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mit dem KrelsLlatt für die Kreise MarLurg und Kirchhain

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Tageszeitung für (das früher kurhesiische) Oberhessen

angesichts der Tatsache, daß in Versailles alle Woh­nungen seit längerer Zeit vergeben sind, keinerlei cknterkunftsmöglichkeit für die deutsche Friedensab­ordnung sieht. In St. Eloud hat man bisher nur eine kleine Unterkunft finden kSnnen, die für die auf 200 bis 300 Personen geschätzte deursch« Abord­nung völlig ungenügend ist.

Marburg

Mittwoch. 26. Mär,

IDieOderhess'ILe Zeitung" erscheint sechsmal mächentlich. Der Beruasprets betrügt monatlich 1.25 X. frei in» Hau» (durch bre Poft ehneBesiellgeld) - Verlag ..n Dr. C. Sitzerath. M«kt 21/2*. - Ferus»«ch« 55.

Der Nnreigenarei» betrügt fit dir Sgei» Zeile 20 V u 5OeU Äty»juf*t, amtl. ««»wart u. 6emmelan|.8O j.». 38V./, Kriegszuichl. Reklame,eil« 1.20.4. Wieder Rabatt gilt al« Barr,butt. Bei Auskunft b die GelchSltrit.». Vermittlung »er Angebate Ä 4. LanbrrgedRhr. Pastschrcktanta: Rr. SCI» Imt Franks.«. M.

54 Jahrg» 1919

Erstes Blatt.

M WkdmtediiWSkg.

25. März. (Reuter.) Die Großmächte hesipossen, das Aeutzerste zu tun, um den Vertrag innarhakb einer Woche fertig zu haben. Dieser Entschluß wird dem wachsenden Ernstder Lage piß« schrieben.

Amsterdam, 25. März. DemAllgemeen Kandatsdlad" wird aus Paris gemeldet, daß die Prennenninifler der Großmächte beschlossen haben, über dir Beratungen der Kommissionen, die sich mit W* Territorialfragen befassen, keine Einzel­heit« »ehr zu veröffentlichen, bis die gesamte Ardett der Absteckung der neuen Grenzen erledigt st. Man hofft auf diese Weise zu verhindern, daß er Feind die Absichten der Verbündeten vorher rrfi^tt und die nötigen Gegenmatzregeln ergreift, itm ich« Pläne zu durchkreuzen. Zugleich will man bemtt Enttäuschungen vorbeugen, sollten in den spittereu Phasen der Besprechungen irgendwelche Aendorangen vorgenommen werden müssen.

Rotierdam. 26. März.Taih) Telegraph" meidet aas Newyork, datz die ..Newyork Times" «ine Mitteilung aus Paris empfingen, wonach der Plan, datz alle Kriegskosten der Verbündeten in der Weife auf die verschiedenen Nationen ver­teilt werden, datz auch die Vereinigten Staaten ihren Anteil daran zu bezahlen haben, gutgeheitzen wi«'de, drtz jedoch die Maßgabe, als ob sie bereits h August 1914 in den Krieg eingetreten waren, der Ansicht der amerikanischen Friedensdelegierten nicht eutfpricht. Diese weigerten sich hartnäckig, eine solche Abmachung zu treffen. Die amerikani­sche- Mentet hm geben damit zweifellos die öffent­liche Meiaauz ihres Landes wieder.

chaag, V» Aus Paris wird gemeldet, die

FricdeuStouseeenr werde von einem lleinen Ausschuß, der sich ew5 Wilson, Clemenceau, Lloyd George und Or­lando zunmnneuretze. geleitet werden; Java» habe darin nicht w*e*w sein ivollen. Die Maßnahme sei deshalb getLofst« worden, weil die Lage durch die Schaffung eiusc boUrbetmstischen Regierung in Ungarn gefährlich etiwäee sei »nd weil die Gefahr auch auf andere Länder adergrcisen könnte. Wilson habe sich äußert tnt«frtebtn »der die Verschleppung der Verband- hlu^» der K»nseren; aeäußett und habe verlangt, datz sofort trAaültige Beschlüsse gefaßt werden sollten. Fraokoejch solle eine Bürgschaft gegen deutsche Angriffe ßegeche» werden, indem die Rbeinvrovinz zu einer nicht militärischen Zone gemacht werde, in der keine deutsche« Festungen bestehe» oder Truppen gehalten wer­den bllrstev. Die Rbeinprovin» bleibe also deutsch, obwohl Frankreich auf das lebhafteste protestiert habe gegen Me »»« Wilson abgegebene Erklärung, daß dir Ber­einigte» Staaten und England niemals ihre Zustim- mrnt» »a einem von Deutschland unabhängigen Rhein- aser^Artsserstadt geben würden.

Äee» Georg« und Wilson gegen Clemenceau.

Rotterdam, 24. März. In einer zuverlässigen Parchar Meldung wird mitgetetlt, dah di« Beratungen to*T »fe Polen frage ununterbrochen fortdauern und datz es heftet zu erregten Auseinander­setz u n 0 rrn «ckschen Wilson, Lloyd Georg« und Cle- meucwe NuwwSrlando war zu der Besprechung nicht erscht«e». obgleich er besonders dringend eingeladen mer. Clemenreau forderte sofortig« Maßregeln in Pole» m* Mt Entsendung von Truppen über Danzig ohne Rücksicht auf den Widerspruch und eventuellen SBfbeit«* Deutschlands. Wilson und mit ihm Llovd Ee»r-e weite» vorläufig abwartrn, ob die in dieser Richt»« mderaemmenen Schrille nicht doch noch eine ieiuÄgende Wirkung haben und ob der Waffenstill- ' .!?# z»st»Ude kommt. Als Clemenceau auf seiner .a demmg, sofort di« polnischen Divtstonen nach Danzig zu Mtateu, bestand, wurde ihm erklärt, dah selbst, wenn man Nw bw wolle, die nötigen Schiffe nicht vorhanden »atm.

Begtmn der Friedensverhaublungen.

Berki«, 25. März. Graf Bernstorff teilte bet der heutigen Besprechung in der Geschäftsstelle de» Seewärtigen Amtes für die Frtedensverhand- lungea mit, die feindlichen Regierungen hätten er­sucht, eh« Kommission von sechs deutschen Sachver- ständitze» nach Paris zu senden, ein Schritt, der als Begin» der Friedensverhandlungen

Zusehen fei.

Berlin, 26. März. Die Ftnanzkommission, deren sefsrtige Abreise nach Versailles beschloßen wurde, wirft aus fünf namhaften Vertretern der Bant- «md Zndustriewelt bestehen. Außerdem wer­den fter Kommission zwei Vertreter der Reichsbank und 5it>e{ °Sltgi:eber der Waffenstillstandskommis- nor. ^gegeben. Für heute sind die Mitglieder der Komm-ffssn z«r Ineippfangnahme der nötigen In- struLrione« nach Weimar berufen. Am Sonntag kann die Kommission bereits in Versailles eintref­fen.

Bern, W. März. Rach demPetit Parisien" M ntwt in Patte in großer Verlegenhei, weil man

Die Versorgung Deutschlands.

London, 24. März. (Reuter.) Zm Unter- Haus erklätte der Parlamentssekretär des Lebens- mittelministtriums, datz noch keine Lebensmittel an Deutschland gesandt worden seien, mit Aus­nahme des von den Verbündeten besetzten Gebietes. Es würden auch keine geschickt werden, ehe nicht die deutsche Regierung die Bedingungen des Schiffs- und Finanzabkommens erfüllt habe. In Rotterdam lägen bereits Vorräte, deren Absen­dung von der Erfüllung der erwähnten Bedingun­gen abhänge. Rach Deutsch-Oesterreich seien un­gefähr 450 000 Tonnen Lebensmittel abgesandt worden. Sie seien dort bereits eingetroffen.

London, 26. März. (Reuter.) Das erste Schiff der deutschen Handelsflotte, die Großbritan­nien zugewiesen wurde, ist auf der Reede von Leith eingetroffen.

Bremen, 25. März. Außer den Hansa- DampfernSonnenfels" undWeitzenfels" ver­ließen gestern derWeserzeitung" zufolge die fol­genden Dampfer derselben Gesellschaft den hiesigen Hafen:Altenfels",Schwarzenfels",Traumfels" undFalkenfels". Die Schiffe gehen zunächst nach England.

Brunsbüttel, 25. März. Der ameri­kanisch« DampferWest Earnifax", der nach Dan­zig bestimmt war, bekam Befehl, nach Hamburg zu fahren und dampfte elbaufwätts. Die Ladung be­steht aus etwa 6000 Tonnen Mehl und 1000 bis 1500 Tonnen anderer Lebensmittel.

Haag, 25. März. Der hiesige Korrespondent des WTB. erfahrt, datz morgen und übermorgen zwei Dampfer mit zusammen 6000 Tonnen Mehl von Rotterdam nach Hamburg unter Adressierung Colonel Ryan" abfahren weiden.

Für Lieferung von Lebensmitteln aus Holland kommen außer Kartoffeln, über die bereits verhandelt wird, noch getrocknete Kartoffeln, Hül­senfrüchte, kondensierte Milch, gesalzenes Schweine- und Hammelfleisch sowie Butter schon in nächster Zeit in Frage Außerdem werden über Holland und llebersee Lebensmittel, insbesondere Fette und Oele, zu bezieherr sein.

In einer Besprechung, die, unter Hinzuziehung aller Vertrauensleute und Leiter der Reichsstellen sowie hervorragender deutscher Kaufleute stattfand, wurde einstimmig festgestellt, daß nur der freie H a n d e l in der Lage ist, die auf Grund des Brüs­seler Abkommens zulässigen Mengen aus llebersee in schnellster und billigster Weise nach Deutschland zu bringen. Gerade für die nächsten Wochen, bis der geregelte Transport über See eingesetzt hat, kommt es darauf an, auf diese Weise die in Holland lagernden Lebensmittel zu erfasie« und für die deutsche Bevölkerung nutzbar zu machen.

Paris, 24. März. (Reuter.) Der oberste Wirtschaftsrat stellte eine Liste der Waren auf, oie Deutschland während des Waffenstillstandes nicht ausführen darf, einigte sich über die Einzel­heiten betreffend die Bezahlung der Lebensmittel durch ausgeführte Waren und billigte die Maß­nahmen, die den deuffchen Fischerfahrzeugen eine größere Freiheit in den eigenen Gewässern ge­währten. Hoover läßt sofort eine Sendung Le­bensmittel nach Hamburg abgehen, darunter zwei Schiffsladungen für die Tschecho-Elowaktt, und trifft Maßnahmen, um die Verschickung von Le­bensmitteln nach Estland und Polen zu erleichtern.

Die Kameruuee HSuptlinge für Deutschland.

Berlin, 25. März. Eine zuverlässige spa­nische Quelle bettchtet, datz in Madrid aus Fer­nando Po eineBtttschrist von 117 Kameruner Häuptlingen eingegangen ist, in der diese auch namens ihrer Landschaften den König von Spanien bitten, für die Rückgabe Kameruns an Deutschland einzutreten. Zn der Bittschrift wird außerdem betont, daß die große Mehrzahl der Kameruner Eingeborenen sich mit dem Wunsche der 117 Häuptlinge identifizieren und nur aus Furcht vor der Rache der Engländer und Fran­zosen diesen Wunsch nicht zum Ausdruck zu bringen wagen. Diese Bittschrift, auch von einem Teil der spanischen Presie bereits erwähnt und zwar in be­fürwortendem Sinne, stellt einen neuen bemerkens­werten und wertvollen Beweis für die Grundlosig­keit der Anklagen unserer Gegner über die angeb­lich schlechte Behandlung der Eingeborenen dar.

Berlin, 25. März. General v. Hammerstein übersandte den Verbündeten am 23. März eine Note, in der er dagegen protestiert^ daß Marschall

Fach ohne das Einverständnis der deutschen Regie­rung zu erbitten, die Entsendung russischer Offiziere nach Berlin unter Leitung des Generals Basarow angeordnet hat. Die Offiziere ollen bei der Heimbeförderung der russischen Kriegsgefangenen mitarbeiten. In der Note wird »arauf hingewiesen, datz nach dem Waffenstill- iiandsvertrag nur den Offizieren der Westmächte dieses Recht zusteht. Die Reise russischer Offiziere nach Berlin würde also über diese getroffene Ver­einbarung hinausgehen. General v. Hammerstein erhob daher Einspruch gegen ihre Enffendung und teilte mit, datz die deutsche Regierung ihre Einreise nicht gestatten werde. General v. Hammerstein übersandte den Gegnern ferner eine Sprachenkarte von Westpreutzen und Posen, sowie eine Liste von Telegrammen aus diesen Gebieten, in denen die dortige deutsche Bevölkerung gegen den Plan einer Losreitzung von Deutschland Einspruch erhebt.

Die Kundgebung gegen «ine« Gewaltfrieden, der am Sonntag im Sportpalast zu Berlin stattfand, -st nicht ganz erfreulich für He-rn Erzberger »er­kaufen, rote es nach dem Bericht de» okflziSfen Wolff- Büros den Anschein hatte. Der Minister wurde mehr­mals stürmisch von der Zubörermenge untebrochen. so als er von Danzig, Westpreutzen und Ooerschkesten sprach Man rief:And Posen? Geben Sie Auskunft über Posen! Wir rooOcn endlich fiter Posen etwas -en!" Darauf sagt« Erzberger:Auch was Posen be­trifft, roitben wir uns an die von Wilson aufgestetlte Formulierung halten: deutsches Land und deutsches Gebiet kann uns ebenso wenig enteisten werden. (Zu­rufe:Aber Posen, warum so verklausuliert?") Erz- berger sprach dann von den zu erwartenden Kriegsent- schädigungsforde'ungen (820 Milliarden Mark). Frei­willig werde das deutsche Volk kein« Sklavendienste leisten, daun sollen die (Segnet sehen, wie sie die Gelder bei uns holen. Es erschollen laute Zwischenrufe: Erzbergerfrieden! Das sind nun unsere Mi­nister?" Als E-zberger atteitt. wird et ausgezischt, bet Versammlungsleiter mit Pfuirufen bedacht, als er Erzberssr für seine Rede danken will. Stürmischer Bei­fall r-ntet« dagegen Geheimrat Roethe, der u. a. ausfühtt:(Eine einzige Division vom Schlage derer, die ihrem obersten Kriegsherrn die Treue ge­hn kt e n haben, und der ganze polnisch« Bettel würde rum Teufel gesagt! Wenn Wilsons Grundsätze im Wattlaut befolgt werden, treten wir feine Quadratrute Bodens an die Polen ab. Auch Posen nicht, da» mein <r>err Vorredner zu erwähnen vergatz! (Stürm. Bei­fall.) Raubt man uns die Ostmarken, so wollen wir ihnen Treue halten. Schwaben, Bayern und Rhein­länder ahnen sa nicht, was di« Ostmarken dem Reich bedeuten, aber auch Frankreich wird eines Tages mit Schrecken gewahr werden, datz die deutsche Ost­mark der Hort und Schutz Europas war gegen die Bar­barei. die von Osten kommt. Und rauften sie uns unsere Ostmarken, sie werden st« nicht behalten!" Prof. Hoetzsch führte aus: Wir haben die große Sorge, datz die Regierung zwar für Westpreutzen und Danzig fest bleiben will, daß sie aber daran beute, auf Posen mehr oder minder zu verzichten. Unbestreitbar polnisches Gebiet gibt es überhaupt nicht in der Pro­vinz Posen. An diesem Standpunkt mutz die Regierung festhalten. In Posen ist unser« Nationalehre verpfändet. Ich rufe dem Reichsministet Et,ber­get und der Regierung zu: Landgraf bleibe hier hart!" (Anhaltender Beifall.)

Es bewegten sich dann, wie gemeldet, große Züge nach bet Reichs kanzlet, wo Reichsfinanzministet Schif­fer auf die übergebenen Entschließungen u. a. zu der Wenge sagte:Ich verspreche Ihnen namens her Reichsregierung, mit allen menschlichen Kräften wahr- zunehmen, was Sir von uns verlangen. (Stürmischer Beifall.)Was deutsch ist, mutz deutsch bleiben. Mag es sich um Ost oder West, mag es sich um Danzig oder das Saargebiet handeln." Die Menge sang dann bas von der Musik angestimmte wuchtigeWir treten zum Beten".

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Mnit.

Dee Prozeß gegen den Mörder Saute»'.

Paris, 25. März. (Havas.) Am Montag be­gann vor dem Schwurgericht bet Prozeß gegen Billain, den Mörder von Saures. Im Verhör er­klärt« Villain, mtt Vorbedacht gehandelt zu haben. Er sei zum Morde getrieben worden, weil er die Rolle von Saures für unheilvoll für das Volk an­gesehen hab«. Schon im Regiment habe es ihm Schmerzen bereitet, seine Kameraden unpatriotische Lieder fingen zu hören. Seine (Erbitterung sei aufs höchste gestiegen angesichts bet Unterdrückung bet Elsaß- Lothringer, und er habe zuerst beschlossen, den Kaiser zu töten. Erbittert hab« ihn auch die Opposition von Saures gegen das Gesetz über die dreisähriae Dienstzeit. Damals sei ihm der Gedanke gekommen. Saures zu töten. Er habe b.sürchtet, daß die Mobil­machung gestört roe be durch Akte der Sabotage. Am 31. Juli sei er abends lange um das Cafe umherge- irrt, in dem sich Saures befand. Einer plötzlichen heftigen (Eingebung folgend, habe et dann den Vor­hang gelüftet und seinen Schutz abgegeben. Er habe unter einem unwiderstehlichen Drange gehandelt. Daran, daß Jnnres Frau und Kinder habe, habe et nicht gedacht. Suf eine Frage des Präsidenten, ob er

nicht daran gedacht hab«, datz dieser Mcrd in der Ar­beiterklasse schwer« Untuben Hervorrufen könne, unft ob et nicht an dte hervorragende Rechtschaffenheit des Ermordeten gedacht hab«:Ich bin tief religiös, aber bet G danke an das Gewissen erwachte in diesem Augenblick nicht in mit." Rach Abschluß des Verhörs wurden die Irrenärzte vernommen, die Villain al» itarf erheblich belastet ansehen und daher auf eine ver. minderte Zu-echnungsfähigkeit schließen. Villain habe in einem Augenblick patriotischer Ueberhitzung g«-, handelt.

SkllW MmlmllMlW.

Sitzung vom 25. Mär».

Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung gegen 4Uhr. Auf der Tagesordnung stehen Anfragen.

«bg. Dr. Ri eßet (Deutsche Bpt.) führt Beschwerde über die Bergewaltigung deutscher Zeitungen in der Pfalz durch die französische Besä hu ngsbe Hörde.

Regierungstemmissar Dr. Dämmer: Die Presse bet Pfalz wird fortgesetzt geknechtet und vergewaltigt, um die Bevölkerung der Pfalz vom Reiche zu entfernen« Die Regierung zweifelt aber keinen Augenblick an bt Reichstteue der Pfälzer.

Abg. Falk (Dem.) beschwett sich über ungenügend« Versorgung der Rheinlande mit Btotgetrttde, Mehl urtl Fett und verlangt Sofortige und dauernde Abhilfe.

UntettiaatSsekretär Freiherr v. Braun: Die be­setzten Gebiete sind trotz aller bestehenden Schwierig- feiten keineswegs schlechter versorgt worden alS M übrige Deutschland. Manche Kundgebungen in den besetz­ten Gebieten über die schlechte Versorgung sind daher unbegründet. Sie werden von den Besatzungstruvve« veranlaßt und unterstützt und dienen ossensichtlich politte schen Zwecken. Von dem gesunden Sinn der Bevölkerung darf ertoartct werden, daß sie das erkennen.

«bg. Ku nett (U. S.) behauptet, daß die Truppe« der Generals Märcker Unmenschlichkttteu und Aus­schreitungen begangen hätten.

Major v Gilsa sagt energisches Einschreiten gegen etwaige Schuldige zu.

Abg. Haase (U. S.) fragt nach den gesetzlichen Grundlagen des Erlasses des ReichswehrministerS über das Standrecht.

Major v. G i l s a erklärt, daß dieser Erlaß wieder aufgehoben worden wäre.

Abg. Haase (U. S.) fragt nach den Gründen des Verbots der ZeitungenFreihtti" undRepublik".

Major v.Gilsa: Pie Zeitungen hatten in ge­meingefährlicher Weise auf die ohnehin erregte Stimmung der Berliner Bevölkerung eingewirkt und wurden deshalb verboten.

Rach Erledigung einiger weiterer Anfragen folgten die Interpellation Gröber (Z.), v. Pa her (Dem.) und Gen. betreffeub Maßnahmen für die mittleren unb kleineren Gewerbe- und Handeltreibenden, sowie die In­terpellation Arnstadt (Deutschnatl.) betreffend Wieder­aufbau der während de» Krieges stillgelegten oder ge- schwächten Betriebe.

Abg. Wetzlich (Deutschnatl.) begründet die Inter­pellation Arnstadt: Wenn wir unser Wirtschaftsleben wieder aufrichten so müssen wir vor allen Dingen die kleinen und uren Betriebe wieder in den Sattel setzen. Dazu gehört die Einräumung ausreichenden Kre­dits, die Beschaffung von Rohstosstn und die Förderung deS Genossenschaftswesens. Freilich, wa« nützen alte diese Maßregeln .wenn die Regierung drauf und dran ist, die selbständigen Betriebe zu zertrümmern?! Alle den Mittelstand betreffenden Fragen müssen den zuständi­gen Instanzen vorgelegt werden. Bon der Negierung wird die Gemeinwirtschaft in einer Weise propagiert, die den Untergang der selbständigen Kreise des Mittel­standes bedeutet. Im Ausland schmunzelt man über den Sozialisierungstaumel, der letzten Endes Deutschland völlig vom Weltmarkt ausschalten wird.

Zur Begründung der Interpellation Gröber erklärt der Abg. Irl (Z.): Durch die Revolution und dte Sozialisierungsexperimente haben sich die Aussichten für Handwerk und Gewerbe verschlechtett. Für das Handwerk ist die Zuteilung von Rohstoffen besonder» notwendig. Beim ReichSwittschafts- und Reichsarbeitsamt müssen be­sondere Stellen geschaffen werden, um den Bedürfnisse« von Handwerk und Kleingewerbe Rechnung zu tragen. Da» selbständige Handwerk bsri nicht länger von bet Regierung als Aschenbrödel bc:eck>tet werden. Bor allem muß dem Handwerk und Kleingewerbe die Kreditbeschaf­fung erleichtert werden durch staatliche Förderung der Kreditgenossenschaften.

In Beantwortung der Interpellationen erklätte bet Rrichswittschastsminister Wissel: Die Wirkungen bei Krieges greifen tief in unser Wirtschaftsleben ein. Da ist es unmöglich, den Zustand vor 1914 herzustellen unb ieben einzelnen Betrieb in seine frühere Wittschafts- gettung wieder einzusetzen. Das Reich, die Gliedstaate» unb die Gemeinden haben durch schleunige Aufträge Industrie und Handwerk über den toten Punkt hinweg zu bringen versucht. Die preußische Eisenbahnverwate tung hat Aufträge von rund 2 Milliarden Mark gegeben« die ReichSpostverwaltung im Werte von ll/i Milliarden. Es ist im Demobilmachungsamt eine Hilfskasse für ge­werbliche Unternehmungen errichtet worden mit 200 Millionen Mark. Tas Handwerk ist davon nicht ausge­schlossen. Es kann durch Trine Organisation die Kais« auch in Anspruch nehmen. Für die Belieferung des Handwerks mit" Rohstoffen und Betriebsmitteln ist gesorgt worden, und hierbei wird das organisierte Handwerk selbst mitwirken. Der Großhandel wird auch nach dem Friede» mit Beschränkungen rechnen müssen, Der der»