Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — M S7S
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Die Galeere -es Herzogs von Vivonne
Novelle auS dem Französischen von Fr. Bouffier.
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(Fortsetzung.)
Ein junger Sklave hörte auf zu rudern und sagte, sich schnell aufrichtend, ungeachtet des schon über seinem Kopfe erhobenen Stockes des Aufsehers, „ich bin ganz bereit, wenn Sie genehmigen, mich frei zu lassen".
Vivonne sah den Sträfling an; mit einer Bewegung hieß er den Rudcrmeister sich niedersetzen, mit einer andern verordnete er, daß man dem Gefangenen die Eisen abnehme.
„Du hast also das Herz" ? fragte Vivonne den Sklaven, als dieser, von seinen Ketten befreit, leichten Fußes von seiner Ruderbank auf den Verdeckboden gesprungen und ehrfurchtsvoll in einiger Entfernung von seinem Generale stehen geblieben war. |
„Ich bin Franzose, bevor ich Galeerensklave bin", । antwortete der junge Mann entschlossen, und unter die« s sem rothen WamS schlägt ein ebenso edles Herz alS unter manchem goldverbramten Kleive".
Und diese Worte aussprechenb, ließ er einen unsäglichen Blick der Verachtung auf den Marquis von Allain« ‘ vall fallen, denn er hatte Alles beobachtet und AlleS gehört.
„Dein Name" ? fragte Vivonne.
„Philipp Asselin".
„ES ist gut. Du weißt, waS Du zu thun hast".
„Jawohl, mein General".
"So gehe".
Kaum war dieses Wort ausgesprochen, alS sich Phi« ■ I lipp, mit einer neuen Fahne beladen, mit der Leichtigkeit I eines AdlerS und der Kühnheit eines Löwen aus das ! I ^ordertheil der Galeere schwang. Aber nicht wie diejeni- l gen, welche in diesem gefahrvollen Auftrage seine Vor
gänger gewesen waren, begnügte er sich damit, die Fahne in das Stativ von Bronze einzustecken, sondern er stellte sich selbst auf dem engen Raume auf, mit seinem Arme die Fahne umfassend, und so den feindlichen Kugeln trotzend.
Ein allgemeiner Schrei >er Bewunderung ließ sich auf der Hauptgaleere und den übrigen Schiffen hören. Selbst Vivonne, der sich so gut aus Tapferkeit und Unerschrockenheit verstand, war von dem verwegenen Heroismus betroffen und rief:
„Sichere die Fahne und steige herunter; ich befehle es Dir" !
„Herr", entgegnete Phil. Asselin mit ruhiger Stimme, „wir sind nicht mehr als 3 Schiffölängen vom Ufer, erlaubt mir, Eurem Befehle ungehorsam zu sein".
„Du wirst unnütz umkommen", erwiderte Vivonne.
„Aber nicht ohne Ehre, mein General, und das ist Alles, was mein Ehrgeiz verlang:".
„In der That, je mehr man sich dem Ufer näherte, um so mehr nahm baS Feuer der Spanier an Heftigkeit zu; das Kleingewehrfeuer der am Ufer-aufgestellten Truppen kam der Artillerie, deren Kugeln schon meist über die Köpfe der Stürmenden gingen, zu Hilfe. Aber die Kugeln flogen meist nach der Fahne, und von Augenblick zu Augenblick sah man den weißen Stoff der Fahne sich mit großen Blutflecken färben... es war das Blut Philipp Asselins, der, immer kaltblütig und fest an seinem Posten stehend, keine Spur von Schwankung und Ermüdung blicken ließ.
VivonneS Bewunderung über den beständigen Heroismus deö jungen Sklaven war in Enthusiasmus übergegangen.
„Beschleunigt den Angriff", rief er durch sein Sprachrohr den anderen Befehlshabern der Galeeren zu, „und werfet eiligst Euere Infanterie ans Ufer".