mH tau Arelsblatt kür die Krell« MarLurg und KlrchLain
Tägeszettung für (das früher kurhessische) Oberhessen
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Die Oberbefftl<6e 3ettuw<t" erfd-etnt fe<b»m«l wS-k-enttt». — Ter Bezug,peei« betrSot viertelt, bur» die Pakt (ebne »eftellnel»). s.75 X. ,n d«'Stadt «otbura frei in« t-eui «75, bei mieten Aettim„kte0ev auf dem Lande 8,6 ' — Verl«, een Dr. €. Hltzerettz. vartt 21/31. Fern er. *>5
Marburg
Mittwoch. 22 Summt
Der Rnzeiaeivret, betritt f«r die Rgel» Zeile 10 4; amtliche, «uewSrttne u Semmehln». 4> 4.« 10»/, Rrteqajuichiaa. Reflame^etie 1 X. Jeder Rabatt qi(t •!« Baeeadatt. — Bei lustimft bar* die Sepbittt»fteNe u.Bermittlunq der Ineebett» 4 6enbet|je*ibt. — Peftschetttente: Xe. 6016 Xmt Franks uet <l M.
54 Iahtg.
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VMes Blatt.
'unhaltbaren Zustände« müssen wir jedenfalls fr bctb wie möglich heraus. Die Teilnahme des ganzen Bolte, an der Regierung hat aber hoffentlich den Erfolg, daß es sich politisch erzieht, denn daran
Sie W.
Das Ergebnis bet Wahlen, soweit es bisher tberfehen werden kann, zeigt k e t n e Mehrheit der Sozialdemokratie. Sie müßte dazu mindestens ftl Sitze erhalten (von insgesamt 421), was allem Anschein nach nicht der Fall sein wird. Sie ro’rb allerdings die weitaus stärkste Partei in bar Nationalversammlung sein unb hat erheblichen Zuwachs erfahren. Diese Tatsache sowie der un- teftrettbare Wahlerfolg der Demokrati'chen Partei charakterisieren die Wahl zur Nattonalrersamm- tung. Sie find keine Ueberraschunq, eher eine fmts natürliche Folge der Zeitumstände. Wir Wehen mitten in der Revolution, und da wäre es ftltsüm, wenn die Revolutiousvsnei und die ihr nahestehende Demokratische Partei keinen Erfolg KU verzeichnen hätten. Eine Wahl, die im Zeichen einer grundlegenden Umwälzung siebt und b1«* Frauen und Zugendlichen zum ersten Male an die Urne ruft, muß ein Anwachsen der Stimmen Wt? »erlich oder sozialistisch radikaler Natur mit sich bringen.
Die Sozialdemokraten werden mit den Demokraten zusammen die Mehrheit habe", anbererfett® auch die rc-einigten bürgerlichen Parteien (die Demokraten dazu gerechnet). Das Zentrum wird sich in seiner alten Slä-ke schwerlich behaupten. Die Deutschnationale Volkspartei bat auf dem Lande Anhänger verloren, in den Städten, Hg, meutlich einigen größeren, dagegen gewonMn7 Beachtlich ist z. B. ihr Erfolg in Berlin, wo Ae rechtsstehenden Parteien bisher nur Zahlkandi- daten mit geringer Stimmenzahl hatten. Jetzt halren ste.es auf über 90 l>90 Summen gebracht und eiiren Sitz erobert. Auch in Chemnitz ist die Zahl ber Deutschnationalen Sttnrmen erheblich.
Bezweifeln freilich darf man, ob dies Ergebnis der Ausdruck wirklicher politischer Ueder-engung ist. Wenn je eine Wahl, so scheint uns diese unter Stimmungen zustande gekommen. Die auffallende Tatsache, daß in Grossstädten die in früherem Sinne konservativen Parteien sta-k zn- genommen, auf dem Lande die Bauern vielfach sozial istilch gewählt haben, spricht für diese Auffastung. Im "Mgen roaren wir durch die Sozialdemokrat- ' über ihre Propaganda im Heere unterrichtet, und dem aufmerksamen Zuschauer konnte es nicht entgehen, daß sie unter de- Regierung Ebert-Scheidemaun ihre Machtstellung stark propagandistisch ausuutzte, namentlich im Heere. Die aus dem Felde Zurückgekehrten haben ihrer Stimmung durch den Mahlzettel Ausdruck gegeben, die auf Enttäuschung, Verärgerung und inancherlei Entbehrung ausgebaut war. Die po- iitischen und wirtschaftlichen Folgen der Zusammensetzung des Hauses werden sich nunmehr von selbst ergeben. . -
Der Wahlkampf zeigte altgewohnte Friedens- fotmen. Ein ps 1 ttifch reifes Volk, das wir ja unzweifelhaft nicht sind, würde diesen Wahlkampf unter dem Gesichtspunkt geführt haben, daß vor den Toren, ja im Lande selbst hartherzige Feinde stehen, die in Wirklichkeit unser Schicksal au Jahrzehnte hinaus bestimmen. Wir haben nichts von alledem bemerkt. Anklagen und Versprechun- tto. waren ganz wie sonst das Thema aller Wahl- rrdsa; die auswärtig?« Mchältniffe waren zwar eicht zu umgehen, fte waren aber nicht chinderlich, den Wählern die Zukunft so rosig wke möglich zu «aleu. wenn man mir — den Kandidaten der betreffenden Partei wählte. Hat der Wähler das Man. so wird's ihm ja nun nicht fehlen. Um Kleinigkeiten wie Lloyd George, Ckämenceau, Fach — Wilson spricht nicht mehr mit — wird der Deutsche pch nicht weiter kümmern, dafür denkt er diel zn viel an sich.
Wir stehen vor völlig neuen Verhältnisse«. Sicher ist dis Umwälzung unseres gesamten staatlichen Lebens, nicht nut bcs politischen, stärker als inan annimmt. Da heißt es bei jedem: Mit- •tbdten. Für politische Theorien wird in Zukunft vcniger Raum sein als die Parteien glauben. Der Zwang der Verhältnisse wird über vieles hin- we-Mhen, was einfach nicht möglich ist, wenn das Bclk das nackte Leben bewahren will. Die Na- kioualversammlung selbst wird auch ihrerseits sich diesem Zwang fügen müssen. Sie hat vor allem hie Aufgabe, gefetzrnäßige Zustände wieder bei uns otnznführerr und die Grundlagen zu schoflen, 8in bas Volk durch harte Arbeit wieder in die Höhe zu führen. Je eher aber sie auch in unserem wirtichastkichen Leben den Papiernebel entfernt, den Blick trübt, umso besser, fei es selbst au Getzchr eines Etaatsbankerottr. Au» diesen
kehlt'».
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Weitere vorläufige Ergebnisse.
Posen: Dem. 41 533 (4 Sitze). D. Dolksp. Al 674 (2 Sktze), D.-Nat. Volksp. 36023 (3 Sitze), Christ!. Dolksp. 13346 (1 Sitz). Soz. 17533 (1 Sitz).
West preußen: Soz. 176 454, Unabh. 27 598. Dem. 149887, Christi. Dolksp. 73 727, D.-Rat. Volksp. 111 054. Voraussichtlich entfallen auf die Soz. 5, auf die Unabh. 1, auf die Dem. 3, auf die Christ!. Dolksp. 1 und die D.-Rat. Dolksp. 2 Sitze.
Aurich, Osnabrück und Oldenburg: Christi. Dolksp. 135 097 (2 Sitze), Dem. 131 284 (1 Sitzt, D. Dolksp. 68 740 (1 Sitz), Soz. 149 411 (3 Sitze).
Köln und Aachen: Ehristl. Dolksp. 156 929, Soz. 126 746, Dem. 41 125, D. Dolksp. 19 528, D.- Rat. Dolksp. 10 273. Unabh. 4833.
München: Rach vorläufiger Berechnung erk-alten von den 45 bayerischen Sitzen für b!- Deutsche Nat'onalrer'-r'mnluna: Bauer. Dolksp. kZentr.t 18 Soz. 16 Dem. 5, <F-wr. P^werr-bun- ;, P-»tionaMH. v. ?. 0.
Mainz: Soz. 35 748, Unabh. 840, Zentr. °5 170, Dem. 14147, D. Dolksp. 3479, Hess. Volks- vartei 41.
Darmstadt: Aus 866 von 930 Be-i-ken des Wahlkreises Hessen (31? liegen die Ergebnisse vor. Die noch ausstehenden Ergebni^e werden bas Ge- ^hmtergebnis voraussichtlich nicht mebr ändern. RTs wurden gewöblt: Si^. 263 237, Ilnnbh. 10 866 Tem. 115 895, Zentr. 109 769, D. Dolksp. 69 617,
Polkön. 38 560. Danach munden gewählt: l Soz... 2 Dem., 2 3e**tr., 1 D. Dolksp.
Thüringen: So^. 365 866 (5 Sitzet. Dem. 236 579 (4 Sive), D.-Nat. Dolksp. 163 098 f2 Sitzet. Unabh. 240 242 (3 Sitzet, Ehristl. Dp. 52141 (0).
Das voraussichtliche Ergebnis in Hessen-Nassau.
Cassel, 21. Jan. Nach den bisherigen Fesi- llellungen kann im 19. Wahlkreis obne Gewäbr folgendes Ergebnis mitgeteilt werden: D.-Nat. Velks- «-crrtei 99 914 (1 Sitzt, D. D-llksp. 72 149 (1 SitzV Zentr. 157 508 (3 Sitzet, Dem. 238 078 (3 Siket, Soz. 447 800 (7 Sitze>. Unabh. 43 425 (0 Sih), 6o= ’taTartftofraten 323 (0 Sitz).
Frankfurt a. M.: Don 315 851 Wahlberechtigten haben 240 448 Wähler af-aeOimmt. Es er- bielten: So». 109 372, Dem. 59 461, Ze-tr. 28 433. D. Volksp. 22 252, Unabh. 10 751, D.-Rat. Volksp. 10 708, Sozialaristokratie 291.
Bi» Hiliiiilininiflw in $»hnnr.
Berlin, 21. Jan. Die NeicbSrenerunq l-at be schloffen, die Rat onaloerfammliing auf den 6. Februar nach Weimar etniuheru ett. Die Beniiung emstnicht in der Hauptsache einem Wunsche der iübbeiitWn Sta »ten.
Daß mit bet Verlegung des Sitzes der Na- tiorialverfammlung in eine Stadt des mittlere: Deutschlands den Wünschen der Süddeutschen besonders entgegengekommen ist, vergeht sich von selbst. Es sind umfangreiche Vorkehrungen getroffen, um den zur Druchführung der Dersamrn lung erforderlichen Apparat rechtzeitig und einwandfrei zur Verfügung zn stellen, im besonderen ist auch für die Presse gesorgt. Die preußisch Landesversammlung wird in Berlin tagen. I: Berlin wird auch während der Dauer der Na tionalversammlung der Sitz der Neichsregierune bleiben, deren Geschäfte hier ohne Unterbrechung von denen ihrer Miix'i-der erledigt werden, bü in Weimar abkömmlich sinb.
Wie verlautet, wirb die erste Handlung de Nationalversammlung die Wahl einer provisorischen Regierung sein. Hat diese ih: Amt angetreten, bann wirb die Nattonalversamm- lung in die Verhandlungen über die Verfassungs- UTfunbe eintreten, bis voraussichtlich nicht von der Regierung eingebracht, sondern als ein Vorschlag des Reichsamts des Innern der Versammlung als Grundlage für ihre Beratungen zugehen wird. Mit der Erledigung des Der?assungsentwurfs, für die ungefähr der Monat Februar in Aussicht genommen ist, ist der erste Abschnitt der Arbeit der Versammlung getan. Diese Arbeit wird sich weniger in Vollsitzungen wie in Kommisstonsberatnn- gen abspielen. Der zweite Tagungsabschnitt dürste sich mit den Friedensverhandlungen befassen, die nicht vor Juni zur Verhandlung kommen werden. Die Finanzfragen werden wohl als Notgesetz behandelt werden müssen. Es wird beabsichtigt, die Nationalversammlung unb die preußische Lanvrsverfammlrmg nicht gleichzeitig tagen
$# lassen unb die Landesversammlung erst bann tufammenfrdtn zu lassen, nachdem bet erste Ta» gungsabschnttt bet NationalversamaAung erledigt ist.
Berlin, 20. Jan. EpartakusllugblLtter kündigen an, baß die Nationalversammlung vor ihrem Zusammentritt gesprengt würde.
Bedenken gegen den Entwurf der Reichsverfassung.
Berlin, 21. Jan. (Segen den Entwurf einer neuen Reichsverfassung sind von preußischer Seite et- brbliche Bedenken geltend gemacht worden, besonders -»egen die Bestimmung, daß einzelne Landesteile das Recht haben sollen, sich von ihren Einzelstaaten l o S- zulSsen und durch Dolksabst'mmima einen neuen Staat zu bilden. Ein weiterer Protest ist von Bayern -'emefbet worben. Er bezieht sich auf die Loslösung bet linksrheinischen Pfalz.
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Sie Lm im AM.
Seivzia. 21. Jan. In der gestrigen Ntzuna Se? qroßen A.» und S.-Nates würbe bekanntgegeben, baß die B e w a s s n u n g der disziplinierten unb orga nifretien Arbeiterschaft ?"ni Sck-uüe der Neroln- Hon in Vorbereitung sei. Wesen SobnftreiOg’eiten Daten geO-nt nachmittag alle Arbeiter der städtischen ^as- itnb E'ektrintätswerke in Leivzig unt'ermitteft in Sen Ausstand. Die elektrische Beleuchtung der Stad? iefrte völlig aus, während d>e Kasverforruna notdürftig an? den Kasnorräten bewirkt wurde. Auch der Stra ^enbahnve-kehr war durch den Aufstand teilweise unterbunden. Für beute ist ein Bäckerstreik angesaat. Außerdem soll ein Eiscnbabnerstreik in Aussicht stehen.
k» a lle a. S.. 21. Jan. Bei den Massenkundgebun- "en der Nnabbängioen für Liebknecht unb Rota Luxemburg am Montag Na-üwsttag, in denen die Bergarbeiter der Umgebung besonders stark vertreten waren wurde nrtixefrift daß der Bergbaubetrieb un‘er Son- trolle des Brürks-A.- und S.-Nates in Merseburo >est»Ut sei, und daß die Belegschaften den Generalstreik beschossen hätten für den Fall, daß d'e Soxial'sierunr bes Bergbaues im Oberbergamtsbezirk Halle auf Widerstand stoßen unb die Regierung Ebert-Scheide- mann-Noske nicht abbauten sollte.
Seit gestern streiken auf dem hiesigen Rangier- bahnbof die Beamten und Arbeiter der Eisenbahn. E? nerkebren übet den Bahnkws Halle keines ElütMügr. auib Eilgüter werden nicht befördert. Wie es heiD, beireffen die Forderungen vor allem die sofortige Ent- 'ernrng eines mißliebigen Rechnungsrates, ferner die Aussrbsteßung der Streikbrecher vom Dienst ans vier« •ebn Tage obne Entschädigung. Heute mittag beweg'e sich ein großer Demonstrationszug nach dem Gebäude der Eiscnbahndirektion, wo Verhandlungen geführt werden.
Braunschweig, 21. Jan. Der gestern nachmittag ausgebrochene Generalstreik g-gen den Tod Lieb- Rechts und Rosa Lunembnrgs sowie gegen die jüngsten Vorgänge in Berlin dauert auch heute noch an. Heute vormittag sand ein großer Umzug durch die Straßen statt.
Posen, 21. Jan. Wegen Kohlenmangels mußte die Gasanstalt ihren Betrieb einstellen, sodaß den Haushaltungen weder Koch- noch Leuchtgas zur Verfügung steht.
Hanau, 21. Jan. Der frühere mehrheitssozia- ist'sche Reichstagrakg-ordnete Hoch wurde auf dem Heimweze von einer Versammlung von Spartakisten unter den Rufen ..Cch'agt ihn tot, den Massenmörder!" überfallen und durch Faustschläge unb Kolbens:ößc vor die Br.ist schwer mißhandelt. Er mußte in einem Auto in seine Wohnung geschafft werden.
In Berlin.
Berlin, 21. Jan. Tie Arbeiter der Berlme'- Z^ettr-r'tätswerke sind in den Ausstand geirrten. Jv- folgebeffen ist die Große Berliner Straßenbahn ge«8»: tigi. ihren Betrieb ein .»stellen. Eine größere Anzab Dagen Ist auf den Strecken stehen geblieben. Es ist rtt befürchte», daß Berlin heute teilweise ohne elektrisches Licht sein wird. Dem Magistrat war es nicht, mSglih, d'e Forderungen der Arbeiter, die teilweise auf eine Erhöhung der bisher gezahlten Löhne um über 60 Prozent hinousgeheri, zu bewilligen
Berlin, 21. Jan. Wie eine Nachrichtenstelle mitteilt, ist Radek seit zwei Tagen weder in Berlin anfgetaudjt Er Hai b reits versucht, die Verbindung mit den geg-nwärtig sehr versvreng'eu Führern der Spartakusbe'-eonna wieder auftunebmen.
Haftbefehl gegen Dorenbach.
Berlin. 21. Jan. DaS „B.T." meldet: G'egen den früheren Führer der Vo'ksma'ine°Di> i'ion, D o • renbach. ist ein Haftbefehl erlassen worden. WO 'etzt feststeht, war es Dorenbach allein, der im Auftrage von Ltebmecht und Rosa Luxemburg die Vorgänge am 23. und 2L 12. inszenierte, um den Sturz der Regierung herbeizuführen. Man sand eine umfangreiche Korrcspou enz zwischen Torenbach und de» beiden verstorbenen Spartakusführern vor. Aus Vor- ficht verfehrtca Liebknecht und Rosa Luxemburgs nur schriftlich mit Dorenbach. indem sie sich eines Schlüssels bedienten. Ter Matrosenaufstand im Dezember war von Dorenbach mit Hilfe eines gefälschten Dokuments künstlich erzeugt. Dorenbach fälschte die Unterschristen. um bie Matrosen gegen Wels aufzureizen. Als ihm der Boden unter den Füße» zu heiß wurde, hat er auch aus der DivisiosslsZe Geldbeträge hersuSge- usmmen.
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Fortdestehr« bet Blockade.
Setlin, 2L Jan. Wie von zuständiger Sette mitgeteilt wirb, tst bie Nachricht über bie Auf- isebung bet Blockade ungutreffenb. Es wurden im Gegenteil alle erbetenen Milderungen glatt ad» Oe lehnt. So dürfen u. a. an bie Kohlenlieferungen für Dänemark keine Bedingungen geknüvst werden. Die Dampfer müssen sogar leer zurück» kehren. Selbst bie Bitte bet deutschen Regierung um Freigabe» bes Seeweges, um Lebensmittel von Ostpreußen nach Mitteldeutschlanb zu befördern, wurde abschlägig beschieden.
Da» Saargebiet ei« Teil Elsaß-Lothringen»!
Part». 21. Jan. (Havas.) Die Kommission, die mit dem Studium der wirtschaftlichen Crgant» ation nach dem Kriege betraut ist, verlangt bezüglich der Friedensverhanblungen, baß die bevoll» mächtigten Vertreter von technischen Beiräten begleitet seien; bas Saar-Kohlengebiet müsse aks ein leit Elsaß-Lothringen» betrachtet, bie Schiffahrt auf bem Rhein freigemacht unb bet Hafen von Straßburg erweitert werben. Die Schadenvergütung müsse vollständig sein; als Schadenersatz müßten Rohstoffe geliefert werben.
Forderungen Litauens, Griechenlands und Ehiaa».
Bern, 21. Jan. Der „Temps" veröffentlicht eine grosse Anzahl von Erklärungen grösserer, mittlerer Unb kleinerer Staaten über ihre Forderung«« in der Friedenskonferenz. Der litauische Unterstaatssekretär Rosenbaum setzt die Grenze Litauens folgendermassen fest: die alten russischen Gouvernements Kowno, WUna, Rowno, Mohilew, Witsbsk, ein Teil bes Gourw-"ewents S'üra^ki, ferner von Ostpreußen Memek, Tilsit unb Gumbinnen. Ventzelos begründet die Ansprüche Griechenlands auf Thrazien unb Konstantinopel, bas griechisch werben müsse, sofern es nicht interva'ionalisiert werde, auf leinen Fall aber türkisch bleiben könne. Venizelos for» d-ert ferner bas asiatische Brussa und Aigina, ferner die Klein-Asiatischen unb Aegaischen Inseln. Als chinesische Forberung nennt das in Parts erscheinende „Echo be Chine" Rückgabe der Gebiete Kiautschous unb Tsingtau, Verlängerung des Vertrages von Wa<-Hai-Wak, Prüfung der Frage der Oeffnung der Mongolei unb Tibet» für den Handel.
Dke Notwendigkeit de- Eingreifen« in Russland.
P a r t», 80. Jan. (Reuter.) Der französische Botschafter in Rußland, Roulens, erklärte vor der Fliedenskonferenz bas Eing-eifen in Russland für unbedingt notwendig, um die bolschewistische An» archie zu beenden. Der „Matin" äußert sich dabin, dass bie französische Regierung alle Kräfte einzu« setzen beabsichtige, um ben antibolschewistische» Truppen zum Siege zu verhelfen. Die französische Regierung wolle aber nur im Einverständnis mit den Verbündeten handeln. Großbritannien be- Td)>"änfe sich auf das Gebiet, an dem es ein besonderes Interesse habe, tiämlich auf das Gebiet des Kaspischen Meeres. Italien sei ebenfalls für ein Eingreifen, habe aber noch nicht zu erkennen gegeben, in welchem Umfange es teilnehmen wolle. Rach ber Meinung Wilsons gebe die Entwicklung bes russischen Bolschewismus bet bemokratische» Republik entgegen. Japan beschränke sich auf seine Unternehmungen in Sibirien und scheine nicht bie Absicht zu haben, sich auch barüber hinaus einzu» fetze«. Maßnahmen gegen ben Bolschewismus feien aber jedenfalls die dringendste Aufgabe; es gehe nicht an. daß die Regierung es bet ihren bisherigen Schlitten bewenden ließe«.
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Berlin. 21. Jan. Am 28. Januar beginnt im Reicbstagsgrbäude auf Veranlassung ins deutschen ^andelstages und anderer wirtscklaftlick>er Korvora« tionen die Konferenz der wirtfck>aftlichen Verbände mm Fr'edensfchlnß. Die Berl'andOm-en haben die Aus« nabe, die Forderungen und Bedürfnisse der deutschen Wirtschaft für ben Frieden zu formulieren und vor dem In- und Ausland na-ddrücklich zu vertreten.
Berlin. 21. Jan. Die Organisation sür die Lieferiing der von Deutschland ab-ugebenben laudwirt- schastlichen Maschinen tst durch die Wasfens''llüands» komwission bereits in die Wege geleitet worden.
Mainz, 20. Jan. Im gesamten Brückenkopf von Main; wird jur-eit ein durchgreifender Garm'vu« wechsel vollzogen. An der Grenze der neunten Zone wird ausfaUe'.ch viel französische Artillerie zu« sammengezogen. Mehrere franzöfische Matrosenabteilungen find in Mainz eingetroffen.
Rotterdam, 20. Jan. Rach einer Meldung des „N. R. C." aus London schreibt der englische Korrespondent Novinson in einem Brief aus Köln: Die Hungersnot in Deutschland nimmt zu unb droht ein» solche Gestalt anzunchmen, wie die schlimmZcu Hu«» gerSnöte in Britijch-Zndie«. . j