnete.

. Der Senat gegen die Fricdrnsbedingunge«.

mb. Washington, 11. Juni. Senator Knox brachte einen Antrag ein, in dem er erklärte, der Senat könne sich den Bestimmungen des Völker­bundvertrages nicht anschließen. Er schlage für die Unterzeichnung eine Trennung des Völker­bundsvertrages vom Friedensvertrag vor. Dies würde jedem Volke gestatten, sich seine Entscheidung über den Völkerbund ohne Nachteil vorzubehalten. Der Aittrag wurde dem Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten zur weiteren Erwägung über­wiesen.- Dem Vernehmen nach wird eine Entschlie­ßung als offizielle Mitteilung an die Friedens­konferenz beabsichtigt, nach der der Senat sich der Unterzeichnung des Fliedensvertrages in der gegen­wärtigen Fassung wieder fetzen werde.

tob. Washington, 11. Juni. Alle Sena­toren hoben ein Exemplar detz F riede n s v ert ra ges erhalten, der heute als Kongreßbericht veröffentliche und den Zeitungen rugestellt wird. Wiston hatte sich toic gemeldet, energisch gegen die Veröfsentlichnnn gewandt.

.Allgemeine Erbitterung und Müdigkeit".

wb. Rotterdam, 1L Junt. Der Korrespondent de» .Daily Telegraph" meldet: Die Lage ist beute bennrubigend, was auf die Unsicherheit und die Mißverständnisse zurückzuflihren zu fein scheint. Die Hauptursache in den augenblicklichen Berwirrungen liegt nicht so sehr in den Meinungsverschiedenheiten im Friedensvcrttag. wie in der allgemeinen Erbitte­rung und Müdigkeit. Die Elastizität der Fran­zosen scheint schließlich einer allgemeinen Unzu­friedenheit Platz z« machen. Elemenccau hat eine schlechte Presse.

Wenn die letzten Nachrichten richtig find, ist Or­lando, der bereits unter der scharfen Krittk seiner eigenen Landsleute und unter dem Rückttitt seiner Kollegen gelitten hat, kaum in einer stärkeren Stellung al» Wilson und Elemenoeau. Wir befinden uns also in der sonderbaren Lage, daß sich zwar alle nach dem Frieden in gleicher Weise sehnen, daß aber die drei Großmächte, obgleich fie, abgesehen von einem oder zwei Punkten, mit der Arbeit de» Diererate» zufrieden sind, ihre Führer, die alle Anstrengungen im Znter- efle dos Friedens gemacht haben, mit dem Sturze bedrohen.

»Echo de Pari»" übt Kritik an Lloyd George» »ideologischer Politik".

wb. Versal ll«», 11. Juni.Echo de Patts" schreibt: Hauptsächlich Lloyd George trägt die Verantwortung, wenn die schwierige Debatte der Ver­bündeten, die man seit Ueberreichung des Friedens­vertrages an Deutschland für abgeschlossen hielt, wieder eröffnet wurde. Die vorgeschlagene Volksabstimmung in Oberschlesien und die schnellere Zulaffung Deutsch­lands zum Völkerbund seien sein SEfktt Soeben er­halten wir.die letzte Nummer der den Kreisen Lloyd Georges nahestehenden englischen ZeitschriftRoiind Table, die i» einer Betradtung über den Friedensentwurf meint, er sei einerseits vom englisch - amerikanischen Idealismus eingegeb-n, andererseits bring« er Furcht und Zorn Frankreichs zum Ausdruck.Round Table" folgert, England und Amerika müßten ihren Standpunkt durch­setzen. Wir wollen die Ausdrücke nicht unterschreiben, womit die Zeitschrift den Gegensatz zwischen den Stand­punkten charakterisiert. Die Franzosen sind ebenso Idealisten wie Lloyd George und seine Freunde. T)-r Konflikt bestellt lediglich zwischen erfabrnngsgemäßer und ideologischer Politik. Ilnseren englischen Freimden raten wir, in Zukunft diese beleidigenden Ausdruck- und die überhebende Sprache zu vermeiden. Frank­reich verlor zweimal soviel Menschen als England w'il sie geopkert werden mußt n. um England zu ge statten, seine Vordereittinpen, die es allen Warmuiqen mm'Trotz nicht rechtzeitig begonneir hatte, durchzu­führen. Man könnte viel über den Anteil Lloyd Georgs an diesem Irrtum erzählen. Vom 27. 7. bis zum 2. 8. 1914 setzte Lloyd George Himmel und Erd- in Bew'guna, um Asquith daran zu hindern, Frank­reich jenes Versprechen auf Hilfe zu geben, das viel leickt die Katastrophe hindern können.

Die »erdichtenden Wirkungen, der Frizens- bedingungen.

mb. St. Germain, 10 .Juni. Nach einer Korr- B-"ro-Meldi»ng hat Staotskanzler Renner heute dem Ministerpräsidenten Clo m« nee au eine Note über­reichen lassen, in der er den Westmächten vorsteltt, dast das deutkch-öswrrttchssche Volk durch die Bedingungen her unentbehrlichsten Mittel zur Erhaltung seines tvittsckmft- sichen Lebens und zur Auftechterhaltnng der staatlichen und bür^ttichen Ordnung beraubt werde. Gegen 'breit Willen würden mehr als vier von zwanzig Mil­lionen Dentsch-Oesterreichern einer feindseligen Fremd­herrschaft unterworfen werden. Der neue Staat könnte nur ein Viertel der für seine Bevölkerung notwendigen Nahrungsmittel und anderen Erzeugnisse selbst vrodn- .icren. Er müßte jährlich 12 Millionen Tonnen Kohlen kaufen. Er könnte die notwendige Einfuhr nicht durch Ausfuhr decken, weil ihm mit den deutschen Gebieten Böhmens, Mährens und Schlesiens fast alle Erportiu- düstrien entttssen würden. Gleichzeitig würde sein Trans- nartw-sen finantHt und bftriebsstechnisch ruiniert. Mit deni Verlust der d-i!tsch-büllm''chen Bäder und Süd­tirols entliefen auch die ausländischen Zahivngsmfttel aus dem Fremdenverkehr. Die Einfuhren würden nicht zu bezahlen sein. Die Note weist ferner darauf hin, daf Deutsch-Öest-rrnck, infie^e der finanziellen Bedingungen darauf ongewiesen sej. sich soweit als möglich Nahrungs­mittel. Kohlen und andere Ware» ans den auf beut Boden der Monarchie entstandenen Staaten zn vettchaf'en, was wenigstens zum Teil durch "Ausfuhr der deut'ch-öster- reichifchen Jndustrieerzeuriiisse geschehen könne. Die neuen Staaten batten aber nach irn FriedenNedtngungen kein Bedüttms äu Verträgen mit Deutsch Oesterreich Auch eine Bezahlung d'r unentbehrlichen Erzeugnisse der neuen Staaten durch Hingabe des Deutsch-Oesterreich noch ver­bleibenden KavttalS wäre infolge der Frftdensbedinoungen undurchführbar Der Umrecknune,Schlüssel für bi- Schulden der deut'ch-öst-r-ttlbischen Staatsangebörigev' werde fu feftgefegt, daß fie ungefähr zweimal soviel bezahlen müßten, als sie tatsächlich fchufden, und zugleich würde bett neuen Staaten das Recht eingeräumt, alles Beruw-'en der <Staaisbfi';g?r. und HandelSoesellschafte' Dkutsch-Oesterr-nchs in ihren Gebieten $u beschlagnahmen

Die Note saat weiter: Diese und ähnliche Klauseln ent­sprechen der sehr sonderbaren Idee, die nämlichen Be­stimmungen, die die siegreichen Mächte einem besiegten Großstaat auferlegen wollen, auf das Verhältnis zwischen unserem neuen Staat und den anderen Teilen der frühe­ren österretchisch-ungariich'n Monarchie anznwenden. Die Entziehung de? im Gebiete der früheren Monarchie be­findlichen, fast de? ganzen Vermögens der deuisch-öster- reichtfchen Staatsbürger wäre eine Nnmöglichkeit. Da­mit würde der vollständige finanztelleZufammen- bruch des Staates herbesgefühtt werden. Die meisten Unternehmungen, deren Sitz Wien war, würden durch die Beschlagnahme ihres Vermögens in den anderen Ländern der früheren Monarchie enteignet und die Schuldenlast des überlasteten deutsch-österreichischen Staates durch die Verpstichtung, di« enteigneten Beiiller zu entschädigen, ungemein erhöbt, während Deutsch Oesterreich? finan­zielle Kräfte dztrch Enteignung des in der alten Monarchie gelegenen Vermögens 'seiner Staatsbürger vernichtet würden.

AuS den angeführten Gründen müßten die Fttedens- bedingungen sehr wesentliche und grundsätzliche Aenderun- gen erfahren, lieber die Regelung bet territorialen Fragen würden schon in den nächsten Tagen von dcutsch-öster- rtichifcher Sefte Vorschläge gemacht werden, wenn die wirtschaftlichen Artikel der Fttedensbedingunsen vorlieaes

würden. Die Note schlägt zur Entwirrung der Witt- .'chaftlichen Beziehungen bk Schaffung ritte« besondere» Ausschusses ttuier dem Vorsitz von Delegierten der ver­bündeten Großmächte vor, in dem auch Deutsch-Oestervrich Mitwirken würde. Der FttedenSschluß könnte erfolgen, ohne den Abschluß der Arbeiten biejtä Ausschusses ab­zuwarten. Die Zerstückelung und wirtschaftliche Vernich­tung Deutsch-Oesterreichs würde sich in,ihren Folgen nicht auf Deutsch-Oesterreich beschränken. - Es würde ein Poli­tikches und soziales Chaos bewirkt werden, in das un­vermeidlich die nächsten Nachbarn verstrickt werden würden und dessen finanzielle Auswirkungen unabsehbar seien. Die Note erklärt zum Schluß: Wir können vorweg keinen Zweifel lassen ,daß die derzeitige dentsch-österreichisch« Regierung, die durch sechs Monate unter den größten Anstrengungen die innere Ordnung und den äußere» Frieden des Landes auftechterhaltrn hat, für die Folgen wlcker Fried'nsb'dingnnaen eine Verantwortung zu über­nehmen n i ch t in der Lage wäre.

» »

wb. St. Germain, 10 .Mai. DaS Wiener Kor.- Vuro meldet, daß eine Reihe vou Mitgliedern der deutsch-österreichischen Abordnung vottäu- sig ihre Arbeit, beendet hat und gestern abend zurück- gekehrt sind . , .

wb. St. Germ ain, 11. Juni. Nach einer Meldung des Wiener Korresv.-Büro? beichied der Präsident der Gefangenenkommission ans der Friedenskonferenz die von General Slatin vorgetragenen Bitten betreffend schnelle Heimkehr der deutsch-österreichischen Ge- . fangenen und Entsendung von Delegationen zu den Gefangenen abschlägig. Die Heimbesürderung und die Entsendung von Delegationen sei vor Unterzeich­nung des Friedens unmöglich.

FmlkM.

Bor dem Sturz Cliimenceaus?

rob. Bern, 11. Juni. Nach demBerner Tag> Matt erwartet man in mit den französischen Der« hältnisien vertrauten Kreisen den Sturz Clömen« reaus, sofern die Beilegung der Aiisstandsberveguntz nicht gelingen sollte. Als Nachfolger wird B r t. and genannt, von dem die sofortige Freilasiurg Caillaux' angenommen wird. Aber auch Driand werde kam mehr als ein llebergangsministerium zu einem fozialiftifchen Kabinett Gall« laux Ästen könne«.

Der politisch« Eharatter der französisch«« Ausstand»« bewegunz.

wb. Amsterdam, 11. Juni. Der Pariser Korre­spondent desDaily Herold" schreibt In einer Depesche über die Ausstandsbewegung in Frankreich: Der wirtschaftliche Eharatter herrsche noch immer vor, ater die politische Seite fei doch ebenfalls von großem Interesse. Man dürfe nicht vergeßen, daß in Mailand vor ein paar Tagen Arbeiterführer aus Er '->nd, Frankreich und Italien beschlosien hätten, wenn di« Menge der Arbeiter zustimmen würd«, einen Allge­meinausstand von ein oder zwei Tage» tn beit drei Länder» als Protest gegen das Eingreifen der Ver­bündeten in Rußland auszurufen. Sie beabsichtigten in einer Woche oder in zehn Tagen eine zweite Ver­sammlung in Paris abzuhalten, in der definitive Ve- lchliiffe gefaßt werden sollten. Eine» der Ziele der jetzt streikenden französischen Metallarbeiter fei die Revi­sion de» Friedensvertrages in der Weif« daß fie mit den 14 Punkte» Wttfons in Einklang ge. bracht würden. I» der Provinz feien die politischer Schwierigkeiten offenbar «och schlimmer.

wb. Versailles, 1L Juni. Die große« Au »stände dauern in unvermindertem Umfange fort. Mehrere Straßenbahnwagen, die gestern das Depot verlaffen wollten, wurden umge- worfen und in Brand gesteckt. Die Polizei be­nimmt sich sehr zurückhaltend, sodaß nur ganz silten Zwischenfälle vorkommen.

wb. Versailles, 11. Juni. Die Consedera- tion General« du Travail und die Kartellver- bänbe der Bergleute, Matrose», Eisenbahner, Shdfenabri* ter, Tianeportarbeitfr, Metallarbeiter und Bauarbeiter haben gestern prinzipiell zum Ausstand Stellung genom­men. Da? Kattell veröffentlicht henktz eine Mitteilung, in bet es davon Kenntnis nimmt, daß die Bergleute und Seeleute den AllgemeinauSstanb aus den 16. Juni festgesetzt haben, falls bis dahin ihre Forderung nicht voll durchgeseht sei.

tob. Courbeboie, 11. Juni. (Havas) Am Dienstag hielten Ausständige zwei Straßenbahiiwaaen an und zwangen die Posiagier-, d'- ^"-gen zu verlassen. Darauf steckten sie die Wagen in Brand.

tob. Paris, 11. Juni. (SavaS.) Die allgemeine ArÄitskvmmission hat beschlossen, von der Regierung Maßnahmen gegen die allgemein« Teuerung »n ver­langen.

Dir Meuterei«« ft, Toukouf«.

wb. Bern, 1L Juni. Heber die bekannten Meu­tereien eines französischen Jnfanßdriereg,iments in Tou­louse erfährt dasBerner Tagblatt" von durchaus zu­verlässiger Seite, daß es sich i das in Toulouse stehende Infanterieregiment 283 gehandelt hat, das mit roten Fahnen die Sttaßen durchzog unter ben Rufen:Nieder mit Elementenu!"Nied« mit dem Krieg" und sich weigerte weit« Kriegs­dienste zu tun. Ein anderes Infanterieregiment, dem vom 'Armeekomando di« Entwaffnung der Meutm« a.ihefcchlen wurde, weigerte sich, dem Befehl nachs» ;