.UM
54. Itchrg.
1919
Marbnrq
Momaq. 19 Mai
Die „Obetbeffifdie 3 e i t u n q" erWint wichrntlich. — De-
„e;»s,vrei, beträgt wwnatlt» 1.35 X. sre, .»« H°u, (durch die Poft »h« Bestellgeld). — verleg eon Dr. L. Hitzeroth. Merkt 1111X.
Ferekerecher 55.
mit dem Krcisblat! für den Kreis Marburg
Tageszeitung für (das früher kurheffifche) OSerheffen
Der Rnrrigeneret, beträgt für die 8;»1w Zeil» 25 4O*i. teueren u«utt<tL
=.85 arntl u eutroätt. So ». 50-/, AFuerenaszuntzl. »5 , Aeklemezrile 30X 3e6et Äabett gilt eit Berradatt. — Bei «uek. d. dt,«»ichäit»ll e. Ver. mtttlg" i. Ungeb.» 4. Sondergebäbr. - PostjchetN.: Rr. 5C15 »mt Statttt.«. U(.
W hwllit Siete Met die MWe».
g,f. Versailles. 18. Mai. Dem Präsi- deeten der Friedenskonferenz, Cl^menceau, wurde ßeate folgende Note des Reichsministers Grafen Krockdorff-Rantzan übergeben:
11 Präsident! Seit mehr als 200 Jahren deutsche Missionare beider christlichen Kon- Wonr« in allen Erdteilen sich der religiös:n, sitt- sichen und wirtschaftlichen Hebung der Bevölkerung i Diese vielversprechende Entwicklung
j S-8 man jäh abbrechen. In der Tat, wenn der Artikel 438 zur Ausführung gelangen sollte, so Dtzrdcn die deutschen Missionen aus allen ih-en Arbeitsfeldern, mit Ausnahme des holländischen J Kolonialreichs, gewaltsam verdrängt. Sie würden ihrer wshkerworbenen Rechte beraubt und aus A ihrer Wirksamkeit gestoßen, für die sie sich beson- , -betM vorbe reffet und ausgebildet haben. Aber es steht mehr auf dem Spiele. Mehr als IV2. Mil- liLuen Tanfbe oerber ud Schüler aller Rasten würde» ihre geistigen Führer verlieren und in die : ' kefahr des Rück'-stes geraten. Vergleicht man d n Artiiel 438 des Friedensentwurfs mit den Be- stimmungen der Kongoakte, die den Schuh und die Freiheit der Missionen gewährleistet, so erke-nt man mit Be^ürzrrng, in welchem E-ade die Rechts- lagc der christlichen Missionen verschlechtert und das Vertrauen in ibre Tätigkeit vermindert wi-d, z »enn man aus politischen Gründen ih-en supra- »atisnalen Charakter antastet. Die Missionen der
: Alker, die von den verbündeten Regierungen ver- ■ treten, werden, haben, wie die deutsche Delegation Dgem anerkennt, Hervorragendes und Vorbildliches Wtzeleistrt.' Die deutsche Delegation vermag daher glicht zu glauben, daß diese Regierungen sich der WWq»»vi«re«den Folgen bewußt sind, die der Ar- Uiikel 498 nach sich ziehen müßte. Jedenfalls findet Mir deutsche Regiewing die Zumutung, den Artikel Mihrerfttts anzunehmen, mit ihrer Würde Wnicht vereinbar. Zu den Bedingungen, die Jdazr; bestimmt scheinen, die Wiede aussöhnnng der U Pölker vielmehr zu verhindern als anzubahnen, i gehört der Artikel 438. besten u'h»ikvolle Fo'gen
«sch siek Jahre zu spüren sein würden. Um dffs i M verhüten, empsffhlt die deu'sche Delegation.
einen gemischten Ausschuß von Sachverständig-« : emzufetzeu, der den Auftrag hätte, niündlich zu er- 8tiem, In welcher Weife d'e Wi'k'mgen des Bffff- ' F kkieges auf die christliche Mission am zweck- " näfttgsten geregelt würden.
Line deutsche "lote über das Saargebiet.
U/b. Paris, 18. Mai. Eine weitere Note des Grafen Drockdorff-Rantzau betreffend das Saar- becken schlagt verschiedene Kombinationen vor, nach weichen Deutschland sich an der Ausbeutung eben- i fEs beteiligen würde.
Eins weitere deutsche Note betreffend die ^Deutschen im Ausland wurde heute Cio- übergeben.
(Segen Brockdorffs Roten.
vv. Bersailles, 17. Mai. Einige Blätter neh- - heute sehr scharf Stellung gegen Brockdorffs Rotm, «NneniNL gegen seine Ausführungen zur Frag« der berqntwsrtung für den Krieg. Der „Figaro" erklärt, «ich heute müöe man erklären, daß man das neue Deutfch- jü; mitschuldig halte, diejenigen, die heute i Frieden täten, seien genau dieselben, die ffüher «lieg gesShrt hätten. Die „Mctoire" schreibt: Wenn F ^esrr WUssn-Friedeii den Deutschen nicht patzt, so stel- f att ihnen den Llämenceau-Frieden mit ; **ei Örteren Bestimmungen zur Verfügung.
Der „Temps" schreibt: Deuffchland erleide heute die Wirkung der verfehlten Helfferichschm Finanzpolitik, die eine ungeheure Maste künstlichen Kapital» ge- Aaffen sei und deutsches Geld ins Ausland abwandere, «e Lebensmittelkrste komme daher, daß die wichtigsten ^«dwirtschaftl!Ü)en Arbeiten vernachlässigt würden und £®6e Strecken unbebaut blieben und wieder versumpf- Die Wtrtickaftskrise komme daher, dah der Marris- in Deutschland am Ruder sei und sein« Früchte t$a9e, dah die Bergleute streikten und all« *e6te!ne Arbeitsscheu herrsche. Statt z* stöh- ^kv. täte Deutschland besser daran zu arbeite«. Sein wird niemanden überzeugen, solang« es selbst o->ge satoriert.
Brockdorff und Deruburg in Spaa.
wb. Berlin. 17. Mai. Die von einem Leip« ^Stt Blatt gebrachte Nachricht von einem bevor- i Wetchen Rücktritt de» Grafen Brockdorff« F Jtnh<i ist im vollen Umfang ««zutreffend. ’M Brockdorff ist heute nach Spaa abgereist, um *tt mit dem Reichsminister Dr. Dernbnrg zu« l^lmenzutreffen. Er wird am Montag wieder : Bx «Heikles zurückkehren. Wie das W. T. B.
: erWhrt, haben die Besprechungen des Gra-
Brvckdorff mit dem Reichsminister Deruburg Zweck, eine persönliche Fühlungnahme zwischen ’S dsttsch^v Abordnung und der Berliner Regie
rung herzustellen. Eine Reise nach Berlin ist un- mögttch, weil die Hin- und Rücksah t mehrere Tage n Anspruch nehmen mürbe und die Anwesenheit des Grafen Brockdorff in Versailles wegen des baldigen Ablaufs der Frist für die Ueberreichnng der deutschen Gegenvorschläge unbedingt notwendig ist.
Noch keine Veröffentlichung der Friedens» bedingungeu in Frankreich.
wb. Paris, 18. Mai. (Havas.) Der-Viererrat beschloß, mit de- Veröffentlichung des Friedensvertrages mit Deutschland einstweilen noch zu warten.
Der „Matin" glaubt, daß Lloyd George seine drei Kollegen davor, überzeugt bat, daß es unangebracht sei, den Wortlaut des Vert-ags veröffentlichen zu lasten, Harne er mebar ttrfp'-^i^ret no-'- ratifiziert sei. Ferner meldet der ,.Matin". dast der Kammerpräsident Deschanel brieflich ersucht worden sei, im Lesezimmer der Kammer auch fernerhin deutsche Zeitungen ausliegen zu lassen, da ihre Lektüre die einzige Wö-ffichkeit biete, den Srie« Ser^rertrng kennen zu lernen.
Der „Don Soir" ist wegen De' öffentlichung einzelner Teile des Vertrag"? in Paris beschlagnahmt worden. Die parlamentarischen Kreise drängen weiter auf Bekanntgabe des Wortlautes.
Der Schiffsraub.
wb. London, 17. Mai. sReuter.f Die „Daily News" meldet aus Paris: Es ist fetzt befchlosien. daß die in amerikanischen Häsen belchlagnahmten deutschen Schiffe amerikanisches Eigentum bleiben. — Bisher hieß es, die deutschen Schiffe blieben deutsches Eigentum und würden nur für Rechnung der Verbündeten fahren. Herr Erz- berger hat Zweifel in dieser Hinsicht immer sehr energisch zurückgewiesen. Was wird er jetzt sagen?
Flume.
wb. Amsterdam, 17. Mai. Der Pariser Korrespondent des „Telegraaf" erfährt fetzt von unterrichteter Seite, daß die Frage von Fiume so gelöst worden sei, daß die Stadt Italien gegeben wurde, das durch einen Staatsvertrag die Benutzung des Hafens den Südslawen überläßt
wb. Paris, 18. Mai. (Havas.) „Journal des D^bats" meldet, Orlando und Trumbitsch hätten zusammen unter Vermittlung der Amerikaner das italienisch-südslawische Problem erörtert. Die Beratungen ergaben keine Einigung. Die beiden Parteien erhoben gegen die Internationalisierung der Stadt Fiume keine grundsätzlichen Bedenken. Italien hält sich an den Londoner Vertrag und er- klärt si-b eirre'-rtrt-bcn mit der Internationalisierung des südslawischen Teiles von Dalmatien, während die Südslawen eine Lösung nach dem Lon« doner Vertrag grundsätzlich verwerfen urtb für jede umstrittene Stadt eine besondere Abstimmung for« dern. Italien bekämpfte sowohl diesen Vorschlag wie auch den, der diese Gebiete unter die Obhut des Völkerbundes bringen will, der später nach Befragung der Bevölkerung darüber zu entscheiden hätte.
Die Eeldforderung au Oesterreich.
wb. P a r i 3, 18. Mai. (Reuter.) Eine Be« ftimmung im Friedensvertrag bezüglich der Forderungen an Oesterreich sieht die Be-ahlung einer Entschädigung von 5 Milliarden Mark in Gold vor.
Die Ueberreichnng des Slertrages wird voraussichtlich am Freitag oder Sonnabend stattfinden.
wb. Wien, 18. Mai. Als Vertreter des Für- sirntums Liechtenstein bei den Frieden sverhand- lunzen begibt sich am Montag Prinz Franz von Liechtenstein, ein Bruder be8 regierenden Fürsten, nach St. Germain.
Wilson bereut die Entscheidung ht der Brenner« Frage.
wb. Bern, 18. Mai. Wie da» „Journal be Gendve" erfährt, hat Wilson die Brenner Grenze Italien versprochen, ohne die Frage vorher gründlich geprüft z« haben, so daß er fetzt die schwerwiegende Entscheidung aufrichtig bereut
eine englische Stimme für de« «nschiutz Deutsch-Oesterreich».
wb. Amsterdam, 17. Mai. Die .Westminster Gazette" schreibt: E» sei nicht verständig, die Bee« einigung Deutsch-Oestrereich, mit Deuffchlmch zu oct- hindern, wenn Deutsch-Oesterreich sie wolle. Die geringe Vergrößerung de» deutschen Gebiete» würde jede» fall» die kleinere Gefahr sein al, das «erbot be» 3* . sammenschluste». der ein Dorn hn Fleisch tieiben «nb mtt dem Grundsatz be» Selbstbestimnurngvrecht» unvereinbar sein würde.
Italienische «-»Hebung in Dentsch^rel.
wb. Wien. 16. Mat. An» dem besetzte« Deuchch Südtirol kommt die Rachrfcht, daß die Italiener die Jahrgänge 1895, 1896 und 1897 der wehrfähigen deutschen Mannschaft zum Militärdienst einberufen habe«. Wer bjm Befehl nicht Folge leistet wird von den Karabinieri geholt infolgedessen fUächten niti<
Wehrfähige über die Demarkationslinie nach Deutsch- Oesterreich.
Amerikanische Presiearteile.
wb. Berlin, 17. Mai. Die englische Presse gib' einige a-rerikanische Preffestirnrnen über die Friedens -edingnngen wiever: Der „Newyork Sun" schreibt' ..Man muß sich fragen, ob die Besiimmungen fid iuch auf das ungeborene Geschlecht erstrecken dür fen, — das Recht, die Sünden der Väter an den Andern Heimzusuchen, ist bisher kein Prinzip der Pölitz gewesen." ZweifelanderDurchsührbarke>t einer Strafe durch Generationen finden sich in Auf- iätzen der konservativen Presse. Das „Journal 0' Sommerte" sagt, der Vertrag sei hart, um Deutsch 'anb vielleicht auf Generationen hinaus zu verkrüppeln. Die „Tribüne" schreidt, D-utschlani werde wir<n"aftlich in Fesiein gelegt, vorausnesetzt daß die Verbündeien Ausdauer und Kraft hätten die Durchführung des Bertrames auf 3° bis 40 Jahr ’.u er-winaen. Einige der offiziösen Blätter der un- "g-ueiffchen Lisa von Rord-Dakota b-?ei'b"en b*’" Vertrag als schauert iche Versklavung der 'Demokratie. Wilson kehre nicht als der g'ö^te Mann der Geschichte, sondern gebrochen und diskredi tiert zurück. Liberale Blätter vertreten die Ansicht hast der Ver'rag Ursache zu s 0 r t g e s e tz t e m S t r e i i in Europa gäbe, da der Frieden keine Elemente de? Dauer in sich schlösse und Wege für den ungezügelte!' Imperialismus in Asien und Afrika eröffne, das er im schärfsten Widerspruch stehe zu den Idealen die Wilson gepredigt habe und dal es für Amerika ein Wahnsinn sei, sich am Völkerbünde zu beteiligen, weil er nur einen solchen G e° waltsrieden decken solle. Wilsons Ansehen sei schwer, möglicherweise dauernd beeinträchtigt.
Angesichts dieser Presiestimrnen ist es kein Wunder, wenn, wie „New Vork World" meldet, Wilson bei seiner Rückkehr, nach Amerika öffentlich erklären will, daß er den Wunfch hube^.N i ch t wiederge- wählt zu wreden. "
Da« auszezwungene Geschenk.
wb. Kopenhagen, 17. Mai. Bei der gestrigen Wahlversammlung der Nadikalen in Aott.org hielt der Verteidigungsminister Wunsch eine Rede über dir von den Verbündet n festgesetzte Abstimmung in den drei Zonen Schleswigs. Man dürfe sich nicht der Tat lache verschliefen, daß die Bestimmungen des Vertragsentwürfe» über die Wünsche Dänemarks hinausgingen. da auch eine Abstimmung verlangt werde in einem köebiet, das nach Sprache und Gesinnung rein deutsch sei. Dies« Bedingungen enthielten die grösste Gefahr für die Zukunft Dänemarks. „Wenn wir", sagte der Minister, „300 000 deutsche Einwohner bekommen. würde Dänemark ein geteilter Staat werden. Wir können an einer solchen Regelung nicht teilnehmen."
Mm rt'fW.
t* Berlin, 17. Mai. Die französische u^b die englische Preffe sind zur Zeit gespickt mit Nachrichten über allerlei militärische Vorbereitungen für den Fall der Verweigerung der Unterzeichnung der Friedensbedingungen durch die Deutschen. Man teilt alle möglichen Einzelheiten mit, die dazu bestimmt sind, einen Druck auf Deutschland auszu- Lben. Vom militä stschen Standpunkte aus möae es völlig dahingestellt fein, ob di« Gegner in der Tat weiter in deutsches Land vorzurücken die Absicht haben. Manche Gründe sprechen dafür, viele aber auch dagegen. Es ist gewiß von besonderem Reize, namentlich für die Franzosen und Engländer, der großen Industriezentren, insbesondere des Ruhrkohlenreviers, habhaft zu werden. Daß aber die Gegner zu einer Besetzung von ganz Deutschland schreiten würden, darf als ausgeschlossen gelten. Eher würde damit zu rechnen sein, daß die Verbündeten den eisernen Gürtel bis zum Ruhrrevier vortragen und ihn dort gegenüber dem übrigen Deutschland massieren würden. Das Hauptdruck- und Drohmittel ist jedoch nicht so sehr der Hinweis auf die kriegstechnische Ueberlegenhcit, als darauf, daß bei Richtunterzeichnung des Ver- failler Friedensvertrages die Blockade in ihrer schärfsten Form wieder in Kraft gesetzt wird. Die neue Absperrung von jeglicher Zufuhr würde allerdings die furchtbare Wirkung der Hungerpeitsch« für das ohstehtn schon ausgesogene und gequälte Volk bedeuten. Menschen und Maffen, die vom Hunger gepeinigt sind, sind zu allem fähig. Die Knut«, die gegen unser Volk angewandt werden soll und von unbarmherzigen Gegnern auch im gegebenen Falle ohne weiteres angewandt wird, darf tm» aber trotz allem nicht vor entmenschten Feinden um dem Pret» der Vernichtung unserer nationalen und wirtschaftlichen Eristenz auf die Kni« zwingen.
* n
md. Rottberdam, 17. Mat. Dem „Rieuwe Rotterdamschen Searont" zufolge Veröffentlicht die „RewrfThmj" eine Unterredung mit Lrzberger, der fegst, daß M< deutsche Regierung diesen Frieden»- verlang »tchtz «nterzeich«, wert«, ^iewgett
World" veröffentlicht eine Unterredung ihre, Korrespondenten mit dem Fürsten L i ch n 0 w! i y. der d«M Friednsvertrag schmählich nannte und erklärte^ d»e nähme müsse unfehlbar zum Bolsch wismu» führen. 6» sei ein großer Fehler, den Kaiser zum Märtyrer zu machen.
—— *--
MWr MW Mr dir Wns-
wb. B e r l i n, 17. Mai. Nach Eröffnung de» Fiiedensausschusics durch Präsident Fehrenbach erstattete Reichsjustizminister Landsberg und Reichspostminister Eiesberts Bericht über den Zerlauf der Verhandiu"a'Ni in V"iaill^s. Nach ihnen nimmt Reichswirtschaftsminister W i s s e 11 7u längeren Ausführungen über die Wirkung der F'iedensbedingungen auf unsere wirtschaftliche Lage das Wort. Der Minister führte u. a. au,: Das deutsche Volk hat in seiner übergroßen Mehrheit geglaubt, daß den von Wilson ausgestellten Grundsätzen enffprechend die Fnedensbcdingungea sein würden. In diesem Sinne hat es den Waffenstillstand angeboten. Wie ihn die Gegner sich denken. wissen wir nun. Wir haben nur unsere Arbeitskraft, die müßen wir betätigen können unter Bedingungen, die den Arbeitenden auch Freude an der Arbeit und am Leben laßen. Das deutsche Wirtsck)aftsleben wird erwürgt, das deutsche Volk zu einer Fron verureilt, die sich erstrecken soll auf unsere Kinder bis ins vierte Elied. Nach dem Friedensvertrag verlieren wir 60,8 Millionen Tonnen Kohlen jährlich. Die künftigen Förderung»« verhältn'ße sind aber mit denen in der Kriegszeit nicht zu vergleichen. Wir haben im ersten Vierteljahr 1919 rund 20,3 Millionen Tonnen in Deutschland gefördert, auf mehr als 70 P ozenl der Frie»^ dencftrrderung werden wir nicht rechnen könne«. Ein SteiKn cher Kchlenförderu-g du ch Vergröße. rung der Belegschaften ist nicht öhrre werteres denkbar. Weckn wir auch noch die geforderte Auslandskohle an die Ententeländer liefern sollen, so ergibt das einen Fehlbetrag von 48,3 Millionen Tonnen oder 50 Prozent des Inlandsbedarfs. Bei Einschränkung der Inlandsvers"'g'.i"g um eine derartige Menge müßte das deutsche Wirtschaftsleben selbstverständlich zusammenbrechen. Der Minister wies dann nach, wie stark der Ausfall an landwirtschaftlichen und tierischen Erzevgnißen sei« würde. Mit der unbedingten Abtretung werde« von unseren Staatswaldungen 547 ha hn Werte von fast drei Milliarden Ec'.dmark gefordert, an sonstigen Waldbeständen eine M.ll.on Hektar im Werte von Zs/. Milliarden Goldmark, also nahezu l%3Rißlotten Hektar im Werte von ft't 6V2 Milliarden Mark. Durch Volksabstimmungen können uns weiter entrißen werden im ganzen 412 000 ha im Werte von 1,7 Milliarden Goldmark. Was eine solche Dezimierung-unseres Fortbestandes für Gegenwart und Zukunft bedeutet, braucht mit keinem Wort weiter erklärt zu werden. Wie steht es mit den Schiffen? Nach den Forderimgen, wie sie vorliegen, würden wir 1236 Schiffe mit 5 542 383 Bruttotonnen abliefern müßen und behielten nur 585176 Bruttotonnen. Besonders schwer trifft uns die vollständige Ablieferung der fahrbereiten Fi scheret flotte, die den Ausfall ungemein wichtiger Lebensmittelzufuhren wie auch die Erweiterung der Arbeitslosigkeit bedeuten würde. Nicht weniger als 64 900 deutsche Seeleute würden brotlos gemacht. Die Hauptwaßerwege Deutschlands sollen internationalisiert werden. Alle diese Verpflichtungen aber stellen nur einen kleinen Teil dessen dar. was Deutschland in finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht an die Gegner abliefern soll. Man fordert 20 Milliarden Mark in Gold und weitere 40 Milliarden Gold in Schuldverschreibungen. Sobald wie eine zu diesem Zweck eingesetzte interalliiette Kommission die Ueberzeugung gewinnt, daß Deutschland die Zinsen und Tilgungsraten für weitere 40 Milliarden Gold sicher ausbringen kann, sollen auch dafür Schuldverschreibungen ausgegeben werden. Wir werden unter der größtenEtuerla st leben müßen, di» je ein Volk zu tragen hatte. Uns aber zuzumute«, daß wir unsere eigenen Anleihen notleidend wer-, de« laßen, übersteigt die Grenzen alle» deßen, wa» man erwarten konnte. Die Nichtbezahlung der Ztn-^ sen der Kriegsanleihen würde unzählige Heine. Rentner, Witwen und Arbeiter ihrer Spargroschen berauben, neue Unruhen und schwere Erschütterun«' gen unseres Wirtschaftslebens würden uns an den Rand be» Abgrundes bringen. Das, was uns di»! Entente auferlegt, kann kein Volk erfülle«, solche Bedingungen ehrlich zu erfüllen,, kann sich nie* mand verpflichtet, das bedeutet die wirtschaftlich», Erdrosselung Deutschlands, in die etnpm’ willigen ein Verbrechen an Kindern und Kinde»; kinvern ist. ....................... . ,_.J