Oberhessische Teilung
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Die „Obetbess'sche Zeitung- erscheint sechimnl wöchentlich. — Der Bezugspreis beträgt viertelt, durch die Post (ohne Bestellaeld), 8.75 X, in bet Stadt Marburg frei in« Hau« s.75, bei unseren Zeitungsftellen auf dem Lande 8,0J X. — Verlag »en Dr. €. Hitzersth. Markt 21/28. Fernspr.55.
Marburg
Sonnabend, 11. Januar
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54. Jahrg.
1919
KW«
borget Sch«" «ivktSuA- verboten.
wird
Gestern abend drangen fünfzehn schwer bewaffnete Spartakisten mit vorgehaltenem Revolver in die Geschäftsräume der „Spandauer Zeitung" und besetzten Redaktion und Druckerei. Das Personal wurde zum Verlassen des Gebäudes gezwungen. Ter Protest des Besitzers beim Arbeiter- und Soldatenrat war erfolglos.
Die Haltung der Marin«.
Berlin, 10. Jan. Der Zentralrat der Marine veröffentlicht ein Flugblatt an alle Sozialisten und die Reichsregierung, in dem es heißt: Nun ifts genug! Mit tiefem Mitgefühl sehen wir die Führer der Mehrheitssozialdemokratie und das Bürgertum zum Kampfe gegen das klasienbewußte Proletariat aufstehen. Eine große, ungeheure Lüge hat sich über die Hauptstadt ausgegosien. Die Bourgeoisie triumphiert, und das Proletariat blutet wie nur je. Ein Schrei nach Ruhe geht durch das Volk, ein Schrei nach Besierung seiner Lebenslage. Was ist bisher geschehen? Wir fragen klagend. Mas gtt schieht? Nur eines geschieht: ein ungeheures Massenmorden. Wer reinen Herzens ist und Liebe hat zum Volk, kann nimmer sich auf rohe Gewalten stützen. Genosie Scheidemann, Eenosie Ebert, Noske, Landsberg, Eichhorn! Habt Ihr das Volk noch lieb? Habt Ihr es je geliebt? Macht anderen Männern Platz, laßt nicht harten Eigensinn des Handelns Richtschnur sein. Das Blut des Volkes ist kostbarer denn Euer Sitz. Die Einigkeit der Masten des Volkes sei oberstes Gesetz.
Eine Versammlung der Volksmarinedivifion beschloß eine Entschließung, die besagt: Die Volks- marinedivision, die nur einen Bruchteil der in Berlin anwesenden Matrosen bildet, hat sich die unter zeichneten Führer neu gewählt (Kommandant Junge) Die Volksmarinedivision erblickt ihre Aufgabe in dem Schutze des ihr anvertrauten National- Eigentums (Reichsbank, Zollhof, Schloß ufw.) gegen jedweden Angriff. In den Parteikämvfen bleibt die Volksmarinedivifion als bewaffnete Macht neutral, dagegen erwartet die Volksmarinedivision von der jetzigen Regierung eine Umbildung bezw. Neubildung des Kabinetts. Sie fordert vor allem, daß der Weg der Verhandlungen nicht verlosten werde, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden.
Hamburg, 10. Jan. Der Oberste Marine- rat der Niederelbe protestiert gegen die Berufung der Berliner Studenten zum Eintritt in die freiwilligen Regierungstruppen, was eine Verhöhnung der ganzen Revolution, eine Verletzung des revolutionären Ehrgefühls und einen Fanst- fchlag in das Gesicht eines jeden ehrlichen Sozialisten bedeute. Er fordert deshalb den Rücktritt der Regierung. Die neu zu bildende Regierung müsse aus mindestens zwei Kommunisten, zwei Unabhängigen und zwei Meh"beitssozialisten bestehen.
Eisner warnt die Rrichsregierung.
München, 9. Jan. (Amtlich.) Der bayrische Ministerpräsident Eisner sandte folgendes Telegramm an die Reichsregierung: Mit wachsendem Entsetzen verfolgen wir den mörderischen Bürgerkrieg in Berlin. Das muß ein Ende haben, wenn nicht ganz Deutschland zu Grunde gehen soll. Das Beispiel Berlins wirkt überall zerrüttend und erzeugt eine M a s s e n e p i - demie des Wahnsinns. Eine von dem Vertrauen des Volkes getragene Regierung, die alle Richtungen des Sozialismus zufammenfaßt und entschlossen ist, auf dem Boden der Revolution Demokratie und Sozialismus bis zum Siege durchzuführen, scheint einzige Rettung, lleberall im Süden steigt der Zorn gegen Berlin, während zugleich dunkele Elemente auch hier zum Brudermord schreiten.
Die Braunschweiger Regierung gegen die Reichv- regierung,
Braunschweig, 9. Jan. Die hiesige Regierung protestiert gegen die Verhängung des Belagerungszustandes über Berlin, sowie die dort getroffenen Maßnahmen zur Niederringung der Revolution. NMgenfalls werde die braunschweigische Regierung mit allen verfügbaren Mitteln eingreif e n, um die revolutionäre Arbeiterschaft zu unterstützen.
Austritt der Unabhängige» au» der badische» Regierung.
Karlsruhe, S. Jan. Di« bisherigen Mitglieder der vorläufigen Volksregierung au» der Partei der Unabhängigen Brümmer und Schwarz haben ihren Austritt aus der Regierung dieser mit folgender schriftlicher Erklärung mitgeteilt: Nachd m di« Wahlen zur badischen Nationalversammlung ein« bürgerliche Zweidrlttel-Mehrheit ergeben haben, erachten wir di« Vorbedingungen, die uns am 11. November zum Eintritt in die Rrgierung bewogen hab«n, als nicht mehr gegeben. Wir halten es bei der Zu- sammenfetzung der Nationalversammlung nicht für möglich, daß die Errungenschaften der Revolution gestärkt und öcif.'t ausgebaut werden. Deshalb müssen wir auch die Vorarbeiten für diese Nattonalversamm. lung ablehnen und erklären hiermit unseren Aurttttt aus der Regierung. — Die vorläufig« Regierung hat die AusttittserklSrung angenommen.
Ende des Stratzenbahnerausstande».
Berlin, 9. Jan. Die Verhandlungen der Etrahen- bahner vor dem Eeiverbsgericht haben zu einem Schiedsspruch geführt, durch den den Straßenbahnern nach dem Vorschlag der Direktion eine einmalige Zulage bis zu 509 ,« und Lohnzuschläge unter der Voraussetzung zugeoilligt wurde«, daß die geplante Tariferhöhung die Genehmigung der Aufsichtsbehörden erhält. Di« SskaßenbabWer habe» den Betties wieder jaufzenommen, l. I
Brkarmtrnachrms.
-Da Herr Feldwebel Hillmeyer aus dem mi(i- järitcheu Dienstverhältnis ausscheidet, sind die Herren FeMvebel R.Preuße und Oberjäger A.Meier E Zeichnung für den Arbeiter- und Soldatenrat be- p^lvrächfigt worden.
Harburg, 9. Januar 1919.
FK, den Arbeiter- und Soldatenrat Marburg:
P 0 e r s ch.
Sie Sone In Berlin.
#Äc Vermittlungsvorschläge gescheitert. — Ein- gerifrÄ wn Artillerie und Flieger«. — Dor dem Generalangriff.
»^Berlin, 11. Jan. Das Kampffeld im gmwm der Stadt dehnt sich weiter aus, da die FpeMMsten sich in immer neuen Privathausern fepfstze« und sich mit Maschinengewehren verteidige«. Alle Vermittlunasvorschläge sind ge» sch«tlert, weil die Vorbedingung, die Wieder- herfieMmg der Pressefreiheit, abgelehnt wurde. Sie Unabhängige» wollten diese bewillige», wenn Ht Regierung die Wahlen zur Rationalver- sammkMtg um 3 Monate hiuauszuschie- b« n gewillt wäre. Das wurde von der Regierung adgalehnt. Der schwerste Kampf tobt immer noch h* Zeitungsotertel. Der Versuch, die Spar« takkstev durch Flammenwerfer auszuräuchern, ist rnißAmge». Heute früh ist Artillerie in Tätigkeit getreten. Die Verteidiger verfüge» über grost« Waffen, und Munitionsvorräte und be« diene» sich aller modernen Kampfmittel. Bei der R»iker»berung des Zentralviehhofes wurde den SpWktaNste» «in französischer Tank abgenommen. Geftsr» haben Regierungsflieger Bomben auf die Spartakusstellungen abgeworfen. Auch die Sp»rtaAsten sind in de« Luftkampf eingeire. ten. Die Artillerie-Werkstatt« in Spandau wurde toa le» Regierungstruppen erstürmt, deren Lage sich ttrßokg« des Besitzes der dortigen reichen Waf- («tngea erheblich gebessert hat. Verstärkungen M» Hannover find in Berlin eingetroffen, außerdem Kieler Matrosen, die treu zu Roske stehe«. M» heute oder morgen wird der General, »»griff erwartet. Der Massenausstand hält
Da« Ceschäftslebeu ruht fast völlig; die Ge« fchSftshSufer find geschlossen und verbarrikadiert.
B-trkin, 10. Jan. Der Zentralvorstand der Ä. Ei. P. Groß-Berlin richtet an den Zentralrat und He Regierung folgenden Aufruf:
Mb Ne Fortsetzung des Brudermordes zu ver- frtaNm, ist der Zentralvorstand zu dem Versuch bereit, etzne neue Verhandlungsgrundlag« zu finde». E» schlägt deshalb vor, einen Waffeu- fttkkpand eintreten zu lassen. Er erklärt sich vvr dem Eintreten in die Verhandlungen bereit, de» .vorwärts" zu räumen, wenn die Verhand- lMWsßemmisfion der A. C. C. und der Schwartz- von dem Zentralrat die Zusicherung et« M», M die Verhandlungen in einem sozialistische», versöhnlichem Geist geführt, die Differenz- pw®t «inet paritätisch zusammengesetzten Kom- «W»« tberwiesen werden und die endgültige Be- sehuvg d«s Polizeipräsidiums nur im Einvernehmen wft der H. S. P. erfolgt.
Berti», 9. Jan. Die Arbeiter der Deutschen EEsftz.rn- und Munittonswerke, die als Eardettuppen AeUvkchk» gelten, haben einen Aufruf erlassen, worin sie «rkM»e«, daß jetzt, nachdem so viel Blut geflossen ist, dt« FSbier aller Parteien zurücktreten sollten. Die Ar- betN« feie» des Kampfes müde, und wenn di« Povttte» sich nicht einigten, so würden die Arbeiter am Mete* die Arbeit wieder aufnehmen und «lcht meß, auf die Straß« gehen.
Sie Hin, 9. Jan. Die Erbitterung ht der B«r- Haei Bevölkerung ohne Unterschied des Standes ist gegen da» Treiben der Spartakisten auf das höchste ge- Ein Panzerauto, das gegen Mittag mit einer skpwmy-wei ß- r oten Fahne durch die Leipzigerstraße '«Hs. wurde stürmisch bejubelt. Die Besatzung bestand »s fmegen, prächtig ausseheuden Menschen, die alle des Kyern« Kreuz erster Klasse trugen. Anscheinend ts Offiziere in Bkmnschaftvnniformen, die Hasst »fe traf die Regierung ausbrachten.
Dst wieder erschienene „Rote Fahne" schreibt: „Ihr ^»det noch viele solcher Tage »on unerträg- kkml mit erleben müssen. Lange, lange wird keine „Ruhe und Ordnung" im einkehren . . . Die Revolution ist auf dem und das. was wir heute erleben, ist nur ein Fragment, eine Etappe des gewalttgen Marsches."
3» der Wohnung Liebknechts in Lichterfelde wurde *** Donnerstag von einem Leutnant und sechs Mann "tr Uchterselder Garnison eine erfolglose Haussuchung d»»gen»m»ten. In Dalensce wurde ein Bolschewist en- Kefi auSgehoben. Ein Mann und eine Frau wurden berhaftcl, die zu einem Raubzug nach dec Villen kolonie Geunetvald aufgefordert hatten. Die Billa Dern- in Grünewald wird von Reoietungstruppen st«wk b-wacktz da man Nachrichten besitzt, nach denen »ie Gefangennahme Dernburgs beabsichtigt. k. Grünewald befindet sich die 1. Garde-Division, JH* fr torfigen Ab rücken nach Berlin alarmbereit sich«. Gr hält noch an der a l t e n fi r a m m « n D i s- und hat niemals Soldatenräte gewählt.
Spand.u, 10. Jan. 2 p a nd a u, das am Mit- dorkbergehend in die Hände der Unabhängigen. b^J**9**i*i*^en gefallen war, ist seit Donnerstag von ***« geräumt worden. Die Mnnitions- und sind, wichet im Besitz der Regierur: gs-
5ti SWNlMnstMk im AMt.
Berlin, 9. Jan. Wie bet „Vorwärts" mitteilt, hat der Spartakusbund mit russischem Gelbe eine weitverzweigte Propaganda in ganz Deutschland entfaltet. Die russischen Agenten haben Millionen zur Verfügung gestellt. — Im Lager der spartaksstischen Gegmrevolutton ist an bet militärischen Führung hauptsächlich bet während des Krieges und in den -rsten Tagen bet Revolution vielfach genannte fiühete Hauptmann s. Beetfeld« hervorragend beteiligt.
Halle, 9. Jan. Wegen der Anordnung des Soldatenrates, daß alle Rangabzeichm abzulegen sind, 'treiken heute in sämtlichen Lazaretten und Hilfs- lazar'tten di« Aerzt«, Sanitätsunteroffiziere. Pfleger und Schwestern, sodaß 3000 Verwundete und Kranke ohne Pfl ge find.
Dresden, 10. Jan. Nach einer Versammlung in der Kalerne der Maschinenoewe^r-Abteilung zogen -twa 690 Teilnehmer vor das Gebäude der „Dresdner Volkszeitung" und suchten mit Gewalt dort einzudrin- "en. Die „Dresdner Volkszeitung" hatte ein starkes Aufgebot von Truppen erhalten, d>'e jedes Eindringen in das Gebäude verhinderten. Inzwischen wurden die angrenzenden Straßen militärisch abgesuerrt. Auch in das Ständehaus verbuchten die Svartakisten einzudringen, wobei es zu einer unbedeutenden Schießerei gekommen sein soll.
H a g e n lWestf.t, 9. Ian. Als heute zirei fhr den Obschütz bestimmte Freiu-illigenkomvagnien feldmarschmäßig von Dahl, wo sie aufgestellt worden waren, "ach Haaen zum Babuhof ausrückfin, um dort verladen ’u werden, wurden sie in der Nähe von Dolstern von ^er Sied-rheitswache gestellt und aulgefo'-dert, die Waffen nieder-,ulegen. Als sie dieser Aufforderung nicht nachkamen, sollten sie gewaltsam entwaffnet werden. Sie setzten sich zur Wehr, und es entstand ein hart- näck'ges Gefecht, während dessen sich die Fre'wM- genkompagnien am Haaener Krematorium sestsetzten. Die Hagener Sicherheitswache zog au.s der Umgegend "on den Ortssicherheitswachen Verstärkungen herbei, ebenso wurden aus den Fabriken bewaffnete Arb-iter ansgeboten. Auf beiden Seiten traten Maschinenoe- mehre in Tätigkeit. Die Zahl der Toten dürfte wenigsten? 10 betragen, ebenso sind 40 bis 50 Verwundete zu VerjeHmen. Kurz nach Mittag zogen sich die Freiwilligen über die Berge in Richtung auf Dahl zurück. Auch in der Stadt Hagen sielen verschiedene scharfe Schüsse Ein Teil der Freiwilligen geriet in die Gefangenschaft der Sich-rheitswachen.
Düss eldorf, 9.Jan. In der Nacht sind der Geschäftsführer der Düsseldorfer Handelskammer Brandt, Gymnas'tlld'rektor Ervthrovel und der Stadtverordnete Siebet durch den Spartakusbund verhaftet worden. Die Spitzen der Behörden, hochgestellte Beamte und weitere angesehene Bürger, zusammen 150 Personen, waren rechtzeitig gewarnt worden und hatten sich in Sicherheit bringen können. Die P 0 li - z e i ist von dem Spartakusbund entwaffnet worden. Die Polizeibeamten veranstalteten eine Versammlung, um gegen diese Maßnahme zu protestieren.
Eine große Menge von Demonstranten erschien gestern vor dem Geschäftshanse des „Düsseldorfer Tageblattes" und verlangte unter wilden Schmähungen gegen das Zentrum und die „Pfaffen" und unter Hochrufen auf Liebknecht Einlaß. Die Menge zertrümmerte die Haustüren, drang ins Büro und den Sehersaal ein und versuchte alles zu beschädigen. Den vereinten Bemühungen der Führer und der Geschäftsleitung gelang es indessen, die Menge von Gewalttätigkeiten abzuhalten. DaS technische Personal iourbe gezwungen, die Arbeit einzustellen und mußte der Gewalt Weichen. Die in die Redaktion eingedrungenen Spartakuslkute sch'e,>pt«n Zeitungen, Bücher und Manuskripte weg, zerschnitten die Telephon- und Lichtleitungen und zertrümmerten die Fenster. Auch die anderen Zeitungen wurden in ähnlicher Weise besucht. Heute abend sind die Zeitungen wieder erschienen. — Laut „Düsseldorfer Nachrichten" ist in der Nacht im Auftrage des Spar» taku'bundes durch Mannschaften des Sicherheitsdienstes der Bahnhof und eine Anzahl Dienststellen der Eiienbahnverwaltung besetzt worden, doch geht der Verkehr nach wie vor vonstatten. Das Telegraphenamt ist ebenfalls von Epartakusleuten besetzt. Es wird eine Prüfung der aus- und einlaufenden Telegramme vorgenommen.
Tüjieldorf, 10. Jan. Gestern abend wurde eine Versammlung der Mehrheit: sozialisten von Spartakusleuten gesprengt. Unter ungeheuerem Lärm wurden dem Kassierer die Eintrittsgelder entrissen. Auch eine hanptsÄhlich von Frauen betuchte Versammlung der sozialdemokratischen Partei wurde von Spar- taküsleuten gesprengt. Heute Morgen bemächtiaten sich Arbeiter eines Straßenbahnwagen» unb fuhren eigenmächtig davon.
Mül heim (Ruhr), 9. Jan. Gestern fanden hier große Kundgebungen der Ausständigen statt, in deren Verlauf die hiesigen Zeitungen von den Spartakusleuten besetzt wurden. Der „Mülheimer Generalanzeiger erscheint als „Rote Fahne", Organ der revolutionären Arbeiter Mülheims.
Elberfeld, 10.Jan. In einer Versammlung der Spartakus-Anhänger wurde beschlossen, den All- gemeinausstand im ganzen Ruhr-Koh- lenbezirk zu erklären, um dadurch die Regierung Ebert-Scheidemann zum Rücktritt zu zwingen. Nach Schluß der Versammlung bewegte sich ein Demonstrationszug vor die Gebäude der bürgerlichen Zeitungen.
Essen, 10. Jan. Der A.« u. S.-Rat Essen, in dem Mehrheitssozialisten, Unabhängige und Kommunisten zusammen arbeiten, beschloß einstimmig die Besetzung des Kohlensyndikats und des Bergbaulichen Vereins. Er betrachtet diese Maßnahme als Vorarbeit für die Sozialifierung der Bergwerke. Er hält die sofortige Kontrolle der Bergwerksindustrie für notwendig zur Beruhigung der Bergarbeiterschaft.
Hamburg, 9.Ja». Auf Anordnung beS Arbeiter und EoldatenratrS ist das Erscheinen des „Ham-
angegeben, daß das „Gdja" unter der Regierung Ebert-Scheidemann-Noske stehe, wai die Mebrzabl der Mitglieder d«S Arbeiter- und Soldatenrates nicht billige.
Stuttgart, 9.Jan. Das demokratisch« „Neue Tageblattt^ wurde heute abend von den Spartafisten besetzt. In einer Vereinbarung mit der Verlags- leitung wurde zwar das Erscheinen der MorgenauSgab« zugegeben, dagegen mußte der Verlag die Verpflichtung übernehmen, ein besonderes Blatt für den Svar- taknsbund in einer Auflage von 100000 Exemplare« herzustellen.
Stuttgart, 10. Jan. Am Nachmittag, besonders gegen Abend, kam es zu lebhaften Kundgebungen, besonders vor dem Ministerium des Aeußern, dem Arbeitsministerium und dem Rathause. Tas Ratbaus wurde von den Spartafisten besetzt und Oberbürgermeister Lautenschlager samt dem Gemeinderat für ab> gefetzt erfiärt. Bis gegen Mitternacht bewegten sich aufgeregte Mengen auf den Straßen, hier rief man „Hoch Spartakus", dort „Hoch Scheidemann". Tie Arbeiter bei Bosch und Daimler haben die Arbeit nieder^elegt. Das „Neue Tageblatt", das gestern abend von Spartakusleuten besetzt worden war, ist heute früh von freiwilligen Regierungstruppen gestürmt worden, die die Zeitung nunmehr beschützen. Nachmittags unternahmen Spartakusleute einen scharfen Dorüyß gegen die „Württemberger Zeitung", die aber gut verteidigt war. Die regierungstreue Besatzung empfind die Ruhestörer mit Mas^inengewehr- und Gewehrseuer. wobei auch Blut floß. Die provisorische Regierung beherrscht mit Hilfe des Militärs die Lage.
Die provisorische Regierung erläßt einen Aufruf an das württembergische Volk, worin sie die gestrigen Vorgänge als einen Ueüersall der Spartakusleute auf die Regierung bezeichnet. Die provisorische Regierung sah sich deshalb gezwungen, nunmehr mit aller Enckcbi«- denheit zuzugrelfen. Sie hat sich unter den Schutz der Sich-rhettskomvaoni-n <*epet(t unb diese beauftragt, mit aller Entschiedenheit die Entwaff««»E der Rübe- und Friedensstörer durchzusühren.
Erbach i. O.» 9. Jan. Darmstädter Spar. .• t und Matrosen versuchten einen Putsch, um sich des hier gamisonierenden Jnf.-Regt. Nr. 115 zu bemächtigen. Der Plan scheiterte an der Aufmerksamkeit des hiesigen Soldatenrates. Auch ein zweiter lieber» rumpeluugsversuch mißlang, da das Regiment sämtliche Ortsausgänge bcseden und an den Hauvtstelle» Maschinengewehre zur Verteidigung aufstellen ließ.
Darmstadt, 9.Jan. Ministerpräsilc Ulrich erläßt einen Aufruf an die Arbeiter-, Bauern- unb Volksräte, in dem es heißt: Es ist zu meinet Kenntnis gekommen, daß spartakiuische Elemente versuche« wollen, die Wahlen zur deutschen und hessischen Nationalversammlung zu stören, ja u n m S g l i ch zu mache«. Es sollen zu diesem Zweck die Soldaten in den Kasernen ausqeputscht und Unruhen in den Städte» hervorgerufen werdetu Arbeiter-, Bauern- und Volks« rate seid auf der Hut. Diese Versuche müssen entschieden zurtickgewiesen werden. Jetzt ist Eure oberjk« vornehmste Aufgabe die ruhige Durchführung bee Wahlen zur deutschen Nationalversammlung und zur hessischen Volkskammer sicherzustellen. Es gilt jetzt, Angriffe auf die Freiheit des Volkes, auf da- demokratische Grundrecht, das Recht der freien Wahl rücksichtslos zurückzuweisen.
Veuthen, 10. Jan. Gestern abend wurde eine Patrouille von jungen Burschen aus dem HinterhaU beschossen. Den Soldaten folgte eine Anzahl Leute i» Uniform und Zivil, die anscheinend den Spartofisien angehörten. Ehe die Soldaten zur Besinnung famen, wurden sie von den Leuten mit Revolvern unb Pistolen beschossen. Es gelang, vier Spartafisten festzunehmen unb ihnen bie Waffen abzunehmen. Im Lauf« beS Menbs stießen verschiebene Patrouillen auf Spartakns- leute, bie sofort ein Feuergefecht aus Gewehren und Mauser-Pistolen eröffneten. Nach 10 Uhr zog sich bas Gefecht nach bem Ring zu. Die Solbaten kehrten ie bas Rathaus zurück, währenb bie Spartakisten hinter bem Kriegerdenkmal Aufstellung nahmen und von dort das Feuer gegen den Eingang deS Rathauses eröffnete«. Ein Pionierwmmando unter einem Offizier antwortet« mit Maschinengewehrfeuer; es gab etwa 60 Schuß auf die Spartafisten ab. Inzwischen war eine Verstärkung von 40 Mann aus der Kaserne ausgerückt, und «n« machte das Militär aus dem Rachaus einen Ausfall auf die Spartafisten, die in die Flucht geschlagen wurden. Nachts nahm ein Leutnant mit Pionieren eine Durchsuchung des Schuchschen Lokals neben der Sqno goge vor, in dem die Spartakisten ihr Quartter aufgeschlagen hatten, und beschlagnahmten sämtliche Akten: in dem Personalverzeichnis der Spattafisten sind 96 Beuthner Mitglieder verzeichnet, darunter 15-, 16- uni 17jährige Burschen.
Entwaffnung von nach Berlin »«stimmte« Truppe«.
Leipzig, 9. Jan. Heut« bie Station Leutzsch bei Lripzig nach Berlin paifittenbe Truppen find xwe Leipziger Matrosen aufgehalten und entwaffnet worden. Bei bem entstandenen FeuergefiO würbe« fünf Infanteristen, barunter zwei Offiziere, getötet un» 12 Mann verwundet, auf selten bet Mafiosen zwei getötet unb zwei verwundet. Der Obmann bet Infanteristen wurde von be« Matrosen in Hast genommen.
Hebet die Vorkommnisse auf bem Bahnhof Leutzsch gibt der Arbeiter- und Solbaienrat Leipzig folgende Darstellungen: Heute Vormittag traf auf dem Bahnhof Leutzsch ei« aus der Lahn« gegenb kommender Militärzug ein, dessen Mann« schäften für Berlin zu gegenrevolutionären Zwecken bestimmt waren. Die Truppen waren vollkommen bewaffnet unb mit Handgranaten und Maschinengewehren ausgerüstet. Da in der gestrigen Sitzung des A.» u. S.-Rates Leipzig ausdrücklich beschlossen worden war, daß alle nach Brrli« durchfahrenden bewaffneten Truppen auf dem Leipziger Bahnhof entwaffnet werden sollten, so wollte bie auf dem Leutzscher Bahnhof postierte Euherheitsmann- schast auch bie Entwaffnung dies« Militärzug« vornehmen. Von einige« Offizieren d« Transportes würbe jedoch daraufhin jn «nübtriegtn1