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Zweites Blatt

Nr. 27

Connabend, 1. Februar 1919

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eaene

Serifn, 30. Jan. Der ..Vorwärts" schreibt: Per Siete Soldatenbund verbreitet neuerdings in Ber- fii Flugblätter, in denen ganz offen eine Wieder- H »lung der gewaltsamen Erhebung ge- Sd-'zt wird, und zwar appelliert das Flvg'latt le'ig- en d'e militärischen Machtmittel des sparkaNst'- ichen Tr'8 der Arbeiterschaft. Das z-igen folgende Elfte: ..Der Tag der Abrechnung naht. Was unk kehlte, war die Gefchlossenb-it. In der Unsicherheit der Leitung und in dem Mangel an organisatorischer gnsc-mmenfaf^nng der Kräfte ist die Sch'ave begrün­det. Die militärischen Kräite müssen einheitlich zn- kammrngrfaßt und ausgenuht werden. Alle wafien- fLhigen Proletarier sind zusamwennlfa'sen. Diese -rässe, militärisch gegliedert, sind eine unbesiegbare MaSt"

Lom Arbeiter- und So^datenrat Pirna wird ber Freche!»" mitge'eilt. daß der frühere Reickstogsab- aeordnete Rühle und riete andere Kommunisten ver- hastet wurden.

Stettin. 30. Jan. Ter A- und S.-Rat i?tr- Afsent'icht ein Schreiben, das er dn den Sberpräsi en'en sbr. Michaelis gerichtet hat und worin es heisst: Der Beschluß. dass am Tage der Beerdigung des Tr. Karl Liebknecht sämtliche öffentlichen Gebändc mit roten Fahnen oder Wimpeln zu beslaogen seien, ist led'glich rein menschlichen Gefühlen entsprungen ge­wesen und sa^te leine Kundgebung gegen die Regi'i'g barstellen. Wenn dem Ober'identen das Schr-i- 6en in Form einerVerordnung" zugegangen ist, !e liegt hier eine bedauerliche U n g e s ch i cf l i (fr­ei» ter: denn der Stettiner Arbeiter- und Solda­tenrat ist sich wobl bewußt, daß er erst zusammen mit den behklrbttchen Organen die Regierung-^gewalt dar Rellt Für die oewattsame Hissunq roter Flaggen lehn der A.» nnb S.-Rat die Verantwortung ab. Der A- and S.-Rat würde es auch int Interesse unserer Deüäatvrvnsnz Pommern beda-ern, wenn durch diesen Lorganq ein weiteres gedeihliches Zusammenarbeiten lot hem Oberpräsid-nten unmöglich gemacht würde."

Stettin, 31. Jan. Das 3. Bataillon deslTns.- Reg Nr. 42 hatte mit klingendem Spiele Einzug tu seine alle Garnisonstadt Greifswald gehalten, wobei gmt Schlüsse das Lied:Deutschland, Deutschland nfcr efttS.. ." angestimmt wurde. Das hatte den Unwillen der Arbeiter- und Soldatenräte erregt, wes- hald «an beschloß. af3 Protest am nässten Tage aus «klen tffentlichen Gebäuden die rot? Flagge zu bis'en das wiederum in den Kreilen der Beamtenschaft starke Midimmnng hernorrief. Die Postbeamten staben nun- Wehr zum Protest gegen diese Vergewaltigung ihre Arbeit eingestellt, auch die Aerzte in den Kliniken Haden die Arbeit vorläufig eingestellt.

Esten, 30. Jan. Wegen der Verwendung von jwtfi'JiTeffiSrfent Heeresgut es handelt sich um 36^ Miklmmm Zigarren, 40*1 Millionen Zigaretten und 80000(1 Liter Branntwein im Wertt von 60 Mi- [tenen Mark, das in Ellen lagert, ist es zwischen den Vertretern der Stadt Elsen und dem Vertreter der Jntordanknr Münster zu scharfen Auseinandersehunaen glommen. Die Intendantur Münster verlangt die eransgade der Waren, um sie an Soldaten und BolVtsehe zu den Einstandskosten abzugeben. Die Serto-ier der Stadt Essen erklären, derartige aus Mit­teln der UEgemeinheit gekauften Waren müßten auch wieder der Allgemeinheit zugeführt we-den. Die Stadt- derwtllung hat sich deshalb im Einverständnis mit dem riesigen Att>eiter- unb Soldatenrat beschwerde- Wrr»d en die Volksbeauftragten nach Berlin gewandt.

Erfart, 30. Jan. Bei der Land tags wähl » SS-wenthurg-Sondershausen wurden 10 Ünabbän- Fitzk 3 Demokraten, 2Deutschnationale und ein Wilder stewshit.

Verkin, 31. Jan. Wie verlautet, wird in Krei- kNl der Berliner demokratischen Parteiorganisation die kinbernfnAg eines Berliner Parteitages beabsichtigt, der preußischen Verfassungsentwurs Stellung neh­men imfr dann den Staatssekretär P r e u ß zur R i e- derlkHUM« seines Mandats aufforderu wird.

Ruhe in Wilhelmshaven.

Wilhelmshaven, 31. Jan. Der Präsi­dent des Freistaates Oldenburg Kuhnt und der Lh-f des Sichcrbeitswesens Dern find auf vier KsLc« beurlaubt. In der Bevölkerung wird an- rensH«E. daß dies die Folge der lohten Unruhen

BBaewes».- - - v »OMMtMHK

ist und beide auf ihren Posten ni ch t wieder zurück» kehren werden. Wilhelmshaven ist ruhig. Tic Entwaffnung der Aibeiter ist nahezu durchgesührt. Ter verhängte Belagerungszustand ist wieder auf­gehoben worden. Bei dem Anschlag der Kom­munisten gegen die Reschebank wurden im Ganzen 7'/, Millionen Mark, darunter 2 Millionen Mar!

in Gold geraubt. Tas Geld ist bis auf 400 000 zurückerstattet. Bei dem Handstreich der Kommu­nisten waren im Ganzen 50 Personen beteiligt.

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MWMand M ZksktzüW.

Berlin, 30. Jan. Die anßerrrdentliche K o b - lenknappheit im Osten Deut-ch'ands reranlaßt? die deutsche Wasseustilsstandskommisfion an Admiral Browning folgendes Telegramm zu richten: Der voll­kommene Zusammenbruch der Eisenbabntraps- nortlage im Ost-n Deutschlands, der abgesehen von der Abgabe des Lokomotiv- und Waagouma'rrials aus Brtriebsschwierigkeiten, insbesondere aus die Absper­rung von Bahnstrecken durch die Pottn zurüözusühren ist, macht es unmöglich, die Bevölkerung dieses Ge­biets auch nur m't dem notwendigen Bedarf an Haus- brandkohle zu versehen. Es s'nd deshalb bei der gerade in jener Gegend weit mehr als im übrigen Deutsch­land bestehenden Frostaefahr Unncken schlimmster Ari zu befürchten, d'e angesichts der mili^är'schen Lage dort besonders verhängnisvoll wären. Abhilfe kann durch ^ohleutransporte seewärts erfoWn. Als Algangs- häsen kommen die Städte Bremen, Emden und Stettin, als Bestimmungshäfen Danzig und Königsberg in Betracht. Es wird gebeten, für die hierfür in Frage kommenden Kohlentransportdämvfer, die la"fend an- "emechet werden sollen, Geleitscheine zu teilen. So­fortige Entscheidung ist mit Rücksicht auf die drohende Gefahr dringend erforderlich.

Berlin, 30. Jan. Zur Führung der weite­ren Verhandlungen über die Lieferung von Lebens­mitteln an Deutschland ist in Berlin eine Kommission gebildet worden, an der neben den Vertretern der be­teiligten Reichsb-Hörden uni) Finanz- und kaufmänni­schen Sachverständigen auch zwei Vertreter der ärzt­lichen Wissenschaft teilnehmen sollen. Die deutsche Waffeustillstandskommissiou in Svaa bat die EnienT- vertreter gebeten, bei der Zusammensetzung der Ge­genkommission gleichfalls eine Beteiligung fcort Ge­lehrten oder Aerzten zu erreichen.

K a r l s r u h e, 30. Jan. Seit einigen Tagen üben die Franzosen in der badischen neutralen Zone eine verschärfte Kontrolle aus. In Mannheim und Karls­ruhe sieht man wiederholt bewaffnete Franzosen in Uniform mit umgeichnalltem Revolver durch die Stra­ßen gehen, die Militärpersonen und Zivilisten an­halten und ihre Ausweise verlangen.

Bern, 31. Jan. Nach der Natwnalzeitung wer­den die französischen Truppen in Straßburg dureb rein elsässische Formationen mit elsässischen Offizieren erseht.

Ein Protest der bayerische« Aerzteschaft.

München, 30. Ian. Die bayerische Aerzteschast erläßt an dir Staatsregiencng, die Rmcksregierung. die Waffenstillstandskommifsion. die Gesandtschaften und Staatsoberhäupter der neutralen Länder und an deren Presse eine Kundgebung, in der sie auf dfr Vernichtung der Volksgesundheit und dir Oirchtbare Zunahme der Sterblichkeit h'nweist, die das deutsche Volk erdulden müsse, weil es im Vertrauen aus die von Wilson aufgestellten und von den Feinden ge­billigten Grundsätze die Waffen niedergelegt und sich wehrlos gemacht falbe. ..Die Feinde ab r". so betont die Kundgebung,führen diesen Krieg in der Form des Hungerkrieges weiter. Sie steigern ibn trat des ihnen wohlbekannten Nahrungselends noch durch W gnabme der Transportmittel und lanbwirtfchatt- sichen Maschinen". Darum erhebe die Aerztefcbaft als die b-rufenste Vertretung zur Wahrung der Volksge­sundheit gegen diese Ungeheuerlichkeiten, die in ibrev Folgen unabsehbar zu werden drohen, vom ärztlichm und menschlichen Standpunkt aus in der allerfchärfften Weise Protest.

Kundgebungen der französischen. Arbeiter.

Berlin, 30. Ian.HumanitS" meldet, die französische Arbeiterschaft demonstriere kommenden Sonntag in mehr als 800 Versammlungen gegen

..... . x, 13. rm-s.......*

einen Eewaltfrieden und für einen beschleunigten Friede nsschlu^

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M'onh.

Amsterdam, 31. Ian. Renter bringt einen ausführlichen Bericht über die Kümpfe in Nord« rutzland. Danach haben die Bolschewisten am 10. Januar die Stellungen der Verbündeten südöstlich Paderga am Wagaflutz, 15 englische Meilen (24 Kilometer) und südlich Schenkursk 190 englische Meilen (300 Kilometer) von Archangelsk beschosien. Tie Vortruppen der Verbündeten wurden auf die Hauptstellung zurückgedrüngt. Zugleich wurden auch die Stellungen am Tariaflusie, 18 englische Meilen (29 Kilometer) westlich Schenkursk ange- gr-isfen und die dort stehenden Kosaken 7 Kilometer zurückgeworfen. Die Gefechte und das Eeschüh- f?'.'?r dauerten vom 20. Januar bis in kie Nacht vom 24. Januar. Die englischen Truppen gingen in eine Schenkursk deckende Stellung zurück: vor einer umfassenden Bewegung des Feindes wurde die Stadt jedoch am 25. Januar geräumt. Der gut vorbereiteten Operationen und die Ablenkung der Aufmerksamkeit vor den Angriffsstellungen durch Artilleriefeuer an anderen Punkten der Front zei­gen die Fortschritte in der Führung des Bylsche- wistenheeres.

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Marburg und Umgegenv.

Marburg, 1. Februar.

Weitere Brzugsscheinbefreinng. Vom 2. Febr. ab dürfen ohne Bezugsschein verkauft werden: Stoffe aus Molle, Halbwolle und Kunstwolle, die bis einschl. 130 cm breit sind, außerdem Flausch- stosfe in jeder Breits. Kleider, Mäntel, Röcke, Um­hänge usw. aus Molle, Halb- oder Kunstwolle.

* Lharfreitag-Stiftung. Die in Marburg ge­borenen und noch hier wohnhaften Personen, die aus der genannten Kleiderstiftung eine Unter­stützung wünschen, können diese Montag den 3. Fe­bruar d. Js., von nachmittags 3 Uhr ab, auf dem Armenamt beantragen. Hierbei' wird bemerkt, daß Konfirmanden zuerst berücksichtigt werden.

Wöchentliche Lohnzahlungen. An Stelle des ein« monatlichen Löhnungszeitraumes tritt nach einem Er laß des Eisenbahnministers bei den Eisenbahnorbeitem aller B triebe die wöchentliche Lohnzahlung. Das neue Lohnzahlungsversahren tritt Ende Februar in Kraft.

* Nach dem amerikanischen Befetzmtgsgebiet sind nunmehr auch Postpakete zugelassen.

* Die Festtage im Jahre 1919. Die hohen F-sttage 'N diesem Jahre fallen reichlich spät. Ostern fällt auf n-n 20. April, Christi Himmelfahrt auf den 29. Mai. Pfingsten wird am 8. Juni und Fronleichnam am 18. Juni gefeiert.

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mrd NachdsrnMst».

H e i n e b a ch, 30. Jan. In der Nacht zum Dieus- taq versuchte Raubgesindel, aus dem hier seit acht Togen auf einem toten Geleis liegenden Zug mit Militärgut, Kleider usw. zu stehlen. Allzu nach­sichtig war man schon vor vier Wochen gewesen, wo ein gleichfalls dort stehender Militärgüterznq nach und nach halb ausgermibt worden war. Durch diese Nach­sichtigkeit ermutigt, bedrohten die Diebe die beiden Wachtposten, mit denen sie nicht handelseins werden konnten, mit Schvßwafsen, ohne ihr Ziel zu erreichen. Im Verlaufe des Streites sielen Schüsse, die die beiden Posten tödlich trafen. Beide sind junge Leute aus dem Dragonerregiment 15, das aus Hagenau (Elsaß) nach Rotenburg notverlegt ist. Einer der Posten war osort tot. der andere, ein junger Westfale, ist auch be­reits gestorben. Zwei der Spießgesellen, die hiesigen Einwohner Kleinschmidt und Friedrich Müller, Leute in den dreißiger Jahren, konnten dingfest gemacht und in das Untersuchungs-Gefängnis abgeführt werden. Einer von ihnen hatte einen Schuß ins Bein er­halten.

Kirchliche Ltachrich'en.

Sonntag, den 2. Februar.1 s Pfarrkirche. 10 Uhr: Pfarrer Heermann.

Uhr: Kindergottesdienst. 2 Uhr: Pfarrer Fokke», Tie Kirche ist geheizt.

Elisabethkirche. 10 Uhr: Pfarrer Waltemath. 11V« Uhr: Jugendgottesdienst. 5 Uhr: Pfarrer Wetschky. Die Kirche ist geheizt. :

In beiden Kirchen Kollekte für Gemeindezwecke.

Im ElisabethhauS und Julienstist von 47 Uhr: Juugsrauenverein.

Katholische Kirche. Vi8 Uhr: Hl. Messe mit Frühlehre und Kommunion des'.iveropoüolatel Kaplan Mans. V-10 Uhr: Hochamt mit Ker­zenweihe und Predigt. Lozarettgeistl. Seifert. 11 Uhr: Hl. Messe, Lazareitgeistl. Seifert. 2 Uhr: Christenlehre und Andacht. 4 Uhr: Jungfrauen- Verein.

Ref. Stadt- u. Univers.- Kirche. 10 Uhr (pünktlich): Dankgottesdienst für die heimgelehrten Krieger, Pfarrer Liz. Plannet (Kirchenchor, Vorbe­reitung und heilig. Abendmahl). Die Kirche ist ge», heizt. 11l,e Uhr: Kindergottesdienst, Pfarrer Eisen­berg. 5 Uhr fällt ans.

Selbst, evan g. - luth. Gemeinde. Sonntag, den 2. Februar, 10 Uhr: Predigtgot'esdienst.

Stadtmission, Rotergraben 5. Sonntag, de» 2. Februar, vorm. SV» Uhr: Morgenandacht. Vorm. 11 Uhr: Sonntagsschule. Nachm. 41/, Uhr: Jung­frauenverein. dlbends 8 Uhr: Versammlung. Mon­tag, abends 8 Uhr: Gesangstunde. Dienstag, abeuds 8 Pfir: Gebetsstunde. Freitag, abends 8 Uhr: Bi­belstunde.

Landeskirchl. Gemeinschaft Marburg- Süd, Schwanallee 51. Sonntag, vorm 11 Uhr: Sonntag-schule. Nachm. 41', Uhr: Juimsimuen- verein (Wilhelmstr. 8). Abends 8l/2 Uhr: Grange* lisation. Montag, nachm. 4 Uhr: Frauenstunde. : Abends 81/, Uhr: Gesangstunde. Dienstag, abend- 8!/» Uhr: Mitgliederstunde. Mittwoch, abends 8 Ühr: Missionsnähvrrein (Weitenlnirgstraße 18). Freitag, abends 81/? Uhr: Bibelstunde.

M«tt,»d!sten-8e»ei»d,, Wörtbstr 15 x Sonntag, 9*4 Uhr: Predigt. 11 Uhr Sonntagsscknile. 8V4 Ubr: Gebetsslunde. Mittwoch, 8^ Uhr Bibel-, Gebet» und S'nastunde' Prediger Kaufmann.

Neuapostolische Gemeinde, Labnstraße 5. Sonntag nachmittag 3 Uhr. Mittwoch abend 8 Uhr.

CoKMta«e»ie«H der Apotheke».

Sonntag, den 2. Febncar: Schwan-Apotheke.

Litera iche».

** Deutschland, Zeitschrift für Heimatstmde und HetmatOe'hx. Verlag I. I. Weber, Leivzig. Vier­teljährlich 2 Mark. Heft 1 d. Js. zeigt auf der ersten Seite das Marburger Rathaus.

** Hans Reimanv": Das Paukerbuch. Skirre^ vom Cymnassum. Georg Müller's Ber'ag in Mün­chen. e 125 S. - Sine Reihe von Schulaeschichte» oder esgeutlich mehr von Lehrergeschichten. Nach Art von Ecksteins Besuch im Karzer, aber nicht auf del gleichen Höbe.

* E. u. C. Frommel: Der Feldmarschall hott Tannenberg. Ernst Wiegandt's Verlag in Leip­zig 1918. Geschmückt mit einem Bilde der Marien­burg. Gesangnoten mit Klavierbegleitung unter An- lehnung an das Lied: Zu Mantua in Banden. Die Verse auf den Befreier Ostpreußens sind allerdings jetzt etwas überholt und können wohl nut noch als Kriegserinnerung pesten.

ninrwnrcr irrer -im m Geschäftliche Miiteik-'na.

Dentjche Revision»- und Treuhandge'ellschast m. b. fi, Cassel. Unter dieser Firma ist nach dem Mustt ähn­licher Gesellschaften in verschiedenen Großstädte« Deutschlands in Eassel. Königsplatz 59, ein Untern nehmen ins Lehen gerufen, das sich Revisionen, Gfiu rid>funa und Fortführung von Buchhaltungen kauf, männifcher, banktechnischer, industrieller und landwirt« lchaftlicher Unternehmungen, Steuerberatungen, Ver­mögens- und Nachlaf-nermaltungen sowie alle Tr-a- hanbfunftionen zur Ausgabe gestellt hat. Leiter sind der langjährige Prokurist einer der ältesten Berliner Treuhandgesellschosten. Bücherrevisor Max Frank und der ehemalige Prokurist des Hessischen Bankvereins, Diplomkaufmann Adolf Ludewig.

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Nachdruck verboten.

GAtWerhte Kunst.

Avsean von Reinhold Ortmann.

W) (Fortsetzung.)

ivo Nt wir leid. Herr Harrison, aber darauf la^e 14 »ich «fcht ein. Ihre Idee wäre vielleicht ganz gut. »ess mit n nur mit dem jungen Herrn Baron zu tun Wie« allenfalls mit einem Sachverständigen, den fe«w auf We eine oder die andere Weise zn unseren ^ü-rsteu beeinflussen könnte. Mit diesem Doktor Rüdi- Ker jedoch «ein, das ist unmöglich. Ich sagte Ihnen 4»rhi«, lwst er mir ein gute« Geschäft verdorben hat. und ich Miv Ihnen jetzt auch anvertrauen, wie es sich «unti FTÄielt. Ich hatte feiner Galerie einen Van EvE «meW« ein ausgezeichnetes Bild, da» bis wn allen (Erperten für echt erklärt word-n war. Die Sache ließ sich vortrefklich an, denn der Dir-ktor fit W» Ankauf aus Staatsmitteln, und wir stan- «n fetefi« in Unterhandlung wegen des Prelle». Da «i dieser fvnas Mensch und bewies mit allerlei scharf- Rmigkn Gründen, der angebliche Ban Eyck fei eine vössckMns, und eine recht plumpe obendrein. Mein ttoebet emrbe zurückgewiesen. Und wenn ich nickt Mfästttz Gel'ger,heit gehabt hätte, die Tafel bald einem Schweineschlächter au» Chicago anzuhängen, Fite ich sie vielleicht noch heute auf dem Halse. Denn fct Herr Doktor hatte seine Entdeckung nach der leidi­ge» Art dieser ehrgeizigen jungen Gelehrten sogleich in inet ausführlichen Abhandlung an die große Glocke Drangt und mir damit jede Möglichkeit abgeschnitten, r Bild e« ein« öffentliche Sammlung zu verkaufen."

JJhre Geschichte ist nur danach angetan, meine 31c- ssrchtvkig |» bestätigen. Weshalb um Gotteswillen Wtn Sie mich nicht früher vor dem Menschen ge­tarnt?"

ich vermute«, daß er mit auch diesmal

in den Weg kommen würde«? Und was ich Ihnen do erzählt habe, bleibt natürlich ganz unter uns. Ick habe es Ihnen nur anvertraut, damit Sie meine Wei­gerung nicht für Ungefälligkeit ober Eiaenünn nehmen Es geht wirklich nicht, denn eine Ausführung Ihre? Vorschlag-» wäre der sicherste Weg. dem Mißtrauen d-s Herrn Barons neue Nahrung zuzuführen. Ging dock der Herr Doktor Rüdiger damals so roeH, in feinem Aussatz ziemlich deutlich durchblicken zu lassen, daß er einigen Zweifel an meiner Gutgläubigkeit und an der Lauterkeit meines ganzen G-cschästsgebabrens hege.

..Das wagte er? Und Sie ließen eine solche Ver­dächtigung ruhig auf sich fitzen?

Was wollen Sie? Sollte ich großes Geschrei er­heben und vor der Oeffentllchkefit eine Auseinandersetz­ung herbeiführen, deren endliche, Ergebnis niemand hafte voraussehen können? Ein E-schöftsmann dar' nicht allzu empfindlich sein, Herr Harrison. Und ich finde wohl früher ober später Gelegenheit, mich dem Herrn Dokoior auf meine Weise erkenntlich zu zeigen.

Nun, da» ist Ihre Sache, unkrbrach ihn der Eng.- fönbet kurz.Jedenfalls sehe ich ein. daß ich mich Ihrer unter solchen Umstanden allerdings nicht bedienen kann, und daß ich auf eine andere Takist werde bedacht sein wüsten. Vielleicht war es sogar schon ein Febl r. Sie überhaupt komme« zu lassen und so unauffällig al» möglich wieder verlassen.

Das schien Herrn Monaud einzuleuchten, denn er er­hob sich sofort.

Ich habe den Wagen, mit dem ich vom Bahnhof ge­kommen bin. unten am Fuß des Schloßparkes roart.-n lassen, sagte er.Außer dem Dienet, der mich gemeldet, wird also fchwerlich jemand von meinem Hiersein wissen."

Uni jo besser! Ich weid: Sie durch eine Hinfer- psotte und durch den Park hinausgeleiten, damit Sie nicht etwa diesem Rüdiger gerade ht die Arme laufen.

Ganj rote Sie e» für gut finden, Herr Harrison!

Nur eine Frage noch: Haben Sie die Verficherung der beiden Bilder gegen Feuersgesahr schon bewirkt?

Ich erhielt beute früh den Nachtrag zur Police."

11 nb die Summe?"

Zmeiinalhundcrttausend Mark wie Sie e» mir rieten.

Sehr gut. Man kann in solchen Dingen niemals vorsichtig genug verfahr n. Wenn es Ihne» also ge­nehm ist, wollen wir gehen."

10. Kapitel.

Burton Harrison hatte jehr klug daran getan, seinen Besucher auf einem andern al» dem gewöhnlichen Wege aus dem Schlosse zu führen: denn fast In dem nämlichen Augenblick, da fie durch ein« Hinterpsorte in den Part hinaustraten, setzten Walter Rüdiger und Hubert Buch­ner. die von Portenhosen heraufgekommen waren, ihren Fuß auf die zum Hauptportal empor führende Frei­treppe.

Der junge Kunstgelehrte sah ausfallend ernst aus. Unb auch Hubert schien ein w nlg verstimmt.

Nun also reden wir nicht weiter darüber!" be­endete der Maler ihr unterwegs geführtes Gespräch. ..Wenn ich geahnt hätte, daß cs dir so unangenehm ist. um deine Meinung übet Ludwig Cordachs Entdeckung befragt zu werden, hätte ich es natürlich nicht getan.

Er fühlte sich durch die ungewohnte Zurücklialtung des Freundes ersichtlich verletzt und wandte sich, ohne eine Erwiderung abzuwarten, an den Dienet:

Finden wir die Herrschaften auf der Terrasse?"

Die Frau Daronin erwartet Herrn Buchner im blauen Salon. Den Henn Baton sah ich soeben tu den Park gehen."

Sa werde ich ihn dort aufsuchen", sagte Walter. Laß dich durch mich nicht eufhalten, Hubert! Wir ftn- den uns wohl später wieder."

Sie trennten sich mit einem Händedruck, der von Seite« dc» jungen Maler, heute vielleicht weniger warm «mjiel al» gewöhnlich^ und während Hubert mit

beflügelten Schritten die Marmortreppe emporRiefc durchschritt Doktor Rüdiger langsam das Vestibül.

Als er auf die Parkterrasse hinaustrat, zögerte et kür einen Augebkick, weiter zu gehen: d-nn an bet Brüstung lehnte eine schlanke Mädchengestalt, der p» begegnen vielleicht nicht in seinen Wünschen gelegen hatte. Aber er konnte ebenfo wenig zurück, als et sich unbemerkt an ihr vorüber zu schleich n vermochte. So tat er nach kurzem Zaudern zwei weitere Schritte auf sie zu und lüftete grüßend seinen Hut.

Guten Morgen, gnädiges Fräulein! Ich bitte um Verzeihung, wenn ich störe."

Nora von Sambal, die seine Annäherung nickt be­merkt hatte, wandte sich ein wenig erschrocken nach ihm um. Heber ihr reizendes Gpsichtcken ging ein flüchtige« Rot der Verlegenheit: aber sie faßte sich scknell.

Guten Morgen, Herr Doktor! Sie suchen meinen Bruder nicht wahr? Er hat mich soeben verlass-»; aber er sagte, daß er innerhalb weniger Minuten rot«« bet zurück fein werde. Wenn Sie also die Freundlich­keit haben wollen, ihn hier zu erwarten--

Mit Ihrer gütigen Erlaubnis und fall» ich nicht fürchten muß. Ihnen lästig zu fallen"

Sie standen einander gegenüber, beide offenbar mm gleicher Befangenheit ersaßt, und es verging eine ge« raume Weile, ohne daß eines von ihnen die rechte Gin» lcitung für ein Gespräck gefunden hätte. Dann aber schien Doktor Rüdiger sich feine» linkischen Betragen, zu schämen, und mit liebenswürdigem Freimut sagte et:

»Es ist Ihre Meinung, Fräulein von Sambal, baß ich Schloß Erlau niuM wieder bätte^betreten dürfen nickt wahr? O, ich verlange nicht, baß Sie es mir an«, drücklich bestätigen, denn ich vermag mir bie Antwort auf meine Frage selbst zw geben. Aber Guido ließ mich unter Berufung auf unsere alte kindersrcundschaft ua mein Erscheinen bitten. Unb ick hoffe. Sie werd«» e»; b-greiflich finden, wen» ein solcher Appell all« meist Stiftetet »em ßchwetzgctz bracht--," {g»u;4una jotgt.)