höchst ungesund; hier sind Alle gesund, trotzdem daß sie immer im Wasser arbeiten müssen.
Der Durchschnittsertrag hier in der Saison d. i. von April bis Ende November, ist für einen Mann, der be» ständig und sehr hart arbeitet, 5— 6 Dollars per Tag (15—17 fl. 30 kr.), die nöthigsten Lebensmittel kosten per Tag wenigstens 1 Dollar, so daß nur ein sparsamer und thätiger Mann viel erübrigen kann ; natürlich haben hier, wie in allen Minen, Manche ein ungewöhnliches Glück, doch ist dies im Ganzen nicht häufig. Im Ganzen hat der Goldreichthum Kaliforniens schon sehr abgenommen ; man kann dies am besten an der Höhe des Arbeitslohnes ersehen, im vorigen Jahre konnte man keinen Mexikaner für weniger denn 150 Dollars nebst Kost per Monat dingen, Amerikaner noch bedeutend theurer; in diesem Jahre kann man genug europäische oder mexikanische Arbeiter zu 100 Dollars nebst Kost per Monat bekommen ; ferner ist die Einwanderung aus allen Theilen der Welt beständig im Zunehmen begriffen, so daß ich mit Gewißheit voraussage , im nächsten Jahre wird der Arbeitslohn nicht über 40 Dollars monatlich betragen. Natürlich werden die Waaren mit dem Transport auch billiger werden, im Norden ist beides jetzt schon bedeutend billiger geworden.
Die Moralität hier in Kalifornien ist nicht zu streng, die Begriffe von Eigenthum sind häufig etwas verwirrt, doch nicht durch den Einfluß deS Kommunismus, der hier verschwindet; sodann findet man hier unternehmende Frauenzimmer auS allen Theilen der Welt: China und Peru sowohl als Deutschland und Frankreich sendeten ihr Kontingent nach dem Eldorado.
In der Mine befinden sich sehr viele Franzosen, die auf GouvernementSunkosten nach Kalifornien transportirt wurden, meist Juniinsurgenten und Soldaten der Garde mobile. Lächerlich ist eS übrigens, wie bald der Kommunismus dem Einflüsse des Mammon unterliegt: die „ebeln" Proletarier, die Söhne Cab et'S und Proudhon'S werden hier sehr rasch arge Egoisten, deren einziges Streben eS ist, recht bald zur besitzenden Bourgeoisie von Frankreich zu gehören: „Die Arbeit ist Genuß" will den meisten nicht mehr recht einleuchtcn, doch muß ich zugeben, daß Einige das Dogma Proudhon'S „la propricié e’est le vol“ noch nicht vergessen haben: leider begriffen aber die amerikanischen Barbaren dies Dogma nicht, und gaben neulich einigen Parisern, die ein Paar Pferde für ihren eigenen Gebrauch nur sich zueigneten , 39 Hiebe auf den bloßen Rücken, und schoren ihre Häupter (die gewöhnliche Strafe hier für den Diebstahl) auch mußten sie die Minen verlassen.
In nähere Details über meine Reise und Aufenthalt hier kann ich jetzt nicht eingehen , doch hoffe ich in 1 oder 2 Jahren im Stande zu sein, Euch mündlich hierüber zu berichten.
Recht viele Grüße an- k. k.
Dein treuer Bruder (gez.) C. D. v. Schütz.
L *c f e f r ü c^ t e
Wir wollen keinen Menschen aufgeben, am wenigsten einen jungen, noch wachsenden Menschen. In jedem liegt ein Juwel, das Kleinod und Dokument seiner himmlischen Bestimmung! daß dieser unbewölkt den Menschen durchstrahle und wo er be- wölkt worden wieder rein herborbreche dazu soll die erziehend« Hand in die Tiefe hinabwirken. Glauben wir daran nicht mehi so ist alles Erziehen thörichtes Beginnen. (Schwarz.)
Ein großer -Eroberer, der nicht mehr ist, als ein Eroberer ist mir ein kleiner Mensch. Wer aber die Men sch Heil in d en K ind e rn liebt u n d für ih r W a ch s t h um und ihre Geistesbildung sich opfert, der ist ein gro- ß e r Mann, wenn ihn gleich keine Druckerpresse namhaft macht Sein Name ist im Himmel geschrieben und die Engel Gottes nennen ihn mit Erfurcht. (Sailer.)
Wie viel ist schon für die Erziehung gewonnen, wenn bis Eltern in Gegenwart ihrer Kinder ihre Zunge im Zaume halten! Der Fuhrmann flucht vor seinen Kindern, die Dame plaudert von Liebeshändeln re. Schämt sich der Eine nicht sich durch sein Kind die Mittel zur Berauschung herbeiholen zu lassen, so muß bei der Andern das Kind Wache stehen, wenn etwas Unerlaubtes hinter dem Rücken des Vaters vorgeht.
König Jakob I. von England wurde von seiner Amme, die ihn gesäugt hatte, gebeten, ihren Sohn zum Gentlemen zu machen. Jakob sagte: „Das kann ich nicht; zum Grafen kann ich ihn machen, aber zum Gentleman muß er sich se lbst machen.
, L e ssi n g war der literarische Arminius, der unser Theater von der Fremdherrschaft befreite. Er war gleichsam der Iohannes der Literatur und G o et he der Messias. Leider predigte er aber auch oft in der Wüste. Lessing war ein ganzer Mann, der durch seine Polemik das Alte zerstörend bekämpfte und zu gleicher Zeit selber etwas Neues und Besseres schuf. Er gleicht den Juden beim zweiten Tempelbau zu Jerusalem, in einer Hand die Waffe gegen den Feind, mit der andern wird am Gotteshause weiter gebaut. (Heine.)
Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Boczek.
Theater zu Wiesbaden.
Samstag den 23. Nov. Preciosa. Melodrama mit Tanz i in 4 Akten von P. A. Wolf. Mustk von C. M. von Weber.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.