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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

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Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberhessen

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DieOberbesf'lcke Zeitung" ericheint iech«m»l wöckenllich. 3k« Bezua«»rei« betrügt monatlich 1.35 X. ft« in« Hau« (durch die Poft «h« Vefiellgtld). Verl«- von Dr. L. Hitzerottz. M«tt 21/3». Zrrns^ech« 55.

Marburg

Mittwoch. 2 April

Der Anzeigen»»!» betrügt fti die Sgel» Zeile 20 1. u 60*1, ftru«jur<fL, emtl auuwart. #. Sammelanz. 30 «. 33 V,/, Krieg»?' hl. NtN«M«ieile 1.20JI. Zeder Äebett gilt «l» Barrabatt. Bei Auskunft ;e Gezchättall. u. Vermittlung der>ngrb»te M ^.S«n»ergebLhr. Pestschee" ite: 51t 5016 AmtFr«nkf.«. M.

54. Jahrg.

1919

Krites Blatt.

6ar ihe». WolsShausen, gibt (n den hiesigen Zei- stlnge» Mewnt. baß auf de« Bürgermeisterämtern Listen ß«*triM6rrfiäru nqen in de» SHtifdkn Bauernverein MlSlikM». Hit warnen hierdurch die Herren Vürge«»«ister, solche Listen anzunebmen »ud fie |»t Ein Zeichnung auSzulrgen. In den heutigen a"sg-regten Zeiten sind alle AmtSbe- .rde» zur strengsten Neutralität ver- pf l t ck 1 r t. Behörden, die reaktionäre und antircvolutio- zäre Bestrebungen unterstützen, können nicht gednldet treibe», ie fie dem Bolschewismus in die Arme arbeiten. Wir werbe» ihre sofortige Amtsenthebung bet der Regie- tua» fcHWitm«». Aus der Gründungsv^rsammlnng de^ tzefsische» Bauernvereins geht aber hervor, baß fick hiefer fe dem vorher erwähnten Sinne zu betätigen HtdeuA. Wir bitten um Mitteilung von Fällen, in fenttt Mr Herren Bürgermeister die erforderliche Neu- AalstM richt wahren.

6* den Arbeiter- u. Soldaten-Rgt Marburg: Poersch.

ne» i »i gEggna»

Iraite Krise in Mmmit.

SMtrttt Amerika« mb der Friedenskonferenz?

Rotterdam. 1. April. Dem ..Nieuwe Rotterdam- sthrn 6«ienrt" zufolge meldet derDaily Telegraph" «t« Wewwerf, baß der Korresnond-nt der ..New Bor' kimes^ M der Frittienskonferenz seinem Blatte mitt-ilt tiß Hwrrile sich möolichertveis« von der FriedenS- nf«Te6 »urick ziehe. Der Auszug seines Tele- (tiMBl hautet: Wenn die Zustände auf der FrftdenS- frnfemi nicht besser werden, ist eS wahrscheinlich, daß hie WeA ehr große Sensation erleben wird. An Wirk- lichte« *»> die Sipungen des Rates der Bier ait< «ine» toten Punkt angenommen. Die ganze letzt- Dkoche 5»rm als verschwendet angesehen werden? Western Nt tattüchllih eine Krise eingetreten. Die Lage hat kick verschlimmert, statt verbessert. Inzwischen sei die Paar Osteurova« so schleckt gewmcken, baß manches Volk, kta das cS bei den Berhand.»ngen gehe, zweifle, ob die Verbündete» dieser Lage Herr werden könne». Wahr­heit fei. daß die Lage auf der Friedenskonferenz ernst ÖL Wenn nicht bald Aendcrung zum Guten eintrrte. sKnnteu Aufsehen erregende Dinge eintreten.

De»Aieuwe Rotterdamschen Courant" zufolge mel­detDakkst Chrouicle". daß die Frage der Wiedergut- »achun- eines der größten Hindernisse für den Frieden fei. Ma» ist der Meinung, daß, wenn die Franzosen der amenkankschen Methode, wie die die Wiedergutmachung 'ircfffTibrn Fragen gelöst werden sollen, beivstichten. -n -n fugen könne, daß der Friede beinahe in Sicht sei örit gestern sei jedoch die ganze Lage verändert. Di' Franzosen hätten den Standpunkt eingenommen, baß g«nze Saartal Frankreich als Teilentschädi- " für die von den Deutschen zerstörten ftanzösi- » a ffobl-nbergwrrke abgerreten werden müsse. Es angenommen, daß sowohl Wilson als auch Llovd ^orge dagegen protestiert haben. Der amerika- Arsche Etmckpunkt ist der» daß die Berbündctrn sich zu dem Prinztzi bekannt haben, daß V-öiker ntcht ver­teilt mck nicht ohne ihre Zustimmung von einer natio- taüx Obergewalt einer anderen abgetreten werde» dürfen. Daily Eßronicle" schreibt weiter, daß eS begreiflich sei: »en» dir tu Anrerika herrschende Unzufriedenheit über kt Berzögerung des Friedensschlusses auf Wilson ihren E fJIiß auSübe und Wilson sich frage, ob er den Jnterrf- stn feiart Landes damit dient, daß.er noch länger 'n Part« bleibt.Daily Chronirke" zufolge hat kst Spamwng auf der Friedenskonferenz ihren Höhepunki wobei ganz offen darauf hingewiesrn wird, baß i<: ieba Berzöaerung des Friedens Franstcekch die Schuld 'trazt. Das Watt schreibt: Der ärgerlichste Zug an Der öcHme» W Franzosen sei die Tatsache, baß sie teuatt wieder, nachdem sie klar und deutlich einer be­stimmten Regest?n-? b-sgepslicht-t hätten, neue Borsckläge die mit der frühere» Uebereinkunft unvereinbar feieu «her der n^vrSnglichen Regelung nicht nachkommen wollen.

Daniil

A-u-erdam, 1. April. Drahtlos wird aus Paris fc»db«t, baß Foch vom Biererrat die nötigen In- WruTtionni bezüglich Danzigs erhalten hat.

Pari», 1. April. (Hava».) Da»Echo de Paris" Meldet: Marschall Foch ist heute Rächt zur Front abge- »rist mit allen erforderlichen Instruktionen, um mit den deutschen Bevollmächtigten in Spaa zu verhandel». Er witb t*» Rat der Bier tu dauernder Verbindung feße*.

Der Rat für Urbersee transvorte ergreift alle Maß- tahme», »m den TranSp von Truppen zu Nchern. Ma» nimmt an, baß utt Rat der Vier nicht Sigeru wird, erforderlichrnsall» zu Taten überzugehen.

Pari», 1.April. (Reuter.) Die Frage des zu- künftigen Schicksals Danzig» ist noch ungelöst. Wahr- tcheinlich wird die Frage so gelöst, daß die Stadt Danzig die Bahn, die sie mit dem polnischen Eisenbahn« Menr verblichet, internationalisiert werden oder deß daraus da» Mandatsyftem Anwendung findet.

Berlin, 1.April. DemBert TagebL" wird an» dem S-ag gemeldet: AuS Pari» wird berichtet, baß die EndmtebefcklSbaber e« nickt al» eine Verletzung de» Vaffenstillstande» ansehen, wenn die deutschen Behör­den für die Landung statt Danzig einen anderen Hase» Vorschlägen.

Berlin. I.Avril. Da»Bert Tagebl." meldet au» Amsterdam, baß auch in der Danziger Frage der tiou England unterstühte Standpunkt Amerikas über die französische Auffassung trinw"h--^'. Es s-^'int. baß Wilson in dieser, wie in anb-ttn Fragen bis zu der verhüllten Drohuna mit einem Bruch gehen mußte, um Frankreich zur Milderung seiner Forderungen zu bringen. Rach Meldungen au» englischer Quelle sei es ferner nicht ausgeschlossen, daß Litauen und Est­land mit Pole» vereinigt würden, damit Liban der Haupthasen für Pole» werden könne. Daneben werde die Internationalisierung der Weichselschiffabn und die Schaffung eine» Freihafen» in Danzig weiter erwogen.

Rotterdam, 1.April. DemRieuwe Rotterdam- scheu Courant wird von seinem Pariser Korrespondenten gemeldet, er habe erfahren, daß die Verbündeten nicht die Abficht hätten, Danzig mit Gewalt polnisch zu machen. Man sei zwar der Ansicht, baß bie Polen ben Ausweg über Danzig brauchen, nnb baß die Franzosen bie Be­nutzung der B'rgwerke im Saargebiet nötig hätten, aber dem stehe bie Frage der Nationalitäten gegenüber. Da» deutsche Element sei in beiden Fällen vorherrschend. Man wolle keine neue elsaß-lothringische Frage berauf- beschwören. Der Korrespondent glaubt zu wissen, baß bereit» ein Mittelweg gefunden sei .der alle Teile befriedige.

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Die Strlirmi DtnIWs.

Hamburg, 1.Avril. Die amerikanischen Leben»« mittelkommisfion Hai in Hamburg i^ren Sitz aufgeschlagen und will ihre Tätigkeit sofort aufnehmen.

Da» dritte ämeriklnifche LebensiüittelfcknffLaw Eck­hardt" ist soeben mit 3800 Tonnen Weizenmehl ange- 'ommen. Der DampferLake Tula re" ist heute nach Amerika abgeganqen.

Berlin, 1. April. Am 27. März wurde in Spaa eine Anfrage Hoover» übermittelt, ob die amerikanischen Lebensmittelfchiffe in der Nähe von Hamburg und Bre­men oder in Ostseehäfen eventuell auch hn Kieler Kanal bunkern können gegen Lieferung von Lebensmitteln als Gegenwert. Am 30. Mar» wurde in Spaa folgende deutsche Antwottnote übergeben:Deutschland ist bereit, Schiffe, die der Versorgung mit Lebensmitteln dienen, bunkern zu saften. Die» ist schon möglich in Emden und Bremen. Für die Durchführung in Hamburg und den Ostseehäfen ist Freigabe der Küstenschiff­fahrt für KoblentranSpottr Vorbedingung. Dann ist Bunkerung in sämtlichen Nordsee- und Ostseebäsen sowie 'M Kieler Kanal möglich. Verrechnung der Buukerkohle zum Preise von 13'/, Dollar» bei dem Heufigen Valuta- stand trnd Gutschrift auf deutsche Lebensmittellieferung wird erbeten."

Berlin, 1.April. DaSBert. Tagebl." meldet: Die Ausfuhr der ungeheuren Mengen von in Norwegen lagernden, für Deutschland bestimmten Heringen und Fischprodukten hat begonnen. In Hamburg trafen bereits 'ünf Dampfer mit Heringen und Fischprodukten ein. Zn mehreren Häfen Norwegen» werden weitere Ladun­gen für Deutschland aufgenommen, die in diesen Tagen ««treffen;

A m st e rdam, 1. April. Wie qntgeteilt wird, machen die Brrhanblungen über die Lebensmittelbelieferungen in Rotterdam gute Fortschritte. . Es werden augenblicklick die Ladungen von fünf. LebenSmittetschisfen in Leichter­schiffe umgekrcken.

London, 1. April. Reuter wurde vom Blockade- Minister mitgeteitt, daß kein Grurck zu der Annahme be­stehe, daß bie brutsche Blockade ganz aufgehoben würde. Sie wurde nur abgrändert, nm die Entsendung von Le­bensrnitteln nach Deutschland zu ermöglichen. Die Am- hebung der Blockade für Deittsch-Oesterreich gelte nicht für Ungarn.

München, 1. April. Bayern hat vor kurzem bei der Reichs regier ung da. Verlangen gestellt, auf der Friedenskonferenz mitverttete» zu fein. Di« Reichs­regierung hat dies-, Ersuchen abgelehnt.

Berlin, 1. April. Wie dieBoft. Ztg." meldet, hat General Haking die Einfuhr folgender deutscher Blät­ter in das durch die Engländer besetzte deutsche Gebiet verboten:Germania",Berliner Tageblatt",Ber­liner Morgenpost^' undBerliner Börsen-Eourier".

Brüssel, 1.April. (HavaS.) Der sozialistische Ab­geordnete Destree «Härte, Belgien wünsche Bürgschaften an seiner östlichen Grenze zu erhalten. Er erblicke solche in dem Plan der Schaffung einer neutralen Rhein- l a n d r e p u b l i k.

Bern, l.Avril. DerTempS" berichtet au» Kon­stantinopel, daß am 12. Februar die Türkei den englischen, amerikanischen und italienischen Oberkommiftarm eine Denkschrift auf der Pariser Konferenz überreicht habe. Die Türkei erHärt sich darin mit der freien Durchfahr: im Bosporus und den Dardanellen in Kriegs- und Frie­denszeiten einverstanden. Ferner wird statistisch nach­gewiesen, daß in allen Wilazet- deS osmanischen Reiches die türkische Bevölkerung ht der Mehrheit ist, Griechen, Armeniern, Juden usw. soll weitgehende Autonomie gewähtt werden.

Dtt ne« Sin ter 6nrtiölei.

Bon einer besonderen Seite schreibt man une:

Reue Sturmzeichen ziehen am politische« Himmel herauf. Di« gewaltsam«« versuche bet Spartakisten, bie Politik und damit die Staatsgewalt an sich zu reihen, find bi» fetzt geschettett. Freilich ist da, nur unter Zusammentaffen allet Kräfte und auch nut da­durch möglich gewesen, daß friedliche Städte in form« siche Schlachtfelder umgewandelt wurden, und daß im Bürgerkriege vruderblut tn Sttömen floß. Aber noch find die Plän« der Spartakisten und Kommunisten nicht aufgegeben. Ja allem und jedem dient ihnen das blutbefchwerte tusstfcke Beispiel al, Vorbild. Ein teuflischer Plan ist im Werk. Di« nach ihrer Nieder- läge geslücktete» Spartakistenführet haben sich, wie ver­lautet, samt und sonder« nach Ostpreußen zurück­gezogen und in di« östlichen Gebiet« verteilt. Ihre Tätigkeit" g-ht nach folgender Richtung: Im Rücken der den östlichen kötenzsch«tz bildenden deutschen Trup­pen suchen fie Aufruhr und Auffland zu entfacken. die Masstn für ihre Ziel« mittel, einer wahn«>Itzigen Agi­tation und unter Zuhilfenahme bisher im reichlichen Ausmaß« schon angewandter ter rott sttschet Mittel zu gewinnen. Im Verein mit der vor diesen deutsch«" Truppen stehenden boftchewistifchen Armee würde bann so hoffen die Spartakisten der östlick« Gtrnzschui- iiiebergeworfen werben können und damit bi« Bahn frei für den Einzug de, Bolschewismus und feine Bannerträger vom Oste« der nach Deutschland fein.

Da« ist der Plan! Es ist notwendig, dies- Absichten beizeiten kennen zu lernen, um fie durchkreuzen zv können. Pflicht der Regierung Ist e«. dafür Sorge z» »ragen, baß auch vieler gefährliche Scklaq feine Wir­kung verpufft. E, ist aber nur möglich, wenn die Spartakisten Ihrer technikch.n Machtmittei benommen werden E» ist erforderlich, baß in allen bedrohten Ge- de» Osten» unnerzügiich eine allgemeine Ent­waffnung in die Wege geleitet wird. Dazu «le- d-rnm ist e# notwendig, baß außerordentliche float- licke Vollmachten, die einzig und allein in der Der- bängung de, Krieg»zustande» erblickt werden. Platz greifen. E» handelt sich jetzt vielleicht um den letzten Versuch unter Aufg bot aller, auch der per- -.weiselste» Mittel, Deutschland doch noch reif für den Einbruch d-4 russischen Bolschewismus zu mache«. Auch in Rußland hält dieser (ücbanfe die schon arg wankend« und unterminierte bolschewistische Regierung noch auf­recht. Stürzt auch dieser letzte Hoffmingspfesier, dann kann man der Erwartung fick hingeben, baß auch in Rußland bie wahnfinnige Politik aufgegeben wird, Vie darauf hinzielt, Deutsckland in den Strub4 des Bolschewismus zu ziehen. Ehe biese Politik nicht auf- qegeben ist. kann an einen Ausgleich der politifchen Interesiengegenfätze, an dem beide Länder das drin­gendste Interesse hätten, nicht gedacht werden.

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Die AlÄllMkMW.

Essen, I April. Soweit sick die Lage bi» letzt übersehen läßt, hatte bie Streikanftorbernng her Sparta kisten nur geringen Erfolg. Die größte Zahl her AuSstäubiqen ist im Dortmunder unb Wittener Bezirk, von wo bie Bewegung ihren Ausgang genom­men hat. Auf brr Zechengewerftchaft Deutscher Kaiftr ttnb in Hamborn wirb überall gearbeitet. Zu Ruhe­störungen ist es nirgends gekommen.

Böckum, 1.Avril. Eine Borstände-Konferenz der vier großen Bergarbciterverbänbe befaßte sich in einer -kirgehenbeu Beratung mit der Laar im Ruhrgebiets Es mutt- >e Entschließung einstimmig angenommen, in der betont wird, baß btt Bergarbeiterderbände nachdrücklich alle besonnenen Arbeiter warnen, sich an dem Ausstand zu beteiligen.

Bochum, 2. Avril. Zu einem völligen AuSstanö hn Ruhr-Revier, der gestern auSbrechen sollte, ist rS nicht gekommen. Der geplante AllgrmeinauSstand äußert sich in einer wilden Streikbewegung, in der nur so weit System liegt, al» er eint spartalistischt Sabo - tagt darsttllt, bi «planmäßig vorbertittt ist. Tit Was- serveesorgung, Gas- unb ElrktrizitätSrrztngung ist an vielen Stellen gefährdet.

Breslau, 1 Avril. Die Arbeittr der Linke u. Hofmann-Werke sind wegen MeinungSverschiebenheiten über bie Löhne unb Über eine besonder« Entschabigung ausständig..

Zujammenstöß« in Stuttgart.

Berlin, 1. April. Wie dasAcktuhr-Abendblatt" ans Stuttgart meldet, tarn es heute zwischen Re- gierungstruppen und Demonstranten zu einem Zu­sammenstoß, wobei uiele Personen verletzt unb 3 ge­tötet wurden. Die Regierungstruppcn verttieb'N nie Demonstranten, worauf bald bie Ordnung wiederherge- stellt wurde. Die Stuttgarter Ausstandsleitung hat ben Allgemeinausstand für ganz Württemberg erklärt. Daraufhin hat auch die Führung der Württemberger Bürgerschaft beschlossen, ben bürgerlichen Aus- stanb über ganz Württemberg auszndrhnen. Die Loge wirb immer kritischer, zumal die Versorgung mit Gas und Elektrizität eingefdellt ist. Die Haltung der M.hr heitssozialisten ist noch nicht geklärt. In einigen Be. trieben haben sie sich gegen den Ausstand erklärt, einige geraten jedoch immer mehr unter den radikalen Ein­fluß. Unabhängig« und Kommunisten bandeln ge- meinsam.

Stuttgart, 1. April. Heute früh wurde ein Erlaß durch Manrranschlag bekanntgeseben, in dem es u. a.

frißt: Wegen dringender Gefahr für die öffentlich« Sicherheit wird der Belagerungszustand von der StaatSregierung erklärt. Im Einverständnis mit dem MilitärbefehlShaber werden dann bie einzelnen Anord­nungen aufgezähtt. Die Polizeistunde wird auf abend» 8 Uhr festgesetzt. Der Straßenverkehr will» von 9 Uhr abend» ab verboten. E» werden außerordentlich« Kriegs­gerichte eingesetzt.

Abordnung«» ber Ausständigen bei bet Regierung.

Weimar, 1. April. Au, dem Ruhrg-b'et sind heute zwei Abordnungen der ausständige» Arbeiter bei dem Arbeitsminister Bau-r in Weimar eingetroffen. Minister Bauer hat mit ihnen Be­sprechungen abgehalten und wird heute abend mtt ihnen gemeinsam nach Dersin reisen, um dort tn enger Verbindung mit dem Gefarnkkablnett Ne Ausipracke fortzusetzen. E» kann aber keinerlei Zweifel darüber attfkommen, baß bie Bergleute mit ihren kommuniftt- ichen Färberungen auf ein Entgegenkommen bei der Reichoregterung nickt werden zu rechnen haben.

Di« Lage I» Berlin.

Berlin, t. April. 3» den Gerüchte« von neue» große« Unruhen ht Berlin, mit bereit plötzlickem Atm- lruch angeblich w rechnen fei, erfährt ber8erI. ßcfofc anzeiger" oo.t einem Regiernngsvertretet: Wir find auf da» Genau ft« Übet alle Borgäuge unterrichtet unb aus alle Eventualitäten hinlänglick vorbereitet. Wik würden mit rücksichtsloser Schärfe eine solche Bewegung Niederschlagen. Die Reicksregleruno hat keine Furcht vor scharfer Kritik. Auch die wirklichen lieber grifft bet Regierungstruppen und anderer Or­gan« werden ht keiner Weife eine Milderung bet nöti­gen Maßnahmen hetbeiführen. Einzelne llevergriffe gingen allerdings über das Maß hinan«, aber das Ber­it auen zu ben Regierungstruppen darf dadurch nicht erschüttert werden. Die Nervosität be« Stratzen- kämpfet» entschuldigt manche Tat, die, objekttv ge­nommen, streng $» verurteile« ist.

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8UKH» Cotti«.

Bern, 31. März. Da« Urteil Im Prozeß gegen Rtllai«. be« Mörder» Saure», empfinden bie französi­schen Sozialisten al« einen Fan stickt ag in» Gesicht. E» wird prophezeit, bk Tage berienigeu. bie da« Urteil gefallt hätten, fetal gezählt. Der ..Homme llbre hält da« Urteil nicht nur für Hellen Wahnsinn, sondern auch für einen schweren politischen Fehler mit ungeheurer Tragweite. Die sozialistische Partei werde da« nie vergessen können, mtt ihrer Langmut je! e» zu Ende, klebrigen« kommt auch in bet bürgerlichen Presse bie Meinung zum Ausdruck, baß dieser Freispruch ernft« Folgen haben werde. Selbst betTempo meint, baß eine Verurteilung eigentlich selbstoetständ« l I ch gewesen märe, aber, so fügt er hinzu, man müsse sich mit dem Freffpruch abfinden. Auch betNeumark herald" findet das Urteil unbegreiflich, zumal nack bet Verurteilung des Attentäters Cottln. E« fei nicht allein nötig. Cottln zu begnadigen, sondern auch eine allgemeine Amnestie für politische Vergehen z» erlassen.

Da«Journal be ffienW schlägt vor. den Mörder Billaln in einem Irrenhau« unterzubringen.

Bern, 1. April. Wie betProgrdS de Lyon" au» Baris meldet, stand die Montagssitzung de» sozialistiskhen Seineverbandes unter dem Eindruck der Freispreckiing be» MörberS Iaurös', bie von verschiedenen Rednern alS Herau-sorberung der Ardeiterklafte und a!» Proklamierung be# Bürgerkn'eges bezeichnet wurde. Lu- auet alS Bertteter der linksstehenden Gruppe erwähnte, daß eine Aktion ber Eonfiberation Generale bu Travail ht Vorher: itung fei, wobei er nachbrücklich bie Notwendig­keit der Diktatur des Proletariat» betonte. Der von ben Lyoner Blattern gleichzeitig veröftentlichte Aufruf ber französischen Soziasisienpattei erhärt, nut die sozialistische Internationale werbe in ber Lage sei«, die Ordnung in bet Welt wieber h-rzusteften. Eint soihalisiische Revolution könne erst die wirklicke Demo­kratie schaffen. Da» Proletariat dürfe, ohne Revo­lution mit Gewalttätigkeit zu identifiziere«, zur Erobe­rung der politischen Macht trotzdem auf kein Kampf­mittel verzichten. Auf die Uebernohme der Macht durch da» Proletariat werde voraussichtlich eine Pettcde bet wahrscheinlich für notwendig empsunbenrn Diktatur^ fol­gen. Der Aufruf rrflärt seine Zustimmung zu einem gerechten Frieden, der keine Kriegsgefahr übrig taffe unb spricht sich gegen alle Friedensbebinqungen au», die die überlebte Form eines überlebten Ebauvinismu» als im Widerspruch mit dem wirklichen ttütionakn Ge­fühl bezeichnet Die Partei bekennt sich zu dem Ge­danken eine» Völkerbundes, der von alle» Völkern mit gleiche« Rechten unb Pflichten, nicht aber von einigt« Regierungen gebildet werden soll. ,

WM.

A j: . .:i, 1. April. DemAlgemien Handel»,

blad" zufolge meldetDaily Telegraph" auS Helsin» forS, daß in Petersburg sehr etn ste Unruhen statt sanden. Das Ansehen LeninS nehme ab. Trotzki werk int Kreml in Moskau von lettischen Soldaten bewach» Er lebe auS Furcht für sein Leben in vollkommener Z» rückgezoaenhtü. -