mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Tageszeitung für (das früher kurheffifchej Oberhessen
Marburg
Donnerstag, 27. Februar
Der Anzeigenpreis beträgt fit die Siele Zeile 20 Jj u 5l) ft. KruSzusckl^ amtl I auswärt. u. Eammel-Anz. 30 4- 33V,*/, Kriegszuickl. 9teflame»eile 1 *. Wieder I Rabatt gilt als Sarrabatt — Lei Auskunft b. Oie <6e|d;ähsfl u. $>ermittluna| der Ingekete 25 ^.CenbergeUbt. — Pafticheckksnto: Nr. 5615 Amt Franks, a. Di. |
54. Jahrg.
1919
Die Schuld am Kriegsausgang.
In einem Aufsatz in der „D. Tagesztg." widerlegt der General Ludendorff nahestehende Herr W. Breucker die Angriffe des Majors Paulus- Aürnberg in der „Franks. Ztg." auf Ludendorfs. "udendorff sei niemals gegen einen Verständi- gungsfrieden gewesen, aber es sei ihm niemals die Möglichkeit eines solchen gezeigt worden. Ferner lei Ludendorf nicht für bedingungslose Unterwerfung gewesen, sondern er habe stets gesagt, bei Bedingungen, die qn unsere Ehre und unser Leben geben, muffe weitergekämpft werden. Selbst Haig habe erklärt, wir hätten den Krieg bis zum Früh- iahr hinzkehen können. Nie habe Ludendorff erklärt, die Front werde keine 24 . Stunden halten. Ts sei auch nicht wahr, was Prinz Max von Baden gesagt habe, daß die Militärs erklärt hätten, sie hätten fich in der Einschätzung der Lage geirrt. Prinz Max sei vielmehr gegen den ausdrücklichen Einspruch General Ludendorffs und Admiral Scheers den Weg der bedingungslosen Unterwerfung gegangen.
Ludendorfs an Ebert.
Berlin, 26. Februar. General Ludendorff hat den deutsche Gesandten in Stockholm um Uebermitt- lung salgeuden Schreibens an den Präsidenten der deutschen Republik, Herrn Ebert, gebeten:
Herr Präsidentl Im November verlieh ich Deutschland. Die Gründe find Ihnen seit damals bekannt. Ich komme nicht wieder da auf zurück. In Ruhe, die mir die Heimat nicht zu geben vermochte, legte ich hier lür bas deutsche Volk mein« Lebensarbeit schriftlich nieder. Das Werk ist jetzt beendet. Ich hoffe, dah das Vaterland daraus lernen wird. Ich will dem deutschen Volke weiter dienen, wie ich es bisher tat. In der Stunde seiner Not braucht es jede Kraft, die selbstlos nur an die Heimat denkt. Ein großer Teil des deutschen Volkes steht wider mich. Aus meiner Schrift wird es mein Handeln erkennen. Sie kann nur meine Ausfafiung vertreten. Es ist für das Vaterland, aber auch für mich notwendig, dah alffeittge Klarheit darüber herrscht, was ich während der vier Kriegsjahre tat uns wo die Wurzeln unsres Unglücks liegen. Ich kehre jetzt nach Deutfkbland zurück und bitte die Regierung, diese Klarstellung h.rbeizusühren.
Ludendorff.
Protest des Marburger A.- und S.-Nates.
, See Mdg. A - u. S.-Rat beschäftigte sich in seiner Plenarsitzung vom 24. b. M. mit den fortgesetzten An- triffee ans die A- u. S.-Räte und nahm dieserhalb stlgende Entschließung an:
Der A- u. S.-Rat erhebt Protest aeaen die Tret heretev reaktionärer Kreise, welche die A.« u. S.-Rätin Banfch »end Bogen verurteilen und ihnen alle- Nubeik der »leaenwart aufzubürden suchen. Der A.- tt. S.-Rat Mbg. ist sieb bewußt, daß es zwar eine Reibe von A- u. S.-Räten gibt, resp. gegeben hat. welche ihre Kompetenzen überschritten und sich grobe Hebelgriffe und Mißwirtschaft zu Schulden kommen ließ s. Demoegenüber steht aber die unumstößliche Tatsche, daß wohl die große Mehrheit der A.- u. S.-Rftfie ihre Schuldigkeit voll und ganz getan bat Sie find für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung elngetreten, haben blutige Zufammenstöß- und Rusfchreitungen gegen Leben und Eigentum ver hindert, . bedeutende Werte an Staatseigentum gerettet, wirkten unablässig für den geordneten Vertan' her öffentlkchen Geschäfte und schufen dadurch erst die Lorausfekung für den Wiederan^au des zusammeu- tzebrochenen, Staatswesens. Der Mbg. A.- u. S.-Ra' weißt in dieser Beziehung nur auf das Wirken ber 8.=" «. S.-Räte in dem eigenen Regierungsbezirk bin Degen b*8 wohl kaum berechtiate Angriffe erboste' werde« können. Der Mbg. A.-- u. S.-Rat erbHcf; fn de« wüßten Angriffen auf die A.- u. S.-Räti «ur reaktionäre Machenschaften, um die eigene schwer-- EchuL an dem Ausgange des Krieges und dem dadurch hervorgernfenen Elend zu verdecken. Der A.- u. S. mal bebanert diese Angriffe umsomehr, als auch zu befürchten ist, daß durch das Mißtrauen, welches .Durch diese gehässigen Angriffe ausgesät wird, seine dauernde« Bemühungen, die Lebensmittelversorgung Aufrecht jfi erhalten, ernstlich gefährdet werden.
Ktr den Arb. u. Sold.-Rat Marburg:
P o e r s ch.
■MKS.- f. .-SCSaMUMMKUHKtMMaaK
NiffküMküd uni SeMiunu.
Berlin, 26. Febr. Am 25. Februar überreichte ite deutsche Regierung eine Protestnote in Spaa, in ter gegen die Beschlagnahme des in Elsaß-Lothringen l befindlichen Privat wrmögens Kaiser Wilhelms II. Einspruch erhaben wird.
Berli», 26. Febr. Wie die „Deutsche Ztg." meldet, fällte der frühere Reichstagsabgeordneie Rick- lt« van französischen Gendarmen verhaftet und aus teui Elsaß ausgewiesen werden. Er hat sich aber ter Festnahme durch die Flucht nach der Schweiz «zo-e».
Berlin, 26. Febr. Nach Berichten, die dem «Lokalanz." aus Frankfurt a. M. zugehen, sollen neuer- diugr 400 Franzosen aus dem besetzten Gebiet wegen Vtldaug »an Soldatenräten zwangsweise ab transportiert warben fein.
Mannheim, 26. Febr. Die Rheinbrücke zwischen Mannheim und Ludwigshafen wurde heute von teil französischen Besatzungsbehörden für dem Per- p'toi- and Fährverkehr vorläufig vollständig ge- kpecrt. Das Sammellager in Mannheim wurde -ester« plötzlich aufgehoben. Die Bewachuugsmann- phaf!«-. sowie das amerikanische Sanitätspersonal wen Mannheim verlassen.
Beschleunigung der Arbeite« der Friedenskonferenz.
Ämfterdam, 26. Febr. Nach dem Pariser tfeilrettr des „Allgemeen Handelsblad" hat die Ariedenskonferenz ihre Arbeiten beschleunigt, i®ei( man »on einer weiteren Hinausschiebung der rndgittige» Regelung keine Vorteile mehr erwarte« könne. Es sei deshalb notwendig, den wirt- kchaftltche« Boykott etwas zu mildern, um zu »erhitten, daß Deutschland dem Bolschewis- teu» in die Hände fällt und um die Handels- Mffe «nb Fischerfahrzeuge, die jetzt am Blockade- «enst beteiligt find, für andere Zwecke frei zu «rache«. In der finanziellen Frage werde man M zunächst mit der vorläufigen Festsetzung des Schadens mtb der von Deutschland zu leistenden Schadenvergütung begnügen. Man glaubt, daß •te Zahlungen ziemlich lange dauern werden, N die Deutschen nur einen geringen Teil ihrer schuld mit Gold bezahlen können und den -Rest Mit Rohstoffen abtragen müßten. Während ter ganzen Zeit sei es notwendig, deutsche, Gebiet besetzt zu halten, um Bürg- Masten dafür zu haben, daß Deutschland seineck' Verpflichtungen nachkomme.
. Berlin, 26. Febr. ,Homme libre" schreibt: Die Voraussetzung für einen schnellen Friedensschlug ter Feinde, mit uns ist die grundsätzliche Abkehr «"N einer Diktatur der Arbeiter-und Sol- •«tenräte nach russischem Muster.
®tete «m schnelle Lieferung von Fett und Milch.
Berlin, 26. Febr. Mit Rücksicht auf die Außerordentliche Fettnot in Deutschland und U de« Mangel an Milch für Kinder und Mütter bat die deutsche Regierung die verbündeten
Regierungen in einer Note vom 25. Februar dringend, ihre Zustimmung zu geben, daß die in dem Lebensmittelabkommen (von Spaa am 8. 2. und Trier am 16. 2} vorgesehene unverzügliche Lieferung von etwa 30 000 Tonnen Schweinefleisch und Fett und 250 000 Kisten kondensierter Milch sofort ausgeführt werde, o h n e den Abschluß des Schiffahrtsabkommens abzuwarten. Die deutsche Negierung betont besonders, daß die Zahlungen, die für diese Lebensmittel bereits verein- bart sind, schon nächstens fällig werden und weist darauf hin, daß für die in Betracht kommenden Waren ein nennenswerter Schiffstransport nicht in Frage komme, da, wie mitgeteilt, die betreffenden Lebensmittel zum überwiegenden Teil in Rotterdam lagern. Angesichts der in er. schreckendem Maße zunehmenden Sterblichkeit der Kinder ersuchte die deutsche Regierung die Verbündeten, die Zufuhr von 20 Tonnen Lebertran zu gestatten und die Verschiffung nach Deutschland schnellsten, in die Wege leiten zu wolle«.
SwMfc wmlksnW FndmiiW.
Deutschland soll aus Marokko ausgeschloffen werden.
Paris, 26. Febr. (HavaS.) Dem Rat der Großmächte teilte ber Unterbtrektor für Afrika. Peretti, u.a. mit: Die Abschaffung bes Mabriber lieber« einkommens unb ber Algerirasakte, bie bie Ausübung bei französischen Protektorats in Marokko beschränken, bilden für Frankreich eine unbedingte Notwendigkeit.
England hatte durch bas Abkommen vom 8. Avril 1909 seinen Verzicht auf Marokko erklärt. Dieser Berzichtakt traf aber auf ben lebhaftesten Widerspruch Deutschlands. Tie Algeeirasakte erleichterten die Einmischung verschiedener Mächte in bie örtlichen Angelegenheiten unb begünstigte, daß Deutschland von diesem Zeitpuntt ab Frankreich gegenüber eine übelwollende Politik befolgte. Sie rief Zwischenfälle hervor unb führte zu zahlreichen Ausständen bis zur Er- Iärung bt8 Krieges. Seit 1914 bilde Marokko ein Teil des deutschen KriegsvlaneS, der bezweckte, ftan- zösische Streitkräfte zur Wiederherstellung ber durch diese Machinationen gestörten Ordnung von ber Westfront' abzu ziehen. Seit bem Waffenstillstand besitze bie französische Regierung ben Beweis, baß Deutschland ben marokkanischen Rebellen Gelber geliefert hat. Nach ber Darlegung der historischen Gründe formulierte Perctti u. a. folgende Schlußsorderungen: Es ist von Bedeutung, baß die Deutschen um jeden Preis daran gehindert werden, in Marokko bie Feindseligkeiten jemals wieder aufzuuehmen. Daher muß bie AlgeciraS- akte vollständig aufgehoben werben. Andererseits Müssen Sonderbestimmungen getroffen werden, bie sich au) den Zutritt zu Aarollo beziehe«, bet bar
IDte „Oberhesf' icke Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Der '-Bezugspreis beträgt monatlich 1.25 X. frei >ns Hau« (durch die Post ohne Bestellgeld). — Verlag °n Dr C. Httzeroth. Markt 21/28. — Ferniorecher 55.
Deutschen grundsätzlich verboten werden soll. Hin-, sichtlich bet spanischen Zone erflärte die Regierung in den Cortes, sie hege ben Wunsch, baß bie Hypothek die auf dem spanischen Gebiet Marokkos laste, abgelösi werde.
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Mtm 6?r l»!Mr« A«M.
Berlin, 26. Febr. (Amtlich.) Die Polen setzten in der Provinz Posen ihre Angriffe unb Patrouillenvorstöße fort. In Wiesenbach östlich Rawitsch erklärte polnisches Militär, man dächte nicht daran, das Abkommen zu halten. Die Angriffe .würden im Gegenteil fortgesetzt.
Bromberg, 25. Febr. Am 25. Februar griffen die Polen mit einer Kompagnie nach Ma- fchinengewehrfeuer Klein-Nolldorf über die Demarkationslinie hinaus an. Sie wurden im Gegenstoß zurückgewiesen. Ein Eingreifen heran- geholter Verstärkungen wurde durch unser Feuer verhindert. Die polnischen Gefangenen sagen aus, daß ihnen von einem Waffenstillstand nichts bekannt fei. Bei Rakel wurden feindliche Patrouillenvorstöße zurückgewiesen.
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M AllMde.
Im mitteldeutsche« Braunkohlengebiet. — Bürgerlicher Eegenausstand.
Berlin, 26. Febr. Die „Voss. Ztg." meldet aus Weimar: Der Ausstand im mitteldeutschen Braunkohlenrevier hat an Ausdehnung gewonnen. Die Eisenbahnstrecke Berlin—Halle—Weimar ist schwer beschädigt, so daß der Dahnverkehr völlig ruht. Van Halle aus soll versucht werden, auch die Verbindung über Leipzig nach Berlin durch Aufreißen von Schienen zu unterbrechen. In Naumburg und Merseburg griff die Bürgerschaft zum (5 egena u sft a nb.
Laut einer Meldung de» „Berk. Tageblattes" aus Halle ist der Kurier der Regierung, der am 25. Februar abends Berlin verlassen hat, noch nicht in Weimar eingetroffen. Der Parlamentszug nach Weimar wurde in Leipzig festgehalten.
Ha l l e, 26. Febr. Zum Protest gegen den spar- takistischen Eifenbahnerausstand stellten die Telegraphen- und Fernsprechämter, die übrigen Behörden und auch die A e r z t e ihre Tätigkeit ein. Die Hauptstraßen der Stadt werden von großen Menschenmaffen durchzogen. Es kam aber bis gegen die Mittagsstunde nirgends zu irgendwelchen Gewalttätigkeiten.
Erfurt, 26. Febr. Die Arbeiterschaft trat heute in den Allgemeinausstand.
Erfurt, 26. Febr. Die Arbeiter fordern: Sofortige Einsetzung von Betriebsräten mit Kontroll- und Mitbestimmungsrecht durch Regierungsverordnungen. Sofortige Sozialisierung des Bergbaues und der Monopolbetriebe. Zurücknahme des Erlasses über die Wiedereinführung ber Kommandogewalt. Restlose Anerkennung der A.- u. S. - Räte.
Leipzig, 26. Febr. Seit heute ruht der Eisenbahnverkehr vollständig. Im Bornaer und Meusel- witzer Kohlenrevier haben die Belegschaften beschlossen, morgen in ben Ausstand einzutreten. Im mittet- deutschen Braunkohlenrevier ruht die Arbeit auf sämtlichen Gruben, ebenso in Anhalt. Der Eisenbahner- ausstanb erstreckt sich von Nordhausen über Halle bis nach Torgau. Halle ist völlig gesperrt, Bitterfeld und Delitzsch ebenfalls. In der chemischen Industrie liegen alle großen Betriete still. Die fieberlandkraftwerke Bitterfeld unb Schornewih haben ben Betrieb eingestellt. Wie ber Leipziger A- unb S.-Rat mitteilt, ist ber Atlaemeinausstanb für ganz Thüringen erklärt. Bisher haben sich 23 Städte angeschloffen.
Wie aus Zeitz gemeldet wirb, ist baS bärtige Bürgertum in ben Ausstand eingetreten. In Weißenfels ist die gleiche Maßnahme geplant. Wie verlautet, burch- togen heute große Menschenmengen bie Straßen von Hatte. Zu größeren Ruhestörungen war es aber, soweit bekannt ist. nicht gekommen.
Leipzig, 25. Febr. Ter hiesige A.- unb S.-Rat gibt folgende Entschließung bekannt: Die Versammlung der Arbeiterräte. Arbeiterausschüsse und Betriebsver- tranensleute empfiehlt der gesamten Arbeiterschast. den politischen A u s st a n 0 al« Kampfmittel anzuwenden, um die Forderungen der Bezirkskonferenz in Halle in allen Punkten zu unterstützen. Sie beauftragt ben Leipziger Arbeiterrat, in Gemeinschaft mit ben Betriebsvertrauensleuten bie Ausstandsleitung zu übernehmen unb in Verbinbung mit bei Ausstandsleitung in Halle zu treten. Sie spricht der Arbeiterschaft der Räterepublik Bayern ihre Sympathie aus unb fordert bie Arbeiterschaft Leipzigs unb Sachsens auf, bie bayerischen Arbeiter bei ihrem Kampf gegen bie „Reaktion" zu unterstützen.
Leipzig, 26. Febr. Die Postbeamten haben bie Teilnahme am Ausstand abgelehnt unb beschlossen, nur bei Gewalt zu weichen. An bie Reichs- legierung in Weimar toutbe ein Sympathie- und Er- gebenheitstelegramm gerichtet. Die Polizeibeamten be- föloftafc fich in JutttH« Mm Luhe unb Ordnung
neutral zu verhalten unb sich nut am Ausstand zu beteiligen, wenn sie gewaltsam bazu gezwungen werben.
Magdeburg, 26. Febr. Die Werkstätten- und Lokomotivarbeiter deS Hauptbahnhofes legten mittag- die Arbeit nieder. Der Zugverkehr erlitt starke Störungen.
Regierungstruppe« vor Halle. — Die Ziele de« Ausstande«.
r* Weimar, 2(7. Febr. Die Lage, in der sich augenblicklich Weimar befindet, ist sehr ernst. Die Ansstandsbewegung hat keinerlei wirtschaftliche, sondern nur politische Beweggründe. Tie Ausstänbi- <”n, bie unter spartakistijcher Leitung stehen, verlangen ben Rücktritt ber neuen Regierung und bie Auflösung ber Rationalver- sammlung. Die Leipziger Ausstänbiaen haben sich mit biesen Forderungen solidarisch erklärt. Tie Trnp- ven. welche die Regrerung nach Halle zur Herstellung der Ordnung sandte, sind gestern Nachmittag vor bet Stadt an gekomm en. Die Regieruna bat erklärt, daß sie schonungslos vorgehen werde, sie läßt versichern, daß ihre Truppen so zahlreich sind, daß die Niebev« schlaguna der Bewegung sicher sei. Eine sparta- kistische Bewegung ist gestern von Weimar aus aus- gedeckt worden, die dahin gebt, «sämtliche Zufuhren nach Weimar zu sperren und auch in Weimar den Ausstand zu erklären. — Der Bahnvetkeht zwischen Weimar und Berlin ist auch jetzt noch gesperrt. Der gestern ütbfitb ab Weimar sä'lige Parlamentszug hat Weimar nicht verlassen können. — Auch in Leipzig ist bet Ausstaub mit über 3u 000 gegen 5000 Stimmen beschlossen worben. Damit ist bte Verbindung zwischen Weimar und Berlin auch über Leipzig unmöglich geworden.
In Weimar beabsichtigt man, zum Schutz der Arbeiten im Bergbau und Landwittschast bie Bild unbesonderer Arbeit er freiwilligenkorp».
Im Ruhrgebiet. — Der Ausstand verloren.
Düsseldorf, 26. Febr. Der in der Rächt zum Dienstag neugewühlte Vollzugsrat wurde von den im Lauf« des gestrigen Tages aus der Schutz« hast entlaßenen bisherigen Mitgliedern des Vollzugsrates wieder abgefetzt und in Sicherheit«« haft gebracht.
Eine gestern abgehaltene Versammlung befaßt« sich mit der Frage der Fortsetzung des allgemeine» Ausstandes und der Bezahlung der Löhne für di« Ausstandstage. In stundenlangen Erörterungen wurde immer wieder die Unzufriedenheit mit den Vollzugsausschüßen des Arbeiterrats und deffe« ungenügender Vettretung der Arbeiterintcreßer beim Ausstand zum Ausdruck gebracht. Der Kon» munist Hammer (Eßen) gab zu, daß der AUrständ verloren fet und warnte die Düffel» dorfer Arbeiterschaft im Hinblick auf das abgeschlossene Abkommen vor seiner Fortsetzun-, Die Versammlung beschloß, daß der Ausstand bei Auszahlung der Löhne für bie Ausstandstage abgebrochen würde. In einer Entschließun- wurde von der Regierung die Herausgabe der Gefangenen aus den letzten Kämpfen und die sofortige Zurückziehung der Regierungstruppen aus dem Industriegebiet gefordett und betont, daß für jede» von den Truppen erschoßenen Gefangenen zeh« Vertreter der Industrie da» Leben lassen müßten. Auf den Werken ist die Arbeit nur zum Teil wieder ausgenommen worden.
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- Wim MlltMt.
München, 26. FÄr. Wohl noch niemals hat München eine Kundgebung in dem Umfange gesehen, wie sie für ben ermordeten bayerischen Ministerpräsidenten EiSner heute vormittag veranstaltet würbe. Zu Tansenben strömten bie Teilnehmer an bem Traner- zug schon in ben ersten Vormittagsstulrden zur The- resienwiese, wo fich der Trauerzug zusammenstellte. Sämtliche Arbeitervereine Münchens und aus bet Umgebung hatten sich mit umflorten Fahnen ringe* fanden. Die Straßen, durch die sich der Zug bewegte, trugen roten und schwarzen Flaggenschmuck. Gegen 8 Uhr setzte sich ber enblofe Trauerzug in Bewegung, eröffnet durch die Soldatenräte. Es folgte» dann bie Vertreter bet Arbeiter- unb Bauernräte unb bie Arbeitervereinigungeu. Auch eine Abordnung russischer Kriegsgefangener mit einer Srani- spende wat im Zuge zu sehen. Tas Jnsanterie-Leib- Regiment wat in Stahlhelmen ausge^ckt und nah« am Zuge teil. Zahlreiche Musikkapellen spielten Während des Marsches zum Friedhof Trauerweisen. Eine große Zahl von Kranzspenden wurde im Zuge getragen. Al« ber Trauerzug gegen 10 Uhr am Oslsriedhof an* langte, setzte von allen Kirchenglocken Trauergeläute ein, unb in allen Kasernen würbe Ehr-"k-lut g* schossen. Flieger mit rotbebänderten Tragflächen wurden über dem Friedhof sichtbar und umkreisten die Aussegnungshalle. Die Gedächtnisrede hielt A bei errat Landauer. Nach ihm sprachen die Minister Jasst und Unterleithner, bie Abgeordneten Haase und Kants ky, Frau Dr. Heyman« sowie Vertreter bet Mehrheitssozialisten und der Gewerkschaften. Matrosen trugen hierauf den Sarg auS ber AuSsegnungS- h«lle zum Verbrennungsofen. Dem Sarge jolaie« w« bic nächÜM Angehörige« bei Xfttfll jowit jeiat
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