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Jettuna

Zweites Blatt

Ar. 133

Mtttwoch, 11. Juni 1919

7-en

Sicresbienft zurückbllcken, ffttui. i»i Deinen weilt!

üRalttkn.

Bon D. Reinhard Mumm, M. d. R.

' Ist «s möglich, in der Gegenwart fich ein Empfinden für einzelne Persönlichkeiten zu wahren, so soll der Name des Feldmarschalls f August v. Mackensen in der ersten Reihe stehen.

Aus Schloß Futak ist schutzlos der Willkür der Fran- «sen preisgegeben, seit der letzten ungarischen llm- 'zung selbst von jeder deutschen Zeitung ab- gefperrt der Feldherr, dessen westgalizische Durch­bruchsschlacht vom Mai 1915 gleich seinem zwei­fachen Donauübergang die Geschichte aller Leiten zu den größten strategischen Ruhmestaten rechnen wirb. Unbesiegt ward er interniert, weil er |00 000 deutsche Soldaten vor der Internierung ge­rettet hat; sich selbst mutzte er'preisgeben.

Rach feiner Abfahrt von Bukarest am 10. No­vember 1918 hatte sich das Oberkommando zunächst nach Hermannstadt in Siebenbürgen begeben, um von dort aus den Meitermarsch oder den Bahn­transport der aus Rumänien über die Karpathcn- pästc zurückflutenden Divisionen zu leiten. Schon' damals erließ der Generalfeldmarschall angesichts der unsicheren Eesamtlage einen Armeebefehl, in dem er sagte, er werde sich erst mit den Letzten pin.es Heeres in die Heimat begeben. Es gelang tu den kommenden Wochen, den größten Teil des Heeres abzurollen, während die Rumänen in Siebenbürgen, die Franzosen in Rumänien lang­em nachrückten. Das Oberkommando Mackensen ging nach Groß-Wardein; der Feldmarschall nahm ftn Palais des Erzbischofs Quartier. Als Mackensen sich. um für alle Fälle in der Rahe seiner Leute zu bleiben, nach bem Schloß Papa des Fürsten Ester- nahe bei dem Internierungslager Csot be­geben wollte, wurde er auf der Durchfahrt in Ofen« Poft gewaltsam an gehalten und in Schloß Foth, nördlich von Ofen-Pest, zunächst unter ungarischer, dann unter französischer Bewachung interniert; von dort wurde er durch die Franzosen widerrechtlich nach dem Schloß Futak bei Neusatz an der Donau , Überführt, wo er^fich noch befindet.

Bis auf geringe seinerzeit in Kronstadt und stRumänien festgehaltene Teile der Armee ist somit Keldmarschall v. Mackensen allein das Opfer seiner »ltprerißischen Pflich r a ufsassung ge­worden.

Gott gebe dem deutschen Bolk auch in der kom­menden Zeit Männer, Venen die Pflichterfüllung alles ist; Gott schenke dem^eldmarfchalll.daster.am 1. Oktober, an dein Tage, da er auf 50 Jahre

8m toi Htllfli Stiitl.

Mdn schreibt uns aus Koblenz: Es ist mit B.-ftinliut- Heit darauf zu rechnen, daß die Nordamerika»« in nächster' !Zett Europa verlaufen werden und zwar unab­hängig baooU, ob wir den Frieden unterzeichnen oder »ick't. Der Gründ hierfür sind, wir alle Amerikaner 'phne weiteres zngeben und wie mittlenveile ja euch .mit der PreOe zu ersehen ist, die sich zu'pitzenten Geg en- süue in Qstasien. Auch die Haltung Chinas und Ko.:ai. läßt darauf deuten, daß dort wichtige Entschei­dungen bevorstehe», und die nordamerikanischen Orsi- tzirre sagen selber, daß der europäische Fetdzun haute--' fäckuich als eine Vorbereitung für den nord- »nlerkkanrfch-japnnischen Krieg M betrach­te sei. Daz« kommt, daß sich das Verhältnis zwischen 1 den Franzosen und Nordamerika»«» dauernd verschlech­tert. Zu den stärker hervortretenden Rasseng-nensähen «es >llt fich die Unlust der Nordamerilaner, den Franzosen

bei der Durchführung ihrer chauvinistischen Pläne behilflich zu sein. Aus diesem immer schlechter werdenden Verhält­nis machen weder die Nordamerikaner noch die Franzosen irgend welches Hehl, nur erklären jene, ihre veränderte Stellung zu Frankreich nicht eher Sffentlich bekannt geben zu können, als sie ihre Truppen aus Frankreich zurückgezogen hätten und um ihre rückwärtigen Verbin­dungen nicht mehr besorgt zu-sei» brauchten.

Nach Abzug der Nordamerikaner w-rden die Fran­zosen das ganze bisher von diesen besetzte Gebiet, dazu einen Teil des bisherigen englischen, ausgenommen nur die Festung Köln, in Besitz nehmen. Die Absichten der Franzosen in diesem Gebiet sind, wie aus bisher zuver­lässiger stanzösischer Quelle heroorgeht, im Falle der Unterzeichnung wie der Nichtuntrrzeichnuug des Friedens die gleiche n. Auch im zupften Falle würden die Fran- zosen nicht weiter in Deutschland einrücken, höchstens das Ruhrgebiet: Frankfurt Hub Mannheim besetzen,pour marquer le coup". .

Ei» Teil der Bevölftrung wirb den Wechsel in der Besatzung mit einer gewissen Genugtuung begrüßen. Die Sympathien, die sich die Nordamerikaner bei ihrem Erscheinen zu gewinnen wußten, haben sie zum größten Teil cingcbüßt. Trotzdem sie viel kauften und gut zahl­ten, haben sie durch ihr Lockspitzcttum und ihre allzu harten Strafen die Zuneigung der Keinen und mittleren -Handelswelt verloren. Durch ihre Formlosigkeit, die teil­weise geradezu in Ungezogenheit ausartet und ihre außet- ordentlichen Ansprüche betreffs Quartier und dergleichen haben sie die gebildeten Kreise vernimmt, durch sinnlose Verwüstung von Wiesen, A-uer» und Weinbergen den Landwirt verärgert, durch ihre Roheit das einfache Bolk in eine ausgesprochnn feindliche Stimmung versetzt/ Alle Kreise leiden unter der Zun-^m; Lssentlichen Unsicherheit, namentlich ist es fast nach Ein­

bruch der Dunkelheit Frauen allein in verkehrsarmen Straßen gehen zu lassen.

Den Franzosen dagegen läuft der Ruf, entgegenkom­mend und liebenswürdig zu sein voraus. Daß dies nur in sehr beschränktem Umfang zntrifft, ist allgemein noch nicht bekannt. Namentlich erhofft das einfache Volk viel Erleichterung,durch die französische Besetzung. Aul dieser vorgefaßten Meinung der rheinischen Bevölkerung baut sich der Man der stanzösischen Regierung auf, der entsprechend - en bi°texigen Richtlinien der französischen Politik auf eine Loslösung des Rheinlande? von Deutsch­land hiuanölä'-.st und eine allmähliche Ängli'deru.nz an den Westen > rstrebt. " |-

" '-r* " ' V . .

A«; iem Reich.

wb. Berlin, 10. Juni. (Amtlich.) DasB.T." hat bericht st, daß wesentliche Aeuderungen in Aus - und Einruhr Politik »ort. K*bi-:»tt beschlossen seien, die Devisenordnnng aufgehoben und anderes mehr geändert worden fei Diese Mitreilnngen stehen mit den Tatsachen ül'Widerspruch. Der- Beschluß des Kabinetts geht dahin, daß es gruudsützlich bei der bisherigen Gin- und AustfichMaelu>ls bleibtl Moch-ms vor dtuL-.in Einzelfällen der diktatorische Ausschuß über die Ausfuhr, entscheiden. Alle Pressenachrichten über angebliche Mei- nunasäudstzungrn im ReichsnürtschaftSmiuisterium sind falsch

wb, Berlin, 7. Jutü . Bon zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Seit einigen Tagen wird »ersucht, Gerücht- von einem angeblichen Kouilikt innerhalb des Reichs­ministeriums mögtichft glaubhaft zu verbreiten. Zu diesem: Zweck ist sogar v»u einem für- w: dratsche Presse gelten­den Grundsatz abgewichen worb'.» durch die Berö'enl- lichung c>>wr Denkschrift, die nur als interner amtlicher Entwurf zu gelten batte und di- in Ausnutzung einer In­diskretion durchaus gegen den Willen ihres Urhebers zu­nächst in Bruchstücke«, dann als Ganzes abgedruckt worden ist. Innerhalb des Kabinetts hat keinen Augenblick darüber lln-ftnakeft testanden, daß die Veröffentlichung dieser Denkschrift höchst ungeeignet sein mußte, in eiiicm Zeitpunkt, d» niemand die Birtschaftsmönkkchk-'iteN Deutschlands, die wesentlich von dem Ergebnis der Fric- densvepbandlungen abhäug-n w.'roen, zu übersehen ver­mag. Das.Kabinett ist sick völlig einig tu der Auf­fassung. daß die Aufstellung eiü-.-s Wirtschaftsvrogranrms

erst nach dem Friedensschluß uröglich sein wird. Auch der Reichsminister Wissell ist dnrchauS dieser Auffas­sung. Die Gerüchte von seinem Rücktrittsgesuch ent­spreche« nicht den Tatsachen.

Für die Farbe« schwarz-weiß-rot.

Die Fraktionen der Deutschen Volkspartei In der Deutschen Nationalversammlung und der Preußischen Landesversammlung nahmen in gemein­samer Beratung folgende Entschließung an: Di« ver­einigten Frattionen der Deutsche« Bolkspartei in der Deutschen Nationalversammlung und in der Preußi­schen Landesversammlung haben mit Entrüstung davon Kenntnis genommen, daß eine aus Sozialdemo­kraten best-heitte Mehrheit im Berfasiungsausschutz der deutschen Nationalversammlung soeken beschlossen hat. unser ruhmreiches Schroarzwetzßrot nicht mehr in der deutsch«» Reichsfarbe zu fiihren. Di« Fahne, di« bei der Gründung de« Deutschen Reiches vorangetragen worden ist. di« über unserer Ktzieas- unv Handelsflotte geweht und die bis zum jetzigen Waffen- fttllstand« unser« Marin« niemals vor einem Feinve gestrichen hat, die Fahne, unter der mehr als eine Million Deutscher in Europa, Asten und Afrika in den Tod gegangen sind, soll uns jetzt genommen und damit wieder «ine Verbindung der Gegenwart und der Zu­kunft zu unserer großen Vergangenheit vernichtet wer­den. Wir w'ssen uns mit vielen Millionen Deutschen einig, wenn wir gegen diesen die national« Würde unv wichtige wirtschaftliche Interessen nicht wahrenden Beschluß scharfen Einspruch erheben und von der Nationalversammlung die Beibehaltung der Reichsfarben schwarz-weiß-rot mit Bestimmtheit «r- r.:arten. .

Massenkundgebaag d«r Unterdrückt««.

wb. Berlin, 7. Juni. Eine Massenkundgebung gegen einen Gewalt- und Schmachftieden und für einen Rechts» und Dauerftieden veranstaltete am Pfinast- sannabend die Vereinigung der vergewaltigten Völker und der Deutsche Sckutzverband für Grenz- und Aus­ländsdeutsche in der Philharmonie. Der Andrang war so gewaltig, daß eine zweite Versammlung im Abge­ordnetenhaus angesetzt werden mußte. Der ameri­kanische Oberst Elmerson führte gewissermaßen als Unbeteiligter den Barsitz. Er wies , darauf hin. daß Mehrere Millionen seiner Landsl-ute in den Vereinig­ten Staaten gegen eine Vergewaltigung anderer Völker seien. Ein Mitglied der ägyptisch'« Nationalpartei schilderte die Zustände in Aegypten. Ein Irländer be­richtete über die Auftehnung der Sinnfehler gegen die englische Herrschaft in England, wo jetzt die Republik ausgerufen worden sei. Ein Inder stelltze sich als Ver­treter des zweitgrößten Volkes der Erde vor. Ver­flucht seien alle, sagte er, die mein unglückliches Vater­land zu dem gegenwärtigen Zustand der Armut, des 5'ungers und der Seuchen herabgewürdigt haben. Darauf sprachen ein Türke, ein Perser und ein Chinese, der sich besonders gegen die Knechtung Chinas durch bjc Japaner und. Franzose» yerwohrte. Für die.durch den Versailler Frkdensvertrag vergewaltigten Einge- bsreu« der. deutschen Kolonien in Afrika sprach Sie» gierungsro* 'fie-m p c r, bet unlängst mit General v. Lettow-Vorbeck von Ostasrika nach Deutschland zu- rückgckehrt wat. Advokat Bogarts schilderte die Unter­drückung der Flamem Landgerichtsrat I tzs ch e r t pro­testiert« gegen die unerhörten Anschläge ter Franzosen auf das Saargebiet, das Rh-inland und die Pfalz. Dr. Boysen gab einen Ucberblick über hie fchlesrotg- sche Frage. Professor Hermann, Mstglied der Nationalversammlung, hielt eine Protestrede gegen den Laubraub im Osten. Zum Schluß wurde eine Ent­schließung angenommen, die als Funstpruch verbreitet werden soll und in der es u. a. heißt: Die erste seit Kriegsausbruch in Berlin tagende internationale Ver­sammlung, besucht von Tausend-» von Männern und Frauen, erhebt nach Ansprachen eines Aegnpters, Oesterreichers. Effaß-Lothringers, Inters, Irländers, Ostmarkdeutschen. Pfälzers, Saat* und Rheinländers Schleswig-Holsteiners und Flamen stürmischen Ein* spruch gegen den Gcwaltfrteden, der der Welt aufge- zwungen werden soll. Zum Heil der Menschheit for

stand darauf.

«Halt« W\ jagte et etteal hochmütig, «Aber hstrjdk Dame bineta.lstß otettex Wag« warte«.

Mitglied des Rennklubs

Hotel Wandt, Betersplatz.

War die Bereitwilliqk-it ihu in. einer Stunde zu eiupsangen, nur eine Finte, um loszukommen und aus Nimmerwiedersehen zu verschwinden?

.Hempel , war sehr geneigt, dies- gnzunehlnen. Wenn das, was Richter seiner Meinung nach auf dem Kerbholz hatte, zutraf und wenn er es war, woran Pilas auch, letzt noch nickt zweifelte, bann stand ja für de« Menschen sozusagen alles auf dem Spiel. , ,

Dann gab es nach dieser Begegnung für ihn nur eins: sofortige Flucht mit Jnstichlassung seiner Siebenfachen.

Aber das sollte ihm nicht gelingen!

Hempel hatte die beiden keine» Augenblick außer Augen gelassen.

Jetzt machte er sich daran, ihnen heimlich zu folgen. Anfangs, so lange man fich in der inneren Stadl befand, war die- leicht. Selbst wenn Richter-Lavandal sich umgesebe» hätte, würde er in dem Menschengewühl seinen Verfolger unmöglich bemerkt haben.

Aber er blickte sich nicht ein einziges Mal um. Lang­sam und immer ruhig plaudernd, schritt er mit seiner Dame durch die Kärntnerstrahe dem Opernring zu.

Dort winkt« er einen Wagen heran und stieg mit ihr ein.

Silas war hinter da» GoetHedenkrnal getreten und beobachtete ihn scharf.

Auch jetzt warf er keinen heimlisch forschende« Blick um sich, sondern plauderte harmlos lächelnd weiter.

Offenbar dachte er nicht einmal an die Möglichkeit, daß man ihnen folgen könnt«.

Selbstverständlich folgte Hempel dem Wagen m einer geschloffenen Droschke. Die Fahrt ging bis an da? Ende des Tottageviertel», wo der Wagen vor einer hübschen, flehten Villa hielt.

Dort stieg da» Paar an», und der Sm begleitete

ist meine Karte. Ich wohne iin Hotel Wandl. In einer Stunde wird es mir ein Vergnügen sein. Ihnen dort jede gewünschte Ausllärung zu geben."

Er gab der Dame den Arm. . , , ...

Komm, ma ckerie" - -' - .V

1 Sie waren vorüber. - .. i

Silas Hempel starrte' aus di« Karte: - Felix von Lavendal, Leutnants. P.

Etwa» wie eine leise Ungeduld spiegelte sich'in den JJfige« de» Herrn.

i!Sie verzeihen ich befinde mich hier in Begleitung l'Ueet Dame, da geht e» wohl nicht an, daß ich mich

^Nachdruck verboten.)

Die Erde« »o« Aenkenbrrg.

Kriminal-Roma u von Erich Ebenstein.

>- Fortsetzung. - .

» ! Wie «i» Gespenst starrte er de» ftcngen Kan» an. ,

*i .Dvttor Richter!!!" - » ' 2

Er «ußre es wohl lapt attufex bgben, denn die , Mame warf ihm einen halb erstaunten, halb mißbstligen- kn Wick »u. jf

Ihr Begleiter hatte mit keiner Wimper gezuckt. Wahr- i scheinllch wäre er ackttes an Hempel vorübergegangen, kenn die Dame- ihn nickt mit «in paar leise geflüsterten -Worten aufmerksam gemacht hätte.

' Jetzt heftete sich such fein Blick erstaunt fragend auf iPflas.Hempel. .. £ '

*Gr ist es!" dacht« dieser.Wenn auch der Schnurr­bart fehlt und seine Bewegungcy das pedantisch Ge- fette die Augen sind dieselbe«! Jetzt begreife ich ivobl, daß ich Melitta Brankow unrecht tat, als ich thr schrieb, sie müsse sich getäuscht haben. Richter sei tot.

j Kft lebt! Hier steht er ja leibhaftig vor mir!"

i Unwillkürlich war er wie eine Mauer vor de« Bestien siche« geblieben und verhinderte sie dadurch am Weiter- siehe«.

- !*'Wünschen Sie etwa» von mir, mein &err" fragte kt Begleiter der Dame nu« höflich, beinahe sanft.

Die Stimme war weicher, al» die, welch« Hempel sion dem Verhör ht der Erinnerung hatte.

x ' Aber das beirrte ihn nicht, der bem andern nur Hu r i« die Augen blickte. Alle» konnte man verändern aber diese nicht!

- Sie «raren es! Sie «raten es bestimmt!

sJa," sagte er nun,ich möchte Sie um eine Unter* tedung bitten, Herr De. Richter. E» handelt sich um silu'klärungen--"

!' betten ich natürlich mit Vergnügen bereit wäre, toen» ich Richter hieße! Die» ist nicht der Fall. W handelt sich vermuüich um eine Ähnlichkeit"

i VAber--"

Hempel benützte die Zeit und fragte ein ans der benachbarten Billa kommendes Dienstmädchen, ob sic die Dame und den Herrn vielleicht kenne?

Sie bejahte. Die Dame war eine Opernsängerin, ter Herr, welcher etwas beim Rennklub fei, ein Verehrer von ihr. Er käme saft täglich her. Dos Verhältnis dauere nun schon üb« ein Jahr «nd man behaupte allgemein, Herr vo» Lavandal würde Fräulein Lichten­berg demnächst helraftn. - ".

Hempel begriff es nicht. Schon ein Jahr? Und'er hieß wirklich Lavandal und war wirklich beim Renn­klub angestcllt? Konnte es beim möglich sein, daß er sich täuschte?

Inzwischen erschieu Herr von Lavandal wieher, bestieg seinen Wagen und fuhr fort.

... Diesmal ging c» direkt auf den Petersplatz zürn Hotel Wandl.

Fünf Minuten später ließ sich Silas Hempel unter dem NamenBruckner" bei ibm melden.

Bom Portier halte er noch erfahre«, daß Herr Lavandal seit drei Jahren im Hotel ein ständiges Quar­tier besaß, ater häusig besonders, wenn auswärts Rennen stattfanden verreist sei.

Auch im Frühjahr war er einige Monate fortgewese». Erst in Bndavest ,daun in Longchamps, zuletzt in Aix- le-Bains. Erst zum Derb» war er wicdcrgekommcn.

War er es also, oder war er es nicht? Die nächsten Minuten mußten es entscheide«.

Fiebernd vor Erregung betrat Hempel das Gemach, in dem ihm Herr von Lavandal schon mit höflichem Lächeln entgegenkam.

16.

Rehmen Sir Platz, Herr Bruckner? Nicht wahr?" sagte Lavandal liebenswürdig.

Ja," antwortete Silas Hempel kurz und bohrte seinen Blick forschend in des anderen Züge, denn es kam ihm vor, al» ob unter der glatten, sormvolleiidetcii Außenseite ein ganz leffes Flämmchen von Spott auf« gezuckt wäre bei Aennuug des Namens Bruckner

Aber er mußte sich doch wohl geirrt haben. Denn das glattrasiette j, farblose Antlitz des jungen Mannes trug keinen anderen Ausdruck, als den, konventioneller Höflichkeit.

Dari ich Sie bitten, Herr Bruckner, mich nun mit dem eigentlichen Zweck Ihre« Besuches bekannt zu machend i

betn wir alle einen Frieden be« Rechts und der Bem ständigung. Die Friebensbebingungen über das Selbfte bestimmungsrecht sind ein Hohn auf den Geist bet Wiljonschrn Grundsätze. Wir fordern das Recht oer Selbstbestimmung für alle vergewaltigten Völker un» Völkerteile und wirtschaftlichen Schutz bet Minder­heiten in allen Ländern der Welt.

Sie Leibe« bet deutsche» Kriegsgefangene«.

wb. Berlin, 8. Juni. Wie berechtigt die Pro­teste gegen die schlechte Behandlung unserer Kriegsge­fangenen in Frankreich waren, zeigt ein Brief, den ein deutscher Kriegsgefangener Mitte April aus einem Lager bei Verdun an seine Eltern richtete. Es heißt darin: Ich weiß nicht, wie ich cs machen soll, daß ich lebendig nach Hanfe komme, denn die Kerle lasten uns direkt verhungern. Es ist. traurig, daß man im 20. Jahrhundert Leute noch zu S k l a v c n macht .und sie halb verhungern läßt. Heute sind es zwei Jahr« her, daß ich in diesem Elend sitze. Zum Osterkonntag gibt es halbverfaultes Pferdefleisch und Kartoffelsuppe. Es ist darin aber gewöhnlich keine Kartoffel zu finden. Arn liebsten wäre ich tot. Vom ArbeitsvlaN sind schon nhle weggetragen und in Lazarett« geschafft worden. Dann sind sie an Unterernährung gestorben. Ich .wünscht!!, ich wäre auch soweit, denn jeder möchte gern sterben, damit er von diesem Joch befreit wäre. A« den Werktagen gebts vorn frühen Margen bi« zum späten Abend zur Arbeit. Welche Schande von solch einem Volk! Vielleicht kommt noch die Zeit, wo wir uns rächen können. Damit vergleiche man Bit Verhätschelung der Kriegsgefangenen in Deutschland.

Marb*r- rrnd Uin-e-en».

Marburg, 11. Juni.

* Unsere Versorgung mit Butter, Margarine, Speck usw. Der Arbeiterrat schreibt uns: In letzter Zeit wurden wieder lebhafte Klagen darüber geführt, daß Marburg nicht so mit Fett und sonstigen Lebensmittel beliefert wurde rote die anderen Städte. Besonders richte» dies« Klagen gegen die städtische Verwal­tung. i- Arbeiterrat sandte daher ein- Vertretung nach Go-'el, um hier einmal mit de» zuständigen Re­gierungsstellen die Angelegenheit persönlich zu be­sprechen. Diese Rücksprache hatte folgendes Ergebnis: Der Kreis Marburg kau» auf- Grund feines Viehbe­standes feinen Anspruch auf Fettbelieferung seitens auswärtiger Verwaltungsstellen machen. Er soll im Gegenteil noch 80 Ztr. Butter monatlich an die Bezirks- settstelle Casjel abliesern, liefert aber nichts ab. da di« Lieferungen der Landwirtschaft des Kreises nicht ein­mal zur ordentlichen Belieferung bas eigenen Kreises ausreicheu. SBcnn trotzdem Marburg von der Bezirks- fettstclle Cassel Margarine erhalten hat, so ist dieses nur auf di« fortgesetzten Klagen der städtischen Behör­den zurückzufiihren und indem die gelieferten Mengen widerrechtlich den Jndustrieorten der Umgebung Cassels entzogen., .würben. Der Regierungsdezernent erklirrt« unserer Vertretung, daß Marburg den Vorzug der fri­schen Butterbelieferung hätte, während z. B. Castel sich z. Zt. mit Butt« aus Heeresbeständen des vorigen Jahres zufrieden geben müßte. Es beständen ferner Aussichten, demnächst aus Holland und Dänemark grö­ßere Butterlieferungen zu erhalten; Marburg würde dann auch beliefert werden. Die Beschwerden von Mar­burg stehen übrigens nicht vereinzelt da. sondern es lie­gen bei der Regierung ganze Stoße von Anträoeu unv Beschwerden auf heisere Fettbetteferung vor. Am sel­be» Tage war wieder erst eine Zuschrift eingeggngen, welche mit der Proklamierung des Generalstreiks drohre, falls nicht sofort ein« bester« Butwrbelteferung des be­treffenden Kreises «folgte. Als unftre Vertretung ge­rade mit dem Regierunasdezernenten verhandelte, lief ein Telegramm bei Landwirte des Kreises Marburg ein, das dringnb bk Erhöhung tes Butterpreises for­derte. Wegen der Speckverßorgung liegen die Dinge so: Ausländischen Speck sollen in erster Stute die Großstabcke erhalten. Dann komme« die Ort­schaften mit vorwiegend industrieller Be­völkerung; hinunter sind die Ortscl>aften zu ver«

Gewiß. Ich bin gekommen, um Sie zu fragen, Herr von Lavandal. was Sie veranlaßte, sich vom halben April bis Ende ?Nai unter dem Namen eines Dr Richter in Graz einzumieten, nach einem im selben Haus verübten Mord zu verschwinden und sich dann am Praterspitz als Leiche-aus der Donau fischen zu lasten?"

? Wenn Hempel geglaubt hatte, seinen Gegner durch diesem plötzlichen und direkten Angriff zu überrumpeln oder nur^ans der Fassung ^zu bringen, so hatte er sich zum zweitenmal« geirrt.

4 Mchts als blankestes Erstaunen war in Herrn Lavan* dal? Gesicht zn lesen. Sein Erbleichen, nickt das leiseste Zucken irgend eines Muskels verrieten Erschrecken.

Ich glaube, Ihne« sckon gesagt zu baten, daß mir dec Name Richter gan^lick Hemd ist," sagte er dann ruhig.Mein Name ist Felix vo» Lavandal. Wenn Ihnen das Wort eines Kavaliers nicht genügt, bin ich übrigens bereit. Ihnen meine Jdcntitö: durch Doku­ment- zu beweist»."

Er trat an feinen Schreibtisch, sperrte «in Fach auf und legte verschiedene Vapi«e vor Hempel aus den

Tisch.

Hier ist mein Tauffchei» hier der Trauschein mein« Eltern, hier eine beglaubigte Kopie des meinen Vorfahren tzor zweihundert Jahren ausgestellten MelS-

dipkoms das Original befindet sich in Verwahrung des Familicnchess. Sollte« Ihnen die Papiere nicht genügen mein Gott, ich könnte fit ja auch irgendwo gestohlen haben! so kann ick Ihnen letendende Zeuge« bringen, so viele Sie wünschen. Ich glaube, es ist die» wirklich alles SRöglicke .was man ter fixen Jte« eine» wildfremden Menschen zuliebe tun kann."

Hempel, der kaum einen Blick auf die Papiere ge­worfen hatte, blickte ihn fest an.

Ja. cs ist beinahe zuviel ter Geduld, wenn man übrigens zweifle ich keinen Augenblick, daß Sie in der

Tat Herr von Lavandal sind!"

Nun also! Aber dann begreife ich nicht"

O, man kann zuweilen einen nont de guerre an- w-hmen, nicht wahr?"

Gewiß. Nur muß dazu ein Grund vorliegen!"

Sie können indesstn nicht leugnen, daß Sie in ter Zeit vom 15. April bis gegen Ende Mai nicht in Wie« waren!" sagte Hempel hartnäckig.

(Fortjetzuu» W-)