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& Melk abgesaudi ist des Inhalts, baß fit der Nacht I Dom 1. zum 2. Januar der Geschäftsführer des Bun­des der Deutsch-Lest erreiche! in München, Karl Man­del, mit Hilfe bayerischer polizeilicher und militärischer Wachmannschaften sowohl die österreichische Gefandt- gaft wie das österreichische Konsulat besetzt hab«. Er, sner, habe noch in der Rächt persönlich die Befreiung der Gesandtschaft und des Asnsulats herbeigeführt «nd die Gesandtschaft unter seinen Schutz gestellt. Wegen ldiefer Völkerrechtsverletzung bitte er die Regierung »Dentsch-Oesterretchs um Entschuldigung. Die von ihni verfügte Verhaftung Mandels sei Mieder aufgehoben, da der bisherige österreichische Gesandte Gras Bruselle selbst erklärte, er lege auf die Verhaftung keinen Wett.

Neisse. 3. Jan. Im Offiziersgefangcnenlager Neisse versuchten die Offiziere einen bewaffneten Aufstand, zu dessen Unterdrückung Militär hinzuge­zogen werden mußte. Aus beiden Seiten gab es Tote und Verwundete.

Uebergrifs eines tU »nd S^Rates.

Berlin, 3. Jan. Der vorwärts" meldet aus Gelsenkirchen: Der Oberbürgermeister von Gelsenkirchen, Machenz, ist durch den Ar­beiter- und Eoldatenrat a t gesetzt worden, weil er in seinen Anschauungen mit der neuen Zeit nicht Lbereinstimme, wegen Nichterfüllung gewisser For­derungen und weil er es nicht verstanden habe, Autorität «nd Ansehen des Arbeiter- und Col- datenrates feit dem 9. November zu heben. Der »Vorwärts" bemerkt dazu: Vor einigen Tagen meldeten wir aus Eelsenkrrchen, daß ein dortiges bürgerliches Blatt von dem Spartakus-Bund kurzer Hand verboten worden ist. Diese Vorgänge fordern schärfstenWidersprvch heraus und find aus die Dauer nur geeignet, das Ansehen der Revolu­tion zu s ch ä d i g e n.

Der neue Kriegsminister.

Berlin, 3. Jan. Kriegsminister Echeüch hat den von ihm erbetenen Abschied erhalten. Zu sei­nem Nachfolger ist der wütttembergische Oberst Reinhardt ernannt worden. Oberst Reinhardt war im Kriege zuletzt Chef des Generalstabs der 7. Armee und der Heeresgruppe B o e h n (deren De­mobilisation in Marburg und Umgegend erfolgt ist.) Oberst Reinhardt hat sich vorher an der Somme, in Flandern, am Damenweg und an der Vesle und Marne hervorragend ausgezeichnet. Bei Beginn der Demobilisation übernahm er das neue Demobil- machungsamt im preußischen Kriegsministerium.

Hindenburg gegen de« RäteLmgretz.

Berlin, 2. Jan. DieFreiheit" macht Mittet, hing von einem vertraulichen Telegramm, das Hinden bürg an das Oberkommando Ost gerichtet habe, in dem et sich gegen die Befchlüste des Rätekongresses wendet. Das Telegramm hat nach dexFreiheit" folgenden Wortlaut" ,Zch erkenne di« von dem Zentralrat der A- und E.-Räte gefaßte Resolution zur Verordnung über das Heerwesen, insbesondere der Stellung der Offizier« und Unteroffiziere n i ch t an. Ich bin der Auffassung, daß eine solche tief in das Leben der Na. tton und des Heeres einschneidende Veränderung nicht von einer einseitig entscheidende» Vertretung, sondern nur von der durch das ganze Volk berufenen Ratio­nalversammlung gettoffen werden darf. Das Heer steht nach wie vor zu der Regierung Ebert und erwattet von dieser Regierung, daß fie die von ihr ge­gebene Zusage über de« Bestand des Heeres und Richt- finien über die Befugnisse der vettretenden Männer des Heeres weiter als maßgebend anerkennt und da­durch dem Offizier- und Lnberoffizierkorps ermöglichen wird, weiter Dienst zu tun. Ich bin in diesem Sinne bei der Regierung vorstellig geworden. Es bleibt da­her Lei den bisher gegebenen Befehlen."

Der nut EtaatstommM« für Wohmmgswefe«.

B e r i n, r. Jan. Als Rachfolger des in de« Ruhe­stand getretenen llnterstaatsfekretärs Frhrn Max Loels »an der Brügghen ist Geheimerat Adolf Scheidt vom Reichsarbcrtsamt zum Reichs- und preußische« Staats« kommifsar für Wohnungswesen ernannt worden. Die Politisch-Parlamentarische Nachrichten" bemerlen da­zu: Damit tritt an die Spitze des Wohnungswesens ein Mann, der wie wohl kein zweiter die außerordentlich schwierigen Zusammenhänge Ms Wohnungs- und Siedelungswesens zu übersehen vermag. Der neue Reichs- und Staatskommissar ist fei« studierter Mann, hat aber bereits als Reichsbeamter eh* Lauf­bahn hinter sich die wohl einzig dasteht. Infolge feiner ungewöhnlichen Tüchtigkeit wurde er vor sechs Jahren vom mittleren Beamten zum Regierungsrat im Reichsamt des Innern ernannt, später zum Geheimen Regierungsrat und Vortragenden Rat im Reichswirt­schaftsamt berufen, «nd erst kürzlich ist et Dirigent der hn Reichsarbeitsamt «««gegründeten Abteilung für Wohnungs- und Siedelungswese« geworden. Adolf Scheidt steht im 48. Lebensjahr.

I gi HW« SM!

1' Kon unserem Berliner Vertreter.

i Mit der Bildung einer lediglich aus Mehrheits- Joyoii^en bestehenden Regierung sind Wir »och lange nicht über die Schwierigkeiten in der inneren und äußeren Lage deS Reiche- hinweg. Es ist vielmehr damit zu rechnen, daß jetzt erst recht von äußerst Unter Seite die Wühlereien und zwar mit den aller- fchärfften Mitteln fort gefegt werden. Einen Vorge­schmack dessen, was «ns erwartet, bot die in diesen Ta- eai in Berlin abgehaltene Reichskonserenz des Sparta­kusbundes. Wenn man sich diese nunmehr in aller j Oeffentlichkeit sich vollziehenden Machenschaften ver- I gegenwärtigt, erkennt man, daß unsere politische und wirtschaftliche Volkswirtschaft in höchster Gefahr sich befindet.

2« Spartakusbund hat beschlossen. gegen die Heber- ; radikalen Liebknecht und Rosa Luxemburg sich an den Wahlen zur Nationalversammlung n i ch 1 zu beteiligen. \ Man sieht daraus, daß die geistigen Führer dieser ' radikalen Bewegung ihre Seide nicht mehr in der Hand i haben. Sie toerben einfach von einer noch radikaleren Sturzwelle hinweggefegt. Der Gang der Beratungen ließ keine« Zweifel darüber, was man im Schild« führt. tSeioalt, brutalste Gewalt wurde gepredigt. Roch Weit gefahrdrohender sind die Pläne deS Spartakus- dundes in außenpolitischer Beziehung. Daß ein Mann Wie Radek, der Propagandachef der russischen Boi- Kheviki-Regierung nach Berlin kommen und dort in kr Versammlung des Spartakusbundes reden konnte, ist an sich schon ein starker Stück. Daß aber dieser .Man« eine« «tue« »nd zwar aus deutschem Boden auszusechtenden Krieg btt vereinigten russischen und j deutschen BolschÄsikianhänger gegen die Westmächte i vroklaminrn konnte, läßt alles hinter sich, was da» ge- ' huldige deutsche Volk sich bisher bieten lasses mutze.

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Unfere nationale, völkische und politische Sicherheit, )ie Ruhe unseres Landes und der Frieden, dem wir in mühseliger Arbeit zusteuern, sind in höchster Gefahr. Wir wollen Ruhe, Ordnung, Brot und Frieden. Wer das will, muß bei den Wahlen zur Nationalversamm­lung den Kampf bis aufs Messer gegen den Bolschewis­mus führen. . ,_j

M MWMMt.

Berlin, 2.Jan. Am Neujahrstag fanden drei zahlreich besuchte Versammlungen der Deutsch na­tionalen BolkSpartei statt. In der Hochschule für Musik sprach der Altmeister klassischer Wissenschaft Exz. v. Wilamowitz-Möllendorff: Alle, die wirllich deutsch empfinden, gehören zu uns. Die Unter­ordnung unter eine große Gesamtgemeinschast macht den Sieg arst möglich. Schlagen wollen wir dann auch mit der Deutschen Volkspattei und der Christ- lichen Volkspattei. Wir empfinden heute das Inter­nationale als Gegensatz zum Deutschtum. Wenn auch in Sozialdemokratie und Demokratie viele Mitläufer nicht von ihrem Deutschtum loskönnen, ihr Grund­irrtum ist doch das Internationale. Wir brauchen nicht die fremden Formeln westlicher Demokratie. Wir sind Germanen, und im Germanentum steckt was mehr ist, als alle Demokratie: die Selbstverwaltung. Unser- Pflicht ist: Alle- Mann und Frau, zur Wahl­urne. Wenn wir, von der deutschnationalen Volks­partei, zur Urne schreiten, so denken wir daran: mit uns geht Luther und Lessing, Stein, Wilh. v.Humboldt, Bismarck und vor allem ver­gessen wir's nicht! auch der alte Fritz geht mit uns ! (Stürm, c Bnsatt.s Prof. Dr. Ho cd sch forderte entgegen der beabsichtigten Dolrs- wchr ein Volks Heer. ___ <..utu.e Cer Offizier-

werde wrederkommen, weit man sie einfach brauche. (Stürm. Beifall.)

Berlin, 3. Jan. Im Wahlkreis Breslau haben di« Deutschnattonalen lautSchlesischer Zeitung" den konservativen Führer Grasen Westarp an zweiter Stelle für die Rationalrvahk aufgestellt.

Frankfurt a. M., 3. Jan. Die endgültige Zen­trums liste für Hessen-Nassau für die Wahl zur Nattonalversammlung weist folgende Namen auf: 1. Rentner Müller, Fulda; 2. Becker, Sekretär des Zentralverbandes christlicher Bauhandwerker, Berlin; 3. Mittelschullchrer Schwarz, Frankfurt am Main; 4. Volksvereinssekretär Frank, Fulda; 5. Pfarrer Mül­ler, Elz; 6. Fra« Zohla Bontant-Klehe, Frankfutt a. M.; 7. Vogt, Handwerker und Landwirt, Hünfeld; 8. Kreisschulinspektor Joos, Ransbach; 9. Dr. Kramer, Redakteur, Hanau; 10. Buchdruckereibesitzer Heil, Frankfurt a. M.; 11. Pfarrer Ebel, Neustadt; 12. Fabrikant Ohlig, Montabaur; 13. Amtsgerichtsrat Auth, Cassel; 14. Landwirt Eifel, Montabaur; 15. Frau Gymnasialdirektor Beckmann, Limburg.

Karlsruhe, 2. Jan. Gegenüber einer von Heidelberg ausgehenden Anregung, den Prinzen Max von Vaden auf die Wahlvorschlagsliste der Deutschen demokratischen Partei für di« Nattonalversammlung zu etzen, kann mitgeteilt werden, daß die Parteileitung von der Aufltellung dieser Kandidatur abgesehen hat in der Meinung, den früheren Reichskanzler nicht für die Interessen einer Pattei in Anspruch nehmen zu dürfe». Diese Auffassung begegnete sich mit den Mün­chen des Prinzen Max.

Einigung der sozialde«. Parteien in München.

München, 3. Jan. Zwischen den Mehrheits­und de« unabhängigen Sozialdemokraten ist es in München zu einer Einigung gekommen.

Des Wahlrecht der heimkehrende« Fronttruppen.

Berlin, 2.Jan. Die Angehörigen des Heeres und der Marine; die vom 7. Januar ab aus dem Felde heimkehren, können ohne Einttagung in die Wählerliste zur Nationalversammlung wählen, wo sie sich am Wahltage aufhalten. Eie erhalten nach einer Verordnung deS Rates der Volksbemistragten eine Bescheinigung darüber, daß sie erst nach dem 6. Januar aus dem Felde heimkehtten. Diese Bescheinigung muß von dem nächsten dienstlichen Vorgesetzten in der Stel­lung mindestens eines Kompagnresührers ansgestellt fein. Der Wahlvorsteher oder fein Stellvertreter hat sie vor der Ansübung des Wahlrechtes abzunehmen.

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91t ftlMt MtzW.

Mainz, 2. Ian. Gegen Ausschreitungen, wie Diebstähle, Abreißen von Plakaten, Nichtannahme von Einquartierung gehen die Franzosen sehr streng vor. Doch sind solch« Fälle meist nur auf dem Lande vorge­kommen. Französische Flieger finb häufig über der Stadt zu scheu. Das bürgerliche Leben stockt, da das Rückgrat der Mainzer Industrie, b'e großen Fabriken für Heeresbedarf, strll liegen, so daß die Stadt gewal­tige Unterstützungen für Arbeitslose aufzuwenden hat. Die Ernährungsverhältnisse sind nicht beffer, ober auch nicht viel schlechter geworden. Doch sind für die Zivilbevölkerung die Preise durch di« Einkäuse der Besatz:/g ziemlich gestiegen. Gemüse werden sehr zahlreich angeboten, eine Folge der Sperrung nach dem rechtsrheinischen Bersorgungsgebiet, wo sonst die rheinhessischen Bauern ihre Erzeugnisse absetzten. Da­gegen sind Geflügel, Rleintiert und Fische völlig vom Markt verschwunden. Auch eine ziemliche Wohnungs­not ist eingetreten, da die fremden Stäbe alle verfüg­baren Räume belegen.

Wiesbaden, 2. Jan. Da die Haltung man­cher Einwohner gegenüber der Besatzung den Franzosen anscheinend nicht liebenswürdig genug ist, verfügte der tammandierende General, daß fämtliche Einwohner, mit Ausnahme der Frauen, auf den Bürgersteigen de« französischen Offizieren ausweiche« müsse«.

Toblenz, 2.Jan. Im Gegensatz zu den Fran­zosen und Engländern handhaben die Amerikaner ihre Herrschaft mit weitherzigster Milde. Der Wunsch des Oberbefehlshabers, daß die Bevölkerung tun- möge, als ob eine fremde Besatzung gar nicht ha wäre, ist er­füllt. DaS von den Amettkanern veranstaltete Weih­nachtsfest für die Bürgerschaft jeigte einen riesige« Be­such. We Jugend erhielt eine Menge Süß gkeiteu und Lausende von Llechtrompeten. Auf den Plätzen spielten die amerikanischen Kapellen deutsche Deih- nachtslieder. Für die Bevölkerung richtete die Ver­waltung Konsumanstalten ein.

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Marburg im* Umgegend.

Marburg, 4. Januar.

* lluioeefität. Der bisherige Oberarzt an der chirurgischen Klinik Prof. Dr. Hagemann, der mit Geh. Rat König nach Würzburg übersiedelte und die Stelle des L Assistenten an der dortigen chirurgischen Klinik übernommen hat, llhielt den Titel und Rang «in« a. o. Professor», Er war feit 1912 Privatdchzewk in Marburg.

* Kirch siche«. Die Gemeindevertretung bet hie­sigen lutherischen Gemeinde hat beschloffen, in Sa­chen der Trennung von Staat und Kirche eine Ein­gabe an das Ministerium für Kunst usw. zu richten in der entschieden Einspruch dagegen erhoben wird, daß ein« Veränderung des Derhältniffes zwischen Staat und Kirche durch einen Machtspruch geschehe. Alle über 20 Jahre alten Eemeindeglieder werden gebeten, diese Eingabe zu unterzeichnen. Ent­sprechende Listen werden nächste Woche in Umlauf gesetzt werden.

* Freiwillioe für Grenzschutz Ost. Wie wir von berufener Seite erfahren, verschärft sich die Lage im Osten täglich. Es ist höchste Zeit, den unsere östlichen Grenzmarken bedrohenden feindlichen Völkern, wie Polen und Tschechen, zu zeigen, daß das deutsche Volk nicht gewillt ist, mit sich spielen zu lassen. Di« Anwesenheit starker deutscher Truppen wird aus­reichen, diesen Erfolg herbeizuführen. Obwohl bei den Werbestellen fortgesetzt neue Meldungen ein­gehen, ist der Bedarf an Freiwilligen nicht an­nähernd gedeckt. Bei den außerordentlich günstigen Bedingungen, unter denen die Werbung für den nicht schweren Dienst stattsindet und im Hinblick auf die gegenwärtige Lage des Arbeitsmarktes kann je­dem Offizier, Unteroffizier und Mann, dem der Uebergang ins bürgerliche Leben Schwierigkeiten bereitet, der Eintritt in den Grenzschutzverband dringend angeraten werden. Jeder mache Freunde und Bekannte aufmerksam.

* So« Magistrat wird uns mitgeteilt: Wie be­reits einmal erwähnt, ist die Stadt in der Lage, auf den Kopf der Bevölkerung 1 Pfund Weizen­mehl abgeden zu können. Das Weizenmehl ist als Notstandsmehl als Ersatz für andere Nahrungs­mittel uns gegeben, kann aber nur zum Preise von 90 Pfg. für das Pfund abgegeben werden. Um den Haushaltungen, in denen der Haushaltungsvor­stand einen Wochenlohn bezieht, den Einkauf zu erleichtern, soll der Verkauf auf die Nummerkarten 3 und 4 in der nächsten und übernächsten Woche er­folgen. Die Haushaltungen, die in der Lage finb, auf einmal das Weizenmehl einzukaufen, werden gebeten, im Interesse der Vereinfachung des Ver­kaufs für die Bäcker und Kaufleute den Einkauf auf einmal vorzunehmen und hierbei die Karten 3 und 4 ungelreunt abzugeben. Die Bevölkerung wird dringend ersucht, sich in reichlicherem Maße als bis­her an den, Gemufeoerkauj der Stadt zu beteiligen. Es muß dringend darauf hingewiesen werden, daß es wohl kaum möglich fein wird, die In Aussicht ge­nommenen Kartofielmengrn voll verteilen zu kön­nen. Es gilt deshalb jetzt jede Möglichkeit wahr- zunehmen. um die Kartosfeloorräte zu strecken. Die Stadt hofft bald größere Vorräte von Steckrüben einkaufen zu können, und es wird auch dann der Bevölkerung dringend geraten, Steckrüben als Streckung der Kartoffeln zu benutzen.

Die Äeufirmaabenftenb« der reformierten Mäd­chen (Pfarrer Ptannet) findet übermorgen Montag, den 6. Januar, um 11 Uhr im Pfarrhaus am Rar­bacherweg Nr. 10, statt.

Theater Koitierte, vertan, «lungea »ft«.

* 8er|ew«I»ng der Deutschen Bottspartei. Ml« man uns mittet«, wird am Montag, den 6. d. Mis., in einer öffentlichen Versammlung der Deutschen Volks­partei im Etadtsaal Herr Geheimrat Pros. R i e ß e r aus Berlin sprechen. Rießer ist bekanntlich Vorsitzender des Hansabundes sowie des Zentralverbandes des deut­schen Bank- und Bankiergewerbes und war bisher ein namentlich in wirtschaftlichen Fragen Mrendes Mit­glied des Reichstags, in dem er der «atonalliberalen Partei angehörte. Sein Rome steht als erster auf der Kandidatenliste der Deutschen Lolkspartei zur Na­tionalversammlung für den Wahlbezirk Hessen-Naffau- Waldeck, die daher de« NamenRießer liste" führt.

Heeresgut ist Reichsgut Gieb heraus, was nicht Dir gehört. Rekhsverwertungsamt, Berlin VI. 8. Friedridistr. 66.

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Versammlung der Zentrrrmsparlei.

Auch die hiesige Zentrumspariri ist gestern abend in einer wie immer von Angehörigen aller Parteien stark besuchten Versammlung in den Stadtsälen mit ihrem Programm an die Oeffentlichkeit getreten. Der Versammlungsleiter gab im Anschluß an seine Be­grüßung einen kurzen Rückblick auf die trübe Sage, in die Deutschland gekommen und versprach sich nur Abhilfe durch eine Nationalversammlung die sich hauptsächlich aus Vertretern der bürgerlichen Par­teien zusammensetzen dürse. Er betonte dabri, daß das Zentrum auf dem Loden des Christentums stände, und erteilte mit der Hoffnung, daß seitens der Versamrn- lungSteilnchmer die Sachlichkeit gewahrt bleiben möchte, dem Redner des Abends, Redafteur Ritter aus München-Gladbach, das Wort. Dieser wies eingangs seiner AusMrungeu daraus hin, daß die Deutschen immer ein ruhiges Volk gewesen seien, das schließe jedoch nicht aus, daß sie im äußerste« Falle der Selbst­hilfe von dem Naturrecht der Revolution Gebrauch machen. Das hätte Deutschland, das nach 4 Kriegs- jähren keinen anderen Ausweg mehr gehabt, getan. Die drei Weltkrankhriten, nämluh der Imperialismus, der Militarismus und der Mammonismus bildeten die Ursache des Krieges, der unser Volk und unser Staats­wesen zerrüttete. In seinen weiteren Darlegungen zergliederte der Redner in anschaulicher Weise diese drei Begriffe. Die Imperialisten wollten, so Mtte er aus, die Weltherrschaft Deutschlands; sie bestanden auch bann noch auf diesem Ziele, als die Soldaten und die breiten Bolksmassen, die unter der Not des Krieges litten, zur Einsicht kamen, daß eS so nicht weiter gehen konnte und leitende Staatsmänner einen DerstänoigungSfrieden hcrbeiznführen sich bestrebten. Die Folge war der nicht mehr aufzuhaltende Zusam­menbruchs Die zweite Krankheit, der Militattsmus, sei die Herrschaft des Schwertes. Dieses beherrschte alles und die ganze deutsche Politik war darauf zu ge­schnitten. Dar Ende war der Ruf nach Frrihrit. WaS die dritte Krankheit, den Mammonismus anbe- (angtv so hätte es diele Menschen gegeben, die daS Ende deS Krieges und deS Mordens mehr fürchteten, wie alles andere. Der Wucher, Schleichhandel und Schmuggel habe das in feiner großen Mehrheit hun­gernd« Volk in kaum zu schildernder Weise verbittert und wenn die Soldaten auf Urlaub gewesen, hätten

sie Eindrücke erhalle^ die ihnen bett beste« Gl-mbeisi an daS Volk nehmen mutzten. Zn diesen Haupt-' kraukheiten seien noch allerhand Nebenerscheinungen^ hinzugetreten, die den Zusammenbruch begünstigt hat-! ten. So z.B. die preußische Heberheblichkeit, die Ab-! lehnung der Wahlreform, der Bürokratismus int Er­nährungswesen, der Verordnungen mehr wie zu viel, aber keine Nahrungsmittel geschaffen. Ein« der schlimmsten Krankheiten sei die Hebertragung deS Klas- sengeiftes aus das Heer gewesen. Das verkehrte Prin» zip deS OfsizierersccheS durch unreife junge Leute, die sich den EinjShttgen in 8er Schule ersessen und die man alten gereiften Männern als Führer vorgesetzt. (Stür-, mischer Beifall.) Die Bevorzugung der Offizier« und'! die Mißachtung der filteren Soldaten hätten eine immer größere Kluft geschaffen, wie er als Mitkämpfer selbst erfahren habe. Aus dieser verzweifelten Lage habe uns nur der Sprung aus dem Sumpf gerettet, di« friedliche, der Deutschen würdige Oktober-Revolution, die Einführung der Volksregierung, die uns den Weg zum Ftteden ebnete. Dann kam die zweite Revolution, deren Werkzeuge bfe" Matrosen gewesen seien und die der Redner scharf verurteilte, weil sie großen Schaden angettchket, den Friedensschluß erschwett und mit ihren Folgen die Reichseinheit zerstörte. Die einzige Ret» hing vor all den trüben Folgen, die der Redner rin». gehend schilderte, sei die Nationalversammlung, die uns rin neues Deutschland bringen solle. Alle Neben»: sfichlichkeiten solle man fallen lassen und nur dieses eine Ziel im Auge haben, den Völkern zu zeigen, daß die Deutschen im Stande seien, sich rin neuer Haus zu bauen. In seinen weiteren Ausführungen erläuterte der Redner das neue Programm der Zentrumspartei- und bezeichnete schließlich das Christentum als di«, Grundlage der sittlichen Kultur, deshalb sei auch die Trennung von Staat und Kirche eine Untnöglichkeit. Er erinnerte dabei an die vor 100 Jahren erfolgte Einziehung von Kirchengütern; da fei der Staat Ver­pflichtungen ringegangen, die sich nicht aufheben ließen. Ebenso sei auch der heilige Stuhl nicht anzutasten. Er schloß mit der Mahnung, daß wir in Ruhe und Ord­nung rin neues Deutschland aufbauen wollten. (Bei­fall.- Es folgte dann nach einer kurzen Pause di« übliche Aussprache, aus die ja ein großer Teil der Ver» fammlungsbesucher sehr oft wartet. Ein Sozial» bemefrat beklagte sich darüber, daß er am Tage vorher nicht richtig zum Wort gekommen sei. Er bezeichnet« das nette Programm als Stimmungsmache und »iei auf die Listen Verbindung des Zentrums hin. Auch seine Pattei erblicke als einzige Rettung eine ordenttst Nationalversammlung. Ern anderer Redner sprary sich ebenfalls hn Sinne der Sozialdemokratie anS, wäh­rend ein dritter Herr einige Fragen von bet* Redner des Abends bcantwottet wünschte. Eine Dame erflfirte sich die Abneigung der katholischen Kirche gepen die Trennung vom Staat aus der Sorge vor Einzrrh- uug weiterer Kirchengüter. Ein weiterer sozialdemokrati­scher Redner nahm die Matroseu-Division in Schutz. Die Radaumacher in Berlin seien nur in Matrosen» uniform gehüllte Verbrecher und Deserteure gewesen, mit Motroseit hätten sie nichts gemein. Herr Ritter antwortete auf alle diese Einwürfe und Fragen und betonte besonders, daß die erwähnte Listenverbindnng' wohl nicht bestätigt sei, worauf der Vorsitzende das Schlußwort nahm und die Versammlung, die trotz aller Mahnungen durch die Zwischenrufe manchmal einen lebhaften Charakter trug, gegen x/212 Uhr schloßt

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Unpolitische Ls-e«nachrichj«t»

Raubmord en einem Seldbriefträger. Berlin k Jan. Im HotelAdlon' wurde heute der 58jährige Eeldbriesträger Lang« erdrosselt aufgefunben. Die Tat muß gestern vormittag geschehen sein, nachdem Lange schon einige Bestellungen ausgefübrt hatte. Gr hatte bei Antritt des Bestellganges 8000 .« iu bar uud 41 Geldbriese mit hohe« Beträge« bei sich. Die Se» st:ll- und Gcldbrieftasche wurde bei dem Ermottrrten unbeschädigt, aber leer vorgesundeu, das Geld und die Geldbriefe waren geraubt. Das Zimmer, i« dem der Mord entdeckt wurde, gehörte zu einer Flucht von Räumen des ersten Stocks, die bis gestern ein angeb­licher Hausbesitzer ». Winterfeld aus Hamburg inne­hatte. Auf die Ermittelung des Verbrechers fetzten die Oberpoftdirekrion und di« Kriminalpolizei j« 500 Belohnung ans.

Seinen Kinder« de« Hals durchgeschnitten. Pfahl­heim (Oberamt Ellwangen). S. Jan. Heute «acht hät der 50 Jahr« alt« Schafbaner Eiberger feinen vier Kindern, von denen das älteste vier Jahre alt ist, nach­dem er die Dienstboten aus bei Wohnung gejagt und sich eingefchlosse« hatte, den Hals durchgejchuitten. Der Bauer hat die Tat in einem Anfall von Schwermut begangen.

Selbstmord. Nürnberg, 2. Jan. In einem An­fall von Schwermut hat der Fliegeroberkrutnani Röth Selbftmord veriibt. Er war wii dem Pour le Merite ausgezeichnet.

Schiffsunfälle. Kopenhagen, 3. Jan. Das deutsche FahrzeugMecklenburg', das aw Montag in See gegangen war, um Kriegsgefangene aus Deutsch­land abznhok«, sst auf der Höhe von Drago er festge­fahren. London, 2. Jan. Man meldet den Blät­ter« au« Rewyork, daß sich rin amettknuischer Trans- pcrtdampfer In großer Gefahr befindet. Zerstörer sind abgegangen. Ma« hofft, alle Leute retten ja können.

V«r«icht»»i, eines englischen Sette rdemagofins. Amsterdam, 1 Ja». Rach einer Rrotermelvung- ans London brannte dort gestern rin großes Getreide- Magazin ab. modei Lebensmittel h» Wert- so« 1 Will. Pfund Sterling «erkoren ginge«. Der den Gebäuden zngefügte Schade« beträgt eine halbe Million. Es wo» |» gut wie nichts versichert. Von omtticher Seite wurde die Vernichtung wn so riesigen »engen von Lebens­mittel« al« rin« «etUeale Katastrophe be- rrich««t,

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Letzte Nachrichten.

Di« Reichsregiernng »nd die süddeutsche« Forderungen.

Berlin, 3. Jan. Aus die Kundgebung bei süddeutschen Staaten an b? Reichsregierung richtete der Norfitzende der Reichsregiernng, Ebert, an den Ministerpräfibenten Blos in Stuttgart folgendes Telegramm:Vor endgiliiger Erklärung zu den

Beschlüssen der Stuttgarter Konferenz der süddeut­schen Regierungen vom 27. und 28. Dezember sind Verhandlungen mit mehreren Reichsämttrn erfor­derlich, die sofort eingeleitet worden find. Eine endgiltige Antwort erfolgt baldigst. Wir werden alles hm, nm die Mirwirtung der deutschen Frei­staaten an den Reichsgeschäften ficherzustellen und bis zur endgilfigen Regelung durch die National­versammlung noch Möglichkeit zu gewährleisten."

Verleger und für die Sdjriftieltung verantwortlich: Dr. phil. T. Hitzeroth in Marburg.