Kwkites Mlatk
Nr. 10
Montag, 13. Januar 1919
Anfrnf §«r Gru«d«ng rmer Marburger Uslk»Mchr,
1, ll<ii Leben und Sicherheit des Eigentums zu gewährleisten und den geordneten Verlauf der Wahlen zu den National-Versammlungen zu garantieren, wird in Marburg eine Volkswehr gegriindst. Ihre Mitglieder verpflichten sich durch Handschlag, jede ordnungsmäßige Regierung, die auf demokratischer Grundlage steht, zu unterstützen und Gegenrevolutionen am Orte von rechts und links zu verhindern, um die Errungenschaften der Revolution zu sichern.
x. Der Eintritt in die Volkswehr ist freiwillig, jedoch verpflichtet sich jeder Eintretende für mindestens 6 Wochen, vorbehaltlich einer früheren Auflösung der Volkswehr.
ß. Mitglieder der Volkswehr erhalten keinerlei Vergütung, jedoch an Wachttagen freie Abend- i kost und Morgenkaffee, die von der Stadt zu liefern sind.
4, Die Volkswehr wird bewaffnet vom Jäger- Bataillon.
i. Die Volkswehr steht unter der Leituüg eines von ihr zu wählenden Führers, dem ein Mitglied des A.- und S.-Rates beigeordnet wird. Befehle können von hem Führer nur im Einvernehmen mit dein Mitglied des A.- und S.- Rates gegeben werden.
S. Die Volkswehr arbeitet im Einvernehmen mit der städtischen Polizei.
f. Ausgenommen wird jeder mit der Waffe Ausgebildete, der seinen Wohnsitz in Marburg hat, sich den Anstrengungen des Wachdienstes ge- waMen fühlt und sich ausreichend legitimieren kann.
I, Die Stärke der Wachen wird nach der Zahl der Mitglieder der Volkswehr so eingerichtet, daß jeder etwa am 8. oder 10. Tage eine Wache zu leiste« hat.
I. Die Volkswehr wird von dem A.- und S.-Rat aufgelöst, sobald Ruhe und Ordnung gewährleistet erscheinen.
Anmeldungen werden von Montag ab in dem Geschäftszimmer des Marburger A.- und S.-Rates, Neue Kaserne Zimmer 81, vormittags von 9—12 lltb nachmittags von 3—6 entgegengenommen.
Rur Handeln kann jetzt helfen. Jeder Marburger beweise, daß er zu handeln versteht und tret: der Volkswehr bei.
Die Ereignisse in Vertin und die Ereignisse im Reich machen die sofortige Aufstellung einer Bürgerwehr unbedingt notwendig, falls der Marburger Liirgerfchaft an der Sicherung der Wahl, dem Schutze ihres Eigentums unb der Aufrechterhaltung bec Ruhe gelegen ist. Die Polizei allein vermag für die geordnete Durchführung der Wahl keine Gewähr z« übernehmen. Die Zeit drängt. Die Amnelvungslisten werden Mittwoch den 15. d. M., । mittags, abgeschlossen. Die Volkswehr versammelt ßch zur Besprechung alles Näheren am Mittwoch, !»bends 8% Uhr, im Turnergarten.
Der Marburger Arbeiter- und Soldatenrat: Abel. Blaufnß. Fischer. Jäckel. Meier. Poersch. Rink. Rose. Rösler. Schmidt. Specht. Steuber.
Strafen. Troeltsch. Weber. Wulf.
Rach Eintreffen der erwartete» Ladung Papier ist es jetzt möglich, die Beschränkung des Umfanges dajetre Zeitung wieder aukzuhcben.
Nachdruck verboten.
Entweihte Kunst.
Roman von Reinhold Ortmann.
' ti) (Fortsetzung.)
Sie tttrt rasch einen Schritt zurück, als würde sie stht erst inne, daß er etrvas Herausforderndes in ihrem Bruehmen argwöhnen könnte:
i ..Natürlich sind Sie zu höflich, um sich zu berich- Ü8en", fiel sie ihm in die Rede. „Und darum wollen wir für jetzt «id)t weiter davon reden. — Da — sehen btc dl-fs Eva, Herr Buchner! Sie ist von Peter Vischer , dem Jüngeren. Und mein Mann war überglücklich, als l ibm diese Erwerbung gelang."
| Tie reichte ihm die zierliche Bronzestatuetre, die sie j •Ci: einem Schränkchrn genommen hatte, damit er sie i betrachten könne. Aber infolge einer unge- > Wcktru Bewegung Huberts geschah es, daß sie zu Boden ' fkt, und es war nur natürlich, daß sie sich beide gleich- j 9titig darnach bückten. Frau Ediths duftendes Haar weifte Wange des Malers, und seine Finger, die . der Statuette greisen wollten, erfaßten statt ihrer ^<ine iscrche, lebenswarme Frauenhand. Als sie sich miedc: aufrichteten, waren sie beide sehr rot geworden, ' •ud F»as van Varndal stellt« das Figürchen an seinen Platz zurück, ohne daß ein Wort zwischen ihnm gesprochen wurde. Schweigend öffnete sie die Tür des Nebsn- Seniack^s. Und ihre Stimme klang merkwürdig besangen, als sie nach einer Weil» in ihren Erläuterun- fortftchr.
„Dies ist ein zweifellos echter Luca Signorelli — •nd die kleine Kreuzabnahme hier ist von van Eyck, •«, wen« ich nicht irre, auch Hubert hieß wi« Sie. — »ber finde» Sie nicht, daß es hier drinnen beinahe un- ^ErLzl'ch schwül und dumpfig ist? Lasten Sie uns einen , ^.zrntlick auf den Altan hinaustreten. So töricht es Anen verkommen mag — ich habe mich noch immer > dicht an de«. Aufenthalt in diesen Räumen gewöhnen Hätte ichs nicht in den ersten Wochen unserer 7*®. bei «*et*rm Manne durchgesetzt, mir wenigstens
?^u»»chen ganz nach meinem Gefallen einrichten
Schafft Arbeit.
Vom A- und S.-Nat wird uns geschrieben:
Die schwerste Gefahr, von der Deutschland gegenwärtig bedroht wird, ist die große -Arbeitslosigkeit, die ihre hauptsächlichste Ursache in dem Mangel an Rohstoffen und überhohen Preise derselben zu suchen hat. Nicht nur in den Großstädten und Jndustriegegenden sind Hunderttausende von Arbeitslosen zu verzeichnen, sondern auch in den ländlichen Gegenden hat die Arbeitslosigkeit einen nie gekannten Umfang angenommen. Wer z. B. die hessischen ländlichen Verhältnisse kennt, weiß, daß wir zahlreiche Dörfer mit Arbeiterbevölkerung. namentlich Bauarbeitern besitzen, die in normalen Zeiten ihren Erwerb in den Großstädten und Zndusiriegegenden si'chen und finden. Wir haben hier Dörfer mit über 100, sonst im Rheinland und Westfalen arbeitenden Bauarbeitern. Diese Leute sind ieht aus dem Felde zurückgekehrt und finden keine Beschäftigung: die Bautätigkeit ruht vollständig. Ihre geringen Ersparnisse wurden durch die lange Kriegsdauer aufgezebrt. und nun stehen sie in diefen teuren Zeiten ebne Verdienst da. Daß der Baumarkt sich in nächster Zeit bessert, ist kaum anzvnehmen. Diese Arbeitslosen bestürmen nun den A.- und S.-Rat um Arbeitsbeschaffung. Verschlimmert wird die Situation noch dadurch,' daß auch zahlreiche ans dem Felde heimgekehrte Handwerksmeister aus Mangel an Rohmaterialien nur im beschränkten Maße ihre frühere Tätigkeit wieder ansüben können. Andere zahlreiche selbständige Gewerbetreibende stehen direkt vor den. Nichts. Durch den Krieg sind ihre Geschäfte vollständig zugrunde gegangen, die Waren, welche ihnen früher eine Existenz boten, fehlen vollständig. Gelingt es nicht über diese ungeheuren Schwierigkeiten hinweg zu kommen, so gehen wir den furchtbarsten Zeiten entgegen. Arbeitslosigkeit und trostlose Zukunft sind der Boden, auf dem der Bolschewismus treibhausartig gedeiht. Die Verzweiflung ist es, die Tausende in die Arme diefer Irrlehren treibt. Es ist mur zu verständlich, wenn Menschen, die ihren^Ant- "»ntz vor Augen Men, den Verstand verlieren iC-> nur noch die Zerstörung der ..Ordnung" denkeNx'^lMch^ihchitK' nicht helfen, kckkn. Man komme nicht r-‘ " >m Einwande, daß die Leute nicht arbeiten tooh ^gueiselsohne gibt es unter den Arbeitslosen solche Elemente. Sigmaren schon vor dem Kriege vorhanden, und die lange Dauer des Krieges mit dem Mord-, Raub- und Zerstöningsleben, hat die Arbeitsfreudigkeit kaum gefördert. Die Mehrheit aber will arbeiten. Als wir die Morbnraer Arbeitslosen damit zu trösten suchten, daß sie ja Arbeits- lofenuiiterstühung erhalten würden, wurde uns zur Antwort: „Wir wollen nicht Unterstützung, sondern Arbeit!" Darum ist cs die heiligste Pflicht aZri Behörden, Arbeit zu beschaffen. Das ist gewiß keine leichte Ausgabe. Man wird auch au die Ausführung von Projekten gehen müssen, die sich sehr teuer wegen der hoben Rohstoff- und Materialienpreise stellen werden. Kleinliche finqnzirlle Bedenken dürfen hier nicht ausschlaggebend sein; es gilt Deutschland vor dem Untergange zu schützen. Es darf nicht heißen: später kommen wir billiger dazu, sondern es gilt jetzt Arbeit und Brot zu schaffen, um Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten zu können. Gelingt es nicht, der Arbeitslosigkeit einigermaßen erfolgreich zu begeiren, so werden wir bald überall russische Verhältnisse haben. Der Bolschewismus ist leider nicht im Abflauen, sondern, begünstigt durch die Arbeitslosigkeit, Verrohung des Krieges usw. in starker Zunahme begriffen.
Darum schafft Arbeit!
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Das«knMe tofoett.
Lo ud on, 11. Jan. (Reuter.) Die Abendblätter veröffentlichen - die Zusammensetzung des neuen Kabinetts. Daraus sind hervorzubeben: Premierminister Lto hd George,-Lordsiegelbewahrer und Führer des Unterhauses: B o n a r L a w, Führer des Oberhauses: Lord Curzon, Minister ohne Portefeuille: Erie Geddes, Inneres: Shortt, Auswärtiges: Balfour, Kolonien: Lord M i l n e r, Staatssekretär für Krieg und Lustfahrwesen: Churchill, Landwirtschaft: P r o t h e r o, Staatssekretär für Indien:
zu dürfen — ich wäre in der beklemmenden Grabes- atmofphäre von Erlau längst zu Grunde gegangen."
Sie war auf den kleinen Balkon hinausgetreten, von dem man wie beinahe aus allen Fenstern des Schloßes eine herrliche Fernsicht über das weitgedehnte grüne Blättermecr des Parkes und über das malerisch hingelagerte Städrch n drunten im Tale genoß. Tief ausatmend sog sie die köstlich reine Luft in ihre Brust.
„Ach, wer doch Flügel hätte, wie der Habicht da oben in der blauen Luft", sagte st«. „Und wer doch frei wäre, wie er!"
„Und Sie, Frau Baronin? Sind Sie nicht frei überallhin zu fliegen, wohin Ihr Herz Sie zieht?"
Sie verneinte mit einer langsamen, fast schwermütigen Kopfbewegung.
,Hch bin eine arme Gefangen«, die grausame Laune eines Sterbenden hat mich dazu gemacht. — Aber verzeihen Sie. Herr Buchner, daß ich Ihnen mit derartigen unang brachten Stoßseufzern die gute Laune verderbe. Und sck)auen Sie dorthin, wenn Sie sie wiederherstellen wollen. Ist es nicht ein rührender und herzerfreuender Anblick?"
Ihre letzte Bemerkung hatte einem jungen Men- 'chenpaare g'goltsn, das eben aus einem der Laubengänge des Parkes auf den freien Platz vor dem Schlosie binaustrat. Hubert erkannte Margaretens feine Gestalt. und er- konnte nicht einen Augenblick im Zweifel sein über die Person des Begleiters, mit dem sie in sehr angelegentlicher und eifriger Unterhaltung begriffen schim. So nahe gingen sie auf dem engen Wege neben einander her, und io beharrlich war das bleiche Antiitz ves Blinden seiner Begleiterin zugewendet, daß ihr Gespräch, von besten Inhalt natürlich kein Laut bi» zu dem hohen Standort der beiden Beobachter hinaufdrang, dadurch notwendig den Anschein großer Vertraulichkeit gewinnen mußt«.
„Sie sehen, daß ich vorhin mit meiner Vermutung Recht Sedte", fuhr Frau von Varndal fort, „Fräulein Margarete opfert sich geradezu aus für meinen Sohn.' Und cs wird ihm später sehr schwer fallen, sie zu errt- behren. Aber lasten Sic uns hinunkergeherr, damit ich Sic mit ihm bekannt mache. Es wird ihm jedenfalls
Montagu, Unterstaatsfekretär für Indien: Sir D. P. S i n h a (der erste Inder, der Mitglied der britischen Regierung wird), Admiralität: Lang, Handelsamt: Sir Robert Stan ley, Lebensmittelkontrolleur: G. A. Robert (Arbeiterpartei), Schiffahrt: Sir Joseph Maclay, Wiederaufbau: Sir Auckland Geddes, Schatzkanzler: Austin Chamberlain, Lordleutnant von Irland: Feldmarschall French, Erster Sekretär für Irland: John Macpherson. Das Kriegs- kabinctt wird vorläufig weiter bestehen.
Der neuen Regierung gehören fünf Mitglieder der Arbeiterpartei an: Barnes, der Mitglied des Kriegskabinetts ohne Portefeuille bleibt; G.A. Robert, der Lebensmittelkontrollenr wird; der Vertreter der Bergarbeiter Slevhan Walsh, der zum Sekretär des Local Governemeikt Board ernannt wurde; Ward le, der Sekretär im Arbeitsministerium wurde, und Joseph Parker, der als Einpeitscher auftritt.
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London, 9. Jan. (Reuter.) ®ie Vereinigung der Tabakhändler hat sich verpflichtet, auf die Dauer von fünf Jahren nicht mit deutschen und österreicks- schen Erzeugnissen und mit deutschen oder Lsterreichi- chen Firmen Handel zu treiben.
Das irische Problem.
Basel, 10. Fan. Die englischen Zeitungen melden aus Washington: Alle hiesigen Diplomaten, Senatoren und Al>geordneten haben eine van „Patrik A?c. Carton, dem Botschafter der provisorischen Regierung von Irland" unterzeichnete Mitteilung erhalten, in der erklärt wird: Ich babe die Ebre, Ihnen mitzutcilen. daß Irland in Ausübung seines natürlichen Rechtes der Selbstbestimmung eures souveränen Volkes am 28. Dezember mit einer Mehrbeit von mehr als. zwei Drittel alle politischen Beziehungen mit Großbritannien abgebrochen bat. Die irische Ra- tien erkennt deshalb Seine Brltilche Majestät nicht »ls König von Irland an. Das Vereinigte Königreich nen Großbritannien und Irland bat sein Ende erreicht. Die Republik van Frlond bestreitet Recht irgend einer frewd-n Regierung, van nun ab in Bc chnndsun- g«n betreffend das irische Volk mit der Negierung Seiner britischen Majestüt zu treten.
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AMM im M'inA.
London, 10. Fan. (Reuter.) Der Schissbauer- ansstand in Wear ist nach Zugeständn'sten an die Arbeiter. denen avberdem versprachen wurde, daß in drei Monaten die 4-tstündige Arbeitswoche eingeführt werde, rum größten Teil beendet. Der Ausstand auf den W-rften am mittleren Tun« bat sich ausgebreitet. Die Arbeiter verlangen die 4-sitimdige Arbeitswoche und B'ibebaltnng des gegenwärtigen Lohnes.
Rewvork. 9. Jan. (Reuter.> Nack Angaben, der Ausstandsführer haben ung-fähr 15 000 Hafen- r^eiter heute die-Arbelt niedergelegt. Die Gctreide- ki'kme und andere Hafenfahrzeuge sind anscheinend außer Betrieb.
London, 9. Jan. Reuter meldet aus N 'wyork: Die Manuichaften der Schleppdampfer schloßen sich dem stmscuarbeitcrausstand an. Die Bahnverbindung mit der City ist zum großen Teil unterbrochen. Die Ozean- dan-pfer tonnten weder ausiabrrn noch einfabr-n. Manhattan Island, auf dem Newyork liegt, ist tatsächlich abgcschnitten und wird von einer Lebensmittelkrise bedroht.
Haag, 11. Ian. Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, haben 150 000 Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Es ist wiederholt zu Aufständen gekommen. Das Arsenal ist zerstört, die dort liegenden Vorräte wurden erbeutet. Eine Anzahl Personen wurden getötet oder verwundet. Man sürcktet. daß die Unruhen sich auch auf das Innere des Landes ausdehnen und die Ver- Mnnnng des Belagerungszustandes zur Folge habe« werden.
New York, 12. Ian. (Reuter.) Nack Tclegram- men aus Buenos-Aires bat General Dellepiane die Militärdiktatur crFürt Sein Vorgehen wird nicht als unfreundlicher Schritt gegenüber dem Präsidenten angeseben und wurde bcr'iorcicrufcn durch zwei Versuche der Ausständigen, sich des Polizeipräsidiums zu bemäcktigcn. Der Ausstand hat sich auf ganz
große Freude b reiten, mit Ihnen über seinen Freund Walter zu plaudern."
7. Kapitel.
Als Frau Edith mit ihrem Gaste unten auf der Parkterrasse ankam, waren Margaret« und Guido nicht mehr allein. Mr. Burton Harrison und Nora hatten sich zu ihnen gesellt. Und Hubert mar im Grunde recht stoh, daß sein erstes Zusammentreffen mit Margarete in so zahlreicher Gesellschaft stattfand. Denn es lag ihm doch sckwer auf dem Herzen, daß er ihr sein Versprechen nicht gehalten. Und er fürchtete sich fast, ihrem Blick zu begegnen, weil er sicher war, einen schmerzlichen Vorwurf darin zu lesen. Aber er durfte sicher sehr bald zu s'iner nicht geringen Erleichterung sich übw-zeugen. daß seine Besorgnis grundlos gewesen war. Und es wollte ihm beinahe Vorkommen, als sei die Begrüßung. die sie ihm zu teil werden liß. viel herzlicher, der Druck ihrer Hand viel wärmer, als bei ihrer letzten Begegnung.
Mr Harrison war so steif und zurückhaltend, wie es eben nur ein Engländer sein kann, wenn er sich vorgenommen bat, den Unliebenswürdigen zu spielen. Gn-do von Varndal aber erwi-s sich dem Fremden gegcn-ber efs ein vocklommener Kavalier, und das ungünstige Vorurteil, do.s in Huberts Herzen geg-n ibn aufge- teimt war, seitdem er zum ersten Mal seinen Romen in einer so seltsamen Berbindung mit dem Margaretens gehört batte, schwand mebr und mehr dahin, je vollkommener er durch die lebhaft geführte Unter^Ituno das Bild bestätigt fand, das ihm der Doktor von den Charaktereigenschaften feines unglücklichen Freundes entworfen. Die umfassend« Bildung dieses armen Blinden setzte den jungen Maler nicht weniger in Erstaunen als di« mit der liebenswürdigsten Bescheidenheit gepaarte natürliche Vornehmheit seines Wesens feine Svmpathien gewann. Unb wenn er auch noch immer eine Empfindung leichten Uubelngms verspürte, so oft Guido sich im Gespräch an Margarete wandte, weil er wahrzunehmen glaubte, daß seine Stimm« dann noch weicher klang, sein« Worte noch zarter gewählt waren, st» schalt et sich doch in der Still« fernes Herzens domhalb selbst eine» Thore«, und es war nichts Unaust
Argentinien ausgedehnt. Matrosen der Kriegsschiffe! patrouillieren durch die Stadt und unterstützen die Truppen und die Polizei. Es wurden 10000 Weitz-§ aardisten zur Unterstützung der Regierung aufgebotcn. Nach einem späteren Telegramm wurden bei bett Zusammenstößen 72 Personen getötet, 81 schwer und 800 leicht verwundet. Gestern fanden von Mitternacht an ununterbrochen Feuergefechte statt.
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MWd.
Das bolschewistische Herr.
Amsterdam, 10. Jan. Nach einer Meldung ■ des Stockholmer Korrespondenten der „Times" steht jetzt das bolschewistische Heer wieder fast ganz unter dem Befehl von Offizieren des alten Re», gimes. Unter ihrer Führung ist das Rote Heer eine Truppe geworden, mit der man ernstlich rech« nen mutz. Es fei kaum anzunehmen, datz es dieser Armee schwer fallen wird, die Ostseeprovinzen zu besetzen, es sei denn, daß eine sehr große Zahl der westlichen Truppen ausgeschifft wird.
Bruch zwischen Lenin und Trotzki?
Kopenhagen, 9. Jan. „Berlingske Tidende" gibt eine Meldung ber Göteborger „Handels Tidning" aus Bergen wieder, wonach dort aus Moskau eingetroffene Reisende berichten, Trotzki habe Lenin verhaften lasten und sich selbst zum Diktator ausgerufen. Der Grund zu diesem Bruch seien angeblich Meinungsverschiedenheiten über die bolschewistische Ke» formarbeit.
Basel, 9. Jan. Aus russischer Quelle wird bestätigt. daß General Brussilow vor einigen Woche« in Moskau auf Befehl der Sowjets, deren Gefangener er war, hin gerichtet wurde.
Berhafttmg deutscher Eesandischaftsmitglieder in Riga.
Berlin, 10. Jan. Der bisherige deutsche Gesandte kn Riga, Winnlg, teilt mit: Nach dem Ein- rucken der Bolschewiki habe» die bolschewistischen Truppen unter der einheimischen Bevölkerung, insbesondere unter den Deutsch-Balten und unter d n dort gebliebenen deutschen Reichsangehörigen ein Blutbad »et», anstaltct. Verhaftet sind auch die drei Mitglieder der deutschen Gesandtschaft, die im Vertrauen auf di« (Exterritorialität in Riga zurückgeblieben sind. Ihre amtlichen Selber in Höhe von einet halben Million sind befchlognahrnt. In Tukknrn und einigen anderen Orten ist man mit den Balten ebenso verfahren.
„Daily Telegraph" meldet aus Stockholm, daß der lettische Sowjet alle Mitglieder der Bürgerschaft vo« Riga verhaftet habe. Es sollen bereits tausend« deportiert fein. Der Sowjet hat all« Eizen- tumsrechte aufgehoben.
Berlin, 10. Ian. Wie die „Deutsche Allg. Ztg." meldet haben die deutschen Truppen Mi tau geräumt. Die deutsche Verwaltung hat ihren Sitz «ach Liban verlegt.
Di« bolschewistische« Peopagandagelder.
Haag, 11. Ian. Der russische Berichterstatter des „Rieuwe Rotterdamschen Courant" berichtet, er hab« während seines letzten Aufenthaltes in Petersburg er» führen, daß im Juli an Josie 20 Millionen Ru» bel «ach Deutschland geschickt worden seien.
Die „Haager Post" berichtet, daß in Holland, von allem im Haag, die Agenten der Bolschewisten sehr rege sind. Nach dem Gewährsmann des Blattes wurden seit Jahresanfang wer Millionen Gulden für Propagandazwecke nach Holland geschickt. Ein großer Teil dieses Geldes sowie Propagandasckriften gehen nach Belgien weiter. Nach unkontrollierbaren Gerüchten soll für den 20. Januar ein neuer Aufstands versuch geplant fei».
Ein balii^et Bund.
Leipzig, 10. Jan. Die „Leipz. Reuest. Nach, richten" erfahren aus verläßlicher diplomatischer Quelle, daß die Westmächte an der Schaffung eines baltischen Bundes arbeiten, dem Schweden, Nor» wegen und Litauen angehören sollen. Dem letztgenannten solle Tilsit znfallen.
richtiges in der freundlichen Wärme, mit der er das chevalereske Entgegenkommen des junge» Schloßherrn vergalt.
Natürlich konnte es nicht ausbleiben, daß das Gespräch sich sehr bald bet großartigen Entdeckung des Brofestors zuwandte. Aber von diesem Augenblick an beteiligte sich Margarete mit keiner Silbe mehr an der Unterhaltung. Ein« unverkennbare Unruhe prägte sich in ihren Zügen aus, und plötzlich stand sic auf^um mit der Erklärung, daß sie doch einmal nach ihrem Datei sehen müll«, in auffallender Hast die klein« Gesellschaft zu verlaßen.
Sobald sie sich enternt haste, wandte sich Baron Guido gegen Hubert:
„Ich höre. Herr Buchner, daß Sie mit Walter Kfc biger" teireunbet sink». Möchten Sie mir nicht ein wenig von ihm erzähle« — von seinen Arbeiten unb sei. nen Erfolgen? Es geschieht wahrlich nicht aus müßiger Neugier, wenn ich Sie barnach frage."
Nickcks konnte Hubert willkommener fein als btefe Aufforberung. Denn die Ftcundfchast zwifchen dem jungen Baron und dem Sohne des Arztes, der feine Blindheit verschuldet haben sollte, erickien ihm nach allem, was er vorhin von Frau Edith gehört hatte, so schön und rührend, daß er sich sogleich vorgesetzt hatte, nach Kräften mitzuwirken an d r Beseitigung alles dellen, was zu ihrem eigenen Leidwesen trennend ur.b hindernd zwiMn ihnen stand. Mit einem Feuer, bas ihm ohne dies Vornehmen vielleicht nickt im gleiche« Maße zur Borsügunq gestanden haben würde, begann er seiner Bewunderung für Walter Rüdigers her's Wiffen, seine« in mehreren kunstgeschicktlichen Brb-ttm bewiesenen genialen Scharfblick unb seinen unermüdlichen Schaffensdrang Ausdruck zu geben. Es war ein geradezu begeisterter' Lobeshymnus, den er in dem eindringlichen Tone htnerfter Uebetzeugung dem abwesende« Freund« sang. Unb es bereitete ihm herzlich« Freub« zu sehen, wi« sich bei seine« Worten Guidos blasses Gesicht förmlich verklätt« und wie ein sonnig heiteres Lächeln feine« feie ^schnittene» Mund «m» spielt«.
(Fortsrtzxm, W3