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mtt dem Krcisblat! für den Kreis Marburg

Tageszeitung für (das früher kurhessische) OÜerhessen

IDieDbetheHiTdie Zeitung" erlMnt sechsmal wöchentlich. De' Sexuaipretf betrSat monatlich 1.60 X. frei in« Hau«- durch die Pop 1.75 X. «bitt Bestellgeld - Verlos »en Dr. C. Hitzeroth.

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Marburg

Mittwoch, 4 Jnni

DerRnzeigenpret» betrögt fllr dt« 8gei« 3etle 80 4 * 83*/«*1« troe«imil«wf<fiL 40 , omtl. m. «uawart. 40 4 25/, triteruna*iil4)L 60 , Meklamezeil» .50X. Jeder Rabatt gilt al, Barrabatt. Bel ®»,t. b. He Selch«ltaU. a. Bet-

«tttlg.» »nged. »0 . vondergedöhr. Peitsche«.: Mt. 6CIS Lmt Fr

54. Iahrg. 1919

brttes Blatt.

Bit flilnalae Der heeflliti Segen-

Serlflöge.

Nenderungen möglich. Wilson unnachgiebig!

wb. Amsterdam, 3. Sunt. DemAlgemeen -andelübtad- zufolge meldet der Pariser Korre­spondent derDaily Mail" bezüglich der Haltung der Verbündeten gegenüber den deutschen Gegen- Vorschlägen: Der britische Standpunkt geht dahin, daß die deutschen Gegenvorschläge für eine ge- »iffenhaste Untersuchung in Betracht kommen und datz, wenn sie in irgend einer Hinsicht als eine gute Widerlegung der Bestimmungen in dem Friedens- «ertrag» der Verbündeten angesehen werden kön- een, der Beitrag in diesem Sinne abgeändert »erden müsse Jeder Hauptteil in der deutschen Antwort wurde an eine Kommission verwiesen, die «it diesem besonderen Thema sich befaßt. Die Be- haupluwi, daß nur Einzelheiten des Vertrages für die Abänderung in Betracht kommen, ist unbe- ßründat. Jede Bedingung, bei der die Verbünde­ten zu der Ueberzeugung kommen, daß sie einer Re- »ision bedarf, kann, feien es wirtschaftliche, terri­toriale oder militärische Bedingungen, revidiert »erden.

wb. BerfaiHer, 8. Juni. Die Pariser Ausgabe derChicago Tribun«" meldet, daß auf Grund der Erörterungen des englischen Kabinetts- «1s in Paris Lloyd George eine Kampagne zu- Knste« »on Zugeständnisse« begann, um utWand per Unterzeichnung des Friedens««!- tmges zu veranlasien. Sein Plan ist, so fuhrt das Glatt ans, »on der deutschen Abordnung genau zu «fahren, wes Deutschland verlangt, bevor es zeich- Wt, und da«« von Deutschland das Versprechen zu trwirfcn, daß es unterzeichne, wenn diese Derän- derunge» vsrgenommen worden find. Lloyd George sticht augenblicklich Wilson und Tlömenceau zu Zu- ßeftSnduisse« im Vertrage zu bringen. Angefichts der ««nachgiebigen Haltung Wilsons, der kein« Veränderungen außer in den Fragen der Methode und Form vornehmen will, hat Lloyd George größere Hoffnung, TlSmenceau zu einer Re. Adler;»«- des Vertrages zu bringen. Man er« »artet, daß Belgien Frankreich folgen wird, und Arubt, daß, wenn England, Frankreich und Bel­gien einig find, Wilson ohne Schwierigkeiten ge- gsimge« werde« kann, Veränderungen am Ver­trage vorzunehmen und darin zu willigen, daß die hohe des von Deutschland zu zahlenden Gesamtbe­trages sofort festgesetzt wird. DemMatin" zu­folge, sollen vorstehende Aeußerungen derChicago Tribüne" zu weit gehen. Zwar bestehe in den radikalen Kreisen Englands eine starke Strömung, die Lloyd George zu Einzelzugeständnisien zwin­gen möchte, aber man könne nicht sagen, daß Lloyd George diesen Rate bisher gefolgt sei oder folgen »olle.

Eezbeeger Rachfolger Graf Brockdorff»?

wb. Bern, 3. Juni. DieReue Korrespon­denz" verbreitet Berliner Informationen desPe­tit Pan'flen", wonach unter dem Druck der Unab­hängigen und eines großen Teiles der öffentlichen Mkin>rng Scheidemann zu den Anhängern der lln- ierzeinnmig Übergetreten fei, d. h. die Bedingun­gen srllen angenommen werden, selbst wenn le nur wenig geändert werden. Nach Ablauf der ststzcsetzten Frist würde Graf Brockdorff-Rantzau Grrsatlles verlafien und zurücktreten. Scheidemann »Lrde sein Kabinett umgestalten und unabhängige Gvzialdenwkraten gemäßigter Richtung aufnehmen; den Poste« des Ministers des Aeußern würde Erzherger erhalten, der mit der Mission der sinterzeichnung unverzüglich nach Versailles ab- Msen würde.

Et« Eiuwarsch ««wahrscheinlich.

Elberfeld, 3.Juni. Eine au« dem besetzten Ge- dstt hier eingetrofsene Persönlichkeit hatte eine längere «uterhaltimg mit einem englischen Offizier, der rege «riehnngen zu englischen politischen Persönlichkeiten WUerhÄt. An eine Msetzung Deutschlands glaubt der ^gl-sche Offizier nicht. Nach seiner Ansicht werden die Gngläitder in den von ihnen besetztem Gebiete ver­bleiben, d« man aus gewissen Gründen die Fran- lesen und Belgier nicht weiter vormar- liieren lassen wolle. Die Amerikaner toer> abgeschoben, sie hatten bereit? in einzelnen Eistl- tfri Soldaten röte gebildet, welche kategorisch den Flotts gen Rücktransport der amerikanischen Truppen ver- We«. Deutschland besitzt nur einen wirklichen Feind,

der ist in Paris zu suchen.

Fran-eüsche Vorbereitungen.

wb. Berlin, 3. Inni. DieBerliner Bör- kknzeitnng" meldet aus Worms: Die Franzosen kefftti öftt alle Vorberciinngen zur Friedensfeier.

Am Tage der Unterzeichnung uHrb hier eine große Illumination und ein Feuerwerk auf der Rhein, brücke stattfinden. Andererseits bemekrt man Vor­bereitungen für einen etwaigen Uebergang der Truppen über den Rhein im Falle der Richtuntcr.,eichnung. Große Proviantkolonnen und Lastautos stchen abfahrtbereit an der Rhein­brücke, um die Truppen möglichst rasch auf das rechte Rheinufer zu bringen. Unter den Soldaten der Bejatzungsarmee herrscht Nervosität.

Bit FMmbkdlmm« für Benin- Stiletten.

wb. Amsterdam, 2. Juni. DerTelegraaf" veröffentlicht die in derTimes" enthaltenen Friedensbedingungen für Oesterreich, aus denen folgende Punkte nachzutragen find: In dem Frie­densvertrag stellen die verbündeten Regierungen fest, daß die österreichische Kriegführung nicht bester als die deutsche gewesen sei. Sie wollen jedoch den österreichischen Kaiser, gegen den mehr gesün­digt worden sei, als er selbst gesündigt habe, nicht. für die Sünden des Kaisers Franz Josef büßen lasten.. Oesterreich muffe über alle Personen, die sich der Verletzung der Kriegsgesetze schuldig ge­macht haben, ohne Rücksicht auf Rang und Stand zur Aburteilung ausliefern. Bei der Fest­setzung der finanziellen Bestimmungen haben die Kosten für das Desatzungsheer vor der Entschädi­gungssumme den Vorrang erhalten. Die Schaden­vergütungskommission wird den Anteil an den Kriegskosten des früheren Oesterreich für jeden der neu gegründeten Staaten festsetzen. Diese Schuld wird durch die Einkünfte aus den Bahnen und Salzbergwerken, die auf Grundlage der Ein­nahmen in de« letzten drei Jahren vor dem Krieg berechnet werden, fichergestellt. Eine Sondei- klausel sichert den Handelsweg von Oesterreich nach dem Adriatischen Meer.

wb. Wien, 8. Jnni. Da« Wiener Korresp.- Büro meldet aus Et. Germain: Nach dem Frie­densentwurf find die Grenzbestimmungen derart, daß Südtirol und die Südwestecke Kärn­ten« mit Ausnahme von Arnoldstein, Rosegg und Villach, aber einschließlich Klagenfurts und BLlker- markts sowie ganz Süd-Steiermark einschließlich Marburgs und der Stadt Radkersburg dem süd­slawischen Staate zugewiesen werden. Von Deutsch-Ungarn wird Oesterreich kein Gebiet zu- erkannt. An den tschecho-slowakischen Staat sollen nicht nur alle Teile Böhmens, Mährens und Schlesiens einschließlich des Znaimer Kreises und des Böhmerwald-Gaues abgetreten werden, sondern es wird ihm auch ein Streifen längs der March in Niederösterreich, ferner die ganze nord­östliche Ecke bei Feldsberg und ein nicht unwesent­licher Gebietsstreifen bei Gmünd zuerkannt: Die Bestimmungen über die Eisenbahnen, Wafferwege und Häfen find den deutschen Friedensbestimmun, gen nachgebildet und enthalten eine einseitige Meistbegünstigung und die Pflicht, Bahn- bauten durch die Verbündeten auf österreichischem Gebiet ausführen z« lassen.

Keine mündliche« Berhandlnnge«.

wb. Et. Germain, 3. Juni. Rach einer Havas-Meldung teilte bei der Uebergabe des Frie­densvertrages an die österreichischen Delegierten Clsmenceau mit, daß mündliche Verhand­lungen nicht stattftnden würden. Einwände müßten tnnerhald 14 Tagen eingereicht werden. Der Liererrat wird darauf schriftlich ant­worten und die Frist bestimmen, innerhalb welcher die Oesterreicher endgültig zu antworten haben.

Unerträglich «nd unerfüllbar.

wb. Berlin, 3. Juni. Der Gesandte der deutsch-österreichischen Republik, Projeffor Dr. Hartmann, sprach sich zu einem Vertreter der Deutschen Allg. Ztg." über den Auszug aus den Friedensbedingungen für Deutsch-Oesterreich u. a. dahin aus:Sie sehen mich von dem Inhalt de« Vertrages durchaus nicht überrascht. Enttäu­schung kann nur in jenen Wiener Kreise» herrschen, die aus Intereffe oder Kurzfichtigkeit sich Illu­sionen hingegeben haben. Mein Gesamturteil geht dahin: Die Bedingungen find unerträglich und undurchführbar. Eie stehe« im Ge- g e n s a tz zu dem Programm Wilson« «nd zum Geist der Geschichte. Durch die territorialen Be­stimmungen werden nicht nur 8% Millionen in einem geschloffenen Sprachgebiet Böhmens und des Sudetenlandes wohnender Deutscher ab- geschnitten, sondern auch jene Deutsche von uns getrennt, die an der Südgrenze Mährens wohnen. Dagegen wurde die historische Grenze dort nicht fe-.$HpItcn, wo es zum Nachteil der

tschechischen Republik gewesen wäre; von der Zu­teilung westungarischer Komttate -an Deutsch- Oesterreich ist natürlich jetzt keine Rede mehr. Die I tr ölet Grenze soll bis Reschenscheidegg, Vrennerpaß und Großvenediger zu Italien ge­schlagen werden, mit einem geschloffenen Sprach­gebiet von 300000Deutschen. Das Unglaub­lichste aber ist, daß, während hier im ganzen die Wafferscheiden als Grenzen angesehen werden, man dieses Dogma verleugnet, wenn ein Gewinn für Italien auf dem Spiele steht. Die einzige Bestimmung des Vertrages, die man als zugunsten wenigstens der äußeren Machtstel­lung Deutsch-Oesterreichs interpretieren könnte, ist, daß den Vorarlbergern verboten wird, das Selbstbestimmungsrecht ausznüben. Die Frage des Anschluffes an Deutschland ist in den bisher veröffentlichten Bestimmungen des Vertrages nicht behandelt. Wir werden natürlich bis zun Letzten gegen die Beschränkung unseres Selbstbeftimmungsrechts ankämpfen. Die Entente spricht absichtlich, mit einer hartnäckigen Tendenz immer von Oesterreich, statt Deutsch- Oester­reich. Sie baut darauf einen Teil ihrer finan­ziellen Pläne. Wir stehen dagegen auf dem einzig möglichen juristischen Boden, daß Deutsch-Oester- reich nicht mehr, und nicht weniger ein Sukzessions­staat der alten Monarchie ist, wie die Tschecho- Slowakei und Südslawien. Sicher ist, daß, wenn Deutsch-Oestereich so hohe Strafsummen auferlegi werden sollen, wie die Blätter gelegentlich berich­tet haben, Deutsch-Oesterreich absolut unfähig wäre, sie zu bezahlen. Zur Unmöglichkeit gehört ferner auch, daß Rußland Schadenersatz­ansprüche gegen Deutsch-Oesterreich eingeräumt werden sollen. Was wir verlangen, ist nur unsere Freiheit und unser Recht, und was wir uns ver­bitten möchten, find die unbefugten Eingriffe in unsere Freiheit und unser Recht.

tob. St. Germain, 3.Juni. StaatskanzlerRen- n e r fährt heute mit den Frieden sdelcgierten nach Oester­reich zurück.

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BItIMm InMtonWlif.

Der Widerstand der Bevölkerung. Der Druck der Franzose«.

wb. Frankfurt a. M., 3. Juni, liehet die Vorgänge in Mainz und Wiesbaden wird noch mil- geteilt: Der Protestausstand der Arbeiter und Bür­ger gegen die Ausrufung der Rheinischen Republik ist ruhig und in Ordnung verlaufen und hat bei den Franzosen einen tiefen Eindruck gemacht. Sie sind enttäuscht, daß die vcrsvrochenen 80 Pro­zent Anhänger der Rheinischen Republik nicht in Erscheinung getreten find. Regierungspräsident v. Meister wurde von dem französischen Admini­strator ersucht, seinen Abschied zurückzunehmen, was er verweigerte. Reue Maueranschläge wurden abermals abgerissen. Es wurden wieder zahlreiche Verhaftungen vorgenommen, darunter solche von höheren Schülern. Von einer Tätigkeit der neuen Regierung ist außer dem anonymen Aufruf bisher nichts zu bemerken. Der Preffe ist es verboten, Aeußerungen gegen die Re­publik zu bringen. Mangin betonte, daß er auf der Rhernischen Repubilk bestehe und stellte der Bevölkerung wesentliche Erleichterungen, nament­lich hinsichtlich der Markvaluta in Aussicht. Pi­nea u gibt bekannt, daß die Bevölkerung über die Gründung einer rheinischen Republik befragt werden solle. Auf Grund dieser Erklärung wurde der Ausstand aufgehoben.

wb. Höchst«. M., 3. Juni. Heute früh ist die gesamte Bürgerschaft geschloffen in den Abwehraus­stand gegen die republikanischen Putschversuche ein­getreten. Die Bewegung ging von der Arbeiter­schaft der Farbwerke aus, die in gewaltigem De­monstrationszuge die Stadt durchzogen. Alle Ge­schäfte und Betriebe waren im Augenblick geschlos­sen. Die französische Besatzung hielt sich in ihren Quartieren auf. Das Verhalten der deutschen Be­hörden gegen die Putschversuche der Franzosen trat mannhaft und charaktervoll.

Berlin, 8. Juni. DieVoff. Ztg." meldet über die Vorgänge in Wiesbaden, daß Herr v. Stein wieder freigelaffen wurde. Die Arbei­terführer stellten die Bedingungen: Sofortige Verhaftung des Präsidenten Dorten wegen Hochverrates, Erklärung der Besatzungsbehörde, daß fie außerhalb der Bewegung stehe, Genehmi­gung der Abhaltung öffentlicher Volksversammlun­gen. Diese Forderungen wurden abgelehnt. Der Sitz der neuen Regierung ist das Landeshaus.

wb. $ e 11 i n, 3. Juni. Der Regierungspräsi­dent vom Wiesbaden v. Meister, der zum 1. 8. seinen Abschied erbat und erhielt, wurde vom Mi­nister des Inner« schon ad L 6. beurlaubt. Seine dienstliche Tätigkeit ist bereit» beendigt.

wb. D a r m st a d t, 3. Juni. Die hessische Re, gierung hat gegen di« völkerrechtswidrige Verhaf­tung des Kammerpräsidenten Adelung und an­derer politischer Führer in Mainz eine energische Protestnote an den französischen Oberbefehlshaber General Mangin gerichtet.

wb. Mannheim, 3. Juni. In allen größe­ren Städten der Pfalz fanden gestern Nachmittag große Kundgebungen statt. In Demonstratio,«^ ziigen, an denen sich je trach der Große der betreff senden Stadt Zehntausend« von Personen, Haupt« sächlich Arbeiter, beteiligten, bekundeten die Teil­nehmer in ruhiger Haltung ihr Deutschtum und protestierten gegen die Errichtung einer selbständi­gen pfälzischen Republik. Viele Betriebe war«, geschloffen; alles verlief in Ruhe und Ord«w«t>I Heute wird überall wieder gearbeitet.

Französische Begründung des Hochverrats. EkAf endgültiges Ereignis.

wb. Berlin, 3. Juni. Von maßgebend«. Stelle wird erklärt: Tie Agentur Havas leiht, urie nicht anders zu erwarten war, den rheinischen Hoch»' Verrätern ehre tätige Mithilfe. Die Agentur tele»' graphierte am 31. Mai aus Aachen folgenden Stim­mungsbericht in die Welt:Das Volk der Rheini-! scheu Republik will sich der Verachtung ent«; ziehen, die die ganze Welt allem zuteil werde« läßt, was deutsch ist." Die Meldung der 91 gen» tut ist denn doch zu durchsichtig, als daß sie die SBtat. kung erzielen könnte, die von ihr beabsichtigt ist.

wb. V e t s a i l l e s, 3. Juni. Die austufintg' der Rheinischen Republik beschäftigt die gesamt» Abendpreffe, die das Ereignis freudig begrüßt. Der' Temps" behauptet, daß die Ausrufung keineswegs auf eine künstliche Zerstückelung Deutschlands hin- ziele. Es handele sich lediglich darum, daß die rhei« nifche Bevölkerung der preußischen Herrschaft ent­rinnen wolle, ohne ihr deutsches Vaterland zu ver» leugnen. Deutschland erhalte so innerlich ein besse­res Gleichgewicht, und dem Frieden werde eint neue Bürgschaft gebracht. Uebrigens seien die (Et«; eigniffe im Rheinland nut die Durchführung dein Programms bei deutschen Regierung, das Preuße im Januar formulierte. Aber diese «e» türliche Entwicklung ererge die Führer in Berti«,! die heute schon ihren damailgen Standpuntt ver» j geffen hätten. DerIntransigeant" glaubt, daß durch die Proklamation alle deutschen Racheplän« hinfällig werden. Es handle sich um ein end­gültiges Ereignis. Das Rheinland sei auf 15 Jahre besetzt, und in 15 Jahren werde es für Deutschland zu spät sein, die deutsche Einheit wieder herzu stellen.

Staatspräsident" Dr. Dorten.

wb. Berlin, 4. Juni. Am Dienstag nach­mittag fand im Abgeordneteichaufe abermals ein» Aussprache der Abgeordneten der besetzten Gebiet» über die durch die letzten Vorgänge im Rheinland geschaffene Lage statt. Von den dabei gemacht« Mitteilungen waren diejenigen von besonderem Intereffe, die sich mit der Person des Dr. Dort« | beschäftigten. Aus ihnen ging hervor, daß Dort« ' sich schon im Februar um die Verfolgung bet Bt- j sttebungen bemühte, bie jetzt mit bet Ausruf« ng bet rheinischen Republik zutage treten. Bezeich« nenb ist, daß et sich damals in Mainz als Ver» tretet des Oberbürgermeisters Adenauer vor« stellte, um sich einzuführen. Auf eine Anfrage i« Köln teilte Oberbürgermeister Adenauer mit, daß er Dr. Dorten überhaupt nicht kenne. Dasselbt Spiel trieb Dorten in Wiesbaden dem dortig« Oberbürgermeister gegenüber, wurde aber eben« falls sofort durchschaut. Damals schon wurde fest­gestellt, daß Dr. Dorten im Besitz eine« von der i besetzenden Macht ausgestellten Paffe« war, der ihm freie Ein- und Ausreise ins besetzte Ge­biet sowie jede Bewegungsfreiheit zusicherte. Ei« solcher Paß konnte nur einem Agenten aus« gestellt werden. Damit durfte die Persönlichkeit des Dr. Dorten genügend gekennzeichnet fein. lieber die Lage in Mainz wurde mitgeteilt, daß die Vertreter der Regierung des Dr. Dorten dort nicht ben geringsten Rückhalt haben. In SJlaiiq ebenso wie in Köln werbe die Ausrufung bet rheinischen Republik nicht tragisch genommen. Auch in Köln verhält sich die Bevölkerung ihr - gegenüber unbedingt ablehnend.

Wie eine Korrespondenz mitteilt, handelt es sich bet dem Staatsanwalt Dorten um einen hochgradig nervöse« Menschen, der kaum als geistig vollwertig zu bezeichnen ist Bis »um Sommer 1914 war Dorten, der 1880 zu Enden ich im Rheinland geboren ist, Staatsanwalt in Düsseldorf und wurde kurz vor Kriegsausbruch aui seine, eigenen Antrag nach Berlin verletzt. Er trat aber feix Amt nicht an, sondern tat bis zum November 1918 Dienst bei einem Generalkommando. Schon während des Krieges hotte er wiederholt Urlaub genommen zur Wiederherstellung seiner stark angegriffenen Nerven, und nach seiner Entlassung cu5 dem Heeresdienst begab er sich zur Kur nach Wiesbaden, von wo er um einen länger« , Urlaub zur Beruhigung seiner Nertzen nachjuchte. SMj