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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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Tageszeitung für (bas früher kurhessische) Oberhessen

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DieOberhessische Zeitung" erscheint sech»m«l »»chentlich. Der Bezugspreis beträgt »wnatlich 1.25 *. frei in« Hau« (durch die Poft ohne Bestellgeld). «erlüg »en Dr.. Hitzereth. Merkt 31/». Fernsprecher SS.

Marburg

TieuStag, 25. Mürz

wenn sich nicht da« deutsche Volk im letzten Augenblick auf sich selbst besonnen hätte. Wir widersprechen ieber Loslösung, weil wir eine einheitliche Republik für ganz Deutschland haben wollen.

Der Anzeigenpreis beträgt fär die 8geb. Zeile 20 J. u 5O°/o KrgSzuschl., amtl. auswärt. u. Lummelanr. 30 j. m. 88V,/, Jttieg»iuf<;L Rekl«mezetle I.SO^k. Feder Rabatt gilt «l« Larrabatt. Lei Suakunft d. die GeichSftrft. u. Vermittlung derAngebote 36 ^.Landergebähr. P»stscheckk»nt»: Rr. 6016 ImtFranks, a. M.

54. Jahrg.

1919

Me neue ir»eW Mim«.

t* Berlin, 25. Mürz. Rach lange» Berhandluu- gt» Mkschen Zentrum, Sozialdemokraten und Dema» kr»ttfcher Partei ist die neue preußische Reaieruna jetzt gEek morde«. Die Zentrnmsmitglieder werden in l dar Laudesoersammlung eine Erklärung abgeben, in der sie ihre Stellungnahme zu den kulturellen Fragen festl«s<«. Die preußisch« Regierung wird wie folgt zu- samwengesetzt sein:

LBuisterprüsident Hirsch (Soz.); Kultusminister ui sch (Soz.); Inneres Heine (Soz.); Landwirt- schust Braun (Soz.); Finanzen Dr. Südrkum (So-.); Volkswohlfahrt Siegerwald (Zentrum); Jußsiz Dr. Am Zrhnhoff (Zentrum); Handel Fischbeck (Dem.); Eisenbahnen O e s e r (Dem.); Kriegsminister Oberst Reinhards

Forderungen der Unabhängige«.

Berlin, 24. März. Wie von der Fraktion der 11. S. $. mi!geteilt wird, bat sie an die sozialdemo- kratHche Fraktion der Preußischen Landesversammlung folgeUde« Schreiben gerichtet: Auf Ihre Anfrage, ob die Jraktiou der unabhängigen Sozialdemokraten der preu­ßische» Landesversammlung bereit ist, in das Ministerium einzujrekrn, erwidern wir namens unserer Fraktion, daß wir im voraus iniortig? Aushebung des Belagernngszu« iltabe» und sofortige Freilassung aller politischen Jn- hastierien fordern. Ferner verlangen wir: 1. Einord­nung des Rätesystems in die Verfassung, entschei- deiü^e Mitwirkung der Rate bei der Gesetzgebung, in der Gbaf8» und Gemeindeverwaltung und in den Be­trieben. 2. Völlige Auslösung des alten Heeres und be? durch Freiwilligenkorps gebildeten Söldner­heeres, Entwaffnung des Bürgertums, Er- richiuug einer Volkswehr aus den Reihen der klassen- bewußten Arbeiterschaft, Selbstverwaltung der Bolkslvehr. Wahl der Führer durch die Mannschaften und Auft-ebung der Militärgerichtsbarkeit. 3s Sicherung aller durch die Revolution errungenen politischen Freiheiten. 4. Treu- nun.« von Staat und Kirche, Verweltlichung der Schule und sofortige Einführung der Einheitsschule. 5. Ber- meWvng aller Maßnahme» ,die sich auf das kapitalistische Airtschaftsshstem stützen. 6. Sofortige Inangriffnahme her Zozialffierunq: Die Ilcberführung der gesamten kapi­talistischen Wirtschaft in die sozialistische muß un­mittelbar in Angriff genommen werden. Tie wich- tieRoe Produktionsmittel in Landwirtschaft, Industrie, Handel, Verkehr, der Grund und Boden sowie die Boden­schätze sind als Volkseigentum zu erklären und unter ge- ''Älschaftliche Kontrolle zu stellen. Die Produktion ist planmäßig nach sozialistischen Grundsätzen auszubairen, die Verteilung der Gebrauchsgüter ist nach sozialistischen Grn>ü>sätzen zu regeln. 7. Nachdrückliche Vertretung dieser Forderungen bei der Reichsregierung, schärfsten Wider- starrd gegen alle Maßnahmen der Ncichsregierung, welche die Verwirklichung dieser Forderungen verhindern.

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VnMcht ßanöKoerWiing.

Sitzung vom 24. März.

Die Besprechung der förmlichen Anfragen über die Abtrennungsbestrebungen werden um 2Uhr igchmittags fortgesetzt.

W-. Heß (Zentr.): Die Errichtung einer rheinisch- vestsülische» Republik ist für das Zentrum keine Frak- iionSangelegenheit. Dieser Gedanke ist von allen poli­tische« Parteien der Rheinlande ernstlich erwogen wor­ben. Aus nationaler Sorge treten wir für die Errichtung einer rheinischen Republik ein, um das linke Rheinufer für das Reich zu retten. Wir glauben an Deutschlands Glück und hoffen, mit Deutschland wieder groß zu wer- bcn. Eine Lösung vom Deutschen Reich wäre für alle Bewohner des linken Rheinufers unerträglich.

Uuterstaatssekretär Freund: Die außenpolitischen Gritiche des Zentrums für dir Errichtung der westdeut­sche« Rtturblik werden abgeschwächt durch die innerpoli- ti!che» Gesichtspunkte, die es geltend macht. (Sehr richtig.)

Abg. Adolf Hofsmann (U.S.): Die Sache fängt gut an. Heute soll die neue Regierung unter dem Mini­sterpräsidenten Hirsch gebildet werden durch Anhänger der Mehrheitssozialisten, der Demokraten und des Zentrums. Man soll sich über die wichtigsten Dinge, ,. B. über die Sch«l- und Kirchensragen schon vollkommen einig sein. Die Sehe der Herrn Dr. Heß gab einen angenehmen Vorgeschmack von dieser Einigkeit. (Sebr richtig bei den U.>.i Die Abtrennung der Rheinlandes von Preu­ßen wollen Sie schon deshalb, weil Sie hosfen, dadurch weniger zu den Kriegssteuern und Kriegskosten herange­zogen zu werden. (Unruhe im Zentrum.) Tie Trennung von .Kirche und Staat ist eine alte sozialdemokratische Parteiforderung. Haben die Mehrheitssozialisten diese Forderung schon ausgegeben? (Zurufe: Nein!) Dann verstehe ich nicht, daß Sie mit dem Zentrum Zusammen­arbeiten wollen. Die jetzige Zeit ist nicht dazu angetan, Millionen für die Kirche auSzugeben. Wenn der unselige Bruderzwist zwischen uns nicht wäre, dann würden viele von den Zentrumsleuten nicht hier sitze«. Aber ich hoffe, die Arbeiterschaft wird schließlich doch die Einheit zu erzwingen wissen. In kirchlichen Dingen sollte jeder nach seiner Fasson selig werden. Haben Sie nickt »ft geklagt über die Mängel des Religionsunter- richls in der Schule. Nun wollen wir die Erteilung dieses Unterrichts den Geistlichen überlassen, und da schreien Sie Zet-r und Mordio. Herr v. d. Osten sprach davon, die Hoheiljoklern hätten uns zur Blüte gebracht. Nein, wir sind <s$»6 geworden trotz der Hobenzollern. In Iiot x* Elend haben uns Die Hobenzollern gebracht, tati* sie hätte« xiU aoUia ut den Abgrund gestürzt,

Abg. Dannenberg (Welfe): Auch wir glauben, daß das alte Hohenzollern-Preußcn unwiederbringlich dahin ist, und wir wollen aus der Konkursmasse unsere hannoversche Heimat wieder haben. Die Gerechtigkeit, Selbstbestimmung und Moral erfordern die Wiederher­stellung eines

selbständigen Hannovers im Rabmen des Reiches. Die Regierung hat im Februar einen Erlaß gegen die Agitation der deutsch-bannoverschen Partei gerichtet, der bedenklich nach Bismarcks und Putt- kammers Geist riecht, und der uns den letzten Rest von Vertrauen zu dieser Negierung genommen hat.

Ministerpräsident Hirsch: Unser Erlaß wendet sich g-geu diejenigen, die in Hannover eine Volksabstimmung herbeffübren wollen, um diese Provinz von Preußen ab- zurcißen. Die Regierung steht diesem Gedanken ebenso ablehnend gegenüber wie den rheinischen Sonderbestre­bungen. Die jetzige Regierung hat für dynastische In­teressen gar kein Verständnis. Auch den Hannoveranern soll bezeugt werden, daß sie treue Deutsche sind, aber sowohl im Interesse der Einheit Preußens als auch der Stärke des Reiches müssen wir

au dem Bestände Preußens festhalten. Durch die Abspaltung von Hannover wird Preußen in zwei Hälften zerrissen werden. Wir sind überzeugst im Fall- der Volksabstimmung würde sich die Mehrheit der hannoverschen Bevölkerung für Preußen erklären. (Beifall.)

Abg. Runge empfiehlt als Schlußberichterstatter die beiden vorliegenden Entschließungen, in denen sich die LandeZversammlung gegen die Loslösunasbrstrebun- gen einzelner Gebietsteile von Preußen, gegen jede Ein­verleibung rheinischer Landesteile, insbesondere des Saar- beckens und des Bezirks Montjoie, Malmedy und St. Vith seitens Frankreich und gegen die Errichtung eines rher- uffchen Pufferstaates ausfpricht. Beide Entschließungen iverden angenommen. Dienstag 1 Uhr nächste Sitz­ung. Mitteilung, des Präsidenten über die Zusammen­setzung der Regierung und Nothaushalt.

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Berlin, 24. März. Der Aeltestenrat der preußischen Landesversammlung beschloß vorzuschlagen: lieber die am Dienstag auf der Tagesordnung stehende Mitteilung der Regierung über die Bildung einer neuen Regierung und über den Notetat wird voraussichtlich noch nicht ge­sprochen werden, weil nachträglich noch die Polensrage aus die Tagesordnung gesetzt wurde, mit deren Beratung man voraussichtlich am Dienstag fertig wird. Am Mitt­woch wird der Notetat im Zusammenhang mit der Regierungserklärung besprochen werden. Später kom­men die Anfragen über dir Ernährung an die Reihe, mit deren Beratung man bis zum Sonnabend fertig zu werden hofft .dann soll'Vertagung cintreten.

Deutschnationale Anträge.

Antrag der Abgeordneten Martin, Rissel, Neu­haus und Genossen: Die verfassunggebende Preußische Landesversammlung wolle beschließen: Die Regierung zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß die Koalitions­freiheit der Arbeiter und Arbeiterinnen vor terroristi­schen Eingriffen sicher gestellt wird.

Antrag der Abgeordneten Mentzel, Badjuhn, Dr. Dolezych, Hache und Genossen: Die versas- sunggebende Landesversammluirg wolle beschließen: Die Regierung zu ersuchen, bei der Reichsrcgierung darauf hin­zuwirken, daß Eingriff« in das Lehrlingswesen im Handwerk nicht statt finden, ohne die gesetzliche Ver­tretung der Handwerker, die Handwerker- und Gewerbe­kammern, denen nach der Reichsgewerbeordnung die Regelung des Lehrlingswesens obliegt, vorher anzuhören.

Antrag der Abgeordneten Oelze und Genossen: Die preußische Landesversammlung wolle beschließen, die Staatsregierung zu ersuchen: 1. baldigst in eine zeitge­mäße Neuochnung des Lehrerbildungswesens einzutreten, 2. bei der Vorbereitung und Durchführung dieser Neuordnung die Organisationen der Lehrerbildner, der Schulaufsichtsbeamten nick der Lehrer in weitge­hendem Maße heranzuziehe«.

Antrag Graf v.Kanitz und Genosien: Die ver­fassunggebende Preußische LandeSversammlung wolle be­schließen: die Regierung zu ersuchen, eine großzügige Ansiedlung (gemäß Verordnung der Reichsregierung vom 29. Januar d. IS.) alsbald in Angriff nehme« zu wollen und zu diesem Zwecke zunächst 1. die bereits vielerorts freiwillig durch den Großgrundbesitz zu Ausiedlungszwecken angebotenen Ländereien mit Hilfe der bisherigen Eigentümer schleunigst mit geeigneten Familien zu besiedeln sowie lebensunsähige Bauernftellen von zu geringem Umfange unter Zuhilfenahme dieser freiwillig angebotenen Ländereien wirtschaftlich leistungs­fähig zu gestalten, 2. die hierzu erforderlichen Barmittel und Baumaterialien bereitzustellen.

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Auf Anregung der Deutsche« BolkSpartei habe« die Hochschullehrer i« der preußischen Landesvrrsammlun- folgende förmliche Anftage eingebracht: Welche Maß­nahmen gedenkt die Regierung zu treffen, um die in die Freiwilligenverbände eintretenden Studenten gegen die aus der erneuten Unterbrechung deS Studium- fol­genden Nachteile z« schützen?

Paris, 24. März. (HavoS. ) Der Flieger Roget überflog die über 800 Kilometer lange Streck Wür« leüleKarül i« 8Stund« MWÜuchsu t

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Segen die Zerstückelung Deutschlands.

Berlin, 24. Mär». In einer im Sportpalast abgehaltenen Protestvcrsammlung gegen die Zerstückel­ung Deutschlands führte Reichsminister Erzberger u. a. ans: Die Worte Wilsons über Polen werden mißbraucht. Es dürfte nicht schwer fallen, bei allseitigem guten Willen eine befriedigende Lösung zu finden, aber die Polen ziehen den Weg der brutalen Gewalt vor. Artikel 16 des WafftnstillstandSabkommens schließt das Betreten Danzigs und der Weichsel durch die Polen aus. Bei der Unterzeichunng deS Waffenstillstandes gehörten die Polen nicht zu den Verbündeten. DaS deutsche Volk erhebt einmütig feierlichen Protest, daß ein in 'einet überwiegenden Mehrheit deutscher und deutsch ge- °innter Teil seine» Gebietes vergewaltigt toetben öll. In einer seiner Botschaften fordert Wilson, daß jede Lösung einer GebietSfrage im Interesse und zu Gunsten der betroffenen Bevölkerung getroffen werde und daß alle strittigen Gebiatsfragcn so gelöst werden sollen, daß keine neuen Elemente von Zwist und Gegnerschaft und von Friedensgefährdung geschaffen werben. Deutsch­land ist bereit zu einer Neutralisierung der Weichsel, waS Danzig als Freihafen einschließen würde. DaS deutsche Volk kann und wird einen Frieden, der mit der Annexion von Danzig, Westpreußen und eines Teile? von Oberschlesien belastet wird, nicht unter­zeichnen. Was dann kommt, dafür überlassen wir die Verantwortung einzig und allein der Entente. Die sofortige Herausgabe unserer Kriegs- und Zivilgefanaenen und die sofortige Aufhebung der Hungerblockade sind die Punkte, in denen wir fordern, daß die Franzosen und mit ihnen die Verbündeten endlich dem deutschen Beispiel von 1871 folgen. Als dritte Forderung stellen wir auf: die fofortige Räumung der besetzten Gebiete. Deutschland kann nur dann seinen Verpflichtungen nach­kommen, wenn e? völlige Bewegungsfreiheit besitzt. Eine Erpressung der Unterzeichnung deS Friedens ist keine Garantte für den Weltfrieden. Dann sprach Prof. Dr. Röt he. Der Rhein, so führt er aus, ist nicht mehr Deutschlands Strom, sondern seine ®renje, und aus dem Osten dringen Bolschewistenhorden in das Land. Der Verlust der Ostmark bedeutet für uns Hunger und Elend, besonders für unser Berlin. Wir wollen das Treugelöbni? aussprechen, daß wir an der Ostmark fest­halten und alles baransetzen werden, ihre Loslösung vom Reiche zu verhindern. (Stürmischer Beifall.) Geh.« Rat H ö tz s ch sprach im Namen der Provinz Posen die Besorgnis aus, daß die Grenzen, die die jetzigen Massen« stillstandsbedingungen gezogen haben, auch die künftigen Friedensgrenzen bilden und daß damit der Lebensnerv deS deutschen Volkstums zerschnitten würde.

Berlin, 24. März. Das Büro deS Reichspräsi­denten gibt bekannt: Dem Reichspräsidenten gehen täg­lich aus der Ostmark und aus dem Westen deS Reiches eine sehr große Zahl von Kundgebungen ösfentlicher Körperschaften, privater Verbände und öffentlicher Ver­sammlungen zu, in denen gegen die Abtretung deutscher Landesteile an Polen und des SaargebieteS an Frankreich Protest erhoben und der feste Entschluß bekundet wird, mit allen Kräften diese Gebiete dem Deutschen Reiche zu erhalten. Die Bevölkerung dieser Landestcile kann überzeugt sein ,daß der Reichspräsident jeden mit den sür nnS wie unsere Feinde verbindlichen Punkten Wilsons unvereinbaren Versuch, deutsche Gebiete abzutrennen, ent­schieden bekämpfen und ieber Vergewaltigung deutscher BolkSteile energischen Widerstand leisten wird.

Line aufreizend« Rede Roulrns'.

Berlin, 24. März. DieDeutsch- Allg. Ztg.^ meldet: Der französische Botschafter NoulcnS sagte bei einem ihm gegebenen MschiedSessen in Posen, er rate bet polnischen Bevölkerung, bie gerechte Empörung gegen ben Feind, der sie tyrannisierte und zur Verzweiflung trieb, niederzuhalten. Durch ben Abbruch bet Verhand­lungen sei nicht- zu befürchten. Der Waffenstillstanb bauere fort, unb wch- ben Deutschen, wenn sie ihn nicht achten würben. Die Frage DanzigS solle entschieben wer­ben ohne irgenbwelche Rücksicht auf ben deutschen Ein­spruch gegen bie Ausschiffung polnischer Truppen. Reichsminister Erzberger erklärte einem Mitarbeiter bet Zeitung, daß diese Rede Noulens den Geist stärkster Unversöhnlichkeit, wenn nicht des Hasse? gegen Deutsch­land atme unb beweise, daß Noulens nicht in bet Sage sei, gerecht unb unparteiisch zu urteilen. Deshalb hätte er auch ben Sitz in bet Oberkommisfion für nationale ParitätSbeschwerbrn unter feinen Umfiänben bem Bot­schafter NoulenS unb ben Verbündeten anvcrtrauen dür­fen. Ein solcher Borsiheicker hätte sich immer gegen Deutschland entschieden, da er nicht Richter, sondern Partei sei. Erzberger sagte ferner, eS sei unwahr, daß Deutschland die Polen tyrannisiere, im Gegenteil werde die deutsche Bevölkerung in unerhörtester Weise terrorisiert; die Polen brächen den Wassenstillstand täg­lich. Auf den Boffchafter NoulenS falle die alleinige Verantwortung für die Folgen seiner auspeitschenden, völketverhetzenden Rede.

Bon der Ostmark-Front.

Berlin, 24. März. Von allen Teilen bet Po- senschen Front stnb Patrouillenvorstöße unb kleinere Angriffe der Polen zu berichten. Die Stimmung unse­rer Truppen ist daher sehr erbittert, vor allem im Netze-Abschnitt südlich SchneidemiihlBromberg, gegen ben sich bie häufigsten Vorstöße gerichtet haben. Im Abschnitt Thorn wurden von zwei zu ben Polen ent­sandten Parlamentären einer nach dem Ueberschreiten der Grenz« getötet unb der andere verwundet.

Im Baltikum gelangten die Truppen der lettischen Regierung bi» an Eckau sowie bis östlich unb nördlich WB SRüttN, ., . . .. : . . < ______

Die erste« Lebensrnittel.

Berlin, 24. März. Der Vorsitzende der briti« chen Kommission in Spaa teilte in einer Note mit, baß in Ausführung be- Brüsseler Abkommens für runb 35 Millionen Dollar Nahrungsmittel auS amerikanische« Quellen unb für runb 20 Millionen Dollar au? briti« chen Quellen zu sofortiger Lieferung bereit eien. Die deutsche Regierung werde um Mitteilung ge» beten, wann die int Brüsseler Abkommen als Bezahlung hierfür vorgesehenen 11 Millionen Pfund Sterling in Gold in Brüssel eintreffen ;da die Uebersührung deS Goldes nach Brüssel am 26. März erfolgen wird, dürfte mit dem Beginn der Lieferung der erwähnten Lebens« mittel in kurzer Zeit zu rechnen sein.

Am 28. d. MtS. werden lautDeutscher Allg. Ztg." die ersten beiden amerikanischen LebenSmittelschisse im Hamburger Hafen eintreffen.

Bremerhaven, 23. März. Die heute vormittag abgehaltene Versammlung der Seeleute aller Chargen be« chloß, die Lebensmittelschiffe ohneGarantirnnicht ausfahren zu lassen. Nach der Versammlung veranstal­teten die Teilnehmer vor dem Gebäude des Norddeutsche» Lloyd eine Kundgebung gegen die Ausfahtt der Schisse ohne Garantten.

Amerikanisch« Forderung«« zum Bölkerduud.

Paris, 23. März. (HavaS.) Nicht nur bie Neu« traten haben zum Völlerbunb Aenberungen vorgeschlagen, andern auch Wilson bringt neue Forderungen mit, die ihm von der öffentlichen Meinung in den Vereinigte« Staaten gestellt werden. Die öffentliche Meinung läßt eine Aufhebung der Monroeboktrin nicht zu, ebenso will sie sich in ben Auswanberungsfragen keine Vor­schriften machen lasse».

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Paris, 24. März. Präsibent Wilson reiste tu Begleitung seiner Gemahlin unb Admiral Graysson- Sonntag nach ben verwüsteten Gegenden ab. Er be« sichtigte nacheinander Chateau-Thierry, Soissons, Laon, Noyon, Roye und Montdidier.

Paris, 24. März. Der amerikanische Marine­minister Daniels ist in Brest gelandet.

Au» dem besetzte« Gebiet.

Düsseldorf, 23. März. Der Provinzialland- tag der Rheinprovinz, der heute eröffnet werden sollte, mußte vertagt iverden, da dem Oberpräsidenten in Kob« leitz und verschiedenen Mitgliedern deS Landtags deS Regierungsbezirks Koblenz die Genehmigung zur Aus­reise von der Besatzungsbehörde nicht erteilt worden ist. Auch in den Kreisen Trier und Aachen ist die Er­teilung der Genehmigung wieder zurückgezogen worden und zwar, wie mitgeteilt wurde, auf Befehl des Marschall» Foch, der den linksrheinischen Abgeordneten die Teil­nahme an dem Provinziallandtag versagte. Der Pro« vinzialausschuß hat beim Oberpräsidenten beantragt, die preußische Regierung zu ersuchen, einen neuen Termin für die Einberufung des rheinische« Proviuziallanb- tages zu bestimmen.

Mainz, 24. März. Die französische Besatzung will im Zollhasen unb seinen Anlagen ein großes Waren­lager anlegen, bas namentlich aus Lebensmitteln bestehen soll. Mainz wirb Lebensmittelstapelplatz sür ben ge­samten Bezirk bet französischen Besatzung. Es soll von ben Lebensmitteln ein eiserner Bestaub von annähernb 2 Millionen Tagesportionen angelegt werben. Die An­fuhr wirb vornehmlich aus bem Wasserweg geschehen.

Bit lifllW Lm her ömirWM.

Der geplante Bormarsch nach Ungar«.

Wien, 24. März. Der boljchewistische Minister be» Aeußern Tschitscherin richtete an ben Volkskom­missar für Auswärtiges in Budapest einen Funkspruch, worin er ausführlich die gegenwärtige Lage der russi­schen Sowjetrepublik und ihrer Truppen sowie deren Er­folge, namentlich im Süden unb in der Ukraine, schildert Das jetzige System der Westmächte heißt e» darin besteht darin, nicht bie eigenen Soldaten gegen un» zu schicken, sondern andere in das Feuer zu treiben. Deutschland, das sich ihrem Witten fügt, bildete unter Hindenburg eine neue Armee als linken Flügel gegen uns, während die polnische Armee das Zentrum und btt ukrainischen Petljuratruppen ben rechten Flügel bitben. Währenb unsere Truppen im Dongebiet unb im Gebiet von Uralsk unb Orenburg siegreich Vordringen, nähert sich der deutsche linke Flügel Poniewitsch, die lettischen roten Truppen bedrohend. Das polnische Zentrum aber bewegt sich gegen Wilna und Minsk und nahm Barano« witsch. Diese gleichzeittge Offensive ist offenbar die Aus­führung eines wohl vorbereiteten Planes, hinter dem die Westmächte stecken. Unsere Lage im Westen ist daher schwierig. Schwierig ist auch die Lage unserer lettti schen und litauischen Verbündeten. Da sich nun die ukrainischen Sowjettruvpen Galizien nähern, wo es schot» gärt, finb wir dadurck unserem ungarischen Verbünde­ten nahe, der im Rücken unserer Feinde steht. Gegen die anstürmenden Deutschen und Polen werden neu» Kräfte zusammengezogen.

Anmerkung des Wolssbüros: Die hiesige zuständig« Stelle bemerkt, daß es nicht deutsche, sondern Truppe» der lettischen unb litauischen Regierung sinb, vor bene» bie Bolschewiki zurückweichen.

Wien, 24. März. DasDeutsche Volksblatt" Witz erfahren haben, daß bie russischen Sowjettruvpen i« einer Stärke von 300 000 Mann an ben Grenzlinie« bei Ukraine unb der Bukowina stehen. Nach Erzähluuz gen i» Wien einaetrosfener ungarischer Seifenba Volk