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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1850. M 304.

Aus dem Leben eines Taugenichts.

(Fortsetzung)

Die Vakanz geht bald zu Ende", sagte der Eine, wir müssen unS gleich von Linz links abwenden, so kommen wir noch bei guter Zeit nach Prag".Nun wahrhaftig"! rief der Waldhornist,wem willst du da waS vorpfeifen? nichts als Wälder ^und Kohlenbauern, Jein geläuterter Kunstgeschmack, keine vernünftige freie Station"! O Narrenspoffen"! erwiederte der Andere, die Bauern sind mir gerade die liebsten, die wissen am besten, wo einen der Schuh drückt, und nehmens nicht so genau, wenn man manchmal eine falsche Note bläst". Das macht, du hast keinpoint d'honneur, versetzte der Waldhornist,odi profanum vulgus et arceo, sagt der Lateiner".Nun, Kirchen muß eS auf der Tour doch geben", meinte der Dritte,so kehren wir bei den Herren Pfarrern ein". Gehorsamster Diener"! sagte der Walbhornist,die geben kleines Geld und große Sermone, daß wir nicht so unnütz in der Welt herumschweifen, son­dern unS besser auf die Wissenschaften appliziren sollen, besonders wenn sie in mir den künftigen Konfrater wit­tern. Nein, nein, Clericus clericum non decimat. Aber, waS gibt denn da überhaupt für große Noth? die Herren Professoren sitzen.auch noch im Karlsbade, und halten selbst den Tag nicht so genau ein".Ja, dis- tinguendum est inter et inter, erwiederte der Andere, quod licet Jovi, non licet bovi!

Ich aber merkte nun, daß eS Prager Studenten waren, und bekam einen ordentlichen Respekt vor ihnen, besonders da ihnen das Latein nur so wie Wasser vom Munde floß.Ist der Herr auch ein Studirter" ? fragte mich darauf der Waldhornist, Ich erwiderte bescheiden, daß ich immer besondere Lust zum Studieren, aber kein Geld gehabt hätte.

Das thut gar nichts", rief der Waldhornist,wir haben auch weder Geld, noch reiche Freundschaft. Aber ein gescheuter Kopf muß sich zu helfen wissen. Aurora musis amica, das heißt zu deutsch: mit vielem Früh­stücken sollst du dir nicht die Zeit verderben. Aber wenn dann die Mittagsglocken von Thurm zu Thurm und von Berg zu Berg über die Stadl gehen, und nun die Schü­ler auf einmal mit großem Geschrei aus dem alten, fin­stern Kollegium herauSbrechen und im Sonnenscheine durch die Gassen schwärmen da begeben wir unS bei den Kapuzinern zum Küchenmeister und finden unsern gedeckten Tisch, und ist er auch nicht gedeckt, so steht doch für jeden ein voller Topf darauf, da fragen wir nicht viel darnach und essen und perfektioniern uns dabei noch im Lateinischsprechen. Sicht der Herr, so studiren wir von einem Tag zum andern fort. Und wenn dann end­lich die Vakanz kommt, und die Andern fahren und reiten zu ihren Eltern fort, da wandern wir mit unsern Instru­menten unter'm Mantel durch die Gassen zum Thore hin­aus, und die ganze Welt steht uns offen."

Ich weiß nicht wie er so recht erzählte, ging eS mir recht durch'S Herz, daß so gelehrte Leute so ganz verlassen sein sollten auf der Welt. Ich dachte dabei an mich, wie es mir eigentlich selber nicht anders ginge, und die Thränen traten mir in die Augen. Der Waldhor­nist sah mich groß an.Das thut gar nichtS", fuhr er wieder weiter fort,Ich möchte gar nicht so reisen: Pferde und Kaffee und frisch überzogene Betten und Nachtmützen und Stiefelknecht vorausbestellt. Das ist just daS Schönste, wenn wir so früh Morgens heraustceten und die Zug­vögel hoch über uns fortziehn, daß wir gar nicht wissen, wel­cher Schornstein heute für unS raucht, und gar nicht vor- auSsehen, waS uns bis zum Abend noch für ein besonderes Glück begegnen kann."Ja", sagte der Andere,und wo wir hinkommen und unsere Justrumente herausziehen,