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mn dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchhain

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Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhejfen

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DieOberhessische Zeitung" erscheint sechsmal Wöchentlich. Der Bezugspreis beträgt monatlich 1.25 X. frei in« Hau« (durch die Poft ohne Bestellgeld). «erlüg »on Dr. C. Hitzeroth. Merkt 21/«. Fernsprecher 55.

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Marburg Tonnerstag, 20. Mürz

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1919

Der »nzeigenprei« beträgt fit die »ges». Zeile 20 J.u. 50/ KrgSzuschl., emtL ej cyai.,a auswärt. u. Sammelan,. 30J. u.Z3'/,'/.«rieg»juschl. Aeklamezeile !.20^t. Zeder so» ^Uylg. Rabatt gilt ab «artaiatt. «ei Auskunft d. die Geschäfts». u. Vermittlung der Angebote 36 j. »ondergebihr. - Postscheckkonto: Nr. 6016 Amt Franks, a. M.

Sie $tieieM8eM«imioea.

Berlin, 19. März. Der Vorsitzende der deutschen Ekassenftillstandskommission in Spaa hat gestern fol­gende Note überreicht:

Nach englischen Blätterineldungen hat Premiermini- -er Lloyd rge erklärt, daß der Friedensvertragsent- lourf den 7Deutschen zugestellt werde, sobald Präsident Wilson, seine Genehimugng gegeben habe. Man werde den DeuAchen aber nicht gestatten, über den Entwurf M debattieren oder irgendwelche Veränderungen an ihm : dorzunehmen. Das Datum der Einberufung der deutschen Delegation hänge von der inneren Lage Deutschlands ab. Zu der gleichen Zeit hat der französische Minister des Auswärtige» Vjchon in der wöchentlichen Pariser Presse- ksnserenz nach übereinstimmenden Meldungen der fran- i «ösische» Presse erklärt, daß die Verbündeten sich in leine Debatte über den Vorfrieden mit den Deutschen ein» lassen würden. Die Deutschen dürften den Vorfrieden, so wie er ausgearbeitet worden sei, nur annehmen, oder sie könnten ihn auch ablelmen. Der Reichsminister des Lcußern und ich als Vorsitzender der deutschen Waffen« . siiwfiand«kommissio7i ersuchen um baldige Aufklärung, ob diese Meldungen der englischen und fratlzösischen Presse, die bisher ohne Widerspruch von zuständiger amtlicher Seite geblieben sind, als zutreffend angesehen werden müssen und ob die verbündeten Mächte nach diesen Mel­dungen zu verfahren gedenken.

Reichsminister Erzberger.

Paris, 19. März. (Reuter.) Lord Robert Cecil erklärte, die britische Delegation sei der Ansicht, daß der Lölkerbundsvertrag in den Präliminarfrieden ausgenommen werden müsse. Es sei nutzlos, die End- - sriedeilsbedingungen festzulegen, bevor der Völkerbund in breiten Umrissen feststebe. So schien z. B. die Präli- «inarfriedenSbcdingnngen das Bestehen des Völkerbün­de: in der Frage des Schicksals der deutschen Kolonien ! voraus. Diese Frage könne man nicht in der Lust hängen la'sen, besonders, da man schon übereingekommen sei, daß I die deutschen Kolonien den Mandatarniachten, die wieder- 1 em den Völkerbund zur Voraussetzung, hätten, zugewiesen Verden sollten. Der Völkerbund sei das Hauptele- «e n t bei der Friedensstiftung in der Welt, je eher er in Tätigkeit trete, nm so besser sei es. Er sehe nicht ein, weshalb die Einfügung des Völkerbundes in den Präli­minarfrieden irgend eine Verzögening zur Folge haben sollte.

Amsterdam, 19. März. In der gemeldeten Unter­redung mit dem Pariser Korrespondenten derDailp Stc.-vS" erklärte Hoover noch, der schwierigste Teil des ganzen Lebcusmitttlw-ohlems sei die Finanzfrage. Europa könne nicht fortfahren, feine flüssigen Reserven 3 | auszugeben und sich Kredite für Lebensmittel zu verschaf­fen Die Reserven an .Kredit in der ganzen Welt wären für die Versorgung Europas nicht ausreichend. Hoover | f«br fort: Kehrt Europa nicht in sehr kurzer Zeit zur Arbeit zurück, so erleben wir in einem Jahr eine Wiederholung der jetzigen Nahrnngsinittelkrise. Die Wcl: ertrüge dann die Erschütterung viel schwerer als . jetzt. Wir müssen so rasch wie möglich Frieden haben, dann können alle Länder zur Arbeit zurtickkehrrn.

Amsterdam. 19. März. Einer Reutermeldung zu­folge erktärte Churchill im Unterhause, es sei unmöglich, tu sagen, wie lange die britische Armee am Rhein stehen -d | müsse, um einen Truck ans die deutsche Politik anszuüben. e

?| L DieBoss. Ztg." schreibt: Unter den bisher veröffent­lichten Namen der deutschen Uitterhändler für den Frie­denskongreß fehlt der des Reichsminister Erzberger. Ein Glück, dessen das deutsche Volk schon früher hätte teilhaftig werden dürfen. Den» dieser umgekehrte Korthcliffe, der trotz Verschwendung ungeheurer Ncichsmittel nnd trotz schamloser Preßforruption nirgend j * «ne Pronagandawirkung erzielen konnte, ist wegen der Aktenbündek, die Deutschlands Feinde über ihn besitzen, viel zu unfrei den Gegnern gegenüber. Man hätte ihn niemals zum Zweck amtlichen Verbandelns über die deutschen Grenzen lassen dürfen. Die deutschen Frie- densdebegierte» werden Varis die Folgen seines Wir- l i ItiiJ bei den Wasi-n 'ndsverbaudlungen noch zu spüren bekommen. Und das deutsche Volk kann sich bei ihn, auch für das bedanken, was sich augenblicklich in kosen abspielt.

Eigen den Raub dee Kolonie«.

Bremen, 19. März. Ein« eindrucksvolle Massen- bludgebung veranstalteten gestern Nachmittag btt ver- «iuigten Kolonialverbände Bremens für die Erhaltung Unseres Kolonialbesitzes in Gegenwart des Reichskolonial- vinisters Tr. Bell, des Gouverneurs von Deutsch- i Dstafklka Dr. Schnee urck des Gouverneurs von Deutsch- Neuguinea Dr. Haber. Reichskolonialminister Dr. Bell decwahrte sich, in längerer Rede gegen den Raub der brutschen Kolonien und verlangte unter allen Umstän­den. daß nach Punkt 5 der Wilsonschen Bedingungen . eine freie und weitherzige und unparteiische Schlichtung ; Eller kolonialen Ansprüche erfolge und daß Deutschland einen gleichberechtigten Platz unter den Völkern der Welt erhalte. Dr. Bell wics nach, daß der Vorwurf, daß Deutschland feine koloniale Unfähigkeit bewiesen habe, unberechtigt fei. Dieser Vorwurf wäre z. 8. durch Nc Treue der Eingeborenen Ostafrikas aufs schlagendste i 6 widerlegt. Deutschland sei jederzeit bereit, tor einem 5 f ^parteiischen Gerichtshof Rede und Anttvort zu stehen. 1 i w deutsche kolonisatorische Fäbiakeit hätten vor dem ' Kriege selbst englische und amerikanische Staatsmänner Anerkannt. Gouverneur Tr. Schnee und Gouver- ^ur Dr. Haber schilderten die Vorgänge während des Iri.ges in Deutschostafrika und in den Südseekolonien.

Die Versammlung, die von etwa 3000 Personen besucht war, nahm zum Schluß eine im Sinne der Aussührun« gen der Redner gehaltene Entschließung an, in der die Herausgabe unserer Kolonien gefordert wird.

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Es ist anzunehmen, daß weite Bolkskreise jetzt wieder voll Freude und Hoffnung-seligkeit in die nahe Zukunft schauen und triumphierend sich und ihren Bekannten und Nachbarn sagen, sie hätten doch Recht gehabt, daß auch ein noch so schlechter Frieden uns Brot und Fett bringen werde. Me sollen sie nicht guter Dinge sein, wenn eine Fülle von Nachrichten in allen möglichen Formen und Wiederholungen täglich ankündigt, welche Lebensmittel Deutschland bis zur neuen Ernte zugestanden werden. Gewiß ist das erfreulich, zu erfahren, daß man nicht zu verhungern braucht und bekommen soll, was nöttg ist, um das zu vermeiden. Aber was auf dem Papiere steht, haben wir noch lange nicht in unserer Speisekammer Bon Verpflichtungen der Gegner ist sehr wenig in dem Brüsseler Abkommen die Rede, um so mehr von neuen Fesseln, die Deutschland angelegt werden. Bestenfalls er­halten wir 370 000 Tonnen Lebensmittel geliefert, also etwa einen Monatsbedarf. * Was wir für die weiteren Monate bis zu der Ernte nöttg haben, um btt Hungers­not fern zu halten, das wird uns gestattet, im Auslände, also auch bei den Neutralen zu kaufen, benin wir es selbstverständlich, sowett etwas da ist, teuer bezahlen müssen, das Getreide ungefähr dreimal so teuer csis das heimische. Dabei ist zu beachten, daß die monatliche Höchstmenge von 370 000 Tonnen laußer Gemüse und Fischen) bis zum 1. September etwa Dreiviertel der Menge ausmacht, die wir zu unserer Ernährung brauchen. Menge, Güte und Preis der Waren müssen ohne Weite­rungen hingenommen werden, etwaige Aussetzungen au den Waren nach ihrer Ankunft sind nicht gestattet. Als Gegenwett für die Lebensmittel müssen wir möglichst viel Waren aus Deuttchland ausführen: die Westm ächte schrei­ben uns aber genau vor, welche Waren mit Rücksicht auf den englischen Votteil der englischen und französischen Industrie wir nicht ausführen dürfen. Und die Blockade für Rohstoffe, ohne die wir gar nicht produzieren können, bleibt obendrein bestehen. Auch müssen wir unsere ge­samten Verkehrswege zu Wasser und zu Lande, Eisen­bahnen, Kanäle, unsere WittschaftS- und Finanzgebahrung völlig der feindlichen Kontrolle unterwerfen und dann, was ja schon früher festgelegt war, unsere gesamte Han­delsflotte, insgesamt dreieinhalb Millionen Tonnen, aus- liesern. Wann oder ob wir sie je wiedererhalten, dar­über werden nur sehr unbestimmte Zusagen gemacht, das hängt vonErwägungen" ab, über deren Ausfall nach dem bishettgen Verlaufe der Waffenstillstandsverband­lungen wir unS keinen Täuschungen hingeben dürfen. Jedoch, wir find wehrlos und müssen dankbar sein ob der Brosamen, die von der Herren Tische fallen.

Berlin, 19. Mär». *SBk dieB. Z." hört, ist beabsichtigt aus aeivifsen, auf Grund des Lebensmittel- abkommens eingeführte« Lebensmitteln, besonders Fett und Swick. Refe-von anzulegen, um denjenigen Schwcrarbettern, brfonberä im Bergbau, die ihre Ar­beitsleistung von Monat zu Monat steigern, Prämien in Lebensmitteln gewähren zu können.

~ Haag, 19. März. Der holländische Schttsttteller Simons forbert imNieuwe Courant" die Holländer zur Einführung freiwilliger fettloser Wochen auf. Er schlägt vor, die unbenutzt gebliebenen Fettkarten auf besonderen Büros zu sammeln und die entsprechenden Fettmengen Deutschland und Belgien zur Verfügung zu stellen.

Die Sttm6«tget Seeleute gegen die Auslieferung der Schiffe.

Berlin, 19. März. LautBert. Lokalanz." ist in Hamburg in einer Massenversammlung der Seeleute im Zirkus Busch einstimmig folgende Entschließung ange­nommen worden:Die Versammlung der Seeleute aller Atten verweigert die von der Entente geforderte Auslieserung der deutschen Handelsflotte und macht es allen deutschen Seeleuten und Arbeitern zur Pflicht, die Arbeit aus den Schiffen zu verweigern." Begründtt mürbe die Entschließung damit, daß wir außer der garantierten ersten Lieferung von Lebensmitteln nach Auslieferung der Handelsflotte keine Gr währ haben, auch tatsächlich weitere Lebensmittel zu erhalten.

Berlin, 19. Mär». Zwischen dem Verband der deuttchen Reeder und dem Transpottarbeiterverband haben im Laufe der letzten Wochen eingehende Verhandlungen über ein neues Tarifabkommen stattgefunden. Diese Ver­handlungen führten zu eine«, guten Ergebnis. Der Tattfvertrag kam zustande. Eine Keine Gruppe radikaler Seeleute, im Deutschen Seemannsbund organisiert, ver­buchte, dies zu zerstören und trat au die Reeder mit der Forderung heran, die Sätze des Tarisvettrages um 100 Prozent zu erhöhen. Würde dieser Forderung nicht stattgegeben, so würden die deutschen Schiffe nicht aus­fahren. Der Deutsche Seemannsbund suchte die Arbeits­wikligen von der Anwerbung fernzuhalten, bettef in Hamburg und Bremen öffentliche Versammlungen ein und forderte die Seeleute auf, sich nicht anwerben zu lassen. Dieses Verhalten des Seemannsbundes ist das denkbar volksfeindlichste. Es schädigt nicht nur das deutsche Volk ans das allerschwerste, eS setzt auch die deutschen Seeleute der Gefahr aus, daß sie auf ihren Schiffen nicht verbleiben können, fonbern von den Ver­bündeten herunterzenommen werden. Es ist von den übrigen Arbeitern in Hamburg und Bremen zu erwarten, daß sie gegen dieses arbeitsfeiMiche Treiben mit allem Nachdruck austreten. w

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Die geplante Ausdehnung bet Brückenköpfe. Organifierung des polnischen Widerstandes gegen die

Bolschewisten.

Berlin, 13. März Aus der Sitzung der Wafsen- stillstandskommission in Spaa vom 17. März: Ein Trans­pott mit 314 deutschen Schwerverwundeten ist, wie die britische Kommission mittellte, am 15. März von Rouen nach Köln obgegangen. Ein weiterer Transpott mit 360 Schwerverwundeten soll am 17. März von Etaples aus folgen. Marschall Fach ließ eine Note übermitteln, in der et für die Mitglieder der internationalen Kommis­sion in Polen volle Bewegungsfreiheit int ganzen deut­schen Gebiet östlich der Weichsel forbert. Der deutsche Vorsitzende fragte an, ob also die Kommission, die doch nur für Polen und das Posenfche Gebiet zuständig fei, auch in Ost- und Westpreußen verkehren könne. Nudant antwotttte, er glaube nicht, daß der Geist der Note Fachs der fei, daß die verbündeten Delegierten in ganz Ost- nnd Westpreußen herumreisen werden. General v. Hammerstein ersuchte daraus Nudant, nähere Erflärungen einznhvlen. General v. Hammerstein überreichte den Geg­nern eine Note, in der er sich gegen die beabsichtigte Ein­beziehung der Gegend von Remscheid, Gronenberg und von OberpleIttenbachKöniqswint rHonnef in ben Kölner Brückenkopf erklärte. Die französische Kommission hatte unter Angabe verschiedener Grunde die deutsche Regierung gebeten, einer Bereinigung der Brücken­köpfe Koblenz und Mainz zuzustimmen. Die deutsche Regierung ließ antworten, daß sie sich nach sorgfältiger Prüfung der Frage mit der B setzuicg des neutralen Ge­bietes zwischen den Brückenköpfen Koblenz und Mainz nicht einverstanden erklären könne.

Nach der Vollsitzung gab General v. Hammerstein ei­nige Aufschlüsse über die Lage im Osten, die sich, wie er ansfühtte, in den letzten Wochen etwas gebessert habe. Trotz des Reinen Fortschrittes bleibe aber die Schwäch e der deutschen Truppen gegenüber den Bolschewisten be­stehen, da keine Verstärkungen heraugekommen seien. Durch die Genehmigung des Küstenverkeprs zwilchen 'MWindau ttitb eineS'besch^änMn'SchiMverkehrK zwischen Königsberg und Libau sei zlvar eine gewisse Verbesserung der rückwättigen Verbindungen eingetreten, die Schwierigkeiten in der Heranführung von Truppen und Lebensmitteln seien aber dadurch nicht beseitigt. Hierzu sei die bisher verweigerte Erlaubnis zum See­verkehr zwischen den westlichen deutschen Ostseehäfen und Libau nötig. General v. Hammerstein ging dann zur polnischen Frage über. Er wies darauf bin, daß die Polen an der Grenze Schlesiens immer rühriger werden und auch dott unter dem Deckmantel des Bolsche­wismus nationale Ziele verfolgen. Dadurch werde unter ben Kohlenarbeitern Oberschlesiens Er­regung hervorgerufen. Die polnische Agitation in West- preußen und zum Teil noch westlicher gelegenen deut­schen Gebieten habe nicht nachgelassen. Es dränge sich die Frage auf, ob nicht Polen ein besou.'res Interesse daran habe, nach Osten gegen die Bolschewisten» attiver zu werden, um einen besseren Damm gegen das Vor­dringen der russischen Gefahr zu bilden. Dies würde nicht nur für Deutschland von Vorteil fein, sondern auch die von Osten herandrängende Welle hemmen. General Nudant bemerkte hierzu, dies sei a u ch die Ansicht der Verbündeten. Es fei deshalb der französische Genera! Henry unter dem Titel eines militärischen Beraters beim polnischen Oberbefehlshaber nach Warschau entsandt worden, der die Ausgabe habe, den Widerstand an der Ostfront zu organisieren. Die von ihm verfolgten Ziele stimmten mit denen der deutschen Regierung über­ein. Es sei zu hoffen, daß in Kürze der Zweck erreicht toerde, eine Schr ante gegen das weitere bolsche- wisttsche Eindringen zu errichten.

Berlin, 20. März. Wie dem Lokalanz." aus Op­peln berichtet wird, hat sich der ehemalige polnische Abge­ordnete S e y d a über die Polenfrage nach einer Meldung des Pariser Berichterstatters desKurier Warszawski" dahin geäußert, daß bk polnische Frage sich etappenweise entwickle. Die Frage bett. Teschen und Posen sei bereits zugunstenderPolenentschieden. Jetzt wird die Frage betr. Danzig und Lemberg behandelt. Es sei Aussicht vorhanden, daß Lemberg an Polen fällt. Die dritte und letzte Etappe bilde die Frage der östlichen Grenzen. Eine nach Osten geleitete Unternehmung des polnischen Heeres könne auf Anerkennung und sogar Dankbarkeit der Verbündeten rechnen.

Die Verhandlungen in Pofe« erneut abgebrochen.

Berlin, 18. Marz. Nach einigen Tagen Unter­brechung haben bk Verhandlungen in Posen am 15. März ihren Fortgang genommen. Die Verhandlungen über die Zurücknahme der Artillerie auf beiden Seiten führte zu keinem Ergebnis. Ferner verlangten die Vertreter der Verbündeten rascheste Entscheidung über die Landung der polnischen Division in Danzig und deren Transport nach Polen. Anderenfalls wecke Danzig besetzt werden. Der Vorsitzende der deutschen Kommis­sion brotefikrte dagegen und erklärte in einer Note, die Danziger Frage gehöre nicht zur Zuständigkeit der Kommifiionsverhandlungen und könne nach dem Stand­punkt der deutschen Regierung nur in Spaa entschieden werden. Hierauf verlas Botschafter Noulens einen Auf­trag der Verbündeten Regierungen, in Posen über die Frage zu verhandeln. Schon in einer früheren Sitzung hatten die Vertreter der Verbündeten in nicht miß­zuverstehender Absicht bte Meinung geäußert, daß bk deutschen Truppen an der polnischen Front keine regu­lären Truppen, sondern wilde Freischaren seien. Von deutscher Seite war diese Unterstellung mit aller Schärfe zurückgewicsen worden. Nun wiederholte der französische

General die Behauptung und verlangte Zurücknahme der Freiwilligenverbsnbe. In der Frage der Besetzung der Kommission, der bk EntscheLung bei Beschwerden über ungerechte Behandlung Deutscher oder Polen innerhalb der Demarkattouslinie obliegen soll, ist eine Einigung nicht erzielt. Die Verbündeten ver­langen Besetzung der Kommission nur durch ihre Ver­treter, während von deutscher Seite die Besetzung mit Deutschen und Verbündeten unter dem Vorsitz eine# Neutralen gefordert Wick.

Berlin, 19. März. Die Verhandlungen zur Fest­setzung bet Aussührungsbestimmungen für bte militärische Demarkationslinie sind heute früh in Posen abgebro­chen worden. Es war für ben Augenblick nicht möglich, zu einer Einigung $u gelangen, namentlich über bte soge­nannte paritätische Oberkommission. Diese sollte all Beschwerdeinftanz dienen für bte Paritätskommissionen Diesen letzteren war zur Aufgabe gesetzt, bie vollkommer paritätische Behandlung der Deutschen unb Polen beider­seits der Demarkattonslinie ohne Unterschick der Natio­nalität bezüglich des Schutzes des Lebens, der persönliche» Freiheit, des Eigentums, der Ausübung des Berufs obei der öffentlichen Rechte zu garantieren. Die deutsche Re­gierung sah die Interessen der Deutschen bei dem zahlen» inäßigen Ueberwiegen der (Meaner nicht gesichert, während bie interalliierte Kommission wiederum durch keinen Neu­tralen und auch durch den Papst nicht den Vorsitzende» ausgewählt wissen wollte. Der Abbruch der Verhand­lungen ist für b!e deutschen Interessen kein Verlud ba auch bte von den Westmächten gemachten militärische» Vorschläge den deutschen Ansprüchen nicht genügen.

Berlin, 19. März. DieVoss. Ztg." schreibt: Bei dem gestrigen Briuch Noskes im Großen Hauptqttartiet in Kolberg wurden die Fragen des O st s ch u h e S be­sprochen, namentlich bezüglich Ostpreußens, unb babei auch die Eingliederung der dortigen Freiwtlligenkorps m die zu gründende Reichswehr Beraten.

Berlin, 18. März. Der deutsche Volksrat in Culmsec hat ein Telegramm an bte Reichsregierung ge­richtet ,in dem es u. a. heißt:Gegen die geplante Lan­dung polnischer Truppen in Danzig erheben wir schärf­sten Protest. Sollte die Landung polnischer Truppen in Danzig zur Tatsache werdwi, so wird bie gesamte deutsche Bevölkerung Westpreußens zu ben verzweifeltsten Mitteln greifen, um bie Freiheit zu bewahren."

©rauben;, 18. März. Die Organisation einet polnischen Universität in Posen ist somit fort- geschritten, baß bie Eröffnung, zunächst mit einer philo­sophischen und einer juristischen Fakultät, im Gebäude der bisherigen deutschen Akademie im Avv erfolgen i dürfte.

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r* Berlin, 19. Mürz. Die Gerüchte von einer Regierungskrise wollen nicht verstummen. Es ist unjtoet* felhast, daß die Stellung einiger Kabinettsmitglieda und zwar gerade einiger füfertnber Persönlichkeiten, i» folge der letzten Ereignisse wankend geworben ist. Scheide­mann insbesondere dürfte wegen der Entwicklung bei Sozialisierungsfrage, die er in diesem Tempo weit« ersttebte, nicht mehr so feststehen, tvie seither. Es ist Tatsache, daß in politischen Kreisen durchaus die Mög­lichkeit einer Radikalisierung der Reichs lei tunA als bestehend angenommen wird. Auch die Dinge in Preu» ßen deuten darauf hin. Die Sozialdemokraten in Preu­ßen haben ein Regierungsprogramm entworfen, das nicht nur bie Rechte, sondern auch bas Zentrum nicht an« nehmen kann unb wird. So bilden sich Krisenstimmun­gen, die rasch unsere politischen Verhältnisse aus ganz neue Grundlagen stellen können. Neuerdings kommt nun ein Zwischenfall hinzu, der leicht erhebliche politisch« Folgen haben kann. Der Staatssekretär des Aeußern, Graf Brockdorff-Rantzau, hat Verhandlungen mit den Unabhängigen gepflogen, die, wie es heißt, bezweckt haben, der Polttik des Auswärtigen Amtes eine breitere Grundlage zu geben. Durch bie Tatsache dieser Verhandlungen sind aber Mißhelligkeiten erwachsen, die eine Prüfung des Verhältnisses unter ben Kabinetts- Mitgliedern zur Folge hatten. Man versichert zwar in der Reichsleitung ,daß eine Krise im Auswärtigen Amt gegenwärtig nicht bestehe, es läßt sich aber nicht verken­nen, daß eine Neugestaltung der Leitung dieses Amte- jetzt schon dnrchgeführt wäre, wenn man sich über die Nachsolgeschast schlüssig wäre. Da man das aber nicht ist, und da sich unter den jetzigen Umständen auch nkm mb zu solchem Amte drängt, so Wick die Kriseufummunz einst» weilen vecknnsten, bis eines Tages die Tiplomateuirank- heit ihr Opfer gefordert hat.

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Berlin, 19. März. LautVorwärts" verwei­gert e die englische Regierung den englischen Mttgliedern der in Bern eingesetzten internationalen sozialistischen Kommission $ur Untersuchung der Lage in Rußland die Pässe.

Amsterdam, 19. März. DerTelegraas" meldet aus London, daß Lloyd George im Hinblick auf die Schwierigkeiten mit der englischen Arbeiterschaft de» Arbeiterführer Thomas ersucht habe, sofort nach Frank- - reich zu kommen.

Rotterdam, 19. Mär». DerTimer" zufolge ist die Lage der Baumwollspinnereien in Lancashire kritisch. Ungesähr-60 Prozent der Arbeiter sind ohne Arbeit-J