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Awertl's Nlatt ?ir7s5

Montag, 3. Februar 1919

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Uo'.üskirch'i^e Nrrrlnigung.

lSchlutz.)

^ftr Prof. Sie. B.ornhausen bespricht das fff> chenwesen in Amerika, Frankreich und der Schweiz. In Amerika hat sich zuerst ein un­duldsames Staatskircheutum gebildet, das aber durch Zuwanderung anderer Bekenntnisse, besonders der mechodistischcn Bewegung schon früh hier und da durchbrochen wurde; seit dem NnabbSn"ig'citSkriea herrscht Äelig'onsireiheit. Der Staat darf nicht nach dem Bekenntnis fragen, steht aber überaus freundlich ',u den Kirchen, er gewährt nicht Toleranz, Duldung, sondern Anerkennung. Der Kongreß H-b seit Frank­lin mit Gebet eröffnet, der Präsident kann allq. Buß» >md Bettage anordnen. Jetzt sind in Amerika über 150 evangelische Kirchengemcinschaften. Viele von ihnen haben anfänglich mit finanz'ellen Schwierig­keiten zu kämpfen gehabt, oft macht sich auch der Gin­fluß reicher Gemeindeglieder unangenehm bemerkbar^ die ärmeren können oft keinen studierten Geistlichen anstellcn, dann hilft die Methodistenmission. Vor­bildlich ist der soziale und gesellschaftliche Zusammen­schluß innerhalb der Gemeinden, einegute" Kirch« läßt so leicht kein Glied in Not kommen; dabei ist wieder der Nachteil, daß die reichen Kirchen ungern die Armen als Mitglieder aufnehmen. Ferner ist Gr« fahr, daß der Geistliche zu sehr von der Gemeinde ab­hängig ist, und daß sich die Genwinden ost grgenVt'g an originellen, fenfcitione'len Nred'gern zu übertreffen suchen. All« Kirchen haben Seminare für denPsar- rernachwuchs, fast alle Gemeinden besiucn Gemeinde­häuser für christliche Vereine und Veranstaltungen, besonders ausgebreitet sind die christlichen Verein« lunger Männer. Die Leitung der Gemeinde liegt mehr den Mitgliedern als den Psarrern ob. Die Schulverhältnisse sind weniger erfreulich, denn Staatsschulen kennen keinen Religionsunterricht, im­merhin berrscht auch in ihnen ein moralischer, reliai?- ser G-eist (Schulandachten). Daneben gi'ts Konsts« sionsschulen. Der Religionsunterricht ruht meist onf den SonntagSschulen nach Art unteres Kinderoottes« dienstes,. mit vie'en sreiwiliigen, aber pädagogisch un­geschulten Helferii, daber zwar must erbaulich wir­kend, aber cs wird fast nichts gelernt. NeuerdingS »«folgte einZusammenschluß der Kirchen ^bristi Amerikas" zu praktischen Zwecken toi« Arbeiterschutz. Temperen;, Frichensbewegung u. a. ohne nach der. Be'enntuisstn zu fragen. Das ist das Bestem was wir von Amerika lernen können. In Frank­reich ist die Trennung der Kirche vom Staat in kwthenfeindlichem Sinne vollzogen, trotz a"er Gewa't» tätigkeit gegen sie ist die katholische Kirche dort nie -influßreicher gewesen. Die einzige Gefahr für sie besteht darin, daß die Schulen religionslos geworden sind, ihr Moralunterricht meist zu wüster chauvinisti­scher 5>etzc an.sgeartet. Sehr geschadet hat die Treu« n'-ng den kleineren Nel'g'onsgem-inschasten, den Vro- testanten und Inden. In der Schweiz haben Genf und Basel die Trennung der Kirche vom Staat voll­zogen: besonders beachtenswert ist für uns das Beism'el "on Basel. Dort kam die Trennung aus Geldrück'ich- ten, wurde aber in sehr feiner Weise vollzogen. Die Kirche behält das Reckst, Steuern zu erheben (25 Pro« -ent!) und ihr Vermögen, und der Staat zahlt eine Abfindung für die Gehälter; wer nicht ausdrücklich an.Stritt. b'eibt Mitglied; Velennp'i'grun''lage ist k-irz: Jesus Chr'stus und sein Evangelium. Seit der Tren­nung haben sich die Positiven und Liberalen sehr ge­nähert. Die Frage des Re'Pionsunterricbts wurde für so schwierig befunden, daß sie einem späteren Gesetz vorb-halten blieb.

In der Aussvrache konnte Herr Pfarrer Ei­senberg das günstige Urteil des ersten Redners über die enalischen Verhältnisse nicht ganz teilen, Deutsch­land habe mehr religiöse Charaktere anf'nn-e'sen als England; doch erkennt er gern die Freimütigkeit an, mit der man sich dort zur Religion bekennt, und die wundervolle Lawnmitarbeit; er bittet, daß sich mich bei uns die La en reger zur Mitarbeit m-ld?n möch­ten. 5oerr Prof. Rade schildert die kirchlichen Ver« bältnisse der Siebenbürger Deutschen, bei denen zwar Trennung der Kirche vom Staat besteht, aber nicht Trennung der Kirche von der Nation, und deren ''nnige geistige Vereinigung hoffen lasse, daß sie die 'ewigen schweren Zeiten überstehen. Herr Sonnen­schein spricht warm für einen engen Zusammenschluß der evangelischen Kirchen Deutschlands, unter völliger

sie gegenüber dem : rgertum wird der solang« die Co- dwt m'd damit ein öplich ist.

Herzliche Sitte

für die Anstalten ffeptjatn bei Treysa!

Ön ernster, schwerer Zeit, zum Beginn eines Jahres, das dunkler denn je vor uns liegt, wagt Hephllta für seine Armen und Elenden herzlich um neue Liebe zu bitten.

Am 18. Oktober 1918 hat Hephata in aller Stille seinen 25jährigen Geburtstag begangen. Don einer Feier haben wir mit Rücksicht auf die Rot der Zeit abgesehen; aber wir möchten doch.alle lieben Freunde Hephatas im Hessenland und darüber hinaus bitten, teilzunehmen an unserer wehmütig dank­baren Freude ob dem, was Gott der Herr in 25 Zähren an Hephata getan.

Am 18. Oktober 1893 wurde die kleine Anstalt, die zunächst nur aus zwei Zimmern bestand und fünf schwach­sinnige Mädchen in sich barg, begrün­det. Aus diesem bescheidenen An­fang sind heute sechs verschiedene Anstalten mit beinahe 900 Insassen geworden, die in mehr als 30 An­staltshäusern wohnen.

In unserem Brüderhaus, der ersten Anstalt Hephatas, sind im Laufe der Jahre 274 junge Männer ausgenommen, um für die Arbeit der Inneren Mission ausgebildet zu werden. An zahlreichen Orten unseres Hessenlandes haben sie den Kranken und Schwachen, den Alten und Siechen und vor allem der heranwach, senden Jugend gedient. In den kom­menden Zeiten wird Diakonenar- beit noch in viel größerem Umfang

als seither notwendig werden. Die lliädcyenhaus.Lcthanicn ron Cer Noröseiie her.

Diakone werden für den Dienst an un­seren evangelischen Gemeinden, für die Erziehung der gefährdeten Jugend, für die Pflege der Heranwachsenden Jugend u. a. m. in weitestem Umfang herangezogen iverden müssen. 68 Glieder unserer Brüderschaft haben im Dienst des Dateriandes während des großen Weltkrieges gestanden, neun Brüder sind den Heldentod gestorben. Mehrere sind ver­mißt, und wir wissen noch nicht, ob wir sie noch zu den Lebenden rechnen dürfen.

Jetzt, wo die Brüder wieder aus dem Felde heimkehren, muß das Brüderhaus in der Ausbildung derselben vieles nachzuholen suchen, wozu die Kriegszeit keine Möglichkeit bot. Die Mittel für die Aus­bildung der Diakone und für deren Unterhalt muß uns die freundliche Liebe derer darreichen, die wiffen, wie wichtig Diakonenarbeit, sonderlich in der kommenden Zeit, sein wird. >

In unserer Anstalt für Schwachsinnige und Verkrüppelte haben wir bisher rund 900 Kinder ausgenommen und ihnen Verpflegung, Unterweisung und Ausbildung zuteil werden lassen. Vielen durften wir helfen, daß sie geistig so weit gefördert wurden, um wieder ein Plätzchen auf Erden ausznfüllen und die Freude und den Segen der Arbeit zu haben. Biele waren geistig und körperlich so elend und schwach, daß wir ihrer nur warten und pflegen konnten. Biele sind von ihrem zeitlichen Leid er­löst und schlummern auf unserem An­staltsfriedhof dem Auferstehungsmorgen entgegen.

Durch unser Rettungshaus sind bisher ea. 640 Knaben gegangen. Unser seit Jahren geübter Erziehungsgrundsatz, den Jungens Freude zu machen, ihnen Vertrauen zu schenken und Freiheit zu lassen, hat sich immer wieder Als richtig bewährt. Mit Dank gegen Gott dürfen wir bekennen, daß wir vielen Jungen helfen durften, den Weg zum Guten zu finden. Diele unserer Jungens haben sich nach ihrer Entlassung draußen im öffentlichen Leben bewährt; an vielen haben wir besonders auch in der Kriegs­zeit Freude erleben dürfen.

In unserem neugegründeten Krie­gerkinderheim, das für die Söhne von Kriegsteilnehmern offensteht, wurden uns während des Krieges 25 Kriegersöhne auf Abwege zu geraten, weil er der

väterlichen Zucht und Ermahnung entbehren mußte, oder weil die Mutter infolge der Derpflichmng zur Arbeit und aus anderen Gründen außerstande war, sich in hinreichendem Maße um die Erziehung ihres Sohnes zu bekümmern. Da schien uns der christlichen Barmherzigkeit eine ernste und große Aufgabe zu erwachsen, unseren tapferen Vaterlands­verteidigern draußen im Felde die Sorge um bie" Söhne in der Heimat abzunehmen und diese» in ihrer Abwesenheit Obhut und freundliche Erziehung zuteil werden zu lassen.

In unseren Krankenhäusern haben wir im Laufe der Jahre etwa 4500 Erkrankte aus den umliegenden Kreisen ausgenommen. Die meisten durften hier die ersehnte Heilung finden. Außerdem sind uns bisher rund 1500 verwundete und erkrankte Vaterlandsverteidiger, unter ihnen etwa 500 Kriegsbeschädigte Landwirte, die meist aus dem Hessen­lande stammen, anvertraut. Den Kriegsbeschädigten Landwirten sollte hier besonders dazu geholfen werden, daß sie ihre

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Schwach sinnige Knaben mit ihren Tieren spielen- (Esel, Ziegenbock, Meerschweinchen nsw.) anvertraut. Mancher Sohn eines Kriegsteilnehmers war ja in der Gefahr,

reifen des Mrger- a'tunq d«r Einzel- eit wie bie Heran- er-den Kräfte af,er Warbest. Damit beitsseld auf wirt« }-frnne"gertnm ^euni"sten SCieher* chchaftslcb.mS m't- zu nehmen. Gin er bistzer bestände» re-räte haben mit- , eichzeitig-m Abbau zursiHefill'rt Ker» Weltw'rtsckiaft zu

reifen für bie Er- orTen und müssen, länb-rn, mit benen . Die Möglichkeit bunden einer Skle­nd Lebensmitteln, "eren. we"n neben 't^erhältni'ien an- es acht SN'nden- igwort der Sonal- - t-oräufii besstiig ich nur dann dazu )nstrielle Anlagen, ntzen arbeiten, zst t, daß der Unter« eigenen Betriebes

3, nach der miihe- Nns-estellt-r in fei» x, tr .Herstellung ge- ctnciuna ist nickst zische Maßnahmen tb gewirkt wecken,

eMnen ch:stände Damit kann Nie- ,e Wi-tschaf^sleben rj jint das E^veri- ;>e sie heute g-ior- stlrbei^S,'eilen ein­em wir in Wett- .t Wenn einmal sogen on"t'r borfi- stste, b^-'bt immer ?trbererret3 haben hing sozialer Re- te Fül^e von A"f- iiet zu'en. Für 1 die Sinfübrnna lsts eine dr'rmende en «i ch hier nur teutliche? Amt be- en unb geheimen uf das S?e-traven Gerade in den ertei Einr'chtun-en »asbckürftig. Ach stand nehmen an» umunal'erma^Kina den.auch in fom- t für dse Gesamt- leisten/wenn auch I eines jeden Par- unaen eracht fick'.

vielaestaltiae u"b ch freudig brgrfiF-t ürgerrnteä be- raerrat be-a"s Ie"t e im Reich Gmind- Aufgaben fest, die n.

hohen Watte au' (ten Aufgaben ber­eit für bas gesamte |e Erstarkung des-

ilauben, baß es nur elbausgabe fei, bie u bringen vermag." gstttch forschendem » jetzt war cs Wal- zenheit ihrem Blick

rllerbings noch an- berie Rouffumme. Dinge, über bie ick uug Jbres Bruders in er selbst Ihnen

wayteno oe,,rn um» wie ein vti

Enträifchung unb der Betrübnis über bas Erficht des Dskiors l -gte. Denn er hatte Vach vielleicht ermattet, andere, herzlichere Antwort auf diese Entschuldi-

rag feines Kommens zu erhalten.

Sßle sehnsüchtig sie jetzt wohl auf Guidos Rückkehr art.« mag", dachte er voll schmerzlicher Bitterkeit. Eln'v es überraschte ihn fast, als sie noch einmal das ergriff:

Es handelt sich um diese beiden Bilder, die Euido ttirrr Stiefmutter abkaufen soll nicht wahr?"

Allerdings", erwiderte er zögernd.Er hat Ihn.«» davon gesprochen."

Irr. Und da Sie einen so großen Einfluß auf ihn vdeu. bitte ich Sie recht herzlich, Herr Doktor» raten Sie ihm. es zu tun."

. »Sie «Lychen t»T fragte et verwimdert. ^Za.

| 11, Vic' flUI VXXlf I»V» rtf«- , v,vl'

Angelegenheit bezog, ist er auf eine W ile verwandelt, die mich mit namrnlofer Angst um ibn erfüllt. Gerade lo blckch und verstört fah et aus, ehe ihn feine letzte schwere Krankheit nicberroatf.

Der Himmel verhüte, daß Ihre Befürchtungen zu- treffen! Und ich halte mich in bet Tat überzeugt, daß Sie sich grundlos beunruhigen, Fräulein von Batndal. Wie lebhaft auch immer dicke Angelegenheit Guido be» 'chäftigen mag, zu der B.fütchtung, daß ste feine Ee- tundhcit gefährden könnte, ist doch wohl kein Anlaß vor­handen."

Nun, so erklären Ste mit sein verändertes Aus­sehen und die tiefe N-edtgeschlagcnheit, in bet ich ihn umhetgehen febe. Es ist ja, als fühle er sich von einem schweren Unglück bedroht. Und gerade während dieser lebten st-it ich'-n #t so bef4*r und so fn innersi-t Seele

inet quälenden Um h wußte wobl. daß Und ich verlanae einem Rücken offen­eckst, wenn ich rntt iche. Und Sie sind , ll »u weit entfernt.

:groobn geweckt, daß nan sie ousgiebt uno vag man na> nur eines Vorwandes bedienen wolle, nm ein4 größere Summe von ibm zu erlangen. Et bat mit nichts derartiges gesagt, aber ich glaube dennoch nicht, daß ich mich täusche."

Der sickere Scharfblick dieses jungen, noch boTb kind­lich"» Ge'chövfes setzte Walter Rüdiger in Erstaunen. Und es w'dersttebte feinet geraden, aufrichtigen Natur, sie zu belügm.

Und wenn es sich so verhielt«, Fräulein von Natn- W wenn m"in Gewissen mit die Pflicht aufertegt hätte, eine derartige Vermutung zu äußern würden Sie mir etwa einen Vorwurf daraus machen?"

Stein,, denn ich zweifle keinen Augenblick, daß Sie cs in der redlichsten Absicht getan, und weil Sie der Meinung waten, Guido damit einen wirklichen Freund- schaflrdienst yi erweisen. Sie Hunten ja nicht wißen,

wie sehr er fichs zu Hetzen nehmen und wie schwer er darunter leiben würde."

Allerdings das wußte ich nicht. Aber ich fürchte, daß ich nicht anders hätte handeln dürfen, auch wenn ich es gemußt hatte."

Unb sind Sie fo fich t, daß Ihr Argwohn berechtigt ist? Haben Sie fo triftig« Bewc''», daß Sie es darauf­hin verantworten konnten, ihn durch diesen graufamen Zweifel an der Redlichkeit feiner Umgebung unglücklich

zu mach n?"

Walters Erstaunen wuchs mit jeder Sekunde, «md fast betroffen blickte et In Notas fetzt von d't Erregung höher gefärbtes Antlitz. Die fo zu ihm sprechen konnte^ war fürwahr fein Kind mehr. Und nicht wie «in Kind, dem man mit herablastender Freundlichkeit feinen Vor»

witz vetwe'st, durfte «t ihr Antwort geben.

Das ist nun doch eine offene Anklage, Fräulein non Vatndal", jagte er ernst,und ich habe wohl die Bet- pflichtting, mich dagegen zu verteidigen. Wohl wat ich niemals vermessen genug, eine besonders freundliche Gesinnung für mich bei It>nen vorauszuset-en. Als ein hinterhältiger Ehrabschneider und leichtfertiger SJ t» leumd.r ober möchte ich doch nicht vor Ihnen steh'». Nein, ich bin meinet Sache noch keineswegs gewiß, und

die triftigen Beweise, nach denen SP mich fragen, sie stehen mit bis zur Stunde nicht zur Verfügung. Mein Zweifel an Irr Echtheit jener Bild t wurzelt vorläufig so ganz In rein persönlichen Empfindungen, baß nut eine zwingende und unabweisbare Pflicht mich bestim. men konnte, ihm Ausdruck zu geben. Nicht einmal mei­ner votgef tzten Behörde gegenüber habe ich mich dazn für berechtigt gehalten. Und ich habe mit den Unwillen meines besten Freundes zugezogm, indem ich mich auch ibm gegenüber in undurchdringliches Schweigen hüllte. Einem nut war ich rückhaltlose Offenheit schuldig, und dieser Eine wat Euido. Nicht zum zweiten Mal soll, man sagen dürfen, daß ihm durch die Unterlaffungsfün« den data SUklssx lU6ks wtdufuht." ?