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©brrljtffifdje ZeituW

Erws'tt^s Blatt

Nr. 43

Tommsiag, 20. Ftbrnar 1919

lit SeltsDHioifiins.

"i f3ef m (t r, 19. Febr. Bor einem Kreise von Pressevertretern h;e(t Nei-hsminister Preuß einen Vor­trag über die kommende Reichsversassung. Alles, was (n dieser Hinsicht bisher zustande gebracht wurde, trögt nur provisorischen Charakter. Die endgültige Verfassung ist vom Reichsministerium in voller E n- pimmigkeit gutgebcisten worden. Es ist bemerkenswert, daß bet augenblickliche Entwurf statt des Staaten­hause? den R e i ch s r a t vors'eht, der etwa iffm frühe- gtn Bundesrat entspricht, während das Staatenhaus prehr eine Erste Kammer sein sollte, die aus Vertretern der Landesnationalversammlung gewählt worden wäre. Dr. Preuß scheint es zu bedauern, daß es mißglückt Ift, Preußen, wie er ursprünglich vo-geschlagen: hatte, in mehrere große Freistaaten zu zerlegen. Es würde «unmehr der große Freistaat Preußen mit annähernd <0 Millionen Einwohnern der Reichsrevublik argen- Verstehen, und der Gegensatz zwischen beiden Staa­ten würde ganz erheblich schärfer werden, als di"s Küher zwischen Reich und Preußen der Fall gewesen wt besonders schon deshalb, weil ein preußischer Lan­desregent beinahe mehr hinter sich haben würde als her Reichspräsident. Dr. Preuß meint aber, daß schließlich die Entwickelung Preußens darauf hinaus- teufcit werde, daß der Verfall Preußens sich »an- von selb st ergeben würde, indem sich Preu­ßen allmählich in seine Provinzen aufteilen müßte. Deshalb stehe er auf dem Standpunkt, daß fein Vor­schlag. Preußen in mehrere große Freistaaten auszu­teilen, von denen jeder einzelne mindestens so groß wie Bayern gewesen sein würde, der bei weitem bessere gewesen wäre.

M her Münte.

AnS bett auf der Generalversammlung des Bundes ter Landwirte gehaltenen Reden heben wir noch fol- gerAe* hervor:

Der Nachfolger Dr. Tiederich Hahns, Dr. v.Volk« tnan n, wandte sich in seinem Geichästsbericht gegen tie Kriegswirtschaft, eine scheußliche Mißgeburt, die tzar nicht sterben zu wollen scheine, und gegen die Revolution und ihre Ergebnisse. Von demHaus der Arbeit", das Scheidemann aufbauen wolle, merke man dorlänsig recht wenig. Die Erwerbslo^enfürsorne werde «bgemildert werden müssen; hohe Löhne bedingten erhöhte Lebensmittelpreise. Nur hingebende Arbeit könne uns retten.Mag mancher Bauer, verärgert turch die Zwangswirtschaft, durch Eierverordnungen, Purch Molkereizwang, durch Durchsuchung und Be­schlagnahme in das Lager der Demokraten mit dem Bauernbunde oder gar in das Lager der Sozialdemo- Eraten iibetgegangen sein, er wird schon bald Werfen, daß seine Interessen dort nicht tzoirklich gewahrt werden."

Dr. Oberfohren-Kiel (Mitglied der Nasio- Aakvers.1 wandte sich gegen.den Leiter des Auswär- tigcii Amtes.Fort mit affet Schwächlichkeit! Was loit brauchen, ist nicht der Geist von Weimar, sondern ter Geist von Potsdam. Professor Sckckemann bat en den Volksbeaustragten Ebert einen Bries geschrie­ben, darin sagt er:Herr Ebert, ich muß es Ihnen {agen, ich schäme mich, ein Deutscher zu sein, wenn ch Ihre Regierung beobachte." Diese Regierung bfe im wesentlichen getragen wird von der bleichen Angst, hat noch nicht einmal das Grundgesetz von »Ilern dem gelernt, was besteht, solange Menschen ge- Uteinsam auf der menschenernährenden Erde wohnen, nämlich dies, daß die Obrigkeit das Schwert nicht um­sonst trägt. Darauf ist es zurückzuführen, daß aller­hand Mausesallenhänbler, Slowenen und Slowaken, Polen und Ungarn, ihre Tatzen einschlagen türfen in den zuckenden Leib Deutschlands.....

firnn Begriff der germanischen Treue gehört es lenn doch auch wohl, daß man seinem Herzog die Treue hält, auch wenn er sich in Not und im Irrtum befindet. (Bravo!) Ich habe es in Kiel er­leben müssen, daß acht Stunden nach der Abdankung teS bisherigen Trägers der Krone hochgebildete Män- tier von her Universität eine Reihe von Menschen zu-

II........! innimii

W aBWB8 sammenriefen und an sie die Aufforderung richteten: Fetzt stellen wir uns auf den jetzt berühmt gewor­denen Boden der Tatsachen und erkennen die Revo­lution und vor allen Dingen die Republik an. Ich sage: Das fällt mir nicht ein: ich habe keine Luft, ich habe keine Absicht, meinen Rock von heute aus morgen zu wechseln. Es war einer dabei, der hatte noch vor einem halben Jahre geschrieben:Aus geschichtlicher Ueberzeugnng, aus persönlicher Zunei­gung bin ich Monarchist bis auf die Knochen." Ich 'onnte mich nicht entha'ten, zu ihm zu sagen: Ver- chrter Herr, Ihre Knochen scheinen mir sehr lebhaft von der englischen Krankheit befallen zu jein." 'Stürmische Heiterkeit.)

Hauptschriftleiter Bäcker führte u. a. aus: Man bat uns vorgeworfen, daß wir Kriegsverlängerer seien. Nichts ist sinnloser als diese Behanvtung. Sind wir es nicht gewesen, die immer gesagt haben: Wir müssen >edes Kriegsmittel, das wir haben, so früh und siark als möglich anwenden wahrhaftig nicht zur Verlängerung, sondern doch zur Verkürzung des Krieges ? Und ich möchte auch an folgendes erinnern: Als es sich nicht erreichen ließ, unsere Krieosmitte! rechtzeitig an-uwenden, da ist es unser hochverdienter Führer Dr. Roesicke gewesen, der in der Kommission des Abgeordnetenhauses ungeschminkt erklärte: Unfe"C Wirtschaft hält es nicht so lange aus, daß wir fahre lang kämpfen: wenn wir nicht rechtzeitig af,e Kriegs­mittel anwenden, bann, fürchte ich, werden die Folgen "erhängnisvoll fein. Nach diesen Beußerunoen ist damals ein liberaler Kollege zu mir gekommen und hat gesagt, es gehe doch nicht an, daß iemand 'm Ausschuß eine solche Schwarzmalerei betreibe. Der Redner will das deutsche Haus wieder anfbaucu, aber nichtim sozia'bemokrat'schen Gelängui'st'l. gesichert und verschönt durch eine etwas orientalische Fv'sade. sondern in einem rein deutschen, im gotischen Stil".

Ansiedler Ohler» Mitglied der National», echanim- lung, der dem Grenzschutz in Polen angebört un­mündige Kinder hat er in den Händen der Polen, feinen schwerverwundet'n Sohn in dmen Gefangen­schaft lasten müssen), teilt mit, daß in Posen noch drei Millionen Zentner Kartoffeln und eine Mil­lion Brotgetreide vorhanden sind. Zu Hun­gerten und Tau'enden seien gAabe die Offiziere berbeigeeilt (Bravo! und lebhafter Beifall), und hißten als gemeine Soldaten mitgekämpft, damit noch die* wnigen Städte erhalten bleiben, die nach den neuen Wafsenstillstandsbedingungen uns wieder entrissen wer­den sollen (Birnbaum und Bentschen). Unter stürmi­schem Beifall der Versammlung erklärte er:Wir sind deutsch und wollen deutsch b'eiben lstürmstcher Beifall), mag kommen, was da will, und das gelobe ich Ihnen im Namen von Tausenden und Ahertausendei: von deutschen Ansiedlern und Bauern: Wir werde?: bis zum letzten Atemzuge."

9it Mliü'.

Holland und di« belm'-hrn dlnnrktisnsnrlüste.

Haag, 18. Febr. Dem Korrefpondevzbüzu­folge erklärte der Minister des Aeußern in der Zweiten Kammer, daß die niederländische Gesandtschaft in Brüssel den Auftrag erhalten habe, die belgische Re- "ierung nm Aufklärung bezüglich der von ihr auf der Friedenskonferenz in Paris abgegebenen Erklärungen zu bitten.

Das WochenblattGreene Werk" richtete angesichts der belgischen Ansprüche auf holländischen B-d-n eine Rundfrage an die Bürgermeister und andere führende Personen des bedrohten Gebietes von Seellanbern. Tie Antworten betonen einstimmio die Entrüstung der Bevölkerung über die gewalttätige Haltung Belgiens, das sich über das nnredjt Deutschlands beklage und gleichzeitig sich anschicke, den holländischen Nachbarstaat trotz aller währ-nb des Krieoes bewiesenen Hilfsbereit­schaft selbst zu berauben. Bei einem Rückzug der nie­derländischen Truppen würde die Bevölkerung einen Widerstand gegen die Belgier organisieren.

Kopenhagen, 19. Febr^ Der finnische Steieh3- Verweser Mannerheim kam gestern in Kopenhagen

an und fuhr nach dem Schloß, wo heute abend Gala­tafel stattfindet.

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Marburg um Umgegenv-

Marburg, 20. Februar.

# Stadthandbuch für Marburg. Wenn der Verlag »es Adi ßbuchs für Marburg seit 1H5 nicht mehr daran d ulken konnte, mit der jährlichen Herausgabe eines Adreßbuchs fortzufahren, so sprachen dafür Gründe mit, die wohl kaum näher geschildert zu tve-den b äumen. Wie in Marburg, so ging es in den meisten Stävren Deutschlands. Die vielfachen Anfragen aus der Stadt wie von auswärts zeigen uns ab r. daß die Herausgabe eines neuen Adreßbuches von Marburg, das wir in Zukunft Stadthandbnch nennen werden, eine zwingenve Notwendigkeit ist, die wir deshalb in Angriff nehmen wollen und zwar möglichst auf Grund d s ZLohnbesran- des vom 1. April dieses Iah-es. Es ist unter den heu- t'g'n unbestimmten Verhältnllteu keine ganz leichte Aufgabe, mit einer solchen A Leit zu beginnen. Der Verlag wird genötigt sein nach Fragelisten in den ein- «fiten Familien den Stoff des Stadtbandbuch-s zn- fammenzubrlngen. Sicherlich ist aber darast, daß das Ruch ein in jeder Hinsicht brauchbares und nüt-liches Anskunftsmittel wird, mind stens jeder Marburger Einwohner, besonders aber jeder Gewerbetreibende and tReamte, interessiert. Wenn mit den. Vorarbeiten »e- gonnen wird und di- diesbezüglichen Mitteilungen e*= folgen und die Veüeherlstteu in Umlauf gegeben wer­den. dürfte attfeillar Unterstützung nicht ausbleib-n. Wie immer, io sollen auch stesmal eine bestimmte Reihe von S-iten für Gefchüftsanzeig-m als Anhang dem Stadtbandbuch für Marburg beigefügt werden.

* Ltefsisck-tbürirmifch-walkecki'cheo Ftc-jf-rps für den G-.enrschutz Ost. Wien anderen Korpbeürken ist auch im B» wiche d-es 11. Armeek-rps eine besondere 7>Tf'- witlmet formation für den Grenzschutz unter der Be­zeichnungHeRsckz-fbnrinqi'ch-maldeckisches Freikorns fite den Erenzfch"tz Ostz' in Bildung begriffen. Dos Frükorps wiG sich zufammenseden aus einem Fnf.- Reat. zu 8 Bataillonen, einer M.-G ein-r Abte ideldarlillerie zu 8 Ba!teri-t!. einer Esladron Kovar- terie und cin-r leichten MunUionskolonnc. Die Fiib- runq des Freiko ps wird chberstleu^nalll Rick-ter, im fricben beim Stabe fcrg F.-R. Nr. 94. übernehmen. Die B'ldunq erfolgt durch Anwerbung von Freiwilligen ko- mohl innerhalb d r Truppe als auch unter den Knt ?alfen»n. Bon allen Regimentern lind hierfür bei'M- d-re We-brbLros, meist in den R».feinen, einoericht *. ofn»cui<'then werden nur gediente 8e:te und nur te'ch'. dte bereit find, gute Disiinlin m haften und den Rcroefetzten unbedingt zu gehorchen. Dte B»dinai"iaen zu d : ut angeworben w'rd. find die bekonnt-n. Es fe: bhvuwüat, daß die Gefahr, b'e uns von Oll-n droht noch-immer nilbt genügmd »e-nNidigt mird. Die Rgch- '''chten, die bei den milifärliAen Stellen einlou-en nb dau-rnd sehr ernst. Gewiß, mir hier in 5>esien llnd zuvöchsi nicht unmittelbar bedroht. Ahe, ist e- "fM untere natmn--le Pflicht, unser» B'tzdsr in Ben c1fttrarten zu unterllützcn? Miiijen w-r cr»t mted-r dm» ^etnb sengend und brenn'»nd im Lov.de daben. ehe rote uns auf uns selbst und unser Datcrland b-stnn-en'.' Soll erst mit de- V-rt'idigung k»».mnnen roerd-n, roentt es zu svät ist? Leider sind wir nicht mehr in der Lag» nie früher ganze Divisionen im Hand'mtdreden und- d-»n bedrohten Punkten zu werfen und d»r Gefobr vo- U'bmaen. Unsere Arme? ist dewobilisi-rt- das, war 'ich fetzt noch an funaer Mannschaft bei d-r Trnoye te f'ndet. ill oft unerfahren, kaum ausgebildet. Deshalt wendet ücki de- Aufruf an die alten kriegserfahrene? Luite. Eile tut not.

# Am Montaa fp-ach im Fortbttdungsvercin Herr Prof. Facobsobn über ..Wiker und Svracken t Rußland." Der Vortragende wies zunächst darauf bin daß die weiften Deutfchm b-im Anblick ruttficher rte- fangener den Eindruck einer starken Gleichförmia- keit in Gesichteavsdruck und Körperbau hateen Bei näherer B-kannttchaft ändert sich »b-r dteter Ein­druck sthr, denn gerade in Rußland sind W'ker zu- tnmmengewvrfelt von Gegensätzen, wie man g-ößer sie sich nicht denken kann. Der Redner gab sodann einen

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Er ist also ans dieter schrecklichen Ohnmacht er­wacht und ich darf zu ihm hineinM

Sie wollte zur Tür; aber der Doktor hielt sie zurück.

Er ist erwacht!" faote er,da ihm aber nichts so dringend nötig ist. als Ruhe und Schlummer. Hobe ich ihn durch e>ne Feine Morphiumaabe wieder ei "geschlä­fert und ich denke, es ist am Besten, wenn Sie ihn vorläufig der Obhut unserer wackeren Therese über­lassen! Sie ist eine sehr verständige Person und b:e »ewissenhasteste Krankenpflegerin von der Welt. Auch habe icy sie für alle etwa zu erwartenden Möglichkeiten instruiert."

Weshalb aber soll ich einer Fremden überlassen, was zu tun meine Pflicht ist?" sagte Margarete. ..Mir vor allem kommt jetzt die Aufgabe zu, meinen Vater zu pflegen."

Aber Sie können augenblicklich nichts für ihn tun ich versichere Sie, rein garnichts! Und es wird zweckmäßiger fein, wenn Sie sich ein wenig nieder­legen, um sich von dem ausgestandenen Schrecken zu erholen. Sie sehen so angegrissen aus, daß es den Herrn Professor vielleicht beunruhigen würde. Und ich kann nur wiederholen, daß wir alles vermeiden müs­sen, war ihn beunruhigen könnte."

Daß Ludm lq Corbach selbst den dringenden Wunsch ausgesprochen hatte, niemanden zu ihm einzulafsen, auch nicht seine Tochter, konnte ihr der Arzt ja unmög­lich sagen. Wer es hatte fast den Anschein, als ob Margarete etwas derartiges vermutete; denn der flüch­tige Hoffnungsschimmer, der sich bei Doktor Liebrechts ernen Worten auf ihrem Antlitz gezeigt hatte, war schon wieder einem Ausdruck tiefster Niedergeschlagenheit gewichen, und sie hatte keine Erwiderung mehr aus die weiteren Bemerkungen des Arztes, der ihr die tröst­lichsten Aussichten auf eine baldige Wiederherstellung ihres Vaters eröffnete und ihr versprach, daß er sich im Lause des Tages noch einmal einfinden wecke, nach ihm zu sehen.

Harrison, der es während der ganzen Zeit nicht für notwendig gehalten hatte, auch nur ein einziges Wort der Teilnahme oder der Ermutigung an das junge Mädchen zu richten, fand auch jetzt ein solcher Won nicht, obwohl et mit gespanntem Interesse den Aeuße-

m.ngen des Doktors ge'mischt hatte. Scbwemevd her ließ er mit ihm zugleich das Zimmer, und endlich far» sich Hubert mit der Tochter seines unglücklichen Mei­sters aUein.

Schau nicht so trübselig und mutlos drein. Gre tel!" bat er mit dem weichsten und innig^en Tonfall feiner in sol-ben Augenblicken fo gewinnend tr-ufjeriic kstngenben Stimme.Du bast's ja nun gehört, daß es nichts auf sich hat. und daß wir uns nicht zu ängstigen brauchen. . Jetzt wird sicherlich alles gut werden; denn nach dieser eindringlichen Mahnun» wird der Meister wohl oder übel genötigt sein, sich Schonung aufzuerlegen, und nach meiner festen lieber« zeugung ist es nur das, was er zu seiner Genesung braucht".

Ich danke Dir für Deine gute Absicht, Hubert." klang es müde zurück.Aber ich teile Deine Hoff­nungen nicht!"

Und warum nicht, liebste Margarete? Hast du den nneuerdings Wahrnehmungen gemacht, die dich daran zweifeln lassen müssen?"

Frage mich nicht, ich bitte dich! Ich kann nichi darüber sprechen und es hätte ja auch keinen Zweck!"

Etwas Heckes und schroff abweisendes war in dem Ausdruck ihrer letzten Worte gewesen. Hatte ihn ihr Benehmen schon seit dem Augenblick, da er das Kran­kenzimmer betreten, in hohem Maße bekremi et, so süblte er sich jetzt durch die beinahe feindselige Aufnahme seines wohlgemeinten Zuspruchs in tiefster Seele ver­wundet. Aber das innige Mitleid jpit ihrer traurigen Lage half ihm sehr schnell, die natürliche Aufwallung des Unmutes zu überwinden.

Was ist geschehen, daß du mit einem Mal kein Vertrauen mehr zu mir hast?" sagte er, indem er dicht an ihre Seite tratHaben wir nicht wie Bruder und Schwester zu einander gestanden so viele glückliche Jahre lang? Warum sollte es jetzt anders sein, grabe jetzt wo bu vielleicht eines brüderlichen Beistandes 6ebarfil?7

Er hatte seinen Arm um ihren Nacken legen wollen, wie er es früher manchmal in argloser Vertraulichkeit getan. Wer sie wich hastig zurück und in purpurner Wut (j fibec |

Nackdruck verboten.

Entweihte Kunst.

Roman von Reinhold Ort wann.

ft} (Fortsetzung.)

Er tote, als ob Margarete sich nur sehr ungern und Ustierwilliq entschlösse, dieser Aufforderung Folge zu teilten; ebet sie tat e3 doch und trat mit den beiden" Berten in daS Vorgemach hinaus. Die Gegenwart Garrison», der schweigend, aber mit einer Unruhe die feinem falten, gemessenen Wesen sonst ganz fremb .tear, tnf nnb nieber ging, hielt Hubert zunächst von ; toeiieren Versuchen ab, Margarete zu trösten. Diefer Bruder der Frau von Varndal war ihm vom ersten Augenblick ihrer Bekanntschaft an In so hohem Maße unsympathisch gewesen, daß es nicht erst deS von Dr. Rüdiger über ihn gefällten ungünstigen Urteils lebutft hätte, um ihn feine Nähe jedesmal alS etwa? geradezu Widerwärtiges empfinden zu lassen. Mar- ßarcte ebet schien sich um ihn ebenso wenig zu küm­mern, eI8 um Hubert; denn sie war ans Fenster ge­treten, hatte die Siir an die Scheibe gepreßt und Karrte mit großen, noch immer tränenleeren Augen in een Schloßhof hinab, der so poesievoll und malerisch vussah mit seinem altersgrauen Gemäuer, seinen rpheuumrankten Altanen und feinem von einer Marienstatue gekrönten, mittelalterlichen Lausbrunnen.

Fast eine halbe Stunde mochte ihnen so vergangen fein, als die Tür des Schlafzimmers sich wieder öffnete Und Dr. Liebknecht heraustrat.

Was ist's?' wendete sich Margarete gegen ihn. Und eine fliegende Röte erschien aus ihren Wangen. xJch beschwöre Sie, Herr Doktor, fugen Sie mir die Wahrheit! Ist eine Gefahr für fein Leben?"

Nicht doch, mein liebes Fräulein, wenigstens feine unmittelbare Gefahr. Es handelt sich glücklicher Weise weniger um eine eigentliche Krankheit, als um einen jener Zufälle, die viel bedrohlicher ausfehen, als sie in Wirklichkeit find. Bei der nötigen Schonung und forgfättigen Fernhaltung aller aufregenden Momente dürfen wir wohl mit ziemlicher Sicherheit auf eine baldige Wiederherstellung Ihre- Herrn Vaters

_____ .. . ...... .

Ueberblick über die Dölkerfchaften der drei großen hl Rußland vertretenen Völkerfamilien: der Jnds» germanen, der llro-Finnen und der Turkotataren, ett er einzeln nach ihren Eharaktereigenfchaften, iyrer Sprache und Herkunft schilderte; dann behandelte er vorzugsweise zwei Völkerstämme trnauer: die Tatatex und die Großrusten. Erstere, einst ein wildes, gtau- iames osiatllchrs Eroberervolk, sind unter dem Einfluß des Moßammedanismus aanz anders geworben. Gast­freundlich und bienftrofdig besitzen ste eine hohe Intelligenz und sind, was ste b sonders auszeichnet, peinlich sauber. Ihre Söhne stellen auf den Hochschulen einen großen Teil der Begabtesten. Auch von ve« Großrusten wußte der Redner eine ganze Anzahl girret Eigenf-haften zu n nnen, die diese neben der Lercht- aläubigkeit, Schmutzigkeit und Grausamkeit defitzex. B'londers tvpllch sind ihre Fähigkeiten zu leiden eitb Mitl-ib zu fpmben, sowie die Neigung, sich auch Über die kleinsten Dinge Rechmichaft obuilegen, wodurch ein gewisier grüblerstcher, philofophifcher G undzug hn ganzen Volke entsteht. Nach einigen scharfen Wo-ten gegen den Bolschewismus und feine Verteidiger schloß M N öltet feine fesselnden, beifällig aufgeitommmen Ausführungen mit dem 5?nweis auf die Notwendigkeit für Deutschland, mit Rußland Handelsbeziehungen en» zuknüpfen.

* Jin Kampf mit den Polen. Eine Lefertn unserer Zeitung stellt uns folgenden Briei, den sie von einem Familienangehörigen erhielt, zur Verfügung. Es bertzk da: Seit dem 5. Januar ist meine Heimatstadt in Pake« tief _üt. Am 6. Januar verließ ich mit den meisten waf­fenfähigen jungen Leuten aus Furcht vor Internierung die Stadt, trat hier in N. in ein Grenzfchichkommanvo ein, das am 8. Januar im Morgengrauen den größten Teil bet Stadt stürmte. Die Bolen fammelten fick tn vielfacher Uebermacht. Mi! wenigen Kameraden xwrM ick auf dem Rathaus eing-fchlosien. Nack, si-benflün- diaer Gegenwehr war die Munition verllhossen. sede Hoffnung mit Erfatz gefchwuudeii. Seck»s 'n mußten wir vor mehreren hundert Polen kar ...reu, Di« tz'efancz-nfchaft »rar re'ch an Entbehrungen und Miß. davdlungon, zuletzt im Gefängnis und Fort in Posen Kurz vor meiner standr-chtüchen Aburteilung eet tegd war mir sicher gelang mir mit 2 Kameraven die Flucht durch Wald und Feld tm Schnee. In Kol- mar kamen w-r heraus. Selbem bin ich hier, kuriere ment von polnischen Kolhenlchlag-rn etwas lahm ge­wordenes Bei» und warte bei meinen Vertvauvren - wohl vergeßlich auf die Befreiung der Heimat. P»r den Eltern noch gute Nachricht Sie sind aber tn 'iündlichte Gemhr den eigenen Geschosien zum Ovker zu Zollen die in die jetzt polniiche Stadt fliegen. Gott fei ->uch ihnen so gnädig, nr'e Er eg mir gewesen ist. Man r-a< aus meinen Korf 10 000 Kt gefetzt und verfolgt mtch -rit Steckbriefen. Dir Eltern sind aber von meiner Ret- »tna unterrichtet. Jetzt habe ich di« Hande voll mH Aitstauschrerhandlungen ju tun.

" Die Einschränkung der Bezugsscheinpflicht. Rach der v»r einiger Zeit veröffentlichten Bekanntmachung d-r NKchsbekleldungsstelle dürfen jetzt Stosse au» lNiifi-. Halbwalle oder Kunstwolle von einer Breite bis zu 180 Z-ntlmeter einschließlich, weiter Flaufchstofke >md Bliilche tu jeher Breite sowie Kleider, Röcke, Män­tel, Umhänge, Morgenröcke, Jacken und Binsen aus Ptoll-, Halbwolle »der Kunstwolle für Frauen »,nd Mädchen j h n e Bezugsschein verkauft roe d-n. kwaegen sind Baurnmollwaren, Leinen-»* HgM»tuen- 'teffe (a»ßei li dichte» und SHÜeretfte' e1 -.: schon nm er beznasscheinfrei waren) scvie t . »- t hr-

^ckellten Waren: Mäntel (soweit es*.- -19t um

i n t e r "1 ä! t l I handllt). Kostüme, .K! Bin- 'er. Schürten uTn . elcnte atth Herren- und Damm- -»älchs saußer Kragen. Manschetten und Vorhemden) »»ach wie vor bezugsscheinpflichtig. Ebenso si auch noch die gesamte Herren- und Knabenkoufektion bezugsscheinpflichtig.

* Krieasnekangenenhilf«. Wir weisen auf dir An teige b r Krieosgesongenenl'ilfe vom Sieten Kreuz bin Das neut-ale Ausland vcrfendet- und Rauchvakete »n unsere Kriegsgefangenen. Wer davon Gebrauch ma­chen mitt, kann das Geld bei der Hilfsstelle, Renthok- straße 9, einzahlen.

Nein, ich bedarf keines Beistandes. Und wir kön­nen heut nicht mit einander verkehren, wie wir es <rfi halbe Kinder getan! Willst du mir eine Wohltat er­weisen, Säubert, so überlaß mich jetzt ein wenig mit selbst. Der Arzt hatte Recht ich fühle mich seht angegriffen, ich brauche Einsamkeit und Ruhe."

Du schickst mich also wirklich fort, ohne mir bett -»eheimen Kummer zu offenbaren, ber bich bebrückt? Denn ich sehe, baß bu einen solchen Kummer hastf Du würbest umsonst versuchen, es zu leugnen."

Margarete antwortete nicht sogleich. Es mochte ein schwerer Kampf sein, bett sie in ihrem Jmierir zu bestehen hatte. Aber sie beburfte keiner langen Zeit, um zu einer Entscheibung zu gelangen.

Wir wollen nicht Versteckens mit einander spielen, Hubert. Das würbe febr bald ein unerträglicher Zustand wecken für Dich, wie für mich. Und ich darf wohl von Deiner Ritterlichkeit erhoffen, daß Du nicht an meinen Vater verraten wirst, was ich dir jetzt sage."

Kennst du mich so wenig, Margarete, baß bu es für nötig hälft, bich besten erst zu versichern?"

Nun wohl. Ich weiß, baß bu ihm ver­sprochen hast, bich meiner anzunehmen unb mich im Falle ber Not zu beschützen. Ich habe Eure letzte Unterrebung belauscht unb kein Wort, bas ihr bei jener Gelegenheit gesprochen, ist mir entgangen."

Du hättest gehorcht? Nein, Gretel, bas glaub' ich nimmermehr! Es wäre bir gar zu wenig ähnlich."

Du wirst bich immerhin entschließen müssen, es zu glauben," erwiberte sie mit einer trotzigen Bitter­keit, wie er sie nie zuvor im Klang ihrer Rebe gehört hatte.Unb wenn bu barum jettt schlecht von mir benkst, so muß ich es eben tragen. Mein Vater hatte eS gewiß sehr gut mit mit tm Sinn, als er mich beinern Schutze empfahl! Wer er beunruhigte sich meinet* wegen ohne Not. Ich bin bas schwache, hülssbebürstige Kinb nicht mehr, für bas er mich noch immer ansieht! Unb waS auch immer bas Schicksal jetzt ober künftig über mich verhängen mag, ich fühle mich stark genug, es ohne frentben Beistand zu überwinden!"

(Fortsetzung folgt)