1C Mtmig
Nr. 13
Donnerstag, 16. Januar 1919
He toWt« SehmmM'ite«.
eignet gegen Sch«! bemann und Noskr.
München, 14. Zan. Eine Sitzung der Ar- deiler-, Soldaten- und Bauernräte befaße sich Mit der Frage der Einigung 'zwischen den Meh'cheits soziatisten und den Unabhängigen. Der Tagung njaren Richtlinien für die Einigung vorgelegt Worten, in denen u. et. die verfassungsmäßige Ein- gliederung der A.-, S.- und B.-Räle in den Aufbau der Republik, die rascheste Beseitigung der kapitalistischen Privatmonopole und die Enteignung des Grundbesitzes verlangt wurde. Eisner erklärte, daß die sozialistischen Massen fetzt reis seien für die Einigung, nachdem die Spal- tun^griinde weggefallen seien. Er veru-thlte >i- Spa-lnkusbewegnng, bezeichnete aber auch das Re- giinent Noskes als ebenso czefährtich als eine bol- schewilltsche Regierung. Die Richtlinien, die die Einigung der sozialdemokratischen Parteien vor- sehen, wurden mit übergroßer Mehrheit angenommen, ebenso eine Entschließung des Unabhängigen Schröder, die lautet: „Die Tagung verlangt sofortig« Einstellung des Bruderkampfes in Berlin. Sie brandmarkt die Bewaffnung der Bou^acoisie gegen die Proletarier. Die sozialistische Einbeitsfront aller revolutionären Proletarier ist das Gebot bc’ Stunde. Die Verwirklichung des Sozialismus und die mangelnde Initiative der gegenwärtigen Regierung in Berlin, unter der selbst ein Ludendorsf ;t5 wagen kann, nach Deustchland zurückzukehren, erheischt unbedingt eine 'Reubildung der Regierung. bei der alle sozialistischen Parteien vertreten sein müssen." Schröder wandte sich scharf gegen die Ecwaltmaßnahmen Rostes bei der llnrerdrückung des Berliner Svartakus-Aufstandes. Es fei Gegenrevolution, in Berlin Offniere und Studenten zu bewaffnen. Die Ruhe in Berlin sei nur vorübergehende Grabesruhe, ihr werde der ne« erwachende Bruderkampf folgen. Eisner erklärte, daß er nicht als Mitglied der Legierung, sondern als Parteigenosse spreche. Seine Ausführungen waren ein scharfer Vorstoß gegen die Regier« n g Scheide- mann-Noske. Wenn eine sozialistische Regierung stch nicht mit anderen Rütteln behaupten könne wie in Berlin, bann müsse sie fort. Der Leiter der seligen militärischen Organe in Berlin fei ein ehemaliger Vertrauter des Admirals von Tirpitz, ein Alldeutscher. In Berlin werde nich‘ noch sachlichen, gemeinsamen Interessen gebandelt sondern nach persönlichen Momenten. (Zurufe: JpabcH die Spartakisten mit Knallerbsen gemorst»?") Aber die Spartakisten sind nicht diejenigen, die den Anfang gemacht haben Auch ich bin entschlossen, die Ordnung aufrechtzuerhalten, wenn aber Gewalt notwendig ist. dann überlebe ich den Tag nicht als Ministerpräsident. Dann soll es ineinetwegen eine bürgerliche Regierung machen. Ich will nicht eine Macht mit Bomben «nd Granaten. Es wurde darauf ein Zusatzantrag
eingebracht, der die terroristischen Kampfmittel der Spartakisten verurteilt. — Eisners Partei, die Unabhängigen, haben bei den Wahlen in Bayern und Württemberg völlig Fiasko gemacht, und im Reiche scheint ihnen dasselbe zu drohen. Da rufen die Unabhängigen nun nach Einigung mit den V'chrheitssozialisten, um wieder eine größere Basis zu bekommen.
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I'k Mmch tlOü Riss.
Der Schmack von Warschau, wo sich deutsche Truv- hen von einer Urnen Anzahl Postn entwaffnen und Millionenwerte schmä^stch im Stich l'eßen, ist b*e ^mmach von Riga gefolgt. Weitere wird vermutlich nicht au?bleiben.' In dem Drang nach ^anse haben die do,-t'chen Truvven da? deutsche Riga (mittlerweile auch M'tau) den boUchewistischen Banden preisgeae^en und lassen die Gefahr für Ostvreußen immer größer werden. Aus einem Bericht der „Bost. Zta." aus Mitau gebt hervor, daß d'e bolschewistischen Banden 'hre Bewaffnung durch einfaches Sammeln der weg» aeworjenen deutschen Waffen in den um» stegenden Wägern verstärken. Es heißt weiter: Dst stnfähigkeit der deutschen leidenden Stellen und die zersetzende Disziplinlosigkeit der nach «Hause stmbenden Soldaten haben dem Bolschewismus ^en wichtigsten Stützpunkt des deutschen Rückzuges der bei oroanisiertem W'derstande nach allgemeinem militärischem Urteil mit Leichtigkeit durch wenige Truppen hätte gehalten werden können, in einer geradezu schmachvollen Weite fast widerstandslos in d'e Hände gespielt. Nutzlos ist deutsches Blut, sind deutsche Mil'ionenwerte hingeopsert worden. Der H^auvtanoriss der lettischen Bolschewisten richtete sich gegen das Provianthaus, wobei es äußerst deftige Kämpfe gab. Mit Mas-fsinenoe^ehren und Handgranaten verteidigte sich eine kleine Schar tapferer Mldgrau-n bis zum 3. Januar abends. Die Letten 'ählten hier ibre Toten und Verwundeten nach Hunderten, Männer und Frauen. Aber schließlich mußten unsere Feldgrauen, b»e von dem grössten Tev ihrer Kam-raden schmählich im Stich'gelassen worden waren, der ungeheuren llebermacht weichen. Bon allen Seiten, aus den Fenstern und von den Balkons, wurden unsere Feldgrauen beschossen — mit deut scheu Gewehren und deutscher Munition. Unsere armen Verwundeten mußten ohne jede ärztliche Hilfe der grausamen Rache des Pöbels überlasten werden. Zwei Offiziere fand man mit aufoeschlihtem Bauch und verblutet in dunklen Hausgängen auf Während des ganzen 2. Januars durchzogen noch deutsche Truppen mit Artillerie und Maschinengewehren die Stadt, ohne aber in die Kämpfe einzugreife noderihrenKameradenzu Hilfe zu kommen. Falls es den Bolschewisten tatsächlich gelingen sollte, die deutschen St-llungen zu überrennen, so wird Ostpreußen zuerst den Ansturm aus- zuhaltcn haben. Dann dürste es aber auch zu spät fein, den Grenzschutz zu organisieren.
Die Lm in Mn.
Berlin, 14. Jan. Rach den Abendblättern versuchten Spartakisten in der vergangenen Nacht die Franzerkaserne durch Gasbomben aus-
Nachdruck verboten.
Entweihte Kunst.
Ronian von Reinhold O r t m a n u.
15) (Fortsetzung.)
„<$r ist also noch immer derselbe geblieben! Wie glücklich es mich macht, das zu hören! tlnd auch Dich. Kara — nicht wahr? — Oder ist meine Schwester gar- nicht »ehr bei uns?"
Die Frage war begreiflich; dem» Nora hatte bisher kaum ein Zeichen ihrer Anwesenheit gegeben. Nun wandte Hubert unwillkürlich seinen Blick auf sie, um Wit klekerraichung rvahrzunehmen, daß sie mit hochge- reteteu Wangen und leuchtenden Augen dasaß wie Jemand, dem eben eine in hohem Maße beglückende Botschaft zu teil geworden ist. In der Tat hatte sie in Klüger Seldstvergesienhcit die Worte fast von Huberts »!ppen getrunken, und die freudige Spannung in ihren Züge« »ar nicht minb:r verräterisch gewesen als cs jetzt ihre anmutige Verwirrung und ihre offenkundige Ratlosigkeit war, was sie auf ihres Bruders Frage anttvorten solle. \
„Ja, Guido — ich bin noch hier", sagte sie mit sehr unsicher klingender Stimme. „Aber soll ich dir nicht vielleicht eine Decke aus dem Haufe holen? Ich fürchte, rs ist hier auf der Terrasse für dich zu lühl."
„Ja, liebes Kind, das solltest du tun", kam Edith der E:m!>»-rung tbr-’s Stiefsohnes zuvor. Sie hatte b;c Qiitnutsfalte aus der Stirn ihres Bruders gesehen und den sinfteren Blick, den er bald auf den beredten Maler bald auf die andächtig lauschende Nora gerichtet hatte. Und sie war in schwesterlicher Willtöbrigk it imm-r bereit. auch seine unausgesprochenen Wünsche zu erfüllen.
Guido wollte vielleicht protestieren; ab:t er vergaß <s, als rm nämlichen Augenblick der Klang eines wohlbekannten, leichten Schrittes sein Ohr erreichte, und ihm noch früher als den Anderen Margaretens Rückkehr verriet. M»nn er sich jedoch darauf gefreut batte, sie wie- bci in feiner Nähe zu wissen, so fühlte er sich rasch genug rnttäu-cht. denn sie war nicht in der Absicht gekommen, hier su r-rmeilen.
„Der Vater möchte dich sehen, Hubert! Willst du mir Sesiatten. dich zu ihm zu führen?"
Der junge Maler sah fragend zu Frau Edith hinüber und sie nickte ihm mit einem schelmischen Lächeln zu.
„Gehen Sie nur. Herr Buchner! Für eine halbe Stunde will ich Ihnen großmütig Urlaub erteilen. Und wenn es Ihnen gelingt, unfern verehrten Herrn Pro- f sior in recht gute Laune zu versetzen, dürfen Sie sich eine besondere Belohnung ausbitten.“
Schweigend gingen Hubert und Margarete durch einige der saalartigen Gemächer im Erdgeschoß des Schlosses. Dann betraten sie einen langen, schmalen, ebenfalls mit Bildern und anderen Kunstwerken ange- füllhn Gang, an dessen äußerstem Ende der Fuß einer schmalen Wendeltreppe sichtbar wurde. Und hier blieb das junge Mädchen stehen, um mit zitternder Stimme zu sagen:
„Mein Vater ist krank, Hubert! Und ich bitte dich von Herzen, Rücksicht darauf zu nehmen, wenn sein Benehmen dir befr mdlich erscheinen sollte."
„Krank?" gab er betroffen zurück. „Aber davon war doch bisher hier noch mit keinem Worte die Rede."
„Es weiß es auch niemand außer mir. Und nic- "'and soll es wissen. Seine Krankheit ist keine körperliche, obwohl er auch äußerlich von Tag zu Tag mehr vmfällt. Er ist krank in der Seele, und gerade das ist es, was mich seit einigen Tagen mit so verzweifelter Angst erfüllt."
„Aber wenn es so ist, warum gestattest du ihm bann zu arbeiten? Es kann ja nur etn Ü bermaß von Tätigkeit gewesen sein, das ihn krank gemacht bat. Und es gibt in solchem Falle kein anderes Heilmittel als Ausspannung und absolute Ruhe."
Traurig schüttelte Margarete d-n Kopf.
„Glaubst du. daß er sich tn dieser Hinsicht von mir Vorschriften machm läßt? Ich habe ja Überhaupt jeden Einfluß auf ihn verloren."
„So muß unverzüglich ein Arzt zu Rate gezog-n werden. Er w'rrd gewiß ein Mittel finden, den Meister seinen Weisungen gefügig zu machen."
„Ach nein! Mein Vater würde außer sich geraten, wenn ich hinter Einern Rückm derartiges versuchte. Er will ja nicht krank sein. Auch die kesseste Hindeutung auf seinen Zustand versei-.t ihn in maßlose Erregung. Und in solchen Augenblicken fürchte ich immer das Schlimmste."
„Aber irgend etwas muß doch geschehen. Wir dürfen nicht dulden, daß er in sinnlos'! Selbstvernichtung seine Kräfte aufreibt. Seine nervöse Reizbarkeit fiel mir ja schon bei meiner Rückkehr schmerzlich auf. Aber ich ahnte nicht, daß es so schlimm sei. wie ich jetzt nach
zuräuchern, wurden aber durch die Soldaten, die ich mit Gasmasken versehen hatten, nach einstün- digem Gefecht vertrieben. Ein Nachtangriff der Spartakisten von den Dächern der am Halleschen Tor (telegenen Gebäude wurde von den Wachmannschaften unter Zuhilfenahme von Leucht- rafeten abgewiesen. Nach einem Bericht des „Ber- ttner Tageblattes" wurden gestern bei der Durchsuchung des Hauses Liebknechts dessen Frau, ein Sohn, eine Tochter und das Dienstmädchen verhaftet, aber sväker wieder freigelassen. Die Durchsuchung der- Wohnung soll ein zum Teil sehr wichtiges, Liebknecht schwer belastendes Material ergeben haben.
Wie die „B. Z. am Mittag" berichtet, ergab sich bei den Vernehrnungen derlei den Spartakus- Unruhen Inhaftierten ein trübes Bild der Beweggründe, die die Einzelnen veranlaßten, sich in den Dienst der Spartakisten zu stellen. Die Mehrzahl will durch Zusicherung eines Lohnes von 15 durch Liebknecht und feine Helfershelfer verführt worden fein; nur einige wenige Fanatische berufen sich auf ihre politische ireheneugung. Stark hervor tritt das Element von 16jährigen mit dem Eisernen Kreuz und Verwundetenabzeichen. Ein Sobn achtbarer Eltern meldete sich zu Eichhorns Garde, um in den Besitz einer ParabellunrrPistole ’.u kommen; ein jugendlicher Kaufmann machte mit, „um sich die Sache einmal anzusehen", und ein 17iähriger bediente bis zuletzt ein Maschi'.en- aewohr, „weil es ihm kolossalen Spaß machte".
Der Z-ntraGorstanb der Unabbrmmmm fordert die Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit auf.
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Marburg unk UmgegeiÄk«
Marburg. IG. Januar.
• Deusscke Dem'lratische Partei. Zum Dorteq d'S Herrn Vürn-rmeisters Luppe- Frankfurt hatte sich fast hie glsiche Anzahl Hörer eingefunden wie zu den vorhergehenden Versammlungen der Deutschen Demokratischen Partei. Nach Herrn Stumpf, der die Versammlung eröffnete, behandelte der Redner des Abends die Frage, ob auch ohne die Revolution die Republik 'ustande gekommen wäre und führte «ine Reih« von TallachOl an. durck di' fene naturgemäß hätte ersolaen müssen. Er streifte dabei auch das Fiasko des Hilfs- dienstgefetzes und erläuterte diesig durck» ein Beifpiel: Bei einer Aurtckmibung von 1100 Arhettern im en nur “1 Leute tatsiichlick zu den betrett-nden Betrieben "auglich g wefen. Als weitere Tatsachen wurde die Tagt» nach dem goldenen Kalb. Lehensmittelnot, hohe Löhne angeführt. Die staatliche Autorität fei> eben untergraben worden, weil fid» niemand darum bekümmert habt. Das Volk Rabe sich schließlich gegen d?e g-- ■renbet, die ihre vertröstenden Rrovhezeiunaen nicht gehalten hätten. Als wichtige Auf-mb« bezeichnete der '"«dner die Zenttasisi"rii''g der Clinelstactten. Herr Oupne entwickelte dann die einzeln n Punkte des von der T>eutto”n Demokratischen Partei ausgestellten Bra- tramm-s und wies auf die Takt'k anderer bürgerlichen Varteien bin, deren Redner häufig das Gegenteil von d'm beboul'teten, was in den von diesen Varteien hcrausge^chRten Flugblättern stehe. Auck» weiche uron dort vielfach der Kernfrage der Listenverbinbung aus.
deinen Worten befürchten muß. Traten denn noch andere Svmvtorne eines Gemüts leidens zu Tage?"
Margarete zöaett« mit der Antwort. Der aevreßte ^lauq ihrer Rede hotte von vornherein deutlich be- wissen. wie schwer es ihr aeworden war, sich Hubert an- ruvertrauen, und auch seine warme Teilnahme, an hr-rm Anfrichtigk-It sie waRrlich nicht zweifeln konnte, schien ihre widerkttehende Scheu nicht zu vermindern.
„Ich kann dir leider nickt alles lagen, Hubert, was ich zu meinem grenzenlosen Kummer wahraenommen habe", sagte sie endlick. ohne die Augen zu ihm zu erheben. „Und ich versuchte ja auch nock immer, mich damit zu trösten, daß es vorüber gehen werde. Seit gestern erst fange ich an, an dieser Hoffnung zu verzweifeln."
„Und was ist gestern geschehen? Ich möchte ja so gern« raten und helfen. Aber wie könnte ich auck nur einen Versuch dazu macken, mmn du Bedenken trägst, mir dein ganzes Vertrauen zu schenken?"
„Es war spät am Almud — kurz vor Mitternacht“, "mahlte sie leite, fast flüsiernd. „Ich hatte m;t dem Vater oben auf seinem Zimmer gegssen. da er sich ent. 'chieden weigerte, an der gemeinlchaftlicken Tafel unten i,n Speisesaol zu erscheinen, und er hatte mich friib- zettiq in mein Scklafgemach geschickt, das unmittelbar n den dem (einigen liegt. Aber ich kennte nicht icklaken, weil seine Sckwetgiamkett und se«n verstörtes Aussehen mich mit quälender Sorge ersüllteu. Und fein ruheloses llmherwandern verriet mir, daß er auch nach .Verlauf von Stunden noch nicht daran gedacht hatte, fein Lager aufzusuchen. Dann, gegen Mitternacht. hörte ich das Zufallen feiner Tür und alles war still. Ein« Viertelstunde und ein« zweite wartete ich in wachsender Angst auf feine Wiederkehr. Dann litt es mich nickt länger in meiner Stube, und geleitet von einer und stimmten Ahnung, wo ich ihn finden würde, schlick ick mich zu der Turm-tsialleri« hinüber, wo er des Nordlichts wegen fein Atelier aufgeicklagen hat. Und meine Vermutung batte mich nickt httrog-n. Ein t'ichsschimmer siel durck die Tür. die er nickt vollständig hinter sich geschloßen batte. Und bei bem Sdie’n keiner mitgenommenen Kerze fah ich meinen armen Vater vor irm einen der Bilder, mit de^en Restaurierung er beschäftigt ist. auf dem Mrich liegen, das Gesicht in den Händen verborgen und wie von furchtbaren körperlichen Schmerzen geschüttelt. In der Meinung, et sei
Der Redner wirst im weiteren Verlauf seiner Störte« ruugen noch einige Streiflichter auf die bebrobte wirt» lchaftliche Zukunst durch die besser gestellte Konkurrenz« ähigkeit b?s Auslandes, ber nur durch treue Pflicht» erfüllung eines jeden einzelnen im neuen Staate ev> folgreich cntgcgengcheten werden könne. Am Schluss« orderte der Redner auf, der Deutschen Demokratische« Partei beizutveteil. In der bet mit großem Beifall aufgenommenen Rebe folgenden Aussprache appellierte eine Rednerin an die Würdigung bot Ideale bet Frau, die aber in vielen, vielen Fällen nicht nut Idealistin ei, sondern auch praktisch viel zu bieten vermöchte, man könne sich nicht mehr den Luxus gönnen, die Inttlligenz der niederen Stände verkümmern zu lassen. (Großer Beifall.) Ein sozialdemokratischer Redner be. . grüßte die sachlichen Angriffe gegen seine Partei durch, den Hauptredner. Ein kleines Wortgefecht enlliwnn ich im weiteren über die Auffassung des Ausdruckes „Proletariat“ und „bürgerlich“, das zum Teil einen humorvollen Klang annahm. Nicht einverstanden erklären konnten stch Herr Stumpf und andere Anwesende mit der Art, in der Herr Strack- B c l l a ch i n i junior feine an sich von bet Partei zu unterschreibenden Ausführungen vorbrachte und den Zwischenrufen begegnete. Eine weitere Zurückweisung erfuhr Prof. Strecker, weil er Angriffe auf den Redner des Vorabends, Oberbürgermeister Koch, in dessen Abwesenheit richtete. Herr Sonnenschein entwickelte den Standpunkt, den die Deutschnationale Volkspartei zur Frage ber Trennung von Staat und Kirche- einnehme. Ein sozialdemokratischer Redner wendete sich gen en die Taktik bet R ebner ber Deutsch« nationalen Volkspartei in ben Aussprachen. Hebet dsisc Taktik verbreitete sich nach ihm Studienrat Weichelt und strickt bas Bedauern aus. „diese Partei zu ernst genommen zu haben“. Im Schlußwort bankte Herr Stumps Herrn Luppe für seine belehrenden und aufklärenden mit ungeteiltem Beifall aufgennmmenen Ausfühtunaen.
• Die Papiergarn-Industri«. Vom Reichsamt für die wirtschaftliche Dewnhilmachunq wird uns aefihrie» ben, daß es bei bem Mangel an Faserstoff die Ta tritt* garn-Inbustrie, in bet 10 000 Arbeiter Beschäftigung gesunben haben, nach roi vor weiht geförbert und die ‘■Betriebe anttecht erhalten werden sollen. Anfronen sind zu tickten an den Kriegsaitsickuß für Textilersatz- stofse, Berlin W. 8, Unter ben Linden 34.
Theater Konzerte Vertawwlunqen «fw.
* Politische Versammlungen. Heute abend strickt im Turnergarten Div.-Psarrer Günther sDeutfchr Volkspartei), morgenDr. Dessauer-Frankfurt a.M. sZentruml. H-ute abend 8 Uhr findet in den Stadtsälen eine von ber sozialdemokratischen Partei einbertifcne Wäblcrrmrsamrnlunq statt, in ber Redakteur Alt» meyer- Frankfurt reden wird. Morgen fvricht in den Stndssälen Studienrat Weickelt über „Demokratische Weltanickanung". Siehe den Anzeigenteil ber’gefktgen und heuigen Ausgabe. ,
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UnpoNMSre Z'ayernachrichie».
Explestonsunglück in Ostende. A m st e r d a m, 15. Jan. Aus Ostende wird gemeldet, baß bas ehemalige beutfche Munitionsbevat beim Leuchtturm in die Lust geflogen sei. Bier Personen würben getötet, 23 verwundet. Zwei Personen werden vermißt. Der Ma- kcrialschaden ist groß.
von einem plötzlichen Unwohllein befallen, eilte ich, zu Tobe erschrocken, auf ihn zu. Aber ich hatte nicht gut daran getan. Denn sobald er meine Anwesenheit wahrgenommen, fuhr er wieder empor und starrte mich an mit einem Blick, den ich bis an das Ende meines Lebens nicht vergessen werde. Er rief mir etwas zu, da, ich nicht verstand — etwas, wie eine zornige Drohung. Aber ich bin sicher, daß er mick garnicht et» kamtt Hatte. Demi als ich nun. seiner Abwehr unge» achtet, meinen Arm um seinen Nacken schlang und ihn mit zärtlichen Worten anr dete, ließ er plötzlich den Kopf auf meine Schulter finken und meint« wie ein Kind. Mit Mühe brachte ich ihn dahin, mit mir in fein Schlafzimmer zurückzukehren. Und ick verließ ihn nicht eher, als bis et mit Hilst eines Medikaments, ohne das er feit Langem nicht mehr auskommt, endlich eingeschlummert war."
Tief erschüttert hatte Hubert ihrer Erzählung gelauscht. Was er da ersthr, konnte ihm allerdings kaum noch einen Zweifel darüber lassen, daß der Zustand seines alten Lehrers ein in hol,em Maße b denklicher war und baß rasches Eingreifen nottat, wenn einet verhängnisvollen Katastrophe vorgebeugf w«rd"n sollte.
„Wir müssen ein Mittel finden, den Meister zur Unterbrechung seiner anstr-rngenden Tätigkeit zu bewegen“, erklärte er. „es koste, was es wolle. — Aber laß uns jetzt vor allem zu ihm gehen, Margarete- Vielleicht zeigt fich mir während dieser Begegnung ein Weg, auf dem mit zum Ziele gelangen können. Und ich werde ihn natürlich nicht ahnen lassen, daß wir uns gewissermaßen im Einverständnis gegen ihn befinden. Sei überzeugt, daß es nicht meine Unvorsichtigkeit sein soll, an ber unser Vorhaben fdr itert.“
Ohne ein Wort der Erwiderung, aber mit einet Miene, deren tiefe Niedergeschlagenheit deutlich genug bewies, wie geringe Hoffnungen sie auf den Erfolg seiner Bemühungen setzte, führte ihn das junge Mäd chen bis an das Ende des Ganges und die schmal« Wendelttevpe hinauf.
„Da drinnen ist et“, sagte fie, auf eine kleine, niedrige Tür in ber fußdicken, wahrhaft cklovsscheil Mauer deutend. „Aber noch einmal bitte ick dich von ganzem Herzen, feine armen, überreizten Nerven Jtt schonen."
4- ■ (Fortsetzung folgt)
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Sede Frau muh ihr Wahlrecht ausüben I
Unkundige und Gleichgültige klare man auf über die
Dotwendiakeit jeder einzelnen Stimme.