Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1850. — ^ S71
Die Galeere -es Herzogs von Vivonne
Novelle aus dem Französischen von Fr. Bouffier.
(Fortsetzung.)
Die Einahme von Messina.
Die Einwohner Messina'S hatten sich 1675 gegen die Spanier erhoben und riesen Frankreichs Hülfe an. Ludwig XrV. schickte ihnen den Besieger Ruyter's, den Vize-Admiral Duquesne, und Ludwig von Rochechouart, Herzog von Vivonne, General der Galeeren und Bruder der Marquise von Montespan. An der Spitze einer furchtbaren Flotte leisteten die zwei Generale Ludwigs XIV. Alles, was man nur von ihrer Erfahrung und ihrem Muthe erwarten konnte. Den 27. April schlug und zerstreute DuqueSne die der französischen an Stärke weit überlegene Flotte, und andern TageS, den 28., zeigte sich Vivonne mit seinen Galeeren und 5 Schiffen der siegreichen Flotte vor dem Hafen von Messina.
Allein die Spanier hatten noch die 2 Forts, welche den Eingang ves Hafens und einen Theil der Rhede vertheidigen und beherrschen, gut besetzt. Von diesen beiden, durch Natur und Kunst wundervoll befestigten Punkten, eröffneten sie ein fürchterliches Kreuzfeuer und ließen eine Fluth von Geschossen auf die französischen Schiffe regnen; Kanonenkugeln, Bomben, Kartätschen flogen und prasse!» ten zugleich auf diese herrlichen Schiffe, welche kaltblütig in der Milte jener unaufhörlichen Blitze manövrirten, die ihre Segel zerrissen, im Kreuzfeuer ihre Flanken bestrichen und die Verdecke mit Todten und Verwundeten I bedeckten.
Der ungestüme Vivonne, den der regelmäßige Lauf seiner Schiffe ungeduldig macht, faßt den Entschluß, den Hafen mit seinen Galeeren zu erstürmen. Er läßt sich auf die Hauptgaleere bringen, und während die Schiffe >nit fürchterlichen Ladungen dem mörderischen Feuer der
Spanier antworten, fliegt er mit vollen Segeln mit feinen leichten, in 2 Linien geordneten Galeeren, gegen.den Eingang des Hafens.
Die Spanier haben das kühne Manöver des französischen Admirals bemerkt. Alle ihre Anstrengungen find nun darauf gerichtet, diese leichten Schiffe, welche 600 Kettensklaven in rothen Jacken mit ihren Rudern über den blauen Spiegel deS Mittagsmeeres gleiten lassen, in Grund zu schießen. Ihr Feuer konzentrirt sich auf den durch die Galeeren bedeckten Raum, und bald ist daS Platschen der Ruder vom Geschrei der Sterbenden und den Wehklagen der Verwundeten übertönt.
„Kinder", ruft Vivonne, „fürchtet euch nicht", ich bin dicker als ihr (Vivonne besaß eine außergewöhnliche Korpulenz), und die Kugeln haben mich noch nicht getroffen. Muth ! Muth I wir kämpfen und sterben für den König und für daS Vaterland!
Ein ungeheurer Schrei der Soldaten und Galeerensklaven, und ein dreimaliges „Es lebe der König"! bewies, daß vor dem glorreichen Tod der Schlachten das erhabene und beseligende Andenken an das Vaterland allen Muth anfeuerte und selbst die Seelen derjenigen erhob, die dieses aus seinem Schooße gestoßen hatte. Auf diesen mit Windesschnelle dahin fliegenden Gebäuden, die jeden Augenblick der Zerstörung trotzten, waren nun keine große Herren, keine Soldaten, keine Sklaven mehr, eS gab nur Franzosen, die von heiligem Feuer für'S Vaterland glühten und in größter Hast wetteiferten, um Frankreichs Fahne triumphiren zu lassen.
Die Hauptgaleere, auf der sich Vivonne befand, setzte sich zuerst dem feindlichen Feuer auö und wurde bald dessen Zielpunkt. Man erkannte sie von weitem, diese Königin der Galeeren, an der Pracht der Bildhauerar, beiten, welche ihr Vordertheil zierten, an den Tritonen, den Nereiden , den Delphinen, die sich in Form von