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mit dem Krersblatt

für die Kreise Marburg und Kirchhain

Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberhe,,en

54. Iahrg. ISIS

ID?«Oberheffilch« Zeitung- erscheint sechsmal wöchentlich. Dtr Bezugsvrei» beträgt monntlid) 1.15 frei 1118 Huus (durch die Poft ohne Bestellgeld). Verlag een Dr L. Hitzer»ttz. Markt 21/28. Fernlprecher 55.

Marburg

TomitrStag, 13 Miir;

I Der »nzeiqrnvrel, beträgt fRr die Szele Zeile 20 4 u 50*f. Rtu<^uf*L, amtl aueroort. h. GammebSte}. 30 4. w. 33'/,»/. trirgeju)*!. Reklamezeile 1 <X. Wieder Rabatt gilt al« Barrabatt. Bei luetenft d oie »eichättsR. «. Vermittlung 6er Ingebete 26 4. Lendergrdiihr. Pefticherkkente: Slr. 5016 »mtFrsnkj. c SK.

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Die WhHsWwwii.

8ee> 6« , 12. März. (Meuter.) DieDaily khrsnicle" meldet aus Paris: Deutschland wird |»ei Wannte Zeit erhalten, um die neuen Wtl'tLrischen Bedingungen auszuführen. Die Zahl her deutschen Offiziere wird auf 4500 beschränkt »erden.

Parts, 12. März. (Reuter.) Trotz aller ßegenteikiqen Erklärungen wird von unterrichteter Leite di« Ansicht ausgesprochen, daß der vorläufige Ariedensnertrag frühestens Mitte April geschlossen »erden kann.

Bern. 12. März. Rach Lyoner Blättern ist von dem zuständigen Ausschuß grundsätzlich beschlossen wor- fcrn. von Deutschland eine tonnenweise Kompen­sation fit die durch die N-Boolc versenkten Schisse zu derl.-uffe«. Sollte der deutsche Schisssraum bei dieser Btrndiwtut erschöpft werden, so müßte jder übrige Teil den Deutschland in bar erstattet werdens Eine Mel» hmn a»4 Cberbourg teilt mit, daß der frühere deutsche Daruvscr ch 0 r n l> 0 r st" in den Besitz derMessa- Gtties Maritimes" übrrgegangcn ist.

Haag, 12. März. Aus Paris wird gemeldet: ßeber He Defchräukung der militärischen Macht keukichiarch» wird nutzer den bereits bekanntgegebenen Rci,.iul)etn noch gemeldet: Die Armee darf keine Kanonen seu grötzerem Kaliber als 15 Zentimeter habe?:. ®s wurden Vorsichtsmaßnahmen getroffen be treffend der Mititärschulen, und Aufhebung der schützen- und Turn vereine wird verlangt wetten.

Die Versorgung Deutschlands.

Umfterdatn, 12. März. Wie Reuter aus Darts »etoft, erklärte Lansing in einer Unter- ttbutig mt Ner-rete'N! der Preise, dost so rasch wie «-glich Frieden gefchlosseu und Schiffe mit Le­ben na ittelnach Deutschland geschickt werden miif- fen, um die Welt vor Anarchie zu bewahren.

8wÄ>#n, 12. März. Der Pariser Korrcsson- deut des ^Daily Telegraph" erfährt ..... der atne- kika.tischen Friedenskommission, daß zur Versor­gung Cuispas 3 0 0 0 0!) Tonnen Lebens- Kitte! monatlich notwendig seien. Diese Lebensmittel werden zuerst aus Weizen und Fleisch bestehen. Der größte Teil davon kommt aus den RordBLftKaaten Amerikas. Der oberste Wirt- sthüfisrat wird alles nur mögliche tun, um Deutfch- Lmd mit Lebensmitteln zu versorgen, aber es wird Dti bei der Lebensmittelversorgung kein Vor- rs'.'g einAeräumt werden.

Amsterdam, 12. März. Nach einer aus- sthriicheren Reutermeldting aus Paris sagte Lan- ßng in der bereit» kurz erwähnten Erklärung u. a.: Wir «Utsssl die Verhältnisie. die zur sozialen Un­ruhe Arsührt haben, zu ändern versuchen. Was Deutschland braucht, läßt sich in zwei Worten Jagcit: Frieden und Lebensrnittel. Um Deutschland zu ermöglichen, der Anarchie und dem häßlichen Despotismus des roten Ter­rors Widerstand zu leisten, muß man ihm Lebens- eitiel geben und im gestatten, diese Lebensmittel M verdienen. Dies muß nicht aus Mitleid für tes brutsche Volk geschehen, sondern es muß ge- weil wir, die Sieger in diesem Kriege, iMtft die Hauptleidtragenden sein würden. Kan kann soviel Schadenvergütung ve '.tagen, wie nm will, und darauf bestehen, solange man will. tu«« das deutsche Volk kein Material für seine Lndustri« und keine Gelegenheit erhält, die Er- HevgniFe seiner Arbeit auf fremden Märkten ab- Ksetzen, und wenn die Arbeiter keine Lebensrnittel habcu, kann Deutschland für die von ihm began- ßtneu Nebeltaten nicht zahlen. Außerdem wirs, wenn der jetzige chaotische Zustand andauert « weder eine verantwortliche Regierung geben, die Frieden schließen kann, noch eine Negierung, die stark genug ist, um die Vertragsverpflichtungen zu Erfüllen.

Ste Verhandlungen in Rotterdam.

Rotterdam, 12. März. Heute begannen hier die Verhandlungen zwischen der deutschen stonimisston unter dem Direktor der Nationalbank, Dr. Schacht, und der Kommission der Westmächte, bi« einen Teil der Verhandlungen über die Ver-1 fvrgung Deutschlands mit Lebensmitteln gegen Eine entsprechende Ausfuhr von deutschen Pro- hnkrcn bilden. Es wurden drei Kommissionen ge- stildet, eine für Kali, eine für Holz und die dritte mr Farbstoffe.

Greaektate» und Ausschreitungen im besetzten Gebiet.

Berlin, 13. März. Die Bevölkerung des be- Ntzten Gebiet» wird durch Greueltaten der Be- mtzungstruppen immer mehr zur Verzweiflung ge­rieben. So wird jetzt bekannt, daß jüngst in ^rarbrücken ein französischer Soldat eine Heidel-

Studentin, Fräulein Schütze, vergewaltigte derart mißhandelte, daß sie starb. Ebenso s

wurde ein 22sährige Lehrerin von Franzosen ver­gewaltigt und durch Bajonettstiche so schwer ver­letzt. daß sie starb. In Düsseldorf drangen vier englische SoldakDp nachts in ein Haus ein und suchten von den Bewohnern Geld, Lebensrnittel und Zivilkleider zu erpreßen. In dem entstehenden Kampf wurde ein Engländer getötet, ein anderer tödlich verletzt. Offenbar handelte es sich um Sol­daten, die fahnenflüchtig werden wollten.

Wiesbaden, 12. März. In der letzten Zett wer­den namentlich Frauen und Mädchen, aber auch Männer von der französischen Besatzung in ten Abendstunden be­tätigt. Mißhandlung schwerster Art sind an der Tages- ordnuug. Aus mündlicher Beschwerde 6c:m Stadtkom­mandanten verwies dieser die Beschwerdeführer auf ter, Weg der schriftlichen Klage und verbat sich jede weitere Belästigung.

Der Gouverneur von Elsaß-Lothringen.

Paris, 12. März.Petit Journal" meldet, daß der Gouverneur von Algier, I 0 n n 0 r t, zum Gouverneur von Elsaß-Lothringen ernannt ist.

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Die französische Ortentarmee.

Paris, 12. März. In Beantwortung einer Anfrage über die Orientarmee erklärte Abrami im Senat, daß noch mehrere Monate eine Armee von 150 000 Mann unterhalten werden müsse. Beab­sichtigt sei die Bildung eines Freiwilligenkorps für den Orient.

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Sm WM in MMM.

Die Bedingungen für den Abschluß des zunächst immer noch vorläufigen Friedens sind nunmehr festaestellt. Ibr Inhalt wird in etwa 8 Tagen offiziell tem deutschen Volke bekauntgegeben werden. Daß unser Los nach dem Verluste dieses Krieges sich unheilvoll für uns gestalt t. wissen wir. Wir haben durch die Wafstnasslstandsbe dingnngen und durch ihre fortdauernde Verschärfuna einen Vorgeschmack dessen erhalten, war unser harrt Was wir aber bis zur Stunde ans Grund besonderer Informationen über die Bedingungen unserer Feinde füt den Abschluß des Bor-, noch nicht einmal des endgültigen Friedens in Erfahrung gebracht haben, wird, wenn da« deutsche Volk und seine Regierung diese Aussagen an nebmen, unsere völlige Knechtschaft besiegeln.

Unsere Gegner planen eine völlige Entwaffnung Deutschlands, eS soll uns nur verstattet fein, ein kleines unbedeutendes, lediglich zur Aufrechterhaltung der Ord­nung im Innern bestimmtes Söeer zu holten, das man aber nicht mehr mit diesem stolzen Namen bezeichnen könnte. Unsere Flotte gehört durch die bis jetzt schon dnrchgeführten Wof'enstillstandsteding,innen ohnehin schon der Geschichte an. Die einzelnen Teile des Entivaffnunas- vrograrqzns werden die demütigendsten Forderungen ent halten. Wie wir erfahren, wird die Behandlung, die dem linksrheinischen Gebiet zugedacht ist, für jeden Deut­schen besonders niederdrüchend sein. Die Westmächte wollen nichts Geringeres fordern, als die militärische und verwaltungstechnische Oberherrschaft über das Gebiet des linken. Rheinusers. Die Verwirklichung dieser Forderung wäre der Vorläufer einer späteren Annektton. Die Annektton des Bezirks von Saarlouis betrachten die Westmächte jetzt schon als ausgemachte Sache. Ueber das übrige Saargebiet soll ein französisches Protektorat verhängt werden. Die Verankerung der französifchen Herrschaft auf dem linken Rheinufer wird durch drei Hauplforderungen zu derwirssichen gesucht: Man ver­langt von uns zunächst fci- Schleifung aller links­rheinisch gelegenen Festuageu, man fordert ferner, daß kein deutscher Soldat mehr in diesem Gebiet ausgestellt und sich anshalten dürfe, und man verlangt die Lehre der französischen Sprache in allen Schulen als Pflichtfach. Die deutschen Verwaltungsorganisationen sollen be­stehen bleiben, aber den militärischen Besatzungsbehörden als kontrollierenden Organen unterstellt werden. Daraus 'rgibt sich ,doß die Franzosen das ganze linksrheinische Gebiet mit einem Besatzungsheere belegen wollen, womit zum Ausdruck gebracht ist, daß die Annektion systematisch vorbereitet totrb.

Diese Pläne, neben denen noch die Forderungen aus sinanziellem und wirtschaftlichem Gebiete sich bewegen, sollen in den nächsten Tagen schon unseren Unterhänd­lern unterbreitet werden.

Köln, 12. März. DieKöln. Ztg." berichtet aus amerikanischer Quelle als Ergebnis der Beratungen der Westmächte, daß ein« rheinische Republik nicht als ein Teil Deutschlands, sondern mit eige­ner politischer Organisation solang« bestehen soll, bis Deutschland feine finanziellen Verpflichtungen gegen Frankreich und Belgien erfüllt hat. Di« Besetzung könne ein Jahrzehnt dauern. Dann werd« bet Bevölke­rung der rheinischen Republik sreigestellt werden, ob sie zu Deutschland zurückkehren oder als mmbhägtger Staat weiterbestehen wolle.

Amsterdam, 12. März. DerManchester Guar­dian" b zweifelt, ob Wilson der Annektion des Saartales und der Bildung eine- Pufferstaates auf dem linken Rheinufer zu stimmen werde. Das Blatt meint, daß die gewaltsame Abtrennung eines großen deutschen Distriktes ohne die Bevölkerung zu fragen, nicht mit dem Grund­satz des Selbstbestimmungsrechts der Völker überein­stimme.

Sie Mark.

Neue polnische Angriffe und Erenzverletzunge«.

B e r l i n , 12. März. Rach dem Ergebnis neuer Waffenstillstandsverhandlungen liegt die sogen. Demarkationslinie gegen das von den Polen be­setzte deutsche Gebiet südlich der Bahnstrecke SchneidemühlRakelBromberg. Der Verkehr auf dieser Bahnlinie soll nicht behindert werden. Entgegen der übernommenen Verpflichtung, Waffenruhe zu halten, und entgegen der Zusage, den Vahnverkestr SchneidemühlBromberg nicht zu stören, beschoß am 9. März polnische Artillerie ohne irgendwelche Herausforderung deutscherseits die Bahnstrecke bei Rakel, darauf verkehrende Züge und den Bahnhoi Rakel wiederholt. Der Bahnhof Rakel wurde beschädigt. Der Personenverkehr auf der Strecke mußte umgcleitet werden.

An der Grenze zwischen Oberschlesien und Kon- areßpolen kam es wiederholt zu Grenzver­letzungen durch die Polen. Oestlich der Laura- Hütte wupde ein deutscher Posten durch die Polen norübergehcnd zurückgedrückt. An verschiedenen Stellen der Grenze beschossen die Polen deutsche Postierungen. An der Ost- und Nordfront von Lissa und bei Ilgen mußten polnische Streifen abgvschlaacn werden. Zwei Polen wurden umfangen genommen. Die vermehrte Gefechtstätigkeit der Polen an der Netzefront hielt auch gestern an. Wir waren gezwungen, stärkere polnische Pa­trouillenvorstöße teilweise mit Artillerie und Minenwerfern abzuwehren. Ein feindlicher An­griff gegen Lochowitze westlich Bromberg wurde durch Gegenstoß abgewtesen. Ein polnischer Pa­trouillenvorstoß bei Murowanice nordöstlich von Netzwalde kostete uns einen Toten und drei Ver­wundete.

Im Baltikum wurde nordöstlich Ianow ein fc-üblicher Angriff abgeschlagen. Nordwestlich von Shaulen besetzten wir Kurschann und Martyuischki

Die Verhandlungen in Posen.

Berlin. 12. Mörz. Die Mitglieder der deutschen und intralliierten Kommission trafen sich, wie bereits mitqeteilt, am 5. März in Kreuz. Da sich die inter­alliierten Vertreter meige ten. in Bromberg zu verhan­deln, einigte man sich schließlich auf Posen als Ver- bandlungsort. Beim Betreten des von den Polen be­setzten deutschen Gebiets wurden die deutschen Vertreter unter scharfe militörssche Bewachung gestellt und den­selben Fveiheitsbefchränkungen Unterwerken, die für die rsten Verhandlungen in Trier von Marschall Fach an- geordnet ma-en. Di« Fahrt der deutschen Kommission vom Dabnbos Posen nach dem ibr zugewiefenen Quar­tier erfolgte in offenen Droschken unter militärsscher Begleitung. Im Hotel wurden die deutschen Delegier­ten sofort durch ein starkes Postenaufgebot von der Außenwelt a b g e s ch n i t ten. Selbst brr Verkehr in­nerhalb des Hotels mit den Vertretern der dortigen deutschen Behörden sowie Telepbongespräche wurden nur im Beisein polnischer Offiziere erlaubt. Frhr v ß-echenberg. der Vo-Mende der 1 Kam Mission, fegte sofort bei Nonsens, dem Vorst z'nbe.r tu interalliierten Kommission, scharfen Protest ein und er­klärte. die deutfch-n Übertreter wurden an tei ist: den 7. März anberanmten Sitzung nicht teilnegww, weiir die polnischen Anordnungen best»ben bliebeii. Auch bi' deutsche WaffenstillstandskomwOn in erlwh auf Anord­nung Er'bergers bei Rudant Einspruch geqen das pol­nische Vorgehen. Nachdem Hiera if di- i-rln-schen Mas. nahmen zum Teil r ü ck g ä n.1!gemocht <ratben la- ben d'e Sitzunaen der fceterb tigen Komni ssionen em 7. März im Schlote bren Aufing aenammn Zur finden nur Verhandlungen auf dem Gebiet des Ber- kebrswefens statt. Die militärischen Verhandlungen mußten ausgefettt werden, da vorerst n n ü b e r d t,i ck- b ar e Differenzen ein getreten sind.

Hindenburg, 12. März. Hier tagte gestern eine stark besuchte Versammlung der Arbeiterausschüsse und Vertron-nslente der oberschlesischen Gruben. Der frühere Volksbeauftragte Battb-Berlin ersuchte die An­wesenden den Ausstand abzubrechen, da er in Berlin und Mittel-Deutschland beendet und in Oberschlesien al? aussichtslos zu betrachten sei. Es wurde, wi­derOberschlesifche SBanbeter" meldet, beschlossen, am Donnerstag bezw. Freitag früh geschlossen die Arbeit wieder aufzunehmen.

Beuthen, 12. März. 35 Gruben sind noch aus­ständig.

Gestern Nachmittag wurden östlich Dombrowka auf deutschem Boden zwe^Mann einer Patrouille von den Polen erschossen "

Auf der Straße bei Schoppinitz stießen bewaffnete Spartakisten mit einer Patrouille zusammen: die Spar­takisten verloren zwei Mattosen. Bei der Säuberung der Lourahütte wurden drei Männer, eine Frau, ein Kind sowie der Führer der 10. Kompagnie, ein Ober­leutnant, getötet. Bei der Aufhebung eines Spartakisten« nestes zwischen Mikulschütz und Borsigwerk kam eS zu einem Gefecht, wobei die Spartakisten einen Toten und mehrere Verwundete hatten.

Mtmi Eiltotos.

Berlin, 12. März. Die Besetzung des Osteu» von Berlin einschließlich Lichtenberg durch bta deutsche Schutzdivision, das Freikorps Hülfen untz die Earde-Kavalleriefchützendivision wurde plan­mäßig durchgeführt. Die Kämpfe waren im all­gemeinen nicht allzufchwer, an verschiedenen Stele len kam es jedoch zu lebhaften Einzelkämpfe*. Viele Fälle bestialischer Grausamkeiten der Spa» takisten wurden einwandfrei festgestellt. Größer« Bestände an Lebensrnitteln fielen in die Hand« der Regierungstruppen. Die Verluste der Regis» rungstnippen st"d nicht erheblich.

Berlin, 12. MSrz. LautL.°A." sind die Svav- takisten aus ihren Verschanzungen Kater dem Bob» hos in Lichtenberg verschwunden. Nach derVolkS^t» tung" vollzog sich die Besetzung Lichtenber«» heute vormittag fast kampssos. In der Nähe der Irren­anstalt Herzberge wurde eine funkentelegraphische Station errichtet, die Verbindung mit den militärischen k^i-Uen untereinander und dem ReichSmarineamt unterhält. Die Besetzung der Stadt erfolgte planmäßig, ohne daß ri« Schuß siel. Bei der Irrenanstalt fand man zwei Maschi­nengewehre und einen Wagen mit Munition und Hand­granaten, die die gessüchteten Spartakisten stehen ließen. Me Gefangenen wurden unter sicherer Bedeckung nach dem Berliner Polizeipräsidium gebracht. Um zwei Ube mittags haben sämtliche einrückercken Truppen den Befehl, sich am Rathaus in Lichtenberg zu vereinen.

Berlin, 13. März. Bevor gestern vormittag die vereinigten Truppen der deutschen Schutz-Division und des Freikorps Hülsen zum Angriff gegen die Barrikade« in der Frankfurter Allee übergingen, bahnte sich ein mtt Offizieren des Divisionsstates der deutschen Schutz-Divd fton besetztes unaevonzertes Personenautomobil unter Führung deS Rittmeisters v. A r n i m kämvsend den We« bis zur ersten Barrikade, die fofort von den Offiziere« und den Begleitleuten gestürmt wurde. Die Svartakiste« flohen unter Zurücklassung eines Toten. Dasselbe Aut» fuhr dann mit derselben Besatzung als erste Spitze bet Regierungstruppen, wie die Blätter berichten, umjubell von der befreiten Bevölkerung Lichtenbergs noch von alle« Seiten beschossen die Frankfurter Allee weiter und stellt» die Verbindung mit den an der Warschauer Straße vor­gehenden Teilen der Garde-Kavallerie-Schützen«DtvisisH her.

Die Besetzung Lichtenbergs vollzog sich so rasch, d'.ß die einrückenden Regierungstruppen auf dem Lichtenberger Güterbahnhof noch eine große Reihe von Plünderern üb<r- raschte. Als diese sich plötzlich von Regierunastruvven umzingelt sahen, suchten sie zu entfliehen. Bis in bk Abendstunden war eine» große Menge von Gefangene« gemacht. Auch wurden große Mengen von Maschinenge­wehren, Minenwerfern und ungeheuere Mengen M« Munition beschlagnahmt.

In der Kopenickerstraße wurde durch Truppen der Garde-Kavallerie-Schützen-Division ein Spartakistennest auSgehoben. Die Leute mußten erst mit der Waffe nieder­gekämpft werden. 34 Spartakisten wurden erschossen, während die anderen gefangen genommen wurden. EK wurde eine große Anzahl von Waffen gefunden.

Berlin, 12. März. Bei den Durchsuchungen ' * besetzten Stadtteilen wurden in der Nacht vier Svr.- , kisten, die bewaffneten Widerstand leisteten, sestgenomr > und standrechtlich ers choffen. Bei Aushebung eii : Spartakistennestes in der Gegend östlich dem Alexander- Platze wurden zwanzig Polen gefangen genommen. Haussuchungen in der Hutten- und Beusselstraß« er­gaben große Wassenmengen.

In der letzten Nacht drangen einige Stoßtrupps bet Garde-Kavallerie-Sch ützen-T Ivision in die RedakttonS» räume derWeltrevolution" ein und beschlagnahmten viele Exemplare des Blattes, Schriftstücke, Setzplatten usw. Darauf wurde eine Streife in der Lothringer­straße gemacht, wo sich die Ausgabestelle derWelt­revolution" besindet. An beiden Stellen wurden die Mannschaften von den Dächern beschossen.

Berlin, 12. März. Einzelne MP.bder der mehr­heitssozialistischen Frakttan der Nationalversammlun« haben gestern die bauptsächlichsten Punkte der Straßen- kämpfe im Osten Berlins besucht, um sich ein Bild von der KampfeSweise der Svartakisten zu machen. Trupve« aer Garde-Kavallerie-Schützen-Division haben um zehn Uhr nach heftigen Kämpfen die Frankfurter Allee erreicht und dort Anschluß an die Eiserne Marine-Brigade ge­funden. Es begann ein Kesseltreiben gegen i* dort befindlichen Spartakisten.

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r* Berlin, 12. März. In derFreiheit Vitt ein Bencht des Vollzugsrats veröffentlicht, aui bei hervorgeht, daß die bisher gemeldete Zahl von 160 Toten in Lichtenberg, die von Spa.lakisten ermordet toorben sind, viel zu hoch gegriffen sei. Der Vollzugsrat. habe dies sestgesteltt. Von der Reichsregierung verlautet hierzu, daß der Bollzugsrat als solcher keine Ermächtigung bekommen hat, irgend eine Untersuchung zu leiten. Et ist auch nicht durch die Absperrungslinien der Regt» rungstruppen hindurch nach Lichtenberg gekommen. Ent­gegen der Darstellung, die er von den Ereignissen gibt, wird eine Liste der in Lichtenberg ermordeten Persönlich­keiten veröffentlicht werden.

Weimar, 12. März. In der Presse ist berichtet, Reichswehrminister Noske habe erklärt, die Reichsregir- rung bereite eine Amnestie anläßlich der letzten Slufftdnbe vor. Eine solche Aeußerung ist nicht getan, es beste bi auch nicht eine derartige Absicht. Die Schuldige» sollt vielmehr bk volle Streng« des Gesetzes treffe«.