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Marburg
Montag. 12 Mai
Dänemark kommen aus wirtschaftlichen Gründen, wenn sie auch einer anderen Nation angehören.
Holland will den Kaiser ausliefern?
tob. London, 11. Mai. (Reuter.) Die „National News" meldet aus dem Haag: Die hollän drsche Regierung hat beschlossen, den früheren Deut-
Kaiser auszuliefern.
Die „Kreuzztg." sagt: Unterschreiben wir die Friedcnsbedinqungen, die der Verband uns auserlegen will, was heute im Gefolge der „Freiheit auch der ..Vorwärts" bereits für das Klügste erklärt, so kann man zweifelhaft sein, ob es dann nicht besser wäre, nnsere Unabhängigkeit völlig aufzugeben und uns von Beauftragten des Verbandes regt e r e n zu lassen. Wir glauben wenigstens nicht, daß irgend eine deutsche Regierung den Mut haben tvird, die Erfüllung der Verpflichtungen zu versprechen, die der Entwurf des Friedeusuertrag-s enthält.
Ein Appell an die Internationale.
Berlin. 10. Mai. Im „Vorwärts" wendet sich der Vorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands an die Sozialisten aller Länder: Der Versailler (Entwarf hat die schlimmsten Erwartungen der Friedensfreunde aller Länder übertroffen. Der Gewaltfrieden, der uns aufgezwungen werden soll, ist die beste Rechtfertigung der Haltung der deutschen Sozialdemokratie zur Landcsnerteidipung. Wir wußten immer, was dem deutschen Volke drohen würde, wenn die Kapitalisten der Entente ihm den Frieden diktieren würden. Der Siegesfrieden der Gegner trifft die deutsche Republik mitten ins Herz. Er trägt den Keim zu neuen Kriegen in sich. Er bedeutet das Todesurteil einer geordneten Volkswirtschaft. Der deutsche Arbeiter wird auf ewige Zeiten versklavt. Den Nutzen davon hätten nur die Kapitalisten der an- deren Länder. Der Friedensvorschlag ist der reine Hohn auf di« 14 Punkte Wilsons. Will die sozialistisch« Intrrnattonat« ihre Stimme gegen einen Gewattfriede» so laut erheben, daß in den sieg- reichen Länder» die Machthaber von heute auf sie höre» müssen? Wir erwarte» es; aber es ist die hllchste Helt.
mit dem Krcisblat! für den KrclS Marburg
Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen
tob. Versailler, 10. Mai. Die französisch! Stesse behandelt die Erklärungen Fehrenb ach», cheidemanns im Fricdensaussckuß, EbertS Ausruf an das Deutsche Volt und die deutschen Blätterstimmen über den Vertragsentwurf in dem Sinn«, daß Deutschland eigentlich nicht über zu harte Bedingungen llagen dürfe, da sie noch viel schärfer hätten ausfallen können. TA „Mann" me.nt, Scheidemanns Klage, daß nur Deutschland entwaffnet würde, fei absurd, denn die Verbündtten Btt* pstichtetcn sich im BSlkerbundsvertrag, ihre Streid«
Mettel»; Mmrl auf die Wen Wen.
Anregungen praktischer Art" zugestanden.
tob. Versailles, 11. Mai. Dir Note bet deutsche-« Friedensabordnuug über die allgemeine Leurleilimg des Friedeiisentwutfes wurde durch klsmeireeas am 10. Mai mit folgender Note beantwortet:
„Herr Präsident! Die Vertreter der verbündeten Mächte haben von der Note Kenntnis genommen, die Bemerkungen der deutschen Bevollmächtigten zum Text der Friedensbedingungen enthält. Fi! Beantwortung dieser Mitteilung möchten Sie die deutsche Abordnung daran erinnern, daß sie sich hei der Festsetzung der Vertragsbestimmungen ständig von den Grundsätzen haben leiten lasten, nach denen der Waffenstillstand und die Friedensver- handluntzen vo-gefchlagen worden sind. Die Vertreter der verbündeten Möchte können keinerlei k Erörterung »n ihrer Rechte zulafsen, die r grundsätzlichen Bestimmungen des Friedens, fs wie st«, st« festgesetzt haben, ausrechtzuerhalten. Eie können nur Anregungen x r a k ist s ch e r Art in Erwägung ziehen, K die die'deutschen Bevollmächtigten ihnen etwa zu unterbreite» haben."
Diese Rote enthält, obwohl sie formell jede grundsätzliche Erörterinrg des Friedensentwurfes abzulehuen scheint, tatsächlich eine erneute Festlegung ans dt« Bereinbarungen vom 5. Oktober bis November »origen Jahres. Außerdem legt sie praktische Borschläge zu Verhandlungen über die einzelne» Kapitel des Friedensentwurfes nahe. Daß wlche Verhandlungen beabsichtigt sind, ergibt sich auch aus der Tatsache, daß die Gegner am 10. *" Mai euec grStzere Anzahl von Druckschriften unserer Vorschläge zum Völkerbund und zum Arbeiter- | recht erbeten haben. — Ob diese optimistische Auf- s frslune berechtigt ist, bleibt abzuwatten.
' Aus die Rote über de» Völkerbund hat El- menrea« geantwortet:
„Herr Vorsitzender! Ich habe die Ehre, Ihnen r den Empfang des deutschen Entwurfes eines Völkerbundes zu bestätigen. Der Entwurf wird der pstaudig«» Kommission, die durch die verbündeten • Mächte gebildet ist, übermittelt werden. Die deut- sch-n Delegierten werden.durch eine neue Prüfung der Volke.bnudsatzungen feststellen können, daß die Frage der Zulassung neuer Mitglieder fit diesen kmid nicht übersehen, sondern ausdrücklich im - Absatz des 1. Artikels vorgesehen ist."
Diese Antwort umgeht den Kernpunkt Unserer Frage, die sich darauf bezog, daß Deutschland eine Bunbessatzuug als Teil des Eesamtver- trages Unterzeichnen fall, obwohl es weder als ur- s?rü- gl-ches, nock als eingeladenes Mitglied dem Bunde ar.gebört.
5» Ausführung der in der ersten Antwort ent- hairencn A»sforderung werden heute praktische Fragen und Bemerkungen übergeben werden, die dvf die territorialen Abtretungen Be- haben.
Fanzöfisch« Befriedigung über Me Haltung der Um* hängigen.
wb. Versailles, 10. Mat. In der Pariser Presse verrät sich immer deutlicher die Absicht, die deut- scheu KundgebunAcn zu den Ftiedensbebingungen einfach als Manöver zu behandeln, das die Blätter mit höhnischen Worten abtun zu können glauben, „Jour/A des Debats" sagt, die Verbündeten müßten von dem deutschem Staatsgläubiger bezahlt werden, das sei eine einfache Gerechtigkeit. Vier Jahre lang, sagt da, Blatt, haben die Deutschen von eroberter oder gestohlener Beute gelebt, jetzt sollen sie schien. Mögen sie protestieren und hoffen, aber sie sollen zahlen. Aehnlich« (bebauten finden sich im „Ternps", bet mit Befriedigung bervorhebt. dah bk unateänatge Sozialdemokratie bereit sei, denFrieben um jede» Preis zu unterzeichnen und die Hoffnung verspottet, die manche auf eine Spaltung der Verbündeten oder auf die Erhebung der Sozia- listen in allen Ländern oder auf di« Unbob Mäßigkeit bet Armeen der Verbündeten wegen bet hinausgezögerten Demobilisation zu sehen scheinen. Deutschland habe die Lektionen de» Krieges noch nicht begriffen, es ist noch nicht fähig, anständig fein«» Platz unter den Nationen einzunehmen.
Die Beh*«dk«ng der deutsche« Gegenvorschläge.
roh. Versailles, 10. Mai. Wie das „Iour- 86berichtet, nehmen die Verbündete» für dis j j .Rnstuug dcr deutschen (Segenvorschläge folgendes ' Erfahren an: die deutschen Vorschläge werden den ^'ständigen Ausschüssen überwiesen, diese werden ihre Schlußfolgerungen formulieren und an den Bktmat senden, der darüber entscheidet, in wieweit den Schlußfolgerungen stattgegeben werden H. Kemesfalls tarnt die Erörterung verlängert Decde«, dt« Deutschen weiden die letzten Be- Ichlüffr der Sieger anzunehmen haben.
Rückkehr deutscher Vertrr er aus Berfailles.
wb. Versailles, 9. Mai. (Havas.) Sechs Mitglieder der deutschen Abordnung find nach Ber- abgereist, unter ihnen Herr Lothringer der „Neuen Berliner Zeitung", Stampfer Vorwärts" und der Sekretär des Grafen * Brockdorff-Rantzau, ferner Cahen, der frühere Korrespondent der „Frankfurter Zeitung" in Ko- siEuhggtzy Man nimmt an, daß diese Journalisten ^neu Ptesiefeldzug einleiten müsien, andererseits : acht weitere Deutsche in Versailles eingetros-
sämtlich Mitglieder der Wirtschaftskommission *•; Spaa und des Finanzausschusses in Plesfis- «illette.
,Die »«ertkMtische Melduttg von der bevor- /rhendon Abreise der deutschen Abordnung trifft . - "'cht zu. «8t einige Mitglieder der Abordnung Serben zwecks Besprechungen nach Berlin reifen;
- । Ar« Landsberg und Eiesberts
«vwi- di-AAtcheiterführer Legten sind bereits auf
Fiume.
wb. Parts, 10. Mai. Orlando und Sonnino kamen nach Paris unter dem Eindruck zurück, daß die Frage von Fiume durch ein Kompromiß geregelt werbe, bas Italien bett Besitz Fiumes nach einer Frist sichre, mährend bereit die Stadt von bet Gesellschaft der Nationen verwaltet werbe. Wilson hat bas Kompromiß aber nicht angenommen.
Belgien gegen die neue« deutschen Farben.
wb. Versailles, 10. Mai. Hymans brachte im Dreierrat einen neuen Protest ein gegen die Absicht der bentjchen Regierung die gleichen Farben wie die belgischen, nämlich rat-gelb-schwarz, zu wählen. Die dcuHche Regierung stütze ihre Absicht auf die Tatsache daß wiest Farben 1848 gewählt tyirben, aber das belgische Volk Wolle nicht dulden, daß feine Angreifer von 1914 ihm diese Farben tauben. Der belgische Prot.st verlangt, daß die neuen deutschen Farben nicht anerkannt werden.
Belgisch« Straf an ttä^e gegen deutsche Generale.
tu. Versailles, tl. Mai. Die „Chicago Tribüne" teilt mit, baß der Sekretär ber belgifüzen Abordnung erklärt habe, Belgien wolle Gerechtigkeit. Es verlange di« Einleitung eines Verfahrens gegen General e. Manteuffel wegen bet Zerstörung Löwen», gegen Abmiral Schröder wegen ber Er- mordung Fryatt» und gegen General Sauber« zweig wegen bet Ermordung ber Frl. Covell.
Da» unerwünscht« Geschenk für Dänemark.
wb. Kopenhagen, 10. Mai. Die Bestimmung bet Friedenskonferenz, daß in Schleswig auf rein deutschem Gebiet noch eine dritte Adstimmungszone geschaffen werden soll, beschäftigt die hiesigen politischen Kreise und ble Press« tn höchste» Maß«. Am Montag wirb der Reichstag zur Beratung der durch die Destim» mungen bet Friedenskonferenz geschaffenen Lage eine Geheimsitzung abhalten. An» allen veröffentlichten Er. klörungen politischer und anderer hervotragender Per. sönlichkeiten geht mit größter Klarheit hervor, daß der größte Teil des dänischen Volke» in dies« Frage geschlossen hinter der Regierung und dem Reichstag steht. Dem Vertreter de» dänischen nordschleswigschne Blatte» „Danevitke" erklärte Ministerpräsident Zahle: 8Btr erstreben den dänischen 3latiaaalftaat Wir wünschen alle Dänen vereinigt, aber wtt wünschen nur den Anschluß von solchen, di« dänisch sind ans lleberzeugung unb von Setzen. E?:r woöca nich!, bssi feste etier
dem Wege dahin. Eros Brockdorff wird nach beendeter Prüfung des Vertrages folgen.
Die Aufnahme der Rede Graf Brockdorffs.
tob. Bern, 10. Mai. In der Schweiz werden lange Londoner «und Pariser Telegramm- verbreitet, wonach Lloyd. George, Balfour und Wilson von der .siede des Grafen Brockdorfs den schlechtesten Eindruck erhalten hätten und teilweise ihre Mihbllligung nich: hätteu zurnckhalteu können. Lloyd C'xrjrge habe nach dcr Vreckdorfsrede diese als „D u m m h e i t" bezeichnet, ebenso habe Wilson erklärt: „Weich' dumme Rede!"
tob. Paris, 11. Mai. Die „Liberte" bestätigt, daß die Rede Graf Vrcckdorfs-Ranf aus bei den Konferenzteilnehmern den gegenteiligen Eindruck hervorge- rnfen habe, als Brockdorsf-Rantzau crwarlete. Balfour flüsterte seinem Nachbar zu: „Wie lächerlich!" Wilson erklärte, er habe noch nichts Stupideres gehött.
Der Sekretär Wilsons glaubt, daß Wilson Europa zwischen dem 8. Juni und. 15. Juni wird verlassen können.
Die kolonialen Fragen.
wb. Berlin, 10. Mai. Auf Anforderung der F: iedensabordnung in Versailles begaben sich der ^w weruenr Haber (Deutsch-Neuguinea) und als kolonialer Sachverständiger Senator Strandes aus Hamburg zur Bearbeitung des in Versailles rrrliege-idon Materials nach dort.
Im Reichskolonialministerium trat ein besonderer Ausschuß kolonialer Sachverständiger zu einer Beratung zusammen.
tu. Versailles, 11. Mai. Dem „Temps" zu. folge ist man Llereingekommen, bas künftige Schicksal Kameruns und Togos von England und Frankreich allein bestimmen zu lasten. Frantteich soll von Kamerun Fiinsiechstel bekommen, die mit seiner Nachbarkolonie vereinigt werden sollen.
Der Schachet um Deulsch-Ostafrika.
wb. Paris, 10. Mai. (Havas.) Die belgische Abordnung veröffentlicht folgende Note: Hymans wurde em Freitag zu Wilson gebeten, wo er vor dem Viererrat die Anrechte Belgiens auf Deulsch-Ostafrika in Erinnerung brachte. Im Anschluß an diese Unterredung hat Lloyd George den englischen Kolonial- minifter Lord Milner nach Pari» berufen. Nach der Ankunft des Ministers wirb b!e Angelegenheit bcs Mandats über Deutsch-Ostafrika einer erneuten Prüfung unterzogen werden.
China will nicht unterzeichnen.
wb. Peking, 10. Mai. (Reuter.) China hat seine Delegierten in Paris beauftragt, einen Frieden, der Japan die deutschen Rechte an Schantung zugestcht, nicht zu unterzeichnen. Es wurde beschlossen, im ganzen Lande Protestversammlungen zu organisieren und den fremden Gesandtschaften mitzuteilen, daß bas chinesische Volk keine internationalen Einrichtungen anerkennen werde, die die Souverän itätsrechte Chinas beeinträchtigen.
Mit otonttilttr Mikk.
tob. Amsterdam, 10. Mai. Wie der „Tele- zraaf" aus London meldet, schreibt die „Westminster Gazette", die verhältnismäßig kleine Aenderung in der Tarte Deutschlands sei in Wirklichkeit gewaltig. Die ganze toirtschastliche Struktur werde dadurch 6er» ändert. Die Verbündeten müßten bedenken, daß sie Schadenvergütungen erhielten von einem Deutschland, das seiner toichtigstenHilfsquellenberaubt sei. Deutschland werde geltend machen, daß eS in seiner veränderten Lage keine Schadenvergütungen zahlen kann.
Versailles, 10. Mai. Im „Populaire* führt Longuet au8: Dcr Vertrag entwickelt und vermehrt die früheren Konfliktsgründe uub schasst deren sogar neue. Niemals wurden die Nechtsgrundfätz« derart heuchlerisch verletzt. Die verbündeien Regierungen behandeln die Völker wie Vieh oder T a u s ch w a r e. Zwischen den 14 Punkten Wilsons und gewissen Bedingungen, die Rantzau übe'-gchen sind, bestehen allzu krasse Gegensätze. Die Neber- nahme der Verwaltung des Saaroebiets im Namen des Völkerbundes fann morgen der Keim eines Weltkonfliktes sein, die polnische Herrschaft in Danzig, selbst unter dem Völkerbund, erscheint eine Ungeheuerlichkeit vom Standpunkt des Völkerrechtes. Ein Ra nbderdeutschcn Kolonien wäre ein schwerer Fehler vom Standpunkt der gewöhnlichen Politik. Der Sozialistenführer Sem bat schreibt in der „Heur e", daß die Nichtunterzeichnung und das darauffolgende französische Einrücken in Deutschland schwere Gefahren bringen würde, weil die Franzosen nicht mehr kämpfen wollen. „Glaubt man vielleicht, daß das französische Volk vor Freude Hüpfen würde bei dem Gedanken, aus Berlin zu marschieren? Niemals! Für unser Volk ist der Krieg beendet. Versucht nicht, es nochmals unter die Waffen zu rufen, und haltet nicht diejenigen zu lange zurück, die ihr noch behaltet. Ihr würdet lleberraschun- gen erleben." - -
Die „H um anite" erklärt- Derttschland wird kein« Armee mehr haben, aber in Frankreich sind nicht IV« Millionen gefallen, um die zukünftige französisch« Generation auf ewig zu verurteilen, die Uniform tragen.
tob. Bern, 10. Mai. Die Mailänder Blätter bezweifeln, daß die Versailler Präliminarien einen dauerhaften Frieden bringen. „(Sortiert della Ser a" erklärt, daß zwar einige Verletzungen des NationalitätenvrirzirS infolge Mangels natürlicher Grenzen nicht zu vermeiden gewesen feien, aber andere sehr wohl hätten vermieden werden können. Die Zukunft Europas werde sich beruhigender gestalten, wenn die Verbündeten die Kraft gesunden hätten, ihre Begierden und Leidenschaften, insbesondere das Verlangen nach Rache zu meistern. Der „Secolo" wendet sich offen gegen die Bestimmungen angesichts ber be- drohlichen politischen Ereignisse der letzten Monate. Mit ihrer willkürlichen Angliederung gewisser Gebietsteile und der veralteten Berufung auf strategische Notwendigkeiten müsse sich die Zukunft der ganzen Menschheit qualvoll gestalten. Da die Präliminarien nicht mit den wirtschaftlichen Gemeininteressen aller Kulturvölker zu vereinbaren seien, wird der Friede nur die Erzwingung von Verschiebungen bedeuten, die vielleicht niemals innegehalten werden können. Der Attikel über Oesterreich bedeute eine Verletzung der Rechte Oesterreichs und Italiens. Auch ber „Sortiere d'Jtalia" und „Epoca" mißbilligen die Klausel übet Oesterreich.
Unterzeichnet nicht!
Im Gegensatz zu der bisher nicht ausgesprochen ablehnenden Stellungnahme des „B o r w ä r t 8" schreibt dessen Hauptschriftleiter Stampfer nach sei- feiner Rückkehr aus Baris: Ich komme aus Versailles, wo wir Frieden gesucht und Krieg gefunden haben. Das undefinierbare Druckerzeugnis, das sie uns zu- stellten, ist kein Friedensinstrument. Es ist nur der Ausdruck ihrer unerbittlichen Willens, den Vernichtungskrieg gegen da? deutsche V"lk mit andern Mitteln fortzufübren. Unterzeichnen wir, so st-ben wir n->r einem neuen Kanitel des Weltkriegs. An die Stelle der brüllenden Vernichtung wird die sckckeichend- hthn, die Jahrzehnte dauern kann. Unterzeichnen wir nicht, so stehen wir vor dem kürzeren Kamnf, der uns UnkergMg nber Rett au geringen muß. Der Gegner wird verfluchen, einzelne Teile Deutschlands zu besetzen uifb den Rest durch Hunger zur Uebergobe zn nötigen. Wir müssen ihn zwingen, ganze Arbeit zu zu tun. Er soll sich genötigt sehen, ganz Deutsch land zu besetzen und es zur Kolonie seines sogenannten Völkerbundes zu machen. Wir wollen dann zusehen, wie lange seine äußere und innere Geschlossenheit vorhäll; wenn cs Jahre dauctt, wir dürftn nicht weich werden. Wir haben das heldenmütige Beispiel des kleinen Belgien nnmillelbar vor uns, das in ähnlichen Verhältnissen vier Jahre lang ausgeb alten hat. Was Belgien konnte, müssen wir auch können. Den einzelnen ist es erlaubt, jetzt schon den verantwortlichen Männern zuzurnfen: „Unterzeichnet nichts" und seinen Volksgenossen zu lagen: „Haltet Euch bereit, das Schtverste zu ertragen, das je einem Volk beschieden war!" Man wird auf- horchen in Irland, Aegypten, in Indien und in den arbeitenden Klassen aller Länder der Welt. Man wird in den Vereinigten Staaten Mrechnung hallen mit jenem sonderbaren Nachfolger Washingtons, der nach Europa gekommen ist, um die Freiheit zu verkünden, der zurückkehrt, nachdem er geholfen hatte, die Menschenrechte abzuschafsen. Es wird kein kurzer und leichter Kampf seim Glaubt nicht an Wunder! Verlaßt Euch nicht ausdieHilfederfran- z ö s i s ch e n Sozialisten, die sich in entscheidender Stunde weder groß noch stark gezeigt haben. Werdet nicht kleinmütig, wenn oer erhoffte Erfolg auf sich warten läßt, sondern verharrt in unerschöpflicher Geduld und in unerschütterlicher Zuversicht.
Es gab viele Deutsche, die nicht erst jetzt, sondern von Anfang an den Krieg als de» i'i '-krieg ge-ze.? das deutsche Tolk" erkannt und gewarnt haben, sich auf die Sozialisten bet feindlichen Länder zu verlassen. Sie wurden ibcr als „Kriegshetzer", „Kriegsverlängerer" und „Reaktionäre" geschmäht. Jetzt, nachdem es zu spät ist, kommen die deutschen Sozialdemokraten zu derselben Auftastung, die die „Alldeutschen", „Junker" usw. schon immer vertreten haben.
Die „Oberhessische Zslltunq" erscheint sechsmal wöchentlich. — Der
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Der Anzeigenpreis beträgt fätdieSgel» Zelle 25 V«. 40*1. TeummqiiufchL, ri
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