MerheWie Zeitung
AweltkS Blsitl
Nr. 51
Eomia-end, 1. Mörz 1919
Nachdruck verboten.
Deutsche MKonawersammlung.
Vormrtlao-fttzuua.
ßu Lrgtn» der KormlttagSfttzung t‘ft daS HauS ewr schwach beicht Bon der Regierung sind Echei-eniann, Preuß, RoSke Wiffel, Bell, Erz- bereer «. a. veitrcreu. Nach Verlesung der 6i»#iX8C, unter dcneu sich ein Protest gegen 6 i e Einführung der schwarz- rot-gnldenen Landesfarben befindet, |«r nll seetechntsche» Gründen motiviert ist, er flirt Ministerpräsident Lcheidemann bis Bereitschaft bei Reichsreqieruna. die Anfrage U r n ß ad t und Genossen wegen U eü e r. ariff« der Polen in der Provinz Posen innerhalb der vorgeschriebenen ftrlft 'N '^antworten. Die dritte Lesung dcS Uebrr- ' sgesetzes wird "un der Tagesordnung eie Ui. Tas HauS tritt dann i« die
«Ne Lesung des Berfaksungsentwurfs ewi.
Der Leniorenkonveni hat beschlossen, Sen Krakttonen zu empfehle», daß von jeder Fraktion zwei Redner zu der erste» Lesung-des BersaUuugsentwurfs sprechen sollen. Dir Redezeit M auf eine Stunde beschränkt »erden.
»kS erster Redner spricht Ser Ab«. Richard Kischer tEoz.f. Er bemängelt, daß von dem Nusammenbruch des alten, auf Blut und Eisen »«gründeten Reich so wenig in dem Ber» taksnngSentwurf ausgeprägt sei. Das neue Reich runsse gleichberechtiat in die Reihe der Bblker eintreten. Er wünsche den Ausdruck -Ne ich" in der Verfassung durch „Repu- llit* ersetzt zu sehen. Aufgabe der Sozialdemokratie sei es, den neuen Staat mit sozialistischem Keift zu durchtränken. D'e Person des augenblicklichen Reichspräsidenten biete zwar «ine Gewähr gegen einen Mißbrauch feiue» Amts, Angehörige früher regierender Häufer mühten aber von der Präsidentschaft unter allen Umständen auSgeschaltet werden. Bet der Soziali- Dernng dürfe keine Entschädigung für künftige
an den Kapitalismus gezahlt werdem Die Schulsrage sei leider nicht Rcichssache ge- worbe». Seine Partei setze sich für den E i n- heitsstaat unter Verwerfung aller p a r t i k u i a r i st i s ch e n Bestrebungen ein.
«8 zweiter Redner spricht der Abg. Spahn L3tr.), im Hause und auf den Tribüne» nur sehr schwer verständlich. Er nimmt leicht verhüllt den partikularistischen Stand- Suikt hi Schutz und findet freundliche Worte
x De«isch°Oestcrreich, ' ■"*-
Nb-. Dr. Delbrück (Deutschnaiional): Eine Verfassung Ion man nicht aufbauen nur auf abstrakten Hedanken. Wir sind der Meinung, daß die demokratische Monarchie, wie sie im letzten Herbst bei uns entstanden ■et, einig ausgereicht hätte, um auch die weitestgehende» Ziele der äußersten Linken zu verwirkliche», dar wäre ohne die Kosten von Glück, Blut und Lebe» un> ohne die Verluste an wirtschaftlichen Gii- ttt» miglich gewesen, die uns die Revolution gebracht hat. richtig, reche > Auch die Persönlichkei des ftetfew hätte dabei nicht im Wege gestanden sSLid i- sprnch Ihtte). Niemand sah die Verhältnisse klarer als ktt Kaiser. Erwar fest entschlossen, alle Folgerungen «wbe» Lreignissen zu zieheu. (Hö't. hört! rechts.) Er »erbe« Meinung, dich es seine Pflicht war, dafür zu sorge», daß dem deutschen Volk Täuschungen erspart »Itben, wie wir sie nach dem Freiheitskrieg und nach 1848 «kett hatten. Bei dem hohen Pflichtgefühl, das de» Kaiser beseelte, ist nicht taran zu zweifeln, daß er d«, war er als seine Pflicht erklärt hatte, auch dnrch- sthrte Wen» aber so die Zustände im vorigen Jahre sich mUhekvr auf dem Boden der alten BismaEchen Berfaflrmg entwickeln konnten, dann ist es doch wirklich nicht richtig, wenn man jetzt nichts Eiligeres zu tun hat, «lebiefe Verfassung mit Stumpf und Stiel auszurotten. (Sehr richtig rechts.) Der Verfasier des ursprünglichen Entwurfes ist ein überzeugter Demokrat und ein über- zengter Unitarier. Er hat mit diesem Entwurf nicht iwr Widerstand gefunden in den Kreisen, die an einem starkenPseuhen sesthalten, sondern bei seinen eigenen Parteifre»»den hat man sich g gen eine Auflösung und Zersttteknng Preußens gewehrt. Im Allgemeinen müs
l-reihie Kunst.
Roman von Reinhold O r t m a n n.
SS, (Fortsetzung.)
„Ach Bewundere deinen Scharfsinn," sagte Hubert mit einem merklichen Anflugx '*on Bitterkeit. „Wärst bn nicht ein so ausgezeich" Ktmsigelehrter — wahrhaftig, ich würde bebauet , du dich nicht für die ''-ninalistische Laufbahn e..,.hieben hast."
freundlich legte Walter Rüdiger dir Hand auf feine Schulter.
„Seine Sarkasmen, mein Alter — ich bitte dich! Lieser Entschluß, ohne jede Rücksicht der Wahrheit nachzngeben, hat mich bei Gott viel mehr gekostet als du tchne« kannst. Und wohl niemals hat jemand an dem Erfolg seiner Bemühungen weniger Freude gehabt *3 ich. 68 würde mir bitter weh tun, wenn ich bat« toer zn allem anderen nun auch noch Einbuße an deiner Freundschaft erleiden sollte."
„So war es natürlich nicht gemeint. Aber vergib, wenn ich vorläufig noch nicht in der Stimmung bin, von anderem zu reden als von dem, was uns hier beschäftigt. — Auch wenn alle deine Voraussetzungen und Folgerungen richtig wären — dafür daß Ludwig Corbach selbst der Fälscher sein müsse, bist du mir bis je^t noch jede eigentliche Begründung schuldig ge- »Iteben.®
„Es ist in der Tat nicht ganz leicht, sie zu geben. Denn Beweise im juristischen Sinne habe ich natürlich nicht. Und daß meiner Ueberzeugung nach kein anderer lebender Künstler mit der Eigenart und der Malweise der alten Holländer hinlänglich vertraut ist, um die Täuschung mit solcher Meisterschaft bis in die geringfügigsten Details durchzusühren, ist als eine rein subjektive Meinung kein ausreichendes Indizium. Aber <4 kommt eine Menge von auffälligen Kleinigkeiten iüyu, die ihn zum mindesten in hohem Grade verdächtig erscheinen lassen. Ich will nicht einmal von fei- Arm f»j*e6etn Benehmen sprechen, von seiner krank-
sen wir sagen, daß in ihm viel« Mängel des alten Zustandes wieder enthaltensind, daß aber gerade die wert- vollsten Punkte der Bismarckschen Gedanken in ihm fehlen. (Sehr richtig rechts.) Der Entwurf ist ein Gesetz zur
allmählichen Auflösung des Deutschen Reiches.
sSehr gut rechts, große Unruhe links). Gleich im ersten Artikel heißt es, daß die Reichs färben schwarz-weitz-rot durch schwarz-rot-qold ersetzt werden sollen. Mir f?nd der Meinung, daß es bei den Farben schwarz-weitz-ror bleiben sollte, unter denen sich das deutsche Volk geeint Hst. Aber auch praktische Rützlickkeitserwägungen sprechen dafür, es bei den Farben schwarz^weisi-rot zu belaßen. Die Vor-echte Preußen» warm in bfe Dis- warckfche Vorfasiung aufgenommen worden nicht im Fnteresie Preußens, sondern weil dadurch die Vo-macht Preußens am sichersten das ganze Reich zusam- merhielt. Der s«n',:r Mrfesiungsentwurs räumt zwar mit den preußischen Vorrechten auf, ober et billigt vnlen Gliedstaaten b-e R.'crrmlrechiu zu, ja er
verstärkt sie sogar im ficcrt' esen, wo er die Pflege Monherer Stammestüch^mleit und besonderer Eioenort porosbt. liniere viemigiäbtioen Bemühungen für die Einbeit des deutschen Heeres we"den damit in f?roge gestellt. Vom S*anbvn-'*t der S'"rkimo ber st^ü-bs- oewalt ist es ein Fehler, dasi der Gut gurr die Aendetunq ber Verfassung erschwert. Auch Verfassungen müssen sich organisch fortentmickeln können. Neben dem Reichstag sollte eine Erste Kammer sieben, wenn auch in ihrer Zusammensetzung als daS StaatenhanS Wenn ber a^e Reichstag seine Macht nicht ausaeübt bat, so lag das nut an ber Haltung ber Parteien. ^Lebhafte Zustimmung rechts.) Eine Erste Kammer, zur Hälft: aus Ernennung zur anbeten Hälfte aus ben'fsstänbigen Wahlen hetvorgeoangen, würde die vorttfularistischen Tendenzen schwächen, denn das wirl- schoMche Leben im Volk wird immer materialistisch gerichtet sein. (Zustimmung.) Für ein glattes Arber- ten ber Reichsregierung ist ein kollegiales Ministerium das erste @rforbern’§. (Sehr richtig.) Der vorliegend!- Persassungsentwurs ist erheblich länger als dersenige Bismarcks. Mit Recht haben andererseits zahlreiche Kleinstaaten die Möglichkeit verlangt, sich zu leistungs- sShigeit Siaotengebilben znsammenzuschkießen. Hier muß unbedingt eine zweckmäßige Lötung gesunden werden. Aufsälligerweise ist in dem definitiven Entwurf gegenüber dem ursprünglichen über daS
Verhältnis von Staat und Kirche nichts gesagt. Das muß Wunder nehmen, nachdem in einigen Einzelstaaten ärgste Eingriffe von Staatsweaen in dieses Verhältnis vorgekommen sind. (Sehr richtig, rechts.) Meine politischen Freunde und ich sind der Meinung, daß dort ernstlich geprüft werden muß, ob nicht unter den völlig veränderten Verhältnissen gewisse allgemeine Grundsätze vom Reich festgelegt werden müssen, die von den Bundesstaaten und von den Parlamenten reorganisiert werden müssen, so das Erfordernis der Aufrechterhaltung bei Charakters ber Kirch« als einet öffentlich-rechtlichen Korporation, bie Aufrechterhaltung des Selbstbesteue- rungsrechteS ber Kirch« unb bie Aufrechterhaltung des Religionsunterrichtes als eines integrierenben Bestandteiles des schulplanmäßigen Unterrichtes. Weiter vermisse ich persönlich in dem Entwurf eine angemessene Regelung ber Verhältnisse ber Beamten, vor allen Dingen eine verfassungsmäßige Festlegung ihrer Rechte. Vielleicht kann man auch fragen, ob in biefer sturmbewegten Zeit, in bieser Zeit ber tiefen Depression uns ber Schwung unb bie Begeisterungsfähigkeit innewohnt, bie notwendig sinb für bie Aufrichtung eines Betfassungsgeb äudes, burch bas ber Wiederaufbau, die Größe unb bie Zukunft eines ganzen Volkes sichergestellt toerben soll. Wit werben bestrebt sein, alles zu tun, um au- biesein Entwurf ein brauchbares Instrument für bie zukünftige Regierung unb Verwaltung bes Reiches zu machen.
Damit schließt -te Bormltta-Ksttznn-.
Nachmittagssttzung.
Aba. •e*»alter (Demokrat»: Untere kranke Seit ft mH einer neuen Berialluua nickt »n heile». Die Ver» fafiuttg toi un6 aber da» fiebere und traalühiae Fiinöa» ment in einem Neubau unseres Reiches un» Volles liefern. Die Verlalluna. die ViSmcrck gtfihaiteu bat war nickt ein Ideal, sondern bat, was erreichbar war. Herr Delbrück meld uns beute den Wea. den et un» leiur. -Sieunde rgbuetttg. batte« »eben. müllen. (Sete
W W n«* TWO. Venie WeTBTF. TtT$e TRHte »ott Weisheit brackaeleae» bnt well ber Druck bet »reuhllckeii Reafkion an Sark war. Wir sollten tu un« ferem tiefen Schmerz an dielet einen Freude eine» Hnqenbfld verweilen, dass das leitbare Llelnod bet Relckselnheii baS untere Väter nach einem fiearetd-eti Kriege berueibra*ten. uns auch nach einem «ngind* lifben eerlorenen Krieg nicht verloren gegangen iftJ (Beifall.» Und eine Freude, die noch darüber ftebt. da» P<b nufere -Neichs-inheit durch Oiniutrltt von Teit»M>« Oesterreich zu einet uaiioiialeu Ei,weit ju ciUwiUeii»
jhn vegriss. iS. (Beifall.» Der zweite Gr^uöllelu, auf idem unter neues Reich gebaut werter. ist bet <*» jsicktSounlt der Demokratie.
Di« Monarchie hätte erhalte» hkeihe« können, wenn fie sich rechtzeitig den Fordern naeu ber (8eaen<! wart an?,tratst hätte. Nacktem der Baum aber entwurzelt am Boden liegt. iS eS unmöglich, ton wieder au hn richten. Ten NeicköpräNdenten wollen rott nickt in einet Nevrätentailonstlanr werden lallen. In seine Hände wollen wir die Seschicke der Beamtenschaft lenen. Die «rohen soziale» Grundgedanken unserer Kett batten durch den Welebentmnrf toärfer betont werden mülle». Wir hoffen In der Hommfffton auch! den Gedanken der ReichSelnhelt In der Bertallung stärker durcktetzen z» könne». Die Trennung der Gewalten »wischen Reich und SimelRaalen Ist nut so durch- ftibrbar. da» auf allen Gebieten der Setevgebung und! Verwüstung eine Oberschicht von Anordnungen deuz Reiche Vorbehalten bleibt, afleS übriu« Must )en eig«e neu BerwaltungSkörvern und ivr itvei-ioaltuu» in den 6ln»effloaten überlasten werden. Direkt all et» RücklchrUl erscheint unS die Ordnung deS flrlea#« weienS, ebenso baS Softem der kifenbahu und oct öerJ bältnille für bie Schule und Kirch«.
DaS Allerfchlimmffe find die Reservatrecht« her BnudeSstaaicn.
Hier Soffen rott, wird nnS eine kraftvoll« Ooeratfon gelingen DaS grobe Kultvtwerk VreuhenS daN nicht lerlchlage» werden. Die »rovinzen sollen ebenso wenig wie frfll er von Berlin, beute von Sozialdemokraten! bevormundet werden. El« sollen llch selbst vermalten! ES 16 nickt alles, aber vieles erreicht. Mehr wäre erreicht. wenn Stele Versammlung früher mfammen* getreten wäre. Die deutschen sollt!,dien Werkgeblid« werden fi'ott durch die finanziellen Röten »um Verschwinden gebrockt werden. DaS deutsche Voll soll tri allen seinen teilen zusammen bkeiben. DaS yemetni käme Leid wird die Deutschen enger »usammensüdren olS die lebten SO Fabre »es Glücks. In denen le viel« ladbare Gelegendetlen versäumt morden (In». iBeisalk bet den Demokraten.»
«bg. Dr. Hein« (Teutsche VollSv.»: Ohne de» festen Hali, de» die alle Verlalluna uns gegeben batte; wären wir nicht Imstande gewesen, vier Jahre hindurch einer Welt non Feinden standziihalten. Kein Staat an unserer Stelle hätte leisten können. roaS wir geleistet haben. IBeikall rechn.» Ta» wir bet dem Neuaufbau unterer Verfassung andere Wege gehe» mülle» alS »ysmard. il selbstverständlich. Aber
der (Entwurf läßt den aroßen Z»g der BiSmarck» scheu Politik vollkommen vermisien.
vor allem an bet groben Frage unsere» InneroollftW» festenl. der Frage der Stellung PreuhenS »um Reich, gebt er ocrflbei. Meine Freunde leinen ein verstümmeltes Vreufsen (ebenfalls ad. (Beifall rechts.» Ineletb« Unklarheit finden wir in der Frage deS Verbaltutstel von Reich und $tn$elftaalen. Ueber*8, wo In öleirr Frage einzelne GestchiSsunkte In de» Yordergrun» gelte llt werden, werden fie hinterher in »er Einsetduech» , fllbrung wieder durchbrochen. Dal gilt vorn Militär» weleu. von der SoNverwaltuna und vom Berlehrl, weleu. tBe soll denn in Ankunft die deutsche Macht liegen, die wir unbedingt braucheuk Tie BiSmarcksch« l'isung ist natürlich nickt mehr möglich. Eine vreu-l blicke demokrattlcke Republik kann nicht einsack an ölet Stelle der preublicken Monarchie treten. IGebr richtig!« Delbaib müllen wir daS Machtzentrum, dal wir unbedingt brauchen, Int Reich selbst »erantern. Sn Metern Zweck muh vor allen Dingen mit »em Programm der Uebertragnne der Heere», und VerlebrS-iur.chtun. gen aus dal Reick ernst gemacht werden. Geschieht bat, fe glauben rott, bah tu Verbindung mit »em Gewicht 6er Wirlschasllstagen un» bet Finanzsragezr an» ber Möglichkeit der Erweiterung seiner Someetenten das Reich »ie genügende Macht hol. selbständig, o6ne sich aus einen prävalierenden «iuzelstaa» Roten zu müssen, in ertftleren. Wir find der Meinung, »ab bie deutsche Verfassung aufgebaut werden muh anf der Grundlage de» Bundei-ktaatel. Die vundeSstaaten müllen di« Möglichkeit bebe«, llch selbständig un» frei nach ihrem Charakter w entwickeln. Wir - ünschen Erneltetuug der Lomoelenzen beb Reiche» >nf »em Geble« von Kirche und Religion un» vor allen Dingen die Sicke- rune »es ReligionSunlertickte» >nietet Kinder. (Leb- hastet Beifall rechts.» Redner enbet stch dann gegen «Ine Serftückelung Prenhenl und hält eilten eieenen jPrästdenten für Preu Heu als eine gewisse Gefabr für die Stellung del ReichSsrälldcnlen. glaubt aber, bah Preuhen zuguuste» de» Reiches anf einen eigenen Präsidenten reniiSten wird. Redner sähet fort: Wi» sind stolz a»t die teulsche Vergangenhetl.
Die Wschisirklnüg -es Reiche- verdanken mb
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haften Reizbarkeit unb seiner Menschenscheu, die sich leicht genug als die Aeußerungen eine» bösen Gewissens erklären ließen — ich will mich vielmehr nur an das Greifbare und Tatsächliche halten. Corbach befindet sich notorisch seit Jahren in sehr schlechten, ja. völlig zerrütteten Vermögensverhältnissen. Seine Er- sparnisse, wenn er überhaupt jemals welche besessen hat, sind längst aufgezehrt; seine Bilder finden keine Käufer mehr, und alle, die üjn kennen, zerbrechen sich seit langem den Kopf vergebens darüber, durch welche Mittel er noch immer den Ansturm seiner Gläubiger abwehren und sein Dasein fristen mag. Geschickte Fälschungen aber werden recht gut bezahlt, unb es fehlt unter bett Kunsthänblern nicht an gewissenlosen Subjekten, von denen anf diesem Gebiete immer lohnende Aufträge zu haben sind. Ich mag keinen Namen nennen; aber ich kenne gerade in unserer berühmten Kunststadt einen solchen Menschen, der mir mehr als verdächtig ist, einen sehr schwunghaften Handel mit derartigen alten Meisterwerken neuesten Ursprungs zu betreiben. Und ich weiß zufällig, daß zwischen Ludwig Corbach und ihm sehr lebhafte persönliche Beziehungen bestehen."
„Was du da sagst, mag sehr einleuchtend sein für Jemanden, der den lebhaften Wunsch hat, sich von seiner Schuld überzeugen zu lassen; mir aber ist es nicht genug. Und von greifbaren Beweisen vermag ich nichts darin zu finden. Daß er als Maler mit einem Kunsthändler verkehrt, enthält doch nichts Ausfälliges, selbst wenn dieser Kunsthändler ein anrüchiges Individuum sein sollte."
„Nein. Aber daS eine kommt zum andern. Wenn wir bei der Annahme bleiben, daß die Bilder zu einem betrügerischen Zweck nach Erlau geschafft worden sind und daß die angeblich« Entdeckung ein wohl vorbereiteter Coup war, so kann auch keine Ungewißheit darüber obwalten, daß sich Ludwig Corbach von vorn- herein im vollen Einverständnis besand mit den Urhebern der Idee, die sick im anderen Fall weislich gehütet haben mürben, daS Gelingen ihre« Planes durch die Heranziehung eines je hervorragenden Rtw
ners zu gefährden. Die sogenannte Restaurierung der Gemälde aber konnte wiederum nur von jemandem gewagt toerben, ber mit ber Art ihrer Herstellung aus bas Genaueste vertraut war, bet alle bei der Fälschung angewandten Mittel kannte — mit einem Wort: von dem Maler selbst^ Niemals — dabei bleibe ich — würde Ludwig Corbach sich auf das Experiment eingelassen haben, wenn die Tafeln nicht aus seinem eigenen Atelier hervorgegangen wären. Es ist ja nicht unmöglich, daß ich mich täusche, denn ich erhebe keinen Anspruch auf Unfehlbarkeit; aber meine Hoffnung, durch die Tatsachen eines anderen belehrt zu werden, ist sehr gering."
Hubert hatte sich wieder am Tische niedergelassen unb beibe Fäusie gegen bie Schläfen gepreßt. Gewiß sträubte er sich noch immer mit aller Energie gegen das Fürchterliche, das ihm da als erbarmungslose Wahrheit aufgedrängt werden sollte. Aber seinem verzweifelten Widerstreben fehlte bereits die Zuversicht der eigenen Ueberzeugung.
Walter Rüdiger — das wußte er nur zu gut — war nicht der Mann, leichtfertig die Ehre eineS andern anzutasten. Und die Sicherheit seiner An- schuldigungen bewies, wie ernsthaft er zuvor mit sich zu Rate gegangen war, wie gewissenhaft er alleS geprüft und gegeneinander abgewogen hatte.
Seine Anllagen auch weiterhin mit einem trotzigen „Unmöglich" abzusertigen, wäre törichte Verblendung gewesen. Und schon fühlte sich Hubert in sei iem Glauben an den Meister auch garnicht mehr stark genug zu energischem Widerspruch. Er hatte sich jenen Besuch ins Gedächtnis zurückgerufen, den er Ludwig Corbach nach seiner Heimkehr abgestattet, und alles, w"s ihm damals seltsam und unerklärlich erschienen war, gewann jetzt eine schwerwiegende, verhängnisvolle Bedeutung. Namentlich die Erinnerung an Margaretens hastige Abwehr, als er den Wunscb geäußert hatte, den Proftssor in seinem Atelier bei der Arbeit zu überraschen, fiel ihm mit Zentnerlast auf die Seele. Es war früher durchaus nicht Lndwrg Corbach'S Gewohnheit geroefeOt fich bei feinem Schaffen ängstlich gegen
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Sem (Sie»i, oer »en »et rnHmvoll«» GefchlchL beb br«d<b*e Kaiser- ansssing
«Beifall rrckll. VuOsei links > Auch das neu« Reicks» oberbanet mnS eine feines HmteS roürbtae Steünn» ein nehme«. T(e Ibtebbarfett unb Me Sulnffiateft »et 8lnflageerhe5u"a teaar bei oet&älini&mäBla gering» fActinen Versehen Reben mit bet Würde öeS Reicks» Präsidenten tu Wtoerlsr >ck. (Wldeelvnick Un».) 8üt eoni telbftvetSönblfck halten roh eS. 6a6 bet Reicks» Präsident gebotener Deutscher (ein mutz. Eine zehnjährige ReickSansebörfgleU genügt nicht. (Seht richtig t) tech».» Wir halte« fett an den Farben schwatz» w e t 6 »t• L Unter bet Flagge schmarr-rol-golo habe« »fr nicht allzuviel Glück gehabt (Beifall rechts. ।
Abg. Tt. (tote (U. EP: DaS VersassungSwerl darf ent ein Mittel fein, ber Revolution |uut vollen Siegt in verbellen. Der Envvurs bietet nut Halbheiten. Klebt einmal bte Unentgeltlichkeit beS ganzen Unter» richtSroefeul ist tu ihm auSgelprocheu. Auch die voll« Trennung von Kirche und Staat ttn» bie Weltlichkeit beb gesamten Unterricht»weienS ttnö tu ihm nicht ent» holten. Wir vermissen bestimmte Vorschläge lil-et Mt sofortige SojlaUfietung. Durch baS ganze Voll mutz bet Gebaute geheut Jeder für alle, und alle für etuenf Wfr wollen einen rofrlilchen EinheliSstaat. Alle Son», berreebte von Staaten und Stämmen sollen fallen. Die Hauvllacke ttt, öa» bet Sozialismus auch in die Ge» finnung aller BolSalleder dringt Nur wenn die Bet» fassung nn» »le Mittel dazu bietet, eine solche Gesinnung i« vertieten. wird es ein Werk sein, auf beb Untere Enkel ttoli lein tonnen. (Belsall bet den U. SP
Hierauf nertwtrt fleh das HauS.
Röcktte Eftzung Eamsiag, L März 10 Uhr vor«. LageSor-uung. Anträge und tldtitre Vorlagen.
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51t StuHnöt
Berlin, 28. Febr. Der Ausstand in Thü« ringen dehnte stch auf Suhl, Greiz und andere Zn« dustricort« aus. In allen vom Ausstand betrof» senen Orten ist das Erscheinen ber bürgerliche« Zeitungen verboten.
Dessau, 28. Febr. Laut „Anhalter Anzeiger" wurde gc't.rp abend in Cöthen ein mit Sparta« klsten und etwa 200 Fahrgasten besetzter „wilder" Zug nach Ueberfahren der Haltezeichen durch Ma» schinengewehrseuer der Bahnhofsbesatzung zu« Halten gezungen. Dabei wurde eine Frau getötet und acht Zivilisten schwer verletzt. Die ganz« Spartakistenbesatzung, darunter der Bahnhofso kommandant von Halle, ein Isijähriger junger Mann, wurde verhaftet. Die Spartakisten ließe« den Zug auf vielen Stationen halten, um anar» chistische und aufwieglerische Fltdgblätter zu vev» breiten.
Eine unparteiische Untersuchung durch de« Staatsrat in A> halt und Vertreter des Cöthener A.- und S.-Rates ist eingeleitet worden. Der Offizier, der den Befehl zum Feuern gab. tut bi» auf weiteres keinen Dienst.
Im nahen Edderitz wurde efn Hallefches Auto», mobil mit Spartakisten, welche Mi anhaltische« Bergwerksbelegfchaften zum Ausstand aufhetze« wollten, angehalten; die Infaffen wurden vevi hastet.
Die bürgerliche» Gegenausständ«.
Leipzig, 28. Febr. Der Leipziger Bürgern ausfchutz teilt mit: Die mit dem Bürgerausfchuh zufammengefchloffenen Verbände haben beschlossen, sämtliche Lebensmittelgeschäfte Leipzigs vom Aus« stand auszunehmen. Dieser Beschluß ist fo* fort dem hiesigen Arbeiter- und Soldatenrat, bet „Leipziger Volkszeitung" sowie ber gegnerische« Ausstanbsleitung mitgeteilt worben. Trotzbem würbe in Arbeiterverfammlungen von ben $«t» sammlungsleiter« einstimmig erklärt, baß ba» Bürgertum den Ausstand in frivoler Weife «ef bie Lebensmittelgeschäste ausgebehnt hätte. Mit dieser bewußten Unwahrheit wird die Arbeiter« schäft in gefährlicher Weise aufgehetzt, so daß e» bereits zu Beschlüssen kam, die Lebensmittel weg» zunehmen und sie einseitig an die Arbeiterschaft zu verteilen.
Die Leitung der ausständigen Arbeiterschaft er» klärt, die Reichsleitung habe den Ausständigen
bte Außenwelt abzuschließen. Und wenn er jetzt sogar seiner Tochter den Eintritt verbot, so lag die Vermutung nur all zu nah«, daß es da drinnen etwas Sträfliches zu verheimlichen gab. Sein verstörtes Aussehen, sein gereizte», gallige» Wesen waren sicherlich nicht danach angetan, eine solche Vermutung zu entkräften. Und dann — seine seltsame Erregung bei der Aussicht, daß auch Hubert nach Schloß Erlim kommen würde — diese Erregung, die Margarete sogar veranlaßt halte, ihm das Versprechen seines Fernbleibens abznnehmen! Es war dem jungen Maler, alS öffne sich plötzlich vor seinen Augen der Mick in einen Abgrund voll schmier'icher Spukgestalten und züngelnder Schlangen. Denn jetzt erhielt mit einem Mal alle- ein andres Aussehen, und jedes dunkle Wort de» Meisters bet ihrer letzten Unterredung erschien ihm jäh in dem grellen Lichte einer Erkenntnis, die ihn in tiefster Seele erzittern mochte.
Jener nächtliche Vorfall, den ihui Margarete mit so ergreifenden Worten geschildert hatte, sand er nicht eine nut zu naheliegende Erklärung in ben Gewissens- qualen des von dem Bewußtsein seiner Schuld ober von der Furcht vor einer Entdeckung bis au ben Rand bei Wahnsinns gepeitschten unglücklichen Manne»^ Und seine Weigerung, die fast vollendete Arbeit zu der- lassen, war sie nicht unter solcher Locausjetzung ebenso verständlich wie sein enülühes Zusammenbrechen uniat dem Uebennaß seelischer Pein? ;
„Barmherziger Gott, wenn e» Wahrheit wäre!" stöhnte Hubert. „Es würde mich meinen Glauben an bie Menschheit kosten unb die Ruhe meines Lebens."
„Ich wußte, wie hart es dich treffen würbe, mein armer Junge! Unb wenn e» möglich gewesen mitt — so wahr ich lebe, ich hätte es dir erspart. Aber wenn es überhaupt noch eine Möglichkeit gibt, die Folgen seines unseligen Tuns von Ludwig Corbach» Haupt abzuwenden, so kann rs allein durch dich gescheben. Uno schon aus diesem Grund« mußte ich mich dir offenbaren."
(Fortsetzung folgt)