mirkgestohlen wurden. Einmal sahen wir kein HauS in 240 Stunden Wegs; eine Entfernung von 30 Stunden ohne einen Bissen oder einen Tropfen Wasser hatte ich einst durch zu machen, und später passirte ich die Wüste zwischen Sonora und Niedercalifornien, 35 Stunden ohne Wasser und 45 Stunden Wegs ohne Gras für unsere Thiere. Es grauet mir noch, wenn ich an jene Scenen zurückdenke. Diese Wüste hat ganz den Anschein eines arabischen SandmeereS, fast der ganze Weg hindurch ist besäet mit Gerippen von gefallenen Thieren und verschiedene Gräber zeigen den Reisenden die Gefahren dieser schrecklichen Gegend. Auch hat die Wüste ihre Beduinen: die AumaS, ein berittener Jnvianerstamm, morden und rauben, wenn immer sich eine günstige Gelegenheit varbietet, sie erschossen einen meiner Kompagnons mit Pfeilen und ich selbst entkam ihnen nur mit genauer Noth. Mein Reitpferd stahlen sie mir übrigens, und ich hatte einen großen Theil der Wüste zu Fuß durch zu machen, um meine Gesellschaft die voraus war, einzuholen — durch glühenden Sand und in einer brennenden Sonne. Meine übrigen Pferde verlor ich in Californien.
Am Ausgange der Wüste überraschte uns der furchtbarste Hagelsturm den ich je erlebt habe; der ganze Tag war drückend heiß gewesen; gegen Abend ward eS plötzlich ganz dunkel und der Wind trieb dichte Sandwolken vor sich her, so daß man kaum athmen konnte, jbis der Orkan losbrach. In ganz kurzer Zeit war die Wüste unter Wasser, trockene Gräben schwollen an zu Gießbächen, die wir hätten durchschwimmen müssen, daher waren wir genöthigt an Ort und Stelle zu bleiben. Die Nacht war j schrecklich; wir konnten kein Feuer machen, um unS zu s trocknen, da nicht der geringste Strauch in der Nähe zu: finden war und die Masse von Eis und Wasser es auch \ nicht zuließ; der rasche Uebergang von Hitze zur Kälte verursachte mir ein Fieber und ich hatte die ganze Nacht mit Fieberfrost und mit nassen Kleidern in der Nässe zu liegen- Doch den nächsten Tag war ich wieder gesund, und wir erreichten die erste Niederlassung von Californien, eine Kolonie von christlichen Indianern, wo wir Trauben, Pfirsiche und guten Wein vorfanden. Früher schon, als wir die CorbilleraS von Merico überschritten, hatten wir einen Hagelsturm, jedoch nicht so heftig als den in der Wüste. Dieß sind nur einige wenige Skizftn der An. nehmlicheiten einer Reise vom mericanischen Golf zum stillen Ocean. Im Innern von Merico amüsirten wir uns übrigens ganz gut; jedesmal, wenn wir eine Niederlassung oder ein Städtchen erreichten, wurden wir zum „Fandango" eingeladen, und die spanischen „Sennoritas" scheinen auch die Fremden ihren braunen Don'S vorzu. ziehen. Ich hatte immer den Dolmetscher zu machen in drei Sprachen, da unsere Kompagnie aus Amerikanern
und Franzosen bestand, und keiner außer mir spanisch spre, chen konnte. Deutsch habe ich jetzt seit mehr denn einem Jahre nur selten Gelegenheit gehabt zu sprechen und das Englische ist mir wirklich schon geläufiger geworden, als daS Deutsche.
Die erste Stadt, die wir in ^Kalifornien erreichten, war San Diego, ein Hafenplatz am stillen Ozean, an der Gränze von Mexico. Jenseits hatten die mericanischen Truppen ein Lager bezogen, und ich besuchte dort einen deutschen Adjutanten, der vor Kurzem erst aus der Hauptstadt hier eingetroffen war. Er kannte unseres Bruders Ferdinand Wohnplatz, ihn selbst jedoch hatte er nie gese« hen; der General stellte mir eine Anstellung als Vermesser in Aussicht, wenn ich acht Tage auf die Entschei. düng der Kommission warten wollte, was ich jedoch ablehnte. Der größte Theil meiner Kompagnie schiffte sich hier ein nach San Francisco, nur ein Franzose und ich beschlossen, zu Land nach den Minen zu reisen, eine Entfernung von 350 Stunden. Die Reise durch Californien war ganz angenehm, da wir jeden Tag eine Mission ober eine Niederlassung erreichten und daher nie an Lebensmitteln oder Früchten Mangel litten. Der Süden van Kalisornien ist schön an der Küste, liebliche italienische Landschaften unter dem klarsten Himmel, der sich denken läßt, und ich habe nie in meinem Leben etwas Prachtvolleres gesehen, als einst einen Sonnenuntergang hier am Meeresstrand. (Forts, folg.)
Neue Art Telegraphen.
Vor einigen Wochen meldete ein Herr Allir in der Zeitung „Republiquc": Vermittels einer neuen und außerordentlichen Anwendung des elekirischen Fluidum könnten zwei Personen in beliebiger Entfernung miteinander korrespondiren, ohne daß sie nöthig hätten, sich der Drähte zu bedienen. Man meinte anfangs, es handele sich um einen Scherz, etwa in der Weise , wie damals als Herschel's Mondbewohner aufs Tapet kamen. Aber Herr Allix nimmt die Sache ernsthaft, und will demnächst öffentlich den Beweis liefern, daß sein sympathetischer Telegraph nicht etwa ein Puff sei. Er erzählt Folgendes: Vor sechs Jahren kamen zwei Männer, Benoit und Biat auf den Gedanken, ob sich nicht eine Gedankenmittheilung durch elektrische Sympathie bewerkstelligen lasse. Sie hatten sich davon überzeugt, daß gewisse Thiere unter dem Einflüsse des elektrischen Fluidum große Empfänglichkeit bethätigen, und daß die Sympathie, welche sie unter derselben empfinden, sie einander völlig identisch mache, die Entfernung, der trennende Raum, zwischen