। Dekit w^e. Me Sparkakisten Jefct «He fldferifetfBdEge» toäftt ausgeraubt, sodaß für die flrmrobnrr nicht das Geringste übrig blieb. Im Lause bei gestrige» TageS haben sie auch da- große Lebensmitteldevot am Frankfurter Ringbahnhof vollständig ansgeplündett. Dori Waren ursprünglich Truppen der republikanische» Sol- • datenwehr untergebracht, die anscheineich mit de» Kom- 1 wunisteu gemeinsame Sache gemacht haben. Während des ganzen Tage- schleppten bewaffnete ßimlifkn, Frauen «ch Kinder aus diesem Depot Säcke mit Mehl, Ätttofftfx, । Hülsenfrüchten und Konservenbüchse» hinweg.
I Au« Papieren, die bei Gefangene» gefunden worben find, wurde festgestellt, daß auch auf die Iftedfidkn Gebäude in Trmpelhof «in Ueberfall geplant war. Infolgedessen find die Zugangsstraßen von Neukölln »ach Tempelhof »on einem dichten Ttuppenriug abge- fperrt wachen.
Berlin, 11. März. Zn dem Hanfe Franzäsische kttaße 32 befand sich die Zahlmeisterei der Boll-marine» Division, die kürzlich ansgehobe» wurde. I» der Annahme, daß sich am 11. Mär», dem Zahltag«. Mitglieder der aufgelösten Bollsmarine-Didision aus der Zahlmeisterei «infinden würden, wurde die Zahlmeisterei nnd die stirbenhäuser mit Regierung-truppen »nauffällig besetzt. Am Geschäftsraum der Zahlmeisterei wurden viele Waffen, Munition, Handgranaten nnd Minen vorgesunden. Am Laufe des Bormittags kamen zahlreich« Matrose» ans die Zahlmeisterei, um dort ihren Sold abzuholen. Sie wurden festgenommen. Die meisten fügten fich, eine Reihe widersetzte fich mit der Wasse. 24 Matrosen, die sich mit der Waffe widersetzten, wurden, entsprechend dem Befehle de- WehrministerS NoSke, standrechtlich erschossen. Die andere», im ganzen 250 Mann, i» Lastautos noch Moabit ins Untersuchungsgefängnis der- bracht, später ober »leist wieder ans freien Fuß gesetzt.
Berlin, 11. März. DaS Verbot der „Freiheit", des Organs der Unabhängigen, ist wieder aufgehoben worden. *
Die Greuel ia Lichtenberg.
Berlin, 11. März. An den Grausamkeiten gegen dir gefangenen Regierungssoldaten in Lichtenberg haben fich auch Weibe, in unmenschlicher Weis« beteiligt. Ein gefangener Soldat wurde von etwa 30 Menschen, darunter vielen Frauen, zunächst du-ch unzählige Stiche mtt Taschenmessern schwer verwundet. Die Kopshaut hing ihm in großen Fetzen vom Haupt«. Ein Weib stieß ihm mit einem Messer in den Hal«, sodaß die Schlagader aufgerissen wurde und der Verwundete zu Boden sank. Er wurde zur Seite gestoßen, doch gleich darauf warf fich eine Anzahl Weiber auf ibn und zertrat ihn. In der Frankfurter Allee wurde ein gefangener Soldat nackt aurgezogen, in diesem Zustande auf die Straße gestellt imb mit Handg ranaten beworfen, bi« sein Leichnam in Stücke zerfetzt war. Rach weiteren amtlichen Meldungen au« Lichtenberg Mvrtreffen die Zustände dort alles, was in den schlimmsten Tagen der BoNchewikiberrschaft in Petersburg und Moskau bekannt wurde. Iedcr bester gekleidete Mensch wird von dem Pöbel überfallen, seiner Kleidung hi» auf da« Hemd beraubt und totgeschlagen. Es liegen bereit« eine ganze Reihe von solchen Fällen vor, «dienen fich wieder zahlreiche Weiber beteiligte».
Laut »B. T“ wurde in Lichtenberg ein »nbewaff. «eter Jäger, der aus einem Fahrrad fuhr, von sungen Bursche» und Weibern vom Rade geworfen und derart geschlagen, daß er al« eine formlose Masse tot Vogen blieb.
Wie die „B. Z." berichtet, stehen Ne Trudde» des Oberkommandos Lüttwitz im Kreise um Lichtenberg, haben einzelne kleine Patrouillen über die Ringbahn vor- geschickt, aber Mn geschlossener Truppenteil bat irgend Wiche Teil« Lichtenbergs besetzt. Einer der beide» Offiziere, Ne zu der Besatzung des Postamtes in Lichtenberg gebörten und der den Spartakisten entkam, wäbrend der andere niedergeschlagen wurde, meldete fich gestern lehn Oberkommando und sagte aus: Die Besatzung bestand aus zwei Offizieren und 34 Mann. Der um V«3 Uhr nachmittags begonnen« Kampf wurde mit Maschinengewehren und Handgranaten ziemlich lebhaft geftibrt. Die Besatzung hatte einen schweren Stand, da sie die versprochene Hilfe noch nicht erhielt. Kur» nach 5 Uhr erschienen Parlamentäre der Spartakisten nnb forderten die llebergabe der Besatzung mit den Waffe», die abaelehnt wurde. Um 6 Uhr fuhr ein Samtätsauto znm Abboleu der verwundeten Soldaten ab. Obwohl die Rote Kreuzsahne wiederbolt gezeigt wurde, stellte» Ne Spartakisten das Feuer nicht ein. DaS Eindringen der Epattakisten in dos für das Samtätsauto geöffnete Tor des Postamtes, der Anblick der verwuicheten Frauen und Kinder kn der Menge und besonders die Eröffnung deS Minenfeuers lähmten die Kampffraft der Besatzung. Lin Teil entfloh, Ne andern wurden von Spartakus gesangen, dann unter Schlägen und wüsten Verwünschungen entwaffnet und abgeführt.
Fordauer des Straße»bahnerauspande».
Berlin, 11. Marz. Das „SetL Tageblatt" meldet: Die Aussprach« zwischen der Leitung der Straßenbahn und dem Ausschuß der Ausständigen »erlief ergebnislos, da die Direktion die Bedingungen der Ausständigen ablehnte.
WHUinnsM ll Mi«.
An Maschinengewehre denkt man dabei, an blutige Zusammenstöße, Menschenmafien, drohende Fäuste! So mag es vielleicht im Zentrum fein, hier draußen im Weste» mertt man zunächst nichts Außergewöhnliches. Rur daß keine Bahnen falten. Ne vielen Fußgänger eilig woran streben: denn Zeft imb Kraft kosten Ne endlosen Wege, und der Berliner ist das Lause» so zarmcht gewöhnt. <8länz«nde Geschäfte macht jeder, der jetzt ein Pferd sein eigen nennt, da»» irgend ein Gefährt, nnd bann kann'» losgehen. Am beliebtesten find Ne offene» Möbelwagen, Stühle, Sofas, Bänke stehe» draus oder wackelige Kisten mit Holzbrettern drüber und im Ru find alle Plätze besetzt. „1 Mark bis Potsdamer brücke". Dann geht es los. Der arme Gaul muß tüchtig ziehen nnd der Lenker steckt schmunzelnd 30 Mark und mehr für V« Stunde Fahrt. Und die schlechten Witze, die feder über sich ergeben lassen «nß, der nicht sehr geschickt bas nicht so einfache Auf- und Absteigen bewerkstelligt. Der Lenker eines besseren Gefährtes mft »Sitzplätzen, her zwischen Zoo und Halensee fuhr, erzählt«, daß er in t»/. Tagen 650 Mark eingenommen hab«, die er mit feine« Fuhrherrn teile. Nnd wer sich ein Aut» leisten kann, zahlt 60 Mark für •/« Stund« Fahrt. — Berlin ohne Zeitungen! Ist daS denkbar? — Dio ersten Streiktage erschienen wenigstens »och „Vorwärts" und „Börsen- kourier", aber seft gestern auch Ne nicht «ehr. und «an läuft vergebens nach den bekannten Verkaufsstellen. Was wftd tu Weimar beraten, wie sieht es in der Well aus, »an weiß von garnichts, und die wagesten Gerückte von Moich und Brand im Zentrum Berlins, Beschießung , der öffentlichen Gebäude »sw. durchlaufen die Stadt. Telephongespräche find nur den militärischen Betrieben gestattet, jedes Privatgespräch ist verboten. Nach Hunderten sollen Ne Sterbefälle zählen, die durch bitfe Maß-
A« Äse te fielst.
Leipzig, 11. März. Nachdem der Allgemein- ausstand der Arbeiter abgebrochen nnd auch der Bürgeransstand für beendet erklärt morden ist, soll die Arbeit tn allen Betrieben heute früh wieder ausgenommen werden, doch werden verschiedene große Fabriken wegen Kohlenmangel, gezwungen sein, vorläufig weiter zu feier«. Eine Lohnnachzahlung fstr di« Ausstandstag« findet nicht statt. Die Straßenbahnen verkehren fett heute früh, auch die Zeitungen Pud zum Teil wieder er. schienen.
Weimar, 11. Mär». Da in Gotha die von der Regierung entsandten Truppen ihr« militärische Ausgabe dnrchgeführt haben, ist nrit ihrem Abtransport begonnen worden. 3» Gotha ist ein großer Teil «assen von der Bevölkerung abgegeben worden. Die llmbildung der vewachungstruppen macht gute Fortschritte. Der AnS- ft - IA U C. _a
Ifl WtlMXi.
Zwickau, 11. Mir». Heute traten sämtliche Belegschaften im Kvhlengebitt OelSmtz-Luga» in den Ausstand, ia ganzen 14 000 Manu, um aus die Berbandln ngen, Ne zurzeit nrit dem Wirtschaftsminister Schwarz in Zwickau stattfinden, einen Druck auszuüben.
Mülheim, 10. März. Ihn einen von den Spartakisten zur Verhaftung ihrer Führ« geplanten Gewalt, streich zu verhindern, zogen gestern Truppen de» in Oberhausen liegenden Freikorps Schultz, w» der Bevölkerung freudig begrüßt, in Mülheim ein und besetzte, da« Rheinisch-Westfälische Wasserwerk in Styrum. Wettere Truppen werden folgen.
Mülheim a. d. Ruhr, 11. Marz. Die Mel. düng über ein Ausblasen der Hochöfen bei der Fried rich-Wilhelmshütte entspricht nicht den Tatsachen und ist wie folgt zu berichtigen. Die Erzfahrer der Hochofenabteilung wünschten eine Auszahlung der Löhne am Montag. Da Nese aus verschiedenen Gründen nicht möglich war, weigerten sie fich weiterzuarbeiten, sodaß das Werk selbst fich genötigt sah, die Hochöfen stillzulegen. In der Rächt auf Dienstag arbeitete ein Teil der Arbeiier wieder, so daß der Betrieb heute wieder ausgenommen werden konnte. Allerdings verursachte die Stilllegung der Defen eine Störung de» ganzen Betriebes.
Beuthen, 11. März. Im Ausstande befinden fich gegenwärttg 30 Grubenbetriebe mit ungefähr 20000 Mann und drei Hütten, die Laura- Hütte, das Borfigwerk und die Zulienhütte. Vielfach haben sich die Arbeiter nur widerwillig dem Ausstande ongeschlofien. Bon einem Allgemeinaus- stand kann kein« Hebe sein.
Ausstand der Film« und Kinoangehörigeu.
Berlin, 11. Mär^ Die „B. Z. a. M." meldet: Der Zentralverband der Film- und Kino- angehöngeu. in dem sämtliche Angestellten der Branche gewerkschaftlich zusammengeschlossen sind, erklärte den Allgemeinausstand für dis gesamte Filmindustrie.
Mit Ktüm«.
$•*>«•, 11« 8ttt» dar Landwirte I
Westpreußen», M«jor «. D. LM-Nckastsdlrektor R»«h- l iJ ■ ist tat» WI Meatamg Mat tL Lebensjahr«
Sie«, 1£ Mär». DU Blätter melden: Z» bet Kruppschen Metallwarenfabrik tu Berndorf bemächtigte» fich Ne Arbeiter bet Fabrik» Leitung »rib forderten Me Beamtenschaft «riet Drohung auf, dem fagialde»»»- kratischeu Bunde bet Industriebeamteu betzntteten.
London, 11. März. sHavasj Im Anterbanfe erklärte Bouar Low in Beantwortung einer Anfrage, er stehe mtt Lloyd George in Berbtndnng »egen der der franzöfifchen Regierung zu mdetbreitenben Vorschläge, unverzüglich mit bea Ban eine» Tunnel» unter bea Aeraekkanal zu beginnen, an für N» ent. falteten Soldaten eine eene ArbetttaSglichkett m schaffen.
Die geplante Landung polnischer Truppe« in Danzig,
Berlin, 11. März. Rach bet Vollsitzung bet Waffenstillstanbskommisfion in bpaa gab General v. Havrmerstein dem Vorsitzenden bet verbündeten Kommissionen in einem Vortrag einen Bericht über die militärische Lage im Osten, insbesondere über die Frage der Truppentransporte in der Ost- ee und bi« Landung polnischer Truppen in Danzig, deren llebersührung aus Frankreich nach Polen in Aussicht genommen ist. Er wie» darauf hin, daß der Transpott durch Westpreußen neu« Beunruhigung und blutigen Aufstand Hervorrufen würde und betonte die Gefahr, die für die gegen die Bol
regel veranlaßt werden, wo bei Blutungen, Entbindungen, Unglücksfälleu keine ärztliche Hilfe schnell herbeigeholt werden kann. Die nötigen Arzneien fehlen. Die Universität, Museen, Sammlungen sind geschlossen. Aus Ne BrotlDen war am ersten Tage großer Ansturm, man stand stundenlang sür einen Laib. Jetzt ist aller Sohl ansderkauft, weil die Zufuhr stockt. — Und überall tiefen» große Plakate in den schreiendsten Farben. Die „Antibol-- schewistenliga", ein riesengroßer Bär mtt fletschenden Zähnen, bet ans Menschenleiber tritt, oder ein Aufruf »nm Kampf gegen die Polen, ein überlebensgroßes Hungergespenst, auf einem Blutmeer schreitend; ein sinkendes Schift und darunter in Riefenlettern: „Flaggt Halbmast! Der Deutschen Flotte Sterben!" als Reklame Ür eine nene Broschüre und bergt An den Straßen- ecken nnd in den Untergrundbahnhösen viele invalide Krieger in lliniorm, die Streichhölzer und Zigarren feil» halten, Drehorgel oder Geigen spielen nnd die Blicke ans sich und ihre Leiden zu ziehe« suchen. Aber das Volk hastet vorüber. Jeder ist mit sich und seinen Sorgen beschäftigt; nur als einer unserer Kolonialkrieger onnengebräuut in seiner Tropenuniform mit elastischem Schritt fich dnrch das Gewühl seinen Weg bahnt, gebt eine Bewegung durch Ne Menge und manch dankbarer und bewnridernder Blick f»lgt ihm. M. Jensen.
Im „BortoärtS" berichtet ein Parteigenosse folgendes kleine Erlebnis, für deren Wahrheit er sich verbürgt: Am Freitaguwrgea ging ich durch eine der belebtesten Straßen des Südwestens nnd Hütte, wie ein mir unbekannter Mann nrit einem Zigarrenhändler in einen heftigen Streft geriet Der Mann kam dann aus mich zu und erklärt«, der Händler habe ihm gefalteten Kautabak anzudrehen versucht Ich r-rie ihm, Anzeige zu erstatte». Darauf er: „Anzeige? Wozu soll das helfen? Ich fege Ihnen, solange Willem nicht wieder
fcherrrksterr llkmpsimde« deutsche« Truppen bek einer Unterbrechung ihrer rückwärtigen Verbindung mit der Heimat entstehen würde. Ein« Ausladung in Liban würde durch btc dortigen günstigen Hafenverhältnisse erleichtett. Auch Memel, Pillau und Königsberg könnten als Landungsplätze benutzt werden.
Di« Ausweisung bet Deutsch«, aus Ghina.
Setli«, 11. März Die „Deutsch. Allg. Ztg." veröffentlit^ einen Aufsatz bet „Timer", ttt bem festgestellt wirb, baß fett zwei Zähren England China gedrängt hat, sich die feindlichen Untertanen vom Halle zu schaffen. Zetzt endlich habe man Erfolg, und es würben zwei Truppentrans- portdampfer ausgerüstet, auf denen 590 Männer und 700 Frauen und Kinder befördert «»erden könnten. Die Att der Transportes, besonder» die Trennung der Frauen nnd Kinder von den Mannern, könne zwar stark kritifiett werden, fei aber unvermeidlich, wenn man das vorteilhafte Der- handlungsergebnis nicht vernichten nnd Englands Ansehen im fernen Osten aufrechterhalt«« wolle.
Dtt Wahle« in flfalbetf.
Arolken, 1L März. Bei ben Landtagswahlen wurden gewählt: im Wahlkreis Waldeck 5 Stqfaldemo- kraten, 5 Deutschnational«, 3 Demokraten, 3 Waldecksch« volksbündler, 1 Volksparteller, im Wahlhei« Pyrmont 2 Sozialdemokrat«, i DentftnatiMalet, 1 Demokrat.
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Mit MomMtimlmk.
Sitzung vo« 11. Mär».
Präsident Fehrenbach eröffnet Ne Sitzung um 10,20 Uhr und teilt nrit, daß Ne Beerdigung deS in Halle getöteten Oberstleutnants v. Klüber heui« nackmittao 3 Uhr stattfindet Die Nationalversammlung wird durck eine Abordnung bei der Beisetzung vertreten sein und durch diese einen Kranz zu Ehren des Verstorbenen niederlegen lassen. Die Nationalversammlung hött Nc Worte der Anerkennung und des Dankes für den in bestialischer Weise Hingemordeten stehend an.
Ans der Tagesordnung stehen zmtächst
Anfragen.
Ans die Frage des Abg. K a h m a n n (Soz.), was die Regierung zur restlosen Erfafiung der auf dem Lande vielfach verborge» gehaltenen Kartosfelbestände zu tun gedenke, erwidert Ernährungsminister Schmidt, daß Ne zuständigen Behörden wiederholt zu scharfer Bewachung aufgefordert wurden, und daß die Transpotte bei Eintritt frostfreien WetterS in verstärftem Maße wieder ausgenommen werden würden.
Abg. Sollmann (Soz.) fragt, ob die Regierung in der Lage sei. Ne schleunige Aufhebung des Verbots des Oberbefehlshabers der Verbündeten zu erwirken, im besetzten Gebiet Neuwahlen zn beit Gemeindevertretungen vorzunehmen.
Staatssekretär Albert: Ans eine Ansrage der deut scheu Regierung hat General Rudant erwidert Me Besatzungsarmeen hätten ein Interesse daran, daß die gegenwärtig im Amte befindlichen Kommunalbehörden vorläufig bleiben. Die Erfüllung dieser Forderung sei a«S sichtslos.
Es folgt die Interpellation Arnstadt und Genossen über das Verhältnis von
Staat nnb Kirch«.
Als Abg. Mn mm (Deutschnat.) da« Wott zur Be gründung nehmen will, erklärt Präsident Fehrenbach eS fei fein Vertreter des Ministeriums des Innern da zur Beantwortung. Es habe daher feinen rechten Sinn, die Interpellation weiter zu behandeln. Ihm werde jetzt gesagt, die Antwort fei formuliert and werde beriefen werden.
Nach längerer GeschäftSmcknungsauSsprache, in der Kolomalminister Dr. Bell namens der Regierung er« klärt, daß der Borwurf der Rückfichtslofigkeit der Regierung gegenüber bei Interpellation unangebracht sei, die Interpellation fei im Kabinett eingehend besprochen worben, wurde schließlich beschlossen, weiter »n verhandeln.
Abg. Mnrna (Deutsch».) zur Begründung: Es ist das Empfinden weitester Volkskreis«, daß wir an der Schwelle eines neuen Kulturkampfes stehen. Unser armes Vaterland braucht im Innern Ruhe nnb Frieden, aber die Herren Ebert und Sckeideman» haben ihm diesen Finden nicht gegönnt. Eine ihrer ersten Taten war, den Sprecher der fteireligiöfen Gemeinde, Herrn Adols Hoffmann, an die Spitze deS prenßifchen Kultusministeriums zu stellen. Der Redner erörtert dann die von dem sächsischen Volksbeauftragten tzug erlassenen Verordnungen über das Verhältnis vo» Kirche und Staat. Hug habe auch die Simultanschule durchgesührt, ohne irgendwie für den konfessionellen Religionsunterricht zu sorge». Ebenso sei in Hamburg Ne Brandfackel des religiösen Zwistes in die Bevölkerung hineingeschleudert worden. Im Prinzip hätte man fich nicht einmal damit ausgehalten, Verordnungen tn machen. Tic Schulkinder der Hauptstadt feien hier von dem sogenannten Botks-
kommt, gibt'» keine Ordnung im Lande." Ich »ersuche, dem ausgeregten Menschen begreifiich zu wachen, daß wir auch ohne „Willem" zur Ordnung kommen müßten, andere Länder hätten doch auch keine „Willems", und es ginge auch so. Der aber läßt sich nicht belehren, sondern sährt fori: „Rein, Herr, sehen Sie, was für eine Wirtschaft! Nun muß ich jeden Tag zwei Stunden nach dem Gewerkschastshaus laufen, weif die Straßenbahn nicht fährt" Gewerkschastshopsl Ich stutze. „Was macken Sie beim im Gewerkschastshaus?" „Na, ich bin doch Arbeiterrat bei S.-Sch." Arbeiterrat? Mir steht fast der Atem still, und dann frage ich mit gekünstelter Gleichgüftigkeft: „Und welcher Fraktion gehören Sie an?" Daranf hrirb mir die int Ton fröhlichsten SelbstbewutztfeinS vorgetragene Antwort: zr3d) bin natürlich Mitglied der U.E.P.L"
Vermischtes»
Zwieback-Auflanf. 400 gr Zwieback werde» eine Stunde vor bem Gebrauch mit etwas Wasser angefeuchtet, durch Me Fleischmaschine getrieben. Dte Masse wird mit einte Viertelliter Magermilch, einem Ei ober Ersatz und einer gute» Tasse »oll Zucker versüßt, beim ein gehäufter Suppenteller »oll fein geschnitzte Aepfel, eventuell eine Handvoll Rosinen darunter gemischt und in der Anflanffora 1 Stunde gebacken.
Klöße. Vi Pfund Zwieback werden 1 Stunde vor Gebrauch mit Wasser «gefeuchtet und dann durch die Fleischmaschine getrieben. Die Masse wird mtt heißer Magermilch übergossen, dann mit Salz, einem Ei ober Ersatz und mit Mehl $» einem steifen Teig oerührt. Mtt einem Löffel schöpft um» Klöße in kochendes Salzwasser, Ne man etwa 1« Minute» kochen läßt Mit allen Obstsorten zu esse«.
fonrmifTat zn einer christlichen Weihnachtsfeier im Do« znsammengcbracht worden, bei der es geradezu unglaublich zugegangen fei. In Mecklenburg planten die Gewalthaber die koufcssionslofe Einheftsschule. Wir rufen der Regierung zu: Keinen Schritt weiter auf der» Wege der gesetzlichen Verordnungen! Wir fordern sür unsere Kinder Me christliche Schule und den christliche»; Religionsunterricht. Wie positiv zu versahren ist, zeigt Württemberg. Die Deutschnationale Lollspartei kämpft für die Erhaltung bet christliche» Grundlage in Staat, Familie und Schule.
Reichrkolonialnrimster Dr. Bell: Der Minister des Innern, der tit dringlicher Reichsangelegenheit nach Berlin berufen wurde, hat leider der Verkehrsschwierig leiten wegen nicht rechtzeitig hier erscheinen können. Ich hab« tut Namen der Reichsregierung folgende Erklärung ab« zngeben: Da« Reich besitzt gegenwärtig keine Zn- ständigkeit ans dem ®ebid des UnterrichtswesenS. Die Regierung kann deshalb nicht gegen etwaige glück« staatliche Eingriffe in die Regelung des ReligionSunte» richteS Stellung nehmen. Inwieweit in Me Reichs« Verfassung Normativbestimmnugeil über bas UnterrichtS- toefen anfzunehmen sind, wird bei Beratung der Reichs« »erfafftrng zu prüfen sein.
Abg. Hellmann (Soz.): Bei der Bchandkung der Angelegenheit »on Kirche und Staat hat fich Ne ganze lleberhebuug und Herrschsucht der kirchlichen Kreise gezeigt. Die Kirche selbst hat Schuld daran, daß s» große Teile deS Volkes ihr feindlich gesinnt sind. (Lärm und Widerspruch rechts nnb int Zentrum.) Wir geben aber ohne weiteres zu, daß Ne einzelstaatlichen Eingriffe in den Religionsunterricht takttsch unklug und vielfach auch taktlos waren. Sie wann auch undemokratfich, weil sie der deutschen nnb den einzelftaatlichen Nationalversammlungen Vorgriffen. Wir verlangen im Interesse der vollen Gewissensfreiheit di« Beseitigung des Religionsunterrichts als besonderer UnterrichtS- gegenstaick. Die religionslose Schule soll nicht religions« feindlich fein, nur kirchcnsrei. Unser Ideal ist bk duldsame Menschheit von LeflmgS Nathan. Wer e» ist unmöglich, die religiöse Unterweisung mit einem Schlage zu beseitigen, und deshalb haben Me RevolutionSregiernn- gen falsch gehandelt Ein« Uebcrgangszeit ist notwendig.
Abg. Dr. Hausbach (Zcntt.): Wir haben rin tief- ernstes Bild von den Mißgriffen einiger Gliedstaaten! erhalten. Wir wollen, daß der Religionsunterricht unter Aussicht bet Kirche «in Teil des Lehrplans bet Volks« i schule sei. Das Reich ist allerdings nicht zuständig, aber eine freundnachbarliche Einwirkung wäre möglich. Wir müssen Gewicht daranf legen, daß Me Sicherstellung bet staatsbürgerlichen Rechte des Einzelnen und bk Gewissens-- nnd Religionsfreiheit in der Rcichsvetsafinng scstgelegt werden. Ein« Kirchen- und SchulpoMk Adols Hoffmanns würde Deutschland dem vollen Untergang entgegenführen.
Hierauf werden die Verhandlungen auf 3 Uhr nachmittags vertagt.
Nachmittagssitzung.
Abg. Weitz (Demokrat): Die Regierung hat Recht, »nenn sie fich für unzuständig erklärt. Wir wollen die Fragen in möglichst rctigionssreuüblichem Sinn gelöst haben. Wegen bet Menge des Religionsunterrichts kann man streüen, aber man soll deshalb den Religionsunterricht nicht ans der Schule herausnchmcn, sonder« data« arbeiten, um eine durchgreifende innere Reform des Rcli- lionsnnterrichtS herbeizusührcu. Ein wohlrefotmierter Religionsunterricht ist ein wesentliches und organisches Stück im Lehrplan der Schule. Ohne religiöses Bekenntnis und Erlebnis dürfen wir bk Jugend nicht lassen. Gerade der Gedanke bet Einheitsschule würde sehr darunter leiden, wenn die religionslose Schule viele Eller« nötigt, ihre Klicker in religiöse Privatschulen zu schicken« (Beifall bei ben Demokraten, rechts und im Zentrum.)
Abg. Ko «lisch (Deutfchnat.): Die Erklärung bet Regierung war für uns in feiner Weise genügend. Wit fordern die christliche Volksschule und den christliche» Unterricht in bet Volksschule. Man soll den Religionsunterricht auch nicht den kirchlichen Gesellschaften nehmen. Versuchen Sie nur hincinzudringen in bk Tiefen des Volkslebens, unb Sie werden spüren, daß daS Religiöse für Ne weitesten Bolkskrcise immer noch das Heiligste und Teuerste ist, das anzutasten niemand sich unterfangen sollte. Wenn wir herauskommcn wollnanS dem
surchtbaren Elend unserer ZWk, ans dem Blnlsumpf, in dem Wit waten, so kann Plis nut geschehen von innen heraus durch innere Werte, vor allen Dingen durch die Religio,l. Schön wäre eS, wenn in der Reichsversassung ein Gesetz sür Kirche und christliche Schule, sür Religion und Christentum niedergelegt werden könnte und wenn die Regierung für diese Fragen ein größeres Interesse nnd zwar «in wohlwollendes finden könnte.
Abg. Dr. Runkel (Teutschc Boltsp.): Ich fanr. bk letzte Aentzetnug des Vorredners nur unterzeichnen. Di« Religion darf nie und nimmer zu einer Parleisache herabsinken. Die Religion ist das größte und heiligste Volksgut, das es gibt Der Religionsunterricht soll an erfter ©teile in bet Volksschule stehen. Wir wollen Gewissensfteiheit für den Lehrer und das Kind, und daun fordern wir Freiheit der Schule von der geistlichen Aufsicht. Ein Grauen des Entsetzens packt uns alle Über Nc heutige Verrohung, aber wir haben die Sittlichkeit nicht durch Parlarnentsheschlnsse und Ksin- mandobesehle, sondern nur durch religiöse Erziehung.
Ministerpräsident S ch e i d c m a u n: Wir Haden nicht im geringsten Me Absicht, etwa Obstruktion zu machen. Wenn Sie damit einverstandeu sind, daß diese Fräsen zur Zuständigkeit der Reichsregierung gehören sollen, dann inden Sk meine volle Zustimmung.
1919
Reichsverband für sparsame Bauweise
•M für Siedlungen Ambi-Baustoffe verbanden. Ausserdem kann jedes Dach sofort eingedeckt bzw. in Stand gesetzt werden. Die Ambi-Dacbstein« Maschine liefert Falzziegel, Pfannen, Krone* usw. im Handbetrieb.