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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberheffen

M 51

DieOberbefl'Scke Zeitung" erscheint sechsmel «iichentlich. De' Bezuorvrei« beträgt monatlich 1.?5 X. frei in» Hau» (durch die Tot: ohne Bestellgeld). Bering e«n Dr. C. Hitzrrnth. Mnrtt 21/23. Fernsprecher 55.

Marburg

Connabend. 1. März

Der >n,eigenvrein betrügt fit die Ngel, Zeile 20 |u 50»!.Kr^szus»l, enttl I itueroert. u. knnimel-Rnr. 80 4-* 38'/,»/, Kri-gorulckl. Reklame,eile 1 X. 3<6,r I Rabatt gilt ei» Bnrradatt. Bei 1u»f#nft b. Vie 6eick5tt»ft. il Vermittlung l der A ngedpte 25 4-Lendergi-bühr. P»!tsche<k»nt«: Rr. SCI5 Amt Franks, a. M. |

54. WS»*

1919 !

Erstes Blatt.

Berlin, 28. Febr. Die aus Ostafrika heim- lrhreiiden Krieger unter Führung des Generals v. L e V low-Barbeck treffen wegen Verkehr?schwierigketten ttf: am Sonntag Vormittag ein. Der Empfang durch Mc Reichs- und Stadtbehörden am Pariser Platz ifi wmmehr auf Sonntag Vormittag 11 Uhr festgesetzt.

I'k SkimW 6tr kelrMn.

Bo» unneraänolichem Rn^m überstrahl', von 9Ptf- Fönen deutscher 55e*-»en b<T«wiat a-grststi betreten tri- Helden Netto'n «VorberkS noch v-üVSM-'er tvesenbett tmb über -tiZbriae" unneros-ichsich-n taten tnteber den Boden der->smot. d-ren ,Fnson"n,n- Fr»ch M'ch sie rniang, b1» Flo<»<,e <n

nieder«"l'oren. Wo? cFen Bn0r-n Zungen b->- vereinten en-sisck-b"rikckck^a''"ck'--ort'"'Kf'kck'en Pn'n- «i»lmock>t nicht oekano. d'e fi-ine seit 5tobren von Enrona abaeschnitt-ne deutsche Truppe wr Neber-oh. tzn »rninaen, obwohl sie nicht nur al'er technss^en Hitt«mittek. sondern M'ck der notwendiosten 9f9» rüstnnn entb-drte. dos haben die Bon,nib-rereioni^^ pnd dos. maS ibnen kotzte, mit einem Scklo"e n-rmocktz Alles .p>etdent"m. r>We Treue der sorblnen A«^-'« rn Eren MeEen O^s''e'-n und 1tn»<>ressi,'er°n, aTü A»«- dauer Maren umsonst. Die Helmut oob auch iene Vornnsten d-s Dent>^t"'n4 fn Alri^n nrei? vb rn>eu- fi«. di- Aussen gut strecken. Einen stolzen Trost stb->r aste Schmach und Untre-,e mag die Truvne L-'ww. Vordeck« frt dem .Fnn-stgndnis des ehrenvollen Ab 1 n o e? durch die Gegner seben.

Die.söelmt-brenden uie'-den sich aewiß ibre Rückteb' 6«S Armand. Sumnf und Stenn, ander« oe^ochf haben Einst tmrstesten sie ein im Glanre m's'tsrtscher nnb lokrtschakkstcher Macht und Orbninm oeirOio'e? fsteich Ein von Auf- und Ausständen durchmstbite«. snsosae Anordnuu» und Wimmarr"iq ui-dergebrochen-^ Land. daS sich dein Machri-f-ck der Gegner millrnio? benot. Enden sie wied-r. Der Schild sener Tavsereu U strahlend rein. Sie waren bis »"letzt stand­haft «nd treu und hiei'en di- deutsche Flno-e hmb »nd fn Ebren. Sie fragten nicht nach den @rW<i* Mrssichten ihrer Kämpfe, sonde-n kämnsten nach alter beutsch-r Coldatenart., Und M« AskariS folgten ibnen, verfeinerten auch in den schlimmsten Taaen ibro» Führern nicht den Gehorsam, schossen sie nicht »irder und beschämten die vielgerühmte» «nd ver­hätschelten ..Blauiackkn".

Wenn Eingeboren« den Weibe« so die Treue bi« Julevk gehalten haben, so beweist da» ein« hervor- ragende kolonisatorische Begabung und Eimnmg, die die Westmächte zur Bemäntelung ihrer Rauhpläne den Deutschen absprrcken möchten. Die Geaner bemüben sich die immer Wieser zutage tretend« Anhänglichkeit der farbigen Bevölkerung der afrikanischen tropischen Kolonien an die Deutschen durch schnelle und möglichst «stlvfe Beseitigung dessen, was ''i dir deutsche Zett erinnert avSzulöschen. Die benhmen Kriegstaten in Afrika, in Sonderheit in Ostafrika, sind aber ent­sprechend der Veranlagung der Naturvölker vorzngs- teeiie geeignet, das Andenken an die deutschen Herren w ächz uh alten, dis sie hoffentlich in absehbarer &rt zurückkehren, um die deutsche Flagge erneut auf- kuziehen, die so ehrenhaft dort geweht hat. Bor allem toirt der Name Lettow Borbeck und seiner Ge- htitcn noch viele Geschlechter hindurch in Ostafrika, etwa- in den Gesängen der Farbigen, fortleben als der eines großen, unbesiegten Kricgshklden. Wir aber Neunen Lettow-Borbeck in einer Reche mit Hindenburg, Mackensen und Graf Spee und grüßen ihn aus i«A deutschem Herzen.

516 Soge in Mch.

iöeilitt, 28. Nou. Wie derVorwärts" aus Weimar meldet, wird das Kabinett heute noch fich ringcheirt mit der Ausstandslage besaffen und eine Kundgebung dazu vorbereiten. Man gewinne den Eindruck, als» ob die Entstehung des Ausstandes ieilweife auf ein Mißverständnis zurückzu- Dhren fei. Man redete vielfach den Arbeitern or, die Regierung wolle ihnen die Betriebsräte »ebmen. Die Regierung hat aber tatsächlich wie- tztrholj erklärt, daß sie nicht daran denke.

B e r l i n, 28. Febr. Aus Halle wird auf Um- Degen über die dortige Lage berichtet: Halle ist 0ne tote Stadt. Seit Mittwoch vormittag streiken * der Stadt die Post- und Eisenbahnbeamten, die Straßenbahner, die Magistratsbeamten, die Lehrerschaft, die meisten Kreisverwaltungsbehör- ten sowie sämtliche Geschäftsinhaber mit Aus- ^chme der Lebensmittelgeschäfte. Sämtliche The- ttet und Kinos find geschloffen, auch die meisten schulen. In Betrieb sind lediglich das Waffer- ^rk, das Gas« und Elektrizitätswerk und der bchlachthof. Am Donnerstag fand ein großer De- ^nstrationszug der Arbeiterschaft statt. Auf dem Marktplatz wurden mehrere Ansprachen gehalten, **. alle zum Ausharren im Allgemeinausstand *lferberttn, um die Macht der Regierung Ebert-

Scheidemann zu brecksn. Haste ist gänzlich von der Außenwelt abgeschlossen. Keine Briefe und keine Zeitungen gelangen mehr in die Stadt. Heute er­öffnete der Arbeiterrat mit einigen Leuten die Brotmarkenaiisgabe wieder, nachdem er von der Stadt dte Herausgabe der Schlüffel und des Markenmaterials verlangt batte. Die großen "andstraßen. di- nach .^>-^2 fsitz-en, find bewacht. Leute, die zu Fuß nach und von Halle kommen, werden auf Waffen durchsucht.

Emden, 28. Febr. Als Protest gegen den Einzug der Regierungstruppen legten die Arbeiter der hiesigen Bet-iebe u"d die Eisenbahner die Ar­beit nieder. Die Zeitungen können nicht er­scheinen.

Karlsruhe, 28. Febr. Das Eewerkschafts- kartell und die sozialdemokratische Partei hatten die Karlsruher Arbeiterschaft für heute nachmittag tu einer Massenkundgebung im Saale der städti­schen Festbaste eingeladen. Da der große Saal die herbeiströmenden Mengen nicht annähernd zu Waffen vermochte, mußte gleichzeitig eine Versamm­lung vor der Festhalle im Freien abgehalten wer­den. Es wurde Stellung genommen g-'gen die unzureichende Lebensmittelversorgung, die Woh­nungsnot, die unmenschliche Zurückhaltung brr Kriegs- und Zinilgefangenen, ferner g-'genreak­tionäre" Bestrebungen, aber auch insbesondere gegen Putschversuch« und spartakisiische Bestrebun­gen. Anschließend wurde zur Ruh«, Ordnung. Einigkeit und Arbeit ermahnt. Zn diesem Sinne lautende Entschließungen fanden einstimmige An- nähme. Dann begab sich der gewaltige Demon strationszug von weit über mOOO Arbeitern nach dem Marktplatz, wo fich die Menge verteilte. Tie Ruhe wurde nirgends gestört. Die Fabriken und Geschäfte hatten geschloffen.

Thor«, 28. Febr. Anschlie^nd an eine De­monstration von Arbeitern und entlassenen Sol­daten für ein« bestes Lebensmittelversorgung kam es heute zu große'-en Ausschreitungen. Ob­wohl einet Abordnung bet Demonstranten vom Magistrat zugesagt worden war, daß versucht wer­den würde, mittels Verhandlungen mit der Inten­dantur aus den Lebensmttteln bet Militärbestände di« Arbeiterbevölkerung Thorns bester zu verfor- «en, fetzten fich di« lärmenbeu Kundgebungen der Menge fort. Als ein Bürger zur Ruh« mahnte wurde er mißhandelt. Ein Teil der Demonstranten zertrümmerte im «rtushofe die Fenster und -aubte aus der Ho^ekkiicke Lebensmittel in erheb lichem Umfange. Grenzsckntzsoldaten wurden mit Knüppeln angegriffen. Al» die Demonstranten versuchten, das Mikitärgesängnis in der Jakov siraße zu stürmen und di« Gefangenen zu befreie" griffen mehrere Detachements in Stahlhelmen mit Maschinengewehren und Handgranaten ein. 6« kam zu einem scharfen Feuergefecht, wobei eine Anzahl Personen verwundet wurde. Rach -äuberung der Straßen durch Militär trat Ruhr rin. Militärpatrouillen versehen jetzt den Sicher­heitsdienst.

Di« Besetzung Düstelb-rf,.

Düsseldorf. 28. Febr. Tatkräftige« und über­raschendes Borgehen , des Hauptmanns Licht schlag, der mit einem kleinen Vortrupp des westfälifch.-n Frei- willigen-Korp« sofort nach Seinem (Eintreffen Haupt­bahnhof und sonstige ökfmtliche Gebäude besetzte, wur­den die Spartakisten völlig überrumpelt. Mit der Ent­waffnung wurde unter Aufsicht bet inzwischen gt. bildeten Bürgerwehr bereits erfolgreich begonnen. Ber- ernzelter schwacher Widerstand wurde schnell gebrochen. Eine Anmhl Spartakisten wurde verhaftet. Die Haupikräfte bee F^eiwilligen-Korp, mit Artillerie, Ka. valleric unb Maschinengewehrabteilungen werden nach- mittags erwartet. Weitet wirb gemeldet, daß die Re- qieningstruppen die Sammelplätze bet spartakistischen Volkswehr, welche eilig flüchtete, besetzt haben. Grog« Mengen Waffen unb Munition unb bis Liste sämtlicher Volkswehrmänner mürben beschlagnahmt. Der Ein- bruck de« raschen Siege« der Regierungetruppen ist tart Der Znbel der Bevölkerung über bW Befreiung äußert sich laut. TU weiften Spartakistenführer unb revolutionären Größen, darunter ber sogenannte Over- bürgermeisUt Schmiigen, stnb geflüchtet. Im Rathau« wurden die Segierungettuppen von dem D-igeorbneten Dr. Theleman» begrüßt. Ihr Führet erklärte. Beseht von der Reichsregierung zu haben, die Ordnung tu Düsseldorf wteberberzustelle«, Sicherheit für Stabtw-r« waltung unb Bürgerschaft zu schaffen und die Arbeit», willigen zu schützen. Die Kasernen unb da» Ständehau» tnb von den Spartakisten vollständig ansgeplün- bert worden.

Noch kein Zufammeutritt bet preußische« Landes- vetfammluug.

Weimar, 28. Febr. (Amtlich.) Mit Rück- sicht auf die Verkehrsschwierigkeiten hat das preu­ßische Staatsministerium befchloffen, den Termin für den Zusammentritt der Landesversammlung auf unbestimmte Zeit hinauszuschtebeu,

(Siche auch 2. Watt.)

Ser iogerifiSe MöiehwtB.

Da« Rätefystem abgelehnt.

München, 28. Febr. In der heutigen Nack- miitagtzsitzung des Rätekongresses wurde ein Antrao Mühsam, der den Wortlaut hat:Der Laudeskongres he2r Arbeiter-, Soldaten- unb Baucrnrä'e beschließt. Boyern wird zur sozialen Republik »isge- nifen. Die gesamte Gesetzgebung und Vollzugsgewatt wird dem in diesen A.-, S.- und B.-Räten repräsentier ten arbeitenden Bolk zugewiesen" mit 234 gegen 70 Stimmen abgelehnt. Dagegen wurde ein Antrag Eickmüller-Landan mit großer Mehrheit angenommen. Der Antrag enthält folgende Punkte: Der Landtag bleibt vorerst vertagt. Die Tagung des provisori­schen Nationalrats wird für geschlossen erklärt, lieber den Termin der Wiedereinberufung des Landtage? entscheidet das provisorische Ministerium in Gemein­schaft mit dem Aktionsausschuß. Tie jetzige Tagung der A.-, S.- unb B.-Näte stellt den provisoriscken Nationalrat des freien Bolksftaates Bayern dar. De' zur Wahrnehmung der Geickäste zu bildende Aktions­ausschuß besteht aus 33 Mitgliedern. Der Aktions- ausschus; wählt aus seiner Mitte einen 7gliedrigen Nationalrat, dessen Mitglieder wieder dem Aklions- auZschnß verantwortlich sind und von ihm abberufen werden können. Sobald die Verhältnisse es gestatten toirb dem gesamten Volk« das am 4. Februar prok­lamiert eStaatsgrundgesetz zur Abstimmung vorgelegtz Die künftige Verfassung des freien Volksstaates Bayern wird von der provisorischen Regierung in Gemeinschaft mit dem Aktionsausschuß ausgearbeitet und dem gesam­ten Volke zur Entscheidung vorgelegt. Der Kongreß der A-, S.- und B.-Räte wählt ein neues Mini­sterium unter Hinzunehung eines Bauernbündlers als Landwirtschaftsminister.

München, 28. Febr. Als in der Nachmittags­sitzung des Rätekongreffes Minister Uuterleithner sei­nen Bericht über die Kommissionsbeschlüsse beendete, die die Plattform für die Klärung der politischen Lage darstellen sollen, erschien plötzlich eine Abteilung der repicklikanischeu Schutztruppe in Märke vo« 15 bis 20 Mann im Sitzungssaal und nahm bei den Bänken der spartakistischen Anhänger Stellung. Mit vorge­haltenem Revolver kommandierten die eingedrungenen Soldaten: Hände Hochs Es entstand eine furchtbare Aufregung. Alle Delegierten im Saal hoben die Hände i« die Höhe. Der Führer des Kommandos rief mit erhobenem Revolver zur linken Seite des Hanfes: Wir können «nS nicht mehr länger von Lumpen ber Straße regieren lassens Wir brauchen eine richtige Regierung!" Die Soldaten des Kommandos packten darauf Dr. Levien, der am Ministertisch saß, und führten ihn ab, ebenso die kommunistischen Arteiter ratsmitglieder Mühsam und Landauer. Dio Berhaftung wurde von einigen Bänken der Mehrheits­sozialisten mit Beifall begleitet. Auf den Aihörer- tribünen setzte ein großer Lärm itnb Protest ein. Di« Tribünen wurden geräumt, nur die Pressevertreter durften Herben. Der Präsident des Kongresses Riekisch protestierte gegen das Eindringen der Soldaten und stellte ousdrüillich fest, daß die Leitung des Kongresses mit dem Vorfall nichts zu tun habe. Er empfahl, sofort eine Untersuchungskommission einzusetzen. Schärfster Protest gegen ba3 gewaltsame Eindringen der Solda­ten tourte von verschiedenen Seiten erhoben. Tie Er­regung wuchs bis zur Siedehitze. Der Unabhängige Teller sagte: Die Schutztruppe steht unter dem Kom­mando be§ Stadtkommandanten Dürr. Dieser muß sofort verhaftet werden. Mit vorgehaltenem Revolver bekämpft man keinen Gegner. (Pfuirufe links. Toben gegen die Mehrheitssozialisten.) Der Vorsitzende des Soldatenrats Sauber erllärte, daß hinter dem Putsch weder die Mehrheit noch die linken Sozialisten stehen. Es scheint eine bestimmte Persönlichkeit dahinter zu stecken. Die drei Genossen müssen sofort wieder herein. Nur so kann bet Bürgerkrieg verhindert werden. Prä­sident Nickisch: (El muß aufs schärfste verurteilt wer­ben, «in Mitglied aus diesem Hause heraus zu ver­haften. (Tobende Zustimmung.) Hierauf protestierten noch weitere Redner gegen die Verletzung der Immu­nität von Mitgliedern deS Rätekongresses. Nach einer Viertelstunde erschienen Dr. Levien und Mühsam wie­der im Sitzungssaal. Sie waren auf das Einschreiten von Mitgliedern des Hauses von der Wache wieder freigelassen worden. Es tourte sofort eine Unter­suchungskommission eingesetzt. Die Sitzung wurde unterbrochen.

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6oniiigt KelieoieiL

Berlin, 28. Febr. Einer Pariser Reuter­meldung zufolge werden 800 deutsch« Gefangene demnächst au» einem Gefangenenlager in der Nähe von Tour» entlassen. E» find die ersten Ge- fangenen, die entlasten werten. Alle find elsaß- lothringischer Abstammung.

Berlin, 28. Febr. Die Verhandlungen zwischen bett beteiligten RessortS im Reiche und Preußen wegen Aufbesterung und TenernngSzulagen für Be­amte und Lohnangestellte sind soweit fortgeschritten, baß die Durchführung der Maßnahme in einigen Tagen erfolgen wird.

Berlin, 28. Febr. Durch kriegsministeriellen Er­laß ist Oberst ®8bte in die Reihe der auf eigenen Antrag «usgefchiebenen Offiziere versetzt worden. Jn- folgedesten darf er sich wieder Oberst a. D. nennen.

Weimar, 28. Febr. Ter Nationalversammlung ist folgende von den Mitgliedern aller Parteien mtt Ausnahme der Unabhängigen unterzeichnete Ent­schließung zugegangen: In Artikel 19 des SahungS- entwurses des Völkerbundes sind die über die deutsche« Kolonien getroffenen Bestimmungen mit den in Punkt 5 des Wilsonprogramms ausgestellten kolonialen Frie- ben?6ebingungen nicht in Einklang zu bringen. Die Nationalversammlung legt gegen bie einseitige Aende« rung dieser Bedingungen, die von Deutschland trnbi den Alliierten als gemeinsame Grundlage für den- Frieden angenommen worden sind, feierlich Verwah-i ntng ein und fordert die Wiedereinsetzung Deutschland»., in seine kolonialen Rechte. .

Weimar, 28. Febr. Bon den Deu.tschnationalen ist folgende Anfrage eingegangen: Infolge des Herr-' schouden Papiermangels kann die deutsche Presie; ihren Aufgaben weder im Jnlaude noch in Bezug auf die notwendige wirksame Vertretung der Reichsint-res- ien gegenüber dem Ausland gerecht werden. Was kann und will die Regierung tun, um diesem Not­stände abzuhelfen?

Wien, 28. Febr. Aus Prag wird gemeldet, datz dort wiederholt deutschsprechende Passanten auf ber, Straße von Legionären angehalten und beleidigt wurden. Gestern Nachmittag verlangte die Menge; unter Führung russischer Legionäre, daß in der Alisiadttz die Kaufleute mit deutschen Namen ihre Firmen­schilder entfernen sollten. Viele deutsche Aufschriften iourc :n von ber Metme heruntergerissen.

Bnbapest, 28. Febr. Der Ministerrat beschloß die Ausschreibung bet Wahlen tut verfassunggebenden Nationalnersammlung. Tie Wahlen finben in der ersten Hälfte bes April nach dem System bet Listen­wahl statt.

Bubapest, 28. Febt. Der Eiseubahnerausstand in ©übungant wirt von ben Serben unter Verübung von Greueltaten gewaltsam niebetgebrochen. In To- mesvat haben die Eisenbahner die Arbeit wieder aus­genommen, die übrigen Arbeiter streiken noch intmee und wollen, solange die ungarische Verwaltung nicht wieder hergestellt ist. nicht zur Arbeit znrütKebm

B e l g t a d, 28. Febr. General Rasie, ber serbisch« Kriegsm'mister, erklärte, et könne die Verantwortung für die sofortige Abrüstung der serlnscken Armee nicht übernehmen. Unter den Soldaten feie« «ach be« sieben Jahren Krieg bolschewistische Idee« aufgespei» chert, die bei der Demobilisierung ht das Bolk getragen werten und eine Revolutio« hetaufbeschwöten könnten, gegen die bi« Regierung ohne Armee kein Mit­tel zur Verfügung hätte.

Paris, 28. Frtt. (Havas.) De»Petit Pari- sie«" zufolge beabsichtigt bet Flieger Gole in bex , nächsten Tagen eine Luftreise nach dem Senegal zu unternehmen. (Et will den Flug i« 40 Stunden vollführe«.

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eiaOtoentlnelen - 6i8ioi

vorn 28. Februar. , ;

Die Stadtverordneten traten heute zu ihr« letzten Sitzung vor den Neuwahlen zusammen.

Unter Mitteilungen zur Kenntnisnahme bracht» - Stadtverordnten-Vorsteher Justiztat Rohde be­züglich bes Protestes gegen die Neuregelung der Eemeindewahlordnung die Eingabe des hefstfch- waldeckschen Städtetages an die Staatsregierung zur Verlesung. Di« Stadt Marburg hat fich dieser angeschloffen.

Bezüglich des kürzlich genehmigten Nachtrag» zur Hundesteuerordnung wurde noch befchloffen, daß auch die F ü h r h u n d e der B den steuer­frei bleiben sollen. Man war damit einverftaade«.

Der folgende Punkt betraf die Stellungnahme der beabstchtigten Bildung eines Staates Groß« heffen.

Stadtverordnetenvorfteher Justiztat Rohda teilte mit, daß der Magistrat einen ablehnen­den Standpunkt einnehme und die Stadtverord­neten bitte, fich diesem anzuschließen. In der Hauptsache sprech« das Jntrreffe der Universität dabei mit, bie jedenfalls unter einer Abtrennung vom preußischen Staat Schaden erleide« würde. Stadtv. Erdenberger trat dieser Ansicht scharf entgegen; matt könne im Zweifel darüber sein, ob nicht das Gegenteil richtig sei. In Frankfurt und in anderen Städten trete man entschieden für ein Droßheffen ein, «nd Marburg würde den Gang der Ereigniffe jedenfalls nicht hindern können, denn die Nationalversammlung rechne ja schon mit diesen Abtrennungsbestrebungen. Für Mar­burg eröffne sich bie Aussicht, al» Regierungs- Hauptstadt in Betracht zu kommen. Da, heMche Volk würde über bie Frage entscheiden. Stadt«. Becker pflichtete dem bei. Eine Zerstückelung Preußens sei gar nicht beabsichtigt, sondern nur eine größere Abhängigkeit von Preußen. Stadt», Geheimrat Leonhard war für den Magistrat»,, antrag. Marburg habe fich, fett es preußisch ge­worden, erst entwickeln können, ebenso auch die Univerfität. Ein kleiner Staat könne nicht soviel leisten wie ein großer. Frankfurt verfolge Sonder» intereffen und werte alles tun, um seine Usie . vetfität zu heben. Dberbürgemneiftet Tr 0 je war ; der gleichen Ansicht. Von Preußen aus seien wir j