Einzelbild herunterladen
 

WerhMsche Zeitung

BBtsBsssrasEsasxtess

Oes«

Der Nnzeiaenpreis beträgt für die 8gel». Zeile SO ^-amtliche, auswärtige et j

u. Cammel-Rnz. 40 » 10*/, Kriegszu>chl«q. Reklamereile 1 X. Jeder Rsbatl Ott:vUyiy«

DirOberhess'sche Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Der

1919

Lande 3,Bo X. Berleg»* Dr.. Hitzerrth. äJierft 21/23. §tntf,t.55.

*^*»083^

- . 4 «v x. i ~ v tx tx. ic.1 »enrar rouroe eine ignnnnirßniin «nqcnvmuivn,

«enf, *. Ja«. Nmh einer k-avssdepescke k^-4Lt bte -yrtoteT< irtb Deutschlands er

Clemente«»Romme Libre":

Dee Oberbefehlshaber

sich gegenwärtig bereit« aufhält.

er

in

*> auch am Anhalter Bahnhof, den bie. strnppen halten, während sich di« Spar-'

v

iT

Gleichzeitig verweist das Staatsdepartement da­rauf, daß es die Vereinigten Staaten bisher ver­mieden haben, sich offiziell in diesem Sinne aus­zusprechen, weil andere Länder zu glauben begin­nen, daß die Vereinigten Staaten für Deutschland eintreten, um es zu retten. Wenn aber England und Frankreich Handel und Schadenvergütung an­streben und nicht der Anarchie in Deutschland Vorschub leisten wollen, dann können sie nicht an einem Plan festhalten, der die wirtschaftliche Ver- nichtung Deutschlands in sich schließen müsse.

«hielt bew Auftrag der V^llru»a, in>

Halle der Bildunq einer bossche"-lli'chs«t Renier,>nq in Drntf^l"nd die weiterea Be»vonds"n:en mit der fc»vf- fchen Nta'fenftiMandslnmmisstnn abmb-e-ben und die waffenftinstaudskommiK«« au» dem besetzte« Erbiet p» setfer»e».

Marburg

Frtitllg, 10 Jannar

nachträglich eingeschriebene Studenten sowie für jene statt, die in Abwesenheit eingeschrieben wurden und jetzt ihr Studium angetreten haben.

* Eine weitete Einschränkung im Personenverkehr tritt von heute ab ein. Siehe die Bekanntmachung der Eisenbahndirektton Cassel im Anzeigenteil.

§ Städtische». Am nächsten Montag wird wieder

takist« iw den Eastböfeu gegenüber verschanzt habe« »nd die Beschickung des Bahnhofes forte setze«. Set versuch bet Spartakisten, sich des Bahn­höfe« ^Zoologischer Garten" zu bemächtigen, wurde «6pef-*,<*f-w.

Die Stellung bet Regierung wirb zusehends pktkee, nachdem sie auch die Bürgerlichen I« ben Waffen gerufen hat. b'e in grober Zahl dem Ruf FMge leisten. Starke auswär­tige rrnnpenverbänbe sinb in bet Nacht in Berlin einoe-ogen.

Der immer noch in Berlin weilend« bolsche- »istifche Bronagandachef R a b e k fv-d-rt bie Spar­takisten auf, ausznbalten, bis rusiischeTrnp- pen flfmen; bet Soldofen-at bet 10. Armee würde be Rusten burchlassen. Der Kentevleof teilt mit. daß bas nicht der Fall sei. hegni'at P* aber Miedernm nur mit einem pun?e--enen Vrvt-ss

Bei der Reichsleitnnq ist die N"ch'ick>t --inoela?!- fen, daß die Friebensverhanblungen »ertaot würden, wenn nicht unverzüglich Ordnung aeschaffen würbe.

An verschiedenen Stellen sind, wie dieTägliche Rundschau" meldet, Lebensmittelgeschäfte geplün­dert worden. Die Besetzung von Proviantde­pots hat dazu geführt, daß die Spartakusleute sich und ihre Familien mit Nahrungsmitteln und anderen Bedarfsgegenständen reichlich versorgen.

Agitatoren sind in großer Zahl ausgesandt worden. Die Bevölkerung lehnt sich in wachsendem Maße gegen die zumeist nicht aus der Arbeiterschaft, sondern aus Kreisen der Intelligenz kommenden gut* "ekleideten Männer und Frauen auf. Es wird die'eu- Agitatoren zugerufen, daß sie im Dienste des russi­schen Geldes ständen. Häufig werden sie auch verprügelt.

Die revolutionären Obleute ifnb Vertrauensleute der Großbetriebe Berlins, der Zentralvorstand der U. S. P. und die Zentrale des Spartakusbundes lie­ßen ein in schärfster Tonart gegen die Regierung Ebert-Scheidemann gerichtetes Flugblatt verteilen» in dem zum Generalstreik und zu den Waffen gerufen wird.

Wie in einer Spartakus-Versammlung bekannt ge­geben wurde, sind Svartakusänhänger aus allen Tei­len des Reiches nach BerEn unterwegs. Es wurde das Bedauern ausgedrückt, daß die Propaganda in den Berliner Kasernen ihr Ziel nicht erreicht habe.

In den letzten Tagen sind russische Rote Gar­disten aufgetaucht, die in gebrochenem Deutsch dem Bolschewismus das Wort reden.

DieKreuzzeitung" ist heute wieder gedruckt worden und sollte morgen wieder ausgegeben werden. 91(3 die Zeitunaswagen bereits beladen warm, wurden sie von Spartakisten umgeworfen und die Zeitung ver­brannt.

In Däberitz erschienen Spartakusleute aus dem Fliegerlager und verlangten vom Soldatenrat die verausgabe der schweren und leichten Flieger-Bomben. Der Kommandant der Flieger erklärte, daß er auf leinen Fall die Sprenggeschosse aus der Hand gebe. Nach dem Abzug der revolutionären Arbeiter ließ der Soldatenrat das gesamte Lager an Bomben aus creitm Felde in die Luft f^rengen, um jeder 'leberrumvelu.ng vo^zubeugen.

890 Mark Monatseinkommen für die Straßenbahner.

Berlin, 8. Jan. lieber den Ausstand bet Straßen­bahner wird berichtet: Diese oerlangen für die Schaff­ner ein Einkommen von 5 4 000 0 Mark monat­lich, für die Fahrer von 560600, außerdem eine ein­malige Zulage für die Männer von 800 Mark, für die Frauen von 500 Mark.

Der Spartakust-rro, in Bliche.

easzmchleq. Reklamereile

gilt al, Barrabatt. Bei Auskunft durch die Seichäftsstelle u. Vermittlung der Angebote 25 4 Sandergebühr. Postscheckkonto: Ar. 5C15 Amt Frankfurt a. M.

Leipzig, 8. Fan. Im Arbeiter- und Solda­tenrat wurde eine Entschließung angenommen, in

Marburg «nr Umgegent,.

Marburg, 10. Januar.

Universität. Morgen Sonnabend 12 Uhr findet bei Aula der Universität eine Immatrikulation für

sucht werden, die schleunige Beseitigung der Re- gier'mg Ebert-Scheidemann zu foibent.

Zwickau, 9. Ian. DasZwickauer Volksblatt" wurde gestern von Spartakus-Anhängern besetzt.

Halle, 9.Ian. Gestern abend wurde dieHal- ^esche Zeitung" von Svartakisten besetzt, die erklärten, das B'att unter dem TllelRote Fahne" herauSgeben zu wollen. In den Räumen des Betriebs wurden Flugblä ter der Deuts^nat'ona'en Valkspar'ei beschlag­nahmt. Der VerlagSdi''ektor Poe^sch wurde vorüber- -fSenb als in Schillhast befindlich erst ärt. In den Moroenstunden wurde die Besetzung jedoch wieder aufgeheben. Der Cbelreda^'eur der demokratischen .Saalewitung" befindet sich seit Dienstag in der Haft de? Soida'enrats. Ter Magistrat nahm ein Ulti­matum des Arbeiter- vnb Soldatenrates an, wonach er diesen als einziges Organ der vollziehenden "'ewalt anzusehen habe, mit der Bedingung, daß der Arbeiter- und Soldatenrat die Verantwortung für die Geschäftsführung übernimmt.

München, 9. Jan. Die gestrigen Arbeitslosen* kundgebungen führten zu blutigen Zusammenstößen. So stürmten etwa hundert Arbeiter das Ministerium des Aeußern. Es kam zu heftigen Auseinander-1 lehmigen und schweren Beleidigungen gegenüber bem Minister Unterleitner. Nachdem die Ruhe wieder hergestellt war, fiel plötzlich auf der Straße ein Schuß. Das war das Signal zu einem blutigen Kampfe. Zwei Tote, ein Schwer- und riet Leichtverletzte blie-

Sie wWei Km».

Posen, 9. Jan. Ser Oberste Polnische Bolksrat erklärt, daß dnrch die Macht der Ereianifse der letzten ^age die politische und militärische Gemalt auf die Polen vbergegangen fei. Sie Arbeiter- und Soldatau- röfe seien machtlos, und die Un-Snung nehme zu. Jn- folaedetzen übernehme er die Leitung der Negierung und die militärischen Anaeleaenbeiten, die endgültig« Regelung der polnischen F-aoe bet Friedouskonkerenz Lberlaslend. Mit dem heutigen Taae haben übernom­men: Das Amt des Obervräfideuten und des R«- qisrungspräsidenten in Pofen Rechtsanmalt Tram- nezinskn, das Amt de« Präsidenten bet Unsiedlunqs- temmission Bankdirektor Blonski und das Amt des Poli-elpräsidente« Azepeeki aus Pofen.

Posen, 9. Jan. Gestern nachmittag versuchten erneut drei Flieaer auS Frankfurt a. O. Bomben auf die Fluosiation Lawiea zu werden. Infolge der Ab­wehr durch Maschinengewehre warfen sie ihre Bomben in bie Umaegend ab. Durch eine der Bomben wurde der elfjährige Sohn eines Beillers ge'ötet und zwei andere Personen verwundet sowie Schaden an Gebäu­den angerichtet. Als Abwebrmaßre^el gegen derartige Angriffe sollen jetzt deutsche Offiziere in La­wiea einquartiert werden.

Oppeln, 9.Ian. In Köniashütte herrscht letzt Ruhe, seitdem die Jäger kürzlich Ordnung geschaf­fen haben. Tie nächsten Tage werden für Ober- ^chles'en sehr kritisch werden, da die Polen mit allen Mitteln die Wahlhandlungen für die Nationalversamm­lung zu stören drohen. Die polnischen und sparta* kistischen Agitatoren arbeiten in gleicher Richtung.

Mißglückter Staatsstreich in Polen.

Warschau, 8. Jan. In der Nacht suchten mehrere Offiziere mit dem Obersten Januszajtis an der Spitze mit Hilfe einer durch gefälschte Befehle irregeführten Schar Soldaten einen Staatsstreich ausz,-führen. Gegen 2 Uhr früh verhafteten sie Pilsudski, den Ministerpräsidenten Moraczewski und den Minister des Aeußern Wasilewski, später wei­ter den Kommandanten der Stadtmiliz und der Volkswehr. Gleichzeitig wurde ein mißlungener Anschlag gegen den Minister des Innern Thugutt unternommen und der Minister ebenfalls verhaftet. Der Versuch, den Chef des Eeneralstabs Szepticki u verhaften, mißlang: denn die Offiziere, die ihn verhaften wollten, wurden von ihrer Mannschaft verhaftet, nachdem die Soldaten eingeschen hatten, wozu sie von ihren Offizieren mißbraucht worden waren. Auch der Versuch, das Staatsoberhaupt zu verhaften, blieb ohne Erfolg. Die Soldaten ver- ' Steten auf B-fobl des Obersten Berbecki die auf­rührerischen Offiziere. Somit war der Versuch, einen Staatsstreich durchzussihren, erledigt. Oberst Berbe-ki befreite die verhafteten Minister. Die Mitglieder der von militärischen und zivilen Ver­schwörern gebildeten Regierung mit dem Fürsten Eustachy Sapieha an bet Spitze wurden verhaftet.

Letzte Aachrichftm.

B e 11 i, JO. Ja». Die furchtbaren Straßenkämpft in Berlin haben in der Rächt eine nicht mehr zu über» bietende Höhe erreicht. Der Schlesische Bahnhof ist nach stundenlangem Kampfe mit Maschinengewehr«» nnb Geschützen durch die Regierungstruppen zur Ück­er obert worden. Mehrere 100 tote Spartakisten, fast alle mit BauchschSsien, liege» im Bahnhofsgebäude. Die Straße Unter den Linde» ist i» Besitze der Re» gierungstruppen. Im Zeituugsoiertel gab e» gestern abend 80 Tote und zahlreiche Verwundete. Die Döberitze^Heerstra^^f^o^Regierun^pteu^en^besetz^

Verleger und für dir Schrtstlritung veranlwortltch: JE«, phil C. Kitzrrsth tu Marburg.

Oie stmMgk In Serlin.

$er Kamps um bie Zeitungsgebäude. Die Re­gierung ruft bie Bürgerlichen zu ben Massen. Habel kündigt russische Truppen an. Forberung bet WestmSchte nach Ordnung.

t* Berlin, 10. Ian. Die Kampflage ist mit gfuem Stellungskrieg zu vergleichen. Die Schlacht ßeht. Die Regierungstruppen haben ebensowenig »ie bie Spartakisten weitere Eroberungen machen fSnueu. Es ist nicht gelungen, bie Spartakisten ,us ben Zeitungsviertel zu vertreiben. Die Ee, taube bet Zeitungen sinb bis unter bas Dach mit Maschinengewehren bestückt. Da bie Spartakisten die Regierungstruppen gebeten haben, keine Be­schießung bet Schäube durch Geschütze wegen bet Gefahr «""michtung bet wertvollen Einrichtun­gen u«b * <nen vorzunehmen, ist es schwer, ihnen betzukommen. Es werben setzt Br suche ge­macht, bie Eebäube durch Flammen» unb Minen- werser sturmreif zu machen. Gestern 8'benb tobte eine förmliche Schlacht, ohne eine Aenbe- runq der Lage herbeizuführeu. Reue Kämpfe ent=

Sonntags finden keine Beerdigungen mehr statt.

* Zur Arbeitslosen-Fursorge wird uns mitgeteilt, daß die Etw:rbslosen-Untctstützung nicht auf 5 M erhöht ist, sondern ihre Erhöhung erst in Erwägung gezogen ist.

* Strafkammer. Ein jugendlicher Kellnerlehrling ließ sich verleiten, nach und nach E'ldbctrage in Höh« von zusammen etwa 200 M aus der Kasse zu entwen­den. Er benutzte dazu einen falschen Schlüssel. Der Junge, der große Reue zeigt« und dessen Eltern auch den Schaden voll ersetzt haben, wurde zu 6 Wochen Ee- fängnis verurteilt. Ob er die Strafe verbüßen muß, dürste an seiner weiteren Führung liegen, denn es soll Strafaussetzung beantragt werden.

* Preußische Kkassenlotterie. Trotz der Unruhen in Berlin findet bie Ziehung zur 1. Klasse zur neuen Lotterie ohne Störung statt. Am ersten Ziehnngstag fielen 30 000 M auf Nr. 124 470. Der höchste Gewinn zu 50 000 ,« wird am zweiten Tag gezogen. Wer im Getriebe dieser Tage die rechtzeitige Erneuerung zur 1. Klaffe versäumt hat, tut gut, dies sofort zur 2. Klasse nachzuholen. \

Deutsche demokratische Partei.

In dem überfüllten Stadtsaal teilt« am Dienstag Prof. Dr. Rade als Versammlungsleiter mit, daß durch eine Panne auf dem Wege nach Marburg der Hauptredner des Ab-nds, Bürgermeister Luppe- Frankfurt a. M., verhindert worden sei, zu erscheinen und ergriff nun selbst das Wort zu einem kurzen Ueb-rbstck der allgemeinen Lage, aus der man immer, noch eine gewisse Unsicherheit erkenne. Das Publi-; tum wisse nicht recht, welcher Partei es sich anschließe« falle. Das deutsche Volk müsse sich aufraffen zu« Widerstandsfähigkeit gegen die drohenden Gefahren und dürfe vor allem nicht seine gerechten Ansprüche ohne weiteres aufaeben. Dahin gehöre auch die K o l o- nialfrage. Man dürfe den Anspruch auf die Kolonien nicht aufgeben, ein ermunterndes Beisviel gäben sogar die Ausführungen der Linken in der Franks. ' ßeitg.", die diesen Bestrebungen das Wort rede. Der Redner richtete an die Versammlung die Frage, ob sie gewillt sei, einem zustimmenden Ausruf der Deutsch-Demokratischen Partei beizupflichten, bet dann nach dem Versechter bet Ko^onialfraq« nach Ber­lin abgefanbt werden würde. Mit allseitigem Bravo gab die Versammlung einmütig die Zustimmung. Als zweiter Redner sprach Geh.Rat Schröder -Cassel, der 16 Jahre als Abgeordneter des Landtages fun­gierte und betonte, daß et von seinem Gewissen wach- gerafen, für das gleiche Wahlrecht eingeireten sei, daß ein scharfer Trennungsstrich in einzelnen Punk­ten nach rechts und nach links gemacht werden müsse. Vor allem dürfe die Soziaidemokratte nicht alles für sich allein in Anspruch nehmen wollen. Der fol­gende Redner, Zahnarzt Luhban-Hanau, wendete sich gegen die Deutschnationale Volkspartei, die ben Frauen das zu nehmen trachte, was ihnen bie Revo­lution gebracht habe bas Wahlrecht. Ferner müsse gegen eine Diktatur von bet Linken, bie ben freien deutschen Rechtsstaat bedrohe, mit atfen Mitteln an­gegangen werden. (SeifatL) Seminarlehrer Max« Dillenburg entwickelte als weiterer Redner den Auiban des Beamtenstandes unter dem Absolutismus, geißelte den übertriebenen Büwkratismus, die Theorie deS krummen Rückens", trat ein für einen neuen Geist, der von oben nach unten bet Menschenachtung mehr Rechnung trage, bte alteKühlheit" müsse verschwin­den, die Bewährung im Leben müsse die Parole fein, freie Bahn dem Tüchtigen! Geh. Rat Troeltsch sprach darauf über bie Sozialisierung im Wirtschafts­leben. Wenn auch bei bet bisherigen Verstaatlich­ung einzelner Betriebe gute Erfahrungen gemacht wor­ben seien burch bewährte Beamte unb Gleichmäßigkeit bet Leistungen, so hemme auf bet anbeten Seite bie meisten Betriebe eine parlamentarische Kontrolle. Da der Etat im Voranschlag schon festgesetzt werden müsse, so fehle es an bet nötigen Bewegungsfreiheit unb Bieg­samkeit bes Handelns. Im allgemeinen sei die Büro­kratie kostspielig in öffentlichen Betrieben, die teuerer bewirtschaftet würden wie bie Privatbetriebe. Ersterer wohne eine zu große Schwerfälligkeit inne. Der Red­ner sprach bann noch übet bie notwendige Ein­schränkung der Macht des Großkapitals, die Heran­ziehung der Konsumenten und Zuführung großer Ver­mögen an die Gesamtheit: für dauernde Vermögens­steuer für Privat-Unternehmertum. Letzteres müsse ein Glied der Gesamtheit bilden unb btefer bienlich fein. (Großer Beifall.) Weitere Rebner traten ein für bie Listenverbindung aller bürgerlichen Parteien. Prof. Weichelt rief als letzter Redner auf zum gemein­samen Kampfe der äußersten Rechten his z» ben ge­mäßigten Sozialdemokraten gegen bie Spartakusgruppe und betonte, wie auch andere Redner vor ihm, die Notwendigkeit der Trennung von Staat und Kirche in aufklärenden Ausführungen. 1

XteatM. »eetert«. «erfe*»H#»9en wf*.

* Deutsch,latisnale Sollspertei. Sonnabend 8 Uhr spricht in den Stabtfälcn Pfarrer Veidt von der Pautslirch« in Frankfurt a. M., der als erster auf der Wahloorfchlagsliste für den Wahlkreis Hessen-Nassau st.ht. Pfarrer Veidt ist vielen Hessen, die im Felde waren, bestens bekannt als Divistonspfarrer der 9. Landwehr-Division, die sich in der Hauptsache au» Hessen fauch aus Marburg unb Umgegend) zusammen- gesetzt hat.

6«HÜiB* MMIM

Paris, 8. San. Bei der letzten Zusammenkunft bet Waffenstillstandskommiffion in Spaa wies Fach bie beutschen Vertreter barauf hin, daß bas Vorgehen des deullchen Befehlshabers in Polen unb in den bal­tischen Provinzen, der Waffen, Munition unb Schieß­material in den Händen der Bolschewisten zurückließ, aegen die Vereinbarungen des Waffenstillstandes sei, in denen festgesetzt worden ist, daß bie Räumung im Einvernehmen mit den Verbündeten durchgeführt wer­den müsse. Foch fügte hinzu, baß Deutschland für die von den Bolschewisten verursachten Unruhen unb ben baburch in bie,en Gegenden angerichteten Scha­ben verantwortlich gemacht werden würde.

Amsterdam, 8. Jan. Wadi demAllgemeen Handelsblab" erfährt bieTimes" ans Newyork, daß nach Roosevelts Tod General Pershing die meiste Aussicht als republikanischer Kandidat für die Prä- schentenwahl im Jahre 1920 habe.

General Ludendorff wieder I» Deutschland.

Berlin, 8. Jan. General Ludendorff hielt sich bisher im Einvernehmen mit d-r Regierung in Stockholm bei Verwandten auf. Infolge der in der letzten Zeit gegen ihn gerichteten Angriffe bat er bk Regierung um die Erlaubnis zur Rückkehr nach Deutschland gebeten. Nachdem diese Erlaubnis erteilt wurde, ist ßutrnboiff nach Deutschland abgereist, wo

ben auf dem Kampfplatz. Auch in Nürnberg kam es zu einem Putschversuch, wobei Spartakusleute die Redak­tion bgc sozialistischenFränkischen Tagespost" be­setzten.

München, 9. Jan. Aus Augsburg wird gemel­det, daß sozialistisch radikale Elemente bie Expedition betNeuen Augsb. Zeitg." unb derAugsb. Reuest. Nachr." stürmten. Sie bemächtigten sich der dort lagernden Vorräte an Wahlflugblättern der Deutschen Demokratischen Partei unb der Bayerischen Volkspartei, um sie bann auf ber Straße zu verbrennen.

AnslSudische Urteile.

Bern, 8. Jan. Die Schweizer Presse warnt die deutsche Regierung, bas Treiben der Spartakus­anhänger zu dulden, weil Deutschland nach der Er­klärung desBerner Tageblattes" dadurch das letzteAnfehen in der Welt verlieren würde.Feuille" weist darauf hin, daß ebenso groß wie die Spartakusgefahr die polnische Gefahr sei, sodaß Deutschland, wenn es beide Gefahren nicht beseitige, letzten Endes nur die Geschäfte Englands besorge, das nach dem endgül­tigen Zusammenbruch des industriellen Deutsch­lands sich in aller Ruhe mit der übrigen Welt ver­ständigen könnte.

Amerika für Milderung der Zwangsmaßregelu.

Rotterdam, 8. Jan. Nach einem Tele­gramm desNieuwe Rotterd. Cour." wird aus Newyork gemeldet: Das Staatsdepartement hat zu verstehen gegeben, daß seiner Ansicht nach die wirt­schaftlichen Zwangsmaßregeln gegen Deutschland gemildert werden müssen, wenn man von Deutschland Schadenvergütung erlangen wolle. Nach Auffassung des Staatsdepartements würde die Blockade schon vor Unterzeichnung des Friedensvertrage» aufgehoben werd« können.

Welker-wird über die Sage in Berlin gemeldet:

Berlin, 9.Ian. Die Regierung hat jetzt 500 Etuhenfen angeworben, bereu Bewaffnung erhobst ist. Die Sff'bentev^ampaguien werden von Front- »ffizieren geführt. Die Zahl bet Regierung-tnivveu £jefrt auf 70000 bis 80 000 Mann ange"mchsen

Die republikanische So^ba'enmehr £pbe fick von

Horn losgesagi unb sich in Stärke von 3600 Mann der Regierung zur Verfügung gestellt.

Reben ber ReichSbruckerei ist auch baS Proviantamt nebst Fekbbäckerei in bet Köpenicketsttaße durch Re- »iermrstSkrupven zutückerobett worden. Im Laufe des Vormittags setzten sich Regierungstruppen wieder in den Besitz des großen Proviantamts in Tempellos.

Der Lehrter Bahnhof ist fest in den Händen ber pegiemmg, die ihn mit etwa 360 Mann befehle. Vorort- »nb Fernverkehr sinb ungestört, bagegen ist bet Stadtbahn verkehr eingestellt. Ein Angriff ber Spartakisten auf ben Zenttalviehhof ist von ben Re­gierungstruppen abgeschlagen worben. Die Brauerei Bötzow am Prenzlauer Tor ist von Spar ffstcii besetzt worben. Auf baS Polizeiptäsibium ist baS Feuer aus einem Steilseuergeschütz eröffnet worden. Es verlautet, baß baS Polizeiptäsibium von Regierungstruppen genommen worben unb Eich- lot» geflüchtet sei. Eine Bestätigung bieser Meldung steht noch aus. Eichhorn ernätte einem Vertreter der Tel.-Union, wenn bie jetzige Regierung durch eine solche, bet Unabhäng gen ersetzt würde, wäre die Ruhe sofort wieder hetgestellt. Die neue Regierung würde nach ber Nationalversammlung ohne weiteres btreten, nm einer Regierung Platz zu machen, bie dem Willen deS ganzen Volkes entspreche. Aller- dingg müsse der Zeitpunkt der Wahlen wenig­stens em ein Bierteljahrhinausgeschoben fcttbtn, nm den GemüternZeit zur Beruhigung" l» lassen. Eichhorn versicherte, baß seine Partei >icht eher ruhen werbe, bis bie Regierung Ebert {»stürzt )ei. Eichhorn wirb selbst nicht glauben, bas deutsche Volk seine Worte für so treuherzig hält, wie sie scheinen sollen.

Die Gesamtvertuste ber letzten Tage beziffern sich «vf 200 Tote unb Verwundete.

Zum 1. Kommandanten von Berlin wurde als Nachfolger von Wels unb Fischer Klawunbe er* wannt.

Berlin, 8. Jan. Regierungstreue Tnippen haben l»ute bie JRote Fahne", das Organ des Spartakus- dundeS, be|etzt. Spartakisten hatten sich auf bem Hof «er Druckerei hinter Papierrollen verbarrikadiert, bie Wit Maschinengewehren bestückt waren. Nach kurzem Kamps konnten die Regierungstruppen das Bollwerk wrhmen nnb bie Redaktion besetzen. Ferner wurden dtt Telephonverbindungen ber Spartakusbüros abge- Knitten, so auch bie Telephonverbindungen Sieb* knechts unb Rosa Luxemburgs.

' Für bie Kühnheit der Spartakusleute ist eS bezeich* *»ssd, an den Anschlagsäulen heute ein Plakat Erscheinen konnte, auf dem man sieht, wie eine erbit* «rte Volksmenge Scheidemannaufhängt. Dar* Witt siehe« bie lakonischen Worte:Am 10. Januar."«

j DieOberhess'sche Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Der

U Q Bezugspreis beträat viertelst durch die Post (ohne Bestellgeld), 8.75 X.

k J12. O in der Stadt Marburg frei in« Hau« 3.75, bei unseren Zeitungsstellen auf dem