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MechjW ZÄmg

mtt dem Kreisblatt für die fttefle MarLmg und Kttchhaiu

Tägeszetiung für (das früher kurheffifchej Oberhessen

1919

GMes Blatt

I unmöglich werden. Der Grund, 'abinettSsitzungen unter Ausschluß der

der Re -vatum

Marburg

Montaq. 20 Janmr

In bett Bezirken Danzig und Königsberg traten in den letzten Tagen schwere Stockungen im Eisen, bahnbetrieb infolge des immer fühlbarer werben­de« Lokomotivenmangels ein. Die von der Ost­front, insbeonbere aus der Ukraine heimkehrenden Truppenteile können daher nicht, wie geplant, weitergeführt werden. Unter den schwierigsten Verhältnissen für die Truppen wie für die Bahnen mußten die Züge entladen oder abgestellt werden, größtenteils noch ehe der heimatliche Boden erreicht war. Nicht einmal der Seeweg ab Königsberg kann verwendet werden, um die Truppen nach dem Westen In ihre Heimatsorte zu bringen. Trotz des vielfachen Ersuchen» hat es den Westmächten bis heute nicht gefallen, den Küstenverkehr zuzulassen, der zu der Bewältigung des Eesamtverkehr» Deutschlands stets eine große Rolle spielte. Auch in den westlichen Bezirken ist der Lokomotioen- mangel so groß, daß Kohlenzüge, die im Bezirk Hannover stehen und in Berlin dringend nötig sind, nicht nach Berlin herangebracht werden kön­nen. Wie soll das weitergehen? Wie bekannt, stnd wir noch nicht am Ende der Abgaben an­gelangt.

Keine Aufhebung der Blockade.

Loudon, 18. Jan. Rueter erfährt, daß eine Anzahl von deutschen Kauffahrteischiffen jetzt m i t britischer Erlaubnis mit den skandinavi­schen Ländern handel treibt. Die Blockade wird trotz des starken Druckes gewisser Kreise noch nicht aufgehoben werden.

Fach über den Rhein al» Grenze.

London, 18. Ian. (Reuter.) In einer An­sprache an amerikanische Korrespondenten in Trier hotte Marschall Fach: Jetzt müssen wir einen Frie­den machen, der der Griffe unseres Sieges ent- fptifijt. Eine natürliche G-euze. die dis Zivili­sation schützen wird, ist der Rhein; an ihm müs­sen mir die Deutschen halten, Der Rhein ist die Friedensgarantie für alle Nationen, die ihr Blu! für die Sache der Freiheit vergossen haben. Wir denken nicht an einen Angriff gegen Deutschland oder an den Wiede-beginn des Krieges. Wer kann lagen, daß Deutschland, wo die demokratischen Ideen eines so jungen Datums und vielleicht ober« '-Schlich stnd, stch nicht schnell wieder von seiner Niederlage e'bolen ir»b H Wooken Ioh-en zum zweiten Male versuchen wird, uns zu zertrümmern. Solange der Zustand in Europa nicht geregelt ist, nerden wir zusammen darüber wachen, daß wir die Früchte unseres gemeinsamen Sieges nicht ver­lieren.

6oorl«te I« Mk.

Hamburg, 18. Jan. Heute abend zogen Spar­takisten und Unabhängige vor das Justizgebäude und' verlangten Herausgabe zweier Matrosen, die als An­führer der vor einigen Tagen in Wandsbeck verhafteteil 18 Spartakisten gefangen gehalten wurden, während die/ anderen bereits freigelassen sein sollen. Im Verlaufe" der Verhandlungen mit den Demonstranten erschiene« \ Mannschaften der Sicherheitswache auf einem Auto. ES wurden Maschlnengewehrschiisse abgegeben. Rach Angabe der Demonstranten sollen mehrere Personen von ihnen getötet und verwu>cket worden sein.

Hamburg, 17. Jan. Der Arbeiter- «nd ®o6e* tenrat gibt bekannt, daß der Beschluß, der zur Erllä« rung der Republik Cuxhaven führt«, rückgängig gemacht wird.

Breslau, 17. Jan. Um die Mittagszeit toutb# daS Wahlbüro der Demokratischen Partei gestürmt. Es wurde verwüstet, Plakate, Wahlaufrufe und Stimm­zettel wurden auf die Straße geworfen und unter Ge­johle verbrannt.

Halle, 18. Jan. Die unabhängigen Sozial­demokraten erzwangen heute unter Vergewalti­gung der Acheitswilligen auf den meisten Braun« kohlengruben der Bezirke Weißeniels, Zeitz, Bitter­feld und Oberröblingen einen allgemeinen Ausstand als Kundgebung für Liebknecht und Rosa Luxemburg und gegen Ebert-Scheidemann.

Bielefeld, 18. Jan. In einer von der Deutsch­nationalen Volkspartei auf dem Marktplatz zu Mine den veranstalteten Volksversammlung sollte Pfarre« Traub sprechen. Er wurde aber ba.^ von Soldaten und Zivilisten durch Johlen und Pfeifen unterbrochen. Dann stürmte eine Anzahl von ihnen in daS Hau», von dessen Balkon aus Traub sprach, und zog ihn in daS Zimmer. Die Versammlung konnte nicht zu Ende geführt werden, und Traub mußte auf Schleich­wege'' znm Bahnhof getestet werden.

D ü-ssteldorf, 18. Jan. Der Vollzugsrat verbot daS Erscheinen derDüsseldorfer Zeitung" und bei Düsftldorfer Tageblatts" auf eine Woche.

Der Anzetgenpret» beträgt für die »get». Zeile 10 4 ; amtliche, au«märttac| r 4 frnhrft u. Sammel-Rn». 43 4-* 10*/, Krieg«,undlaq. Reklame,eile 1 X. Feber Rabatt 1'^ vUhlH» gilt ata Varrabatt. Bei Auskunft but* die Teichäktsstelle u. Vermittlung der Angebote M 4 Sondergebühr. Postscheckkonto: Mr. SCI6 Amt Frankfurt a. M.

Oeffentlichkeit abgehalten werden, ist der der Beilegung von Meinungsverschiedenheiten und der Erzielung einer llebereinstimmung. Die Vertreter der verbündeten Nächte halten Besprechu»^» ab, um Fragen zu lösen, die die Leöensinteressen vieler Nationen, über die jetzt vielleicht viele auseinandergehende Ansichten haben, berühren. Bei diesen Beratungen ist nur durch den schwierigen Prozeß der Erzielung einer allgemeinen Uebereiustimmung zu einem Ergebnis zu gelange,.. Dieses würde aber verhindert werden, wenn die Be° sprechmig jeder strittigen Frage mit der öffentlichen Erklärung jeder einzelnen Delegation über ihren eige­nen nationalen Standpunkt beginnen würden. Es ist auch höchst wichtig, daß das Abkommen nicht nur gerecht ist, sondern rasch erzielt wird. Jede kriegführende Macht hat das Bedürfnis nach einem baldigen Frie- densschluß, um ihre Armeen zu demobilisieren, u. wieder zur Friedensarbeit zurückkchren zu können. Wenn die Verhandlungen der Friedenskonferenz vor­zeitig an die Oeffentlichkeit gegeben würden, so würden sie ohne Ende hin aus gezogen werden. Es wird nicht früher möglich sein, die Weisheit und Gerechtig­keit des Fricdcnsvertrages zu beurteilen, als bis er vollstchchig vorliegt. Vers richte Mitteilungen könnten

SusSäilt

Braunschweig, 18. Jan. Aks Zentrale bet Streikleitung ist dir Stadt Braunschweig bestimmt worden. Der Generalstreik für ganz Deutschland wird wahrscheinlich in die Tage vom 20. bis 25. Januar gelegt: er selbst sott ein bls zwei Tage dauern.

Leipzig, 18. Jan. Dir Morgenbi älter sind wieder erschienen. Aus der Darstellung der ,Leivz. N. Nachr." über die gestrigen Vorgänge geht hervor, daß der technische Betrieb und die Büroräume d«S Blat­tes von den Demonstranten beschädigt wurden. Tie Demonstranten ließen mit dem Kops derLeipz. R. Rache." ein Flugblatt drucken, in dem sie die Ermor­dung Liebknechts und der Rosa Luxemburg verurtei­len. Obwohl der Generalstreik erst für heute angesetzt ist, hatte sich schon gestern Nachmittag ba» Wasserwerk den Betrieb zeitweilig eing'stellt, so daß die Stadt ohne Wasser war. Eine Schar von Zivi­listen und Soldaten drang gestern Luch in die Wandel­halle der Universität ein, um die Studenten und Pro­fessoren auf Waffen zu untersuchen. Dem Rektor ge­lang es schließlich, die Demonstranten zu entfernen und vom A.- und S.-Rat eine Schutzwache z« erhalten. Um in den Besitz von Massen zu kommen, versuchte Freitag abend eine große Menge, in die Artillerie» kaserne einzudringen, wurde aber von Vertretern de» Arbeiter- und Soldatenrates noch im letzten Augen­blick daran gehindert.

Beuthen, 17. Jan. In der gestern und heute startgesundenen Sitzung zwischen den Arbeitgebern und -nehmern der oberschlesischen Gruben sowie dem berg« und hüttenmännischen Verein und dem Minister Hirsch bezüglich der von den Arbeitern geforderten 800 Mart Ent^uldungSzulagr wurde dieses Verlangen, da es i» Kiner We se begründet ish abgelehnt. Die Lnge- legenheit hll der Aroritsgememjchgft der indujtzriille».

Sie MdMkMmz. .

Keine volle Oeffentlichkeit der Verhandlungen.

Paris, 18. Jan. (Havas.) Der Präsident der Vereinigten Staakn, die Ministeryräsiden'en und Minister des Auswärtigen der verbündeten Staaten versammelten sich gestern im Ministerium des Aeußern. Die Versammlung beschloß. Belgien und Serbien drei Delegierte an der Konferenz zu bewilligen. Die Kon­ferenz nahm einstimmig folgende Mitteilungen an die Presse an:

Die Vertreter der verbündeten Mächte haben die verlangte Oeffentlichkeit der Arbeiten mit größter Sorg­falt geprüft. Es liegt auf der Hand, daß die Ber- össenllichungen über Die PräliminarLefprechungen, die letzt im Gange sind, Einschränkungen unterwor­fen sein müssen, die durch die schwierige und bei He Natur des Gegenstandes, den sie zum Ziele haben, not­wendig gemacht werden. Die Besprechungen der Groß- m&d)te weisen viel mehr Ähnlichkeit mit den Kabi­nettssitzungen als mit den Sitzungen einer ge­setzgebenden Körperschaft auf. Niemand hat jemals sorgeschlagen. daß die Kabinettssitzungen öffentlich sein sollen. Wenn dies geschähe, so würden die Arbeiten

IDieOberhess'sche Zeitung" erscheint sechsmal wöibentlich. Der Bezugspreis beträgt viertelt, durch die Poft (ohne Bestellaelv), 3.75 X. in der Stadt Mardura frei in« Haus 3.75, bet unseren Zeitungsstellen auf dem Lande 8,6 J X. Verlag von De. C. Httzer »th. Markt 21/23. Fernipr.5S.

deS Berufs oder des Glaubens sind beseitigt. Frei­heit der religiösen Ueberzeugung und die Ausübung bei Ueberzeugung ist festgesetzt. Alle Religionsgesellichaf- ten sind einander gleichgestellt. Heber die Auseinander­setzung zwischen Staat und Kirche wird ein Reichsgesetz die Grundsätze aufstellen, deren Durchführung Sache der deutschen Freistaaten ist. ;

Der Präsident des Reiches wird vom ganze» i Volke gewählt. Wählbar ist der, der das 35. Lebensjahr i vollendet hat und seit mindestens 10 Jahren Deut­scher ist. Der Präsident des Reiches hat das Reich zu vertreten. Er verkündet die Gesetze. KriegSerllä« rung und Friedensschluß erfolgt durch Reichsgesetz. Verträge mit fremden Staaten, die sich auf Gegenstände der Reichsgesetzgebung beziehen, bedürfen der Zustim­mung des Reichstages. Dem Präsidenten des Rei­ches steht die Exekutive zu. Er wird im Falle der Ver­hinderung durch den Präsidenten des Staatenhause^ jedoch längstens für drei Monate vertreten. Dann ist die Vertretung durch Gesetz neu zu regeln. Die Amts­zeit des Reichspräsidenten dauert sieben Jahre. Seine Wiederwahl ist zulässig. Die Reichsregierung besteht aus dem Reichskanzler und einer Anzahl von Reichs« ministern, die vom Reichspräsidenten ernannt werden. Sie ist dem Reichstag gegenüber verantwortlich. Jeder Reichsminister trägt die Verantwortung selbständig für sein Ressort.

$8$ Wommen non Trier.

Das Ni Trier neu getroffene Abkommen über Nte weitere Verlängerung des Waffenstillstands jgm eint» Monat bestimmt, daß die U-Boote, jtzie nicht abgeliefert werden können, unter Aufstcht von Kmmnifstonen der Verbündeten vollkommen 'zerftRrl »der ab gebaut werden muffen. Hebet Mr deutsche Handelsflotte wird be­stimmt: Am die Lebensmittelversorgung Deutsch- strrrds und des übrigen Europa stcherzustellen, wird die deutsche Regierung alle möglichen Maßnahmen treffen, m» während der Dauer des Waffenstill­stands« die ganze deutsche Handelsflotte der Kon. troll» «nd der Flagge der verbündeten Mächte »nd der Vereinigten Staaten unter Mit- wirkünG eines deutschen Delegierten zu unter­stellen. Diese, Vereinbarung greift in keiner Weiss der endgültigen Verfügung über diese Schiffe wt. Die Verbündeten und die Bereinigten Staaken filmten, falls sie dies für nötig erachten, die Bennmnung teilweise oder ganz ersetzen. Die aus diese Weise entlaffenen Offiziere und Schiffsmannschaften sollen nach Deutschland zurllck- öefvrdert »erben. Ein angemessen» von den Re- aieruvge» festzusetzende Enfchädigung soll Mr die Benutzung dieser Schiffe zugesprochen »erbe».

Der Zeitpunkt für die Ablieferung land­wirtschaftlicher Geräte wurde bis zum t I » kk hinausgefchoben. Ferner gelang es un- fern Unterhändlern durchzusetzen, daß keine be­stimmte Anzahl der abnilicfernden Ma­schine» im Vertrag urechruurgegeben wirb, sondern nur grundsätzlich festgesetzt ist, daß landwirifthafft ltche Maschinen abzuliefern si"d. Bis zum 1. März soll ein Trit'iif abaeliefert we den.

liefet die Notwendigkeit des Abschlusses bet Was fenf.kM<mds»erba"blunnen machte Staatssekretär Erz­berger derDeutschen Mg. Zeit-!." sollende Mitteilun je«: Aas hätte der Nichtabschlutz der Verlängerung des Waffenstillstandes bedenket? Die Lllederauf'-ahme von Kriegstzandkungen. Der tatsächlich rechllose Zustani' be§ lst-ikttheinischen Gebietes iväre auch auf das rechne Ufer anSgebebnt worden. Damit wäre auch das ganze rechtsrheinische Kohlengebiet in die Hand der Entenb zekoTnmen nnb für uns wertlos geworden. Ebenso wär.' die LifenSmittelversorgnng ganz Deutschlands dadurch in Frnge gestellt gewesen. Ferner härte dann die Blockade wieder in ^voller Schärfe eingesetzt, und es wäre Mnt Aussicht auf deren Milderung gewesen. Alles dies wären die landwirtschaftlichen Maschinen doch nicht wert. Der Gesamtwert der abzugebenden Maschinen beträgt 73 000000 Marh b. h. bei Lreferung kn fünf Monaten 500000 Mark den Tag. Der Geld­wert wär» nur der zehnte Teil des Wertes der ur sprü«glich geforderten 500 Lokomotiven und 19000 Waggons. Schließlich verzichtete Fach ans die scharfe Auffassung des französischen Finanziontrolleurs be­treffend b« Kontrolle aller deutschen Werte mit der Bemerkung, das sei nicht Gegenstand der Wasfeustilt- standsvechandlungeir.

Die Bedeutung der Abgabe landwirtschaftlicher Maschine«.

Magde'b-urg, 17. Jan. Zu bet in den neuen Waffenstillpandsbedingunge» geforderten Abgabe Ändioirtschaftlicher Maschinen wird derMagde- burgische» Zeitung" von einem sachverständigen Fachmann a. a. mitgeteilt, daß die 400 Dampft pflüge der weitaus grüßte Teil aller ber- fenigen ßnd, die überhaupt unserer Landwirt­schaft zmr Verfügung stehen. Die Jahresleistung eines Lampfpslnges ist auf mindestens 3500 Mor­gen $n Veranschlagen, so daß die deutsche Landwirt- sthaft Pk-tzlich vor der Notwendigkeit steht, 1400060 Morgen mit anderen Mitteln bear- ieitea -W müssen. Daran fehlt es aber voll- MudiA Bo« geradezu verheerender Wir­kung wärt dir Abgabe für den Kartoffelbau: denn die Frützjahrsarbeit der Dampfpflüge erstreckt sich fast ausschließlich auf die Vorbereitung der Kar- toffclknltvren. Deti» es nicht gelingt, diese Arbeit änderrveitig zu leisten, müsien wir damit rechnen, daß wenig mehr als ein Viertel der.Kartoffel­anbau fläche im Vorjahre bestellt werben kann.

Berlin, 17. Jan. Sowohl das Reichswirt- schsftsamt »ie das Reichsernährungsamt stehen *uf den, Standpunkt, daß die Erfüllung der For­derungen auf Auslieferung des Ackerbaugeräts den »eiligen Ruin der deutschen Landwirtschaft dnd bk organisatorische Vorbereitung schlimmster Hungersnot im ganzen Reiche bedeute. Bei et Kürze der Zeit, die die Westmächte für die Enk- kcheiduirg Ihrig gelassen haben, konnten die zustlln- n Siegerttniniftcr nicht gehört werden.

Die Folgen der Lvkomotiveuabgabe.

Berlin, 18. Jan. DieDeutsche Allg. Z-g." Ahg» >k Folgen der Lokomotivenabgabeu'.

Sit «m SritsierfiliiM.

Berlin, 18. Jan. Wie die8. Z a. M." ersÄirt besteht der Entwurf zue neuen Reichsversassung, den die Regierung der Nationalversammlung vorlegen wird, auS vier Abschnitten. Der erste Abschnitt behandelt daS Reich und die deutschen Freistaaten, der zweite die Grundrechte des deutschen Volkes, der dritte den Reichs- tag und der vierte den Reichspräsidenten und Die Reichsregierung. Im ersten Abschnitt heißt eS u. a. Das deutsche Reich besteht aus feinen bisherigen ®liebflaaten sowie aus Gebieten, deren Berölkerung kraft des Selbstbestimmungsrechtes Aus­nahme im Reich begehrt und durch Jkeichsgesetz aufgenommen wird. Paragraph lt besagt: Dem deut­schen Volke steht e$ frei, ohne Rücksicht auf die bis­herigen Landesgrenzen neue deutsche Freistaaten in­nerhalb des Reiches zu errichten, soweit die Skammes- art der Berölkerung, die wirtschaftlichen Verhältnisse und die geschichtlichen Beziehungen die Bildung solcher Staaten nahelegen. Neuerrichtete Freistaaten sollen mindesten» 2Millionen Einwohner umfassen. Die Bereinigung mehrerer Gliedstaaten zu einem neuen Freistaat geschieht durch SlaatSvertrag zwischen ihnen, der der Zustimmung der Volksvertretung und der Reichsregierung bedarf. Will sich die Bevölkerung eines Landestelle» aus dem bisherigen StaatSverbande loslösen, um sich mit einem oder mehreren anderen deutschen Freistaaten zu vereinigen oder um einen selb­ständigen Freistaat innerhalb deS Reiches zu bilden, so bedarf e» hierzu der Volksabstimmung.

Alle Deutschen sind vor dem Gesetz gleichberechtigt, all« Vorrechte od« Nachteile der Geburt, bei Staude»,

zu Mißverständnissen und Besorgnissen über die End­ergebnisse Anlaß geben, wozu «in wirklicher Grund besteht. Wenn die Vertreter der Großmächte ihre Auf- merksamkeit auf diese notwendigen Beschränkungen bet Oeffentlichkeit lenken, so unterschätzen sie andererseits nicht die Wichtigkeit bei der ungeheuren Aufgabe, der sie aegensbergestellt worben sind, die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen. Sie erkennen an, daß das Er­gebnis ihrer Bemühungen wertlos sein würde, wenn die ösfentliche Meinung ihm nicht zustimmte. Die Ver­treter der P r e s s e werden zu den Sitzungen der all­gemeinen Konferenz zu gelassen werden; aber bei notwendigen Gelegenheiten werden die Beratungen der Konferenz geheim abgehalten werden.

CKmenceae Vorsitzender.

Paris, 18. Jan. (Reuter.) Die Friedens­konferenz trat gestern nachmittag 3 Uhr zusammen. PoincarS hielt die Eröffnungsrede. Er führte u. a. aus:

Mögen sich diefenigen, die durch da« Schwert zn Grunde gegangen sind, nachdem sie bk Herrschaft durch da« Schwer» erstreb» hatten, selbst anklagen. Deutsch­land rooflte Belgien zerschmettern; England und Frank reich schwuren, e« zu retten. Japan griff bann au« Loyalität gegenüber England und in bet Erkenntnis bet Asien durch bi« Vorherrschaft bet Mittelmächte drohenben Gefahr zu ben Waffen. Italien weigerte sich vom ersten Augenblick, den deutschen Ehrgeiz zu be­günstigen. Rumänien kämpfte nur für die Verwirk­lichung seiner nationaten Einheit und mußte dann den Vertrag unterzeichnen, den die Konftrenz revidieven wird. Amerika, die Tochter Enroras. ist Übet den Jzean gekommen, um ihre Mutter bet Demütigung durch die Knechtschaft zu entreißen und die Zivilisation zu retten Rach Schilderung der Kreueltaten, die angeblich von ben Deutschen begangen worden sein sollen, sagte er: Neber die ganz« Erde hin ertönte das Klirren der abgestreiften Ketten. Die gefesielten Nationalitäten rkfen uns aus ber Tiefe ihre« hundertjährigen Kerkers um Hilfe. So wird ber Krieg In des Mortes vollster Bedeutung zum K'tenzzug bet MsrHchheit für das Recht Wenn etwas uns zum Teil für bie Verluste, bie wir erlitten haben, trösten kann, so ist es b~r Gedanke daß unser Sieg auch ber Sieg des Rechtes ist. Die Soli­darität. die uns während bro Krieges einte und uns mm Erfolgs unserer Waffen verhalf, muß während der Verbandlungm und noch b-r Unterre'chming des Ver­trages noffftnnbia weiterbestehen ?*e hier Anwesen­den werben gemäß bet 14 Punkte Wilsons, die bk ver bsindeten Großmächte angenommen haben, einen allge­meinen Bunb betBSlket auftichkn, bet die höclrst Vürgfchast gegen neue Anschläge auf das Völkerrecht fein wird. Es sind auf den Tag genau 48 Fabre seit dem 18. 1. 1871 verflogen, seitdem das d-'-tsch« Kaiser­reich von den einqedrungenen He-ren im Schlöße zu Sier- iaillev proklamiert wurde. Durch ben Raub von »wei ^kranzösttchen Provinzen forbette es seine erste Anerken­nung. Die Staaten sinb b*er verkamm-lt. um dos von 'mt angerichtete Unheil zu beseitigen unb besten W der lehr zu verhindern. Sie halten in Ihren Händen das Schicksal bet Welt. Ich vberlasft Sie. meine Herren. Ihren gewichtigen Beratungen unb erkläre bie Kons« renz von Vari» für eröffnet.

Dann schlug Wilson die Wahl Clömenceaus als lländ'gen Präsidenten der Konferenz vor. Lloyd George und Sonnino unterftilRten diesen Vor­schlag. ClMenceau wurde einstimmig gewählt Ck^menceau nahm bie Wahl mit Dank an unb bat um schnelle Erledigung des Friedensprogramms Er sagte weiter, er habe zwei Juristen wegen der strafrechtlichen Verantwortlichkeit des früheren Kaisers befragt unb werbe jedem der Vertreter eine Abschrift des Gutachtens zustellen.