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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

Tageszeitung für (das früher kurheWchs) Oberhesierr

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Worten am Kriege tei (genommen wie Schall und Rauch und eine

während der nächsten Wochen bis zur Abtretung der deutschen Handelsmarine Rotmaßnahmen auszudenken.

Pari», 7. März. (Havas. Amtlich.) Die Kommission für den Schadenersatz, die am Don­nerstag unter dem Borfitz von Klotz zusammentrat, prüfte gewisse Fragen, die von der Unterkommis­sion über den Schadenersatz und den Zah, lungsmodus der feindlichen Staaten aufgeworfen wurden.

Pari», 7. März. (Reuter.) Man erwartet, baß die Bedingungen für den Präliminarfrieden am 22. Mai zur Vorlage für die Deutschen bereit jein und darauf von Deutschland unterzeichnet werden.

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glaube nicht, daß die schwierige Lage durch amt­liche deutsche Berichte zum Zwecke der Stimmungs­mache übertrieben würde. In Bayern werde seit der Ermordung Eisners der Zentralrat, die ein­zige bestehende Regierungsstelle, durch eine kleine Gruppe von Bolschewisten beherrscht. Diese bol­schewistische Körperschaft erkläre offen, daß Deutsch­

Die ernste Lage in Deutschland.

London, 7. März. Reuter erfährt: an amtlicher Stelle eingegangneen Berichte tigen die ernste Lage in Deutschland.

Rabatt gilt al» 55arr*Vatt. Bei Xuefanft b »le ®ei4ätt»«t. u. Vermittlung Oerlngebate 26 4.6»n>ergcfcibt. Posttcheckk-nto: 91 r. 6M6 Amt Franks, a. M.

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Die Entwaffnung Deutschland».

Paris, 7. März. Sitzung des Obersten Kriegsrates vom Donnerstag. Lloyd George drang darauf, baß die Verbündeten Deutschland gegen­über klar, fest und schnell handeln sollen. Er legte dar, daß der Waffenstillstand nicht nur militärische sondern auch politische Folgen habe. Er verlangte weiter eine Verschärfung der von den mili­tärischen Sachverständigen ausgearbeiteten Bedin­gungen, besonders bezüglich der von Deutschland zu haltenden Trupvenbestände. Die maritimen Bedingungen des Waffenstillstandes wurden an­genommen, «her die Frage des Schicksals der deutschen Flotte und ihrer Verteilung ver­schoben. Die Sitzung zeigte ein vollkommenes Ein­vernehmen über die Entwaffnung Deutsch­lands.

land ihr gleichgültig sei' ihr einziger Zweck sei, die Lehren der russischen Revolution auszu­breiten. So werd« zum ersten Mal eine reine Bolschewisten-Regierung in Deutschland errichtet, die durch russische Sendboten beaufsichtigt werde und in enger Fühlung mit dem Hauptquartier der Bolschewisten in Moskau siehe. Shoidemanns Re­gierung betrachte man allgemein als auf sehr schwachen Füßen stehend, deren einzige Stütze eine Streitmacht von 36 000 Mann unter Roske sei.

London. 7. März. (Reuter.) Im Ober­haus« lenkte Lord Wimborne die Aufmerksamkeit auf die Frage der Lebensmittelversorgung Zcntral- europas. Lord Crawford legte in seiner Erwide­rung dar, daß die Leitung des Hilfswerkes für die Rot in Europa in der Hand des Obersten Wirt­schaftsrates liege. Oesterreich erhalte sein« Le­bensmittel teils aus den Heeresbcständen der Ver­bündeten, teils aus den Vorräten*'von Italien, während eine große Menge Schinken und Milch über Rotterdam nach Deutschland gesandt wurden. Die Handelstonnage, die die Verbündeten von Deutschland forderten, um der Not abzuhelsen, wurde noch nicht übergeben. Man schätze die deutsche Handelstonnage auf ungefähr zwei Mil­lionen Tonnen. Der Oberste Rat in Paris er­kenne den Ernst der Lage in Europa, man hoffe

Der der deutsche« Kolonie«.

Amsterdam. 7. März. In der radikalen eng­lischen Woch nschttstNation" behandelt Morel noch­mals das afrikanische Problem und fragt:Mit welchem Recht wird eigentlich Deutschland aller seiner Ko­lonien beraubt? Es hat große Kapitalien hineinge­steckt. Drei von den vier Kolonien stndin größter Blüte und mehr wert al» die ganze europäische Kriegsschuld. Man kann diesen Raub nicht unter dem Vorwand begehen, daß die deutsche Verwaltung so be­sonders schlecht gewesen sei, dadiese Beschuldigung vor einem Gerichtshof nicht st andhalten würde. Was man als Argument anführen kann, ist das alte Vae Dicti«! Aber das paßt nicht mehr in die neue Welt­ordnung." Abgesehen von der Rechtsfrage müsse man sich auch fragen, ob mit dieser Politik ein dauerhafter Friede erreicht werde. Das werde natürlich nicht der Fall sein, denn ein großes Volk werde dann ganz vom afrikanischen Markt abgeschnitten, während ein anderes viel kleinere, Volk, das bereit» großen afrika­nischen Besitz hab«, diesen noch ausbreit«.

Marburg

Sonnabend, 8 Mörz

Haag, 7.März. ,L>et Vaterland" schreibt zu iw»! Abbruch der Verhandlungen in Span:Nicht iter lange! Deutschland brennt lichter- .blj, die Entente sieht die Gefahr für die angren- hvrden Länder und rührt trotzdem keinen Finger, Ne den Brand zu löschen, sie wirft im Gegenteil noch Nir Bombe ins Feuer.

.London, 7. März.Daily Telegraph" behandelt Hungersnot in Zentral- und Osteuropa. Wenn bn die Ernährungsfrage nicht energisch behandle, zum Schluß kein verhandlungsfähiges Deutsch- Nb mehr übrig bleiben. An dem Ernst des Led:us- Mrelptsblem» in Deutschland könne gar kein Zweifel che«, jg CgjterKUfrUr^arn und Rußland sei die

iDieOber hessisch« Zeitung" erscheint sechsinnl «Schentlich. Der 1/$ sBezuasDrei» beträgt Monatlich 1.?5 frei tu« Hau« (durch die Poft 3X lohne Bestellgeld). Bering , n Dr. C. Hitzeroth. M-rkt 21/23.

I Fer«'»recher 55.

küdk du MMdtt in Bttiin.

Berlin, 7. März. 7 Uhr abends war der Ausstand tatsächlich beendet. Die Untergrund­bahn nahm den Verkehr gleich wieder auf. Die Setzer und Drucker kehrten alsbald an ihre Ar­beitsstätten zurück. Das Telephon wurde für den Privatverkehr freigegeben. Ein formeller Abschluß des Ausstandes liegt zur Zett noch nicht vor, weil ein endgültiger Beschluß des Arbcitcrrats von Groß-Berlin noch nicht veröffentlicht worden ist. Immerhin beginnen die Straßen ihr gewöhnliche» Aussehen wieder anzunehmen.

Berlin, 7. März. Die Vollversammlung der Arbeiterräte Groß-Berlins beschloß heute, unter Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages den 'lnsstand bedingungslos abzubrechen, daß der Aus­stand unter folgenden vier Bedingungen beendet werden soll: 1. Keine Maßregelungen, 2. Zurück« -iehung des Militärs aus den besetzten Betrieben, 1. Freilassung der wegen Streikbetciligung Ver­hafteten, 4. Zurückziehung der freiwilligen Trup­pen aus Berlin. DerVorwärts" meint, es könne kein Zweifel daran bestehen, dosi dieser etwas ver­klausulierte Beschluß den tatsächlichen Abbruch de» Ausstandes bedeutet und daß spätestens am Mon­tag morgen die Arbeit überall in vollem Umfangt wieder aufgenommen werden wird. Auch die Ber­liner Gewerkschaftskommission hat beschlosicn, bew sofortigen Abbruch des Ausstandes zu empfehlen. Die sozialdemokratischen Arbeiterräte, die Be­triebsvertrauensleute und Funktionäre hielten eine Versammlung ab. in der der einmütige Wille >u.~. Aus-ruck kam, die Arbeit überall sofort wie­ner aufzuneymen.

Berlin, 8. März. In den zum ersten Mak wieder erschienenen Berliner Morgenblättem kommt die Befriedigung darüber zum Ausdruck, ?aS der Ausstand seit gestern abend abgebrochen ist.

Der Standpunkt der Mehrheitssozialdemokraten.

Berlin, 7. März. Die sozialdemokratische Mehrheitspartei macht in einem Sonderblatt Mit­teilungen über die am 5. März abgehaltene Kon­ferenz der Parteifunktionäre. Betriebs- und Ver­trauensleute der Arbeiterräte Groß-Berlins, btt fast einstimmig den Abbruch des Ausstandes for­derten und aufs schärfste das verbrecherische Vor­gehen unverantwortlichem. Elemente vernrn teilte, die versuchten, Berlin in einen blutigen Bürgerkrieg zu treiben. Die Beratungen standen unter dem Eindruck der bekannt gewordenen weit­gehenden Zusagen, die in Weimar die Regie­rung der dorthin entsandten Kommission machte. Zn der Aussprache trat Kstliski für den Aufbau auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet ein. Gingen nicht Hunterttausende auf» Land, würden alle Lebensmitlellieferungen der Westmächte uns nicht vor Hunger schützen. Wel» erklärte: Wir müsien uns endlich mit einem ener­gischen Ruck befreien von der Taktik des Aus­standes, der um des Ausstandes halber geführt wird, befreien müssen wir uns auch von dem Terror, koste es was es wolle. Wuschick hob hervor, daß mit dem Beschluß de» Allgemeinausstandes durch den Arbeiter- und Soldatenrat der Demo­kratie geradezu ein Fausischlag versetzt worden sei. Der Arbeiter- und Soldatenrat habe den Dik­tator der Arbeiterschaft gespielt.

Ihrem ersten Flugblatt lassen die mehrheitssozia­listischen Arbeiterräte fetzt ein zweites folgen, in dem sie sich mit größter Scharfe gegen den Beschluß der Vollversammlung des Arbeiterrates wenden, der Be­völkerung Groß-Berlins Gas, Wasser und Elektrizität zu sperren.

Die Regierung Herr der Lage.

B e r l i n, 7. März. Durch Eingreifen der tech­nischen Abteiluv arde-K avalier ie-Schützen» divtsion ist der ____ieb der Elektrizitätswerke

sichergestellt. Beträchtliche Teile der republikant. scheu Soldatenwehr wurden entwaffnet, diejenigen ihrer Depots, die sich gegen die Regierung erklärt hatten, wurden a u f g e l ö st. Der Betri-b der Hochbahn und der Wasserwerke ist durch bk Garde- Kavallerie-Cchützendivision gesichert. Die Lage ist so. daß Berlin größtenteils, mit Ausnahme ber östlichen Gegenden, wohin sich die Spartakisten zu­rückgezogen haben, in der Hand der Garde-Kaval- lerie-Schützendivision und der ihr angeglicderten Verbände ist. Tie Regierung ist demnach völlig Herr der Lage.

Berlin, 7. März. Nach Meldungen eine» Privatberichterstatters sind bei den gestrigen Abendkämpfen um den Alepanderplatz und da» Polizeipräsidium 150 Matrosen gefangen genom­men worden. Alle Gebäude, die in bet Umgebung des Alexanderplatzes von Spartakisten besetzt * waren, jo auch da» Warenhaus Tietz, befinde» ££

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. Die Reichsregierung hat es abgelehnt, die Deutsche Handelsflotte den Westmächten auszu^eiern, schue daß diese die bindende Berpflichlung für die i Wbensmittelversorgung Deutschlands bis zur neuen Witte übernehmen. Sie darf dabei ber Zustimmung I ter großen Mehrzahl ber Bevölkerung sicher sein, die Clünscht hätte, daß die Regierung bezw. Herr Erz- ger schon früher den Mui gefunden hätte. Nein ' «sagen. Gewiß, wir sind macht- und wehrlos. Aber heißt noch lange nicht, daß wir jedes Diktat der Itflner einfach annehmen müssen. Unsere Schwäche K jetzt gerade unsere Stärke geworden, ein Fak- iW. der sich sehr wohl zu unseren Gunsien ausnutzen W. Wir sollen 270 000 Tonnen Lebensmittel be- stmmen gegen Hergabe der gesamten Handelsflotte, tefereS einzigen wirtschaftlichen Aktivvostens, über feR wir noch verfügen. Bis zur neuen Ernte brauchen * aber über 3 Millionen Tonnen Lebensmittel. Daraus erhellt, wie geringfügig die uns zuge tanbene einm.dlige Lieferung ist. Weit-re Lieferungen wen nach «»«lieferung ber Handelsflottein Er­setzung "en", vermutlich von neuen Bedin- Cgeu abtzä-lgia gemacht werden. Gingen wir darauf toflrbtn wir selbst die Handhaben zu unserer Btrfffannnq liefern.

/ Die Westmächte spielen ein gefährliches Spiel. Sie ebnen durch ihre Erpresser- und Hungerpolitik km Bolschewismus den Weg durch Deutschland und dttden ihm vermutlich nicht am Rhein Halt gebieten Birnen. Es mehren sich die Anreichen, daß er auch ki ihnen einzudringen drobt. Einiicht'ge, wie Ehur- M und der Direktor der Bank von England, haben M weiterer Gewaltpolitik bereits gewarnt mit Rück l HHt auf die Tatsache, daß die siegreichen Westmächte «-sind, die das meiste zu verlieren haben.

Die Mögliehlp,^ ist nicht ausgeschlossen, daß be: Miterer Zuspitzung der Lage die Gegner den Was smstillstand kündigen. Sie können das ja mit drei ; itziger Frist tun. Es ist aber höchst zweifelhaft, ob : Me kriegSmüden Heere der Verbündeten große Lust eigen würden, den Krieg in ein von Aufruhr und hunger durchschüttelles Volk weiter hineinzutragev »6 ob die Regierungen in London und Paris ihre truppen in engere Fühlung mit dem Bolschewismus dingen wollen. Auch die Rückwirkung auf die eigene . Vwölkemng und die sozialistische Agitation werden von i Nyd George und Clemeneeau kaum verkannt wer- ' kn Und schließlich müßte Wilson alle seine Grund He von Recht und Gerechtigkeit verleugnen, wollte tr sich einer Wiederaufnahme ber Feinbseligkeiten Wer den gegenwärtigen Umständen nicht widersetzen, fa, man muß annehmen, baB ber Präsibent alle Nacht und allen Einfluß aufwenden wird, um eine jhnelle Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln W Werk zu setzen unter für Deutschland annehm ieen Bedingungen. Tut er das nicht, so wurde er [kmit"t beweisen, daß seine so oft und feierlich

Möglichkeit der Wiederaufnahme der Verhand­lungen.

Weimar, 7. März. Unter dem Vorsitz des Seichsmiuisters Erzberger und in Anwesenheit bei *s Spa» nach Weimar gekommenen Sachverstän­den fand heute eine Besprechung mit den Partei- frern aller Fraktionen über die letzten Vorgänge

Spaa statt. Es kam babei zum Ausbruck, baß Me Regierung auf dem Standpunkt verharren Aisie, die drei Abkommen (bas Lebensmittel- Stommen, das Finanzabkommen und das Schiff- Dirtsabkommen) als einheitliches Ganzes zu be- l kochten. Das Verlangen, baß wir unfere Hanbels- D»tte heransgeben sollten, ohne bestimmte Zusagen ichaltea gtt haben, könne von uns unmöglich »füllt werben. Wir könnten un» auf Abmachun- Wl nut einlasscu, wenn uns auch wirklich die ver- ttzigsmSßlg zugefagten Lebensrnittel zugeführt Aiirden. Es wurde bei den Besprechungen auch -stgesteltt, daß die Verhandlungen nicht abge- iwchen, sondern nur unterbrochen seien und tofc die Möglichkeit bestehe, daß sie unter neuen ^Bvraussetzungen wieder ausgenommen Gerden könnten.

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£*( gt noch schlimmer. D^k- Blatt weist schließlich nach­drücklich aus die Dringlichkeit bes Problem» hin. diese Völker mit Leben»u.ineln zu versorgen. Wenn man nicht wünsche, daß d>e Ar»> it de Friedenskonferenz gleich zu Beginn zersi'lrt oerde rnüsie man gegen diese Anarchie, kost« es. -ros e» wolle, mit größtmöglichster Schnelligkeit vorgehen.

Ium 800000 seiner in Feindesland als Gefangene znrückgehallenen Söhne

soll es der Welt znm eindringlichen Btwußlstin bringen, daß fchon das Gebot der (DenldMidikeif

die fosortige Freigabe der deutschen Gefangenen in Feindesland fordert.

Zur -rennenden Schmach würde es der Welt fltrtirfjen, wenn der be» endigte Wafftnkriea fortgesetzt werden müßte zu einem Kriege znr ^esreinng non Hnnderitansenden deutscher Soldaten, die zu Sklavcndknstcn hcrad- gewürdigt werden.

V Tentschland ist außer Stand gesetzt worden, seiner tiefen Trauer um W das seinen Söhnen zugesügte Unrecht anvers als durch Notschreie Ausdruck gl zu verleihen.

I Das Genüssen der Zivilisierten Welt

N N' durch diese Wehklage erweichen und diejenigen Gewalten zur J rrtteuden Tat aufrnfen, denen die Nkacht gegeben ist, | fefireiendes Unrecht zu beseitigen!

| Deuffdilands Trauer

B kann nicht gemildert werden, bevor nicht der letzte seiner dnrch den H Krieg in Gefangenschaft geratenen Söhne aus unwürdigem Frondienst befreit ist. A________________ ________________

E.Z