EMeires BlaN
Nr. 36
Mittwoch, 12. Februar ISIS
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in vollem Umfange ausgenommen werden.
ab
habet di« Rrgie-ung um die schleunige Uederweisung zuverlässiger Truppen an das hiesige Generalkommando.
Mitteilungen aus dem Leserkreise.
Es ist leider nur zu richtig, daß während deS ganzen Krieges aernbe für die Schul'naenb gar nicht- geschehen ift. Da die Aussichten auf eine NahrungS- -itfaae vielleicht «eüt günstiger liegen, so beabsichtigt die Marbnrner Eltern>-ereinigiina. welche sich a's Brücke zwischen Schule und Haus die Vettre'ung des Wohl« nnd Weys unserer Schuljugend zur Ausgabe macht, •mut in dieser Richtung vorstellig zu werden. Da aber nur dann etwas zu erreichen ist, wenn alle Eltern sich znsammensch^ießen, so wird hiermit zum Beitritt aufgefordert. Schriftliche ober mündliche Anme düngen nimmt entgegen: Tr. Odernheimer, Frankfur« 'erstraße 49, L Stock, und das Büro der Ortskranken- lasse.
stüm. mit dem Sie stch dem Rausch Ihres jungen Shb tes Hingaben — der lockende Reiz der stimmungsvollen Umgebung — alles wirkte zusammen, um mich wundersam zu betäuben und mich einzumiegen in einen holden Traum, während besten mir dieWirklichkeü mit ast ihren Schrecknisten weit, weit entschwand in nebelhafte Ferne. Das war nun wirklich der Atemzug der Freiheit, nach dem ich gelechzt hatte. Und wenn auch der schöne Traum so rasch zerstob wie es eben das Schicksal oster Träume ist. so hotte er mich doch mit neuem Mute tr- stillt und mit Kraft gegeben, das Martyrium meiner Gefangenschaft weiter zu tragen.“
Sie war hinreißend in ihrer Beredsamkeit und ihrer von den bunten Lichtreflexen des gemalten Fensters magisch umslostenen Schönheit. Staun nd. bewund rnd wie zu einer göttlichen Erscheinung blickte Hubert zu ihr empor. '
„Was für ein unreifer Knabe muß ich doch gewesen fein* daß ich so garnichts ahnte von astedem — das ich mit zorniger Beschämung für ein frevelhaft kokettes Spiel hielt, was mir doch selbst in der Erinnerung noch hätte zu einer Quelle süs^sten Glückes werden müsten! Mein V nehmen nach dem Erscheinen Ihres F-ctten muß Ihnen fürwahr eine recht wunderliche Meinung vcn mir beigebracht haben.“
„O nein! Ich hätte Sie mir garnicht anders gewünscht. a!s ich Sie da vor mir sah in der frischen Be geisterungssähigkeil und dec ebenso leichr geweckten sittlichen Entrüstung Ihrer unverdorbenen Jugend. Ich habe oft an jene Stunde zurückgedachl — namentlich dann, wenn mir mein Kerker wieder einmal un- erträgüch werden wollte. Und ich — doch nein, das darf ich Ihnen nicht sagen. Habe^ich Sie doch wohl ohnehin schon viel tiefer in meine Seele blicken lassen, als ich es hätte tun sollen."
„Ich oanke Jl)nen oafür, Frau Edith —’ er nannte sie zum ersten Mal bei ihrem Bornamen — „denn Ihr Vertrauen macht mich stolz und froh. Run aber können Sie mir auch auf eine Frage antworten, die ich vor einigen Tagen noch nicht an Sie zu richten wagte. Sie sagten, daß Sie noch immer eine Gefangene, noch immer mit unzerreißbaren Setten an dies düstere Hau- gesesselt feit». Und Su beneidet« den Raub»
। ।
außer „Desannektton" von Elsatz-Lothringen und Wiederherstellung der Grenzen von 1870 vor allem das Eaarkohlengebiet, das Frankreich bi« 1814 befaß, als Kompensation gegen die Bew Wüstungen der Kohlengruben von Lens. Ferne« fordert es die Vernichtung aller strategischen Eisen« Hahnen, namentlich der Linien in Richtung nach der belgischen und französischen Grenze, ferner die Schleifung sämtlicher deutschen Festungen aufdem linken Rheinufer und das Der» bot der Unterhaltung von Garnisonen und Armeen durch Deutschland westlich des Rheins.
Ablieferung der gesamten Artillerie?
Bern, 10. Febr. Laut „Neuer Korrespondenz“ vem langen die neuen Mafftnstillstandsbedingu ngen di* Herabs bung der deutschen Armee auf 25 Divis«»« neil Es soll sogar die Ablieferung der !•< amten Artillerie verlangt werden.
Das Lebensmittelabkommen.
Die deutsche Waffenstillstandskommission teilt über den wesentlichen Inhalt über Lieferung von Lebensmitteln an Deutschland mit: Der oberst« Ernährungsrat der Verbündeten wird Vorsorg« treffen, daß sofort rund 30 000 To. Schweine» ett und Schweinefleisch und 250 000 Kisten kow versierte Milch über Rotterdam nach DeiNchlanh geliefert werden. Die Bezahlung dieser Mengen st deutscherseits durch Gold und fremde Devisen ichergestellt. Zn unmittelbaren Anschluß an dies« Lieferungen wollen die Verbündeten in ' nehmen 200 000 Tonnen Weizen und ;
mehl und weitere 35 000 Tonnen Schwe. -
ett und Schweinefleisch zu liefern, wenn eine befriedigende Regelung der Finanzf-age bei d n am 12. Februar beginnenden Verhandlungen der Finanzkommission gefunden wird. Die Vertreter her Verbündeten haben sich bereit erklätt, den Wunsch der deutschen Regierung für die weitere Verso'-gung Deutschlands bis zur neuen Ernte i n Erwägung zu ziehen, und zwar g'eichfalls unter der Voraussetzung, daß eine befrie» >Igende finanzielle Abmachung getroffen wird. Als Bedarf ist von der deutschen fPertrefunq füt die Monate März bis August ausschließlich an« aegeben worden: 400 000 Tonnen Weizen, 100 000 Tonnen Feite und Fleisch für fedeti dieser Moyate, ferner eine Million Tonnen Maie oder andere Futtermittel für de ganzen Zeitraum. Die Erfüllung des ganzen Abkommens ist non den Vertretern der verbündeten Regierungen ausdrücklich abhängig gemacht worden von der Annahme und von der Ausführung der Bedin« qungen. die sie uns betreffs der Abgab« bet «Handelsflotte auferlegt haben und noch '"eiter anferleaen wollen. Daraus ergibt sich, Naß selbst bei Annahme der Bedingungen eine Sicherbeit für den regelmäßige Eingang d-r von nnq verlanaten Lebensmittellieferung nicht be» steht.
Berkin. 11. Febr. Der Betrieb der Obersten fieetesleltung in Solberg wird vem 12. Febr.
Die Urberbebung der Polen.
Berlin. 11. Febr. Wie dem „Berk. Tagebt" üf.er Genf berichtet wirb, hat die polnische Delegation ein neues breist's E-fucheu an den Obeslen K-i-osrat gerichtet, wonach bei b't Erneu rung des Waftenstlll- standes es den Deutschen verholen merb-n solle. mili= lörische Operationen gegen bie Polen in der Provinz Posen zu unternehmen. Weiter sollen die Deutschen g zwangen morden, den Polen die-E lau^nis zu geben, bie Eisenbahn von Danzig bw Warschau füt den Tran«. Port von Truppen und Munition zu benutzen, damit die Trurnen des Generals Haller ohne Schwierigkeiten zu den Polen gebracht werden können.
W-lter meldet dos Blatt'. D'e polnllche Bebrobuna Prombe-gs ist gemachs n. Die Palm stehen 10 Kilo meter vor der Stadt. Bei Rak-l halten sie bie D«3uge an und feläftigcn die Reisenden stark. Die Polen schießen auch aus die Züge.
Der Schutz bet Lebensmittel für Pole«.
Berlin. 10. Febr. Die Eisenbabnbir-ktion Dan tiq drabtet an den Arbettsminift-r, daß dos Genmal- ttmmando in Danzig nicht in der Lage ist. bie unbedingt notmonbig-n Wachmannschaften zum Schube der litt Polen eintreffenden ersten drei Dampfer mit Lebensmitteln zu stellen. Das Gen-ralkornrnando bitte' um Gestellung amerikanücher T'Upven. Das wurde abgeschlagen. Der P rtrllcr der amerikanllch-n bnmmifston hält die deutsche Rea''erung für unhedtimt verpflichtet, für ausreichenden Schutz zu sorgen und macht da-aus aufmerksam, daß di« deutsckre Regierung für alle abhanden kommendm Mengen a u s z u f o rn - men hätte. Die Laae ist sehr schwierig da das Richt- einttessen amerikanischer ober französischer Wachmannschaften die Befetzung der ganzen Strecke Danzig— Illowo zur Folge hätte. Die Eisenbahnbirektion bittet
Berlin, 10. Febr Ans dem Ssinngsb-richt ber Wasfenstillstandskommillion in Svaa vom 9. Februar: General Nndant erFärte sich auf die deutsche Anfrage hin bereit, Einzellälle zu untersuchen, in denen deutsche Offiziere und Soldaten nach dem 11. November <918 beim deutschen Rück'ng versehentlich in. Ge- langenschast geraten sind. De 'llchers-fts könne jedoch "nfer dem Vormunde von Miß"erstä"dnisfen uus' ^-bmierii'keiten be'm Rücknig nicht allgemein die Frei- lasf'mg solcher Offiziere und Mannschaften verlangt 'wtbfä. — Die de-tsche Bife. die Abfverrungsmaß- nahmen int Brücken'ovf von Mainz zu mildern, wntte abschlägig beschteden. — Im Anschluß an die lleberreichnug von Gräberlisten der sran'östschen r''feTe3anaebörtgcn richtete der deutsch' Vorsitzende ar die Verbündeten die Bitte, alle deutschen Einzel- und Massengräber somie alle deutschen Friedhöse in Feindesland mit derselben Sorgfalt zu psleaen, wie '-•ies für die Kriegergräber 'der AuaebSrigon der r'*c-< bündeten von deutscher Sette geschehen ist. — Der deutsche Vorsitzende sprach in einer Note die Bitte ans. die in Hamburg bereitt'egenden deutschen Dumpser ...Ägoma" und „Prinzessin" mit deutscher Besatzung nach dem Schwarzen Meer entsenden zu dürfen, damit sie sich au dem Abtransport der deutschen Trnv- h»n, vor allem der Kranken und Verwundeten, be- '-iligen. Rudani versprach die Weitergabe d'eftr No'e Der deutsche Vorsitzende machte die britiMje Kommission darauf äusinerksum. daß der eua.lische Befehl, nach dem die deutschen Offiziere int besetzten Gebiet die englischen Offiziere zuerst zu grüß-n haben, neck' nicht zurückaezoa-n Warden ist. — Wie ber-'t« mit- oetei't worden ift, hatte die d-ntsche itommissinn um Aufllärnnq über den Verbleib von fünf deutsche" Schissen aebeten, die sran-össische ft'tiea^gefaitgene nach Frankreich gebracht haben, aber entrißen den ae- g benen Zusicherungen nicht zurückgelehrt sind. Der- ftanzöfischr $r|rfi*,enbe teilt nvt. daß beschlossen toor s»n sei, die fünf deutschen Dampser in Brest und Th>>rbourg zu rück zuhalten» da sie oemnfj dem Wikammen über die deutschen Handelsschiffe von der Verbündeten benutzt werden könnten. T'e dent- f-bo Besatzung bet Schisse werde von Frankreich verpflegt.
Berlin, 10. Febr. D'e deutsch- Oberste Heeresleitung ließ in Spaa Verwahrung gegen den Ton und Inhalt einer vom belgischen Vettrei-r überg-benen Rote einigen, die über anqeb'iche Ausschreitungen deutscher Soldaten in der Provinz Lüttich bei dem Rückzüge aus Belgien Klage sübrt-. Die Oberste öeere?- leitung erklärt hierzu, es stehe aklenmäßlg fest, daß eine große Reihe von Plüt-derungen und Ausschreiluu- aen der belgischen Zivilbevölkerung zur Last fällt. Sie könne b;e einseitigen belg schen Feststellungen nicht anerTennen und müsse Verallgemeinerungen aus das schärfste zurückweisen, vor allem die Beschuldigung, daß die deutfcheu Konimando- behörden nicht den Willen zum Einschreiten ge^elg' hätten. Die deutschen Unterhändler haben, wie dft Rote betont, wiederholt aus die Gefahr hina-wieftu, dir der überstürzte deutsche Rückzug mit sich bringen mußte. Vergleiche man die deutschen Uebergrisse, dir durch ungemöhnlich erschwerende Umstände immerhin Erklärung fänden, mit den Ausfchreitung-n der bel- oischen BeseMlngstrupven in deutfcheu, Städten, so müsse der Ton der belgischen Anschuldigungen Verwunderung Hervorrufen.
Frankreichs Forderungen.
Zürich. 11. Febr. Die „Zürch. Post“ meldet aus Rewyork: Ein hiesiges Blatt erhielt von seinem in Paris weilenden Leiter drahtlich eine Darstellung der französischen Forderung-n beziigl ch des linken Rheinufers. Danach fordert Frankreich
„Was — um des Himmelswillen — Kind, ift denn geschehen? Du siehft aus, as ob du uns ein« schlimme Neuigkeit brächtest."
„Der Professor Corbach ist plötzlich erkrankt, Fräulein Margarete hat ihn bewußtlos in der Galerie gefunden. Man hat ihn aus fein Zimmer gebracht, und ich begegnete soeben unten im Park dem Diener, der nach Partenhosen hinab sollte, um einen Arzt zu holen. Ich glaubte, daß es meine Pflicht sei, dich davon zu benachrichtigen. Und ich bitte -um Verzeihung, wenn ich in meiner Aufregung versäumt habe, an die Tür zu klopfen."
Frau von Varndal hatte jetzt ihre Haltung vollständig zurückgewonnen, und das liebenswürdige Bedauern, das sich auf ihrem schönen Antlitz spiegelte, war von ^erzeugender Natürlichkeit.
„Welch ein bellagenSwetter Zusall!" sagte sie Herz lich. „Ich werde mich sogleich umkleiden und dam selbst nach dem Patienten sehen. Unsere Sitzung Herr Buchner, dürste unter diesen Umständen fist heute wohl leider zu Ende sein."
Aber er hatte garnicht erst auf diese Erklärung gewartet, um sie als beendet anzusehen. Rasch hatte er feine Malgeräte niebergelegt, und et war schon auf dem Wege zur Tür.
,^Ich hoffe, es ist jemand da, der nut den Weg zu des Professors Z'mmer zeigen kann," sagte et, „oder würden Sie, mein gnädiges Fräulein, die Güte haben, es zu tun?"
Sein Rausch wat spurlos verslogen. Die Schreckenskunde hatte ihn vollständig ernüchtert; denn nach dem Eindruck, den er bei ihrer letzten Unterredung non dem körperlichen unb seelischen Gesinden Ludwig Eorbachs empfangen, fürchtete et, daß dieser Zusall das Schlimmste bedeute. Und als Frau Edith, die noch einige Fragen an Nora zu richten hatte, zu ihm hinüber sah, las sie in seinem aus sie gerichteten Blick nichts mehr von jenem Feuer, das sie soeben entzückt hatte, sondern nur noch bie Ungebutb des in angstvolle? Aufregung Wollenden.
(Fortsetzung folgt)
Vogel über unseren Häuntern, der frei war zu fliegen wohin es ihm gefiel. Wie soll ich mit das erklären? Und gibt eS gar kein Mittel, Ihnen die ersehnte Freiheit zu verschaffen?"
„Ob «s ein solches Mittel gibt,” wiederholte sie, und ihre schönen Augen blickten wie traumverloren ins Leere. „Vielleicht! Aber es ist wie im Märchen, wo die verwunschenen Prinzessinnen selbst ihrem Ritter das Zauberwort nicht verraten dürfen, das sie erlöst."
Er trat ganz nahe auf sie zu, ohne daß er jedoch daran gedacht hätte, Palette und Pinsel aus bet Hanb zu legen. Noch vor einer halben Stunde hatte er dies herrliche Weib nur mit den Augen deS Künstlers angesehen' jetzl aber war wieder derselbe Rausch über ihn gekommen wie damals im Garten bet Billa Borghese. Und er fragte sich nicht, ov es Liebe fei, was er da fühlte, ober nut ein leidenschaftlich heiße» Verlangen seiner Sinne, dies lebendige Wunderwetl ganz zu besitzen.
„Und wenn mir nun, wie im Märchen, ein freundliches Vöglein das Zauberwort verriete? Wenn--"
,.Ah!"
Als ein Ausruf deS ZvrneS war eS bei feinem jähen Verstummen über Frau Ediths Lippen gekommen. Und wie funkelnder Haß sprühte es füt einen Moment au« ihren auf die Tür des Gemache« gerichteten Augen. Denn ton dorther war bie Störung gekommen, die Hubert verhindert hatte, feine begonnene Rede zu vollenden.
Mit bem Ausbruck be« Schrecken« und bet Bestürzung aus bem reizenden Gesichtchen stand Nora von Varndal auf ber Schwelle. Ihr Atem ging rasch, wie wenn sie m sehr großer Hast bie Treppe herauf geeilt wäre. Unb es war ungewiß, ob es ber stürmische Schlag ihre« Herzen« ober ihre Uebcrrafdjung bei bem Anblick ber unvermutet vertraulichen Situation zwischen Mobell und Maler wat, die sie noch füt eine Sekunde am sprechen hinderte.
Mühsam hatte während dieser kurzen Zeitspanne Frau Edith ihren Unwillen niedergezwungen. Aber e« zitterte doch noch immer wie verhaltene Erregung i» ihrer Stimme aL$ jie fragte:
Nachdruck verboten.
Entweihte Kunst.
Roman von Reinhoü) Ortmann.
17) (Fortsetzung.)
„Sie waren also nicht glücklich? — Aber wie maß kb da» fragen, da ich ja Sie und Ihren Gatten Seite •n 6 iie gesehen!“
„O. n war nicht schlecht. Und in seiner Weise gab er sich auch redliche Mühe, mich gütig und ritterlich zu behandeln. Aber er war um beinahe vier Jahrzehnte Liter ei» ich und ein launenhafter, kranker, verbitterter Kann Das Mitleid mit seiner Vereinsamung harr« mich bestimmt, fein Weib zu werden. Und als mir die Erkenntnis aufging, daß nur bis an die Schwelle des Ehcgemach-s das Mitleid die Liebe zu erjetz.n vermag, da war ich bereit» mit unzerreißbaren Banden gc- trsielt.“
„Ich begreife, rote schwer Sie gekämpft unb gelitten haben müssen — j.tzt, da ich dies düstere GesSngnis Fhrer frevdedurstigen Jugend kennen gelernt habe, betzreife ich es noch bester wie bei jener ersten Begegnung."
Aber sie schüttelte fast heftig den Kopf.
.Rein — nur wer di.se Cuakn an seinem eigenen Keibe erfahren hat, kann sie begreifen. Es war ein iongfame» Hinsterben, ein unaufhörliches Verschmachten iw brennenden, unstillbaren Durst nach Freiheit. O. fcrle oft war ich damals der Derzweiflung naive — wie •ft wiinschlk ich mir in heißem Verlangen den Tod! Urb gerade an jenem Tage in Rom — ach ich erinnere mich sein r so gut! Es war nach einigen Ickr.-ckltchen pirchen plötzlich über mich getoirmen wie wilder Trotz. Mttne mißlandelte Seele lehnt, sich endlich einmal «ebxvisch auf gegen diese unaufhörtche, grausame Foi. ten Ich konnte d n Anblick meines Gatten nicht hdr ttragen, und ich lief davon wie ein Kind, planlos, zlel- s«, ohne daran zu denken, daß er ja doch kein Eutrin- •ul für mich gab. Das war die Gemütsoersastung. in «er Sie mich sanden. Und nun werden Sie vielleicht mch erstehen, wie sich alles weiter« ereignen konnte, der Eindruck, den mein Erscheinen auf Sie machte — *e» '«urig- «nb doch so knabenhaft imschuldige Uage-
i MMt ört »MMn knMm.
: Fortsetzung de« Berichte« über die Sitzung vom
| 10. Februar
r | 8 handelt vom Reichspräsidenten und Iffiimmt u a., daß Vetträge mit fretnben Staaten hie sich aus Gegenstände der Reichsgefetzgebung belieben, der Zustimmung ber Nationnl'ettammlung unb he» Stnotenausschusses bedürfen. Sobald das Deu'sll« ßkeich einem Völkerbunbe mit dem Zi-le des AuS Bluffe« aller Gehe'mveriräge beiget-eteu f in wirb ifirfen alle Verträge mit den in dem Völkerbund »errinigien Staaten ber Zustimmung ber National- tzersvmmlung unb bes Staateuausschusses.
Abg. Haase (U.©.) bearundet einen Antrag der Lknobhängigen Sormldemokraten den Abschluß von Sehrinll'erträgen schon jetzt vor dem Bestände des Völkerbundes unmöglich zu machen. ,
Staatssekretär Graf B r o ckdo rsf-R an tza u : Zch kann vom Standpunkte meine« Resiort« erklären, haß ich nicht bie Msicht habe, Geheimverträge ab ansch'irßen.
Abg. Haase (U.S.): Der Herr Staatssekre>äi Geßeimverträge für überslüssig. Da wir aber nicht missen, wie lange er in seinem Amte bleiben enb * sein Nachfolger ebenso vernünftig barübei henken Wird wie er, so bitten Wir bringen!), unseren Untroq anzunehmen.
Der Antrag Haase Wirb abgttehnt. § 6 Wirb Him5nK.'rt nach dem Entwurf angenommen.
| 7 wird mit ber Aenberung angenommen, baf Irr Reichspräsident von ber Nationalrersamml 'ng mit ebfulu ter Stimmenmehrheit zu Wählen ist.
x» 8 und 9 werben unverändert onoerommett Al- | 10 wird folgender Antrag Payer, Grüber und Gen iining-fünt: „Tiefes Gesetz tritt mit seiner Annahmr hurch bie Nationalverfammlung in Kraft. Von die>em flritpirnft kommen Gesetze sowie Verordnungen, dl- noch dem bisherigen Reichsrecht der Z'lstimmung d-^ Vund-srates und des Reichstages bedürsen, nur gemäß | 4 dieses Gesetzes zustande." Damit schließt die alt- gfmeine Aussprache.
, An ber Sondern"" sprach« bemerkt tu §6 V»'k?be- Nustragttr Landsberg: Um eine Legendenbildnuo Bi verhüten stelle ich fest: Wir haben vorhin einen ntreif Angnes und Genossen ans Okftnftanng aller Bertrige abge'ehnt. Damit ist keine Feindschaft g'g-n hie populäre und durchaus gerechte Forderung dec M Schaffung s-der Geßeimdivlomatie zum Ausdruck g- tmimen. Die Reichsleitung steht durchaus auf bem Stlmbminkt. daß bie Tage ber geheimen Diplomatie g-- ILHlt fein müsien. Aber wenn Wir uns heute eins-ttig ie Vervfllchtung auferlegen, alle Verträge vor der Oeffentlichkeit ab-nschließen. so kann daraus der eme »ber andere Staat, der uns nicht günstig gesinnt ist. die Folgerung ziehen, daß er es nu.. seiners-its n'ckll nötig Hot. die geheime Diplomatie abzuschasftn. Wir Würben damit also unser Ziel, die allgemeine Ab ^haffung ber Geheimdiplomatie, geradezu gefährden.
65 kommt noch zu einet längeren Aussprache über diesen Punkt.
In ber Gesamtabstimmung wirb ber Entwurf gegen die Stimmen ber Unabhängigen unb weniger anderer togeoibneten angenommen. (Beifall.) Tie Er Niüchiigung an den Präsidenten, das Gesetz zu unterzeichnen und es damit in Kraft zu setzen, wirb ein- gimmia erteilt (Erneuter Bttsall.)
Volk beauftragter Scheibemann: Nachdem dir Rational ettommlung die vor'äiifige Verfassung ter «^schiedet hat. ist die geschichlliche Mission, die uns «ls vorläusige Regierung gestellt war, beendet. Wir legen die Macht, die wir von der Revolution empfangen haben, hiermit in Ihre Hände. (Beifall.)
Abg. v. Paver (Demokr.): Ohne Regierung könne« wir nicht sein, und ich schlage daher vor, daß Wir bi« Regierung ersuchen, fljte Macht solange we'ter- |nfübren, bis aufgrund der vorläufigen Verfassung ein Reichspräsident aewählt nnb ein Reichsministe- rium gebildet ist. (Bravo.)
Volksbeaustragter Scheidemann: Wir sind be- #Ü. diesem Wunsche nachzukommen. (Beifall.)
DaS HauS erklärt einstimmig feine Zustimmung zu dem Vorschlag de« Abg. v. Payer. (Beifall.)
Ne WeW'Mle w) Wen.
Eine deutsch« Not« en di« Verbündeten.
Be-rlin, 11. Febr. Graf Brockdorfs-Rantzau nimmt in ein't Note an die B'rbiindcten mit Genugtuung davon Kenntnis, daß die verbündeten Mächte •'ine Kommission nach Pole» senden wollen, die b'voll- rnäch'igt 'st. jede Unotbnuna dort zu beseitigen und die tiolniidyen Bevörden zur Abstandnahme jeder Eewalt- omv-udung gegen die deutlch-u Str'itf'öfte zu rreran- lasscu. Di« deutsche Regierung s tze voraus, daß die Tätigkeit der Kommistion si« außerhalb der im Waffenstillstandsabk-mm-n bezeichneten R-ichrgr-nz« 'ihfpielcn werde. Di« Ausübung d-r Gchillsvoheit in- rfrhnlb dieser Grenzen sei ausschließlich Sache der deutschen Regierung. Sie könne hoher B-treten, anderer Staaten die 9Pahrn«hmuna irgendwelcher Desug- niüe nur zugeslehrn, soweit sie sich dazu durch B thtao mrnslichfet habe. Die deullche Regierung ve-rnögc auch nicht anzuerk-unen. daß innerhalb d-r Reichs ircnytt es schon seit pclnttche B.-örden und ein von ■fir unabhängiges oll-ntliches Lehen gehe Sie sei eitt stchkofleu, ihre Bervflichtunoe» unnerbrli.chflch ni halten, die sic durch bie An- kennung der WIlson - °che'n Grundsätze g-genübcr d-n BemMrern uv- m>eis-lbast polnisch tt'kied-lter Gehiets'elle iw Reiche übernommen habe. Sie könne ab ’t nicht dutten daß Relchsangchörfg- polnischen Stammes die Durchfütz- ritng sen-r B rmlichiung-n durch die gemaltsame Los elßunq deulich-r Gelle'steile zu er^lpgen fuch-n Weit ll b-lßt es: Ib'etteits bat die deutsch- Reoieruno nie bcabllchttat. gemaPinm gegen Reichsonaehöttg« pol nifch n Stammes vorzugehen. Es ist bekannt, daß es v!e polnilch'n Devmbuer ber xreufmchen Ostp-aninzen mnr«n, die mim Teil un*er d-m Bruch fb es Fa^n»"- -Ides die Waffen argen bie Reqi-runa erhoben und di- S^aafshebörbett absetzt-n. P"»g-n solch- rrfrSfi1—rl6' ^nariffe vorzugehen. muß sich die deullche Real»'"'«» Klange vorßrhalten, h a alle betpafin-t*n volnlsch-v ^ormatian-n aus bem sevioen Reichsaehlet enttarnt sind, liefet die endgülttoe Zuaehö-igk it d-r ^-hiete. d'e ^wh als ..deullck.es Polen“ bezeichnet, wird -rft d-r F iedensnettrag tm*ld> ib-n. B's bn^in le^nf -Neutschland die Weisung seiner Gegn-r über das Verhalten seiner Dehörbcn in biescn G Hirten ab.
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