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1919

Marburg

Freitag. 6 Juni

mit dem KrcisblaL für de» Kreis Marburg

Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen

i JSOJC. Jeder Äefcett gilt >1« Varrabatt. Bei leit. >. Sie Geichattsft.». Per» mittig.d. Angel». *0 /. Sonder,ebiihr. Poftscheckk: Mr. 5C15 Amtgt^ui.o. M

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In ica Srititn

tofe Rotterdam, 5.Juni. DieTimes" meldet ,5$ Paris: In gut unterrichteten Kreisen der Konferenz jerfftutet dass ein starker Druck auf Llohd Aesrge ausgeübt werde, um die Bedingungen des kertrages mit Deutschland ad zuändern. Man rfatife, daß der Drink von drei Seiten komme: 1. hon teit Führern der Radikalen und der Arbeiterpartei, die.

Bedingungen zu-.drasti'ck fänden und fundamental «bzuSydern wtinschtMt 2. von den Finanzkreisen, die tzanu.f drängen, daß die Kriegsschuld, die Deutschland ,g Erbsen habe, eüdgrltig festgeseht werde; 3. von ein- ßuhreichen britischen Staatsmännern, die der Ansicht scke«. &s| die Unterzeichnung durch Deutschland ivohl «nige Konzessionen »vert sei und zwar wegen der gro­ße« Sch wierigkeiteu, denen die Großmächte sich gegtsfekr seben würden, falls Deutschland sich weigerte ,u überzeichnen. Es heisst, das; Llovd George unter hiche« Süwruck für einige Konzessionen «n Deutschland vagetrete» fei. Clemeneeau sträubt sich gegen jede Wärdemng. Wilson ist überzeugt, dass der Ver­zug m der vorliegenden Fassung mit den Grundsätzen von Siecht und Gerechtigkeit genau ü b e r e i n st i m m t. Orlo,Lo MI der Ansicht feig, das; die Unterzeichnung den Preis eines Kompromisses wert ist. Man beachte MionL Gattung. . m c ,

Es ist zweitel haft, ob die Antwort öer Verbuitdeten wt Ende der nächsten Woche überreicht werden fetm. DirLiberte" muß zu geben, daß die Auffassung Mchd Georges in der oberschlesischen Frage sich n i <61 wik Lkemeuccaus Ansicht decke. Eine volle baldige SmsrM», auch in den Einzelheiten, stehe vollständig außer Frage, Die Antwort werde den Deutschen eine drei- tltzis« Frist zur endgültigen Antwort eiuräumen.

Sie Prüfung der Gegenvorschläge.

toE Paris, 5. -Juni. Havas berichtet über die di»!ou«tifche Lage: Die vier Regierungssührer setzten die Llrwatung der dentjchen Gegenvorschläge insb son- >ttt in Bezug auf Oderschlesien fort. Es wurde «och teto Beschluß gefaßt, da die befragte Kommission khw Berichte noch nicht übergeben hat. Einige Teil« her Gegenvorschläge wurden 011 Sachverständige w« ckcr- träitct, die sie prüfen sollen.

Berlin, 5. Juul. Die Frage nach dem eigenb Scheu Lrheber b't deutschen GageuVorschläge wirb von Nt ,®ei1hrer BörseuMung" dahin beantwortet, daß tei Reichstabinett sämtliche Gegenvorschläge ausgestellt Pti. Das trifft auch im vollen Umfange auf die soge- «tmtfe ytontvlnote zu. In Versailles hat dann die SteDußion der Denlschrift stattgesunden.

Köln, 5. Juni. Oberbürgenneister Adenauer. Sch. Kommerzienrat Hagen, der sozialdemokratische Abgeordnete Soll mann, RegierungsprSsi kti p. Stark und der Führer des Koblenzer Zen- dmns Rechtsanwalt Lönnartz sind zu vertranlichen P^prechungen nach Versailles berufen worden uns Httrtt mittag dahin abgereift.

Unsere koloniale» Ansprüche.

mb. Berlin, 5. Juni. Ausländische Blätter mcw- b» daß man sich in den Kreisen der Gegner mit dem G-cheuken trage, bei Friedeirsschluß Deutichland seinen SftLfrikanischen Besitz zurückzugeben. 8m allen Miftverstandniff.-n vorzubeugen, sei dem. BgentiLer betont, daß die Siiickgabe Deutsch-Ostafrikas Mrst«! noch nicht diefreie, unvoreingenommene und Msliit rmparieiische-Regeluitg" nuferer kolonialen An­sprüche bedeuten würde, di« uns beim Abchlutz des »chienstuG-des durch die Annahme der siSiijmrfcheu Vaundkatze. zur'-sichert worden ist. Wenn bet Gegner Ute uns eine Sutjchadigung in der Höhe erwartet, rote sie in den de'rtscheu Gegenvorschlägen augeboten wurde, |» werden He im Friedensvertrag die Voraus- fmtznngen schaffen müssen, di« dem deutschen Volke «si die Beibringung jener Entschädigungssumme er« «ic-grichezt. Dazu gehören ausreichende koloniale Ge- tkie cfs Itiitzc für die beimische Wirtschaft als Ab- für einen Teil der Eischen B'völkerung. ter fhrderhin in Deutschland selbst keine Existenzmög- lich'r.t mehr finden wird. Die Rückerstattung Deutsch- vfürcik« kann somit nicht als eine befriedlgeiwe Re'iehmg unserer kolonialen Ansprüche angesehen »ende».

f wo. Bern, 5. Ium. Westschweizer Blätter melden «ms Paris, daß auf Grund der letzten Konferenz des Arofe» Brockdorsf-Rantzau mit dem Kolonial- «üniBtt Dr. Bell die deutschen Bevollmächtigten in Versailles neue Erklärungen Über die deutschen Kolonien abgeben werde». Diese Erklärungen erfolgen snüoeder in der Form einer Note oder als Nachtrag Str kit Gegenvorschlägen.

Die Anstcht der Rechtsparteien.

Berli«, 6.Juni. Die dcutschnationale Fraktion der Nationalversammlung fordert, daß die Nationalver­sammlung beschließe, sowohl die Friedensbedingungen kt Gegner wie die Gegenvorschläge der deutschen Regie« tettg al, unerfüllbar und nnert-räglich und als mit der Zukunft und Ehre des deutsche« Volkes Anverrtnbar abzulehnen.

Die Fraktionen der Deutschen Bolkspartei i» der Nationalversammlung und der preußischen Landesver- lammlung beschlossen zu den deutschen Gegenvorschlägen ttnstimmig eilte Erklärung, worin entrüsteter Einspruch dagegen erhoben wird, daß das Dokument weder dem kriedenvansschuß der Nationalversammlung noch der Na- Üoualvecsammlung selber vorlag. In der Erklärung terb besonders gegen die vollständige Auslieferung der Nn-zStzyttt, die Hsabmmdcrrng der HeereSkrästr auf

110O 000 Mann, den Verzicht auf die allgemeine Wehr- vslicht, die Abgabe eine» ef«fettigen Schuldbe- kenntnisse» und gegen daS Angebot von 100- liarden Entschädigungssumme aufS schärfste Verwahrung -enegelegt.

Eine skandinavische Kollektivnote gegen die Blockade.

Kopenhagen, 5. Juni. sRitzaus.) Eine fka» dtnavische Kollektivnote wurde an die verbündeten Mächte gerichtet, die darauf hinzielt, die Unzuttäglich- keit zu verhüten, die die Wiederaufnahme der Blockade gegen Deutschland bedeuten würde.

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Zwangsweise Einstellung deutscher Reichsauge* höriger in die feindlichen Armeen.

An zuständiger Stelle verlautet: Von der Grenz­wache in der neutralen Zone an der Landstraße MainzFrankfurt a. M. wurde am 22. April ein französischer Soldat auf neutralem Boden aufge­griffen und dem Abschnittskommando zu-eführt. Es fiel auf. daß er fließend Deutsch sprach. Bei sei­ner Vernehmung ergab sich, daß er Magner heißt, deutscher Staatsangehöriger ist und bis zur De­mobilmachung Soldat war. Dann wohnte er stel­lungslos bei seinen Eltern in Homburg in der Pfalz. Die Bürgermeisterei Homburg habe, wie er aussaqte, alle französisch sprechenden Einwohner namhaft machen müssen. Beim französischen Kom­mandanten sei ihm eröffnet worden, daß er als Dolmetscher verwendet werden würde. Dabei ließ der Franzose durchblicken, daß er in ein Internie­rungslager abgeschoben werde, wenn er sich weiger«. Er sei dann in Uniform gesteckt worden, da ihm sonst aus seiner Verwendung bei der französischen Armee Unannehmlichkeiten erwachsen könnten. Er aab ferner an, täglich 12 <M. Besoldung e: hasten zu haben, wovon die Hälfte für Ve"vflequng in Ab'ug gebracht würde. In gleicher Weise sollen eine Menge Elsaß-Lothringer, Pfästor und Rheinländer bei der französischen. Armee beschäftigt werden.

AMmlr ®ra| MKiO aa Mamma.

Segen die Umtriebe i« besetzte« Gebiet.

tob. Berlin, 5. Juni Nachstehende Note betref­fend die Loslösung der Rheinland« und der Pfalz, wurde unter Beifügung der Note, die Erzberger am 2. Juni an General Nudant gerichtet hatte, Clemeneeau über- reicht:

Herr Präsident! Die deutsche Delegation erhielt in den letzten Tagen sowohl durch die Presse als durch un­mittelbare Nachrichten aus Deutschland Kenntnis davon, daß in bett Rheinlandcn und in der Pfalz Bestrebungen im Gange sind zu dem Zweck, diese Gebiete vom Deutschen Reiche loszulöien und zu einer selbständigen Republik zu machen. Die Bestrebungen werden von den mili­tärischen Behörden der Okkupationsmächte nicht nur ge­duldet, sondern sogar offen nut er stützt. Deutsch Beamte, die pflichtgemäß gegen die Anstifter einichrei- ten und sie wich den bestehenden deutschen Gesetzen wegen Hochverrats zur Verantwortung ziehen, werden von den BesatzmigSbehördetz ihrerseits verfolgt und mit der Aus- iveismtg bedroht. Einzelheiten, die roegen der Absper­rung der rheinischen Gebiete von dem übrigen Deutsch­land nicht mit Genauigkeit haben narhgeprüft 'werden können, sind in bet hier abschriftlich beigefügten Rote Erzbergers an General Nudaut vom 2. Ium enthalten. Die deutsche Delegation macht die alliierten unb asfoziiet- ten Regierungen baraus aufmerksam, daß dir Duldung und Förderung von Bestrebungen, die zur Ablösung der westlichen Gebiete vom Reiche führen sollen, in hohem Maße geeignet ist, bk Verhandlungen über die Herstellung des Friedens und bk Durchführung seiner Bedingungen zu stören. Ei» solches Verhallen der Okkupotionsbehörden würde überdies in schroffem W id e r- spruch zu der Bestimmung des Artikels 5 Abs. 2 des Lsaffeninilstandsabkommens stehen, die offenbar davon ausgebk, daß die Zuständigkeit bet bisherigen Verwal­tungsbehörden dielet Gebiete unangetastet bleibt unb daß die militärische Besetzung durch die Gegner bk Zu­gehörigkeit bcr Gebiete zum Reich in keiner Weise be­rührt. Dazu kommt, daß Deutschland die Lasten, die e» int Friedensvertrag auf sich nehmen will, nur tragen kann, wenn die territorialen unb wirtschaft­lichen Unterlagen feiner finanziellen Leistungs­fähigkeit unangetastet bleiben. Es bedarf keiner Aus­führung, daß die Abtrennung von Gebieten mit so großer Bcvölkerungszabl und so hoch entwickelter Industrie wie die Rheinlande die Grundlage der deutschen Friedensangebots erschüttern müssen. Wenn also die Behörden bet Okkupationsmächte, die den Ab­fall der Rheinlande fördern, der Meinung sind, daß sie dadurch den Jntnrffen der alliierten und assoziier­ten Regierungen dienen, so vergessen sie, daß sk zwar vielleicht bett tatsächlichen Machtbereich bieser Regie­rungen für ben Augenblick vergrößern, zugleich aber bk rechtlichen Sicherheiten verringern, bk ihnen für die Durchführung der Friedensbedingungen haften sollen. Hierrmch richtet bk beutsche Friebcnsbelegaiion an bie alliierten unb assoziierten Regierungen bas nachdrück­lichste Ersuchen, bie im Vorstehenben gekennzeichneten Vor­gänge alsbalb aufzullären unb dafür Sorge tragen zu wollen, daß bk militärischen Behörden bei OkkupationS- möchte in dem Rheingedirt unverzüglich unb mit allem

Ernste auf da« Gefährliche ihre« mißleiteten polittschen Eiftr« htngewksen und äuge haltend weiden, einerseits jede Förderung een Loslösungsbestrebungen zu unter­lassen. cmbettrfrti« ben deutschen Behörden bei der psiicht- gemäßeil Bekämpfung dieser Bestreb«nsen kein Hinder­nis in bat Weg zu lege«.

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Wetter« Protestnote».

Nachdem weitere Einzelheiten über die Mitwir- !ung der Franzosen bei der Ausrufung derRhei­nischen Republik" bekannt geworden sind, hat der Reichsminister Erzberger sofort eine dritte Note durch General v. Hammerstein überreichen lassen, in der es heißt:

General Mangin in Mainz setzt die gröbsten Verletzungen des Waffenstillstandsvertrags fort. Nach glaubwürdigen Nachrichten ließ er in Mainz große Plakate des folgenden Inhalts anschlagen: ..Verschiedene Zeitungen melden, daß bie deutsche Regierung Maßnahmen gegen solche Bürget etgtei- en will, die sich für die neue Regierung erklären.

! wieset § 81 des deutschen Strafgesetzbuchs, auf den ich bie beutsche Regierung beruft, ist aufgehoben, gez. Mangin." Diese Verfügung bes Generals Mangin ist eine offenkunbige Verletzung bes Waf- enstillstanbsverttags. Alle beutfchen Behörben bes »efetzten Gebiets muffen st« als n u l l unb nich - i g betrachten, ba bie Vesatzungsbehörde nicht bas Recht hat, Bestimmungen bes bestehenben beut- chen Strafgesetzbuchs aufzuheben. Die treudeutsche Benölkerung in ben besetzten Gebieten hat für ber- artige Rechtsbrüche btt französischen Besatzungsbe-, bSrben bassslbe Gefühl bet Empörung unb Verach­tung, bas sie gegenüber bet kleinen Zahl beutfdjer Hochverräter leidenschaftlich zum Ausdruck bringt. Die deutsche Regierung erwartet, daß die verbünde­ten Regierungen dem politischen Treiben unver­antwortlicher militärischer Befehlshaber ein rasches Ende setzen, es sei denn, sie wollten die Verantwor­tung dafür auf sich nehmen, daß durch sie die von allen Völkern verworfenen Methoden bes Milita­rismus zu neuer unb brutaler Herrschaft gelangen.

wb. Darmstadt, 5.Juni. Die heffifche Regierung bat heute an den ftanzSsischen Oberbefehlshaber General Mangin in Mainz folgende Note gerichtet:

Mainzer Bürger, die anlSUich beS Streiks verhaftet unb jetzt aus Rhein-Hessen ausgewiesen worbeu sind, wür­ben von französischen Offizieren bei ihrem Verhör tät­lich mißbanbelt unb persönlich beleibigt. Gegen dieses Bersahren vrotestirre ich im Name» bcr Mensch­lichkeit! Falls Sie, Herr General, bie Tatsachen fest­zustellen geneigt sein sollten, bin ich bereit, bk Namen der Mißhandelten und Beleidigten zu Ihrer Kenntnis zu Bringen. Gegen die Ausweisung bet Bürget aus ihrer Heimat lege ich besonbers Verwahrung ein, da sie lediglich als Patrioten gehandelt haben und dafür die An­erkennung der Volksgenossen verdienen. Ullrich, Ministervräiibent.

Gleichzeitig ging in derselben Angelegenheit eine Pro- wstnote an die deutsche Wasfenstlllstaudskommission in Spa a ab.

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wb. Berlin, 5. Juni. Von den Franzosen wird -nr Unterstützung der LosreißungsbestreBungcn. in der Rheinprovinz gerüchtweise u.a. verbreitet, daß nach er» Klater Ausrufung der Republik bk Weinpreise amt- '-cb ans beit Frtebenspreis festgesetzt werben, ebenso die LebensMittelpreise unb bet Markkurs sofort auf 1,23 Mark. Die Amerikaner unb Engländer haben -ebe Förderung von Losveißungsbcstrebungcn in den von !h«n besetzten Gebieten verboten. Sk erkennen nur die jetzige deutsche Skftkntng an.

tob. Berlin, 5.Juni. Anstelle bes ausgeschie- denen Regiernngspräfibenlen in Wiesbab-m. v.Meister, bat sein gesetzlicher Stellvertreter, Oberregierungsrat Svtingorum, bie Dienstgeschäfte übernommen. Gestern fanb in Wiesbaden ein allgemeiner Protesi- russtand gegen die Ausrufung der Rbeinischen Republik statt. Gegen bk sogenannte Regierung dieser Revublik nahmen sämtliche preußischen Behörden in Wiesbaden töte unbedingt ablehnende Haltung'ein.

Abschiebung Berhasteter.

Mainz, 5. Juni. Don trn am Montag Berhafte- ten sind zehn Personen wieder fretgelasien und au» dem besetzten Gebiet abgefchobett worden. Di« Verhafteten tonten sehr schlecht behandelt worden, ve- fonb.'ts die Lehrer wurden teilweise mit Faustfchlägen und Peitscheuhieben traktiert, und sie batten Hunger zu leiden. Mehrere Dutzend Eisenbahner find gleichfalls festgenommen und werdest vor ein Kriegs, gericht gestellt. Unter den Abgeschobenen befindet sich auch bet verhaftete hessische Kammerpräsident Ade­lung.

DieRegierung Sorte»*.

Wie betFranks. Zig." mitgeteilt wird, erschien, als die Züchtigung verschiedenet Mitglieder der DortenschenRegierung" im Regierungsgebäude be­gann, auch Oberst Pineau dort. Oberregi-arungsrat Springorum, der stellvertretend« preußische Regierungs­chef, fragte den Obersten, was er nun mit bat Re­gierung Dorten beginnen soll.Das ist Ihre Sache", erwiderte Pineau,eine rein innerdeutsche An­gelegenheit. Ich selbst mische mich nicht ein. Ich bin nut für die Ruhe auf bet Straße verantwortlich". Daraufhin venmlaßte Herr Cprrngorum, daß die

Putsch« inister auf die Straße gesetzt wurden. M einigen davon geschah das recht unsanft; der Unterricht», Minister Krämer liegt mit einer Kopfwunde h» Krankenhaus. Dorten kam körperlich dabei am beste» weg. weil der Obereegterungsrat ihn persönlich hinau» befördertt. Fünf Personen, bie sich an bet Züchttgumg bet Herren besonder» intensiv beteiligt batten, würbe« tum französischem Militär verhaftet, am Abend ad« wieder fretylaReit. DerJ-sti,Minister" Eckcrmnn« wurde nicht bloß aus der Demokratischen Partei, so» beni auch aus dem Anwalt» verein ausgeschlosien. Sämtliche Richter faßten ben Beschluß, sich ebenso tme die übrige Beamtenschaft bet Dortenschen Regierung nicht unterzuordnen.

Wie dieFranks. Volksstimme" meldet, soll bet in Wiesbaden befehligende Oberst Pineau am Mittwoch den beiden sozialdemokratischen Parteien angebote« haben, an Stelle Dortens bie Regierung bet Rhetut» Ichen Republik zu übernehmen. Dem Obersten sei je­doch sogleich erwidert worden: Mit ei man Hochverrktt« verhandel« wir nicht, mtt Hochverrat haben wir ntchtg zu tun!

Protest der Parteien in Wiesbaden.

Di« Deutschnattonal« Dolksvartei, bi« Deutsche Bolkspartei, die demokratische Partei, die soziasdemo» kratische Partei und die Unabhängige sozialdemokr» tische Partei Wiesbadens veröffentlichen eine längere Erklärung, in der es am Schluffe heißt: Die erdrückende Mehrheit der Angehörigen der unterzeichneten Par­teien sprechen dem anonymen Arbeitsausschuß jedes Recht ab, im Namen bes naüattiftben Volkes ob« auch nur eines erheblichen Bruchteils zu sprechen. Eie forbern bie ftanzösisen Besatzungsbehörden auf, uittet Berufung auf wiederholte Zusagen de» Mar« schalls Foch, dafür zu sorgen, daß tot Interesse d« Aufrechterhaltung von Ruhe unb Ordnung im besetzten Gebiet und F«xnhaltung jeder Dolkserregnng diese Bo- sttebungen sofort unterdrückt und die Ruhestörer des Landes verwiesen werden. Für all« FÄge« aber, welche durch Vie bedrohliche Volkserregung in­folge bet Ausrufung bet rheinischen Republik entst-ben können, tnachen sie alle diejenigen verantwortlich^ welche diese hochverräterischen Pläne gebilligt ob« unterstützt ober gefördert haben. Dir Leitung bet Wiesbadener Zenttumspartei hat sich nicht zut llnt«, zeichming dieser Erklärung entschließen können.

Sa» rheinische Oberprüfidium.

wb. Berlin. 5. Juni. Die Meldung eo« bet Ernennung de» Abgeordneten Trimborn zum Ober» Präsidenten in Koblenz bestätigt sich nicht. Wie wir hören, wird von dem rheinischen Bau«nbund Herr v. Schorlemer-Lieser vorgeschlagen, von a» derer Sette bet Abgeordnede Moldenhauer.

M Seiiaiaeiea lir rnMMnM

In Saint-Germain hat sich da« Schauspiel von Ver­sailles ziemlich getreu wiederholt. Zwar ist der VertiagS- enttvurf, ben man der österreichischen Abordnung Über­reicht hat, noch nicht in alle« Teilen fertiggestellt, ober der Geist, der in dem Ganzen herrschen toitd. ist bis zu« letzten Hauch zu spüren. ES ist derselbe, gegen de« tott uns in VersallleS aufgebäumt haben. Der Sprech« der österreichischen Abordnung, Staatssekretär Dr.Ren­net, hat in feinet Antwort a» Clemeneeau zwei Punkt« besonders betont, bk er offenbar als em Aktiva« in bet endgültigen Abrechnung mit den Gegnern betrachtet. 6t hat hervorgehoben, daß das deutsch-österreichische Volk a« den Sünden des alten Regime« trinen Anteil habe und daß bk junge Republik Deutsch-Oesterreich sich vo« fetet Geivalttat und von jeder Krkgführung ferngehalten habe. Sk hat sich das wollte Dt. Renner damit wohl sage« jeder eigenmächtigen Wahrung ihrer Rechte enthalte«, Re hat die Tschecho-Slowakn to Deutsch-Böhmen und bk Slowenen in ben südlichen KroBändern gewähre» lassen. In der Tat, vom Standpunkt bet Wilsonfche« Politik aus ein mufkrgftltige» Berhaftrn. Zum Tanke dafür skht sich Deutsch-Oesterreich zu einem Rumpf- staat von 6 Millionen Einwohner« herabgewürdigt, d. h. um etwa «Millionen Bolksgenoffen geschwächt. Und wenn Dr. Renner bk Erwartung aussprach, daß Deuffch- Oesterrcich nach seine« ganzen Verhalten einen An­spruch darauf habe, auf gleichen Fuße mit den übrigen Reststaaten der ehemaligen Doppelmonarchic behandelt zu werden, so läßt bk Antwort, die in dem Vertragsent­wurf erteilt worden ist, an Deutlichkeit nichts zu wün­schen übrig. Sie beweist, daß die Westmächte mit Bedacht darauf ausgehen, daS deutsche Oesterreich zu verkrüvvel«, um dir übrigen Erben bet österreichisch-ungarische« Monarchie mit seinem Gut unb Blut auSzustatten und a6$urttnbfiL

Die Westmächte enthüllen in bem Bertragsenttourf. den sie in Saint-Germain überreicht haben, dasselbe nieder- ttächtige unb falsche Spiel, bas ben deutschen Illusions- Politikern in Berfaille« endlich bie Augen geöffnet bat Wik e« bei uns Anhänger und Prediger der Wilson« Polittk gegeben hat, bie alles Heil nur aus dieser Richtung erwarteten, so sind in Deutsch-Oesterreich btt Anschluß- gegner umgegangen unb haben ben Deutschen in Oester­reich Verzicht gepredigt, well nur auf bicfe Weise rät günstiger Friede zu erlangen sei. Der französische Ge­sandte saß in Wien unb ließ alle Verführungskünste spie­len. Dieses Manöver blieb schließlich auch auf bie Regicrungsvolitik in Wien nicht ohne Wirkung. ~ Ma« glaubte, baß man sich mit bei vorläufigen Unerfüllbar« feit ber Anschlußmöglichkett absinden müsse, um günstig« Friebensbebingungen für ben beutsch-Ssterrrichischcn Staat zu rette«. Mit bies« Erjoartung begab sich die ud*