Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen Allgem. Zeitung.
1850. — M S77.
Die Galeere des Herzogs von Vivonne
Novelle auS dem Französischen von Fr. Bouffier.
(Fortsetzung.)
Von Dankbarkeit durchdrungen, wollte sich Philipp zu den Füßen deS Siegers von Messina niederwerfen; Vivonne verhinderte ihn daran, drückte ihn zum zweiten Male in seine Arme und verabschiedete ihn endlich mit folgenden Worten voll Geist und Güte:
„Ich habe Euch anempfohlen, wieder ein ehrlicher Mann zu werden; diese Empfehlung war unnütz; heute aber empfehle ich Euch, ein großer Künstler zu werden. Frankreichs Eroberungen beschränken sich nicht allein auf die der Kanonen und Degen, sondern erstrecken sich auch auf die der Intelligenz und Wissenschaften. Diese letzteren sind die reinsten und haltbarsten. Ich habe Messina erobert, erobert Ihr ganz Sicilien, und benutzet alle diese Eroberungen bei Euren einstigen Werken."
Philipp durchstreifte ganz Sicilien; er besuchte alle neuen Städte, alle noch stehenden Tempel, sowie die noch übrig gebliebenen Monumente' und Reste der Vorzeit. Er wohnte einem Ausbruche des Aetna und den Prozessionen Palermo'S bei, zwejer Dingen, die man stets mit Begeisterung betrachtet; denn dort sind Ströme von Lava, Erdpech, Asche und schwarzen Kiesel, die gegen die Tiefen der Hölle hinab zu rollen scheinen; hier Regen von Blumen und Ströme von Wohlgerüchen aus herrlichen Vasen, die in wellenförmigen Wolken gegen die Gewölbe deS Himmels emporsteigen. Nach Verlauf eines Monats kehrte er wieder nach Messina zurück, um sich von da nach Frankreich einzuschiffen, auf einem Schiffe, daS ihn nach der heiligen Erde deS Vaterlandes bringen sollte, deS Vaterlandes, das er als niedriger Sträfling verlassen, und daS er ehrenvoll wieder begrüßen sollte, als Bürger, im Besitze der Hausgötter Gold und Silber!! — Glückliche Verwandlung!
i In dem Augenblicke, als das Schiff, auf dem sich Philipp Asselin befand, auS Messina'S Hafen auslief, kehrte ’ traurig ein französisches Kriegsschiff in denselben ein, mit schwarzen Segeln und schwarz eingehüllter Fahne. Dieses Kriegsschiff war die Fregatte „der Phönix"; sie brachle einen algierischen, in den sardinischen Gewässern gekaperten Korsaren im Schlepptau mit, und auch — den Leichnam ihres Kommandanten, deS Marquis von Allainvall, der im Gefechte mit den Seeräubern gefallen war.
Der junge Marquis, niedergedrückt von dem Gewicht seiner Schande, hatte die Achtung seines Generals und die Ehre seines Namens wieder erringen wollen. In einem fürchterlichen Gefechte mit den Piraten, zu deren Verfolgung er ausgeschickt worden war, hatte er sich, Einer der Ersten tapfer an Bord deö feindlichen Schiffes gestürzt und ehrenvoll die Palmen des Sieges mit seinem Leben bezahlt.
„Unglücklicher junger Mann!" rief Philipp, seinen Hut fromm abnehmend, als das Schiff mit der verschleierten Fahne an dem seinigen vorbeilief. Die Kanonen deS Forts entluden sich langsam, um die sterblichen Uederreste des jungen Seemanns zu begrüßen, während das Schiff Asselin's mit vollen Segeln freudig der Küste der Provence zusteuerte.
Die Werkstätte deS GoldarbeiterS.
Der Einfluß und die Verwendung des Herzogs von Vivonne hatten Wunder bewirkt; gleich bei seiner Ankunft in Paris wurde Philipp Asselin von der Golbar, beiterzunft auf eine Weise empfangen, die alle feine früheren Beschimpfungen vergessen machte, durch ein königl. Dekret als Meister bestätigt und mit allen Vorrechten deS Standes belehnt; obwohl auch 3 Jahre nicht hingereicht haben würden, daS gänzliche Andenken der früheren, durch die Assisen ausgesprochenen Verurtheilung auSzu-