Einzelbild herunterladen
 

Oberhessische Jettun

^weitts Blatt

Nr. 53

Dienstag, 4. Mörz 1919

Sie Abgrenzung Polens. Abstimmung in Schleswig.

Amsterdam, 3. März. DemTelegraaf" »irb eng Paris gemeldet, daß die Kommission für polnische Angelegenheiten bei der Festsetzung der Destgrenze Polens beschlosicn habe, Polen seine 6ee*ie »on 1772 zuriickzugeben und es außerdem in Oberschlesien schadlos zu stellen. Die Kommission, die sich mit den dänischen Forderungen beschäftigt, beschloß, für Südschleswig die Volks- »bsiimmung insgesamt, für Mittelschleswig bi« Abstimmung nach Distrikten. Diese beiden Ab- ßimmungen sollen abgehalten werden, nachdem das 8»n> zuerst von dem Einfluß der preußischen Be­amten befreit ist.

Dtt MlMdkl?

8» den gestern uarch französischen Pressemeldungen «igeteilten endgültigen Wafsenstillstandsbedingnngen D noch nachzutragen:

Die Stärke der bis zur Bezahlung der gesamten Deutsidland auferleqten Entschädigungssumme am Mei» (nad) den französischen Blättern für 3050 bohre) verbleibenden Truppen der Westm ächte M über 400000 Mann betragen. Die deutschen Lelegravhenkabelnetze, bestebend aus 14Li- »ie« nach Amerika und Asien, werden ihren ehemaligen Besitzern nicht zurückerstattet. Die mit Ge- lchStzen und 'Torpedos weiter auszuliefernden beut« ßtn Kriegsschiffe sind die SchlachtschiffeOlden- RirgN,Thüringen",Ostfriesland",Helgoland", ^Westfalen",Rheinland" undNassau", die Kre u- tet:Pillau",Graudenz",Regensburg",S'^gl- ind^,Dessau",Augsburg",Kolberg" undStutt­gart", 42 moderne Torpedos äger und 50 moderne Torpedoboote. Es verbleiben Deutschland danach WHt eine Reihe veralteter, völlig gefechtSnnbrauchbarer Kriegsschiffe. Die österreichische Flotte, be- li.hend aus 13 Panzerschiffen, darunter zwei Kreu-ern, ^2 leichten Kreuzern, 19 Torpedos äaern und 51 Tor- ßbooten, 33 fertigen oder in Bau befindlichen ooten und 12 Donaumonitoren ist den Verbünde­ten ec»$u,iefem. Dieselben Bestimmungen werden >ber die türkischen und bulgarischen Kriegsfabrzeuge vechängt. Zwischen dem Mittelmeer und dem Schwar- pn Meer wird freie Durchfahrt garantiert. Sämtliche Befestigungen und Verteidignnaswerke sind gbprtragen. Eine besondere Klausel betrifft den Ersatz brr versenkten Handelsschiffe.

Et handelt sich hier in Wirklichkeit um die Frie- jeusbedingungen, da diese in den endgültigen Laffenstillstand^bedinqungen schon enthalten sein sol­le». Wir haben also den auch von England und Frmikreich im Rrinriv angenommenen Wilson» frieden der Gerechtigkeitohne Anncksionen und Entschädigungen" vor uns, da man annehmen must, di» Zustimmung Wilsons erfolgt ist. 3050 Jahre sillirlich 1015 Milliarden zahlen, völlige Wekw- A»«achuug und Versklavung, aber nichts von Rückgabe brr Aesangenen! Da kommen auch den größten Wil- ionsreunden Zweifel an den Gerechtigkeits- und Mensch- ,hei^°friedenS-Grundsähen des Präsidenten oder zum pürckesten an seiner Macht, seine so oft prollarnierttn Grundsätze durchzusehen. Und wenn ihm das Letztere nicht gelungen wäre, so vertrüge es sich sehr schlecht mti seiner Rolle eines Kreuzfahrers deS Weltsriedeus- gesmrkens, einem solchen unerhörten von ihm nicht ge- AMgten Gewaltfrieden gegenüber sich passiv zu ver- lalirä. In Kürze werden wir das noch schwankende Marakterbild Wilsons klar zu sehen vennögen.

Mmchurg und UmgegeM-

Marburg, 4. März.

st EtRdttheater. Am Donnerstag wurde die Leo ^Ach- OperetteDie Rose von Stambul" vor «»»erkauftem Hause und überfülltem Saale ausgeführt ungeachtet des absprech nden Urteils eines türki­sche» Diplomaten über die Unmöglichkeit der ganzen ßoabhueg. das voriges Jahr durch die Blätter ging. Unaehmbar ist die alla turka Musik, welche zu Beroin- l*»t der verschiedenen Schlager herbält, so der Walzer, rhythmisch und klanglich aufgekmut, immer von wm dem Ohr geschmeichelt, das wirkungssichere Kuß- taett »nd anderes. Sldolf Falken als Achmed Bey Nftel darstellerisch, war aber gesanglich nicht auf der

Nachdruck verboten.

Entweihte Kunst.

Roma« von Reinhold O r t m a n n.

34 (Fortsetzung.)

weiß also noch niemand außer uns beiden nm deine» Verdacht?"

,Miemand. Ich habe Guido von Varndal aller- iugB gesagt, daß ich die angeblichen Rembrandt's Mr Fälschungen halte. Aber von meinem Argwohn tzkge» den Professor habe ich ihm nicht gesprochen."

End wie wird sich deiner Meinung nach der wei- stre Verlauf der Dinge peftalten?"

Darüber habe ich nrcht einmal eine Vermutung, war durch meine Mitteilung so tief erschüttert, er mich bat, von jeder weiteren Besprechung der ^Angelrgenheit Abstand zu nehmen, bis er mit sich fflber zu Rate gegangen und zu einem festen Entschluß hrlangt sei. Für seine edle und tveiche Natur konnte in der Tat kaum einen grausameren Zwiespalt geben .«ls den zwischen dem tiefen Abscheu vor einem ß?« <sinex Betrüge und der Rücksicht aus die Frau, die wirres Vaters 'Namen trägt. Ich weiß nicht, wie seine ^vchheidung fallen wird; aber daß Mr. Burton Har- *$*1 keine Veranlassung haben wird, sich ihrer zu PtNvii, tK doch wohl gewiß. Hub diesem dreimal ge- Vtientw Halunken traue ich's recht wohl zu, daß er

Bedenken auch den unglückliche» Professor preis- l*<, sobald er seine eigenen Hoffnungen schmählich *ttendt sieht."

Eine -ürchterlübe Aus sich c l Und dabei handelt vielleicht nur um Stunden. Was, um des Hin;

- willen, kann ich denn tun fetzt, da es mir durch die KranLcit des Meisters so gut wie unmöglich gc- fMft wivsi ihm M Äfcea?* __..j .

Höhe, sein Organ klang gepreßt und gaumig, in den Rravouraurklängen schneidend und unrein, abgesehen davon, daß ihm die reine Melodirnhaltung neben der Musikbegleitung wiederholt Schwierigkeiten bereitete. Margot Werner als Kondfa etwas blond für ein« Türkin war gut bei Stimme, der man di« fleißige Pflege sehr wohlanmerkte, und wußte auch derRose von Ctambul" durch graziöses Spiel Sympathien abzu, gewinnen. Ernst Schaum fand sich mit d»r Rolle des etwas troddelbaften Fridolin Müller leidlich ab. Hütte nur etwa« gelenkiger in den Tanzakten sein können. In ihrer burschikosen Art fand Hermine Wossidlo als Midilli allgeminen Beifall. Allseitig bei seinem Erscheinen durch Handklatschen freundlich begrüßt wu'de Rudolf Goll, der sich als Träger der klein-n Rolle Vater Müller, wieder trefflich bewährte. Die Musik war vielfach nicht dem ge-ingen Stimmumfang vr Sänger angepastt, sodaß der Wortlaut der Gelangsnum- mer schon in den ersten Risten kaum noch verständlick war. Kapellmestter M a r g u t b widmete sich seinem führenden Klavierpart mit Sorgfalt. An reichem Bei­fall kehlt« es nach feder Szene nicht, die Träger der Hauptrollen, A. Falken und Morg. Werner wur­den meiirkach vordie Rampe gerufen.

* 2'jähriges Stiftungsfest. Der Stenographen-Der- einStolze-Schr y" feierte am Sonnabend in den Stadtsälen sein 25jäbriges Stiftungsfest. Einqeleitet wurde die Feier mit einem Prolog, wo aui H»rr Pfarrer Wessel aus Obrnlistingen einen Vortrag überT-r Zweck der Kurzschrift im Lichte der Gsick'chte" hielt. Reichen Beifall lohnte b-n Redner für sein« vort'eff- lichen Ausführungen. Iwei flott gespielt« Einakter trugen viel zur Unterhglung bei. Herr Kommerzienrat Schäfer, der dem Verein 22 Jahre anaebört«, wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Eine Sammlung für un­tere Kriegsgefangenen brachte über 200 ,!(. (c*1 i'"""r t'anz und eine Nachfeier, tr 1-V,t gestern im Sck'eßaarten stattfand, beichloß die wohlgelungene Veranstaltung.

Ref. Kirchenchar. Wie bereits mitgeteilt murrte, kann der ref. Kirchenchor in bi eiern Jahre auf ein 25- iähriges Bestehen zurückblicken. Aus dref-m Anlaß soll mn am Sonntag Eantate ein Kirchenkanzett stattfinden ^5 wäre sehr zu wi'nfckm. daß neben bm gegenwärtig"« Mitali-dern alle bie Damen unb He-ren mitroirtten. d'e früher einmal bem Ebor angehörten, ab-r burch bie Zettverhältnisie verhinbert waren, zu den Proben zu kommen. Für die im Prog-amm uoraesebenen Char- merke ist ein grober Ebor erforderlich. Es ergeht daher an alle Mitglied r und Freunde des Ebors die f-ennd- liche Bitte, zu den Uebungen, die am Dienstag begin­nen sich einfinden n wollen. fSiehe g strige Anzeige.j

Theater Konzerte. Be-fommfnnoen 'ns«.

* Kammerlichtspiele. Ah Dienstag 8 IlhrDie gol­dene Lotbos" mit Ferd. Bonn, dem berühmten Charak- icr-Darsteller, in der Haupttolle

() Wetter, 8. Mgrz. Der heutige Sonntao brachte für unteres Stättt-ben eine sehr erhebende kirch­liche Fe-er. Galt es doch, allen auf dem Felde her "chre gefallenen Kriegern ans Stadt und Kirchsvke' Wetter nach eirmat eine Ehrung zu erweisen i'vd ihrer tu gedenken. Neben den ge'awten Kirchenmitgliedern batten sich auch die hieff-'-n Vereine unter Boranira- "«ng ihrer Fahnen voll' siht-g an her Fewr beteiligt Herr Obervsarrer R a p p e wußte durch seine Festrede der Feier ihren rechten Ausdruck zu verleihen. Gan; besondere Freude ttnb Anerkennung brachte das erst­malige A"ftreten der vereinig'en b-iden Gesangvereine in ihrer Eborstärke von 70 Sängern. Unter der be­währten Leitung des Dirigenten Herrn Hauptlehrer Waßmnth wurden mehrere Chöre schön und aus­drucksvoll borgetragen.

_ ch __

Cassel, 3. März. Die Gemeindewahlen schlos­sen bei 18 Prozent geringerer Beteiligung als zur deut­schen Nationalnersamwlung mit einer Mehrbeit der Sozialisten Tie Sozialdemokraten vereinig­ten 36 734 Stimmen ans sich und bekamen 37 Sitze, die Demokratische Partei mit 19 629 S'immen 29 Sitze, die Deutschnationalen mit S830 Stimmen 9 Sitze, das Zentrum mit 3027 Stimmen 3 Sitze, die Deutsche Bolksvartei mit 1854 Stimmen 2 Sitze und der Bund der Bodenreformer mit 1360 Stimmen 1 Sitz. Die Unabhängigen hatten von der Aufstellung eines Kan­didaten eckgesehen. .

Ans der Sitzung des Soldatenrats des 15. A. K. vom 26. v. Mts. ist als besonders bemerkenswert zu be- lin»MM»Maan; l IIIJI.I

Du wirst dich im äußersten Fall selbst durch diese Krankheit nicht davon abhalten lassen dürfen. Aber vielleicht tust du besser, dich zunächst an seine Tochter zu wenden. Es scheint mir undenkbar, daß sie ohne alle Kenntnis des wahren Sachverhalts sein sollte und"

Hubert ließ ihn nicht ausreden.

Ja ich werde mit Margarete sprechen," sagte er in einem Ton, dessen finstere Entschlossenheit den Doktor ein wenig überraschte.Und welches auch immer der Erfolg dieser Unterredung sein mag, jeden­falls wird sie dazu dienen, mir Gewißheit zu ver­schaffen Heute aber ist es unglücklicherweise zu spät. Es ist zehn Uhr geworden. Und ich kann nicht zu dieser Stunde nach dem Schlosie hinauf gehen, um ein Gespräch unter vier Augen mit Margarete zu suchen. Verschieden wir's also auf morgen früh! Und der Himmel gebe, daß nicht schon bis dahin etwas Entscheidendes geschehen ist."

Auch Walter hielt einen Besuch im Schlosse um diese Zeit für unmöglich. Aber er dachte ebenso wenig wie Hubert daran, sich zur Ruhe zu begeben, unb während draußen die nächtigen Schatten das Tal von Parten- hosen in tiefe Finsternis hüllten, setzten sie ihre freudlose Unterhaltung fort, ohne auf Den Lauf der Viertelstunden zu achten.

14. Kapitel.

Frau Edith von Varndal war in der ichelsten Laune. Seit dem Augenblick, da Nora aus eine so ungeschickte Weise gerade im interessantesten Moment ihre Unterhaltung mit Hubert gefrört hatte, war her Widerwärtigkeiten, und Unannehmlichkeiten schier kein Ende gewesen. Die plötzliche Erkrankung dieses Pro­fessors, dessen Anwesenheit auf Erlau sie von vorn- herttst all tmt sehr läAge VcvuHMur- ihres Bruders

richttn, daß bei Beginn der Nachmittagssitzung Gene­ralleutnant Leonis, Kommandeur der 39. Division, erschien, um die versammelten Soldatenräte seines KorvS zu begrüßen. In längerer Rede führte er aus, welch hohe Bedeutung er dem vertrauensvollen persön­lichen Zusammenwirken der Führer und Soldaten­räte beimesse, daß er und seine Ofsiziere bestrebt seien, sich das leider vielfach verlorene Berttauen der Trup­pen wiederzuerriugen, und daß dazu in erster Linie das Vertrauen der Soldatenräte, als der Vertrauens­leute der Truppen, nötta sei. damit man gemeinsam aus den Trümmern des Heeres eine brauchbare Truppe dem Vaterland« zur Verfügung stellen könne.

Gießen, 27. Febr. Heute morgen hielt ein Sicherheitswachmann in der Nähe de? Lebensmittel- amteS in der LstO-Anlage zwei Soldaten an, die einen Koch und ein schweres Paket trugen. Einer der Soldaten gab aus nächster Nähe auf den Sicher­heitswachmann einen Schuß ab, der diesen in der rechten Brustseite traf. Die beiden Soldaten ent­flohen und konnten bisher noch nicht gefaßt irerben. Der lebensgefährlich verletzte Wachtmann wurde in die Kinik gebracht unb ist nicht vernehmungsfähig.

Frankfurt a. M., 2. März. Einem in ben Jn- fektionsbaracken des städttschen Krankenhauses beschäf- ttgten jungen Hilfsarzt ist es gelungen, ein neues Mittel gegen die Grippe zu entdecken, das bei frühzeitiger Anwendung absolute Heilung bringt. Das Präparat ist schon in vielen Krankenhäusern eingeführt und kommt demnächst unter dem Namen Malasebrin in den Handel. Von Ostern ab müssen auch die jungen Leute, die die Berechtigung zum einjährig-frei­willigen Dienst erworben haben, ein Jahr bie Fort­bildungsschule besuchen, wenn sie daS 17. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Bad Homburg v.d.H., 3.März. Die Stadt- verordneteuwahlen hatten folgendes Erg-buis: Deutsch- liberale und Deutschnationale 6> Demokraten 4, Zen­trum 8, Mehrheitssozialisten 6, Unabhängige 4 Man bäte.

Hofheim (Taunus), 2. März. Ein zwölfjähriger Junge hatte einem französischen Soldaten bie Zunge heransgestreckt. Dieses Verbrechen mußte fein Vater mit 200 Mark Geldstrafe büßen, der Junge dachte eine Nacht in einem Keller über feine Freveltat nach.

Göttingen, 2. März. Die Zahl der zur Teilnahme an dem an der hiesigen Universität ein­gelegten Zwischensemester angemeldeten Studenten be­trägt 551.

.-----*-----

Mitteilungen aus dem Leierkreiie.

Ich nehme Bezug auf bie Zuschrift aus Cassel in der Montagsnummer vom 24. o. M. Ihrer Zeitung über bie Korpssolbatenräte des 11. A.-K. unb erlaube mit als Teilnehmer der Konferenz der Golbatcnräte des 11. A.-K. folgendes zur Richtigstellung zu sagen:

1. Das Werbebüro Hülsen ist auf Befehl des Generalkommandos des 11. A.-K. gesihlos- s e n worben unb nicht, weil es dem Korpssolbatenrai nicht paßt«. Dies wurde mir soeben telephonisch vom Abt.-Chef 1 a des Generalkommandos bestätigt.

2. Allerdings sind die Soldatenräte gegen Roste, aber man sage doch auch der Oeffentlichkeit bie Gründ ihres Verhaltens: weil Roste den Jahrgang 99 behal­ten will, deshalb war die Mehrzahl der Soldatenräte gegen ihn und darin find sich Soldatenräte und 11. A.-K. völlig einig, wie ich auf Grund persönlicher Mitteilung seitens des Chefs des Generalstabes betätigen kann Der Cbef des Stabes 11. A.-K. bemüht sich feit Wochen den Jahrgang 99 zur Entlastung zu bringen, auch fast alle anb-ten Generalkommandos tuen das mit dem glei­chen Eifer aus inner- und außerpolittfchen Gründen. Es soll damit keineswegs nerfchleiert werden, daß auch ine Anmbl Vertreter, meist der thüringischen <5arnt- icnen Roste feindlich gesinnt ist, weil er mit Gewalt Ordnung schaffen will und teilweise schon geschaffen hat.

3. Der General Würdet ist nach eigener Aussage geschickt worden, um in Eotba das Armee-Verordnungs­blatt vom 19. L zur Durchführung zu bringen. Dann sind aber die Soldatenräte ausdrücklich anerkannt, es märe also widersinnig, wenn er die Soldatenräte tn Weimar überhaupt ausschalten wollte. Einzeln- Mitglieder wirb er sttbstverständlich haben absetzen las- lm, wenn sie sich gegen das A-B.-Blatt vergangen oder ihre Besngniffe überschritten haben. Als Beispiel für die ost ganz unzutreffend« Widergabe der Tatsachen durch die Preffe führe ich nun noch folgendes an:

a) Der thüringischen Press« zufolge sollte ein ganzes Kollegium von Soldatenräten von Märcker verhaftet fein, es stellte sich aber auf der Casseler Konferenz yer-

au«, daß bitte« Kollegium auf der Konferenz anwelenG war, wodurch diese Behauptung in sich zusammenfiel.

b) Di«Frankfurter Zeitung" behauptet, das Gene­ralkommando 11. A-K. hab« ben Soldatenrat in Wei» mar abgesetzt, worauf bet betreffenbe Abt.-Ches in bet Caffeler Presse erklären ließ, baß bas nicht zutteff«.

c) Die Nachricht, die burch viele Zeitungen ging unb ungeheure» Aufsehen erregte, daß Marschall Fach erst einem entschädigungslosen Frieden zug-stimmt habe, und erst durch Ausbruch der Revolution zu seinen unet» hörten Bedingungen veranlaßt worden sei. wurde so» Erzberger und General v. Winte-feld als jeder Grundlage entbehrend abgewiesen.

d) Zu der Casseler Konferenz war die gesamte Preste eingeladen, ans dem Willen zur Wahrheit heraus, der gerade von dem Vorstand sehr betont wurde. Ma» wollte gerade, daß die gesamte Preste einmal höre» so"te, was ha verhandelt wurde, damit das unfeffgr Mißtrauen aller gegen ave im 11. Korps etwas behoben würbe. Man wollte zeigen, baß nicht nut geschimpft, sondern auch positive Arbeit geleistet werden konnte. Die Casseler Zuschrift der Oberhessischen Zeitung muß aber ben Eindruck erw-cken, als ob die zweitägige Kon» setenz nur eine wüste Schimpferei auf Roske gewesen märe. Die Rechtt bat Angst vor den Sozialisten, bie Linke Angst vor der Gegenrevolution. Wii'de die Oeffentlichkeit wahrheitsgetreu Ober die Tatsachen un­terrichten, bann würbe viel Haß und Mißtrauen be­seitigt werden. Di« Presse sollt« in dieser su-chtbar ernsten Zeit sich ihrer ungeheueren Verantwortung be­wußt fein und es aerob- ieht als ihre vornehmste Auf­gabe ansehen, unparteiisch die nackten Tatsachen wieder­zugeben.

Für den Garuison-Soldatenrat: Meter.

Unsere Kriegs<zefanaenen.

In Nr. 93 derFrankfurter Zeitung" vom 4. Febr. schreibt Herr Thomas Monn, der von unzähligen Deut­schen als Schriffsteller verehrt wird, in witzelnder, ironi­sierender Weife üb-r die Kriegsgefgngenensack>e, daß 'feie meinet Kameraden du'ch diele Art der Behand­lung stark vor den Kopf gestoßen find, "m nickt einen lckörferen Ausdruck zu gebrauchen. Hunderttausend« d-utsche Männer haben als Verwundete, Kranke unb Gesunde jahrelang seelische und körperliche Cualen von ben Franzosen diesenEdelsten" unserer Feinde erdul« dm muffen, die uns nach dem Urt-il Th. Manns, eine» MuH'tcnben geistigen Führers unseres Volkes,moto» lilch" überwunden haben sollen: in der raffiniertesten Weise haben dieFührer zur Tugend" um ihre Rach­sucht zu kühlen, wehrlose entkräftete Männer in bet Kriegsgefangenschaft jahrelang gemartert; hat Herr Th. Mann davon noch nie etwas gehört? Hat er nicht er­fahren. daß hochstehende Vertreter der französischen Re­gierung, wie z. B. bet Kommanbaut von Le Havre, offen erklärt haben, daß sie es für ihre Pflicht hielten, hie von der Front aefunb gefangenen deutschen Soldaten in der Gefangenschaft moralisch und körperlich z» Grunde zu richten? Haben einwandfrei amtlich s«st- g stellte Tatsgch->n für ibn keinerlei Wett? Dann sollt« er sich doch selbst die Mühe geben, eine Reihe früherer französischer Kriegsgefangener aus allen Gesellschasts- klallen und r'rfd>teiwnen Bildungsgraden au«jufragen, vielleicht kommt er bann zu bet Ueb-'neuating, daß die beabsichtigte Zurückhaltung von 200 000 deutscher Kriegsaefangener als Cklavenarbeiter nicht nur al» ein gallischer Witz zu betrachten ist. um uns zum Rar» ren zu hatten. Auf diese Weise wird ben deutschen Ge­fangenen nicht geholfen; Herr Th. Mann, der da» Wott fo heflich zu meistern versteht, sollt« lieber dazu beitta» n<*n, daß der ..A'ttickrei menfckltchen Midersvrncks". bet sich endlich bemtfbat zu machen anfängt bem französt» fchen Volk, demLehrer der Menschheit", wie et e» nennt, in die Ohren gellt und es zur Besinnung bringt

Ein in bet Schweiz interniertet Kriegsgefangener.

Wäre es nicht möglich, daß während der 8w zette unb Liederabende in den Stadtsälen die aroßt eleftttsche Lampe in der Mitte deS Saales ausgesmalt« wird, denn diese Lichtverschwendung trägt keinesweM zur Steigerung des Kunstgenusses btt.

Ein Kunstfreund.

Mittwoch, 5. März, 8 Uhr: Pasfionsgottesdienste. Pfarrkirche: Pfarrer Heermann.

Elisabethki sie: Pfarrer Waltemath. selbst eo.-luth. Gemeind?.

Donnerstag, 6. März. 8 Uhr: Bidelstnndea. Elisabethhan«: Pfarrer Heermann.

Ockershausen: Pfarrer Fokken.

empfunden hatte, dünkte sie eine ganz besonders tückische Fügung des Geschicks. Denn alle Welt schien durch di- Sorge um den Patienten verhindert, sich um sie zu kümmern. Sie hatte das Diner mutterseelenallttn ein- nehmen müssen, weil Margarete Corbach ihren Vater nicht verlassen wollte und Nota darauf bestanden hatte, dem jungen Mädchen Gesellschaft zu leisten. Guido hatte auf seinem Zimmer gespeist^ und Burton war noch mit dem Mittagszuge zu einer wichtigen Besprech­ung, über deren Natur er sich nicht weiter geäußert hatte, nach der nahe gelegenen Hauptstadt abgereist, allerdings mit der Erklärung, daß er wahrscheinlich schon am Abend wieder zurück fein werde.

Diese Vernachlässigung von fetten ihrer ständigen Hausgenossen bereitete der jungen Witwe indessen un­gleich geringeren Verdruß als die beinahe unhöfliche Art, wie Hubert Buchner ohne eigentliche Verabschie« bung das Schloß verlassen hatte. Denn aus dem leichten Spiel, als das sie die Wiederaufnahme jener in Italien so flüchtig angeknüpften Beziehungen zu bem jungen Maler hatte ansehen wollen, war im Ver­laus dieser wenigen Tage eine sehr ernsthafte Neigung geworden, die alle ihre Gedanken ausschließlich de­ich ä-tigte und ihre Seele mit einem heißen, sehnsüch­tigen Verlangen nach seiner Nähe erfüllte. Ihre leb­hafte Fantasie hatte an dem raschen Aufflammen dieser Leidenschaft vielleicht einen ungleich größeren Anteil als ihr Herz. Alle die brennenden Wünsche, die sie während ihrer unglücklichen Ehe und ihrer lang­weiligen Witwenschaft mit kühlen Verstandsgründen nieüergehalten, waren im Verkehr mit dem feurigen jungen Künstler, der ihr wie eine Verkörperung der sonnigsten Lebensfreude erschien, wieder lebendig ge­worden. Und jetzt bemühte sie sich nicht mehr, sie zum Schweigen zu bringen.

A» Lüde hatte dech auch sie einen Aulxruch aus

Glück und Genuß. Niemand war berechtigt, von ihr zu fordern, daß sie ihre Jugend und ihre Schönheit unnütz nur im Traume gekostete Liebesseligkeit mit einem Verzicht auf manche andere Annehmlkchkttt deS Lebens erkaufen mußte, schien sie ihr wenigstens in diesem Augenblick damit keineswegs zu teuer bezahlt.

Mit fiebernder Ungeduld hatte sie an bteiem Mor­gen den Beginn der Sitzung erwartet, und mit lluger Berechnung hatte sie alle Künste weiblicher Koketterie aufgewendet, um die wortkarge Zurückhaltung des Ma­lers zu besiegen. Sie war ihres Erfolges von vorn­herein sicher gewesen, und noch jetzt zweifelte sie nicht daran, daß ohne die Störung durch Noras Dazwischen­kunft ihr Triumph schon heute ein vollständiger ge­wesen wäre.

Aber die Situation, in der sie Hubert und Mar­garete gefunden hatte, und der fluchtartige Rückzug deS Malers gaben chr zu denken. Schon vom ersten Augenblick an hatte das vertraute Verhältnis der beide» ihr eine peinigende Eivpsinoung der Eifersucht ge­weckt, und mit argwöhnischer Aufmerksamkeit hatte sie ihren Verkehr beobachtet. Heute zum ersten Mal aber suhlte sie sich ernstlich beunruhigt, und sie war fest entschlossen, all ihre diplomatische Geschicklichkeit aufzubieten, um eine baldige Entfernung Margaretens von Schloß Erlau herbeizuführen. Tenn unter lein« Umständen wollte sie sich ihren Erfolg von diese» stillen, unbedeutenden MLchen streitig machen lasse». Wenn sie wirllich genötigt sein sollte, mit ihr um die Liebe Huberts zu kämpfen, so wollte sie biefe» Kamps von vornherein mit der ganzen Rücksichts­losigkeit des Stärkeren führen. Und es galt ihr gleidfr ob ein solcher Kampf in die geheimnisvollen Pläne chres Bruders passen würde aber nicht.

. LtiSllsetzUNg [OlaQ