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1919

Beileg »se Di. L. Hitzersth. Merkt 21/2«. sterm»r. 55.

Lande >,75 X.

und außerdem kosten sie viel Geld. Zellicoe erklärt, der Hafen von Scapa-Flow, wo die englische Flotte lag, sei Anfang des Kriege« kaum befestigt gewesen, und es sei unbegreiflich, das, er nicht an­gegriffen wurde, Uber die Schlacht am Skarregak saate der Admiral, er habe sich auf einen Nachtangriff nicht etnfnfTen können, weil « wußte, das, die deutsche Flotte dafür besonder» gut organisiert war, mit best ren Scheinwerfern und Leuchtraketen, welche die englische Flotte überhaupt nicht batte. Nach Ab­bruch d'r Schlacht war es seine Absicht, sich zwischen die deutsche Flotte und ihre Dasts zu stellen, um am Morgen d>n Kampf wieder aufzunehmen. Das wußte Admiral Scheer abr geschickt zu verhindern, und aus diesem Grunde zog fich die englische Flotte zurück.

Iellicoe stellt allo der deullchen Flotte, dem Ma- sowohl wie ibrer Führung und Organisation, ein glänzendes Zeugnis au», das zu einem guten Teil T t r p i tz gilt.

Verbot des Handels mit Alkohol und der militätt- Ehen Rusbilduna von Eingeborenen! In den engli- 'chen Kolon'en Mittelafrika? blüht der (geheime, aber deswegen nicht weniger schädliches Handel mit Aiko hol, und Frankreich hat die Eingeborenen Mittel- asrikas in hohem Masse als Kanonenfut­ter im Weltkrieg benutzt. Hier hat der Völkerbund also in erster Linie lohnende Arbeit! Wird er sie .elften?

Marburg

Ticnslag, 18 Februar

Unerfüllbare Forderungen der Italiener.

SBlen. 17. Febr Die Forderung der italienische, Waffenstillstantwkommisfiou aus Auslieferung von 1001 Lokomotiven und 2000 Waggon, beantwortete tot Staatsamt für Heereswesen im Einverständnis mit dt-m Staatsamt für Sutzere Angelegenheiten dahin, datz die Ablieferung bei erwähnten Eisenbahnmaterial« kür Deutich-Oesterreich deshalb unmöglich sei. weil da» gesamte Eisenbahnmaterial gegenwärtig gemein« same» Eigentum aller aus dem Boden der öster» re'chisch-ungarijchen Monarchie entstandenen National­staaten sei und. to» BerfÜgungsrecht darüber allen die­sen Staaten gemeinsam zustehe. Dazu komme noch^ das, die Ablieferung einer solchen Menge von Eiien- babnmaterial, über die Deutsch-Oesterreich garnicht verfüge, in der gegenwärtigen Zeit der ärgsten Be» triebsmittelnot eine vollständige Lahmlegung de. Bet« t hi, zur Folge hätte, und daß ferner die Lebensmittel» und Rehlentroneportt nahezu eingestellt werden muh­ten Dadurch würde die wirtschaftliche, aber auch unab- wendbar die soziale Katastrophe heibeigesühtt werden.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Tageszeitung für (das früher kurheffifchs) Oberhessen

Wm An die beetW Wie.

Jellicors Buch über die britische Flotte ist soeben erschienen und hat in England großes Aufsehen erregt. Der Admiral behauptet, daß die englische Flotte im ersten und zweiten Kriegssahre so viele Schwachen und Fehler hatte, datz die Deutschen unter günstiger! Um­ständen einen Sieg hätten davontragen können. Selbst im Falle eines britischen Sieges würde die englische Flotte wahrscheinlich unersetzliche Berluste er­litten hab-rn. Es mangelte ihr an Zerstörern, leichten Kreuzern und großen Luftschiffen für den Aufklärnngs- dienst. Ihr Panzergeschoß war schwächer als das der Deutschen, worauf zurückzuführen ist. datz in der Schlackt nm Skagerrak s chs von den großen englischen Kreuzern sofort vernichtet wurden. Die englische Munition war rb-mfalls minderwertig. Die britischen Granaten frepierten außerhalb der Panzer, während die deutschen Zünder die Geschähe erst explodieren ließen, nachdem ne den Panzer durchschlagen hatten. Daran liegt es. daß die britischen Schiffe sofort untergingen, während die deutschen noch den Hafen erreichen konnten. Auch bi; deutschen U-Boote waren weit besser als die englischen und namentlich drahtlos bester aus- ge'Lstet. Die deutschen Zerstörer hatten 6 Torpedorohre, die englischen nur 4. Besonb.-rs schwerwiegend war in England der Mangel an Revaraturdocks: der Kaiser selbst habe den Admiral Iellicoe darauf aufmerksam gemacht, datz man in England Schiffe baue, ohne die nötigen Docks dafür zu haben. Ielliroe fügt hinzu, datz für die Docks die Oefftntlichkeit kein Interesse habe,

Zürich, 17. Febr. Nach einer Meldung au« tonben erklärt» Llovd George irrt Niiierhause über das Schicksal der deutschen Kolonien: Deutschland habe jedes ^echt auk kolonialen Besitz verloren. Dir Variier ^ritdn-.zkonserrn; fei bereits barscher einig, das; die Kolonien unter keinen Umständen Deutschland ,>!rück:egebrn tvSibf:'.

Mm Wntmd'Wmrf, der fetzt verüffentticht worden ist, entspricht int allge­meinen dem, was darüber bereit« bekannt war. Wie chon mitgeteilt, ist Deutschland vorerst ausgeschlossen. Der Erekittivausschuß besteht auS Vertretern der Ver­einigten Staaten, de» brittschen Reiches, Frankreichs Italiens und Japan», sowie au» Vertretern von vier weiteren Staaten, die Mitglieder de» Bundes sind, letztere werden von der Delegiertenversammlunq be- reichnet. Der E-ekutivausschuß versammelt sich von Zeit zu Zeit und wenn die Umstände e» erfordern, mindesten» aber einmal im Jahre, um Fragen zu besprechen, die den Frieden der Welt betreffen.

Weiter heben wir folgende Bestimmungen hervor- Die Zulassung von Staaten zu dem Bunde, die nicht Unterzeichner de» gegenwärtigen Abkommen» sind, kann nur durch Einwilligung von mindestens zwei Drittel der in der Delegiertenne'-sam-'t"ng u»-t»»t«n»n ten geschehen. Eine Ration kann nicht anigenommen werden, die nicht in der Laae ist, w-rksame Ga­rantien ibrer lovalen Absichten »u geben ihre internationalen Bervflichtungen zu erfüllen, unt wenn sie v'cht die Grundsätze durchführt» die der "erbund in Bezug auf militärische und maritime Rüstunassragen zur Bedingung macht. Die Vertre­ter der Varteien erkennen an. daß die Avsrechterbaltnna de» Frieden» eine Herabsetzung der militä- rischem Rüstungen auf e'n Minimum nnt-erbir macht. Der geographischen Lage eines Landes soll dabei Rechnung getraaen werden. Di« Verttanschlie ßenden verpflichten sich, ihre Rüstungsvrogramme gegenseitig bekannt zu geben, die territoriale Un- r-rletzbarkeit und volitiiche Unabhängigkeit der dem Bunde augeh-örenden Länder zu achten und gegen Eden äußeren Angriff zu schützen. Die vertrag­schließenden Varteien kommen überein, daß, falls unt-r -bnen Streitigkeiten entstehen, die nicht durch b-"*- rewühnlichen Methoden der Diplomatie zu regeln sind sie auf keinen Falk zum Kriege schreiten dürfen, ohne vorher ifrre Streitpunkte zur llnter- 'uchnng unterbreitet zu haben, die dem Erekuttvio' >der einem Schiedsgericht anvertraut wird. Ferner müssen d-e vettraaschlleßenden Varteien drei Monate -!ach der Fällung des Urteils warten. Sie dürfen nie­mals an ein Mitglied deS Völkerbundes den Krieg -rklären. Sie müllen dem Schiedssprüche oder dem Vorschläge Folge leisten. Dem Bund wird die allge- tteint Kontrolle über die Waffen, und Muni­tion in den Landern übertragen, wo diese Kontrolle im allgemeinen Interesse als nötig erachtet wird.

Für Mittelakrika w«'rd bestimmt, daß ein Mandatarstaat die Verwaltung bte-K Gebi-te über­nimmt unter der Bedingung, daß er die Verbinderune -an Mißbräuchen wie Sklavenhandel, Handel mit Waffen und Alkohol garantiert, und daß er die Gewistens- und Kulttrrfreibeit zusichert. Es dari den Eingeborenen keine militärisch- Ausbildung gegeben werden, ausaenonn->en für die Bedürfnisse der Polizei und der Gebietsverwal­tung. Gebiete wie Südwestafrika und einig' Fnftln des B a z i f i sch e n Ozeans können am besten wegen ihrer schwachen Bevölkerung, ihrer Ent­kernung und der gemeinsamen geographischen Grenzen mit den Kolonien des Mandatarstaates al» integrie­render Bestandteil dieser Staaten verwaltet werden.

Wnb.

Sie Engländer in Kleinasien.

London, 16. Febr. (Reuter.) Athener BlAe tern wird aus Konstantinopel gemeldet, daß dich. Engländer Rikodemta, Angora und Konta Haden.

Smtikn im Mlkie.

Insterburg, 17. Febr. In dem benachbarten Orteslbnrg kam e» zwischen Spartakisten und Jägern ui einem Zusammenstoß. E» wurde auch au» den Käufern geschossen, sodaß die Jäger da» Feuer mit Gewehrschüssen beantworten mußten. Zwei Mann wur­den getötet, acht verwundet. Der Belagerungszustand ist über Ortelburq verbängt worden.

Berlin, 17. Febr. DieVolitisch-Parlamen- 'arischen Nachrichten" schreiben: Die Banken, die Nie- perlossunqen in Gellenkirchen besitzen, haben sich unter ^inwe'» darauf, daß bewaffnete Banden mit Gemalt burch Kerken von Handgranaten den Eintritt in ihre 'lleschäkt«räume zwecks Vlünder>»io zu erzwingen such­ten, an die Reichsregierung mit der Bitte um Schutz gewandt. Sie verlangen die Wiederherstellung der Ordnung und der Sicherheit, die zur Erneuerung des wirtschaftlichen Leben» unersäßlich seien.

Berlin, 17. Febr. Wie verlautet, sind einige Abteilungen Infanterie. Sk^ere. sowie Truvven mit Maschinengewehren nach Münster abgegangen, um gort dem Kommandau'en des 7. Korv» zur Verfügung bestellt zu werden als Ersatz für jene Truppen, die «ns dem Bereich des 7. Korv» vor wenigen Wochen .um Grenzschutz nach dem Osten abaegangen sind.

Münster, 17. Febr. Reichswebrminister RoSke kaudte an das Generalkommando 7. A.-K. folgende? Telegramm:Da der General-Soldatenrat des 7. A.-K llch bisher den Anordnungen der Reichsregiernna "idersetzt hat, bin ich damit einverstanden, daß der kommandierende General v.Walter den General- ^oldatenrat n n s l ö st und Neuwahlen anacknet. Wie mir jetzt w'taetellt wird, schweben zur Zeit Verhand­lungen zwischen General v. Walter und dem bisherigen tzenerat-Solbatenrat. Diese Verbandlungen können nur zu einem brauchbaren Ergebnis führen, wenn sich bet General-Solda - en rat bebingnngsios hinter die AeichSreaiernng stellt und deren Anordnungen un­verzüglich ansfühtt." Hierzu bemerkt da» Gene­ralkommando 7 A.-K.. daß die Neuwahl bet Sol- vglenräte in bett nächsten Tagen angeorbnet werden wirb.

Mülheim a. d. R., 17. Febr. Die kommunistische Aartei und die unabhängigen Sozialdemokraten er­klären als Protest gegen den Einmarsch der Regie- rnnstrupven in das Industriegebiet in Mülheim, Ober­hansen, Hamborn, Sterkrade und Düsseldorf den A l l- aemeinausstand. In Mülheim besetzten , nm 6 llhr bewaffnete Svartakisten und Leute der Sicher- heitswehr die Portale der großen Werke und verwebr- fen den Arbeitern und Angestellten den Eintritt. Die Svattakisten besetzten außerdem das Telephon« und Teleqravhenamt, so daß jeder Telephon- und Tele graphenverkehr unterbunden ist. Die Aufforderung zur Einstellung btt Arbeit wird an alle Betriebe- gerichtet.

Mülheim (Ruhr), 17. Febr. Die Spartakisten haben im Laufe des Vormittags alle größeren und kleineren Betriebe stillqelegt. Auch die Zeitungen wur­den am Erscheinen verhindert und die Personen aus den Druckereien entfernt. Von Essen, Düsseldors und anderen Orten treffen zahlreiche bewaffnete Sparta- kisten ein, sodaß Mülheim al» die Zentrale der Be­wegung anzusehen ist. Ein starker Zug dieser Spar­takisten begab sich nach Hervest-Dorsten. Tie Mül­heimer Spartakisten brachten Minenwerser unb Ge­schütze nach Hervest-Dorsten. Der Arbeiterrat er­klärte, baß der Ausstand so lange anbauern würde, bi» die Truppen au» dem Industriegebiet zurückgezogen seien.

Düsseldorf, 17. Febr. Durch einen Gewalt- streich sind nachts die Druckereien der bürgerlichen Blätter von Spartakisten beseht und die Zeitungen am Erscheinen verhindert worden.

LautRh.-Wests. Ztg." sind Regierung?truppen im Anmarsch auf Mülheim.

Duisburg, 18. Febr. In Mülheim ist die Beamtenschaft in einen Abwehrstreik eingetreten, wo­durch die Stadt gänzlich vom Post- und Bohnverkehr abgeschnitten ist. Das Proletariat wurde zum Wider­stand gegen die Regierungstruvpen ausgerusen.

Wannt, 17. Febr. Um die Ausladung der Regierungstruppen zu verhindern, haben die Sparta­kisten den Bahnhof besetzt.

Essen, 17. Febr. Vom hiesigen A.« und E.» Rat und der Stadtverwaltung wurde folgende» Tele­gramm an die Reichsregierung in Weimar gesandt:

DÄfenls lolosiile Memm.

Zu einer Unterredung, die ::ttfer parlamentarischer Eieimarer Vertreter mit dem neuernannten Kolonicll- Ninister Di. Bell hatte, erklärte dieser, den Anspruch Deutschland» auf Wiedererwerb von Kolonien ur.te- «Hen Umständen durchsetzen zu wollen. Die gegneri- fcheu Bestrebungen auf Ausschluß Deutschlands von Kekoniakhesitz könnten keineswegs anerkannt, und Kitt-- den aus das Schärfste bekämpft werden. Die Lebens- «ollvendigkeiten des deutschen Volkes, insbesondere bi' Unerläßliche Wickerausnahme des intcrnaliona'en Han­delsverkehr» unb die bamit verbundene Schaffung von Weltmarkts-Absatzgebieten, lasten den Besitz eine? Ko'o- Äalgebiete» für Denischlanb als unbedingt ge- dvteu erscheinen. Kolonialminister Bell versicherte daß er alle seine Kraft der Ausgabe widmen werde, den nicht zu bestreitend en kolonialen deutschen Lebens- wreressen und den zur Wahrung und Sicherung dieser Interessen gewidmeten Forderungen und Ansprüchen i N ihrem Rechte zu verhelfen.

Berlin, 17. Febr. Staatssekretär Dr. Sok verabschiedete sich heute von den Beamten des Reichs- ß»loni,sanit» und sagte dabei u. a.:Die Gründe, die blich zum Rücktritt von meinen Aemtern veranlaß' «beii> liegen nicht in Meinungsverschiedenheiten zwi- r kchen der Volksregierung und mir über unsere kolonia- L KriegSziele,- denn btt neue Regierung steht av? dkm Standpunkt, daß da? koloniale Kriegszie! nach Wir vor «rf iik Wiedererlangung unserer Kolonien gr- - degtet sein muß; sie ist mit der alten Regierung der Meinung, daß der Besitz von Kolonien eine Lebens- / frage für Deutschland ist und keine Suxusfrage. ®o ivenia e» gelingen kann, ein 70 Millionen-Bolk

Erdboden zu vertilgen, f» aussichtslos wäre das ' Beginnen, das deutsche Volk für immer und ewig fern- Erhalten von der kolonisatorischen Betätigung in den lropische« und subtropischen Landern. Unsere sieg­reichen Segnet mögen im Augenblick die Macht haben, | >wt einen Gewaltfrieden zu diktieren; ein solcher Friede *6tr könnte nicht von Dauer sein, weil er den Krim zu neuen Auseinandersetzungen in sich trüge, pd) hoffe, daß im entscheidenden Augenblick auch in en ßieihen unserer Gegner diejenigen die Oberhand rhakteu werden, die wie Präsident Wilson daS Recht *nb nicht die Gewalt als Grundlage für die Neu- «kgel,i>ig der Welt nehmen wollen!" Unterstaatssekre- tir Dr Sie im dankte dem Scheidenden im Namen L *er Beamtenschaft-

Der »nzetgenpret« beträgt fit die Sgel, Zelle «0 4 amtlich«, auteättia*17 1 Qrtr,rz> u. SemmtUMn». 40 ^.u. 10*/, Ärie<j»iui*l«u. Neklamezetl« 1 Icb-i- Rabatt I gilt al« Bairavatt. --- Bei luitunft durch vie GeiÄSiirftelle u. Ketrntttluufl der Ingebete 26 4 Ssndergebühr. Postscheckkant«: Nr. 6C1S Imt Frankfurt *. M.

Unseres Erachten» ist es dringend erfotdetlich, daß bfort mit einem Sonderzug ein Kurier der Reichs­regierung nach hier gesandt wird, der der Reichsregie­rung Einblick in die hiesigen Verhältnisse verschafft und auch mit weitestgehenden B 0 l l m a ch t e n aus­gerüstet ist, um im Jndustriebezirk verhandeln zu kön­nen." Da» Telegramm verweist dann darauf, daß auf $ner Reihe von Zechen deS Essener GebieG Ausstände auSgebrochen find. Wenn die Reichsregie- rung nicht sofort dem Jndustriebezirk größere Auf­merksamkeit zuwende, s» seien Ereignisse von u n a b - ehbarer Tragweite unvermeidlich. Truppen- endungen müßten unter allen Umständen vermiede« werden.

Gegen den spartakistischen Ausstand int rheinisch- westfälischen Bergwerksgebiet erließen die vier großen Bergarbeiterverbände einen Aufruf, in dem die Berg­leute entschieden ausgefordert werden, gegen das Vor­gehen der Spartakisten Stellung zu nehmen. Wie dem Vorw." berichtet wird, herrscht unter den Bergleuten durchaus keine Streikstimmung. Sie wurden zum streik gezwungen.

Dorsten, 16. Febr. Hebet die Vorgänge int hiesigen Bezirk wird noch «itaeteilt: Zu einem hef­tigen Gesecht kam t» zwischen dem westfälischen Frei- wtlligenkorps (Lichtschlag) und den Spartakisten in Hervest-Dorsten. Am 10. Februar traf da» Frei' wikligenkotps in Recklinghausen ein. In der gleiche« Nacht zogen die Spattakisten erhebliche Verstärkungen, vor allem aus Mülheim heran. Sie besetzten auch in Dorsten den Bahnhof und die beiden Livpebrttcken. Am 15. Februar vormittags rückten die Regierunas- tntppen nach Dorsten und nahmen im Sturm den Bahnhof und die beiden Brücken. Dann entspann sich ein hefttges Feurrgefecht, in das auch die Artillerie eingreisen mußte. Die Trupp-" branoi«. erfolgreich vor. Um das Blutvergießen einzuschränken, bot bet Sommanbeut bet Truppen Waffenstillstand und Verhandlungen an. Bei den Verhandlungen for­derte et die Abgabe aller Waffen an einen bestimm­ten Ort und ungehinderte Untersuchung der Sttaf» taten. Da zu der gestellten Frist keine Waffen nieder- gelegt waren, mußte bet Angriff erneut ausgenommen werden. Das gesamte Hervest-Dorsten wurde besetzt. Da» Freiwilligenkorp» hatte mehrere Tote und Ver­wundete. Die Verluste der Spartakisten sind erhÄlich.

Sie friliMe SioonMe.

Die Fockentng, daß Rechenschaft gegeben wecke Wer da», wo» die Revolution dem deutschen Volke «kostet hat, ist in bet Nationalversammlung von allen bürgerlichen Parteien erhoben worben. Die Wahrheit ist immer unangenehm unb schmerzlich, e» könnte ober {rittet! schlimmeren Fehler geben, al» gerade in diefer tu» alle berührenden Frage vertuschen, täuschen und »sig färben zu wollen. Wenn wir die Gefahren, V»r betten wir stehen, voll erkennen wollen, müssen wir Mcksichttlofe- Klarheit schaffen.

Betrachten wir unsere finanzpolitische Lage, wie sie sich heute darstekkt, so stehen wir vor einer Krieg»- ßtstensumme, die sich zwischen 220 bi» 250 Milliarden glar! bewegt. Wir werden in den nächsten Jahren «stein sttr Kriegsfürsorge mindestens 45 Milliarden Itzcltch anfzubringen haben. Die Größe der furcht- tare-t Belastung wird erst ersichtlich durch die Fest- hCutig, daß wir künftig in Reich, Bundessiaaten und eemtinben jährlich das Vierfache dessen aufzu- fttngen haben, was vor dem Kriege erforderlich war. Diese Belastung totrb jährlich mindesten» 22 Milliar­den Mark betragen!

Au diesen Riesenzahlen müssen wir den ganzen furchtbaren Ernst unserer sinauttellen Lage er- ftnnM. Wir würden also nach rein schematischer Berechnung allein zur Abtragung der Schulden, un- ' »erechuet der Zinsenlasten, künftighin das Vier- ! fache an Steuern zu zahlen haben, wa» wir vor dem Kriege entrichten mußten. Da aber die Geldentwertung in erschreckendem Maße fortfcbret1e «ttb da wir künftighin alle unserer Lebensbedürfnisse fitir unter Aufwand viel höherer Kosten als seither ja decke« vermögen, so wird das Sienennaß, da» uns Wnftig erwartet, noch vervietsältigt. Mir Steuern allein ist die Deckung garnicht zu vollziehen. Wir ; werden auf unsere Erb sch ätze, auf Kohle, Kalt ttfw. znrückgveifen müssen. Unfere heutige finanzielle Lage 1 gleicht bereinigen Amerikas nach dem Bttrgerkri-g- r Von 1863 Ht. Damals hat bas AuSlanb, und zwar Anter hervorragender Beteiligung Deutschlands, Ame­rika die Wieberanfrichtunq se-nes Wittschaftslebenf esnöglicht. Jetzt liegen die Dinge umgekehrt, unb «tr ruttsfen erwarten, baß Amerika rin» nun seinerseits t Segenhtlf« gewährt.

Sie NM» ii SnflMtüetrtii

Wien, 17. Febr. Das Ergebnis btt Wahlen ,ur verfassunggebenden Nationalversammlung, die überall ruhig verlaufen sind, legt Zeugnis ab vonl Siege des Gedanken» deS Anschlüsse» an da» Deutsche R-ich. Die Wahlbeteiligung war überaus stark. In Wien allein wurden rund 900 000 Stimme« gezählt, das bedeutet über 90 Prozent Wahlbeteiliaung.

Da» Wiener Wahlergebnis von 7 Uhr morgen», vorbehaltlich der endgültigen Ziffern, ist: 32 Sozial- demokraten, 11 Ehristlich-Soziale, 2 Deutsch-Nationale, 1 Bürgerlicher Demokrat, 1 Tscheche, 1 Jüdisch-Natio­naler. Unter den Gewählten befinden sich Frauen. Bon Christlich-Sozialen sind gewählt: Bürgermeister Weißkirchner, der gewesene Minister Seivel, Staat»- sekretär Mataja, Schriftsteller Dr. Mmm Müllet- Guttenbrunn; von Sozialdemokraten: Staatssekretär Bauer, Friedrich Adler, die Unterstaatssekretäre Deutich und Glöckel. Unter den bisher Gewählten befinden sich ferner die drei Ptäsidettten Hauser, Seitz und Dina- Hofer, Staatskanzler Renner und der Gesandte Deutsch- Oesterreichs in Berlin, Dr. Ludo Hartmann.

In Steiermark wurden gewählt: 12 Christlich- Soziale, 11 Sozialdemokraten, 2 Deutsch-Demokraten und 2Bauernpartei. In Kärnten: 4Sozialdemo­kraten, 2 Ehristlich-Soziale, 1 Deutsch-Demokrat unb 2 Bauerubündler.

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