Zweites Blatt
Nr. 16
j-
Montag, 20. Januar 1919
des Waffenstillstandes in Trier sprach der Rat der Volks-
be-
verlautet, gegen Ende dieses Mo- im östlichen Teil Deutschlands
leitung dürste, wie nats in eine Stadt verlegt werden.
s
beauftragten dem Staatssekretär Erzberger seinen sonderen Dank aus.
Auf den ausführlichen mündlich erstatteten Bericht über den Verlauf der Verhandlungen zur Verlängerung
bereiten, ist überaus herzlich. Ueberall werden sie gefeiert, bewirtet, eingeladen; in den ersten Tagen zogen Gruppen von 50 und mehr Menschen hinter einzelnen Engländern her, gröhlten Licker und nahmen — diplomatisch umschrieben — wenig Rücksicht auf da- Zelbsibestimmungsrecht ihrer Gäste. Daß sich die jüngere Weiblichkeit aller sozialen Stu'en dabei hervortat, empfindet man als ganz felbstve. stündlich.
Doch war auch festzustellen. daß nicht alle Soldaten der Verbündeten Halbgötter sind. Bereits in den -rsten Tagen kam es zu etwas handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen englischen und dänischen Matrosen und Soldaten, der Grund war natürlich weiblich — aber in die Zeitungen sckllch sich nur hin und wicker eine bescheidene Roti^ daß man einen oder mehrere Tommies auf die Polizeistatton eingeliefert hatte.
Interessant ist, daß sich die verbündeten englischen und französischen Offiziere auf der Streß; und im Restaurant nicht grüße», dagegen dänische und französische Offiziere fast ausnahmslos, häufig sogar Unteroffiziere und gewöhnliche Soldaten. Frankreich ist eben in erster Linie der Vorkämpfer für die Sache der Freiheit — England ist der Gesch äftSfreund, aber auch der Konkurrent.
Ueber einen Eindruck, den die Gefangenen hier machen, darf sich aber auch der Deutsche freuen: sie scheu sämtlich durchaus nicht so schlecht genährt aus, wie man das nach den vielen Klagen in der hiesigen Presse hätte vermuten sollen. Dadurch wecken die ost gehässigen, gegen das deutsche Volk gerichteten An- griffe am besten entkräftet, was vorurteilsfreie Dänen auch den Deutschen gegenüber zugeben.
Marburg und Umgegenr.
Marburg, 20. Januar.
• Versammlung. Die auf Freitag abend in die Stadtsäle einberufene Wählerversammlung der Demokratischen Partei zeigte nicht die gewohnte Fülle der vorher gegangenen Versammlungen. Stu* dienrat Weichelt hielt einen Vortrag über „Demokratische Weltanschauung". Früher hätte man, o führte er aus, es ungern gesehen, wenn ein Be» amter sich mit Politik, ausgenommen Negieruvgs« Politik, beschäftigte. Das fei geringes Verständnis denn die Politik sei etwas hohes und stehe unmlt elbar hinter der Kunst, sie sei ein geistiges Tun nier, in dem der Kampf der Weltanschauung«» ausgesochten würde. In seinen wetteren Ausfüh. rungen, auf die sich hier weiter nicht eingehen läßt, egte er unter Zugrundelegung wissenschaftlicher Feststellungen die Entwicklung und Berechtigung der demokratischen Grundsätze dar. Er kam zu dem^ Schluffe, daß ein Volk nie Weltm cht und zugleich geistige Vormacht sein könne. In dieser Hinsicht habe Deutschland einer Utopie nachgejagt, die sich niemals verwirklichen konnte. Es folgte eine reg« Aussprache. Ein Vertreter der Deutsch-nat. Volks« Partei wies darauf hin, daß die Monarchie Deuts h* land auf seine höchste Stufe gebracht hätte, die Zeit dürfte kommen, in der das deutsche Volk wieder nach einer Mona-chie rufen würde. Die Völker« Verbrüderung zecke sich jetzt in dem Bilde, daß uns andere Völker völl'g niedeckrücken wollten. Wir müßten alle Kreise und Kräfte jetzt zusammen- fasten, um das deutsche Volk wieder auf die Höhe ru bringen. 'Eine Rednerin sprach zum Unterschied rwischeu Liberalismus und Demokratie, eine zweite Rednerin nahm Bezug auf die von der Demokra ie geforderte Anerkennung der einzelnen Perfönlih« keit und gab der Hoffnung Ausdnick, daß der demokratische Gedanke auch die Stellung der Frau tu gewisser Hinsicht berücksichtigt. Schuhmachermeistee E a n s kam auf die mißliche Lage des Handwerk < zu sprechen. Rohstoffe fehlten und Lehrlinge sei« nicht zu haben. Es sei zwar jetzt möglich, daß die Meister tipe Söhne wieder dem Handwerk anstatt dem aussichtslosen Studium zuführten. Dem Handwerk sei viel versprochen worden, geholfen habe aber niemand. Für die Beamten würde durch die Pension, für die Arbeiter durch die Ver. sicherung gesorgt, es fei letzteres zwar wenig, aber es fei doch wenigstens etwas. Ter Handwerksmeister falle, wenn er nicht besonderes Glück hätte, der Armenkaffe zur Last. Das sei eine große Lücke, und die zukünftige Gesetzgebung möge diese beseitigen. Ein weiterer Redner berührte bezüglich der Weltanschauung religiöse Gesichtspunkte. Geh. Rat Tröltsch erwähnte, die Geschichte der Demokratischen Partei und ihrer Vorgänger verbürge die Fürsorge für den Handwerkerstand, der ge» noffenschaftliche Gedanke sei zu pflegen. Studienrat W e i ch e l t wand'e sich gegen ve-schiebene Vorwürfe, die ihm persönlich und der Demokratischen Pa- ei zuteil geworden seien und kam dabei auch auf die gegnerischen Parteien zu sprechen. Die Zuchtlosigkeit sei eine natürliche Folge des Krieges und nicht eine Folge der Revolution. Als er noch hinzufügte, daß die Deutschnationale und die Deutsche Volkspartei je 100 000 cK von der Firma Henschel in Cassel als Wahlgelder erhalten hätten, kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen mit dem Vertreter der Deutschnationalen Volkspartei, der schließlich unter großem Lärm erklärte, daß di« Vorsitzende fortwährend mit ihren Zwischerrufen die Aussprache beeinfluffe, waihalb er auf alle weiteren Ausführungen verzichte. Rach einem Schlußwort des Studienrats Weichelt wurde die Versammlung geschloffen.
• Eine neue Verordnung über den Waffenbesitz wird im ..Reichsanzeiger" veröffentlicht. Es heißt: Alle Schußwaffen sowie Munition all r Art zu Schußwaffen sind sofort abzullefern. Als Schuß, waffen gelten: Gewehre, Karabiner, Pistolen, Maschinenpistolen, Revolver, Geschütze aller Art, Ma- schinengewehre, Handgranaten, Gewehg'-anaten, Minenwerfer und Flammenwerfer, Unterlass»»- gen ziehen Gefängnis bis zu 5 Jahren oder Geldstrafen bis zu 10 000 M nach sich.
:: Aus dem Wohratal, 16. Jan. Rach Aufhebung der seit November v. Js. bestehenden Sperre der Wohratalbahn fährt nun wieder ein Frühzug, der nur von 8—10 Uhr in Kirchhain Aufenthalt hat. Da v.e Läden und Büros erst um 9 Uhr geöffnet sind und die Schüler auch den Zug zur Rückfahrt bei schlechten« Wetter benutzen wollen, besteht das Bedürfnis, daß er i einige Stunden später von Kirchhain abfährt. Für mt l Weiterführung nach Zimmersrode käme ja muh der । seitherige Anschluß nicht mehr in Betracht.
gradige Befremden der deutschen Regierung darüber aus, daß von ihr gefordert wird, sie solle alle Herausforderungen der Polen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Posen und Schlesien unterlaffen, was nur darauf zurückgeführt werden 'öitne, daß die englische Regierung über die Vorgänge an den Ostgrenzen offenbar, nicht genügend unterrichtet sei. Während die Deutschen sich bemüht haben, alle von den Polen früher vorgebrachen Klagen abzustellen, hüllen diese eine Heraus- torbeTung der Deutschen an die andere gereiht. Die Rote erinnert besonders an das Verhalten des englischen Oberst Wads und des Herrn Paderewski und besten Frau in Posen und fährt fort:
Die Provinz Posen befindet sich zur Zeit in einem Zustand des nationalen Aufruhrs. Die deutsche Bevölkerung richtet dauernd Hilferufe an die Reichsregierung. Diese steht sich daher genö- t'gt, ebenso wie früher die englische Regierung in Irland militärische Maßregeln durch Entsendung einer starken Truppenmacht einzuleiten, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Die deutsche Regierung hat es bisher Unterlasten, gegen hie Staatsbürger der polnischen Nation, die nach den deutschen Strafgesetzen Aufruhr, Landes- und Hochverrat vorbereiten und begehen, einzuschreiten. Die Vorgänge in Oberschlesien haben mit natio- ".aleu Fragen nichts gemein. Hier herrscht auch in den gemischtsp'achlichen Gebieten ständig Ruh«. Eine Ausnahme bildet nur ein Teil des oberfchle- sifchen Industriegebiets. Dort haben erhebliche Arbeiterun'-uhen stattgefunden, die auf internationale bolschewistische Agitation zurückz'!- führen find und mit nationalen Fragen nichts zu tun haben. Ein Beweis hierfür ist, daß die gleiche Bewegung in dem angrenzenden Zndustriebezirk in Kongreßpolen fast noch heftiger zum Ausbruch gekommen ist. In Ostpreußen kann man von einer nationalen polnischen Bewegung überhaupt nicht sprechen. Auch von den Masuren, die von den Polen zu den Ihrigen gerechnet werden, liegen der Reichsregierung überall Petitionen aus jüngster Zeit vor, in denen sie gegen eine Lostrennung vom Deutschen Reich entschieden Widerspruch erheben. Auch die Warschauer Regierung hat zur Aufstachelung der nationalen Bewegung in den preußischen Ostprovinzen beioet agen. Sie hat es sogar unternommen, die Wahlen zur polnischen gesetzgebenden Versammlung iik den genannten Provinzen anzuordnen, eine Provokation und Anmaßung, die in der Weltgeschichte einzig dastehen dürste. Alle Maßnahmen der deutschen Regierung leit dem Abschluß des Waffenstillsckrdsabkommens dienen nur der finngemäßen Durchführung dieses Abkommens und der Abwehr unberechtigter polnischer Ansprüche, die polnische Frage bereits vor dem Friedenskongreß zur Entscheidung zu bringen.
Verlegung des Hauptquartiers?
Berlin, 18. Ian. Der Sitz der Obersten Heeres-
Koperrhagrn a s Heerlager.
Äug Kopenhagen ivick uns geschrieben:
Kopenhagen ähnelt in diesen Tagen einem Etappenort hinter der Front der Verbündeten; all die Kriegs-; tzesanaen-n, die ans Deusschkand über T änemark in »ie Heimat zurückkehren, bleiben einige Zeit in däni- sihen. Lagern, da Transportmittel nicht in dem er- wckerkich-n Maße zur Verfügung stehen. An jedem läge sind ganze Scharen von Urlaubern in Kopen- haaen, wo sie sich mit erklärlicher Freude endlich wieder scer in enter Stadt bewegen, der nicht eine furchtbar- Bckckade alle Genüsse, nach denen sich stohe Menschen sehnen, genommen hat.
Den besten Eindruck von all den früheren Krieas- Sriutrgenen mache» sicher die englischen Offizier e : sie sehen im besten Sinne des Wortes soldatisch aus: straff, aber ohne jeben Schneid, elastisch, dabei aber gemessen, als fühlten sie noch die Verantwortung, der Offizier im Kriege trägt. Der gewöhnliche eng- kischr -SoDar betont in Kleidung und Haltung sehr stark ben freien Sohn Albions — der Offizier vermeidet «8 nach Möglichkeit, in den Straßen mit ihm zusam- we«z7rtresfcn. Tie Franzose» erscheine» sowohl in den stauen Kriegsröcken, als auch in den bunten Frie- benimnifonne» mit den schreiend roten Hosen und den Svidbes-tztkir roten Käppis: es fällt einem aus, mit iveiche- Freude sie ihr: Kriegsocken in natürlicher Fröste tragen, während bei den Engländern genau wie ui Deutschland das schmale diskrete Ordensband durchaus die Regel ist. Am schlechtesten aber wirkt brr enslijche Matrose, der mit seinen über- ^uäsig weiten Hosen durch die Straßen segelt.
T.*r Empfang, den dir Kopenhagener ihren Gästen
MM.
Berlin, 18. Jan. Ueber Skandinavien kommt die Nachricht, daß T sch k t sch er i n infolge von Unstimmigkeiten mit anderen Mitgliedern der Sowjet- Regierung sein Amt niederzulegen beabsichtige.
Stockholm, 17. Jan. Mitteilungen einer gezüchteten russischen Lehrerin an das finnische „Huvud- stadtsbkadet" geben ein Bild von dem Elend des bol schewistischen Petersburg. Fall der ganze Bürgerstan ist völlig verarmt. Auf den Straßen kann man zwar sicher gehen, weil die Banditen wissen, daß nichts mehr zu rauben ist, aber man hat die Hoffnung aufge- gebeu, dem Hungertod zu entgehen. Wegzureisen ist für die meisten wegen der unerhörten Kosten undenkbar. Die Sterblichkeit ist so groß, daß man-die Särge nicht mehr kaufen, sondern nur noch leihen kann. Tie Toten werden darin nur bis ans Grab gebracht und der Sarg dann wieder für andere gebraucht. Rechtsanwälte, Geistliche und andere Bürgerliche werden zur Kasernenreinigung usw. aipfgeboten. Tie Lebensmittelnot ist unerhört. Eine einzige Kartoffel kostet fast neun Mark. Vom Lande Lebensmittel zu holen ist völlig unmöglich. Wer es tut, setzt sich unsehlbar der Plünderung oder gar der Ermordung aus.
Stockholm, 17. Ja«. Der Rus!« Worowfki, der Vertreter der Bolschewisten, hat 50 Millionen Rubel in Papiergeld verbrannt, weil die schwedisch- Regierung bie Ausfuhr von russischem Veld Verbote» hat und so
Sie MwdWn in M.
Trier, 15. Jan. Tie Verbandlunaen Über die Mfr!änfieniug des Was'enstillstandsab'ommens brgan- heute vormittag 10 Uhr in Trier auf dem BahUbose fa bent Salonwagen des Marschalls Fach. Mit Foch >«1 als Vertreter Englands an Stelle des verhm- fcrhm Admirals Wemtzß Admiral Browning et» fafeuen, der die Wcssfeusttllstanbsverhaiidlungen in Uilhelmsbane» und Kiel geführt batte. Browning tz« frft wahrend der Sitzuna vorgestellt wurde, und tzrur die linke Hand fehlt, ist ein barscher Seebär.
die ihn begleitenden beiden englischen Marcke- rfiriere machten einen bärbeißigen Eindruck. Im {tpf.ieuben geben wir eine Uckersicht über den BeAmss tzrr Verhandlungen. Es kämmt dabei weniger onf ehr Wortgetreue W ckergabe an, als darauf, den Geist gnh die Stimmung der Brrbandlungen 'sestzuhalten.
Foch: Wir kommen zu de» einzelnen Bckinaun<nm, gttfer denen eine Verlängerung deS Wassensttllstaud?- Wbkommens stattfinden kann. Ich überreiche einen Lchrfftsatz; die blau angestrichenen Steilen entboten He Bckiuauugen. Am 17. Januar, morgens 5 i'hr grtff der Waffenstillstand ab. Ich erwarte eilte Ant- *ert bis morgen 16. Januar, vormittags.
Erzberger: Ich wecke die Bedingungen b?r Deutschen. Regierung übermitteln, aber ich kann nicht Mrwtieren, ob bis morgen früh die Antwort ein« feffen sein kann. Ich M"ß jedoch meinerseits eine Hroae stellen: Für welche Frist ist die Seil finge t un g to Aussicht benommen.
Foch: Wie bisber für einen Monat.
Staatssckretär Erzberqer-verliefi nunmehr die leteitS im Auszüge mit,geteilte Rcke. Foch hör! „ge- bannt zu und wird erregt, sobald sein Name fick' Pack Verlesung des Abschnittes der Rede, welche di- WieT- ->>ng de? Eisenbahnmateri als behandelt, greift I Foctz sehr lebhaft ein.
Fo ch: Ich bin ganz überrascht, daß von mir «g-ben« Zusagen nicht einoeballen worden sein sol- . fei. Ich verlange ganz präzise Angaben.
Erzberger: Ich habe d"rch Gcwe-al v. Winter sckd wickerbvll und in letzter Zeit täglich eine Meng-
Einzelheiten mit ganz genauen Angaben über die Mkässckung des d-utschen Eisenbahn^ersona^S, melcke' St Abgabe von Lakomativen und Wagen ins besetzte cknet fuhr, durch den General Nudant in Spaa jverr-ickien lassen.
Fock - Ich wiederbole: Mir ist von diesen. An gaben rtif-t? bekannt: ich bitte um weitere Einzelheiten
Erzberger: Tann kamt ich nur sagen, daß Hlei:!« dem General Nndant übergebenen Angaben nicht weiter,gegeben worden sind.
Die AitSsvrache über die Auslegnng des Arttk-lsk Wonach die Teilnahme an Krieasmaßnahwen, die vor Nvt-rr-ichnnng des Waffeiifttllstand-c^ellraaes statssan« len, nicht strasvar sein soll, gestaltet sich besonders dramatisch. , ..
Erzberger: Ich muß darauf htnwei'en, daß troü der gegebenen Zusicherungen eine Reihe von Be'rklrllern, die im guten Glauben Industrien: allrckl Bon den deutfcken Mitttärbeböcken üb-rnornmen beben von den Alliierten verfolgt und ins Gefängnis - gesr-t wurden. Es liegen h'er auSsthl'.eßlich Fall- wm Teilnahme an den iu §6 bezeichneten Kriegs- »ah-ahmen vor, die nach- dem Maffeustillstaiidsab- kommen straffrei sind.
- F»ch: Ich kann eine solche Auslegung des Ar- ttkels nicht annehme». Für mich handelt es sich dabei wni um Fälle von Spionage, nicht aber um Hand- kun--n mit dem Vermögen der Untertanen des Geg- vers.
Erzberqer: Ich selbst habe seinerzeit in Com- pisipue den Borfckssag gemacht: Ich wies damals aus- beuckttch darauf hin, daß in den zu besetzerGen deut- feen Gebieten Liavidattonen stattgesunden hätten, und oaß frnvde-i f-indli-bes Vermögen rekbt'nfißig erwock'M worden sei, Ich habe diesen von deutschen Industriellen stammenden Vorschlag gemacht, um die deutschen gei ffi::bigen Besitzer fremder Maschinen zu schützen.
Foch: Damit hat dieser Artikel garnichts zu tun ks handell sich nur um die Teilnahme am Krieg; nur Krieg Sm aßnabnien im engsten Sinne des Wortes ist Stranreibeit zugesaqt.
Erzberger: Diese Auslegung ist mir ganz neu. 8ic stimmt mit den Motiven und dem Wortlaut des Anikels nicht überein, beim es liegt durchaus ein- Triinabme an Krtegsmaßnahmen vor. wenn, wie es m Elsast-Lothri »gen und im Saaraebiet vielfach ge. tzehen ist. ein Industrieller aus Wunsch der dent'chen Mt'itäckehörden Maschinen Küste, um di«- Krieg?- perdnktton zu steigern. Das ganze deutsche Volk tr lldährend der vier Kriegsjrchre gezwungen gewesen,
---*---
WM Hüt) öit DtWt 8kW.
Eine deutsche Rote an England.
Berlin, 17. Jan. Die englische Regierung hat am 8. bs. Mts. der deutschen Regierung eine Note überreichen lassen, worin ste die deutsche Regierung auffordert, künftig jede Herausforderung der polnischen Bevölkerung in Ost- und Westpreußen, Posen und Schlesien zu unterlassen. Sie weist darauf hin, daß die Zukunft der deutschen Ostgrenzen von den Entscheidungen der Friedenskonferenz alchängen werde und daß di« Mächte bei Beurteilung der Frage notwendigerweise beeilt; 'lußt würden durch bi« Fähigkeit oder Unfähigkeit der Deutschen, Gebiet« mit gemischter polnischer Bevölkerung zu' verwalten.
Hierauf hat die deutsche Regierung mit einer Note geantwortet, in der zunächst betont wirb, baß -ie beutsche Regierung mit bet englischen bann einig sei, daß die Zukunft der deutschen Ostgrenzen von dem Beschluß der kommenden Friedenskonferenz abhängt. Sie spricht bann bas hoch-
nut für den Krieg zu arbeiten. Wenn Frankreich I Vergeltung für die früheren Kriegsmaßnahmen üben wll, so muß es sich an das ganze deutsche Volk, oder wenigstens an die deutsche Regierung halten und nicht einzelne Persönlichkeiten herausarei- le», nm sie für die Erhöhung der Kriegsproduktion trafbar zu machen. Aber selbst wenn man die Fochiche Erklärung anerkennt, so ist t? eine Härte und 11 n» billig feit, jemand wegen gutgläubig und rechtmäßia dp.rck-g-sührter Ankäufe ins Gefängnis zu werden. Ich erwarte, daß Marschall Foch über diese einzelnen Fälle eine Untersuchung anorbnet und nach Einsicht in den Tatbestand die widerrechtlich Verhafteten sreiiäßt.
Foch : Ich erkläre mich bereit, die Fälle zu untersuchen.
Erzberger: Ick fiele zur persönlichen Information des Marschalls Foch eine aitsführliche Tenk- chrift in Aussicht.
Den Höhepunkt erreicht die Aussvrache, als Staats- 'ekretär Erzberaer da? Karitel der Ausweisungen der Deutschen aus Ellaß-Lothringen in Angriff nimmt.
Foch: Die Auswei'ungeit aus Eisaß-Lotliringen haben mit der französischen Regierung garnichts zu tun. Hier handelt es sich um rein militärische Fragen. Das Höchstziel ist die Sicherheit der alliierten Trnpven. Ich lehne es ab, über Maßregeln milltfir'scher Art Belehrungen oder Krittken anzuneh- me». Im übrigen erinnere ich an das Verhalten der Tcutschen in Lille und Nock'rankreich.
Erzberger: Das war im Kriege, jetzt sind wir im Waffenstillstand.
Foch: Frankreich lebt mit Deutschland nicht im Frieden; ich bin Sol- at, wo kein Fricke ist» ist Krieg, ein drittes gibt es nicht.
- Erzberger: Das dritte ist eben der Waffen- still st and. Tch selbst habe während des Krieges toiedcrholt durch deutsche (so'batcn Nachrichten von Bewohner Lilles über ihre Famtttenangehörigeu gelange» lassen. Man könnte doch wenigstens die Härten gegen die elsaß-lothringische» Bewohner dadurch milder», daß man die Postsperre aufhebt.
Foch: Lassen wir dieses Kapitel. Ich bleibe dabei, die Bilanz von Lille und Nockfrankreich würde nicht zu ihren Gunsten ansfallen. An dem Krieaszustand in Elsaß-Lothringen wird nichts geändert.
Erzberger: Das ist tief bedauerlich, denn hier müssen nur Unschuldige leiden, und dabei hat Frankreich u'cht einmal einen Vorteil davon.
Den nächsten Anlaß zu einer Wiederaufnahme der Aussprache gab die Stelle in Erzbergers Rede: „Deutschland wiw nicht der Finanzsklave der Alliierten."
Foch: Ich reif, e-3 zurück, daß der alliierte Fi- itanzkommiffar, der Vertreter der französischen Regierung, den Borlvurf des Dolschetoismus verdient.
Erzberger: Ich bringe nur Tatsachen. Tatsache ist, daß für den Fall der Annahme der fran- zösischen FiUanzbeduiguugen der Finnn'kommi.sar un? Verhältnissen aussetzt, deren Aehnlichkeit mit bolsche- wistlichen Zuständen nicht bestritten werden kann..
Foch: Wir haben in der Wasfenstittstandskommis- sion nur Kriegsfragen zu verhandeln, keine Rechtsfragen. ' .
Erzberger: Einverstanden! Die Angelegenheit ist eine Rechtsfrage, wir werden über die ganze Frage überhaupt nicht weiter verhandeln.
Zn dem Passus über die Notwendigkeit, die deutschen Kriegsgefangenen zurückzugeben, und auf die direkte Frage, wann auf die Rückgabe zu rechnen sei, erteilte Foch zunächst keine Antwort. Als er unmittelbar aus die in der Türkei befindlichen deutschen Gefangenen angesprochcn wird, wendet er sich an den englischen Admiral, der nach einem demonstrativen Schweigen endlich bemerkt: „Ich habe keine Antwort zu geben!" Dasselbe sagen seine beiden Be- gleitet.
Etzberger : Wenn ich keine Antwort erhalte vom Vertreter Englands, so muß ich annehmen, daß es schweigend zusieht, wie durch verbrecherischeTa- tenlosigkeit Deutsche in den Tod getrieben werden, durch eine Tatenlosigkeit, die schlimmer ist al? die Greuel gegen die Arm-nier. Deshalb muß ich darauf beharren, daß mir eine Antwort gegeben wird.
Foch: Ich werde die Sache prüfen. , Erzberger: Ich bin dankbar für diese Auskunft, aber sie ist ungenügend. Die Antwort muß erteilt werden in der Schisfahrtskommission, denn die Frage des Rücktransportes unserer Gefangenen ist uns ebenso wichtig, wie die Frage der Lebensmittelver- sorguug. Schisse sind genug vorhanden.
W kein« Gelegenheit mehr bestand, da« Geld zu Prrw» gandazweckcn nach Deutschland und andere» Lii» der» auszuführen.
Deutscher Protest gtgee die Umtriebe russisch«, volfchewistea. '
Berlin, 17. Ian. Di« Reichsregierung hat weg« der Unterstützung de« Spartakus-Aufruhr« durch di« russischen Bolschewist-n folgenden Protest an die rusti» che Regierung fünfen lassen: Die deutsche Äe» gierung legt gegen die unzulässige verbrecherifche Einmischung in innere Berbältniff« Deutschland« strengst« Verwahrung ein. Sie sieht zunächst davon aus diesem Grunde allen russischen Staatsangehörige», die sich bisher frei In Deutschland aufhalten, das gewahrte Gastrecht zu entziehen, wozu sie an sich berechtigt wäre. Sie will jedoch keine Zweif l darüber bestehen lassen, daß gegen alle Russen, die sich einer Unterstützung der aufriihrersscken Demegung schuldig gemacht haben ober noch in diesem Ginne tätig »erben, auf das schärfste vorgegang n wccken wird.