mit dem Kreiüblatt für die Kreife Marburg und Kirchhain
Die „Oberdess'sche Zeitung" «ridteint sechsmal wSchentlich.
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Der
j MF KO Pegue»preie beträgt monatlich 1.25 X. frei Han» <d»rch die Poft I J1X «O offne Bestellgeld) — Verlag wen Dr L. -itzereth. Kertt 21/31. -
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Marburg
Montag, 10. März
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Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberhessen
D«r Anzeigenpreis beträgt fit di« Sgei» Zeile 20 j.w eeel«fltHljttf4L, emtl r » auwwirt. a. Sammel-Anz 80 j.w SS'/,'/. Krieg»,n>chl. Retlamezrile 1X. Jeder Mebatt gilt al» Barrabatt. — Bel Wuifxnft d et« •<!<;• tt»IL e. Frrmittlmg IQlö der 1 »gebet« 21 4. KandergebRH«. — Pastscheckkanta: Br. ICH Imt Franks, a. 5X.
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Bettete Militärissx Beschränkungen fit Deutsch- . Im*. — Keine allgemeine Wehrpflicht. — Auf- tze»«vg der Bleckadr gegen Oesterreich.
' Pnris. 8. März. Der Dberfte Kriegsrat nahm chM 7. März die Dorschläge Lloyd Georges an. Wich denen Deutschland die Bedingung auferlegi werden soll, ein -«er von nur 15 Divisionen zu hakte«, da» sich ausschließlich aus Berufssoldaten zvsammensttzeu soll, die sich für 12 Jahr« freiwillig verpflichtet haben. Der Rat beschloß ferner, die ßetienseittf e t »e rf 0 rgu 11g von Deutsch-Oesterreich von WO ans 3000 Tonnen täglich zu erhöhen. Der «merttmtische Lebensmtttelkommissar Hoover er- 6itte, daß er genug Lebensmittel zur BerMMNß habe, um ganz Europa zu versorgen, dich <*ee die Transportmittel unzureichend seien.
Amsterdam, 8. März. Nach einer Dlötter- ans Paris verlautet in amerikanischen Kreisen, daß die deutsche Armee in den Friedens- hMngunge» wahischeinl'.ch auf 70 000 Mann Be- enssssMaten festgesetzt würde. E» werde keine Kienstnflichl zugestanden werde«, so daß es Dcuisch- laid unmöglich gemocht werde, im Geheimen eine Armee ««fznftcllen.
Roch einer an anderer Stelle wiedergcgebenen Parffee Meldung soll die Stärke des Heeres 200 9W Monn betragen.
Haag, 8. März. Wie der „Nieuwe Rotterd. teutanf“ aus Paris meldet, hat der Nat der Zehn gestern beschlossen, die Blockade gegen Oesterreich Ovtzuhed«. Die Lebensmittel werden über Fiume und Triest geschickt. Die Italiener waren gegen den Beschluß, die Franzosen, Engländer und Ame- rftaver dafstr.
^Washington, 9. März. Wie verlautet. Wurde beschlossen, eine Kommission von höchstens »tef SWgHebem zu ernennen, nm zu untersuchen, was die Staaten der früheren österreichisch-ungarische« Monarchie für die ihnen geschickten Lebensmittel zahlen können. Wahrscheinlich wird man sich Mr die Lebensmittel, die nach Deutsch-Oesterreich geschickt werden, hauptsächlich aus den Ein- komme« der Salzbergwerke und der Stadt Wien ^al-l«r kaffen. Der Wirtschaftsrat wird die Einfuhr ww 30 000 Tonnen Getreide aus Argentinien nach Doaffch-Oesterreich gestatten, vorausgsetzt, daß Der.ttch-Oesterreich dafür zahlen kann.
Das britisch« Rheinhrer.
Lsntzo«. 8. März. sNeuter.) Das Krlegsamt. teil)' iß#, daß die britische Armee am Rhein aus einer Diuisian Äaaalferie von 12 Regimentern, 5 Bataillonen stadsscha«,. 200 Batterien Artillerie aller Art. 12 Ba- tttBütiee Tanks. 102 Bataillonen Infanterie mit 30 Batterie« leichter Lausgrabenmörser, 32 Geschwader der Vnigitthe« Luftstreitkräfte und aus Pionier-- Train-, bigi ak- **b anderen technischen Abteilungen besteht.
Amerikanisch« Schadenersatzansprüche.
Washington, 9. März. (Reuter.) Das Staats- brp^.'tevrent gibt bekannt, das- die Gesamsumme der tirch.r »»»»emslbc-ten Schadenersatzansprüche amerikani- He- Wager gegen Deutschland und Oesterreich 750 Nitl-onrn Dollars keträgt.
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L « rterdam, 9. Mürz. Dec „Rieutoe Rotterd fciawP meldet ans Paris, bah die Kommission, die sich mii dee Werent-vortlichkeit für den Krieg besaht, zu dem Sew, dah der frühere Deutsche Kaiser, der Kren- die deutsche Militarpartei und verschiedene bürger- kichi tieb militärische Beamte, die die besetzten Gebiete Lck.li-me, Frankreichs und Polens verwaltet haben, und Keiinieee, die im allgenreinen die Geschäfte Deutschlaichs «ks,H>st bade», moralisch und gesetzlich verantwortlich sind.
tzariS, 9.Mürz. (Reuter.) Die Kommission für die brigifchmt Uk» dänischen Angelegenbriten hat im Brinziv Zustimmung zu den l»elgischen Forderungen tvegvn Malmed» ruck Umgebung gegebe«. In belgi- sihrv Kaech« erkürt man, daß dies zur Folge haben knd, doh die Friedenskonferenz ihre Zustimmung zur ««sSdKwei dieser Gebiete au Belgien gibt.
Br Assel, 8.März, (tzavas.) Die Streitkräfte des KsngastvateS »verden anf 4300 Mann festgesetzt.
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Wt kMWlMtthM'WN.
Ra« Avterdrechung der Verhandlungen. — Eine Rote der Westmächte.
L «M d-v «, 8. März. Dem Reutersche« Büro wird au# Paris gemeldet: Es ist falsch, anzu- *ehme«, daß die Verhandlungen abgebrochen sind. Die Delegierten der Verbündeten und des Feindes V«d trat deshalb in ihre Länder zurückgekehrt, um weitere Instruktionen einzuholen. Die Mitglieder ber Kommtffionen, die in Deutschland waren, schet- aye einer Meinung darüber zu sein daß es Mot wendig ist, Deutschland sofort mit Lebens- Mitteln W versehen, wenn der Bolschewismus ver- Mteden werden soll. Aber die Verbündeten sind •ffenlxH nicht geneigt, tnU dem besiegten Feinde
darüber zu »erhandeln, wieviel Lebensmittel geschickt werden sollen.
Rotterdam, 8. März. .^Dailq Ehronicle" berichtet aus Paris, man hoffe, daß di« Schwierigkeiten, die in Spaa entstanden find, nicht unüberwindlich sein würden. Man stelle nicht in Abrede, daß die Lebensmittelfrage ttschland ernst und daß der Zustand als gefährlich bezeichnet werden müffe. Man hoffe aber, daß es nicht so weit kommen werde, daß man mit einem „bolschewistischen" Deutschland verhandeln müffe.
Amsterdam, 9. März. Reuter meldet ans Paris: Der Oberste Rat nahm Vorschläge an, die man für annehmbar fii die Deutschen hält, um die in Spaa unterbrochenen Verhandlungen in Drüffel wieder aufzunehmen. Zn diesen Vorschlägen wird vorgesehen, dah gleichzeitig mit der Auslieferung der deutschen Schiffe die Versorgung Deutschlands bis zur nächsten Ernte mit Lebensmitteln im Werte von 100 Millionen Pfund Sterling erfolgt, die teils in Kohle. Kali usw, teils mit den deutschen Guthaben in neutralen Ländern und teils mit ausländischen Wertpapieren im Besitze Deutschlands be-ahlt werden.
Amsterdam, 9. März. Dem niederländischen Preffebüro Radio zufolge wird in der Tages- überficht des amerikanischen drahtlosen Dienstes von heute gesagt, die Verbündeten gäben zu. daß Deutschland mit Lebensrnitteln versorgt werden müffe. Frankreich wünsche aber, daß Amerika die finanziellen Lasten auf fich nehme. Das würde bedeuten, daß die Vereinigten Staaten Lebensmittet im Werte von einer halben Milliarde kaufen und lange Zeit auf die Rückerstattung der Summe matten muffen. Die amettkanischen Dettretcr weigerten fich, darauf einzugehen. Andererseits beginne man in Frankreich die Gefahr, die von einem unoersorgteu Deutschland drohe, einzusehen.
Amsterdam, 9. März. In fast allen er.g- lischen Zeitungen wird die bringenbe Notwendigkeit betont, die Friedensverhandlungen mit Rücksicht auf die gefährliche Lage in Mittel- und Süd- osteuropa möglichst zu beschleunigen.
Part», 9. März. (Havas.s Der größt« Teil der gestrigen Sitzungen des Obersten Rates war der Prüfung der Lage gewidmet, die durch die Unterbrechung der Verhandlung in Spaa geschaffen wurde. Es wurde beschlossen, an Deutschland ein« Rote jn schicken, in der darauf hingewiesen wird, daß Deutschland die in Attikel 8 des am 16. Januar in Trier unterzeichneten Waffenstillstands- Zusatzabkommens aufgestellten Bedingungen erfüllen müffe. Dieser Artikel lautet: „Um die Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln zu sichern, wird die deutsche Regierung alle Maßnahmen treffen, um während der Dauer des Waffensttllstandes die deutsche Handelsflotte unter die Kontrolle und unter die Flagge der verbündeten Mächte sowie der Bereinigten Staaten, denen ein deutscher Delegierter beigegeben wird, zu stellen. Diese Abmachungen präjudizieren in keiner Weis« die endgültigen Verfügungen über die Schiffe." Der Standpuntt der Verbündeten geht nun dahin, daß es unzulässig ist, daß Deutschland, nachdem es der Ablieferung der Handelsflotte zugesttmmt hat, heute ihre Uebergabe an Bedingungen knüpfen will. Die Verbünderen find bereit, die Versorgung Deutschland» mit Lebensmitteln in vernünftiger Weise vorzunehmen. Sie erwarten jedoch, daß Deutschland ihnen die hierfür erforderlichen Materialien verschafft, indem es die Handlesflotte übergibt.
Für rasche Milderung der Blockade.
Amsterdam, 9. März. Im englischen Oberhaufe drängten Lord Lansdowne und Lord Par- moor auf rasche Milderung der Blockade. Lord Lansdowne sagte, die Verhältnisse in Mitteleuropa steuerten anscheinend einer Katastrophe zu, die vielleicht eine der Verhängnis, vollstein fein würde, die jemals in der zivilisierten Welt vorgekommen fei. Lord Parmoor Jagte. Wenn die Blockade nicht gemildert werden kann, so stürzen wir auf dem Kontinent Millionen von Menschen in die Gräuel der Hungersnot. Das würde das schwerste Be brechen der Geschichte fein. Der deutsche Standpuntt in der Lebeusmittelsrog«.
Berlin, 8. März. Zu« Abbruch der Verhandlungen über die Versorgung Deuschland» mit Lebensmitteln wurde der Standpuntt der deutschen Regierung in einer Rote niedergelegt, die in der Vollsitzung der Waffensttllstandskommisfion in Spaa am 6. März übergeben wurde. Es wird darin u. a. feftgestellt, daß die Erwartung, daß Deutschland eine Linderung seiner schweren Ernährungslage schon während des Waffenstillstandes erfahren werde, einer der wesentlichsten Gründe war, die zur Annahme der überaus hatten Bedin. gungen des Waffrnst illftandsvertrage» geführt
haben. Es fei klar, daß bei einem so ungeheuren, bedeutsamen Schritt, wie es die Abgabe der deutschen Handelsflotte ist, unter dem Begriff der Le- bensmittelversorqung nicht die Lieferung einer beliebigen Menge von Lebensmitteln, sondern die Durchführung eine« Programm» verstanden werden müffe. daß die Ernährung Deutschlands bis zu dem Zeitpuntt ficherstellt, in dem aus eigener Kraft Abhilfe geschaffen zu werden vermag. das heißt bis zur nächsten Ernte. Durch die in Aussicht gestellte Lieferung von 270 000 Tonnen, die nur einen zweiwöchigen Bedarf deckt, könne die Versorgung Deutschland» nicht als sicher gelten. Deutschland habe' bislang keine Tonne Lebensmittel erhalten und nur ein stärkeres Anziehen der Hungerschraube durch die Verschärfung der Blockade erdulden muffen, wodurch von anderem abgesehen nach dem Durchschnitt der letzten Monate täglich etwa 800 Menschen zum Tode geführt werden. Trctz dieser bitteren Erfahrung nehme Deutschland immer noch an, daß die verbündeten Regierungen bereit seien, es mit Lebensmitteln über die bisher genannten verhältnismäßig geringen Mengen hinaus zu versorgen. Deutschland könne aber bei dieser Sachlage die Erledigung der Angelegenheit unmöglich ausschließlich dem guten Willen der verbündeten Regierungen glauben. CEs müffe hervorheben, daß ihm sehr häufig entgegengehalten worden sei, daß noch Krieg sei. Diese» Argument könne Deutschland also nicht aus dem Auge lassen und daher auch die Handelsflotte nicht obgeben ohne irgendwelche bindende Zusagen, ja ohne irgendwelche substanziellere ErNärungen über bas allgemeine Vorsor- gungsprogramm zu besitzen. Auch müßten bieh ErNärungen darüber Sicherheit schaffen, daß eine Verauickung bei wetteren Ve-handlung über bir Lieferung von Lebensmitteln mit anderen Forderungen, die über bi« Zurverfügung stellung der Flotte hinausgehen grundsätzlich aus« geschloffen sei.
Mr Sehe Mm.
D« Völkerbund. — Di« „aerabscheaungswllebigea Pläne- bet Mittelmächte. — Die Menschheit».
Interessen der Leitstern Amerika».
Rewqork, 7. März. Zn seiner Rede he Mett» politan Opera-Hous« sagte Wilson n. a.: Zch werde erst heimkehren, wenn drüben afir» beendet sein wird. Da« erste, was ich der Meng« jenseits de» Ozean» sagen werd« ist, daß sich eine mächtige Mehrheit de» amerikanischen Volke» zu Gunsten be» Völkerbünde» ausgesprochen hat. Nachdem Wiffon seinem Mitarbei- ter Taft Worte bet Bewunderung gespendet hatte, fuhr er fort: Wir haben während der langen Kriegsmonat« die verabscheuungswürdigen Pläne der Zenttalmöchte und di« Eroberungen, bi« st« zu machen gedachten, len- neu gelernt. Die Linie Brenten—Bagdad ging über Oesterreich-llngorn. dessen Integrität zu wahren Deutschland sich verpflichtet hat. Da» ottomanisch« Reich, dessen Interessen Deutschland zu teilen erklärte, lag edenfav» ans dem direkten Wege der deutschen Ziele. Da» österreichisch-ungarische Reich brach zusammen. Das türkische Reich verschwand. Die Motionen, die diese» Wert der Befreiung unterdrückter Rationen vollbracht habe», find jetzt dafür verantwortlich, war au» diesen Rationen wird. Deutschland hätte den Krieg vermeiden können, wenn e» der Welt eine Au,spräche wer den Angriff gegen Serbien hätte eröffne» lassen, auch wenn diese nur eine Woche gedauert hätte. Deutschland hat nicht einmal den Mut gehabt, eine eintägige Besprechung zuzulass«. Wir hakt« ee für sicher, daß D«ffchland, roenn e» gewußt hätte, daß fich England mit Frontteich und Rußland solidarisch erklärten, fich nicht hi da, Kriegsaben. teuer gestürzt baden würde. Der Völkerbund verfolgt den Zweck, aff« Ratton« kund z» hm, daß im Falle von Gesetzesverletzungen nicht nur England, sondern da- -zu di« vereinigt« Staat« und mH ihm der Rest der ganz« Wett da find, um solch« Akte zu bekämpf«. Di« großen Unterdrückte» Volks mass« empfand« da, seelisch« Bedürfnis nach Befreiung. Di« Kritik, dir gegen die grohe Aufgabe gemacht wurde, bestand darin, daß die Leute, von denen «ine solch« Kritik ansgeht, niemals da» Herz der Menschheit wirNich baden schlaft« gehört. Diese Menschen hab« fich außer bald der groß« ideellen Ettömungn befunden. Ich Mächte eine feierlich« Warnung anssprech« and nicht ei»« Drohung, beit» die Kräfte der Welt droh« nicht, son. der» st« treten i» Wirksamkeit. Di« Mißstimmung unter der europäisch« Bevölkerung ist nicht allein anf wirtschaftliche Ursach« zarückzuführen, ihre Ursach« liege» tiefer. Die Völker sehen, daß ihre Regierung« unfähig sind, sie gegen Intrigen oder gegen Angriffe z» verteidige«. Die Nation« find nicht geschaff«. um ihr« Führe« Ehre ciicpibringen, sondern oti ihren Männern, Frauen und Kindern Sicherheit. Glück und Wohlsahtt zu bringen. Keine Nation besitzt da» Recht, ihre Sonderinteress« vor den Interessen und dem Wohl bet Menschheit in die Wagschale zu werf« und insbesondere die Bereinigt« Staaten, die zum Wohle der Menschheit gegründet ward« find, ran da, höchste Ideal darzuftellen, und ran di« «deffttn Bestrebung« bet Menschen, welche btt Freiheit z» erlangt* wünsch.
ten, zu verwirklichen, müssen sich von b« Menschheits- Interessen leiten lass« Di« Böller glauben an ui«, sie zählen auf uns und fie würden in die Verzweiflung zurückgeworftn werd«, wenn wtt unserer Misst« nicht treu blieben. Der Präsident sprach darauf v« de« großen Kampf, d« die amerikanisch- Armee in Frank, reich zu bestehen hatte mti> fuhr fort: Glauben Sie, daß ich in meinem Kreuzzuge, der mit erlaub« würde, nachzulaff« in mein« Anstrengungen, dann mich entt» ter Freunde würdig zeig« würde? Im Gegenleck werde ich mit neuer Kraft auf der ander« Seile be» Ozeans für den Völkerbund eintreun.
Newyork, 8 März. Die Republlkanrr stell« te Abrede, daß das Land, wie Mlson gesagt habe, mit dem Völkerbund ehwrrftanben sei. Die Opposition he Senat werde Wilsons Austreten gegen übertriebene Federungen gewisser europäischer Staaten erleichtern.
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Wilson setzt fich hier erneut für ben Völkerbund ein, bem im Senat erhebliche Wiberstände erwachsen finb. Er betont bemgegenubet, baß keine Nation von Sonberintereffen geleitet werben bürfe, vor allem Amerika, „auf bas bie Völker zahlen^ müffe fich von Menschheitsintereffen leiten laffe«. Die beste Gelegenheit, bas zu beweisen, ist jetzt bet Festsetzung bet Friebensbebingungen gegeben« Wenn Amerika, und Wilson im besonberen, fich wirklich von Menschheitsintereffen leiten lassen, so müssen sie ihren ganzen Einfluß geltenb machen, um Deutschland so schnell und umfassend wie möglich zu helfen und alle Widerstände Frankreich, unb Englands brechen. Die Macht bazu ist vor. Hauben. Jetzt muß es fich zeigen, ob bas „Mcrcsch« heitslntereffe" ober bas gemeinsame angelsächsische großer ist.
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$05 Kode Ifs Mooöts in Seriin.
Berlin, 8. März. Wie verlautet, antwortete bie Reichsregierung auf bie von ben Unabhängigen gestellten Bedingungen: 1. Auf bie Forderung: keine Maßregelungen anläßlich des Ausstandes et« folgen zu lassen: Die Regierung nimmt in ihre« Betrieben Maßregelungen nicht vor und setzt fich bei ben Unternehmern tu gleichem Sinn« ein, 2. Set reff enb Freilassung ber wegen Ausstanbe» Verhafteten: Dies ist eine Angelegenheit bet Ge« richte bezw. bet preußischen Staatsregierung. Die Reichsregierung veranlaßt Versolgungen bieset« halb nicht. 3. Wegen ber sofortigen Räumung aller militärisch besetzten Betriebe soll mit Nosk« vethanbelt werben. 4. Wegen bet Entfernung bet Fteiwilligen-Vetbänbe aus Berlin: Diese ist '•n < möglich vor ber Mieberkehr georbneter Ve btztt- nisse. 5. Die Aufhebung bes Belagerungszustanoe» unb bet außerotbentlichen Kriegsgerichte ist eige Angelegenheit bet preußischen Staatsregierung.
Berlin. 9. März. Die Versammlung bet Groß-Berliner Arbeiterräte faßte gestern nach 3^ ftünbigrr erregter Erörterung folgenden Beschluß: Der Allgemeinausstanb wirb für beendet erNSri. Die Arbeiter werben aufgeforbert, bie Arbeit am Montag wiebet aufzunehmen. In ben militärisch besetzten Betrieb« erfolgt bie Wieberausnahme ber Arbeit erst nach Entfernung ber Besatzung. Rach bet Abstimmung, bie zweimal rorgenommen werben mußte, erhob fich auf bc-i '■x>?ricn ein wüster Lärm. Die Arbeiterräte j - halbwüchsigen Burschen unb Weibr.. .. wi e ' ch Weis« beschimpft unb bebroht.
Die Arbeiterschaft bet städtischen Elektrizität» werke nam am Sbenb bie Arbeit wiebet auf.
Die Direttiou, bet Arbeiterrat unb bie Bezirks- leitung bes Berliner Eisenbahnerverbandes gäbe» bekannt, baß abenbs 10 Ubr der Ausstand beendet unb bie Arbeit überall wieder aufgenommen wirb.
Wie bie Direktion bet Großen Berliner Straßenbahn mttteilt, sei an eine Wiederaufnahme bev Betriebes vorläufig nicht zu beuten, weil bie An- gestellten auf ben unerfüllbaren Forberun. gen, vorherige Entfernung der Freiwilligen-Ttup« pen aus Berlin, Bezahlung d ' o bsHge und Wiebereinftellung gemaßrcg An^e' -rcr, be» stäuben.
Berlin, 8. März. Der Zugverkehr nach bem Osten ist noch gesperrt. Lebensrnittel kommen nut wenig herein. Die Brotversorgung etleibet vor* läufig noch keine Schwierigkeiten.
Rücktritt de» Minister» der öffentliche» Arbeiten.
Berlin, 8. März. Der Minister der äffet* lichen Arbeiten Hoff erbat, nachdem bie Einberufung bet Canbesoerfammlung über ben ursprünglich »in Ausficht genommenen Zeitpuntt vertagt werden mußte, seine Entlassung. Der Minister fand fich bereit, bie Geschäfte bes Ministeriums noch eine kurze Zett wahrzunehmen. Et steht im 68. Lebensjahre und ist nach Uebetroinbung ber gewaltigen Aufgaben, bie von bet Eisenbahnverwaltung während bet letzten Monate zu erfüll«. waren, dringend der Ruhe bedürftig. ।