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«E derk Krelsblatt tot bk Krells Marburg und Kirchhain

Tageszeitung für (das früher kurheffische) Oberheffen

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DieOberhessilcke Zeitung" ttfdttnt lechem«! «vsckentlich. Ter Bezugspreis beträgt viertelf. butte dir PoR (ebne Bestellgelds, 8.75 X. m bet 6tabt Marburg frei in« 3.75, bei unseren Zeitungsstellen auf dem Land, 8,6 > X. Beileg Dr E. Hitzeroth. Merkt 21/28. Kernser. 55

Marburq

Mittwoch, 8 Januar

1919

Der Anzeigenpreis beträgt für die 8geip. Zeile«) amtliche, auswärtige I p j u. Sammel-Anr. 4) u 10*/, Kriegszuichlaa. Reklamereile I X. Jeder Rabatt f gilt als Barrabatt. Bei Auskunft butth die EeichSftsfteNe u. Vermittlung der Ingebete 26 4 Eendergediihr. Postscheckkonto: Nr. 5016 Amt Frankfurt e. 5K.

Die r«A in Mn.

Bisher ergebnislose Berhaedlunge«.

Brr kl», 7. Jan. DiePolitisch-Parlamentari- tchen Nachrichten" geben folgende Darstellung bet Er

der letzten Tage- Am Sonntag begaben sich der Ne« ernennte Polizeipräsident von Brrlin. Eugen Urcht, en> her Stadtkommandant Leutnant Fischer in Polizeipräsidium. um von dem am Sonnabend ab- fgefe'^te« Präfidenten Eichhorn die Nebergobe der ^Geschäfte je verlangen. Der ehemalige Polizeipräsi­dent weigerte sich zunächst, die beiden Herren zu emp- jangex, wA als er sich endlich dazu bequemte, demon­strierte et seine freundliche Gesinnung durch einen scharf tzeladeee» Revolver, der seinen Amtstisch zierte Er --erklärte, ei erkenne die Entlastung nicht an. Er sei >c-;x Berliner Vostzugsrat eingesetzt und werde nut auf Hessen Befehl weichen. Da die Sicherheitswehr sich nach tety: Diskussion auf denselben Standpunkt stellte, führe« bei Polizeipräsident und der Stadtkomman­dant Fischer zum Zentralrat, dem Rechtsnachfolger des PoklMstsvates b-s Berliner Arbeiter- uj^b Soldaten- dats. Inzwischen' hatten die KundgebnnKen eingesetzt. Hie 08« dem Svartakusbund in BerbfWing mit den ieito'wff»n8ren Obleuten der Grosibetriebe und der Dtte.-£)reenRation der Unabhängigen Sozialdemokra­ten in Szene gesetzt worden waren. Als die Re- glernefl sich diesen Zuständen gegenübersah, rief sie ihre Anbänoer noch in der Nacht auf Montag zum General­streik mch gn gewaltigen Demonstrationen gegen den Terror einer brutalen Minderheit auf Die Tetknehmer der Demonstrationen für die Re- HierNNg waren aber im emvsindl'chen Gegensatz zu Spartak»» «nbewaffet. Inzwischen kam es durck das Auftreten des Svartakus-Bundes in der Albrecht- firaste, Unter den Lind n und am Potsdamer Blatz zu einer Schießerei, die Opfer forderte. Das Tollste war. bafi sich mn Uhr eine Abordnung des SvorK'fus- Bunde, erft einer weihen Fahne der Postenkette her Renfemngstruvven am Willvelmsnlatz näherte, die «niet Bemfung darauf, daß die Reichskanzlei von SpartafwsHrten umzingelt sei. zur Uebergabe der Waffen «rnfforderte. Als die Regierungstruppen diesen -Wunsch chrem Kommandanten übermitteln wollten, wurbwi sie hinterr ücks feige und meuchlerisch be- schosieu nwb erlitten schmerzliche Verluste. Angesichis dies« Rowdntums sah sich der Kommandant der Schutz­wachs WPoungen,

energische Gegenmaßnahmen

Ml teeffew, Malchinengewebre traten in Tätigkeit, und -fled» hnyt 3eit war der Plak rein gefegt. Sväh- r«rd dieser Vorgänge batte sich bi* Zentrolleitung der UnaMängfgen entichlosten, ihre guten Dienste als chrlich« Makler anzubieten, womit fie gleichzeitig sich mit ber Berliner Zentralorganisation ihrer Partei in einen gewißen Gegensatz fetzte. Mit diesem Auf­trag «schienen in der Reichskanzlei die Herren Ditt- Utann. Dr. Brelt'cheidt und Kautsku. denen sich später Dr. Lohn zvqesellte. Auf ihre Frage nach dem Ver- handkmMWiklen der Regierung wurde erklärt, daß die Regiemtsg natürlich jede Möglichkeit begrüße. Blut- dergtehen mtb Bruderkampf in den Straßen Berlins zu «Witten. Während diese

Verhandlungen eingeleitet

wurden, fcbte Spartakus weiter, suchte sich des Kriegs- ministerNnns zu bemächtigen, sich im Direktionsgebäude der Lstenbahndirektion mit Handgranaten und Ma- .schinenHewehten häuslich niederzulasten und das Pro­viants»«» in der Köpenickerstratze zu stürmen. Diesen Steig «Ulen gegenüber bewahrte die Regierung ihre entfrosten,, kräftige Defensive. Die Regierung hat stch eteschlolsen, ein Werbebüro zu errichten, in -dem Ätiglieber der sazialdemokratischen Partei und der Lewerkschaften auf ihr Mitgliederbuch hin g*gen »de« Tenor bewaffnet werden. Inzwischen trafen die von ben Unabhängigen angekündigten revolutionären bleute ber Berliner Großbetriebe in der Reichs« kauzzek ein. Es war bereits 1 Uhr nachts. Es stellte stch heran», bafj an eine Einigung in diesen frühen Morgenstunden nicht zu denken , war. Die Regierung fort mit aller Entschiedenheit die Wiederherstellung des statns gw, bas heitzt die Räumung aller be­fohlen Gebäude als Borbedingung üfr den (Ein« foitt tn die eigentlichen Verhandlungen bezeichnet tatsächlich kam ein« Einigung nicht zustande Die Regierung wiederholte ihre Erklärung, bah fie

dann von der Waffe Gebrauch machen werbe, wenn dvn bei anderen Seite mit bet Wafs* Angriffe erfolg« «n Da bie Obleute eine gleiche Erklärung abgaben, -fo.kam es zur tatsächlichen Waisenruhe. Wie drese Waffenruhe aber eingehalten wurde, beweist am Klagendsten, bah um 5 Uhr morgen» eine Bande von veDaffoeten Spartakisten die Lindendruckerei Mit wtaebaltenem Revolver stürmte und ben dort provisorisch her gestelltenVorwärts" beschlagnahmte vnd die gedruckten Exemplare in die Spree warf. Die «etbauMengen wurden heute vormittag fortgesetzt. Es !forbe« bereits riesige Kundgebungen für die Regierung «mgesetzt. Da» Bild von Berlin hat fich gewechselt, 6partg{»e ist in den Hintergrund gerückt.

Wie dasAchtuhr-Abendblatt" meldet, sind die voiksbrnnftragten zu verschiedenen Zugeständnissen be- velt, doch müssen sie ihrerseits auf dem Rücktritt Eich- hori-z bestehen.

Berlin, e. Fan. DieD. Allg. Ztg." meldet. Ln' m<ra ft ich um 6 Uhr sogar in Privat. B« u s, » eingedrungen sei und dort gro^n Unfug ver­

übt habe. Auch die Privatwohnung bes neuen Polizei­präsidenten Ernst sei gestürmt und besetzt worden und in ihr Maschi vengerochee auf gestellt worden.

Berlin, 7. Jan. Durch die Eisenbahndirektion ist der Stadtbahnverkehr bis aus weiteres einge­stellt worden. Auch die Untergrundbahn hat den Betrieb eingestellt. Die westlichen Porortbahnen ver­kehren fahrplanmäßig. Die elektrische Straßenbahn verkehrt auf den meisten Hauptlinien. Der Potsdamer Bahnhof wurde von regierungstreuen Truppen besetzt.

Einer Nachrichtenstelle zufolge soll bei dem Spar- takur-Bmrd die Absicht bestehen, den gesamten Eisenbahnverkehr von und nach Berlin 1 ahm­zulegen, um das Heranbringen regierungstreuer Truppen zu erschweren.

Berlin, 7. Jan. Die Reichsdruckerei ist. rote die Post" berichtet, durch Soldaten mit Spartakus-An­hänger besetzt worben. Die Vorräte an fertigem Pa­piergeld wurden mit Beschlag belegt.

Auch das Rathaus ist seit Montag wie bie ..Germania" zu melden weiß, in den Händen der Spartakisten. Dasselbe gilt von der S t a d t h a u p t - Faffe.

Liebknecht erklärte in einer Ansprache: Dir revolu tionäre Arbeiterschaft Groß Berlins, die stommuni- stische Partei und die Unabhängigen haben einen Revolutionsausschuß gebildet. Ebert und Scheidemann sind heute abgesetzt.

Berlin, 7. Jan. Die Beamten de» Polizei­präsidiums haben, abgesehen von den Sicherheitsn^ann- kchasten, wegen Lebensgefahr da» Gebönde verlassen. Im Gebäude verblieben nur Polizeipräsident Eichhorn mit seinen <kicheckb-"'tSmannschasten.

Nach einer Meldung derTäglichen Rundschau" konnten bie Spartakisten in Span bau keine $ v folge erzielen. DieFrecheit" behauptet bas Ge­genteil.

Wie bieB Z. a. M." hört, ist unter bem Per­sonal der Groß-Berliner Straßenbahn eine Lohn­bewegung im Gange. DaS Personal fordert eine Erhöhung des Tageslohnes und hat an die Direk­tion des Unternehmens ein Ultimatum zur Er- süllnng seiner Forderungen gerichtet, das "Heu« abend abläuft.

Rene Kämpfe.

Berkin, 7. Jan. Gegen 2 Uhr mittags wa­ren die Wilhelmstraße und die benachbarten Stra- ßenzüge von Demonstranten für bie Regierung Ebert-Scheidemann dicht gefüllt. Als durch die Mauerstraße ein großer Zug von Anhängern des Spartakusbundes anrfl<te, wurde der Wilhelms- platz und der Platz vor dem Kaiserhof militärisch abgesperrt. Bald nach 2 Uhr rückte Artillerie an. Kurz daraus fielen Schüsse. Auch an anderen Stellen der Stadt kam es wiederholt zu Schieße­reien.

Berlin, 7. Jan. Heute wurde das Gebäude der Eisenbahndirektivn und das der fflifrenfom« mandantur am Schöneberger Ufer von Truppen der republikanischen Soldatenwehr besetzt. Sparta­kusanhänger, die das Gebäude beseht hielten, wur­den nach hartem Kampfe vertrieben. Eie hat­ten sieben Tote und eine Anzahl Verwundete, die Soldatenwehr zwei Täte.

Wie dieB. Z." erfährt, wurde der Schle­sische Bahnhof heute vormittag von Sparta« fuBeuten besetzt, die auf allen Bahnsteigen Wachen mit Maschinengewehren aufgestellt haben.

In den späten Abendstunden wurde um das P o st a m t in der Köpenickerstraße heftig gekämpft, das erst nach längeren Kämpfen von den Regie- rungstruppen geräumt wurde. Dor das Ge­bäude desWölfischen Telegraphen-Büros" zogen etwa 60 Mann Regierungstruppen. Ein Offizier stellte den das Gebäude besetzt haltenden Unab­hängigen ein Ultimatum von 10 Minuten, das aber nicht wirksam wurde, da die Regierungs­truppen sich weigerten zu kämpfen.

DieTägl. Rundschau" meldet: Am gestrigen Nachmittag zogen große Gruppen bewaffneter Ar­beiter nach der Pionierkaserne und versuchten die Soldaten zu überreden, ihnen die Kaserne zu über­geben. Als dies abgelehnt wurde, fuhren die Auf­ständischen Maschinengewehre auf und be­schaffen die Fenster. Die Garde-Pioniere gaben mehrere Salven ab, mit dem Erfolg, daß die Be­lagerer fich unter Hinterlassung von Toten und zahlreichen Verwundeten zuriickziehen mußten. Später kam ein Parlamentär und forderte im Na­men der revolutionären Obleute die Uebergabe der Kaserne. Als dies abgelehnt wurde, fuhren die Belagerer zwei Feldgeschütze auf und be­schaffen mit diesen fortgesetzt das Gebäude. 12 Volltreffer wurden gezählt. Es kam schließ­lich zu Waffenstillstandsverhandlungen, wonach die Besatzung die Waffen niederlegte. Die Aufftöndischen hatten auch bei dem letzten An­griffe wiederum mehrere Tote und 20 bis 30 Ver­wundete.

Berlin, 7. Jan. Während mit Einbruch der Dunkelheit im Stabtinnern verhältnismäßige Ruhe eintrat, kam es in der Köpenicker Straße zwischen den dort liegenden Pionieren und dem 3. Garde-

Regiment zu Fuß zu einem lebhaften Maschinenge­wehr-, Gewehr- 'und Handgranatengefecht. Der Kampf geht in der Hauptsache um das in der Köpe- nitfer Straße gelegene Proviantdepot. Die Pioniere stehen auf Seiten der Regierung, während das 3 (Barberegiment zu Fuß zu den Anhängern der Spartakusleute zählt.

DieDeutsche Abend-Zeitung" bezeichnet die Nachricht, daß ein großer Teil ber (Barbetruppen zu ben Putschisten übergegangen sei, für unzutreffend.

Eine Division im Anmarsch auf Berlin.

Berlin. 7 Jan Nach einer Meldung berDeut­schen Abendzeitung" ist eine vollständige Division mit Artillerie und Maschinengewehren au» ber Richtung Potsdam im Anmarsch.

WB Berlin. 7 Jan. Die Zeitungsmeldung, nach bet Generalfeldmarschall v Hindenburg in Berlin eingetroffen sei. entspricht nicht den Tat­sachen.

Die Matrosen für die Regierung.

Berlin, 7. Jan. Heber die Haltung bei; Volksmarinedivision berichtet derVorwärts", Stadtkommandant Leutnant Fischer habe fich ge­stern nach dem Marstall begeben, wo er Dorenbach und Liebknecht antraf. Auf die Frage, was vor­gehe, erklärte Dorenbach. es bestebe ein Eeheimver- trag zwischen der Volksmarine-Division und den Spartakuslenten. Liebknecht. Pieck und Eichhorn erklärten sodann Fischer, er müsse dableiben, da er Einblick in die Dinge bekommen habe. Er solle aber Befehl geben, die Alarmbereitschaft der Trup­pen aufzuheben. Auf erneute Fragen Fischers wurde geantwortet, das Volk habe befchloffen, noch heute die'Regierung zu stürzen und die Diktatur zu verkünden. Da Fischer sich ablehnend verhieß wurde er in ein Zimmer ein« geschlossen. Hm 10 Hhr vormittags erschienen Vertreter der Kommandantur und teilten mit, der Marstall würde gestürmt werden, wenn Fischer nicht freigegeben werde. Rach Hnterhandlungen unterzeichnete Fischer eine von ihm abgefaßte Er­klärung, daß er nichts unternehmen werde, um den Marstall zu stürmen, und fein Amt nieberlege. Kurz darauf erschienen sieben Vertreter der Volks- marine-Division und erklärten, sie lehnten jede Gemeinschaft mit ben bewaffneten Spartakusbanben a b und übernähmen für die Ta­ten der im Marstall angesammelten Zivilisten keine Verantwortung. Es wurde befchloffen, den bis­herigen Führer Dorenbach zu verhaften. Um 8 Hhr abends verließ Fischer unter dem Schutz ber Marine ben Marstall.

Wie bieTägl. Rundschau" erfährt, hat fich die Volksmarinebivision voMiändig auf die Seite der Regierung gestellt. Sie Hat überall die Führer " b g e s e tz t und neue gewählt. Ferner hat sie das Revolutionskomitee, das im Marstall saß, beseitigt.

Radek au der Arbeit.

Berlin, 6. Jan. Wie dieDeutsche Tages­zeitung" erfährt, fuhr Radek, der Plötzlich wie­der in Berlin auftauchte, Unter den Linde« auf und ab und sprach auf das Volk ein.

Die Berliner Presse unter Kontrolle der Spartakuolente.

Berlin, 7. Jan. Die Berliner Zeitungen stehen nunmehr sämtlich unter bet Kontrolle bet Spartakusleute. Während bie Zeitungsbetrtebe Scherl, Moste und Ullstein ihre Blätter immer noch nicht herausbringen konnten, sind andere Organe bis­her am Erscheinen nicht verhindert roorben.Ger­mania" undTägliche Rundschau" können wie bisher ihre Meinung zum Ausdruck bringen. DieVolks- Zeitung", dieN uesten Nachrichten" und andere stehen dagegen unter Vorzensur und müllen fich jeder Aeuhe- rung gegen dte revolutionäre Arbeiterschaft enthalten. Die für heute angesagte Preffekonferenz konnte nicht stattfinden, da die Spckrtakusleute den Reichstag besetzt hatten.

DieTägl. Rundschau" spricht von demgroßen T o 11 h a u s an der Spree". Berlin werde jeden Tag mehr das Irrenhaus Deutschlands.

Die Spartaknsarbeit im Reiche.

Halle, 7. Jan. Heute vormittag sammelten fich auf dem Marktplatz Mattosen und Soldaten an, die unter Hochrufen auf Liebknecht und Rosa Luxemburg Flugblätter der Deutschen Demokratischen Partei und der mehrl-eitssozialistischen..Volksstimme" verbrannten. Die Geschäftsstelle bet Demokratischm Partei wurde von Spartakisten besetzt. Das Personal bet demo­kratischenSaale-Zeitung" zwangen sie zur Einstellung bet Arbeit. Das Erscheinen bet Zeitung würbe bis auf weiteres verboten. Für heute nachmittag werden Unruhen erwartet. Die Geschäftsleute sind aufgeforbert worden, ihre Läden zu schließen.

Essen, 7. Jan. In einer im Dereinshause statt­gefundenen Versammlung bet Spartakusleute würbe einstimmig eine Entschließung angenommen, am Tage ber Nationalversammlung den Generalstreik zu erklären und mit allen nur möglichen Mitteln bie Wahle» zu hintertreiben.

Nürnberg, 7. Jan. ..»tag rontbe

bas Organ bei Mehtheitssoz.^i.,.^u, dieFränkische Tagespost", von Spartakuslenten besetzt.

Stuttgart, 7. Jan. Das Kriegsministerium er­läßt folgenden Aufruf an bie roürttemb-rgifd* Be­völkerung' Die Regierung bat Kenntnis davon, daß die Vorbereitung und Durchfübrung bet Wahlen zu, Rational- und Landesversammlung gestört werben sollen. Die provisorische Regierung ist entschlossen, bie Errungenschaften bei Revolution, zu benen a u <6 bai Wahlrecht und die ungehemmte Wablfreiheit gehören, mit aller Entschiedenheit zu verteidigen. Zu diesem Zweck hat sie ausreichende Maßnahmen getroffen.

Braunschweig,?. Jan. Die revolutionäre Ar­beiterschaft der Stadt Braunschweig ist heute in einen Sympathiestreik für die Pattei Liebknecht eingetreten. Die Geschäftshäuser der bürgerlichen Zeitungen und das Büro desSozialdemokrat", des Organs der iortal- ^emokratischen Partei, wurden gestürmt. Zeirii'-gen und Flugblätter wurden vor dem Schlosse zu einem Berge au^getürmt und verbrannt. Der Straßenbahn­verkehr ist eingestellt.

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MnltilM Mb Mtzm.

Berlin, 7. Jan. Mit Rücksicht darauf, daß eine weitere Verlängerung des Wafsenstillstl" des demnächst spruchreif wird und um bie Absich. der Regierung beurteilen zu können, verlangte der Vorsitzende der französischen Waffenstillstandskome misston in Spaa noch genauere Angaben als die bisher erteilten über den Verlauf der deutsche« Demobilmachung an allen Fronten.

Die Reichsregierung hat fich von neuem an bie Verbündeten gewandt, mit dem Ersuchen um bal­dige Aufnahme der Verha"dlungen zur Hebet» leitung des Waffenstillstandes in den allgemeinen Friedenszusta-d. Gleiche Schritte sind von der deutschen Waffenstillstandskommisfion übet» nommen worden.

Paris, 7. Jan. DerMattn" sagt, daß ernt Deutschland 122 H-Boote abgeliefetl roorben seien. Es muffen noch ungefähr 60 abge­liefert werden. Die letzte Gruppe bestehe aus b<# aus dem Mittelmeer zurückkehrenden Einheiten.

Berlin, 6. Jan. Dem Ersuchen des engl'.fchen Borsitzmden der Waffenftillstandskommission in Svaa. englischen Offizieren den Besuch veichiedener deutsche, Städte zu gestatten, um dort die Unterlagen für di« Nahrungsmittelversorgung und die Ern^h rnngsfrage zu stndieven. wurde deutscherseits ftaf *>>> geben. Die britischen Offiziere werden bie Stabte Ber (in. Leipzig. Eassel, Hannover, Hamburg. München ui.i eventuell auch andere deutsche Otte besuchen.

Die Westmächte und die Vorgänge in Berlin.

B eil i n, 8. Jan. DieDeutsche Allgemeine Atg." schreibt: Die bedauerlichen Vorgänge in Berlin am Sonntag und Montag haben nach Beretts vorliegenden Depeschen der deutschen Vertreter eine geradezu ver­hängnisvolle Wirkung auf unsere außenpolitische Lage gehabt. Die Vertteter der Entente haben fick bereite erkundigt, ob Deutschland nach diesen Ereignissen in der Gage sei, seinen finanziellen Verpflich. tu ngen zu entsprechen. Sie verlangen Sicher­heiten für die Erfüllung ihrer Forderungen und drohen, fich im Eventualfall« biefe Sicherheiten auf eigene Faust zu verschaffen. Wenn sich bat deutsche Volk nicht im letzten Augenblick gegen Sparta­kus setzt, so droht dieser Sfiaoenbefreiet uns tn die ewige Schuldknechtschaft bet siegreichen Entente zu stürzen.

Die Richtlinien der Friedenspolitik der verbündeten.

Paris, 6. Jan.Daily Mail" meldet aus Paris: England, Frankreich. Amerika und Italien haben sich nunmehr übet die Hauptlinien ihrer Politik geeinigt, aber es bleibt noch eine Reihe von Einzelfragen zu regeln übrig. Deshalb ist es ausgeschloffen, auch nur annähernd zu sagen, wann das Schlußprotokoll unterzeichnet werden wird; wahrscheinlich wird man mit dem Monat Juli rechnen müffen. Man würde alles tun, um die Friedensbedingungen so genau zu umschreiben, daß ein möglichst geringer Spielraum für eine Aus­sprache mit ben Feinben übrigbliebe. Auf bet Liste ber Forberungen seien verzeichnet: Entschädi­gung. Wiederherstellung und Rückgabe und gleich­zeitig die Art und Weise, auf die alles zu erledigen sei, die Bürgschaften, die für eine rechtzeitige Durchführung der Beschlüffe verlangt würden. Ferner enthält die Liste verschiedene Grenz- änberungen, bie Rückgabe Elfaß - Loth­ringens, die Gründung neuer Staaten in Ost­europa und in Kleinasien und die Rückgabe des noch unbefreiten Italiens, sowie die Bestim­mungen über die künftige Stellung bet Türkei und Bulgariens, die deutschen Kolonien, dte künftige Organisation von Heer und Flotte, Han- belsfragen und Probleme gewisser Flüffe (Tonnt, ufro.) und Küstengebiete. Wahrscheinlich wird «ich die Bestrafung xewiffer psliftscher füh- icknder Persönlichkeiten, für deren verbrecherische Haltung während des Krieges verbutgt «erden.